Ausgabe 
1.6.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 135

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die Kotierungssteuer.

Erfolg. Und auch

Die«letzener Lamitten»kätter" werden dem , Sinniger* viermal wachen lich beigelegt, das Urelrblatt f8r tau Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Dieeandwlrtschaftltchei! Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

In der Nachmittagssitzung der Finanzkommission wurde zunächst das am Vormittag in zweiter Lesung erledigte Jrnanzgesetz zur dritten Lesung gestellt unb gemäß den B- schlüssen zweiter Lesung angenommen. Sodann standen die Be­sitz st cueranträge der Konservativen zur Verhand- lung, der Antrag Richthofen, betreffend die Kotierungssteuer, dre Umsatz- unb Wertzuwachssteuer auf Trniniobilien. P.imnrhff

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen,

Krause als Professor Zipfel betonte mehr den Pathologen auf tae ihm eigene Weise, ohne hingegen die Machtbefugnisse der Gutsherrschaft tm wesentlichen zu beengen. Auch unsereFphy- genie", Frl. Külov, wußte das Graziöse einer Partnerin mit Oblegenem Lebensbewußtsein zu beobachten. Niedlich gebärdete sich Frl. Luzy Hofer und ebenfo von dezenter Jnterieurwirkuus war Verr Krnners Grenzbeanuer; man glaubte, im Lessing- Theater zu sein. Auch von Herrn Brodbcck ließe sich das Gegenteil sagen und seine Physiognomik suggestiver Darstellungswucht tangierte sehr minimal diese Behauptungstheorie. Eine große Rolle spielte der Koffer, dec mir viel Bereitwilligkeit und zwei Mmmern me Treppe heruntergetraaen wurde. Man dachte un- willkürtuh an Viktor HugosGlöckner mm Notre Dame". Ich kann mcht schließen, ohne Herrn Bauer-Königsfeld noch seinen krurschen Teil gegeben zu haben. Er wußte die Grazie seiner Scharfe ,ehr gewichtig in den Vordergrund zu drängen imd war auch sonst von in' "

der auch hierzu vorliegende Antrag Gamv, den Beschluß in Formi eines Gesetzentwurfs an das Plenum zu bringen, abgelehnt.

Zur Verhandlung steht nunmehr das F i n a n z g e s e tz. Hier­zu liegt vom Abg. Müller-Fnlba (Zentr. j ein Antrag vor, der die W 1, 3 und 6 des Regierungsentwurss abändert. § 1 hebt die Schuldentilaungsbestimmung des Finanzgesetzes von 1906 auf. § 3 überweist die Reineinnahme aus der Branntweinverbrauchs- abgabe den einzelnen Bundesstaaten nach dem Maßstab der Bevölkerung, mit der sie zu den Matrikularbeiträgen herange­zogen werden. § 6 bestimmt, daß, soweit die Einnahmen aus der Besteuerung der Wertpapiere und der Umsatz- und Wertzuwachs­steuer in den Rechnungsjahren 1910 bis 1914 den Betrag von 100 Millionen Mark jährlich übersteigen, solche zur Tilgung der aus den Rechnungsjahren 1906 bis 1908 herrührenden Matriknlar- beiträge, deren Erhebung ausgesetzt ist der bekannten gestun­deten Matrikularbeiträge zu verwenden sind. Tie Zahlung dieser Matrikularbeiträge soll bis zum 1. April 1914 ausgesetzt werden.

Schatzsekretär Sydow hält den vorgeschlagenen Weg nicht für geeignet. Die Stundung der Matrikularbeiträge sei eine sehr bedenkliche Bestimmung unseres gellenden Finanzgesetzes. Tie Bindung" müsse geschaffen werden als bedeutsamste Kautele für die Gestaltung der einzelstaatlichen Finanzen. Sie führe auch zur Sparsamkeit bei Aufstellung des Etats des Reiches.

