Ausgabe 
10.4.1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

159, Jahrgang

Samstag 1V. April 1909

Gietzener Anzeiger

EHchewt «L-llch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Sberhestrs

DieWtteeet FamMenslLtter- werden dem ,Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegt, das Kretiblatl kür ben Kreis Sietzen" zweimal Wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» krage»- «scheinen monatlich zwermal.

Rotationsdruck und Verlag der Vrü hl^chs» Umoerfnäts - Buch» und Sremdruckeret. R, Lange, Sieben.

Redaktion« Exvedition und Druckerei: Schuß» stratze 7. Erpedltwn und Verlag: 5L

Redaktion:d-^1I2. Tel.-Ad ru Anzeiger Greßm»

politische Lagesschatt«

Italien und die deutsch-österreichische Hegemonie.

Giomale d'Jtalia" stimmt jetzt eine ähnliche Jeremiade an, wie dieVita". Während die deutsch-österreichische Hegemonie, so führt das Blatt aus, sich in Europa so demonstrativ befestige, sei Italien beinahe von der Tripelallicm', losgetrennt, ohne das; ihm die Möglichkeit geboten sei, sich an England und den Zwei­bund, daß heißt an die früher oder späten eine Revanche planenden Mächte enger anzuschließen. Es sei novvendig, daß Italien sich sobald wie möglich aus der peinlichen und ungewissen Lage ziehe, ehe die Verstimmung der Verbündeten in Feinoschaft ausarte, oder ehe sich die dem deutsch-österreichischen Block gegenüberstehcn- ben Mächte ohne Italien endgültig zusammenschließen. Das Giornale" meint, die Anwesenheit des Fürsten Bülow in Venedig werde dazu beitragen, Italiens Lage zu klären.

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Die Monarchenbegegnungen.

DerMatin" meldet aus Turin, daß die englische KönigsjachtViktoria and Albert" gestern in Genua ein- getrosfen ist. Heute werden dort zwei englische Kreuzer und drei Torpedobootszerstörer eintreffen. Das englische Königspaar wird in Genua Mitte nächster Woche erwartet. Das Königspaar wird an Bord der JachtViktoria and Albert"' die Mittelmeer-Kreuzfahrt unternehmen. Es heißt, die Ankunft des deutschen Kaisers in Venedig erfolge am 14. d. M. Man spricht immer noch über eine Zusammen­kunft des deutschen Kaisers mit König Viktor Emanuel. Andererseits verlautet, der Zar treffe Ende des Monats in Italien ein und die Zarin werde eventuell auch nach Italien kommen. Ferner erwartet man den Besuch des Königs von Griechenland, des Zaren von Bulgarien, des Prinzen Georg von Serbien und möglicherweise oes Königs Peter von Serbien. Ferner wird für den kommeirden Som­mer der Besuch des Präsidenten Fallieres erwartet, der mit König Viktor Emanuel eine Begegnung haben wird.

Die nervösen Engländer.

Die Flottenfrage und die Angst vor Deutschland hat die Engländer ganz nervös gemacht. In London wird der Brief veröffentlicht, den dreizehn Mitglieder des Ober- und Unterhauses am 15. März o. I. au den Premierminister Asquith gerichtet haben, in dem eine Untersuchung über die in den letzten vierzig Jahren vorgenommenen Aende- rungen in der Verwaltung und in der Ausbildung der Flotte verlangt wird. In seiner Antwort versprach Asquith die sorgfältige Prüfung dieser Angelegenheit. Ein Aufruf des Reichsflottenbuudes weist aus die Gefahr hin, die sich daraus ergebe, daß die Aufnterksamkeit der Oeffent- ächkeit auf die Dreadnoughts konzentriert werde. In diesem Aufruf wird eine Untersuchung über die Mängel in der Flotte gefordert und erklärt, das Heil Großbritanniens liege einzig unb allein darin, daß das Budget von; Oberhaus abge- lehnt und dadurch die Auflösung des Parlaments erzwungen, -iomit der umonistischen Regierung ermöglicht lverde, ans Kuder zu kommen.

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Oesterreich und Serbien.

