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Nr. 109
Zweites Blatt
159. Jahrgang
Dienstag 11. Mai 1909
Giehener Anzeiger
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
Gr«eraI'Anzeiger für Gberheffen
Die „Siebener Zamillenblatter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kteisblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der vrühl^chea UntversnätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
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Zatturenwertsteuer aus Tabaisabrikate.
Tie Subkommission für das Tabaksteuergesetz hat beschlossen, der eyinanoEomnuftion eine Fakturcnwertsteuer auf Tabak und Tabak- fabrikate zur Annahme vorzuschlagen. Gegen diesen Vorschlag der Subkonnnisfion, bei Einführung von ausländischem Rohtabak eine Zuschlagsteuer von 30 Proz. zu dem bisherigen Zoll, nach dem Werte des Tabaks berechnet, zu erhebeir, wendet sich jc^t ein Fachmann, der Abg. v. Elm, mit sehr gewichtigen Gründen. Um die Wirkung des 30prozcntigen Wertzuschlages festzustellen, fort d. Elm die Kalkulationen von 66 verschiedenen Zigarrensorten geprüft. Das Endresultat zeigt folgende Mehrbelastung:
5-Psennig-Zigarre von 2,20 Mk. bis 3,05 Mk. pro Mille
6 „ „ 1,85 „ „ 3,65 „ „
7 „ 2,65 „ „ 5,40 „ „
8 „ „ 2,90 „ „ 4,80 „ „ „
10 „ „ „ 3,30 „ „ 6,70 „ „
Wer von der Kalkulation des Preises für' eine Mille Zigarren keine Ahnung hat, wird diese Feststellung, ja meint v. Elm, einfach für unglaublich erklären. Er erinnert aber daran, daß bei der Tabakarbeitergenossenschaft im Durchschnitt von acht Jahren von dem Fakturenwert der Zigarren 40 Proz. auf Lohn, 15 Proz. aus Tabakzoll, 10 Proz. aus allgemeine Unfoften' entfielen. Wenn dieses Verhältnis auch nicht in allen Zigarrenfabriken dasselbe sei, so gebe es doch ein annäherndes Bild für die bei einer Preisberechnung von Zigarren zu berücksichtigenden Tatsachen. Für das Rohmaterial verbleiben also nach obiger Feststellung nur 35 Proz. des Fakturenwertes der Zigarren. Diese 35 Proz. entfallen aber nicht allein auf Rohtabak, dazu gehören auch die Ausgaben für Zigarrenkisten, für Etiketten, Papier, Streifen, Band zum Bündeln der Zigarren.
Je nach den hierbei »ermanbten Qualitäten, je nach der Verpackungsart seien diese Ausgaben aber sehr verschieden. Ebenso differieren die Arbeitslöhne je nach der Art der Packung, ob V10 lose, gebündelt, Vto* ober Vio-Pockung. Bei einer und derselben Sorte Zigarren haben wir zum Beispiel folgende Unterschiede fest- gestellt: an Sortier-, Bekleber- und Fertigmacherlohn für Zedern- kisten, Streifen, Papier, Etiketten wurden verausgabt pro Mille bei Vio loser Packung 6,56 Mk., bei Vro-Packung 10,64 Mk., bei to-Packung 19,74 Mk. Mit dem Wertzoll werde, wie v. Elm nachzuweisen, sucht, der zahlungsfähige Ranck)er nur sehr minimal belastet. Bei dem Wertzoll brauchten nur einige der in Bettaclft kommenden Ausgaben bei einer besseren Verpackungsart hcrab- gemindert zu werden, um die Mehrbelastung für den Raucher feinerer Sorten vollständig auszuschalten. Das werde todsicher geschehen. Die Qualität der Zigarre leide doch nicht darunter, ob Itatt Vio-* ober Vso-Packung ' ig-Packung, ob statt Seidenband Shop- Seide oder Bastband, ob statt eines teuren, geschmackvollen, künstlerischen Etiketts ein gewöhnlickjes, billigeres genommen werde; der bemittelte Raucher könne seine gewohnte Qualitätszigarre weiter dampfen, ohne den Wertzoll zu bezahlen, sofern er nur seine Ansprüche an die Verpackungsart ctlvas herabmiltdcre. Bei dem un- bemittetien Raucher sei dies fast ganz ausgeschlossen, weil bet seinen Sorten schon seht keine besonders hohen Ausgaben für die Verpackung gemacht würden. Bei einigen Sorten lasse sich auch hier natürlich noch sparen, und so würde die Wirkung des Wertzolles für die Hilfsindusttien der Zigarrenindustrie, für die Kisten-, Etiketten--, Papier- und Zigarrenbandfabrikation eine sehr schlimme werden.
