Ausgabe 
1.10.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 230

Zweites Blatt

Freitag L. Oktober 1909

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Gemral-Mzeiger für Oberhchm

159. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Die .^iehener Zamllienblätter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzergerGreßen.

Mit dem Dierteljahreswechsel

naht wieder eine regere Zeit in der Politik und den sonstigen Tagesereignissen, und wir möchten die Leser darauf Hin­weisen, daß unser Blatt mit seiner stetig steigenden Abonnentenziffer sich noch weitere Aufgaben und Ziele stecken wird als bisher. Die Berichterstattung soll auf allen Gebieten immer mehr vervollkommnet, er­weitert und beschleunigt werden. Zu allen wichtigen Tagesfragen werden wir bestimmte Stellung nehmen im Sinne eines von politischen Parteien und äußeren Einflüssen völlig unabhängigen Blattes.

In unserer politischen Haltung leiten unS nationale Ziele, die Interessen des Volkes in seiner Gesamtheit. Landwirtschaft und Industrie erscheinen uns gleich­wertige Faktoren im innerpolitischen Leben. Unsere ein­gehenden Berichte über die Verhandliingen des Reichs­tages werden wir auch künftig beibehalten.. Auch der auswärtigen Politik werden wir ganz besondere Beachtung schenken, wobei wir die nationalen Interessen in den Vorder­grund rücken werden.

Im Feuilleton werden alle Ereignisse und Fragen in Kunst und Wissenschaft sachkundig besprochen werden. Zahl­reiche Mitarbeiter versorgen uns mit reichem Nach­richtenmaterial. Der Unterhaltung dienen fesselnde und gediegene Romane, die nebst einer Fülle sonstigen Lesestoffes in den reichhaltigen viermal wöchentlich erscheinenden Gießener Familienblättern" veröffentlicht werden. Diese Unterhaltungsbeilage wird vorzugsweise auch den heimatlichen Stofs Hessens und der Provinz Ober­hessen behandeln.

Im lokalen Teil werden alle wesentlichen Vorkomm­nisse in Stadt und Land schnell und zuverlässig be­richtet. Den Sitzungen der öffentlichen Körper­schaften folgen wir mit regem Interesse, wobei nötigenfalls auch gerechte Kritik nicht gespart wird. In allen Städten Oberhessens ist unser Blatt stark verbreitet, und demgemäß sind ivir zur Vertretung der kornmunalcn Interessen der ober­hessischen Stadt- und Landgemeinden besonders berufen.

Für unseren großen landwirtschaftlichen Leser­kreis sind die zweimal monatlich erscheinenden, fachmännisch geleitetenLandwirtschaftlichen Zeitfragen" ein sehr beliebtes Beiblatt, besonders wegen der vielen praktischen Rat­schläge, die darin für die oberhessische Landwirtschaft ent­halten sind.

Unsere verehrten Abonnenten werden hierdurch gebeten, das Abonnement für daS neue, am 1. Oktober beginnende Quartal rechtzeitig zu erneuern, damit später keine Ver­zögerung im Bezüge der Zeitung eintritt.

Alle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts­stelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen. Neu hinzutretende Leser er­halten den Gießener Anzeiger bis zum Quartalsanfang auf Wunsch gratis zugestellt.

Gras von hohenthal f.

Die Nachricht von dem Tode des Grafen Wilhelm von Hohenthal unb Sergen, die wir bereits mitgeteilt haben, ist nicht ganz unerwartet geronunen, da in der letzten Zeit mehrere Blätter von seiner Ertrantung zu berichten wußten. Graf Wilhelm v. Hohenthal, der einer alten sächsischen Diplo­matenfamilie entstammt, ist am 4. Februar 1853 in Berlin geboren, wo sein Vater 185266 sächsischer Gesandter war. plach Vollendung des Srudiums der Rechte und nach längeren Reisen in Nord- und Mittelamerita, trat er als Legarwns- setretär in das Ministerium des Aeußern ein. Seit dem Jahre 1885 war er Gesandter in Berlin und stimmführender Bevollmächtigter Sachsens im Bundesrat. Diesen Posten verließ er, als am 30. April 1903 der König von Sachsen dem Vorsitzenden des Ministeriums die aus Gesundheits­rücksichten erbetene Versetzung in den Ruhestand bewilligte, um die Leitung der Ministerien des Innern und der aus­wärtigen Angelegenheiten zu übernehmen. Graf v Hohen- that fand bei Antritt seines Amtes die schwierigsten Ver­hältnisse vor. Bei einer Mschiedsfeier in Berlin, die ihm zu Ehren von der sächsischen . Kolonie veranstaltet worden war, sagte er u. o.:Als'die Hauptsache meiner neuen Stellung betrachte ich es, dem Lande ein neues Wahlrecht zu geben, daS auch den arbeitenden Klassen eine Vertretung in der Kammer gewährt, nicht aber eine Ueber- flutung der Zweiten Kammer durch die Sozialdemokratie zur Folge hat, so daß sie ein Tummelplatz der Sozial­demokratie werde. Die Aufgabe ist schwierig, da ich es bei ihrer Lösung weder der äußersten Rechten noch der äußersten Linken werde recht machen können." Er hat denn auch dem erbitterten Kampf um das Wahlrecht in Sachsen ein Ende gemacht. Allen recht machen konnte er es in der Tat nicht, aber mit dem neuen Gesetz wurde immerhin ein Schritt vorwärts getan. Vielleicht hat bei den aufreibenden Arbeiten Graf Hohenthal seine Gesundheit erschüttert. Er­litt schon früher an einer Herzkrankheit, und im April dieses Jahres mußte er in Urlaub gehen. Wegen seines liebens­würdigen persönlichen Weserrs war Graf Hohenthal all­gemein beliebt.

