schlachtin einer der Natu r bühne entsprechenden Bearbeitung während der Pfingsttage im Freien aufführen, wozu schon jetzt die umfassendsten Vorbereitungen getroffen sind. Tie Rollen sind mit Damen und Herren aus unserer Stadt besetzt und soweit die Proben gezeigt haben, darf eine gediegene Aussiihrung erwartet werden. Zu den bedeutenden Kosten des aller Anerkenn innig werten Unternehmens haben hiesige Kunstfreunde bereits größere Beiträge in Aussicht gestellt, sodaß das immerhin gewagte Unterfangen auch finanziell gesicl;ert erscheint. Zugleich hat sich die hiesige Ortsgruppe Mit dem Teutoburgerwaldverein zusammen- geschlvssen, um eine gemeinsame Feier an der Stelle zu veranstalten, die durch das Hermannsdenkmal ihre nationale Weihe erhalten und in deren näherer oder weiterer! Umgebung die Vernichtung der römischen Legionen stattgeftinden hat. Diese deutsche Natioualfeier soll in den Tagen vom 15. bis 22. August 1909 stattfinden, da in derselben Zeit (16. August) im Fahre 1875 die Weihe des vollendeten Hermannsdenkmals vor Kaiser, Fürsten und vielen Vertretern des deutschen Volkes erfolgt ist. Fertiggestellt ist bereits ein Festspiel, das in jenen Tagen im Freies angesichts des Hermannsdenkmals zur Ausführung kommen soll und der durch den Gießener Wandervogel dargestellten Hermannsschlacht vorauf gehen wird.
Am 15. August wird der Ausschuß für ein Bandel-Denkmal eine im Geiste des Hermannsdenkmals geplante, mit einem Reliefbildnisse Ernst von Bändels geschmückte neue Einlage festlich weihen: am 22. August wird der deutsche Turnkreis VIII a eine Feier mit turnerischen Spielen und Wettkämpfen veranstalten. Geeignete Ansprachen werden bei beiden Gelegenheiten auf die Bedeutung der Feier Hinweisen.
Dieser vorläufige Plan kann iwch erweitert und vertieft werden, je nachdem der Gedanke der Jahrhundertfeier Anklang und Unterstützung in weiteren Kreisen findet.
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— Die Theatevkomtnifsion des Straßburger Gemeinderats faßte folgenden Beschluß zu dem Thema: Bühnengenossenschast und Bühnenverein: Die einseitige Kündigung des Schiedsgerichtsoertrages ohne Mitwirkung der Bühnengenossenschast ist rechtlich unwirksam. Es besteht keine Veranlasiun, die Mitgliederbeiiräge der Bühnengenossenscha't nicht mehr durch die Theaterkasse einziehen zu lassen. Der Direktor des städtischen Theaters Dr. Wilhelmi wird als Mitglied des Bühnenvereins ersucht, dahin zu wirken,
daß die Verhandlungen mit der Bühnengenossenschast wieder ausgenommen werden. Den Zustimmungserklärungen für die Bühnen- genosseuschast und den Protesten gegen den Bühnenverein hat sich, nunmehr auch das gesamte Küustlerpersonal des Wiener Burgtheaters angeschlossen.