Preußischer Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Die Interessen des Reiches und der Einzelstaaten decken sich in diesem Falle durchaus. Die Finanzen der Einzelstaaten befinden sich in einer ungünstigen Entwicklimg, die eine erhebliche Erhöhung der direkten Stenern zur Folge haben muß und schon gehabt hat. Für Preußen komme die ungünstige Gestaltung der Erträge der Eisen­bahnen besonders in Betracht. Man habe da mit einem dauernden Defizit zu rechnen. In anderen kleineren Staaten seien die Ver­hältnisse vielfach noch bei weitem ungünstiger. Tie Einzelstaaten müßten daher gegen übernräßige Eingriffe des Reiches geschützt werden. Die Bindung der Matrikularbeiträge sei daher durchaus notwendig. Sie gebe auch dem Reichsschatzamt einen Rückhalt gegen Anforderungen der Ressorts. Tie Bindung solle ja auch nur auf 5 Jahre festgesetzt werden: das sei im Interesse der Einzelstaaten dringend notwendig.

2Cbg. Freiherr v. Garnp (Rp.): Meine Freunde sind für die Bindung eingetreten. In den Einzel st aaten sollte übrigens sparsamer gewirtschaftet werden. Die Bahnhofbauten sind beispielsweise viel zu luxuriös. Wir sind am Eirde. unserer Leistungsfähigkeit auch im Reich. Tas sollten die Einzelstaaten aber auch berücksichtigen. Tas Reich hat eine Menge Lasten übernommen, die früher den Einzelstaaten oblagen, bei­spielsweise die Landesverteidigung. Wir müssen unsere Äusgaben einschränken. Museen usw. sind alles schöne Sachen, wenn wir Geld in Hülle und Fülle haben. Mit der Schuldentilgung wird es unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht viel werden.

Abg. Frhr. v. Richthofen (Kons., verweist auf die Stel­lung seiner Partei im Plenum und gelegentlich der ersten Lesung der Kommission.

Abg. Erzberger (Ztr.) kommt auf Grund der Ausführungen des Preußischen Finanzministers zum entgegengesetzten Schlüsse.

Die Abstimmung ergibt gegen die Reichspartei und die Wirt­schaftliche Vereinigung die Annahme des Zentrumsantrags.

Dann tritt Vertagung auf Nachmittag ein. Tagesordnung: Besitzsteuern.

beiträge um den Betrag. Deck wir die Industrie erschlagen, hören wir bei jeder Steuer. Eine Verteuerung des Mehles und gar des Brotes ist völlig ausgeschlossen. Nur aus Rücksicht auf den Libe­ralismus scheidet hier die Konttngentierungsfrage aus, und deshalb ist die Frage eine finanzielle, nicht eine wirtschaftspolitische. Wir haben übrigens immer verlangt, daß Steuergesetze nicht nur Geld bringen, sondern auch wohltätig und ordnend auf die wirtschaft­lichen Verhältnisse einwirken sollen. Das vermissen wir leider fast ganz bei den übrigen Steuern. Was die Form anlangt, so kann das Plenum, wenn es uns keine Indemnität erteilen will, noch immer drei Lesungen der neuen Vorschläge durchführen: erspart bleiben dann aber wahrscheinlich abermalige Kommissionsberatun­gen, und wir haben getan, was von uns verlangt wird, nämlich unsere Aufgaben gefördert. Tie Liberalen, die uns gestern ver­lassen haben, weil wir Entwürfe in Beratung nehmen wollten, die nicht das Plenum passiert hatten, haben übrigens auch in unserer Kommission dasselbe beantragt, worüber sie sich jetzt ent­rüsten. Int Februar haben Dr. Weber und Dr. Wiemer ausdrück­lich beantragt, auf einer Drucksache die EingangsformelDie ver­bündeten Regierungen um die Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen", zu ersetzen durch:eine Subkommission einzusetzen zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs". Und später beantragten Dr. Weber, Dr. Paasche und Sieg wieder:Die Kommission wolle einen Gesetzentwurf ausarbeiten, in welchem eine direkte Reichs­steuer vorgesehen wird". Es handelt sich hierhin um die Einfüh­rung einer Reichsvermögenssteuer, die ebenso wenig in den Vor­lagen der Regierung enthalten war, ebenso wenig eine Lesung im Plenum erfahren hatte wie die anderen Sachen, derentwegen die Herren nefteni das Lokal verließen. Unser abgekürztes Verfahren ist berechtigt durch den Zwang der Lage. Man fordert von uns eine positive Lösung der Finanzfrage. Ter Reichstag kann alles ergänzen, was er an unserem Tun nicht gelten lassen will. Wir freuen uns darüber, daß letzt ganze, rasche und gute Arbeit gemacht wird. Ter Bundesrat soll die Verantwortung nur ruhig dem Reichstag überlassen.

