Erstes Blatt
159. Jahrgang
Die heurige Nummer umfafot 12 Seiten.
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Die Wortführer der konservativen unb der Reichspartei, die Abgg. Kreth und Frhr. v. G>amp, stellten sich zwar als ^chilohatter vor den Chef der Marineoer- waltung, aber sie liefen doch durchbiickcn, baß ihre Parteien mit dem oerzelligen Zustande der Wersurerwaltung nicht zufrieden seien.
Erne scharfe Kritik des Dr. Semler an der Prozeßführung führte Herrn Spahn auf die Tribüne, der als Oberlandesgerichtsp^asident von Kiel aus eigenem Augenschein sich für den ltmer,uchungsrichter einsetzte.
Die Besprechung wirb D.enstag we^tergeführt.
lot nichs anbei; itcijen soll, nie t, 'n der 6iil recht oit, Iwril um hat bebaut-1 i ist. J-b 6iül t iväre. Schlich I ie Slothjenbijis I i auSlänii. I euflung, daß c: I astigen Erfolge I bei: $erbflilni''t I en auSlänbi’de I is ist uns leibe I i nehmen, ipäic I ten. aber I
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Nr. 287/ Ter Siebener ÄrMlgeLt eddiemi täglich, ^uböT Sonntags. - Beilagen: viermal wöcbenilich SiebenerZamilirnblätter; iioeimal roödientl.Kitis» blatt fürt>eaKrei$(5ief;en (Tlenstag und Freilag); «weimal monail. Land- wtrllchastliche Seitfragen Fernsprech -Anschlüsse: für die Redaktion 112, Vertag u. Expedition 51 Adresse füt Depeschen: «ozetger Gießen.
Die Kanzlerverautwortlichkeit.
lieber den gestern nutgeteilten Zentrumsantrag schreibt
,Natl. Korresp.^:
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die uns aber weit teurer zu stehen kommt. In altmodischen Wirtschaften verehrt man uns sogar ^ioch andere Geschenke. Der „Concierge" erwartet sein Trinkgeld wie die „Bonne" und wir möchten wissen, wer hier kein Trinkgeld bekommt — außer uns selbst.
Zum Trinkgeldgeben gehört Scharfblick. Jeder Mann hat seinen Preis, hat Walpole gesagt. Geben wir zu wenig, werden wir verächtlich behandelt und die Droschkenkutscher fangen an, im „Argot" zu reden. Geben wir zu viel, werden wir als „poire" angesehen und man lacht uns hinter dem Rücken auS. Geht man ins Thea.er, muß man sich mindestens fünf Z-Hn^ousstücke i.i b.e We,centasche stecken für Zettelverkäufer, Platzanweiserinnen usw. Der „galon- nierte Gentleman", der uns die Wagentür öffnet, erhält einen Silberling. Wollen wir den Silberling ersparen und suchen wir uns abj eit» eine Droschke, nähern sich zerlumpte Mitbürger, die sich um uns bemühen und denen wir etlvaS Kupfernes stiften, weil wir das unbequeme Gefühl haben, die Herren könnten uns sonst etwas Ehernes durch den Ueberzi.h.r bohren. Dem Trinkgeld geb en en.g.ht man sio wenig wie dem Freund Hein und an die Legende von dem Holländer, der gewettet h^ben soll, einen ganzen Tag das Pariser Leben muzumachen, ohne einen Sous Trmkgelo auszugeben, glauben wir ganz einfacy nicht. Wenn der Mann das aber wirklich fertiggebracht haben sollte, wird er es ganz gewiß nicht zum zweiten Mal unternehmen.