— Wie Richard Strauß Akademiker wurde. Ten Komponist der „Salome" ünd der „Elektra" ist nun auch in die Reihen der Akademiker aufgenommen worden. Es währte lauge, bis der Widerstand eines Teiles der ordentlichen Mitglieder der Akademie gegen die Wahl von Richard Strauß gebrochen werdest mite. Seit läng!er denn drei Jahren stand Strauß auf denVo rschla gslisten , und länger als drei Jahr« wurden heftige Debatten, die zum Teil einen hochdramatischeni Charakter annahmen, über die Aufnahme von Richard Strauß geführt. Ter Führer jener Gruppe von Akademikern, die den königlichen Hvfkapellnreistev für zu unakademisch hielten, war Josef Joachim. Einen diametral entgegengesetzten Standpunkt nahnv eine andere kleinere Partei der Akademiker ein, zu der in erster Linie Professor Humperdinck gehörte. Ta starb Joachim, und nun trat ganz plötzlich eine neue Konstellation der Parteien innerhalb bet Akademie ein. Mermals erschien der Name von Rickwrd Strauß auf der Vorschlagsliste, und diesnial brauchte die Akademie nur eine Sitzung von ganz kurzer Tauer, um die Wahll des umstrittenen Kandidaten zu proklamieren. Da übrigens auch verlautete, der Kaiser habe durch Vermittelung des Kultus- ministeriums leinen Einfluß in die Wagschale geworfen, um Richard! Strauß den Eintritt in die Akademie zu erleichtern, so sei hier betont, daß die Kunde durchaus unrichtig ist , , - Kreuzungsgesetz und Milchgewinnung. Ter bekannte Tierkenner Th Zell macht im Anhang seines kürzlich erschienenen Buches: Untencheidet das Tier Mann und Frau'-' recht beachtenswerte Bemerkungen über .Kreuzungsgesetz und Milch- gennnnung Ausgehend von dem Gesetz der Kreuzung, nach dem da» Nwmiliche Wesen sich zum weiblichen hingezogen fühlt und wcnvliches zu männlichem, sucht er den Nachweis zu liefern, daß oie, Erfolge der Stallschweizer in Deutschland weniger auf ihre beiondere Gei chicklichkeit zurückzuführen seien, als darauf, daß die Kilhe sich von ihnen als Männer lieber und ergiebiger; mellen lallen, als von bcn Stallmägden, die jonst in Deutsch-- land das Melken befolgen. Praktische Völker haben diesen Vorzug der wlunner langst geahnt, wie uns Schweizer, Engländer; und. Amerikaner zeigen.
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen,
Zweites Blatt ISS.Jahrgang Mittwoch 1V. März 1909
Erscheint tilgllch mit Ausnahme deS Sonntag?. .a ,a aa a aa a a, a x a jA aa Rotationsdruck und Verlag der Lrühl'schen
---- i OWyO Bä Olr P'-! OYoIoOB* UnioCrfuät§-®udj- und Skemdruckerei.
Die „Gtehener §ami«en''!ätter- werden dem »DH« M B D B I H K V< R. Lange, Gießen.
»Anzeiger' viermal wöchen lich beigelegl, daS J R- B W || H iw & M MS* W i&Jj.
„Kreisblatt für den Kreis «iehen" zweimal
Seneral-Anzeiger für Gberheffen
Die Tabaksteuer in der Zinanzkommisswn.
Zu Beginn der Dienstagsitzung sucht Ministerialdirektor Mhn den Banderole-Entwurf gegen die in voriger Sitzung erhobenen Bedenken zu verteidigen. Seiner Ansicht nach werde durch den Banderole-Entwurf die Anonvmität nicht ohne weiteres aufgehoben; auch seien die Erhebungskosten lischt so groß, wie van verschiedenen Seiten behauptet wäre. Temgegenüber weist der Abg. Schmidt-Altenburg, her selbst Zigarrenfabrikant ist, daraus hin, daß ohne Frage durch die Bestimmung in § 10 das Zigarrengewerbe zu einem Marken- und Reklamegeschäft zum Schaden der Kleinbetriebe gestempelt würde, Ferner hält er die Erhe- bungskosten für zu gering veranschlagt und gibt zur Erwä- igung, daß doch außerdem den Fabrikanten durch die .Bande- 1'0(6 nicht geringe Kosten erwüchsen. Es erregte allgemeines Interesse, als dieser Fachmann die Ansicht aussprach, daß von der Industrie eine Mehrbelastung von 3 0 Mill. Mark, wie es die Vorlage von 1905 vorgesehen hätte, getragen werden könne.
Nachdem alsdann der Abg. H o r m a n n Bedenken gegen den Einfluß der Banderole aus die Heimarbeiter geltend gemacht hatte, ergriff unter allgemeiner Spannung der Herr Regierungskommissar Dr. Lißner das Wort und sang ein Loblied auf das amerikanische Banderolesyskem. Vor allem stellte er zwei kühne Behauptungen auf, die manches Kopfschntteln erregten; einmal, daß der Kleinbetrieb auch unter einer Banderole ungefährdet fortbestehen bliebe, und zweitens, daß durch Banderole dem Arbeiter eine Lohnsteigerung gesichert sei, da dieser durch sie in der Lage sei, den Verkaufspreis zu erkennen und so event. Lohnaufbesserung zu verlangen. Fernerhin behauptete er, Konsum und Steuer stünden nicht in direktem Zusammenhang und bestritt die nachteiligen Folgen der Tabakbe- steuerung vom Jahre 1879.
