Ausgabe 
8.3.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfatzt 10 Selten.

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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton und .Vermischtes' K. Neurath; für.Stadt u.Lcmd" und.Gerichts»

KoUtLjche LagesZevatt.

Sitzung deS Zenlralvorslandes.

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Das Ende des Jenaer Karzers. Die Tage des alten Universitätskarzers am Teichgraben sind ge­zählt. Tas ist eine Nachricht, die manchen alten Jenenser Stu­denten schmerzlich berühren wird, knüpfen sich doch iur Viele daran unvergeßliche Erinnerungen sei es, daß sie dort selbst jugendliche Missetaten sühnen mußten oder schuldigen Kvmmi- litonen das Geleite gaben. Gar ost ist dies unter dem Schutze der akademischen Freiheit mit eindrucksvollen Temonstrationen ver­bunden gewesen. Nachdem die Universität ihr neues Heim be­zogen hat und das alte die städtische Oberrealschule ausnehmen wird, soll jetzt das Anawmiegebäude am Teia-graben vergrößert werden. Während der Bauzeit wird der Karzer zur Unterbringung von Präparaten usw. benutzt und nach dieserEntweihung" höchst­wahrscheinlich ganz von der Bildfläche verschwinden. Es ist aber dafür gesorgt, daß auch spätere Geschlechter sich noch eine Vor­stellung von denr Leben und. Treiben in diesenheiligen.Hallen" eine Erstellung machen können. Bereits, hat sich das jtzäptische

Aehrenthal aufrichtig seinen Teil zur Erzielung einer Verstän­digung beitragen wolle. Serbien, welches durch den Verzicht auf seine ungerechten Forderungen die Sympathie Europas wieder gewonnen habe, sollte die Interessen Oesterreichs in Erwägung ziehen."

Unbegreiflich ist es nach allem, wie man jetzt von Rußland aus weiter Hetzen kann. TieNowoje Wremja" sucht die Ver­antwortung für die Erhaltung des Friedens auf dem Balkan auf Deutschland abzuwälzen. Tos Blatt erklärt, nachdem eine ganze Anzahl von Preßorganen sich gegen die bedingungs­lose Unterstützung der österreichischen Politik ausgesprochen hätte, müsse auch die deutsche Negierung ihre friedliche Gesinnung durch die Förderung des Könferenzgcdankens bekunden. Nur dadurch könne der Krieg abgeweiidet werden. Echt russische Logik!

"wart der etwa erschienenen

>otbei)Qlten. Zuschlagsfrist

tkitmiiiMti iedeitung für die Gemeinde eiten und Lieserungen sollen ich Losen getrennt oder auch

[BS bc§ Kreises Gießen, ileiich.

Solovorträgen seine große glänzende Technik. In der Konzert-Paraphrase über den Straußschen Fledermaus- Walzer entlockte er dem Flügel eine ganz erstaunliche Ton­fülle. Und das Wunderbarste war, lvie er die verschlun­genen Fäden dieses Wertes doch immer wieder entwirrte. Es gehört eine ganz eminente Technik und ein sicheres Ge­dächtnis dazu, um die Tonmassen so zu bändigen, wie es der Künstler gestern tat.

Sehr feine Leistungen bot auch Herr Schüttler (Vio­line) gestern namentlich in den beiden Trios für Gesang, Violine und Klavier. Sein Spiel zeigte hier eine Zartheit des Tones und ein tiefes Empfinden. Von seinen Solo­vortrügen gefiel mir recht gut Die Canzonetta von Godard, Die dritte Solistin des Abends war Frl. Stammler. Sie entwickelte zunächst in der italienisch und auswendig gesungenen Arie aus Semiramis ihr ganzes reiches Können. Besser noch gefiel mir die Sängerin in den kleineren Liedern und besonders in den schon eben erwähnten Trios.