Sitzung der StadtverordneLen.

Gießen, 30. Sept.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller, Georgi und Heyligenstaedt, die Stadwerordneten Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Grünewald, Dr. Gut­fleisch, Habenicht, Dr. Haberrörn, Haubach Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, tfrumm, Leib, Löber, Loos, Örbig, Petri, Plank, Schaffstaedt, Simon, Troß, Wallenfells, Dr. Wimnienauer, Winn.

Der Vorsitzende eröffnete die heutige erste Sitzung nach oer üblichen Sommerpause mit einigen herzlichen Worten der Begrüßung.

Mitteilungen.

Oberbürgermeister Mecum teilte mit, daß über die in einer der letzten Sitzungen gcpslogencn Erörterungen über die Talon- steuer unrichtige Mitteilungen ins Publikum gedrungen seien. In derHessischen WochenzKtmig" sei verbreitet worden, Stadtv. Dr. Biermer habe beantragt, neue Zinsbogen auszugebcn, damit die Stadt Gießen die Talonsteuer umgehe. Diese Mit­teilung sei unwahr. Die Nachricht sei auch von änderet! Blättern übernommen morden, u. a. von derKöln. Bolksztg.", worauf Professor Tr. Biermer dieser eine Berichtigung geschickt habe, in der die Nachricht von A bis Z. als erfunden bezeichnet und eine richtige Darstellung des Sachverhaltes gegeben wurde. Danach hat die Beratung sti der Versammlung ungefähr gerade den umgekehrten Inhalt gehabt, wie das Blättchen mitgeteilt hatte. Es handelte sich nicht um die Ausgaben neuer Zinsbogen, sondern um eine Anregung, ein Sladtschuldbuch anzulegen, um die Talon- stener nicht bezahlen zu müssen. Stadtv. Tr. Sierntet hat davon al. geraten, da aller Wahrscheinlichkeit nach durch ein Zusatzgcsetz auch hierfür eine Reichssteuer eingeführt werde, und es wurde auch in dieser Beziehung kein Beschluß gefaßt. Ter Vorsitzende bestätigte die von Stadtv. Dr. Biermer in derK. B." gegebene Darstellung als richtig und erinnerte nochmals an das trüber auf Grund einer Anregung der juristischen und der Finanzkommission gegebene Versprechen, von den Vcrl>andlnngen der nichtöffentlichen Sitzungen außerhalb der Versammlung nicht zu spreck)en.

Weiter teilte der Vorsitzende mit, daß eine in der Ober­hessischen Volkszeitung enthaltene Mitteilung unrichtig sei, nach der Stadtv. Plank durch seine übertrieben hohen Forderungen die Schuld an der verzögerten Durchsührung der Großen Mühl- gasse habe. Bereits Anfang August habe Stadtv. Plank sich tn'züglich des Preises für fein abzutretendes Gelände mit der Stadt geeinigt. Bezüglich einiger kleiner Nebenpunkte sei die Einigung b mncichst zu erwarten und er hoffe, spätestens in der übernächsten Sitzung eine entsprechende Vorlage der Versammlung machen zu können.

Stadw. Krumm bemerkt, die bezügl. Notiz sei während der Abwesenheit des Redakteurs Vetters in die Ober Hess. Volks­zeitung gekommen. Herr Vetters hätte sie wohl nicht so auf­genommen und sei auch zur Aufnahme einer Berichtigung bereit gewesen.

Baugesuche.