Ter darauffolgende Redner Dr. Contze, der ausdrücklich betonte, daß er nur für seine Person, nicht im Auftrage der nationalliberalen Fraktion spreche, führte aus, daß die Verhältnisse der amerikanischen Tabak- i n d u st r i e nicht ohne weiteres mit den deutschen verglichen werden könnten. Es beständen allerdings dort eine sehr große Zahl von Zwerg- und Kleinbetrieben, aber diese seien künstlich gezüchtet, da sie aus dem ihnen zugehenden Rohtabak mehr, Zigarren als das feststehende Rendement vorschreibt, herstellten, diese dank der Praxis der amerikanischen Steuerbeamten nicht versteuerten und so Extraprofit hätten. Er weist ferner darauf hin, daß die amerikanische Zigarrenindustrie schon zum Marken- und Reklamegeschäft geworden sei, weil außer der Banderole in jeder Kiste Distriktbezeichnung und 9Znnimer des Kontrollbezirks eingebrannt würde, aus der ohne weiteres der Fabrikant fest- gestellt werden könnte. Es sei ferner bei diesem Vergleich mit Amerika zu erwägen, daß die Fabrikatsteuer dort nur 0 Doll, pro Mille für alle Sorten beträgt, und obendrein nur wenige Fassons dort fabriziert würden. Bei dem Vergleich der ^teuererträge aus dem Tabak in den verschiedenen Ländern werde ein Moment nicht genügend beachtet; das ist die Frage des A r b e i t er st a n d e s und des Mittelstandes. Für uns ist die Tabaksteuer- frage nicht nur eine finanzielle, sondern sozialpolitische und volkswirtschaftliche. Nachdem dies durch vergleichende Statistik der Zahl der Arbeiter und Betriebe ausgeführt ist, geht Redner auf die Sonderschäden der Banderole ein. Er betont, daß trotz starker progressiver Wertbesteuerung stets der Massenkonsum getroffen werde, daß fernerhin bei allem guten Willen, nur den Konsum zu treffen, die Produktion zu sehr in Mitleidenschaft gezogen würde.
Ter konservative Abg. Kreth spricht sich alsdann wiederum für Banderole aus; der Zentrumsabgeordnete Sittart unter besonderer Berücksichtigung der nieder- rheinischen Tabakindustrie. Ter Staatssekretär Sydow ist der Anschauung, daß die Nachteile einer Mehrbelastung für die Industrie und die Arbeiter nur vorübergehende seien, und hält scharf an der Regierungsvorlage fest. Er prägt sogar das Wort, daß die Tabak-IU- dustrie doch nicht zur Ruhe tomnicn würde, da ein Freilassen ■Eü
des Luxusartikels „Tabak" vom deutschen Volke nicht verstanden würde. Als letzter Redner tadelt der Sozialdemokrat Kaden scharf die Stellungnahme der Regierung bei dieser Vorlage, int Vergleich zu ihrem Verhalten bei der Nachlaßsteuer und schildert in grellen Farben Not und Elend der Tabakarbeiter schon in der gegenwärtigen Zeit; schlägt als Ersatz Steuer auf Eitelkeit, Titel, Orden usw. vor. — Tie Weiterberatung wird auf Mittwoch vertagt.
Stimmungsbild aus dem preuß. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 9. März..