Es war alles in allem ein schöner, genußreicher Abend. Tem Bauerschen Gesangvereine aber, der sich durch seine wirklich vorzüglichen Leistungen einen so hohen Rang im Konzertleben unserer Stadt errungen hat, kann man nur von Herzen wünschen, daß es ihm vergönnt sein möge, auf der bisherigen Bahn fortzuschreiten, sich selbst und allen Musikfreunden unserer Sladt zur F^eu^e. -n.

Museum für Ortsgeschichte dieser Sehenswürdigkeit an­genommen; sie aber von einem Kenner noch zum Gegenstand be­sonders eingehenden und liebevollen Studiums gemacht worden und wird demnächst in Wort und Bild im Druck erscheinen. Die Herausgabe dieses interessanten lkapitels aus der Geschichte der thüringischen Hochschule zu ihrem 350 jährigen Jubiläum hat sich nicht ermöglichen lassen. Während des^ntertegraunä" wird ein provisorischer Karzer im alten Schwarzichen Hause am Fürstengraben eingerichtet werden.

Wer war Ibsen? In der 19. Auflage von Doktor Wilhelm Reuters£iteratur£unbe für Here (?) L e hra n st a l- ten, Lehrerbildungsanstalteen" (?) usw. (Herdersche Verlagshandlung, Freiburg i. B.) finbet sich, wie dieFranks. Ztg." konstatiert, unter den ausländischen Tichtern (nach Alphabet und Nummern geordnet!) unter Nr. 19 über Ibsen folgende biographische Notiz:Ibsen (1828 bis 1906), ehemals Theater- Dircftor in Bergen und Christiania, brachte in seinen Tixunen Die ste r e Gesellschaft"',Oäora",Gespenster", Wildente" den Darwinismus auf die Bühne." Sind sie in der Tat nicht einedüstere Gesellschaft", diese darwinistischen Gespensterdiäster? Und kann man es einem ultramontanen ,Lite- rarbiswriker" verdenken, wenn er sich nicht groß durch ihre Lektüre aufhalten laßt?

Curt Aram hat einen neuen humoristischen Roman Ter Hageswlze" vollendet. Er wird in dem soeben erschienenen dritten Heft der MonatsschriftNord und Süd" zum ersten Male veröftentlicht.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Tie Buchausgabe von Gerhardt Hauptmanns ,Griselda" ist soeben in schöner Ausstattung bei S. F i s ch e r, Berlin erschienen. Tas Werk hatle bei seiner Uraufführung in Berlin am Sonn­tag einen sehr freundlichen Erfolg; bei der Aufführung in Wien, die gleichzenig stattsand, war der Beifall gemischt. Die Exvedilion zur Errichtung eines ürologischen Observatoriums auf dem Pik Teneriffa ist von H a m b u r g abgefahren. Mit­glieder des internationalen Kommission für wiffenschaitliche Lustschis- auf der Reise nach Teneriffa, um dort Luftballons zur Erforschung der Lu'ftrömung in den Passat-Regionen steigen zu lassen. Ten Gebrüdern Wilbur und Orville Wright ist von der ü n d)_e n e r Technischen Hochschule die Würde eines Doktors der technischen Wissenschaften ehrenhalber verliehen worden. Tie kgl. Akademie der Künste zu Berlin hat ben um die gesunde Entwicklung de > hessischen Hochbauwesend und um die Wiederherstellung des Wormser Tomes verdienten Geheimen ^berbaurat Prof. Karl Hofmann in Darmstadt zu X&rem, auswärtigen Mdentlichen Mitglied gewählt.

bildungswesens, von dessen Ausbau er sich bedeutendere Erfolge verspricht als von den meisten wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Interesse des Mittelstandes. Ter Eindruck der Zurückweisung des konservativen Borstoßes gegen die Sozialpolitik durch die beiden Liberalen machte sich nicht zuletzt im Lager der Rechten geltend, Herr Malkewitz juchte zum Schluß die Bedeutung seines Pronuciamentos erheblich abzuschwüchen. Aber der Versuch miß­glückte so ziemlich. 9lod) ein paar polnische Klagen Über die Boykottierung der polnischen Gewerbetreibenden durch den Ost- markenverein, dann machte inan für diesmal Schluß. Am Montag geht die Debatte weiter.

