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10.2.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 34

Ter Meßmer Anzeiger erscheint täglich, arrtzer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Tlehener§annlicnblätter; zweimal wocheutl.llreiL- dlattsürdenUrcirEichen f Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- ivirtschastliche Seitfragea Rcnifpred) - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag ».Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Wieben.

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Erstes Blatt

Mittwoch 10. Februar 1909

159. Jahrgang

RotationrdruS und Verlag der Vruhl'schen Univ.-Such- und ZteinöruSerei H. Lange. Betaftion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. 8nzeigewe?l?^Beck.

Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellerr monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. 58cfteUgr ZeilenpreiS: lokal 15Pf-, auswärts 20 Pfennig»

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson: f.Feuille- lon und Vermischtes E K. Neurath; fürStadt u.fianb" undGerichts-

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

Das englische Uönigspüar in Berlin.

Demi gestrigen Einzüge der englischen Gäste hielt der Ber­liner Oberbürgermeister Zttrschiler üut dem Pariser Platze sol- gcitbe Ansprache:

Euerer Majestät entbietet die Hauptstadt des Deutschen Reiches den ehrfurchtsvollsten herzlichsten McklkommenSgi-. Das Er­scheinen Euerer Majestät in unterer Stadt erfüllt un» mit auf­richtiger Freude. lDi.it besonderer Wärme gedenken mir am heutigen Tage der Staimnverwaudtsct)<rst des englischen und b nitf eben Volkes, der vielfachen persönlichen freundschaftlichen Beziehungen zwischen zahlreichen Gliedern beiber Nationen sowie der engen verwandt- schastliä)en Bande, welche die beiderseitigen Fürstenhäuser innig verbinden. Lebhaft sind lvir uns bewußt der vielen gemeinsamen Interessen, welche auf geistigen wie auf ivirtschaftlichem Gebiet, in Wissenschaft und Shmft wie in Industrie und Handel zwischen beiden Nationen bestehen. Mit Genugtuung erinnern lvir uns daran, wie oft das englische und das beutschk Volk in der Ver­gangenheit nach pkidjen Zielen gestrebt haben. Wir glauben und hoffen zuversichtlich, dass beide Völker auch in Zukunst sich begegnen werden in dem Streben, den Frieden M erhalten und die Sache der Zivilisation zu fördern. Namens der Bürgerschaft danke ich Euerer Majestät, daß wir die Ehre und Freude haben werden, Euere Majestät auch in unserem Rathause begrüßen zu dürfen. Ich wünsche herzlich, daß Euere Majestät in den Mauern der Stadt Berlin glückliche und froljc Stunden verleben möge, und bitte den Allmäckstigen, der die Herzen der Nkenschm unb die Geschicke der Völker lenkt, daß die Tage, welche Euere Majestät als Gast unseres erhabenen Kaisers und älönigs in imfcrcr Stadt weilen, bringen mögen reichen Segen den Fürstenhäusern, reichen .Segen beiden Völkern, reichen Segen der gesamten Menschheit."

Daraus antwortete König Eduard etwa folgendes:

,Lch danke Ihnen sehr für die herzlichen Worte der Be- firüBung. Ich habe mich gefreut über den überaus freundlichen Empfang, der mir hier (dabei, machte der König eine Handbc- wegmtg nach dem links von iljnt sitzenden Kaiser) bereitet worden ist- Ich freue mid), Sie morgen im Rathaus wiederzusehen."

Bei der Galatafel hielt der ft'aifer einen Toast in deut­scher Sprache, der folgmberrnaßeu lautete:

Es bereitet der Kaiserin, mir und meinem ganzen Hause 'aufrichtige Freude und Genugtuung, Eure Majestät und Ihre Majestät die Königin in meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin ülu> i" diesem^ alten Schlosse meiner Vorfahren aufs herzlichste willkommen zu heißen. Alte Traditionen und enge Baude der Verwandtschaft verknüpfen uns miteinander, und unsere mannig- sachen Begegnungen sind mir stets eine Quelle besonderer Genug­tuung gewesen. Noch vor mcitig mehr als einem Jähre iixrr es der Karserin und mir vergönnt, unvergeßliche Tage als Eurer ILajestüt Gaste in beni altehrwürdigen. Schlosse von Windsor bu verbringen. Wir hoffen, daß es Euren Majestäten auch bei iuns gefallen möge, und daß der leider nur zu kurze Aufenthalt nur angenehme Erinnerungen lstnterlassen wird. Es gereicht der Reifer in und mir zu ganz besonderer Freude, daß Ihre Majestät die Königin, unsere geliebte Tante, den Glanz dieser feftliä'jen Tage durch Zauber ihrer geluimtenbcn und liebenswürdigen An­wesenheit erhöht. Wir sind ihr besonders dankbar, daß sie die Reise üt dem nordischen Winter nicht gescheut hat, um unä durch ihr Erscheinen in Vertut den Beweis ihrer verwandtschaftlichen Gesinnung zu geben. Eure Majestät können versichert fein, daß zugleich mit nur auch meine Haupt- und Residenzstadt und das gesamte Deutsche Reich in Eurer Majestät Anwesenheit eilt Zeichen der freundschaftlichen Gesinnung erblicken, welche Eure Majestät zu diesent Befuche bewogen hat. Das deutsckie Volk begrüßt den Beherrscher des mächtigen britischen Weltreiches mit der ihm ge­bührenden Achtmtg und sieht in dem Besuch eine gefunbe Bürg­schaft für die fernere friedliche und freundschaftliche Entwicklung der Beziehmrgen zwischen unfern beiden Ländern. Ich weiß, wie sehr unsere Wünsche nach Erhaltung und Festigung des Friedens übereinstimmen, intb ich kann Eurer Majestät kein schöneres Will­kommen bieten als mit dem Ausdruck der zuversichtlichlm Ueber- Seuguug, daß Eurer Majestät Besuch zur Verwirklichung jener unserer Wünsche beitragen nrirb. Indem ich noch der Hoffnung Ausdruck verleihe, daß das weite Reich, über ivclches Eure Ma­jestät herrschen, auch fernerhin gedechen und bluherr möge, weihe ich mein Glas Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Königin Wohl!"

Auf den Trinkfpruch des Kaisers erlmberte der König von E n g l a n b gleichfalls in deutscher Sprache:

Im Namen der Königin, wie für mich selbst sage ich Eurer Majestät unfeven wärmsten Dank für big Worte des Willkommens, mit denen Eure Majestät uns soeben begrüßt haben, und nicht weniger für bat ebenso freundlichen wie glanzender'. Empfang, welchen Eure Majestät und Ihre Majestät die Kaiserin, sowie Eurer Majestät ganzes Haus und Ihre Haupt- und RcsideuzjtE ttus heute bereitet haben. -Obgleich ich meine wiederholten Be­suche in Kiel, Wilhelmshöhe ober (Kronberg in angenehmster Er­innerung behalten habe, so gereicht es' mir doch zu besonderer Ge­nugtuung, baß es der Königin möglich war, mich beim gegen­wärtigen Besuch zu begleiten, und daß wir ibn in diesem alten Schloß Eurer Majestät Vorfahren in der Mitte Ihrer Haupt- und Residenzstadt Berlin abstatten konnten. ES bedarf wohl nicht der Versicherung, Paß wir beide den liebat Besuch Eurer Majestät und Ihrer Diajestät der Kaiserin in Windsor nicht ver­gessen habett.

Eure Majestät häben ütbetreff dos' Zwecks und des er- wünschteu Resultates unseres Besuches meinen eigenen Gefühlen beredten Ausdruck gegeben, und ich kann daher nur wiederholen, daß unser Kommen nicht allein die engen Bande der V e r wa n dt scha ft z wi s ch e n unseren Häusern vor der Welt in Erinnerung zu bringen beabsichtigt, sondern auch die Befestigung der freundschaftlichen Bezieh­ungen zwischen unseren beiden Ländern und dadurch die Erhaltung des allgemeinen Friedens, auf welchen mein ganzes Streben gerichtet ist, erzielt. Mit dem Wunsche, daß die gedeihliche Entwicklung Ihrer Majestät ganzen Reiches auch in Zukunft andauern möge, erhebe ich mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und Ihres Hauses."