Rach den sorgfältigen Feststellungen des Vereins der tzilfs- industrien des Tabakgewerbes sind in diesen 13—14 000 Arbeiter und Artgestellte allein für btc Tabakindustrie beschäftigt, diese wurden unter den Wirkungen des Wertzolles schwer zu leiden habert.
Dasselbe trifft selbstverständlich wiederum zu für die Tabak- arbetter; bei der in der Zigarrenindustrie obwaltenden Konkurrenz würden die Fabrikanten bestrebt sein, genau wie nach 1879, die Mehrkosten dem Ston) mnentcn mehr und mehr wieder abzunehmen und dieselben den Arbeitern und voraussichtlich auch den Händlern aufzubürden.
Pfälzer unb Uckermärker würben in Zukunft, wie v. Elm meint, den Hauptbestandteil der billigen Sorten werden; erfahrungsgemäß das wirkungsvollste Mittel, um den Rauchern die Zigarren ab- und die Pfeife anzugewöhnen.
Die Pfälzer Tabakbauer würden einige Jahre Müller-Fulda als lijren »eiligen verehren, bann würbe auch für sie der unausbleibliche Kladderadatsch kommen, genau wie nach 1879; die christlichen Tabakarbcitcr aber in Rheinland unb Westfalen unb auch «m^asHsans®
im Heimatland von Müller-Fulda, in Hessen, würden auf sein Haupt wahrlich keinen Segen herabfleheit für seinen unheilvollen Wertzollvorfchlag, der für viele sicher Not unb Eleitb, für die meisten Tabakarbeiter aber eine Herabdrücküng ihrer Lebenshaltung bewirkert werde.
Der Tabakwertzoll wird, so meint Elm, eine ungeheuerliche Defraudation bewirken unb zwar eine Defraudation, die nach dem deutschen Strafgesetz nicht einmal geafjubet werden kann. An der Grenze bei der Einfuhr den Weg des Tabaks zu bestimmen, sei einfach verrückt; jeder Fachmann amüsiere sich über die naiven Leute, die das für möglich hielten: nach den ausländischen Fakturen die Wertsteuer erheben, sei ebensowenig angängig. Wenn der Großfabrikant in Amsterdam oder Rotterdam eine Partie Tabak zu einem Durchschnittspreis kaufe und nach diesem bei der Einfuhr für die feinsten Sortierungen der Partie den Wertzoll bezahle, so handle er vollständig nach dem Buchstaben des Gesetzes. Wer hindere ihn aber, die minbertoertigen Sortierungen in Holland später wieder zu veräußern? Das könne ihm doch kein Gesetz der Welt verbieten — das Geschäft aber sei gemacht, der Wertzoll für die Fancy-Sortierungen sei gespart. Der Möglichkeiten, im Ausland dem deutschen Fiskus ein Schnippchen zu schlagen, feien so viele, daß der Handel mit Sumatra- und Javatabak in Hamburg, Bremen und Mannheim bald auf ein' Minimum beschränkt werden würde; den Tabakwertzoll einführen, bedeute buchstäblich, die Geschäfte des Auslandes besorgen. Wenn die Regierung den Tabakwertzoll akzeptieren sollte, bann sicher nur unter der Voraussetzung, daß er in wenig fahren wegen seiner Undurchführbarkeit der Banderolensteuer Platz machen würde.
Stellungnahme des TabakvereinS zur TaVak- steuerfrage.
Der Deutsche Tabakverein hat die Gelegenheit, welche ihm die Tabaksteuer-Subkommisfion des Reichstags durch itjre Vertagung bis zum 5. Mai gegeben hat, zu einer Stellungnahme seiner Mitgliederversammlung zur Tabaksteuerfrage benutzt. Die auf den 4. d. Mts. in das Architektenhaus zu Berlin einberufette Versammlung war von gut 700 Mitgliedern aus allen Gegenden Deutschlands besucht, und alle Zweige des Tabakgewerbes waren in ihr gut vertreten. Die einstimmig angenommene Erklärung, welche als eine eindrucksvolle Kundgebung des gesamten deutschen Tabakgewerbes anerkannt rverden muß, hat folgertden Wortlaut:
„Die außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Tabakvereins vom 4. Mai 1909 int Architektenhaus zu Berlin verleiht erneut der Ueberzeugung Ausdruck, daß jede Mehrbelastung des Tabaks entsprechend sckpoere wirtschaftlich und sozialpolitisch schÖdlick-e Folgen mit sich bringen muß.
Sie beschließt in vollem Einverständnis mit allen dem Deutschen Tabakverein angegliederten Fachverbänden des Jiohtabakhanbels, der Rauch-, Kau- unb Schnupftabakfabrikation unb den Bezirksvereinigungen der Zigarrenindustrie zu erklären:
Ein gedeihlicher Fortbestand des deutsä)en Tabakgerverbes ist nur möglich, wenn das jetzige System der Besteuerung des deutscheit Tabaks und der Verzollung des ausländischen Tabaks lediglich nach dem Gewicht unter schonender Berücksichtigung der gesamten Rauch-, Kau- und Schnupftabakfabrikation beibehalten wird.
Dabei müßte sich jedoch, falls der Reichstag bei der erforderlichen Wiederherstellung einer gesunden Finanzgebarung des Neick)s entgegen den ernsten Bedenken des Deutschen Tabakvereins auf eine Heranziehung des Tabaks nicht verzichten will, die Höh.' der Mehrbelastung in angemessenem Verhältnis zum Gesamtumsatz des Er- werbzlveiges halten, damit nicht durch einen allzugroßen Verbrauchsrückgang bauernde Schaben unb Verschiebungen eintreten, bereit Folgen für Arbeiter unb Angestellte, Händler unb Fabrikanten bleibende Nachteile in sich schließen würden."
Die politische Wirksamkeit Krirdrich v. Holsteins.
Der „Südwcstdeutschen Korrespondenz" wird von einem alten Diplomaten geschrieben: Mit dem Geheintrat Friedrich v. Holstein ist vor einigen Tagen einer der toenig auserlesenen Menschen aus dem Leben geschieden, die vom Schicksal berufen sind, am Webstuhl der Zeit mitzuwirten. Es wird sogar nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, daß es gerade die geheimsten und wichtigsten Fäden waren, die durch Herrn v. Holsteins Hände verwoben wurden.
.......................■■■ ■m.umiCT lieber die Persönlichkeit dieses Mannes herrschen zwar im Augenblick noch die divergierendsten Meinungen. Die einen behaupten, er sei der erste Intrigant geweseii, ein großer Neider und Hasser, der von glühendem Ehrgeiz erfüllt und durch Nichtbefriedigung feiner Hoffnungen verbittert, alle Mächtiaen und Erfolgreichen aus dem Hinterhalte bekämpfte und zu Fall zu bringen versuchte. Tie andern wieder wollen bestimmt wissen, Holstein habe die äußere Politik des Deutschen Reiches seit des großen Bismarcks Rückeritt fast uneingeschränkt geleitet. Eines aber steht fest, daß sein Anteil an des Reiches gegenwärtiger Größe und Macht trotz seiner zweifelsohne begangenen diplomatischen Mißgriffe, kein geringer genannt werden muß. Diese Ungewißheit üoer den wahren Eharakter Holsteins erklärt sich nun zum großen Teil daraus, daß er, ein verbissener Junggeselle, ungemein scheu und mißtrauisch war. Wenn er in einer befreundeten Familie zu Besuch weilte und es wurde ein Journalist angemeldet, so verschwand er sofort durch eine Nebentur. Es ist bedauernswert, daß sein Charakterbild durch einen schweren Verdacht getrübt wird. Als Holstein Botschaftsrat in Paris war, unterhielt er eine politische Korrespondenz mit Berlin, in der er sich über seinen damaligen Vorgesetzten, den Botschafter v. Arnim sehr abfällig äußerte. In der im Jahre 1876 erschienenen Schrift: „Pro nihilo" behauptet Graf v. Arnim, daß Holstein ihn wiederholt als den einzig geeigneten Nachfolger des Fürsten Bismarck bezeichnet habe, trotzdem aber sei von ihm hinter seinem Rücken gegen ihn intrigiert worden. Bismarck selbst hat Holstein für den Arnim- Skandal verantwortlich gemacht, obgleich Holstein in dem Arnim-Prozeß unter Cid aus sagte: „Für mich macht es einen sehr wesentlichen Unterschied, ob der Reichskanzler unfreiwillig oder durch ein Naturereignis gezwungen vom Schauplatz ab tritt oder ob er durch eine politische Aktion beseitigt wurde. Nach meinen Gesinnungen waren meine Sympathien im zweiten Falle gänzlich für den Fürsten Bismarck." Die ganze Haltung Holsteins dem Grafen v. Arnim gegenüber wird vielleicht klarer, wenn man sich erinnert, daß Arnim die Erledigung der ihm geworbenen diplomatischen Aufträge verzögerte, um in der Zwischenzeit günstige Geschäfte an der Pariser Börse abzuwickeln. Es ift mehr als wahrscheinlich, daß Holstein, der darum wußte, es für feine Pflicht hielt, einen solchen Mann mit allen erdenklichen Mitteln zu bekämpfen. Tie Familie Bismarcks hat es Herrn v. Holstein niemals verzeihen föniten, daß er beim Rücktritte des großen Kanzlers nicht ebenfalls fein Amt niedergelegt hat. Holstein aber war uüt Leib und Seele feiner Arbeit ergeben und vermochte sich nicht so ohne weiteres von ihr zu trennen. Sicher ift, wie schon erwähnt, daß er beim Ausscheiden BismarccS aus dem Amte die Leitung der politischen Geschäfte fast vollständig in die Hände bekam. Capmvi fühlte sich, wie er wiederholt zu verstehen gab, im Amt wie ein Kind in dunkler Stube. Hohenlohe war ein müder Mann, als er zur Regierung kam und Fürst Bülow hat selbst vor einigen Jahren Herrn v. Holstein als seinen Lehrer bezeichnet. Seine Aufzeichnungen, die er während der letzten Jahre gemacht hat, toerbeu uns einmal Aufklärung über manche Verhältnisse verschaffen. Ohne Zweifel war er aber von glühendem Haß gegen Rußland erfüllt. Seine Feinde sagen, daß er seinerzell vom Zaren eine zu geringe Qrdensauszeichnung erhalten habe unb daß er deshalb alles mögliche tat, um das Bündnis zwischen Deutschland und Rußland zu verhindern. Auch nad) dem Sturze Telcasses soll Holstein es gewesen fein, der die Brüskierung Frankreichs dura) Deutschland veranlaßte und die Annahme des unglückseligen Konferenzplanes erzwang. Ohne nun ein abschließendes Urteil über die Mllwirkung dieses Mannes an den der neuesten Geschichte angehörenden Ereignissen abzugeben, muß aber eines als sicher hingeslellt werden: Holstein war
— Von der deutschen Südpolar- Expedition. Vom Gauß-Wert (Deutsche Südpolar-Expedition 1901—1904, herausgegcben von Erich v. Drygalski) liegt nunmehr der zweite von ben die zoologischen Ergebnisse enthaltenden Bänden cor, Band X des Gesamtwertes. Es umfaßt die Arbeiten von 13 Forschern, die verschiedene von der Expedition erbeutete Tiergruppen behandeln. Die ersten sieben beziehen sich fast ailsschlleß- I rrh rtiir flOi'i'-ri’ßfiprp i'.i' niir, 'n f ■. ,-iGor nur ninttow
Züchtiger feine Bewohner, 1 c. fahler bic Kunst, um so keuscher das.lich auf Meeresti'ere, die ano. ?ii aber auf Jnsetten/Lpinneu-
^eben. Nur i|t uns so, als ob auch die Höhlenbewohner schon j tiere irnb Milben, die in Kaplaud und auf einigen von bei
Meines Feuilleton.
— Das Phyletischc Museum. Ernst Haeckel richtet an bie Förberer des Phyletischen Museums folgendes Dankschreiben: „Nachdem der Bau des Phyletischen Museums vollendet unb Der Universität Jena bereits bei deren 350jährigem Jubiläum, am 30. Juli 1908, als Geschenk übergeben worden ist, fühle ich mich verpflichtet, allen den Freunden der Naturwissenschaft, welche freiwillige Beiträge für dieses erste „Museum für Entwickclungslehre" gestiftet haben, nochmals meinen herzlichsten Dank abzustatten. Insbesondere gilt derselbe denjenigen lwchherzigen Gönnern, welche zufolge des Ende Januar aus Berlin
~ kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. ~er Demps erfahrt, daß der K ö n i g d e r V e t q 1 e r die hervor- ragendpen Lilder feiner «Sammlung an einen Pariser Kunsihänd-
(D.Cr.*•a 11 ft fyibs. — Die Universität Löwen ernannte aus Knlatz tl,rcr tj jährigen <yeier die Professoren Hitze- Atünsier, Do er p scld- llthen, Grauer t-München, Ro e t Hc-Berliu, --) 1 e d e m a n n-Vonn und den Oberlandesgerichtspräsideicken ^payn^Kiel zu Ehrenmitgliedern. — Der Historienmaler Prof, ^udwig a,htersA ift int öd. Lebensjahre in München gestorben.