Im preußischen Abgeordnetenhause trat am Sonntag den 7. März der Zentralvorstand der Nation al- liberal en Partei zu einer Sitzung zusammen. Tie Sitzung war außerordentlich stark besucht. Zunächst, fanden einige Zu­wahlen für den geschäftsführenden Ausschuß ftaU. Es wurden gewählt die Herren Prinz zu Schönaich-Carolath, Mit­glied des Reichstags und des preußischen Herrenhauses, Reichs­tagsabgeordneter Dr. Heinze und Rechtsanwalt Dr. Her­mann Fischer-Köln.

Tann wurde der Jahresbericht -des geschäftsflihrenden Aus-

~ ' daran fand eine aus-

Serbien.

Tas serbische Doppelspiel dauert fort und von einem diplo­matischen Rückzüge Serbiens kann man nach den neuesten Mel­dungen doch nod) nicht sprechen. B^eichnend für die augen­blickliche Lage ist es, was zwei serbische Minister einem Redakteur des Neuen Journals erklärt haben. Beide Minister erklärten die Meldung, daß Serbien auf alle Nnnpensationen und Forde­rungen verzichte, sei eine ordinäre Lüge, die in durchsichtiger Ab­sicht lanciert worden sei. Serbien habe mit Oesterreich-Ungarn überhaupt nichts zu verhandeln, sondern verlange, daß Europa über den Konflikt sein Urteil fälle. Wie General Jzvonono meldet, habe der Kriegsminister Zivkovic erklärt, Serbien denke nicht daran abzurüsten und werde dies auch bann nicht tun, wenn es ganz Europa fordern sollte, denn die serbischen Rüstungen batten nur einen defensiven Charakter. Am Samstag haben übrigens in zahlreichen Städten Serbiens Meetings stattgefundcn, auf denen gegen jeden Rückzug bezüglich der serbischen Forderungen energisch protestiert wurde. Bei den Versammlungen, die einen kriegerischen Charakter trugen, beteiligte, sich auch das Militär.

Nach Informationen des österreichischen Reichsratsabgeordneten Dr. Sylvester, die er im SalzburgerVolksblatt"' veröffentlicht, gehen gegenwärtig in Bosnien serbische Agitatoren von .''3aub zu Haus, um die dortige Bevölkerung zu Putschver­suchen aufzureden, die st'ir das Frühjahr zu erwarten sind. In vielen Häusern Bosniens seien Dynamit und Handbomben ein­gelagert. Die serbische Agitation bezwecke die Bandenbildung im Innern des Landes, welche dann den an der Grenze ßehenden Truppen in den Rücken sollen sollen.

In Belgrad selbst foll riesige Aufregung herrschen; im Offi­zierskasino sei es zu erregten Szenen gekommen. Man nehme dort Stellung gegen die Haltung des Königs. Tie Stellung des Ministeriums sei erschüttert. TerPolitika" zufolge hat der Finanzausschuß der Skuptschina neben dem außerordentlichen Rüstungskredit von 33 Millionen die Erhöhung des diesjährigen Budgets des Kriegsministeriums um 15 Millionen Dinars be­willigt ; diese 15 Millionen Tinars sollen durch einen 30proz. Steuerzuschlag gedeckt werden. Eine weitere Illustration der gegenwärtigen Lage auf dem Balkan gibt das montenegrinische Amtsblatt. Es bespricht in einem Leitartikel das Uebereintomincn zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei und sagt: Wir über­lassen den Mächten das Urteil, ob es einem Attindatar gestattet ist, sich das, was ihm anvertraut worden ist, anzueignen. Die Mächre haben auf dem Berliner Kongresse Oesterreich-Ungarn Bosnien und die Herzegowina zur Verwaltung anvertraut, zu einem Zeitpunkte, in dem diese Provinzen ein Streitobjekt zwischen ben serbischen Fürstentümern unb ber Türkei belbiten, nwdurch' also dieser Streit unbeenbigt blieb. Jnfolgebessen ist nach beni er­zielten Uebereintommen zwischen Oesterreich-Ungarn unb der Türkei an ben Platz bet Türkei in diesem noch nicht beendeten Streite gegen die serbischen Staaten Oesterreich-Ungarn getreten unb ist baher burd) bieses Uebereintommen nicht Eigentümer ionbern nur eine Partei gegen bic serbischen Staaten geworben.