.... ! I IHLT-.IHI

Ein Markstein in der Geschichte Europa;.

An demselben Tage, an dem das englische Königspaar seinen ersten offiziellen Besuch in Berlin gentacht hat, ist ein hochbe­deut s a m e s Abkommen zwischen Dcu11 ck) laud und F r a n k r e i ch in der deutschen J;eichshauptstadt unterzeichnet wor­den. Französische Zeitmtgen sehen in diesem Abkommen über Marokko etwas Epochemachendes, einenWerkstein in der Ge- schichte Euwpas". Mau sucht die Hauptbedeutung dieses Ab-

kommens darin, daß es selbst für zwei sich so lange entfremdete Mächte wie Deutschland und Frankreich Mittel und Wege gibt, sich friedlich zu versündigen. Man fmut in diesem Llbkommen vielleicht foen ersten sachbedcutsanvur Schritt zu einer späteren größeren AmmHerung sehen.

Das Abkommen, das gesterrt vormittag int Berliner Aus­wärtigen Amte von dem Staatssekretär des Auswärtigen, Frhrn. D. Schön und dem sranzösischar Botschafter Eambou unterzeichnet wurde, hat folgendat Wortlaut:

Die kaiserlich bcutfdte Regierung und die Regierung der französischen NeMblik sind, geleitet vvn beut gleichen Wunsche, die Ausführung des Vertrags von Algeiras zu erleichtern, über» eingebomrncn, die Bedeutung, die sie dessen Bestiniinimgen bei­legen, genauer festzustellen, um künftig jeden Anlaß zu Mißver- stünduifsen untereinander zu vermeiden. Demgemäß ist einerfeits Die Regierung der französischen Republik, die an der Wah-rnng der Integrität und Unabhängigkeit des scherifischen Reiches un­bedingt festhält, entschlossen, die wirtschaftlickie Gleichbereastigung aufrecht zu erhalten und demzufolge den deutschen Handel- und gewerblichen Interessen daselbst nicht entgcgeuzuwirken. Ander­seits ist die Kaiserliche Regierung, die in Marokko aus schließe l i ch wirtschaftliche Jnkereffen verfolgt und anerkennt, daß die besonderen politischen Interessen Frank­reichs mit der Sicherung von Ordnung und Frieden da- selLst eng verknüpft sind, bestimmt gewillt, diesen Interessent nicht entgegenzuwirkcu. Beide Regierungen erklären, daß sie keine Maßregel ergreifen noch ermutigen werden, die geeignet wäre, zu ihren eigenen Gunsten ober zu Gunsten irgend einer Macht wirtschaftliche VorreckTte zu schaffen, und daß sie trachten werden, vljre Staatsangehörigen an denjenigen GeschLstLn gemein­sam zu beteiligen, berat Ausführung diesen übertragen werden sollte."