Und nun fangen also die Pförtner und die Kellner mit dem „Anlipourborrisme" an! Die Postboten s.nd Staatsbeamte und sie stellen sich auf den Standpunkt, daß der Staat sie genügend besolden muß, damit |ie die Bettelei der „Etrennes" nicht brauchen. Wollen wir jetzt auch einmal eine Wette machen? Wenn der Staat bie Gehälter erhöht, werden die braven „Pojtiers" trotzdem weiter uns ihre Kalender im Wert von einem Sou für das übliche Fünffranken stück verlaufen und die kleinen Telegrammausträger werden sich ihre zwei bis drei Franken'eoeniowenig entgehen lasien! Aber das Ehrgefühl? Du lüber Himmel, mit den EtrenneL-Trinkgetdern verdienen d.e Herren jeder ein paar Louis und in Den Geschäftsvierteln jogar einige hundert Frank und der große Racine sagt: „Sans arg^nl ihonneur n’est qu’une mauiuie“. Die Steüner mit ihrem „Antipourboirisme" sind noch drolliger. Sie rooiLn dahin wirken, daß teine Trrn.g-loer mch- gegeben touren, damck Die Wirte gezwungen sind, sie zu unterhalten. Das wird Den Wirten aber gar nicht einfalten, denn durch die Trink
Dienstag 7. Dezember 1909 _ vezngspret»: monatlich 75 viertel-
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Daraus Hai es eine Enthüllung gegeben, bte tn der Jerusalemer Straße in Berlin besonders mächtig einge- schlqgen haben wird. Wir lesen in den „Münch. Reuest. Rachr.":
Jeder Deutsche, der sich seines nationalen Ehrgefühls noch nicht begeben hat, wird sich zu Herrn Feldmann stellen, wie dieier selbst zu Elsaß-Lothringen: er wird gern bereit fein, Upt an das Ausland abzutreten, bedingungslos unb. ohne Entscha- digungsansprüche, auch auf das Risilo hin, daß er, wie daS ja schon vorgelommen ist, sich aus einem vaterlandslosen Deutschen m einen deut^ch-seindlichen Chauvinisten entwickeln sollte. Wir würden uns mit diesem Vertreter „deutscher Elite" (krast selbsteigener Ernennung) nicht weiter befassen, wenn er nicht der Vertreter einer verbreiteten deutschen Zeitung im Ausland wäre. Damit wird aber der Fall zu einem öffentlichen Skandal. Herr Feldmann ist der Korrespondent des Berliner TageblaUes in Brüssel; und wenn Leute von solcher Gesinnung Posten im Ausland innehaben, wo sie an ihrer, wenn immer bescheidenen Stelle als Vertreter des Deutschtums gelten und deutsche In? teren'en wahrzunehmen haben, so füllt das auf die deutsche Presse als solche zurück, wenn nicht alsbald Remedur geschaffen wird. Wir hoffen, daß das Berliner Tageblatt dafür VerftündniS haben wird.
Wir können den letzten Satz des Münchener Blattes nicht Mitempfinden. Das Berl. Tgbl. hat noch mehr solcher geistreicher „Feldmänner". Der Ton dieses reichshauptstädtischen Blattes war schon so oft aus eine Franzosen verhimmelnde und Deutschland begrinsende Gcbarde gestimmt, daß wir nur lachend weitergehen künnen.
Dorgänge im Reichstag.
Die Kieler Werft.
Man schreibt uns aus Berlin:
Der ursprünglich für Dienstag in Aussicht genommene Beginn der Etatberatung, bei der sich Herr v. Bethmann- poUroeg dem Hause a.s Reichskanzler vorstellen soll, ist iber den katholi.chen Feiertag hinaus auf Donnerstag verschoben worden. Das mag wohl Die Ursache sein, daß gestern, Nontag, die Besetzung des Saales nicht so stark war, als man harte erwarten sollen. Auf der Mitteltr.büne stachen tie Uniformen mehrerer Marinebauräte hervor und in der Losloge hatte der Chef des Marinekabinetts v. Müller Platz genommen. Der sich kein Wort von dem, was unten nn taaie gesprochen wurde, entgehen ließ.
Die Anfrage der Freisinnigen begründete Dr. Leon- fcar L Mit seinem Fraktionssreunde Dr. Struve hatte er ten Verhandlungen des Prozeßes in Kiel g^öpten.e.ls per- lönlich beigewohnt. Er beschränke sich auf die noiwendig>ien Disführungen. Ohne Abschweifung, sichtlich bemüht, jede
Übertreibung peinlich zu vermeioen, stellte er fest, was sich als Lehre aus dem Prozeß für Parlament und Verwaltung ergeben habe. Er erhob keinen Angriff gegen Personen. Mit umso größerem Nachdruck betonte er Die Lchuld des Lerwaltungssystems. Seine Schluß- ] solgerung war Die Forderung einer größeren Selbstänbig- I teil und damit stärteren Verantwortlichkeit der Techniter I ün Werftbetriebe und im Anschluß hieran betonte er das I Lrfordernis emes kaufmännischenGeistes uns damit
auch des Geistes der Sparsamkeit.
Unerwartet kurz war auch der sozialdemokratische Red- ner, Herr Legien, und auch er ersetzte über scharfe Worte )urd) Die sachliche Schwere seiner Anklage. Er machte Den Staatssekretär selber für Die Mißstände verantwortlich.