Ueber die Kompromisse der bürgerlichen Parteien bei den preußischen Besoldungsvorlagen ist viel gescholten worden. Tas eine aber können auch die enragiertesten Gegner dieser Kompromißpolitik nicht leugnen, daß es ihr in erster Linie zu danken ist, wenn die Beamtenvorlagen nicht noch mehr verschleppt wurden. Auch bei der Wohnungsgeldzuschuß-Vorlage hat sich das Kompromiß wieder als lokomotorische Kraft für die parlamentarische Aktion erwiesen: Obwohl nicht der Kommission angehörige Abgeordnete, um auch ihrerseits diligentiam zu praestieren, zu den Kompromißbeschlüssen bet Kommission weit über hundert Anträge gestellt hatten, brauchte das Haus dock) nicht einmal die ganze Sitzung, um die Vorlage hi zwieiter Lesung zu et Lebigen! Erbarmungslos würben alle Anträge und auch alle die vielen Petitionen unter den Tisch geworfen, es blieb beim Kompromiß, das ja nur ein Provisorium lbedeutett, also den beteiligten Beamten-' kreisen eine ihren Wünschen und Bedürfnissen mehr entsprechende Regelung der ganzen Frage für eine — übrigens nur zwei Jahre entfernte — Zukunft in Aussicht stellt. Mit diesem rein provisorischen Charakter des Kompromisses, mit bet Tatsache, daß es immerhin eine Verbesserung der Lage der Beamten bringt, und mit der Unmöglichkeit, schon jetzt ein wirklich zweckentsprechendes Tefinitivum zu schaffen, begründeten die Sprecher aller Parteien ihr Eintreten für das Kompromiß. Die „zweite Garnitur" ließ man nicht erst zu Worte kommen, kaum hatten die bürgerlichen Parteien — mit Ausnahme der Polen, die keinen Redner stellten, — sich zu dem Komptomißwetke geäußert, und noch den Sozialdemokraten Ströbel zum Worte verstaktet, da ward die Besprechung geschlossen, und eine Minute später 'froren Anträge und Petitionen abgetan: Tie Vorlage hatte die zweite Lesung passiert, und das Mantelgesetz ging ohne Fährlichkeiten denselben Weg. Beim Gesetzentwurf über die Beseitigung des Kommunalsteuer- privilegs der Beamten, Geistlichen, Lehrer und niederen Kirchendiener gings nicht so glatt. Tie Kommissionsbeschlüsse zu dieser Vorlage beruhten nicht auf einem Kompromiß der Parteien, und so wurde denn nicht nur über sie, sondern auch üben eine Reihe von Anträgen aus dem Hause ausgiebig verhandelt!. Man kam auch noch nicht zu Ende, und ob der Eventualbeschluß mit dem das Haus einen konservativen Antrag, den Geistlichen auch weiterhin das Steuerprivileg zu gewähren, morgen aufrechterhalten werden wird, steht noch dahin. Er wurde, wie Herr v. Kroecher betonte, nur herbeigeführt, um mit einigen anderen Anträgen aufzuräumen, die sich durch seine Annahme ohne weiteres erledigten. — Mit der Debattenkontingentierung hat das Haus weniger Erfolg, als mit der Kompromißtaktik: Tas lehrte die Abendsitzung öom1 Montag. Zwar mit dem Etat des Handelsministeriums kam man zu Rande — aber welchen Aufwandes an Rhetorik bedurfte es, ehe man so weit war! Bis tief in die Nacht hinein plätscherten die Wogen des Redeflusses. Dabei sprachen die Redner vor leeren Bänken, denn Abendsitzungen sind „nicht jedermannes Sprüch", und man wird kaum zu viel behaupten, wenn man sagt, daß außer den Volksboten, die eind Rede in petto hatten, fein anderes Mitglied des hohen Hauses den Saal mit seiner Gegenwart beehrte . . . Am Mittwoch hofft das Bureau mit dem Beamtensteuerprivileg fertig zu werden, und wenn die Götter es wollen, wird auch noch das Stempel- steuergefetz' aufs Tapet kommen.
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 9. März.
Am Ministerttsche: Staatsminister Ewald, Finanzminister G n a u t h, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda.
In der vom Präsidenten Haas um IO1/* Uhr eröffneten Sitzung wird mit der
Spezialberatung des Etats
Vorstellungen seien noch immer nicht zur Ausführung gelangt. Er ersuche die Regierung dringend, sich doch die Frage der Besserstellung der Hofmusiker recht angelegen sein zu lassen, beim bic* Lage derselben sei eine unerträgliche. Der Redner geht bann' auf den bekannten Streit zwischen dem deutsclien Bülmenvcreiu; und der Bühnengenossenschaft näher ein und beklagt die mißlichen Verhältnisse, die in der Schauspielerwelt herrschten. Es fei Pflicht der Negierungen, hier für Abhilfe zu sorgen.