In Paris ist der Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich ebenso wie in Berlin mut großer Befriedigung aufgetw armen worden; ebenso in St. Petersburg, Ttadrid, Wien und London. Ter französische Minister Prchon Hat sich gestern zu einem Mitarbeiter derTempS" über das Abkommen folgatdermaßen geäußert:Diese Vereinbarung ist das Endergebnis freundschaft­licher Besprechungen, bezüglich deren ich nur ein Bedauern aus­drücken kann, das nämlich, daß sie nicht schon früher zum Ziele geführt haben. Ich sehe diese Vereinbarung in der Tat als den Forderungen der Situation Deutschlands und Frankreichs üt Ma­rokko in jeder Hinsicht cntfticcdjenb an. Sie mürbe nach mehr­wöchigen Besprechungen avgeschlofsen: - welche sich auch nickst einen einzigen Älugenölick auf andere Fragen als diejenige erstreckten. Die sie 5mit eigentlichen Gegarstande hatten. Sie ist also mit keinerlei Marokko fernestehenden Angelegenheiten verknüpft. Die beiden Regierungen batten nur das einzige Bestreben, sich zu ucrflläitbigen, um zwiscl-en einander alle Ursachen von möglichen Vemäcklungen in den marokkanifchen Angelegenheiten auszuschal­ten, indem sie den verschiedenen Interessen jedes ber beiden Län­der beit chnen zuLommeudmt Teil gewährten. Die aus dem Meinungsaustausch zwischat Staatssekretär v. Schön und dem Botschafter Eambon hervorgegangene Formel muß au) durchaus befriedigend angefchou werden. Das wird zioeifellos die Ansicht aller derjenigen fein, welche mit der ntarokkanifchen Frage und ihrer jüngsten Geschichte vertraut sind. Keüt Entwurf könnte dem allgemeinen Friedat nützlicher feixt; das- ist, wie ich weiß, der Eindruck der Vertreter derjenigen Mächte, welche ihn kamen, und £.& kann nur bat versöhnlichen Gesinnungen, welche in dieser heiklen Unterhandlung die deutsche Regierung beseelt haben, meine Huldigung barbringelt."

Aehnlich hat sich auch der deutsche Botschafter Fürst R a do l i n ausgesprochen. Er erklärte dem Mitarbeiter des TempS, baß er es für eine dir genehme Pflicht halte, hervorzuhebat, daß Mi­nister Pichon persönlich einen sehr gwßeu Anteil an der Vor- bcreitmig des so erfreulichen Ereignisses habe. Es war unmöglich, mehr Loyalität, Voraussickst und Eifer diesem fruchtbaren Werke der Beruhigung entgegenzubringen. Alle, welche in Deutschland und Frankreich diese Verständigung gut heißen, sind chm Dmtk schuldig.Ich füge hinzu," schloß ber Botschafter,daß diese offene Auseinanbersetzung Folgen haben kann, welche sich nicht auf Marokko beschränken, und baß imfcrc beiden Länder den Beweis darin finden toerbat, daß man mit gutem Willen chlle Zwistigkeiten zu lösen vermag, ivelche die VerteLigung ber miteinander verknüpften politischen und wirt­schaftlichen Interessen Hervorrufen kann."

Mle Blätter messen ban dcutsch-französischen D^arvkko-Ab- konmteu gwßc Bedeutung bei und sprechen sich über dessen Trag­weite sehr günstig aus. DerTemps" sagt: Dieses Ende des mawkkänischcn Streites kann, wenn man will, einen Markstein in der Geschichte Europas bilden. Marokko war in der Tat, tote Fürst Bülow wiederholt sagte, nur eineGelegenheit". TerSiöcl e" schreibt: Wenn zwei großeNationen, wie Deutsch­land und Frankreich, nach der schiedsgerichtlichen Regelung des Zwisckxmfalles vvn Easaolanca durch ein endgültiges Ab kommen die Mißverständnisse beendigen, welche Cmropa durch mehrere Jahre beunruhigt haben, so muß die ganze Welt sich über diesen doppelten Erfolg friedlicher Bestrebungen freuen, und die Staate Oberhäupter und Minister, welche an biefan Erfolge mitgearbeitet haben, haben sich um bie Menschlichkeit verdient gemacht. Die Sibert e" sagt, man müsse das Entgegenkomulen und die Auf­richtigkeit, welche die deutsche Regierung bei der Verwirklichung dieses Abkommens an den Tag gelegt hat, offen <uterfain.cn. DasJournal des DcbatS" meint: Ter 9. Februar 1909 wird in der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen epochemachend sein. Pichon und Eambon verdienen bie volle Dankbarkeit Frankreichs, aber cs sei nur gerecht, auch bem Kaiser Wilhelm, bau Fürsten Bülow und dem Staatssekretär v. Schön, welche sich grtviß vor allem von dem wohlverstandenen Jnterase Deutschlands leiten ließen, seine Huldigung darzubringen.W c ft* minster Gazette" schreibt zu dem deutsch-sranzösischcn Ueber- einkommen: Wir wünschen nicht, Frankreich und Teutschland getrennt voneinander zu halten, sondern wir wüstscheu, daß sie duiammeufonuneit urcd daß alle Nationen von dem beständigen Argwohn, den sie hinsichtlich ihrer Atotioe gegeneinander hegat, befreit werden.P a 1 l M a l l G a z e t t e" sagt: Die wilkLmmene Nachricht von dem deutsch-ftanzösifchen Abkommen trifft angenehm zusammen mit ber Meldung von ber Ankunft des britischen Herr­