Mit dem Inhalt seiner dicken Aktenmappe bestieg darauf Herr v. Tirpitz die Rednertribüne und im Laufe seiner fast zweistündigen Rede reichte ihm sein Departementsdirektor, der Geheime Admiralitätsrat Harms, ein i2otizblatt nach dem anoeren auf das Pult. Mit erhobener Stimme und unter beifälligen Rufen von der rechten Secke
des Hauses erklärte er, baß er jeder Mitteilung über an» s^-M. geblicye Mißstände schonungslos und energisch nachgehe, E ™ Lv- M md wenn sie von der geordneten Vertretung der Arbeiter, forn Ard eit er ausschuß, romme, sie mit ausrichiigem Dank entgegen nehme, aber es allerdings ab lehne, sich mit einer Lißerhalb Der Werft stehenden Organisation, wie es Die des Gewerkschaftsführers Legisn sei, in Verbindung zu leyen. Und noch einmal gao es einen lauten Bravoruf 30n rechts, als der Staats) ctretär die Bemerkung machte, Daß er mit Herrn Persius, dem inaktiven Seeoffizier, auf dessen Kritik der Werswerwaltung sich die Anfragen gelegentlich bezogen hatten, sechsiverständ.ich nicht biskut.eren tonne. Einen gewissen Mangel an Aufsicht bei dem einen, kleinen Altmaterial-Betriebe auf der üicler Werst wollte er nicht bestreiten. Aber das sei ja am 0,6 Prozent des gesamten Umsatzes der Werft, um) nun brachte "er zum Vortrag, wie unuegrunbet Die Dor- Dürfe gegen die anderen Werftbetriebe und gegen die anderen Werften seien.
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gelder sparen sie nicht nur die Besoldung, sondern sie ziehew' sogar noch einen gewissen Satz der vercinnahmten Trinkgelder für sich ein; manchmal 40, 50 und sogar 60 v. H. In großen Häusern bringt diese Abgabe auf d.e Trinkgelder den« Unternehmer jährlich ein paar Dutzend Tausenfrankscheine., Diese Angabe ist manchmal die Rettung für das wackelnde Gesck)äft. Die „Antipourboiriften" wollen übrigens das „Pourboire" nicht ganz und gar abschaffen. Es soll nun eine Angelegenheit zwischen Gast und Bedienung bleiben' und den Wirt ganz und gar nichts angehen. Die holden Schwärmer! Dce Antitriiikgeldbewegung wtrd bic Trinkgelder nicht abschaffen. Tie Trinkgelder sletgen sogar un- aufhörlich wie die Steuern und die Preise für Theaterkarten und Damenhüte.
— JmJrankturter Kun st verein wurde am Samstag die bereiis angefünbigte MarSes-Au-stellung eröffnet. Tas Zu- UQnbetouimen dieser Ausstellung ist nur durch außerordenlliche Beinndungen möglich yeivorden. Bor allem ift es durch das Ent- flcgentominen des preumschen KultusminlsteriiimL möglich geworden, enuge Hauptwerke aus dem Besitz des preusischen Staates und der NatlonatgaUerie für die Tauer der AusiieUung nach Frank» iurt zu bekommen. Tann hat neben anderen Sammlern Frau Alary Balluig dte reichen Schätze Aiarse'scher Kunst aus dem Slachlaß Konrad Fiedler's zur Verfügung gesieUr, während auf die Weite der Schleilchenner Galerie verzichtet werden mußte, da sie den Geiahren eines weiteren Transportes nicht mehr ausgesetzt iverden konnten. An diese Gemälde, etwa 30, recht sich eine große Reihe von Zeichnungen AiarLeS.
— Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. Im Ho ftheater in Kobucg stürzte der Schauspieler Seid- [er bei einer Probe in eine Versenkung und erlitt so schwere Verletzungen, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte. — Hof- vpernoirektor Felix Weingartner wohnte, wie auS Wien gemeldet wird, vorgestern zum erstenmal nach dem schweren Unfall, den cr auf offener Bühne vor einiger Zeit erlitt, einer Vorstellung in der Oper bei — Tas vierte Beetho oe nkon zer t in Rom unter dec Leitung Michael Ballings fand vorgestern nackMcktag statt. Auf dem Svielplan standen u. a.: „Die Ruinen von Athen", sowie die fünste und die PajtOralsympr^nie. Der Ston^ntiaal war wieder über füllt, das Publikum dankte für bie treulichen Darbietungen burd? begeisterte Beifallskundgebungen. — Die Uraufsuhcung von Sudermanns neuestem Bühnenwerk „Strandlinde^ im königlichen Schausplel- haus zu Berlin findet am 21. Dezember statt. ,Loban- msnacht", eine Over in drei Akten von Edgar Vogel, ge* laust am 12. Dezember pn Hofthearer in Detmold zur ux» aufsührung.