Christoph Wagner hat am Hause Weiden'gasse' 7 ein Schaii- senstec angebracht, das nach dem Hofe des Polizeiamtcs zu gebt, und ersucht um nachträgliche Genehmigung. Tie Baudeputation empfiehlt Ablehnung, da hierdurch ein städtisches Grundstück zu­gunsten eines Privaten belastet werde.

Stadtv. Löber empfiehlt die Genehmigung des Gesuchs, da die Stadt dadurch nicht benachteiligt werde. Nach einiger Debatte, an der außer dem Vorsitzenden dieStadtvv. Grüne­wald, Krumm, Haubach, Huhn und V^inn /ich be­teiligen, wird auf Vorschlag des Stadtv. Grünewald beschlossen, die Genehmigung gegen Zahlung einer jährlichen Anetkennungs- gebühr, die auf 10 Mk. festgesetzt wird, widerruflich zu ge­nehmigen.

Konrad Häuser will Riegelpsad 21 in dem Nebengebäude aus Fnckwerk einen Schornstein errichten. Man ist damit unter der Bedingung einverstanden, daß bei: Schornstein drei Meter höher wird, als das Nachbargeöäude.

Ein Anbau, den Karl Gessert an seinem Hause Schühen- straßc 9 errichten will, bedingt eine Verengung der Einfahrt, die dann 22 Zentimeter schmäler, als gesetzlich erlaubt ist, sein würde. Tie Versammlung befürwortet das Gesuch.

Alexander Salomon u. Co. will an seinem in der Schul­straße gelegenen Geschäftshaus eine Rettungstreppe anbauen, um bei einem cd. Brande ein rascheres Verlassen der oberen Stock­werke zu ermöglichen. Tie Anlage bedeutet eine wesentliche Ver­besserung in feuerpolizeilicher Hinsicht, weshalb ine Versamm- lung damit einverstanden ist.

Tie früher zusammengehörigen Häuser Walltorstraße 35 uni) 3 7 (Zunr Rappent haben jetzt verschiedene Besitzer und sind deshalb durch eine Scheidcwand getrennt worden, die einige Oeff- nungen hat. Nach einigen befürwortenden Ausführungen des Stadtv. Leib stimmt die Versammlung dem dieserhalb erbetenen D-ispens zu.

Die Anlage eines Schornsteins im Hause Wallto r st r. 3 7 wird debatlclos genehmigt.

Ein Gesuch von Christophersen wegen Anbringung einer Ueberdgchung an dem Hause Friedrichstr. 7 wird unter der Be­dingung gutgeheißen, daß die größte Ausladung höchstens 95 Zentimeter beträgt und Herr Christophersen die gesamten Kosten der Entwässerungsanlage übernimmt.

Einfriedigungen aus Holz herzustellen, wird genehmigt für die Hofreiten Schillerstr. 26 (H. E. Müller) und Weserstr. 16 (H. W. Rinn), erstere unter der Bedingung, daß sie 1,60 Meter hoch wird.

Georg Klarl will im Hofe seines Hauses Marktplatz 5 eine Pissoiranlage errichten. Trotzdem der Hof kleiner als die geforderten Mindestnraße ist, findet die Anlage unter gewissen Bedingungen Genehmigung, da sie in sanitärer Hinsicht eine Ver­besserung bebeutet.

Direktor Le m m e will einen Telephondraht über die Ebel- straßc nach seiner Wohnung legen lassen. Die Erlaubnis dazu wird erteilt gegen Zahlung einer jährlichen Airerkennungsgebühr von 1 Mark.