Die Aussichten der Handelsvertragsverhandlungen mit Oesterreich-Ungarn und Serbien werden in unterrichteten diplomatischen Kreisen wenig günstig beurteilt. Die Lerständigungsabsicht der österreichisch-ungarischen Regie- rung, die nach den letzten Vorgängen zu Entgegenkommen auf wirtschaftlichem Gebiete entschlossen scheint, stößt auf den harten Widerstand der Agrarier, diesseits und jenseits der Leitha, der sich namentlich gegen die von Serbien ge- vünschte Fleischausfuhr richtet, und es ist zu befürchten, daß es zu keiner endgültigen Regelung der Handelsbezie- dungen, sondern nur zu einer provisorischen Abmachung kommen wird, die serbische Wünsche und Interessen nicht befriedigt.Echo de Paris" meldet aus Belgrad sogar: "Die serbische Regierung habe angekündigt, daß sie es end­gültig ablehne, einen Handelsvertrag mit Oesterreich »aus der Basis meistbegünstigter Nationen abzuschließen.

Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen.

fiiad? Aeußerungeu des bulgarischen Handelsministers Liapt- Icheff führten die türkisch-bulgarischen Behandlungen fast in allen Punkten zu einer Verständigung, ausgenommen denjenigen Teil -der türkischen Forderungen, der die Vaknf-Fcage betrifft, dcach fern Petersburger Entwürfe sollte Bulgarien, außer 40 Millionen als Kapitalisierung der ostrumelischen Zinsen eine Summe zahlen, die den Zinsen vorn 22. September 1908, dem Tage der Unab- izängigkeitserklärung, bis zur Unterzeichnung des eirdgiltigen tür­kischen Protokolles entspricht. Nach einer in Konstantinopel vor- renvnnnenen Abänderung wird Bulgarien nur die Zinsen von 10 Millionen seit dem 22. September 1908 bis zur Unterzeichn tung des Pvotokolles bezahlen. Tie Frage der Eisenbahnen ist ms dem gegenwärtigen Uebereinßommen ausgeschaltet und wird wlt nach der endgiltrgen Annahme des Petersburger Prowkolles geregelt werden. Durch die Summe von 40 Millionen für die astrumelische Eisenbahnstrecke und von 2 Millionen für die Linie 3elowaVakaret erscheinen alle Rechte des Eigentümers, des Evnzesswnärs und des dttltznießers dieser Bahnlinien abgelöst. Außerdem tvird Bulgarien für das rollende Ädaterial und für bie Vorräte einen entsprechenden Betrag zahlen. Bulgarien wird c-dvch die genannte Summe erst dann erlegen, wenn die Pforte :inb die Orient bahnen sich über die Alufteilung der 42 Millionen geeinigt halnm. Bulgarien verzichtet auf die Schuldfordernng von 28 Millionen für die Linie VarnaRust schul', und die Türkei vev- ilchtet ihrerseits auf jedwede Schuldforderung. Die Vakuf-Frage vll erst nach der gerichtlichen Prüfung geregelt toerben. Man er- ?tercnt an, daß Liaptscheff das weiteste Entgegenkommen bekundete.

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Abefsynien.

Reuter stellt auf Grund privates Mchrichten aus Addis- Äbeba fest: Die abessinische Regierung wies in ihrer Erwiderung auf den formellen Protest des französischen Gesandten gegen die Annullierung der Konzessionen der Eisenbahn DschibutiAddis- Lbeba darauf hin, daß sie die Annullierung als endgültig ansehen müsse, toeil eine Einwilligung in die Konzessionsbedlngungen rächt erfolgt sei. In Dschitut eingetroffene Nachrichten aus Addis- Abeba bestätigen die Meldung von einer Erkrankung Meneliks. Die Kaiserin Taitu möchte alle den Europäern gemachte Kon- StHtonen für ungültig erklären lassen: was aber ben Bahnbau betrifft, so hat Menelik derartige Zusicherungen gegeben, daß eine Zurückziehung der Konzession unmöglich erscheint.

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Ausweisung Castros.

Die französische Regierung erfuhr von einem Anschläge des Ex Präsidenten Castro von Venezuela. Man weiß, daß er Schiffe

und Waffen bestellte und die Absicht batte, in den Gewässern von Martinique den Oberfehl über die von ihm angeworbenen Mann­schaften zu übernelmrcn. Diese Nachricht traf in Paris eilt, bevor Castro in Fort de France franzöjischen Boden betrat. Dort wurde ihm ein Kabel-Telegramm der sranzösischen Regierung vorgelegt, demzufolge er angewiesen wurde, Martinique so rasch als möglich zu verlassen und an Bord eines nichtfranzösischen Schiffes zu gehen. Castros Verlegenheit ist nun groß, da auch engliiche und amerikanische Dampfer ihm die Aufnahme an Bord verweigern. Castro hofft, an Bord eines südamerikanischen Dampfers aufge­nommen zu werden. Nach einer weiteren Meldung aus Fort de France ist Expräsident Castro nach seiner Rückreise plötzlich wieder erkrankt. Er leidet große Schmerzen, da die Operations­wunde sich wieder geöffnet hat. Sein Zustand ist zweifellos ernst. Er legte anscheinend der Nachricht, daß die französische Negierung seine Ausweisung aus Martinique verfügt habe, keinen Glauben bei.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. April 1909.