Der hernaa) zum Wort tarn, führte I es in n ■ c, sehr viel stärker fühlbar niachcn, wenn wir mit < 1c. ------ I „nkeren Fürsten erlebt hatten, was Frankreich mit fernen Königen
___> Kaisern erlebt hat. Sie scheinen, Herr Senator, zu glauben, daß Kaiser WUHelm IL geneigt ist, ben Irrtum Bismarcks uiü> Deutschlaiws vom Jahre 1871 roieber gut zu machen. Glauben Sie mir, nicht von dieser Seite her muß man bic „Geste" erwarten, bie eine vollständige Wiederausiöhnung Der beiden großen Nationen ahnen lassen könnte. Aber bic intellektuelle Elite Deutschlanbs, nameicklich bie j u n g e G c n e r a t i o n, s i e h k nichts Unmögliches in einer Lösung der elsaß- lothringischen Frage, bie zur Gründung einer unabhängigen Republik zwischen Deut,chland undFraukreichführenwürde. Unglücklicherweise ul diese Elite noch die Minder Heck. Aber wird sie es immer beiden? Genehmigen Sie, Herr Senator, den Ausdruck meiner ausgezeich-
Tas Zentrum hak einen Antrag über die Verantwortichkeck^ Reichslanzlers eingebracht. So wird, da and) Die Frag« Der Reform Der GeschäitSordnung wieder in einem freisinnigen Antrag aufgeworfen iuid, das ganze Thema von neuem behandelt werden, um das sich fckMi im vergangenen Winter eine Kommifsiow so eifrig bemühte. Ohrre eine Löumg zu finden. Jüngst lasen wir in einem Zcntrumsblatt eine höhnische Bemerkung darüber, datz die Liberalen nach dieser Richtung nichts Posüives zuiwnde gebracht hätten. Wie lag aber kL)ch die Sache in Wirtlichkeit ? Task Zentrum, vereitelte davials jedes Resultat, indem es überall radikalere Anträge stellte als die Liberalen. Tieie nahmen Mcksicht auf die wn^ecvativen Blockgenossen und mühten sich vergebens^ sie zu annehmbaren Zugeitändnissen zu bewegen. Jetzt fällt natürlich solche Rücksiär sort — für die Liberalen. Es wird reckt ältereifam sein, zu erfahren, ob das Zentrum an ben Auffassungen, die es in der vorigen Session so mann und treu vertreten hat, unter den „veränoerten Verhältnissen" noch feschalten,
„Anüpourboirisnie.^
Wk. Paris, 1. Dezember.
Gestehen Sie es ruhig ein: Sie kennen das Wort nicht. Tie Herren im akademifchen Palmenfrack kennen es auch nicht. Tas Wort bezeichnet die neueste „Bewegung". Zur ^pacifistischen", „femtnisti.chen", „esperantistischen", „antral- ksholischen" und sonstigen Bewegungen kommt heute die Bewegung gegen Das Trinkgeld. Das Merkwürdige dabei ist, daß nicht etwa Die Trinkgeldgeber, sondern die Trinkgeldempfänger sich gegen das „Pourboire" auflehnen. In diesen Tagen finden Versammlungen der Postboten statt, bie Tagesordnungen gegen Die sogenannten Etrennes be- ftzlicßen und gleichzeitig erfolgten Kundgebungen der ,/Limonardiergar^ons", zu Deutsch der Kaffeehauskellner gegen Die Trinkgelder. Wir w.s.en nicht, ob die Bewegung roch weiter um sich greifen wird. Es würde uns sehr interefHeren, etwas Näheres darüber zu erfahren, denn beginnt bic Z.it der Neujahesgesafenke, welche Zeit nicht Lwa wie in Deutschland vom 31. Dezember bis 1. Januar bauert. Sie fängt vielmehr gegen Ende November an tnb hört erst nach dem Dreikönig-tag auf. Diese „Gtrenneä’ $iit" ist der quart d'heure dc Rabelais für das gange Jahr; nährend man sonst aber bie Trinkgelder an Leute vertellt, ron denen man sich hat bedienen la.sen, tauchen jetzt Mit» Bürger auf, die man niemals bis dahin gesehen hat. Sie entziehen uns die Franken,rucke für Deü)naci/t-besch.erungen, BalsenlMier, Kinderbewahranstalten und Sang.ingshe.me, nit denen wir doch, als unbescholtene Junge,ellen sa)lea)ter- bings gar nichts zu tun haben. Der Barbier, Dem wir Sag für Tag schon ein großes Sous stück in ) eine Sud)) e geworfen haben, stellt trotzdem einen Teller Jur Die "Ctrennes" auf, ben er mit Fünsfrantenstucken und Louis- bors ziert, den wir unserseits aber nur mit zwei ^ranken Eereiajern. Es gibt Leute, Die sich aua) mit einem Centimes* stück versuchen und andere, die wahrend Dieser Z>.it fich Lieber in einem anderen Stadtviertel rasieren lassen, wo f'.e unbekannt sind. Mitbürger von heldenhafter Uebe^ zmgungstreue in Sachen der „Antipourbvictsme" lassen fich Sir einen Volibart wachsen. Wie soll man sparen, wenn nicht in diesen Dingen'? In unserem Stainmcafs über- veicht uns der „Doyer" der Kelinerschar eine Zigarre nut *cibbinbe, die wir als leidensaiafiiiche dcichtraucher av- Lchnen, was uns aber nicht Davon bereit. Den Etrennes* Sn3 zu erlegen. Im Speisehaus offeriert uns Der Wtri Sns Flasche Schaumwein, bie ihn selbst brei Franken kostet,
politische Lagesschan.