Schatzsekretär Sydow: Die erhobenen Bedenken sind keines­wegs beseitigt worden. Es wäre ein gefährliches Prinzip, den Reichstag die volle Verantwortung übernehmen und den Bundes­rat die Hände in Unschuld waschen zu lassen.

Abg. Freiherr v. G a m p (Rp.): Wenn Sie die Sache nach meinem Wunsche regeln, daß nämlich möglichst wenig herauskommt, dann können die Einzelstaaten gern den Ueberschuß bekommen. Wir können die Sache nicht hier in einer ziemlichen Ferienstimmung annehmen und hinterher die näheren Bestimmungen treffen. In des Finanzgesep soll man die Sache nicht hineinarbeiten. Tas wäre derselbe Fehler, den man früher dem Abg. Richter immer zum Vorwurf machte, der in das Etatsgesetz fremde Tinge hinein­zubringen suchte, um dadurch die Regierung zu ihrer Annahme zu zwingen.

Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Einzelberatung ist zum Teil vertraulicher Natur. Bei § 7, der die Staffelsatze enthält, führt Dr. Zehnter (Zentr.) aus, daß die Belastung bei diesen Sätzen unmöglich getragen werden könne.

T i e Vorlage wird in ihren einzelnen Para­graphen einschließlich des r? 7 angenommen. Nur der letzte Paragraph, der vom Inkrafttreten des Gesetzes handelt, wird aus formalen Gründen gestrichen. Der Antrag Gamp wird abgelehnt.

Tann begann die Beratung des Antrages der Konservativen betreffend den Ausfuhrzoll aus Kohlen und Koks. Regierungsseitig werden Bedeuten gegen Ausfuhrzölle geltend ge­macht. Unsere Kohlengebiete bedürften der Ausfuhr infolge ihrer geographischen Lage. Die Polen erklären sich gleichfalls, ohne ihrer späteren Entscheidung vorgreifen zu wollen, gegen den Antrag.

Abg. Dr. R o e s i ck e (Kons.': Hinter der Tendenz des An­trages stehe das ganze Volk. Deutsche Kohle werde ins Ausland billiger verkauft als im Jnlandc. Wenn die Bestimmungen des Entwurfs nicht geeignet seien, so möge man bessere Vorschlägen.

Ein Regierungsverttcter betont nochmals die absolute Not- wenbigkeit der Ausfuhr für die Kohlenindustrie. Jede Auflage müssen die Konsumenten tragen. Tic Gruben seien dazu nicht in der Lage.

Wg. Tr. Fleischer (Zentr.) berichtet über die Maßnahmen des Kohlensyndikats, durch die die Textilindustrie schwer bedrückt würde, dew Betrieb einschränken und Feierschichten entlegen müßte, obwohl die Kohle in benachbarte Grenzbezivk zu erheblich bil­ligeren Preisen geliefert würde.

Abg. Müller- Fulda (Zentr.) tritt für die Vorlage ein.

Vorlage der Konservativen wird gegen die «itmmcn der ReicktSvartei und der Polen angenommen und .

Aur der RumpfiommWon.

, , r Berlin, 29. Mai.

Muhlenumsahsteuer und Kohlenausfuhrzoll.

.. an £cr heutigen Sitzung der Finanzkommission nahmen die Parteien der sinken nicht teil. Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende F-re'herr v. Richt Hof en eine Erklärung ab. Er habe den Vosrtz übernommen im Interesse der Förderung der Ftnanzrefornt und tm nationalen Interesse. Er sei jederzeit ße* fttebt gewesen bte ihm gestellte Aufgabe so rasch rote möglich zu losen, und glaubte damit tm Sinne aller Parteien gehandelt zu ^°Äetmr)lC ° e bCc Wunsch Hubert, die Sache so rasch roic möglich <nt§ Plenum zu bringen. Mit dieser Erklärung wolle er allen ..ctßdeutungen, btc etwa in her Presse laut werben könnten, be­gegnen.

Darauf würbe in bst Beratung ber Mühlenumsatzsteuer ein­getreten. -Ibg. Dr. Rösicle (Kons.) begrünbet kurz bie Vor­lage her Komervativen. Ter Ertrag soll etwa 8 Millionen sein. , Fi^therr v. Gamp (Rp.) hat einen Antrag einge­bracht, beti beit Zweck hat, bem etwaigen Beschlüsse bie Form eines Gesetzentwurfs zu geben, ber bann eine breimalige Lefung im Plenum futben muß.

,,, S^?bstketär Sydow: Die Vorlage kommt der Regierung liverrajchenb. Es handelt sich in erster Linie um eine wirtschaftliche (Vragc, deren Tragwette sich noch nicht übersehen läßt Mit Herrn von Gamp halte ich es für durchaus unzulässig, diese Be- sttmunmgm tn dem Finanzgesetzentwurf einzuarbeiten. Die ver­bündeten Regierungen haben bisher Stellung dazu nicht genom­men. Aus dtesen Gründen erhebe ich prinzipiellen Widerspruch dagegen, daß die Mühlenumsatzsteuer mit der Ftnanzrefornt ver­bunden wird.

Abg. Gröber (Zentr.): Klammern wir uns nicht zu sehr mt formelle Bedenken. Eine erste Lesung hat int Plenum bei der Beratung des Initiativantrages tatsächlich stattgefunden. Tie Z^E^oktrr- und Tabaksteuer haben eine ungleich höhere wirt- schaftnche Bedeutung als dieser Antrag, und wir haben sie auch tn bas Finanzgesetz hineingearbeitet. Wollen wir die Frage zur Entschetdung bringen, dann müssen wir sie jetzt behandeln. Den Vorwurf der illoyalen Anwendung der Geschäftsordnung fürchstn wir mcht.

Schatzsckretär Sydow: Bei Branntwein unb Tabak kommt die wirtschaftliche Seite erst in zweiter Linie, bei der Mühlen- Umsatzsteuer steht sie im Vordergrund.

Der Vertreter des Preußischen H a n d e l s m in i st c-- riums bedauert, daß die Angelegenheit überstürzt werden soll, ohne daß baß große Material berücksichtigt werben kann, bas im vanbelsministerium gesammelt worben ist. Die Hauptschulb an der Notlage der Müllerei liegt in der Hauptsache in den vollständig veränderten Verhältnissen des Getreidebezuges. Tie Sätze, die hier vorgeschlagen werden, müssen prohibitiv wirken. Wenn bei den hohen Getreidepreifen die Mehlpreise noch künstlich gesteigert werden, wo kommt da unsere Industrie hin? Selbst inländisches Getreide wird dann jenseits der Grenze vermahlen werden. Tie Großmühlen liegen dort, wo sie liegen, aus ganz bestimmten wirt­schaftlichen Gründen. Tic Steuer würde unsozial unb mittel» itanbsfetnblich wirken.

Dem Vertreter beß Preußischen Landwirt schaftß- Ministeriums ist bie in bem Anträge ber Konservativen ent­haltene Anregung insofern sympathisch, als sie ben Schutz ber Kleinen bezweckt. Aber gibt 'eine Möglichkeit, bte Erhöhung bem ausländischen Mehl zu applizieren. Das Jnlandsmehl wird entlad) vorbelastet werben.

ch fische Bundesratsbevollmächtigte wendet sich in demselben Sinne gegen den Antrag und hat im übrigen bundesstaatliche Bedenken, denen sich auch der Baye­rische Bevollmächtigte anschließt. Tic Frage sei zu er­wägen, ob aus reichsgesetzlicher Grundlage eine Steuer seitens her Einzelstaatcn erhoben werden solle.

Abg. Raab (Wirtsch. Vga.-: Wir sind von jeher für eine Mühlenumsatzsteuer gewesen; allerdings haben wir habet auch viel­fach an die Kontingentierung gedacht. Tiefe fehlt nun in bem Vorschläge, deshalb, cntscheibet bieser autf) nicht über ein wirtschaft­liches neues Prinzip, ijst vielmehr eine Finanzmaßrcgel. Tie Ver- ireter bes Bunbesrals hätten sich wie heute schon letzthin bei ber Plenarbcratung über beit Initiativantrag äußern sollen, wir hatten Mnn früher zur Entkräftung ber Einwenbungen Gelegenheit gehabt. Die Fragen, ob bireltc ober inbirckte Steuer, ob Gewerbesteuer über nicht, sinb ohne größere Bebcutung unb über sie führt ber «Streit zu keinem Ziele. Kann nicht der Mchlzoll erhöht werden, wenn wir eine Jnlanbssteucr erheben, wie es z. B. beim Bier ber Hall ist? Wollen bie Bunbesstaaten gern bic Einnahmen, so Bonnen sie sie bekommen, bann erhöhen wir cinfad) bie Mattikülar-

otr antrag micylyosen, vetressenv tue Kotierungssteuer, Umsatz- unb Wertzuwachssteuer auf Immobilien. Zunächst Kotlerungssteuer. Hierzu nahm zu Beginn ber Beratung ber Schatzsekretär Sybow das Wort. Dieser Antrag bedeute eine partielle Vermögenssteuer. Sie sei ungerecht, weil sie auch das mit schulden behaftete Vermögen treffe. Es handele sich um einen nicht geringen Zuschlag zu den Landessteuern. Tic Bedenken würden durch einen Antrag, den Müller-Fulda (Ztr., eingebracht hat, und wonach bei Wertpapieren, die für ein Steuerjahr leine Zinsen ober Dividenbcn gezahlt haben, brr Stempel für das int- mittelbar folgenbe Steuerjahr nicht erhoben ivirb, nicht beseitigt. Der Norbbeutsche Lloyb würbe banach neben seinem kolossalen Verlust m btefent Jahre noch 33 000 Mk Steuer zahlen müssen. Das auslänbtsche Kapital würde von unseren Börsen verdrängt werden. Es würde ein großer Schaben für bie beutfdje Volks­wirtschaft entstehen. Die Pfcmdbriefinstitute würben bie Belastung von sich abschieben und die Bautätigkeit würde erschwert werben. In Frankreich habe sich bie Kotierungssteuer

chtig m ben Vorbergrunb zu brängen unb war haltreicher Linienführung. Es war ein voller der Stegie gebührt ein volles Lob temperament­

voller Durchführung."

__ T7 Der Newporter Theaterleiter Frohmann wird am 22. ^unt in der Harvard-Universität in Cambridge eine Musteraufführung von SchillersJungfrau von Orleans" veranstalten. Die Titelrolle wird von einer der bedeutend steir ameri kauft chen Schaufplelerinnen, Miß Adams, dargestellt werden bie Amiühruirg findet in dem Qtabion der Universität statt und ihr finanzielles Ergebnis wird dem Germanischen Museum dieser

"erden. Der Text wird sich genau an das

deiche Vorbild halten. Die Ausstattung soll geschichtlich mög- lichst getreu gehalten sein. Die Aufführung wird auf einer modern eingerichteten Drehbühne vor sich gehen: an 1300 Personen werden mttroirfat, darunter 800 Statisten, als Bewaffnete, Mönche, Bürger, Chorknaben, (Sble, Soldaten usw.

Eine n eue Stabiu m queUc, bic ben Preis bes kostbaren Elements voraussichtlich erheblich verbilligen wird ist letzt tn Po r tu g a l aufgefunden worben. Ein eiiglischer 'Jn- ^wwur Thomas £>. V. Bowe r erfuhr von ber heilbringenden a?t.em keinen ?ylunc zugeschrieben wurde. Er folgte dem Wasser kns zu der Sähe eines Hügels, wo bte Wellen über 5 - cheQuarziterne hmliesen. Die Untersuchung ergab, baß sie Hurte 5^01 uranhaltigen Phosphates enthielten. Die Steine vrm mehreren Gelehrten untersucht worben: ber französische N^^^lessor Barboni fanb m den Quarzen mehr Äs R-dmm» taten

Kleines Feuilleton.

Eingebil betör" Pfarrer. Tas von bem Eatbo- Sifdjen KolportageverlageNach ber Schicht" in Wiebelskirchen (Trier) herausgegebene gleichnamige11 u t e r h a l t u n g s - unb Äelchrungßblatt für baß V o l k", redigiert von Pf. Schütz, leistet sich in feiner Nr. 19 (Mai, anläßlich der Au­flage eines Lesers folgende Warnimg vor Liithers Tisch­reden :Zunächst sind die berühmten chinesischen Stinkbomben bie reinsten Parftimflaschen edelsten WohlgerncheS gegenüber den Tischreden, in welchen Luther die Unflätigkeiten seines verderbten Äerzcns niedergelegt hat. Rehmen Sie ein Buch, das die Tisch- mden dieses unseligen 'abgefallenen Priesters enthält, lassen Sie @8 alle bekannten modernen Desinfektionsprozesse dnrchmachen, brühen Sie Blatt für Blatt, Seite für Seite mit Chlor- und Nromdämpfen, legen Sic es in Karbolsäure und wenden Sie Chlorkalk, Lysol und was immer Sie wollen, an: wenn Sie es I 'dann mit kostbarer Nardo eingerieben unb mit ben Spezereien Arabiens von innen unb außen bestreut haben, bann nehmen Sie das Buch unb setzen sich Somit allein in ein abgeschlossenes Zimmer, baß aber nach ber Lesung inieberutn schleuniger Des­infektion bebarf. Das ist ber Charakter ber Tischreben eines Xtanneß, ber die unseligste Spaltung in bie europäische Christen- hmt getragen hat." Luthers Tifchreben sind in ber berden Sprache fsiner Zeit geschrieben, aber so sollte sich ein Pfarrer des 20. Jahrhunderts boch nicht ausbrücken, benn man könnte sonst ocr muten, daß er der Nachfolger desgöttlichen Eumäus" sei, ber b-ie Säue des Obysseus hütete.

Die Tellskapelle am Vierwalbstätter-Sec, ine im Jahre 1880 erneuert und von dem Baseler Maler Ernst Stückelberg mit Freskobildern geschmückt wurde, war in Ge fahr, durch die Anlage einer Drahtseilbahn von der Tampfschifs- Ntttestelle nack; dem Hotel an der Axenstraße empfindlich be- ebiträchtigt zu werden. Wie nun dem Cicerone gescbrtebeu wird, ist! diese Gefahr jetzt beseitigt. Der Bundesrat empfahl die Er teihrng der Bahnkonzession den eidgenössischen Mten nicht, unb bet Nattonalrat nahm vor zroei Jahren erneu Beschluß an:In Erwägung, daß die Tellskapelle kraft Der erhabenen Erinnerungen, sie im Schweizervolke weckt, im gleichen Dtaße wie das Dtli eine nationale .Stätte ist, wird bet BundeSrat eiugelnbeu, be erforberliehen iNaßregeln zu ergreifen, um bie Umgebung ber TellskapeNo, nötigenfalls auf bem Wege ber Expropriation, not Profanation zu bewahren." Vor kurzem hat sich nun auch bte Dgierung des Kmttons Uri, in deren Gebiet daS fragliche Golände lftegt, damit einoerftanben erklärt,daß von Bundeswegen die Z tMerbung der TellskapStte am Sstz und zwar vom- See