Formen, die aber im Haushalt der Natur eine wichtige Rolle spicleir unb zum Teil auch bie Grundlage für zoogevgiapyische Spelu- lationen bieten. Die Arten des tiefen Meeres hüben vor allem auch eine wertvolle Ergänzung zu den Ergebnissen der Deutsche. 1 Tiessee-Expedition. Im ganzen kommen in dem Band nicht ivenigcr als 416 von der Südpolarexpcbition gesammelte Arten zur Sprache. Davon waren 192 bisher nicht bekannt und 144 gehören speziell der eigentlichen Südpolarwelt, dem südlichen Eisniceigebiet, an. Einschließlich der schon im ersten Band erwähnten Tiere beläuft sich also bis jetzt bie Ausbeute ber Expedition schon auf über 700 Arten, darunter an 300 neue und an 200 von teilt lüdpolaiur Natur. Atanche davon waren schwer zu erbeuten, iveil sie im Schlanim eingcgraben leben und darum nur schwer von Oec Dredsche ersaßt werden. Besonders artenreich erwiesen )iclj bie Muschelkrebs im eng begrenzten Gebiet der Gauß-Station, so daß tljc Reichtum nicht geringer als der des Golfes von Neapel zu veranschlagen ist. Auch die Ausbeute an sübpolaren Rabiolaricit übertraf alle Erwartung; die Gesamtzahl ber antarktischen Arten dieser Tiere wirb auf 114 festgestellt, unb bavon sind allein 85 bei der Gauß-Station nachgewiesen unb zwar 60 neue. Tie Insekten ber subantarktischen Inseln führten zum Versuch eines weiteren Ausbaus ber neuerdings viel genannten Pendulation,- theorie, indem betont wirb, baß die Entwicklung und geograpkftjcye Verbreitung nicht von ber nördliclfeii Halbkugel allein ausgegangen sei, sonbern auch vom sübliehen. Festlano, aus dem die Pcnde!- Verschiebungen ähnliche artbilbenbc Einflüsse wie im Norben „ei’ tigen mußten. Besonders interessant sind noch bic merkwürdigen Läuse der Robben; diese Läuse sind mit einem Gebilde versehen, das die Gestalt von Schmetterlingsschuppen hat und ihnen gc- siattet, sich ihre Lust zur Amiung mit unter Wasser zu nehmen, wenn btc Robben hineingehen. Die Kleinheit der Objekte, die zahlreichen neuen Formen von eigenartiger Ausbildung, bic sich barunter fmben, unb das zerstteute Vorkommen machte besonders mühsame Präparation und weitgehende literarische Vorarbeiten nctiuciibig, wie Pros. Vanhöffen, bet zoologische Teilnehmer ber Expebitwu, im Vorwort hervorhebt. In Anbetracht desjen vce- dient die Arbeit ber hieran beteiligten Autoren ganz besondere Anerkennung.
erlassenen Aufrufs an ber Ehrengabe (33 000 Mk.) für meinen 75. Geburtstag sich beteiligt haben. Durch diesen neuen Zuivachs an Mitteln ist es möglich geworden, jetzt mit der inneren Organisation des Museums zu beginnen. Mein Amtsnachfolger, Professor Ludwig Plate, der diese'wichttge Aufgabe übcrmmmai, hat bereits durch bic vortreffliche Einrichtung der biologischen Abteilung des „Museums für Meereskunde" in Berlin seine besondere Befähigung dafür erwiesen. Somit ist zu hoffen, daß^das Museum seinen gemeinnützigen Zweck erfüllen und sowohl die Freude an den Schönheiten ber 9latur, als auch die Erkenntnis der Wahrheit in weiten Kreisen fördern wird."
— Die Königstochter im Bett. Bei Joseph Scholz m Atainz erscl-eint ein „Deutsches Liederbuch" mit Jllustratioiien. Den „Aroschkbnig'' hat Ernst Liebermann illustriert. Eine der Zlluftrationen zeigt bic Königstochter, ein junges Mäbäftil, das lieb morgens vom Bett erhebt und mit einem Hemd bekleidet ist, wie es bei jungen Mädchen schon so zu sein pflegt. Darüber ist ber Verr, Rezensent der „Katholischen Schulzeitung für 9lorddeutsch- land^ verschnupft unb sagt: „Gern hätten wir int „Froschtönig" das Bild Per Königstochter im Hemd vermißt. Gewissenhafte altern dürften leicht aus diesem Grunde das Buch ablehnen." — Ser arme Maler Ernst Liebermann! Nun mag er sich den Kops larüber zerbrechen, wie er die Königstochter bekleiden soll, wenn te aus dem Bett steigt, um den Ansprüchen gewissenhafter Ellern gerecht zu werden. Er ziehe ihr also, so lautet ein Vorschlag des 5. 4,., für die neue Auflage Strümpfe, Röcke, Mieder und einen nodernen Reforndack an. Die Kinder auch sehr gewissenhafter Lltern würben sich zwar darüber mehr verwundern als über die brinzessin im Hemd, weil sie ja alle nur im Hemd int Bett liegen: ber bic^ Prüderie wäre gerettet. Oder wünscht der „gewisseti- taste" Referent, daß bas Bett als ein an sich schon unzüchtiges sausgerät überhaupt aus allen gutgesinnten Häusern und damit .cuch aus der bildenden Kunst entfernt wird? Wir sind noch "abikaler und pläbieren dafür,' daß nicht nur die Bellen, sondern »cuch alle Sofa, Chaiselonguen und weichen Sessel aus dem Haus nnd aus ber Kun st, verschwinden. Je leerer das Haus, um so
Kiiider bekommen hätten. Aber viellcickft sollten wirklich ,,ge-1 Expedition besuchten Inseln erlangt wurden. Es sind meist kleine wisscnhaste" Eltern auch das mit Rücksicht auf bas prüde Gemüt Formen.^^die aber im SiauShrrft her 92rrf-iir ein-
des Rezensenten ber „Katl)olischen Schulzeitung" hinfort ängstlich vermeiden.
— Freilicht-Theater Luzern-Herten st ein. Die Vorstellungen des Freilicht-Theaters Luzern-Hcrtenstein werben mit dem 30. Mai b. I. ihren Anfang nehmen. Unter den in ihnen beschäftigten Künstlern finden sich auck> Hans Baumeister, und Willy L 0 e h r vom Hofrheatcr in Dar nt stadt. Der Spielplan umfaßt: Der Tod bes Empedokles. (Hölderlin.) Oedipus. (Sophokles.) Torquato Tasso, Iphigenie auf Tauris. (Goethe.) Medea, Sappho, Des Meeres unb ber Liebe Wellen. (Grillparzer.) Die Braut von Messina. (Schiller.) Nordische Heerfahrt. (Ibsen.)
— D ie ^Illustrierte Zeitung" erscheint in ihrer letzten Nummer im Festkleid. Anlaß bazu ist die Feier des 7 5- 1 ä h r i g e n Bestehens, die der Verlag dieser berühmten Zeitschrift I. I. Weber in Leipzig am 8. Mai begehen konnte. Was dieser Verlag seit seiner Begründung im Jahre 1834 bis auf den heutigen Tag leistete, kann kaum besser und anschaulicher geschildert werden, als es in ber Festnummer ber „Illustrierten Zeitung" geschieht. Der erste Artikel aus ber Feber von Prof. Tr. Theo Sommerlab gibt einen Ueberblick über bie Entwicklung des Verlagshauses 3. I. Weber, in bem er hauptsächlich bas Wirken bes Vcrlagsbegrünbers Johami Jakob Weber (1803—1880) und seiner Nachfolger in der Geschäftsleitung schildert. Dr. Max- Osborn lieferte einen Artikel: „Welt unb Leben seit zwei Menschenaltern im Büberspiegel der „Illustrierten Zeitung". Ein Beitrag zur Geschichte der Reprvbuktionskunst im Buchdruck." Daran reiht sich eine Plauderei von Otto Sonne: „Wie entsteht der aktuelle Teil der „Illustrierten Zeitung"?" Als letzter der größeren Aufsätze erscheint ber Beittag von Dr. Robert Wuttke: „Die Entwilllung ber Handelssvrmen und der Reklame an der Hand ber „Illustrierten Zeitung"." Haben auch alle Artikel, bie sämtlich in vorbilblichcr Weise illustriert sind, denselben Ausgangspunkt, nämlich die Leistungen und Gab-cn der „Illustrierten Zeitung" und ihres Verlags, so erheben sie sich doch alle zur Bedeutmig allgemeinen kulturgeschichllichen Wertes. DaS ist ein 9tuljm für ben Verlag Weber. In ber l»)eistesgeschichte Deutschlands wie in der Geschick-te des deutschen Geschäftslebens spielt er einst wie heute eine hervorragende Rolle.