Staatsminister Ewald erwidert, obgleich das Äaatsmini- sterium nicht direkt für die Angelegenheit zuständig sei, habe; er doch mit der Stadt Darmstadt nähere Verliandlungen ange- knüpft, die aber leider gescheitert seien. Die Anregung, zu gunften der .Hofmusik Volksvorstellungen zu veranstalten, sei nach Ansicht der Leitung des Hoftheaters nicht angängig, dagegen erschien die Frage der Veranstaltung von Konzerten der Hofmusik zu gunften der Mitglieder derselben am Platze. Wer auch hierüber hätten sich die Verhandlungen mit der Stadt zu des Redners Bedauern! zerschlagen, lieber den Streit zwischen Bühnenverciu mid Bühnen- genofsenschaft sich zu äußern, wolle er dem Minister des Innern!' überlassen.
Abg. Dr. Frenay bemerkt, daß er sich im allgemeinen beit Klagen Dr. Osanns über die traurige Lage ber Hofmusiker anschließe. Tas Theaterelend sei allgemein, es gebe kaum einen, Stand, der durch die Gesetze so gering geschützt werde, wie beul der Theaterangehörigen. Die Reichsgcsetzgebung habe sich auf' alle Berufsstände erstreckt, nur nicht auf den Schauspieler. Auch Redner beklagt den Streit zwischen Bühnenverein und Bühnen- genossenschaft und wünscht den baldigsten Abschluß desselben. Von den an den ca. 350 besseren Theatern in Deutschland beschäftigten.' 25 000 Personen hätten 50 Proz. ein Einkommen unter 1000 M. (hört!), nur 10 Proz. bezögen mehr als 3000 Ml. Tas sei doch eine höchst traurige Bezahlung, umsomehr, als die Anschaffung der Kostüme meist große Ausgaben für den einzelnen erfordere?. Er halte eine scharfe Kontrolle ber Theaterverträge unb überhaupt eine Fürsorge zur Besserstellung für sehr erforberlidj.
Minister des Innern Braun erklärt, daß er sich über die angeregten einzelnen Fragen näher informieren und dann daraus zurückkommen werde.
Tas Kapitel Ministerium, Ausgabe 88 768 M., wird herauf bewilligt.
Bei Kap. 15, Auswärtige und Bundesverhältnisse, Ausgabe 36 000 M., macht Abg.' R ein ha r t einige Ausführungen, die auf ber Tribüne unverstänblich bleiben. — Tie Position frirb darauf bewilligt.
Kap. 16, Kabinettsbirektion, Ausgabe 13 380 M., frirb ohne; Debatte genehmigt.
Bei Kap. 17, O b cr - R e ch n n n g s ka m m e r, eutspinnt sich! eine längere Debatte. Ter Finanzausschuß beantragt, bie hier angeforberten Ausgaben für zwei neue Beamtenstellen zu bewilligen, ba bie Arbeitslast ber Oberrechnungskammer gegen früher ganz enorm gewachsen sei.
Abg. Bähr beantragt, diese beiden Beamtenstellen so langd zu streichen, bis die Regierung eine befriedigende Lösung über die Frage herbeigeführt hat, in welcher Weise die Gemeinden zu beit Kosten der Visitationen mit herangezogen iwerden können.
Staatsminister Ewald legt eingehend dar, daß die Einstellung ber beiden Beamten dringend notwendig sei: bie Zahl der Rechnungsartikel sei von 1888 bis 1906 um 384 000 gestiegen, ohne daß bis dahin eine Personalvermehrung stattgefunden hätte.
Inzwischen ist ein An tr a g Karell-Finger eingegangen, nach welchem die Visitattonskosten von den Gemeinden getragen werden sollen.
Minister Braun bittet, diesen Antrag wieder zurückzuziehen, da die Regierung dem darin ausgesprochenen Wunsch bereits in dem Entwurf der revidierten Stäbteordnuug Rechnung getragen habe. Tie Regierung wolle noch weiter gehen, als der Antrag unb nicht nur ben Ersatz der Visitatiouskosten, sonbern auch bcn Ersatz bes Gehaltsanteils durch die Gemeinden bei ber Kammer beantragen.