** Tageskalender. Kolosseum. Heute abend und 2. Feiertag Vorstellung.

Kinematographentheater: Täglich Vorstellung.

Konzerte der Negimentsmufik. Am 1. Osterfeier- tag: in Wetzlar im Schützengarten.

Am 2. Osterfeiertag: Nachmittags 4Vs Uhr in Steins Garten.

Am 3. nachmittags 41/« Uhr auf der Liebigshöhe.

Am 2. Feiertag abends 8 Uhr im RestaurantMetropol" (frans. Besetzung).

In Audienz empfangen wurden von 6. K. H. dem Großherzog am 7. April u. a. der Rektor der Landes­universität Dr. Strahl und Hochbauaufseher Konrad von Gießen.

** Höh. Schulwesen. S. K. H. der Großherzog haben versetzt: die Oberlehrer Prof. Karl Altendorf von dem Gymnasium zu Offenbach an das Realgymnasium zu Mainz, Prof. Phil. Bttsch von der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey an das Ostergymnasium zu Mainz. Eduard Decker von der höh. Bürgerschule zu Lauterbach an die Realschule zu Alsfeld, Frieor. Feickert von der höh. Bürgerschule zu Reichelsheim i. O. an die höh. Bürger­schule zu Dieburg, Lic. Tr. Aug. Freiherr v. Gall von der Oberrealschule zu Mainz an das Landgraf-Ludwigs-Gym­nasium zu Gießen, Gust. Nenn stiel von der höh. Bürger­schule zn Homberg a. O. an die höh. Bürgerschule zu Vilbel, Prof. Dr. Karl Noll von der Realschule zu Butzbach an das Realgymnasium und die Oberrealschule zu Gießen, Prof. Herrn. Oßwald von dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach an das Realgymnasium und die Oberrealschule zu Gießen, Prof. Dr. Wilh. Reuß von der Realschule zu Wimpfen an die Augustinerschule (Gymnasium und Real­schule) zu Friedberg Dr. Phil. Seitz von der Oberrealschule zu Offenbach an die Oberrealschule zu Mainz, Prof. Berth. Weidig von der Realschule zu Alsfeld an die höh. Bürger­schule zu Lauterbach. S. K. H. der Großherzog haben den Oberlehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt Prof. Dr. Ludw. U n v e r z a g t auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen Dienste in den Ruhestand ver­setzt; den Oberlehrer an der höh. Bürgerschule zu Rüssels­heim Ludw. Buxbaum zum Oberlehrer an der Ober- realschule zu Worms, den Oberlehrer an der höh. Bürger­schule zu Dieburg Prof. Hch. Kinkel zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey, den Ober­lehrer an der höh. Bürgerschule zu Dieburg Franz Stein zum Oberlehrer an der Realschule zu Butzbach, den Lehr­amtsassessor Arth. Jungk zu Bingen zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen, den Lehramtsass. Dr. Aug. Förster zu Büdingen zum Ober­lehrer an dem Wolfgang-Ernst-Gymn. zu Büdrngen, den Lehramtsass. Karl A n st o s zu Worms zum Oberlehrer a. d. Oberrealschule zu Worms, den Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Langen Adolf Pabst und den Oberlehrer an der Realschule zu Alsfeld Karl Unverzagt zu Ober­lehrern an der Ernst-Ludwig-Schule zu Bad.-Nauheim er­nannt.

** Lehrerpersonalien. UeBertragen wurde dem Real­lehrer an der höheren Mädchenschule zu Mainz Peter Zimmer- m an n eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz. Ernannt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Mainz Aug. Hoff­mann zum Reallehrer an der höheren Mädchenschule daselbst unter Belassung in der Kategorie der Volksschuklehrer. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen, Kr. Friedberg, Johs. Busch auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Erledigt sind zwei mit tat!). Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeiudeschule zu Gonsenheim, Kr. Mainz.

** Der hessische O ber l e hr e r v e r e in hält seine 24. Hauptversammlung am 16. und 17. d. M. zu Butzbach ab. Am 16. findet u. a. bei einem Spaziergange in die Umgebung eine Besichtigung der Ausgrabungen statt, die, da Butzbach am römischen Pfahlgrabeu lag, sehr belangvolle Ergebnisse hatten. Abends ist im Taunushotel gesellige Zusammenkunft. Auf der öffentlichen Versammlung spricht Oberlehrer Getrost von der Darmstädter Oberrealschule überKunst und Schule", Prof. Dr. Schnell vom Ludwig-Georgsgtzmnasium zu Darmstadt überDie Reform­bestrebungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht".