scherpaareS in Berlin. Das Ablöminen^ scheint auf sehr ver­ständiger Grundlage zu beruhen. Es dürfte bei der jetzigen poli­tischen Konstellation keinen geringen Einfluß auf die Klärung, der internationalen Atmosphäre ausüben.

Das sind FricbensschalmLien, wie man sic in Europa schon» lange nicht mehr gehört hat.

Von italienischen Blättern schreibt dieTribuna": TaS Einverständnis ber französischen und der daitschen Regierung üebaitvt einen Triumph des gesunden Menschenver­standes. Da bie Niöglichkcit von Differenzen zrvischen Frank­reich und Daitsäpnnd durch bie* Uebercinkommen beseitigt wird,, können wir dasselbe nur mit Genugtuung begrüßen, umsomehr,, als die durch dasselbe geschaffene Garantie sich nicht auf die Sig- naiarmäd.te bezicht, fonoem gan,» Europa betrifft. Das Blatt, schließt mit ber Bemerkung, die Aktien des Friedens hatten heute doppelte Urfadje zu einer sehr beträchtlichen Hausse.G i v r- na I e d'Italia" sagt, oie Italiaier alS Verbündete Deutsch­lands und die Freunde Frankreichs müssen glücklich sein über batf Abschluß dieses Ueberein kommens, das außawrdcutlich beitrügd zur Erhaltung des euvopäü'chen Friedens.>. ,,L'Italic" meint,! das Ablvmmeu werde von Europa mit um so größerer Befriedigung^ betrachtet p:ls es zu einem 'Zeitpunkte abgeschlossen wurde, iw Frankreich bie Ordnung in Marokko für genügend gefestigt hält, um einen größeren Teil seiner Truppen zurückziehen zu l'önnav

politefd?c L«gcs?Chan.

Demonstrierende Arbeitslose beim Eivznge des englischen KönigS- paares in Berlin.

Vormittags sanden in Groß-Benin 15 Versammlungen, von der fozialdemokratischen Partei einberufen, statt, mit der Tages­ordnung : Die Arbeitslosigkeit und das Verhalten! ber Kommuuen.'i Nach Schluß der Lcrsanuülungen formierten sich 2)enconftrc* tionsumzuge mit ber ausgesprochenen Absicht, vor das Rat­haus zu ziehen und zu demonstrieren. Die T-enwnstranten wurdet alsbaÜ> von der Polizei zurtickgeioiesen. Die Deinonstzratwneirj begannen mit Versanunlungen der Arbeitslosen, zu denen fickü ca. 6000 Personen eingcfunden hatten. Es wurde yt allen Ver­sammlungen eine RefoluLion angenommen, iit ber ilo. auf) die zu nichts verpflichtenden Redensarten dcs Oberbürgermeisters hingewiesen wurde. AutzLrüem wird erklärt, daß alle bisher vor- geschlagenen und borgenonßneiten Abhilfemaßrcgeln gegen die Ar-j beitslvsigkeit wertlos seien. Eine gründliche Abhilfe fei nur mbg^ lich durch vollständige Aenderuug des Systems im Sinns, der sozialdemokratischen Weltanschauung. I»! ber FriÄwichstwße biclteit halbwüchsige Burschen, die sich in beuä Zug gemischt halten, die Omnibusse an, rissen die &ab->. u c n bcriintet. Auch versdüedeue vor den Läden hängenbej Fahnen wurden niedergeholt, durch die Straßen^ geschleift und zerrisseu. In der Dirksenstraße nahe beti Zentral-Markthalle veranlaßte eine große Schlägerei bie Polizei,< die Temonstranlen mit bet blanken Waffe nach dem Stadtäußerr»-' abzubrängeu. Hierbei gab es blutige Köpfe und Sistierungckr^ Die Blätter aller Parteirichtungen sp-recheir sich entschieden, gegen die Ausschreitungen auch

*

Kriegerische Stimmung in Serbien.

Sovgefteut besuchte der russische Gesandte in Belgrad den ser­bischen Nilnister des 2leußern, Milowauowüsch, und teilte ihm trat, daß er von der russischen Regierung, die in dieser Hinlicht gemein­sam mit Frankreich vorgehe, beauftragt sei, Emspruch gegen bie geplante Abfendnng des serbischen Memorandums an die Mächtei zu erheben und die serbische Regierung vor biefcnt unübcvlcgteni Schrille zu warnen. Rußlcu»d lueibe sich bemühen, für Serbien' Kompensalionen zu envirken. In einem sofort einberufenen Mi- nislerrat machte MUowauowilsch Mitteilung von bett Eröffnungen des russischen Gesandten, bie bei allen Ministern lebhafte Erregung beroorrißien. Der Kriegsminister benutzte bie Gelegenheit, für den Krieg z u p I a t b t e r e n und den Vorschlag zn machen, soiort Truppen an die bosnische Grenze zu eutfenben. Verschiedene Blätter drücken d!e Ansicht aus, daß infolge dieser Wendung ber Dinge bie Position des Kabinetts nod) unhaltbarer geworden fei.; Angesichts dieses Verhaltens der Serben katm man ivohl jagen y wen die Göller verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheu.

Deut?ches Reich.

Die Geschäßtsorbnungs-KommisfiondeSReichS-, t a g e s lehnte die von den OlaiumaUiberalen beantragte Zulassung/ von kurzen Alüragen tatsächlicher Natur an den Reichskanzler mir 14 gegen 11 Stimmen ab.

Tie Finanzkommission des Reichstages setzte die, Abstimmung über den Nachlaß st euergesetzentwnrf au§i und überwies ihn einer Subkomuuftion von neun Nfttglledern.

Die neue B e r g n o v e l l e ist dem preue. Abgeordnetenhause zugegangen. Sie fordert die Einrichtung von Aussichrsbeamten und Grubenkontrolleuren und bringt Bestimmungen über Arbeiter-^ ausschüffe und Kündigungsfristen.

Ter olbenburgische Landtag hat gestern bei wieder­holter Abstimmung das P l n ra l-W a hl recht mitStimmen- glerchheit abgelehnt.

ArrsLand.

Abkommen zwischen England und Siam. Wie1 das Reuter'fche Bureau eriährt, schlossen England und Siam ein U eb ercinkommen, nach welchem Siam die Staaten Ke lan tan, Trengganu und Kcdah an England ab- tritt. Dieses gewährt dafür Siam gemiffe Konzessionen, wahr­scheinlich solche kommerzieller Natur.

ParlamenLarjjches aus LZeften.

R.-ß. Sormit abt, 9. Febr. Der GefetzgebungL- a u § s ch u ß der E r st c n St a m in e r hielt gestern unter Vorsitz deL stellv. Präsidenten, Geh. Jnstizrat Pros. Dr. Schmidt- Gießen, eine gemeinsame Besprechung mit den RegierungS- vertrctern, Staatsminister Dr. Ewald, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda und Ministerialrat Lorbacher, ab, in der die allgemeine Situation in Beireff ber Wahlrechts.- Vorlage erörtert wurde. Der Ausschuß kenn nach längerer Beratung dahin überein, der Kammer zu empfehlen, sich bem von der Zweiten Kammer befchlossenen Ersuchen an bis Ri> gierung um Vorlage eines neuen WahlgesetzentwurfL auf Grundlage des direkten Wahlrechts anzu- schließen und weiter bie Regierung zu ersuchen, mit diesem