Den Fahrplan der Straßenbahn, dessen Entwurf den Stadtverordneten gedruckt vorliegt, haben irir in seinen Grundzugen bereits vor längerer Zeit mitgeteilt. Tie sich rntspinnende längere Ecörterurrg dreht 'sich haupfiächlich um btt1 Frage, wann morgens der 7y2 Minutenverkehr beginnen soll. Während der vorliegende Entwurf, nach dem zunächst 15 Minutenverlehr durchgeführt ist, etwa um 9 Uhr den 7r> Minuten- verkehr vorsieht, wurden aus der Versammlung heraus Wünsche laut, ihn schon so zeitig zu beginnen, daß namentlich zu den um 8 Uhr abgehenden Zügen bessere Anschlüsse geschaffen werden sollten. Auchber Verkehr nach den Schulen, den Geschäften usw. bedinge schon um diese Zeit einen öfteren Verkehr. Ten Reigen der Redner für diesen früheren Beginn eröffnete Stadtv. Löber, ihm schlossen sich die Stadtvv. Heichelheim, Schaff st aedt, Grünewald, Plank, Eichenauer uni) Troß an. Gegen derr Antrag sprachen Oberbürgermeister Mecum, Stadto. K r u in m, W inn, Petri und Beig. Georgi. Tie von ihnen ins Feld geführten Gründe für Belassung, des 15 Minutenverkchrs gingen in der Hauptsache dahin, daß dadurch das aus dem Be­trieb zunächst zu erwartende Defizit verringert werde, der vor- geschenc Fahrplan einen ausreichenden Amchluß an die Früh­züge ermögliche und der Verkehr an den frühen Wintermorgen nicht so groß ist, um eine öftere Wagenfolge zu, erfordern. Sollte der Verkehr die öftere Wagenfolge nötig machen, konnte sic immer noch eingeführt werden, während bei sofortiger Einführung des frühen 71,2 Minutenverkehrs eine spätere Einschränkung wohl schwer darchzuführen sei. Wie der Vorfitzend? mitteilte, er­fordert der frühere Verkehr eine Indienststellung von 4 Wagen zu einem zwei Stunden früheren Zeitpunkt, als nach benr vorge­schlagenen Fahrplan nöt^j ist.

Bei der Abstimmung tuurfce beschlossen, beit 7,. Minutenverkehr so zeitig einfetzen zu lassen, daß von 7,40 Uhr ab die Wagen in <12 Minuten Abstand am Bahnhof eintreffen.

Eine weitere Anregung ging dahin, den regelmäßigen Verkehr nach dem Friedhof am Rodtbecg in den Winternwnalen erst um 2 Uhr nachmittags beginnen zu lassen. Mit Rücksicht auf die öfters schon auf 11 Uhr vormittags anc,esetzten Beerdchungen wurde beschlossen, es bei dem in dem Entwurf vorgesehenen Fahrplan zu lassen.

Wie der Vorsitzende noch mitteilt, wird die Straßenbahn voraussichtlich nicht zum 1. Noveg^er in Betrieb genommen werden können, es kann bis zum 1., cd. bis zum 15. Tezember dauern. Auf fein Ersuchen hat sich die Omnibusgcsellschaft bereit erklärt, ihren Betrieb bis zur Eröffnung der Straßenbahn aufrecht zu erhalten, wenn die Stadt insoweit auf das der Gesellschaft gewährte un­verzinsliche Tarlehen verzichtet, daß die Mitglieder der Gesell­schaft nicht zu Nachschüssen herangezogen werden müssen.

Tic Fahrbahn in der Neustadt,

soll, wie früher schon beschlossen, zunächst umgcplastert werden, da die Versuche wegen der Wahl eines für die hiesigen Verhält­nisse geeigneten Pflasters noch nicht abgeschlossen find und cs auch noch nicht feststcht, ob und wie vielleicht in einigen Jahren ein Gleis durch die Straße gelegt wird. Kommerzienrat Gail möchte vor seinem Hause geräuschloses Pflaster haben unb ist bereit, die dadurch entstehenden Mehrkosten zu tragen. Die Kom­mission war ursprünglich dagegen, stellt aber jetzt der Versamm­lung anheim, das Pflaster vor dem Haus Gail in Asphalt her­zustellen, wenn Kommerzienrat Gail die dadurch gegen die Um- pflastcrung entstehenden Mehrkosten trägt.

Stadtv. Löber ist der Ansicht, man solle die Straße ganz asphaltieren und den Beitrag von Kommerzienrat Gail annehmen.

Nach Ansicht des Vorsitzenden muß mit der endgültigen Herstellung der Straße gewartet werden, bis die vorgesehene Straßcnregulierung durchgeführt ist.

Stadw. Troß meint, man solle die 2000 Mark, die die Umpflasterung der Neustadt koste, lieber sparen und im nächsten Jahre ihre endgültige Herstellung vornehmen. Die Gleise für die später durchzusührendc Straßenbahn könnten dann einstweilen eingebaut werden.

Der Vorsitzende will den Umpflasterungs-Beschluß auf­rechterhalten wissen.

Stadw. Krumm wendet sich dagegen, auf Wunsch eines Anliegers vor dessen Haus geräuschloses Pflaster anzubringen, auch wenn dieser die Kosten trage. Wenn dies einmal genehmigt werde, kämen iwch mehr derartige Wünsche und man bekäme dann in der Stadt ein völlig unmögliches buntscheckiges Pflaster.

Stadw. Winn ist für die Genehmigung des Gesuchs und tritt dafür ein, die alten Steine umzuhauen, damit die um- geklafterte Fahrbahn möglichst gut kverde.