Gegenüber bieser oben gekennzeichneten Loge in Montenegro unb Serbien ist es gerabezn bewundeentwert, welche Ruhe unb Mäßi­gung Oesterreich an ben Tag legt. Als ein Beweis für bie friedlichen Absichten Oesterreichs kann es gelten, baß der öster­reichische Gesandte in Belgrad Auftrag erhalten hat, ber serbischen Regierung mitzuteilen, baß bic österreichische Regierung wegen der Haltung Serbiens in ben letzten Monaten nicht in ber Lage sei, ben Handelsvertrag mit Serbien der parlamentarischen Er­ledigung zuzuführen. Um aber einen Beweis seiner Friedens­liebe 3it geben, sei Oesterreich bereit, falls Serbien dem Rate der Mächte Folge leiste, seine Politik hinsichtlich der Annexions- frage ändere unb in Wien offiziös zur Kenntnis bringe, mit Oester­reich friedliche und freunbnacyvaruche Beziehungen unterhalten zu wollen, über die Handels unb Verkehrsfragen mit Serbien in Unterhandlungen einzutreten. Nun liegt es allein an Serbien, auch Oesterreich im Interesse des Friedens entgegenzukommen. Tas findet selbst der PariserTemps". Tas Blatt schreibt: Man dürfe darin weder ein Ultimatum, rwch eine Drohung, noch eine Falle erblicken. Es scheine vielmehr, baß Baron von

Tann wurde der Jahresbericht -des ai schufses antgegengenommen. Im Anschluß gtebige Aussprache über die Wahl in Alzey-Bingen statt. Von einem Verterter dieses Wahlkreises ivurde. hervvrgelwben, baß ein Eintreten für Korell wegen seiner politisclien Skrupel­losigkeit unb ber bestimmten Erklärung, an der Zerstörung des Blockes arbeiten zu wollen, unmöglich gewesen sei. And) habe Korell entgegen feinen früheren Erklärungen der Sozialdemokratie vor ber Stichwahl einen Revers ausgestellt, in dem er sich gegen jede Erhöhung der iiibircften Steuern verpflichtete. Trotzdem man bic Schwierigkeiten, bie in dec Person bc3 Herrn Korell lagen, von allen Seiten anerkannte, bebauertc ber Zentralvorstand den noch aus prinzipiellen Gründen die Ausgabe ber Stichwahl­parole für ben Zentrumskandidaten und den Mangel an Disziplin, der bei diesem Anlaß gegenüber ben rechtzeitig und dringend geäußerten Wünschen des Geschäftssührendcn Ausschusses ber Ge- samtpartei unb des Landesausschusfes ber Nationalliberalen Lau- despartei in Hessen zutage getreten ist.

Dann rcanbtc man sich ber Erörterung der Reichsfinanz re form zu. Tie Besprechung ivurde eingeleitet burd) ein in seiner Knappheit ungemein übersichtliches Referat des Abg. B a s - s c r m a n n , ber die Spezialfrage ber Finanzreform in den großen Zusammenhang innervvlitischer Enlwickelungsmöglichkeiten rückte. Nach ihm erörterte Gcdcimrat Paasche das Problem nod) von ber mehr steuertechnischen Seite. An die b eiben Referate schloß

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»ormittags 11 Uhr

vüuerscher Gesangverein Sieben.