Teuts^e Vertreter im Auslände.
Vor einiger Zeit veranstaltete der „Gil Blas" eine der beliebt geworbenen Zeitungsenquelen, inbem er an eine große Zahl von Adres,en in Deutschtano unb Frankreich einen Fragebogen etwa folgend en Inhalts verschickte:
1. Glauben Sie, daß bie französische und bie beutsche Kultur einanber eiugegengeießt sind?
2. Glauben Sie, baß es im Interesse der beiden Nationen liegt, einander bester kennen zu lernen?
3. Wie werden sich nach Ihrer Ansicht die deutsch-französischen Beziehungen in der nächsten Zukunft gestalten? Soll die Elite der beiden Nationen eine politische Annäherung anstreben?
Diese törichte Umfrage hat ein merkwürdiges Nachspiel gehabt.
Unter denen, die ben Fragebogen ausgefüllt haben, befand sich der sranzöstiche Senator Eharles Humbert, der bekannte Militärschriftsteller. Die,er erhielt als Antwort auf seine Ausführungen einen Brief von einem gewisten .Herrn Karl Felbrnann, unb er fanb biesen Bries jo vortrefflich, daß er ihn der Oeffenttichkeit nicht vorent- hallen wollte. Der Brief lautet so:
,L>err Senator! — Erinnern Sie sich des jungen brutschen Journalisten, ben Sie vor zwei Jahren jo Uebenswürbig emp-. jangen haben? ich wage es zu hoffen, und üt dieser Hoffnung erlaube ich mir. Ihnen ein paar Worte anläßlich der Erklärungen zu schreiben, mit denen Sie auf bie „Enquete" bes „Gil Blas" geantwortet haben. Ohne Zweifel haben Sie in vielen^Punüsn recht, aber meiner demütigen Meinung zufolge begehen Sie einen doppelten Irrtum. Nicht die „aufgeklärte" Klaffe der Deuhchen ist es, bie einen „Horror" vor Ihren .stioläifchen unb sozialen Zuständen" empfindet. .Im Gegenteil beneidet die mtellektuelle Elite Deutschlands oder' doch wenigstens eäi großer Teil diefer Elüe Frankreich um das Regime der Freiheü, das Sie genießen. Die Trennung der Kirchen vom Staate,, bie oolle, den Juven gewahrte Gleichberechtigung, bie Volksiouvcränäät, die durch ein Parlament reprä,entiert wirb, das ben Staatschef wählt unb bie Handlungen der Minister aburteilt, — dies sind einige Punkte des Programms jedes wahrhaft „aufgeklärten" Deutschen. Die republikanischen Tendenzen unserer geistigen Elite würden sich.
Dr. Semler, der hernaa) zum Wort tarn, suyite< es Herrn v. Tirpitz zu Gemüte, baß er gegen Windmühlen- unse slügel gefochten habe. Er, wie vorher auch Herr Erz- UIÜ) berger, waren her Auffassung, daß es dem Staatssekretär nicht gelungen sei, das bureaukratische System von der Schuld weiß zu waschen unb baß bas, was in ben Veröffentlichungen ber „Nordb. Allg. Ztg.", jetzt ergänzt durch bie Erklärungen bes StaatSfeire.är», an Reformvorkchlägen gemacht tooroen sei, nicht befriebigen könne.
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___ General-Anzeiger für Gberhessen WZ
m oomünaX'sui" Rotafiottsirt«? lind Verlag der vrühl'schen Unto.=Bad). und SlelndrnSerel R. lange. Redaktion. Spedition und vruckerei- Lchiilstraße 7.