Nach weiterer Tebatte, an der sich die Wgg. Kor eil, Ulrich und Reinhart beteiligen, wird der Antrag Bähr auf Streichung der beiden Beamten abgelehnt, bic Anträge Korell- Finger, sowie ein ähnlicher Antrag Dr. Weber an ben Finanzausschuß verwiesen und bann bic Position mit einer Ausgabe von 283802 M. angenommen.
bei Kap. 14, Staatsmini ft erium sortgesahren. Abg. Dr. Osann bringt in ber allgemeinen Debatte zunächst die ungünstige Lage der Hofmusiker zur Sprache, die sich jüngst noch einmal mit einer Vorstellung um Gehaltsaufbesserung an die Zweite Kammer gewendet haben. Tie Stadtverwaltung Darmstadt habe die früheren diesbezüglichen Vorschläge abgelehnt: es sei aber dringend notwendig, daß den Wünschen ber Petenten entgegengekommen werde. Auch die schon oft angeftrebten billigen Volks-
Kap. 18, Verfraltungsgerichtshof, Ausgabe 6890 Mark, Kap. 19, Haus- unb Staatsarchiv, Ausgabe 17 632 M., Kap. 20, Rhcinschiffahrt, 'Ausgabe 4410 M., Kap. 21; Sterbegnartalc unb Kap. 22, Porto-, Telcgraphengebühren usw., werben bebattelos genehmigt.
Zur Beratung kommt mm die 8. Hauptabteilung Minli-tz fteriumi des Innern, Kap. 23—87.
Abg. Dr. Osann bringt hierzu eine Reihe von Beschwerden! mehr allgemeiner Art vor. Bezüglich des Vereinsgesetzes erinnert Redner daran, daß man sich im vorigen Jahre in erregten De-
19. Jahrhundertfeier der Hermannsschlacht.
Tas Jahr 1909 ist ein Jubeljahr in der deutschen Geschichte. Neunzehnhuiibert Jahre sind verflossen seit den Tagen, da im Teutoburger Walde Hermann den Varus schlug. Mit dieser großen Waffeutat hat nicht nur die eigentliche Geschichte unseres Volkes ihren Anfang genommen, sondern auf ihr beruht im Grunde auch unser ganzes Volkstum. Tenn nicht Germanen, sondern Romanen ivürdeu wir sein, luenii nickst damals dem Römertum ein Damm' mtgegeugesetzt wäre, den zu 1 rechen es nickst vermocht hat.
Ein eigenartiges Geschick ist der Hermannsschlacht in der Geschichte des deutschen Volkstums beschieden gewesen: Während sic in bcn ersten Jahrhunderten ausschließlich ben Sa gen schätz miscrcs Volkes bereichert hat und ihr Held hineingewachsen ist in icnc Siechriedsgestalt, bic noch heute als die schönste Verkörperung öcs deutschen Heldentums gilt, ist sie später lange so gut wie vergessen gewesen. (£rft als die Deutschen an fingen, sich wieder auf ifjr Deutschtum zu besinnen, da trat auch jenes Ereignis wieder nächtig hervor in ber Geschichte, in der Dichtkunst und in der begeisterten Teilnahme der ganzen Natton. Ort unb Verlauf ker Schlackst wurden erforscht: Klopstock, Kleist, Grabbe und andere chufen ihre Helbenlicbei' unb Tranten; und als mit unb nach i>en Freiheitskriegen das Gefühl ber Zusammengehörigkeit und >ie Sehnsucht nach Einheit immer stärker erwachte, ba erstand in Emst unb Bandel ber Gedanke, auf der weithin sichtbaren iuppe der Grotenburg ein Denkmal Hermanns des Befreiers cks Mahn- unb Wahrzeichen für das deutsche Volk aufzurichten. Tic Vollendung wurde aber erst möglich, nachdem ber EmhsitS- jebanfe in ber Schöpfung des deutschen Reiches seinen glanzvo'klen lusdruck gefunden batte. So ist denn die Hermannsschlacht in Trnserer Eriimerung erst wieder recht lebendig geworben, seitdem wir wieder ein Volk geworden sind, unb freien 18 Jahrhunderts loräbergegangen sind, ohne daß man jener ersten Großtat der Deutschen festlich gedacht hat, so haben mir bei ber 1900. Wieder- l.'br um so mehr Veranlassung, sie zu feiern und ihren Ruhm teueres Vermächtnis den kommenden Geschlechtern zu überliefern.
Eine allgemeine Erinnerungsfeier zur 1900 jährigen Wieder- k-hr der Tage ber Hermannsschlacht frirb, wie schon vor Monaten von bem Wandervogel, deutschen Bund für - Jugcndwande- örngen, auch von dein Teutoburgerivaldvercin geplant. ,D-ie Gießener Ortsgruppe wird die Meistschc Hevnhanns-,