Die Feier des 45. Stiftungsfestes des Bauerschen .Gesangvereins hat weiteren Kreisen unserer Stadt wieder ; einmal Gelegenheit gegeben, diesen prächtig geschulten - Männerchor singen zu hören. Was man hier immer aufs : neue bewundern muß, das ist die straffe ich möchte sagen -7 musikalische Disziplin, die in diesem Chore herrscht. Diese Disziplin ist es wohl in erster Linie, die ihn befähigt, Hn seiner Art etwas Vollendetes zu leisten. Mit welcher 'Lust unb Liebe hier jeder Einzelne mitsingt man sieht , den Sängern ordentlich an.In Friede und in Streit ein Lieb ist gut Geleit." So lautet ja auch ber Wahl- Spruch des Vereins. Frisch unb froh entquillt der Ton ^öer Kehle. Da ist nichts von schüchterner Unsicherheit zu merken; da weiß jeder, was er will unb. kann und wie er sich der Gesamtheit einzufügen hat. Aber es ist auch be- ivundernswert, wie der Dirigent .dieses Männerchores, Herr Görlach, seine Sänger in der Gewalt hat. Ohne große Geste, schlicht, bescheiden unb natürlich. Eine leidyte Hand- .'ewegung, und der Chor, der eben noch fein Fortissimo durch den Saal brausen ließ, senkt sich zum leisesten Pia- aiffimo herab. Und wie der Ton ausklingt wie zart. Die weich und wie rein.

Was mir in dem gestrigen Konzert des Bauerschen Gesangvereins ganz besonders gefiel, bas war zunächst der vunderhübsche ReigenIm Busecker Tal". Sehr schön ivur- -en bann ferner in dem LiedeJlt die Heimat" die Stellen .Won Hause",nach Hause" undzu Hause" wiedergegeben. Zn jedem Verse anders, unb. so fein charakterisiert und icbgetönt und ber Stimmung angepaßt. Dann kam das ..Kartnerg'müat" von Koschat, dieses allerliebste Lied vom Äakel und dem Nannerl. Tas war prächtig gesungen. Nicht minder großen Beifall rief das mit sehr viel Empfindung «orgetrageneSlavonische Ständchen" von H. Jüngst. Es mußte auf stürmischen Wunsch wiederholt werden. Tas Schönste dieses Llbenbs aber war wohl der Chor mit Klavier­begleitungBarbarossa" von F. Jacobs. Ein Tongemälde uon höchstem Farbenreiz. Und wie fein pointiert war auch hier wiederum der Vortrag.

Die Klavierbegleitung war in ausgezeichneten Händen. Herr Hahn entwickelte hier ebenso wie in seinen drei

unterlagen liegen auf br )[§ Zimmer Nr. 24 * rden daselbst Angebots 'geben.

fjtyift versehenen Angm

vormittags 10 Ufa,

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lenwati btt etroa erschienenen Vorbehalten. W*

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Kreiste Ziehen.

Stimmungsbild aus Oem Reichstage.

Berlin, 6. Marz.

Auch heute itod) nahm bieneueFernsprechgebühren- o r b n u n g einen breiten Raum in ber Beratung bes Postetats ein. Es kamen bie Aiinberheilen ber Parteien auf ber rechten Seite zum WM, bie zum Teil in Vertretung stäbtischer Jn- tereh'cn zum anbern Teil besionbers vom Stanbpunkt bes ge­werblichen Mittelstandes Bedenken gegen bie Vorschläge ber Re­gierung erhoben unb ihre Aenberung in bem schon in ber bis­herigen Beratung gekennzeichneten Sinne verlangten. Es waren bas bet konservative Abgeordnete für Potsdam Pauli und ber Reichsparteiler Linz, ber bic Jnbustriestädte Elberfeld unb Bar­men vertritt. Auf ber anderen Seite äußerten bie hessischen Abgeorbneteu Graf O r i o l a unb Herzog nod) weitergehenbe Wünsche für bas platte Laub, in ber Hauptsache in ber Richtung ber Bilbung von Kreis- unb Vezirksnetzen, wofür aber Herr Kraetke wenig Gegenliebe betunbete. Neues würbe von keiner Seite vorgebracht, unb im großen unb ganzen steht bas Sck)icksal ber Vorlage fest. Ter Staatssekretär durste refumierenb seiner Befriedigung über bie in biefem Umfange wohl auch von ihm nicht erwartete Zustimmung bes Reichstages Ausbruck geben.

Auch bie anberen Themata hatten sich im Laufe ber vier­tägigen Aussprache erschöpft. Von Nebnem verschiebener Par­teien würben nod) Einzelwünsche vorgetragen, zum Teil auch bringenbe Beschwerben erhoben, so vom Abg. K o p s ch über bie unzulässige Verwenbung amtlicher Formulare bei ber Stichwahl in Bingen-Alzey, unb bas gestrige Renkontre zloischen Dr. Struve unb Kraetke fanb nod) ein Nachspiel in einer scharfen Wahrung ber Stellung ber Volksvertretung burd) ben Parteifreunb bes Tr. Struve, ben Abg. Gothein. Tann würbe bas Gehalt bes Herrn Kraetke bewilligt unb ber Postetat zu einem großen Teil erlcbigt, wobei man aber wegen ber schwachen Besatzung zweifelhafte.Abstimmunaen auf einen günstigeren Zeit­punkt verschob. ________________________

Stimmungsbild aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 6. März.

S o z i a l p o l i t i k u ir b M i t t e l ft a n b s f r a g e n, zwei The­men also, die miteinander großenteils identisch sind, beherrschten am Samstag beinahe ausschließlich bie Debatten des Abgeordneten­hauses. In ber allgemeinen Aussprache zum TitelMinister­gehalt" rückte ber Konservative Malkewitz mit einem bemerkens­werten Angriff auf bie Sozialpolitik des Reiches heraus, in ber er eine allzuschwere Belastung vornehmlich bes gewerblichen Mittel- stanbes erblickt. Ter Rebner, ber im Namen unb unter ber lebhaften Zustimmung seiner Partei sprach, brachte im übrigen nicht viel mehr als bic alten Klagen über mangelnde Berück­sichtigung des Handwcris bei behördlichen Lieferungen vor, Klagen, deren teilweise Berechtigung auch von liberaler Seite anerkannt wurde. Aus dem Lager der Linken sprachen, nach einer melyr ausführlichen als schlüssigen Verteidigung unserer Handelspolitik durch den Zerctrumsredner Trimbom, der Nationalliberale Schröeber-Kassel und ber Volksparteiler Tr. Crüger. Beibe traten ber Abneigung ber Rechten gegen ben weiteren Ausbau unserer Sozialpolitik mit Nachbmck entgegen, unb beibe gingen ausführlich auf bie Wünsche unb Beschwerben bes Hanbwerks ein. Ter Freisinnige begrüßte mit besonderer Anerkennung bie Bestrebungen ber Regierung auf bem Gebiete bes Hanbwerker-

sich eine angeregte Diskussion, in ber das Vertrauen zu der von ber Fraktion verfolgten Politik auf allen Seiten 5um Aus­bruck kam.

Nach Schluß ber Sitzung vereinigten sich bie Mitglieder des Zentralvorftandes mit anderen Parteimitgliebem zu einem Mahle im Hotel Adlon.

Deutsches Ueich.

D'er Kaiser, der am Samstag abend von feiner Reise nach Wilhelmshaven in Berlin wieder eingetroffen war, hat gestern mittag bie Kaiserin von Rußland am Schlesischen Bahnhof begrüßt. Ter Kaiser, der die Uniform des Petersburger Garderegiments König Friedrich Wilhelm III. mit Tscha'cow trug, überreichte der Kaiserin­witwe einen prachtvollen Blumenkorb und begleitete die Kaiserinwitwe in ihrem Sonderzuge bis Charlottenburg, wo er sich verabschiedete. Die Kaiserin von Rußland reiste hierauf nach London weiter.

Die diesjährigen Kaiser Manöver finden vom 13. bis 17. September zwischen Rothenburg ob der Tauber und Nördlingen statt.

Präsident Castro wird Entze März von Dresden nach Wien übersiedeln.

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9!r. 56 Erstes Blatt 159. Jahrgang Montag 8. März 1909

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