hinaus bis zur Axenstraßc und vom Hupbach außerhalb der Schiff- lände bis zum südlichen Ende des Tellplatte-Tunnels der Gott- hardbahn ftattfinbe unb badurch die klassische Stätte und ihre Umgebung vor Entwürbigung burch Anlagen jeder Art gesdsützt werde." Gleichzeitig wird dem eidg. Departement des Innern auch der Ankauf des sogenannten Hauses von Walther Fürst im Gutc Schweinsbcrg m Attinghausen empfohlen.

Eine mustergültige Theaterkritik. Das in Chemnitz erfcheinende TheaterfachblattDer Bühnenbote" ent­hält folgenden,Sguenz" unterzeichneten Theaterbericht:Thalia- L Heater. Am Dienstag den 16. gingen an unserem Theater erst- lnaligDie Schmuggler" in Szene. Ich kann wohl sagen, daß dieses Werk ein echtes Stück ist, welches auch seitens ber Sache ben oerbienten Erfolg erzeugte. Der Witz, ber in diesem Stück gewaltig in bie Erfcheimrng tritt, vereint sich gelegentlich mit mystischer Satire, die auch psychologisch als vollMnbig erwiesen zu bezeichnen ist. Jawohl! . . . unb trotzdem--, je länger

man barüber nachdenkt, ist nicht alles Gold, was glänzt! Wie sagt doch unser Goethe so treffend:Verweile, Augenblick, du bist so schön!" So ist es auch hier. Was nützt uns Schopen­hauer, Kant und NieVsche, loenn man nirgends den Humor zur Stellung gibt. Genug davon! Wenn wir mm zur Handlung selbst übergehen, so bietet sie sehr Reichhaltiges. Es wird uns bas gebiegene Schicksal eines ehemaligen Kemden- legionärs vor Augen geführt, der als Schmuggleranführer die Bollbchörbc auf wahrhaft instinktive Weise zu hintergehen ver­sieht. Man benkt manchmal, ben lebhaftenGottseibeiuns" vor sich zu sehen: aber nein, er ist es nicht! Daneben sinb mit farbigen gleichen gelungene Typen gezeichnet, bic baß Stück angenehm er» füllen, ohne babei bic streng wissenschaftlichen Linien syrisch- sentimentaler Verzückinig zu überschreiten. Ich bin weit ent­fernt davon, dieses Stück memrtroegen zu einerBraut von Messina" zu erheben; aber was recht ist, muß recht bleiben, und auf einen Hieb fällt kein Baum.--Eines ist ledenfalls wahr

und ich kann es wohl sagen! Ganz gewiß! Wenn es auch bie und da bche Skeptiker gibt, so liegt das eben in der Natur des Ganzen. Das ist doch eigentümlich! tz«svielt wurde das Sluck mit Lust und Liebe zur Begeisterung. Die Hauptfigur stellte Herr Otto Meurer-Arac dar, und er gab sie auch. Wie gelenkig er aus bem Ofen sprang und mit seiner Stimme rollte, das waren ergreifenhe Momente. Ein andermal gab er uns feinen amüsanten Humor zum Kosten!? Es war etwas Feucht­fröhliches in seinem Wesen. An zwefter Stelle markierte Herr Ludwig Fr-und feine Rolle. Er sang feine Lieder mit einer diese Quarze erheblich °£ten

stimme, bie an Caruio erinnerte unb ließ auch feinen Partnern arbemmg des Uranmmä«?6 bfS.£r>

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Zweites Blatt 158. Jahrgang Dienstag 1. Jnnr 1908

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