* Angesteilt. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Stellenanwärter Hch. Kraffert zu Friedberg zum Seminardiener an dem Lehrerseminar zu Friedberg ernannt.

" Erledigt ist die Stelle des Bezirkskassiers der Großh. Bezirkskasse Zwingen berg.

**DerAusschußdeslandw. Vereins für Ober­hessen versammelte sich am 8. d. M. im Prinzen Karl in Gießen unter dem Vorsitze seines Präsidenten, Oekonomie- rat Schlenke. Durch eine Kommission war das Vereins­vermögen festgest.llt. Das Ergebnis wurde den Versammel­ten bekannt gemacht und das Protokoll zu den Akten ge­geben, die Prüfung der Rechnung für das Geschäftsjahr 1907, von der dazu bestimmten Kommission übernommen, der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1909 genehmigt. Die Statuten des Vereins mußten nach Errichtung der Land­wirtschaftskammer geändert werden, die Drucklegung in der vorgelegten Form soll schleunigst zur Ausführung kommen, bcn Bezirksvereinen wird die entsprechende Anzahl zur Ver­teilung an ihre Mitglieder überwiesen. Dem Oberhessischen Obstbauverein wurde ein erheblicher Betrag aus den Ileber- schüssen der Landes- unL Jubiüuuusausstelluug im Zähre

1905 in Mainz bewtlltgt zur Deckung von Unkosten aller Art. Der Provinzialverein errang bekanntlich in jener Aus­stellung den Ehrenpreis für Leistungen in der Rindviehzucht, wie der oberhessische Obstbauverein den ersten Preis für seine Ausstellung errang. Nach Erledigung geschäftlicher "Angelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen und für den Herbst eine weitere Ausschußsitzung in Aussicht genommen.

Kun st verein. Die Gemälde-Ausstellung am Brand ist auch an den Osterseiertagen von 11 bis 3 Uhr ununter­brochen geöffnet. Sämtliche zurzeit ausgestellten Bilder bleiben nur noch bis zum 18. April ausgestellt.

** Unser Kaiser Wil Helm-Regiment begibt sich vom 14.16. April auf den Truppenübungsplatz nach Gries­heim bei Darmstadt, um dort sein Bataillonsexerzieren ab­zuhalten.

Nachttelephon. Die telephonische Nachtverbindung, die vor einem Jahre auf Veranlassung der Großh. Handels­kammer und nachdem diese für eine Einnahme von 650 Mk. jährlich aus dieser Einrichtung garantiert hatte, eingeführt wurde, ist von dem Postamt auf ein weiteres Jahr zu- gestanden, nachdem wieder eine Garantie in Höhe von 650 Mk. geleistet worden ist. Der garantiert gewesene Betrag ist im abgelaufenen Jahre durch die Einnahme für Nachtanschlüffe eingegangen.

** Diebstähle. In der Nacht auf den 9. l. Mts. wurden einem Bewohner der Hamrnftraße zwei Hühner aus dem Stall gestohlen und bei einem anderen Hausbesitzer stieg anscheinend derselbe Dieb durch ein ofsenstehendes Fenster ein und entwendete eine Partie Eier und ein Pfund Butter.

** Taschendiebin. Heute vormittag wurde einem Händler auf hiesigem Wocheiunarkt ein Beutel mit 50 Mar? aus der Tasche gestohlen. Die Diebin wurde in der Person einer Russin, die erst heute zugereist ist, festgestellt und ver­haftet.

** Brand. Gestern nachmittag geriet auf dem hinteren Trieb das dürre Gras und Heidekraut auf bis jetzt unauf­geklärte Weise in Brand. Das Feuer dehnte sich sehr schnell nach der Richtung des Waldes aus, es gelang aber einer herbei­geeilten Abteilung Militär, den Brand abzudämmen, bevor der Wald davon ergriffen wurde. Vermietet wird, daß das Feuer von Kindern angelegt wurde, die gegenwärtig ihren Spielplatz auf dem Trieb haben, allein es ist auch nicht ausgeschlossen, daß ein Spaziergänger durch Wegwerfen einer Zigarre aus Unvor­sichtigkeit den Brand verursachte.

* Feuerwehr. Von morgen ab wird wieder den Sommer hindurch an Sonntagen im Turmhaus am Brand unter Führung eines Obmannes Wache bezogen. Unsere Einwohnerschaft kann daher an Sonntagen, an denen die Stadt fast menschenleer ist, beruhigter ihre Ausflüge, unternehmen, denn im Falle eines ausbrechenden Brandes ist durch die stete Bereitschaft der Wachmannschaften eine rasche 2lus- dehnung des Feuers nicht so leicht möglich.

** Verhütung von Waldbränden. Täglich liest man eben in den Zeitungen von entstandenen Waldbrändeu, die zum großen Teil durch Nachläyigkeit und Unachtsamkeit der Spa­ziergänger hervorgerusen werden. Nicht dringend genug tarnt davor gewarnt werden, bei der jetzigen trockenen Witterung bren­nende Streichhölzer oder noch glimende Zigarrenreste leichtiinniger­weise wegzuwerfen. Abgesehen von der bei llebertretung eines polizeilichen Rauchverbots in den Waldungen verwirkten, sowie der nach bem Forststrafgesetz zu erwartenden Strafe, täun der betreffende Schuldige auch zum Ersatz des durch den Waldbrand verursachten, unter Umständen hohen Schadens, herangezogen werden, da von den Oberförstereien sofort nach Bekanntwerden eines Waldbrandes auch bei der Staatsanwaltschaft Anzeige er­stattet roird.

"Silberne Hochzeit feiern am 2. Ofterfciertage die Eheleute Kaufmann Fr. Kopp.

= Lich, 10. April. Unter sehr zahlreicher Beteilö- gnng feierte vorige Woche die hiesige l a n d w i r t s ch a f t l. Winterschule den Schluß ihres vierten Winterkursus. Sie war von 30 Schülern besucht, die bei den veranstalteten Unterrichtsproben reiche Kenntnisse nachwieseu. Anwesend waren als Regierungsvertreter Landesökonomierat Müller, Darmstadt, als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates Regierungsrat Dr. Merck, Gießen, als Ver­treter des Kreisausschusses Brauereibcsitzer Bich le r, Gießen. Der von der Schule veröffentlichte Jahresberüht läßt ersehen, daß die Schule sich auch praktisch landwirt­schaftlich betätigt. Es waren 5 Morgen Versuchsfelder für Sorten-Anbauversuche verwendet, deren Resultate das leb­hafte Interesse vieler erregt und Veranlassung zu ver­änderten Maßnahmen in anderen Betrieben gegeben haben. Die für solche Bersuckw verwendete Fläche soll demnächst verdoppelt werden. Auch maschinelle Einrichtungen finti für die Zwecke der Versuchswirtschaft getroffen worden. Auf dem Fürstlichen Hofgut K o l n h a u s e n wurde eine durch Wasserkraft betriebene dreipferdige Dreschmaschine und eine ebenfalls durch Wasserkraft mitbetriebene Getreideputz­maschine auf Kosten der landwirtschaftlichen Winterschulei aufgestellt. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt und war notwendig, um die einzelnen Getreidesorten rein und unvermischt ausdreschen zu können. Ein Trieur ist von der Schule schon früher angeschafst worden. Auf ihm wird, das geerntete Getreide sorgfältigst gereinigt. Er ist den Landwirten gegen geringe Entschädigung zur Benutzung freigegeben, wovon ausgiebiger Gebrauch gemacht wird.

$ Münster (Kr. Gießen), 9. April. Reger Betrieb! herrscht bereits in der Nähe unseres Bahnhofs an der neuen Strecke Lich-Grünberg. Den elf 9Jteter tiefen Ein­schnitt durch einen mächtigen Basaltrücken an der Steines- nrühle bat die Firma Lenz u. Co. zu einem S t e i n b r u ch eingerichtet und eine große Klopfmaschine aufgestellt. Von hier aus ist der gefeinte Oberbau der Bahnlinie von Lich bis Queckborn mit Basalt und Rleinschlag versehen worden. Täglich werden auch Waggonladungen mit der Balm nach Lich verfrachtet. Unser Bahnhofsgebäude ist int Rohbau vollendet und soll in wenigen Wochen fertiggestellt werden. Es befindet sich an der Staatsstraße Lich-Laubach.

ch Sa äsen b. Grünberg, 9. April. Zwei Jahre sind verflossen, feit die Gemeinde ihr Ortsoberhaupt wähll undj große Aufregung herrscht seitdem un Dvrse. Gegen die Wahl des Maurermeisters Ächepp, der mit nur einer Stimme Majorität siegte, ist jetzt von der unterlegenen, Partei abermals Berufung eingelegt worden. Am MittwoD

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