Der Vorsitzende meint, da es sich um ein Provisorium handle, solle man die Sache so billig als möglich machen und von einem Umhauen der alten Steine abseheu.

Die Abstimmung ergibt Ablehnung des Gesuchs Gail.

Stadw. Plank weist auf den unhaltbaren Zustand des Hauses hin, an dem dieErste Gießener Volksküche" steht. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden ist die Sacl>e dem Abschluß nahe und wird wohl schon in der nächsten Sitzung die Ver­sammlung beschäftigen.

Wirtschaftskonzesfionsgesuche.

Folgende Gesuche um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb, bei denen es sich um den Uebergang bestehender Wirtschaften in anderen Besitz handelt, werden von der Versammlung befürwortet: Von Heinrich Neuling für Brandgafsc 7, von Wilhelm Bintz für Alicestraßc 20, von Elisabeth B i n tz für Frankfurter Straße 165 und von Heinrich B l u m für Licbigstraße 73. Dem Samuel Katz wird die Erlaubnis zum Betrieb einer Kaffeewirtschaft im Hause Neustadt 49 erteilt, die er an den Markttagen be­weiben will.

Verschiedenes.

Mehrere aus der Hand vergebene Arbeiten und Lie­ferungen werden nachträglich genehmigt. Es handelt sich haupt- sächlich um nachträglich bei der Befestigung der Blockstraße, Frank­furter Straße, Bahnhofstraße und Liebigswaßc erforderlich ge­wordenen Arbeiten.

Nach den Erbbegräbnissen an der Maner auf dem neuen Friedhof ist viel größere Nachfrage wie nach den anderen Erbbegräbnifse und Reiyengräbern, wodurch sich im Friedhofs­betrieb mancherlei Unzuträglichkeiten ergeben. Es wird deshalb beschlossen, den an sich niedrigen Preis für die Mauer-Erbbegräb­nisse von 200 Mark auf 250 Mark zu erhöhen.

Stadw. Grünewald regt an, bei den Grüften am Fried- hofSgebäude eine erkennbare Abgrenzung eintreten zu lassen, da der gegenwärfige Zustand zu Unzuwäglichkeiten führe. Der Vor­sitzende sagt Abhilfe zu.

Bei den Ob st Versteigerungen wurde in einem Falle die Taxe nicht erreicht, es wurden nur 68 statt der angefetz!?n 91 Mark gelöst. Tie Versammlung erteilt die erbetene nach­trägliche Genehmigung zu der Abgabe zum Steigerungspreis.

Eine Abstimmung der Geschäftsinhaber der Kolonial-, Farbwaren - und Drogerie -Branche ergab eine gesetzliche Mehrheit für den Achwhrladenschluß. Auch die <c>tadwerordneten-- Versammlung, die gutachtlich zu hören ist, ist mit dem Ladenschluß um 8 Uhr einverstanden.

Stadw. Grünewald regt noch an, in der Stadt Plakate Schonet die Zugtiere" anzubringen, die unentgeltlich zu haben seien. Der Vorsitzende will dafür sorgen, trotzdem er sich wenig Wirkung von diesen Plakaten verspricht. Auch die PlakateRechts gehen" hätten bis jetzt keinen Erfolg gehabt.

Stadw. Troß will die Veröffentlichung des Bcruinsp tt.ns Schon wegen be£ Schutzstreifens an der Irrenanstalt zur Sprache bringen, nimmt aber auf die Mitteilung des Vorsitzenden davon Abstand, daß der heute verhinderte Stadtv. Dr. Biermer eine Erklärung in dieser Sache in der nächsten Sitzung abgeben wird.

Stadtv. Plank regt die Belenchttmg der von prwvler txite in der Bahnhofstraße angebrachten Uhr als im öffentlichen In­teresse liegend an. Wie der Vorsitzende erwidert, liegt die Sache gegenwärtig der Deputation vor._________________________

Aus Stsdt und Land.

Gießen, 1. Oktober 1909.

Tageskalender iür Freitag, 1. Oktober: Stadl- theater: Eröffnungsvorstellung:S o in m ernachtstra u m". Anfang 8 Uhr.

Kolosseum: Progrcnnnuveclifer.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dein Schulamtsaspiranten Phil. Kroh aus Niederdorfelden eine Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Altenschlirf. In den Ruhe st and versetzt ivurde der Lehrer an der Volksjchnle zu Gießen Friedr. Kalbfleisch auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treuen Dienste.

* Aerztliche usw. Befähigungsnachweise von Oberheffen 1907/08. Aerzte: Hch. Klein von Nieder- Ohmen, Hugo Richter von Büdingen; als Zahnärzte: