Ausgabe 
10.8.1909 Zweites Blatt
 
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Dienstag 10. August 1909

Zweites Blatt

:Qr. 185

159. Jahrgang

(Sftchetnt töglich mit Au-nahme deS Sonntags.

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Strafen der Bahnverkehr heute vormittag mit acht Wagen, von Polizisten begleitet wurden, auf der Ringlinie wieder öffnet worden.

Stockholm, 9. Aug. Deute abend hat der Streik

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universuäts - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

llou-Lrcheiier. , W'lbrlm

ÄieGtetzener Kamiliendlötter" werden dem , Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das , .Kreisblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

IClchtcs FeniUeton.

DaS Bismarck Dcitkmal auf derElisenhöhe. ;r Kunstausschuß zur Errichtung eines Bismarck-Nationaldenk- r sz stellt einen von Pros. Tr. Max Schmid-Aachen verfaßten trlittet zur Verfügung, der die (frage, ob die Wahl der Eliscnhöhc V Singen als De'ikmalsvlatz gerechtfertigt ist, in erster Linie vom bÄerischen Gesichtspunkte aus prüft. Wir entnehmen dem Auf-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Cchul- slraße 7. Expedition und Verlag: «s^A LI. Redaktion: 112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.

Mitteln länger aushalten können, als die Arbeitgeber, denen sehr großes Kapital zur Verfügung stehen soll. Jedenfalls ist die «frage, wie der Streik enden wird, von enormer Bedeutung.

Stockholm, 9. Aug. Die hiesige Eisenbahndirektion teilt mit, daß bis auf weiteres eine Einschränkung des Zug- verkehrs um fünfzehn Züge täglich eintritt. Der ZeitungDogen" zufolge reist der Vertrauensmann Tholin der Landesorganisationen heule nach Amerika ab, um unter den Schwedisch-Amerikanern Geldbeiträge für die Streikkassen zu sammeln. Der Eisenbahnverkehr in Schweden ist in keiner Weise gestört. Der Betrieb ist eingeschränkt. Richt der Streik, sondern die infolge des Frachtmangels vermin­derte Nachfrage nach Güterzügen ist die Ursache. Der Streik der Eisenbal;ner ist nicht mehr wahrscheinlich; sollte er indessen doch erfolgen, so sind Maßnahmen getroffen, den Verkehr in befrie­digender Weise aufrecht zu erhallen. In Stockholm ist in den

Was er verheißen hatte, erfüllte er bald, indem er der Literatur! seinenMünchhausen" schenkte. Jmmermanns Münchhausen ist ein noch köstlicherer Lügenmeister als der alte Raspe-Bürgersche! Münchhausen. Er übertrumpft diesen durch seinen raffinierten! Ausbau in vielen Teilen. Der Dichter hatte sich darin, wie er es vorausgesagt, im Lügen einmal recht etwas zu Gute getan. Einige seiner Zeitgenossen geißelte er in harmlosspöttischer Weise. Er ließ sie wie Marionetten durch seinen Roman tanzen und biefaete ihnen Abenteuer an, über denen dem Zuhörer wie dem Leser die Daare zu Berge stehen mußten. Leider ist eine lange Reihe von Jahren verstrichen, bis sich ein Literarhistorikeo die Aufgabe stellte, den gesamten Münchhausen auszulegen. Bis dahin hatte ein großer Teil der Leser den lustigen Roman nur in einzelnen Auszügen kennen gelernt. Das Oberhof-Idyll mit der markigen Gestalt .des Hofschulzen und der lieblichen Maid Lisbeth, ist oft aus dem Zusammenhang herausgerifsen und als Sonderausgabe veröffentlicht worden. Tie neuen Münchhausen- Ausgaben, unter denen diejenige der Goldenen Klassiker- Bibliothek lDeutsches Verlagshaus Bong u. Co.) hier be­sonders erwähnt sei, sind aus dem Streben entstanden, die Leser mit Jmmermanns ganzem Münchhausen bekannt zu machen. Was die Münchhausen-Ausgabe der oben erwähnten Goldenen Klassiker- Bibliothek besonders brauchbar macht, ist der ausführliche Lebens­abriß des Dichters. In einem besonderen Abschnitt wird dann! das Werk bis ins kleinste genau erklärt. Der Leser erfährt; hierbei u. a. viel Wissenswertes über die Münchhausen-Originale. Tie Münchhausen-Ausgabe der Goldenen Klassiker-Bibliothek, der eine Jmmermannliteratur von Adolf Strodtmann, Max Koch und Harry Mayer zugrunde liegt, wird ergänzt durch zahlreiche Ncu- forschungen aus letzter Zeit. Ta die genannte Ausgabe neben den erwähnten Vorzügen den der Billigkeit hat, wird sie das ihrige dazu beitragen, das Interesse für Jmmcrmann im Publikum neu zu beleben. Denn wenn Einer es verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten, so ist es Karl Immer mann.

H ebbels sämtliche Werke hat die Goldene -1 l a s s i k e r - B i b l i o t h e k (Deutsches Verlagshaus Bong u. Co.) in wirklich geschmackvoller Ausstattung und für wohlseilen Preis herausgegeben. Die Ausgabe bietet alles was für einen größeren» Leserkreis der Hebbelschen Werke von dauerndem Werte ist. Im wesentlichen beruht die Ausgabe auf der von Richard Maria Werner ö.sorgten historisch-kritischen Ausgabe der sämtlichen Werke Fried­rich & ebbels. Für den Literatur forscher, ebenso für jeden anoeren Leser bietet der Anhang mit seinen Anmerkungen ein aufschluß­reiches Kapitel. Es ist hier eine Arbeit geliefert worden, die es ihrer sorgfältigen und klaren Abfassung wegen verdient, besonders gewürdigt zu werden. Die Ausgabe wird bereichert durch ein Faksimile imd durch Bildnisse .Friedrich Hebbels und feiner Zraw

aus kleinlichen Bedenken von der Wahl der Elisenhöhe Abstand nehmen wollten. Sie entspricht nicht nur allen künstlerischen Anforderungen, sondern mich vielen anderen Bedingungen, die an einen Tenkmalsort .zu stellen sind. Ein solches Monument einsam, fern von menschlichem Getriebe zu errichten, ist ein schöner und poetischer Gedanke. Allein, praktischer und zum mindesten ebenso berechtigt ist doch wohl der Wunsch, es an einen Punkt zu stellen, der auch jenen ungezählten Scharen erreichbar ist, die nicht als freie Herren über ihre Zeit und über ein Automobil verfügen, die nicht lange und einsame Wanderungen machen können, um ihren Idealen nachzugehim. Sollen Massenhuldigungen vor un­serem Bismarck Denkmal stattfinden, so muß es gelegen sein auf einem Platze, der groß genug ist, diese Mengen wirklich zu fassen, wie das hier der Fall ist. Es muß auch so gelegen sein, daß die Menge mit den heute üblichen Beförderungsmitteln schnell und heguem dort hinkommen kann, wie das in Bingen und Bingerbrück der Fall ist. Gewiß gibt es rheinauf und rheinad noch manch schönen Berg und manch imposanten Felskegel. Aber keiner der Orte, die nachträglich und zum Teil mit viel Energie versuchen, die längst gefaßten Entschlüsse des Denkmalskomitees umzustürzen, Durften behaupten, daß sie so alle Vorteile vereinen, so alle Monumentülvedingungen erfüllen, wie die Elisenhöhe. Auch das darf der aus vielen hundert deutschen Männern zusammengesetzte Ausschuß versichern, daß er durch rechtzeitigen Ankauf aller not­wendigen Grundstücke der Terrainspekulation und der Gastwirte­ausnutzung erfolgreich vorzubeugen wußte. Dieser aus der freien Entschließung der Nation hervorgegangene, nicht von Behörden oder Interessentenkreisen gewählte Ausschuß, der heute über 1300 Mitglieder umfaßt, stimmte auf den Versammlungen in Berlin, Bingen, Frankfurt a. M. und Köln dem Gedanken zu, die Elisenhöhe bei Bingerbrück zum Tenkmalsplatz zu wählen und hält un­entwegt daran jeft. Das ist seine Pflicht, besonders den Künstlern gegenüber, die man zum Wettbewerb ausfordern will. Es wäre geradezu eine Verschwendung des Nationalvermögens gewesen, hätte man die Wahl des Denkinalsplatzes freigelassen. Ein Denkmal ist kein Tafelaufsatz, der auf jeden Gcmeindescstplatz und auf jeden beliebigen Aussichtspunkt gesetzt werden kann er muß bodenständig und erdwüchsig sein. Daher sollte man in Deutschland denen vertrauen, die zuerst den Plan gefaßt und in angestrengter Arbeit nach reiflicher und unparteiischer Erwägung den besten Platz gefunden haben. Der Wettbewerb wird in Kürze ausgeschrieben werden."

Ein Lügenmeister. ... ,Lhr glaubt gar nicht, welch ein Talent und welche Neigung zum, Lügen ich haöe; ich kann die ungeheuersten Tinge erfinden und mit der größten Lust und Ernst Hastigkeit bis m das Unglaublichste fortspinnen ..." So sagte Karl Jmmermann zu einer Zeit, da er sich mit

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Der Generalstreik m Schweden.

Am Mittwoch den 4. August setzte in Schweden ein erbitterter ,4lrr Kampf ein, der zwischen der organisierten Arbeiterschasr j den wohlg üsteten Arbeitgeberorganisationen schon lange aus» Brechen drohte. Bei einer Bevölkerung von etwas mehr als , Millionen Seelen streiken ungefähr 300 000 Arbeiter. Tie Zeitnehmer haben den Generalstreik proklamiert, weil sie sich te ntrcbuvuriingcH wegen der schlechten Konjunktur nicht gefallen wollt.» Die Ausstandserklärung war ihre Antwort auf -ttAussper. ngen, welche die Arbeitgeber in einzelnen Industrie ,egat Mr Lohwreduzierung vorgenommen hatten. Von einem . -xeralftreif im eigentlichen Sinne des Wortes kann man zur -Wnde noch nicht sprechen, weil noch nicht alle Arbeiter feiern.

Eisenbahn-, Postt imd Telegraphen-Funktivnäre haben sich sks-ser dem Streik nickrt angeschlofsen. Auch ist es fraglich, ob st fianbarbeiter sich an dem Ausstand beteiligen werden. Aller- hratf haben sich mehrere Organisationen landwirtschaftlicher Ar 'türc zum Streik bereit erklärt, der ausbrechen soll, wenn der

egen zur Ernte reif ist. Der Streik der Setzer Ivar für gestern ?.nb beschlossen und er erfolgt lediglich aus Solidaritätsgesüh.'.

.1? jetzige» Lohnverhältnisse der Setzer sind nämlich durchaus giftig, die Setzer haben also durch ihre Teilnahme am Streik zu gewinnen. Viele Arbeitgeber werden sogar die Gelegen- Irit benutzen um überflüssige Arbeiter zu entlassen.

Soweit bekannt geworden ist, haben die Ausständigen sich ylcr ruhig verhalten, die Sympathien der Bevölkerung sollen stliaib noch auf iljrer Seite sein. Die Streikleitung ist bemüht, verhindern, daß die Arbeiter sich in den (Straften ansammeln, st anderen Ländern, wie beispielsweise in Frankreich und Italien ii'scherzten sich Streikende die Sympathien, weil sie sich sehr zu Ausschreitungen hinreißen ließen. Infolgedessen waren lud die Regierungen gezwungen, m die soziale Bewegung ein- . reifen und auf baldige Beilegung der Ausstände hinzuarbeiten. L gar in dem republikanischen Frankreich mit seinen sozialistischen liftmt haben die Postbeamten beim letzten Streik sich derart I: Sympathien durch ihre Gewalttätigkeiten verscherzt, daß sie -ht nur nichts erreicht haben, sondern auch zum Teil gemafep : uit worden sind. Erst in diesen Tagen hat der französische rttsrat die Gesucl^e zweier infolge des Ausstandes entlassener k-übeamten um Wiedereinstellung mit der Begründung abgelehnt, L, hie Beamten durch Teilnahme an dem Ausstande sich außerhalb L Gesetzes gestellt hätten. Das französische Vorbild wird auch Lf)i der Grund sein, weshalb in Schweden die Post- und Eiscu- [t nibearnten unö Arbeiter vorläusig noch nicht in den Aus stand !; i den sind. Sie werden sich sagen, daß ihre Forderungen am n gflen Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie den Verkehr unter» k L des Reiäies und dem Ausland unterbinden.

Natürlich wird kräftig agitiert, um auch diese Kategorie zu : vcgen, sich dem Generalstreik anzuschließen. Der König hat i F.ilb die Führer der beiderseitigen Organisationen zu sich |rufen, um ihnen anheim zu geben, eine Vermittlung durch den Inet anzuneymen; die Vermittlung wurde aber mit her Mo- L crung abgelehnt, daß die Streikenden den Kampf selbständig L i-impfen würden. Daraufhin hat die Regierung eine Pro- Eunation erlassen, in der eindringlich davor gewarnt wird, Wirk- lufatögcbiete in den Generalstreik mit hereinzuziehen, die von I streitigen Fragen nidyt berührt werden. Es dürsten keines- 2 solche Gebiete beeinträchtigt werden, deren Aufrechterhaltung ft n:igaiv] notwendig sei, damit die Bevölkerung ihre zum Eiben erforderlichen Bedürfnisse erhalte.

- ES hii.t sich heute noch nicht übersehen, welchen Ausgang f 3trci! in Schweden nehmen wird, weil man noch nicht weiß, I. ej tatfäd ich zum Generalstteik in sämtlichen Betrieben kommen |r. ö. Allerdings beginnen schon die Lebensmittel rar zu werden, Lrunter namrlid) am meisten die ärmere Bevölkerung zu leiden Eil Es muß sich alio zeigen, ob die Arbeiter cs mit ihren wenigen

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auen und 3Ään rchsrullden Wttmod f Ubr, Alicesttafc $ uT-* «Ti--

i. folgendes:Während der Verhandlungen über den sür das e. rthnal geeigneten Platz wurde mehrfach die Frage aufgeworfen, c es nach den bisl)erigcn Erfahrnützcn noch angebracht sei, ____ , Tcntmal ivieber auf einen Berg zu setzen. Der Niederwald entflog tiho feine Germania wurden als warnendes Beispiel angeführt.

fiä da auf dem langen unbegrenzten Bergrücken -Ltandbild und jcc[ klein und unansehnlich wirken, darauf wurde hingewiesen, er das ist ja gerade der Vorzug der Elisenhöhe, daß sie nur : » Erhebung hat, wie nötig ist, um das Denkmal zu isolieren, tb doch nickt so viel, baft nicht mit den richtigen Mitteln hier tn wirkungsvoller Architckturbau gestaltet iverden fönnte.^ <yür in würde die Felsennase der Elisenhöhe gleichsam nur den^^ockel wnt, den man braucht, um vom Lande wie von der ctronu .#re Ijer, also von allen Richtungen aus, das Denkmal zur tirtnuj zu bringen. Dazu kommt, daß der dahinter ansteigende lilb den richttgen rul)evollen .Hintergrund für die große -Ltein- visüMi2 ergibt, und daß die Aussicht vom Denkmal selbst von un- 'Argleichiicher Schönheit sein wird. Frei schweift der Blick rhein- >rs und rhrinab, hinüber ins Nahttal, hinunter auf 'Dläuftiurm und mfels, hinüber auf Burg Klovp und den langen Rücken des 'frtierroa(bc3. Aus der Ferne grüßt das Niederwalddenkmal!

ist seltsam, daß hieran manche Anstoß genommen haben, be- !sndns solche, die den Ort nickt kennen und nickt wi,scn, baß ^..,1 und Niedcrwalb weit genug auseinanberliegen, um miteinanber in eine Art monumentalen Wettbewerb zu itn«m, und doch wieder nahe genug, daß sie in gewissem Sinne sick «eiZazcn. Stets wird uns das Niederwaldbenkmal mahnen an origer und Reich. An ihm sehen wir alle vereint, bie baju bei» »ragen, bas neue Deutichlanb zu schaffen. Voran bie Fürsten, MPiei bei- und nebengeorbnet Staatsmänner unb Generale, so Keinen sic hier in jener Folge, die als gebotene soziale Rang inung uns vertraut ist. Aber gerabc barum will es uns be­iten, als ob jene nicht so unrecht hätten, bie hüben nochmals und N größerem Nachdruck des Mannes gedenken wollen, der doch in ganz einzigartiger Weise am deutschen Reicksbau ge- fr.rfc hat. Wenn drüben Scharen deutscher Männer und Frauen kur Reichsgedanken gehuldigt haben, so ist es wohl Tein Mitzgrin, . km sie dann hinüberziehen, um am Bismarckdenkmal noch der k ; ^-beren Berbienste dieses Mannes zu gedenken. Reicht ein ^< Aund nicht einen Fehler, sondern eine glückliche Zusammen- iJöoss M dqyD P&wfat- TLMt. iDäxe. roesn m

lt sich inn Bauer, Ailerm, ie für dreiwöcheiuK l lufenihali aon tetl ab 6ui rbesseu, wo Gelezal ichen u. Seiten gebens 1 . Angeb. mit Pieiemi 17 an den Gieh. An«i ier Lehrer gtsod ftl. Meldungen unieiü Gießener Anzeiger h beschaffe h und verscirega er u. Teilh*

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auf engstem Raume zu verwenden. Ter eine Führer habe einfach den Befehl gehabt, eine ihm vorgeschriebene Stel­lung zu besetzen, der andere, sie zu nehmen. Ter Verfasser fabelt die Gewohnheit, immer Die ältesten Generale zuj Führern z-u bestimmen, bie wie es in den letzten Jahren mehrfach der Fall gewesen unmittelbar daraus verab­schiedet worden seien. Tamit ginge aber der Haupt,achlichste Nutzen der Manöver verloren, denn bie Trupve als solche lerne dabei nichts. Die Hebungen seien nur für die höhere Führung wertvoll. Tie dabei gemachten Erfahrungen sind aber nutzlos, wenn die .staisermanöver für die Führer den Abschluß der militärischen Laufbahn bedeuten^ Die For­derung, nur solche Generale mit der höchsten Führung zu beauftragen, welche der Armee voraussichtlich noch längs erhalten bleiben, ist nicht unberechtigt.

Bei. dieser Gelegenheit weist er auch auf die viel selbstän­digere Stellung hin, bie die komm. Generale in D-eutsch- land haben. Sie hängen dort zu gleicher Zeit vom Militär- Kabinett, vom Kriegsministerium, vom Großen Gencralstad und von den verschiedenen Inspektionen ab. Somit zu gleicher Zeit der Kontrolle von vier verschiedenen Stellen unterstellt, entziehen sie sich eben dadurch beinahe jeder Kon­trolle, bewahren eine ausgedehnte Selbständigkeit und üben einen sehr individuellen Einfluß auf die ihnen unterstellten Truppen aus.

Wie im Feldzug 1870/71 haben die Führer auch bei diesen Manövern stets versucht, den Gegner zu umfassen und bie Flanke anzugreifen. Tiefes Verfahren scheintbei den deutschen Generalen ein sechster Sinn geworden zu sein". Getadelt wird, daß die Bewegungen dazu $u zeitig ange­setzt wurden, ehe genügende Klarheit über die Verhältnisse beim Gegner gewonnen war, so daß häufig der beabsichtigte Zweck nicht erreicht werde.

Die Infanterie wird wenig günstig beurteilt. Die Tak­tik ist bis zu dem Burenkrieg veraltet gewesen und hat den Einflüssen des kleinkalibrigen Mehrladers feine Rech­nung getragen.Mit seiner gewohnten Impulsivität" habe der Kaiser in aller Last die Erfahrungen dieses Feldzuges in der Armee verallgemeinern lassen, dabei sei er aber auf den Widerstand seiner Offiziere gestoßen, die sich von dem bisherigen traditionellen Verfahren nicht trennen konnten.. So blieb dieses Bestreben ergebnislos, und die Armee be­hielt ihre alte Taktik bei. Die Erfahriti'gen des russische japanischen Feldzuges dagegen wurden sofort angenommen, unb in dem neuen Reglement niedergelegt. Tie Kaiser-- Manöver 1908 sollten der neuen Methode die Weihe geben. Aber die Infanterie hat dieses neue Verfahren in Wirtlich­keit ebensowenig angenommen wie sechs Jahre früher die Bureutakttk. Sie zeigt immer noch bie alten Fehler: bie Schützenlinien sinb zu eng, bie Staffeln folgen sich zu bicht, die Schützen halten genau auf seitliche Rick)tung, statt bas Gelänbe zur Deckung auszunutzen. Tie ganze Ar-griffsweise^ ist zu schematisch, bie einzelnen Leute verhalten sich zu^ maschinenmäßig unb hanbeln nicht selbstänbig unb inbi» vibuell genug.

Denselben Fehler findet der Persasser aber auch bei der sranzöftichen Infanterie, bie in ber Beurteilung noch schlech­ter fortkommt:Die beutsche Infanterie hat bie Vorschriften des Reglements schlecht befolgt, bie französische überhaupt nicht."

Die Aufklärungstätigkeit ber Kavallerie genügte nicht, da sie bie Bestimmung der neuen FelbDienstordnunb nicht befolgte. Die großen Kavallerie-Attacken gegen Die In­fanterie werden als gänzlich unwahrscheinlich beurteilt, da sie die feindliche Feuerwirkung gänzlich vernachlässigten. Ihre Ausführung wird zudem als unzweckmäßig getadelt. Wenn bie Schiebsrichter sie trotzbem als gelungen bezeich-

Setzer und Buchdrucker in ganz Schlatt)en begonnen nrit Aus­nahme von einigen kleinen Orten. Die großen Zeittrngen in Goetoborg werden trotzdem täglich erscheinen, wenn auch in kleinerem Formate. In Stockholm wurde der Betrieb der Straßen­bahn ebenfalls völlig eingestellt. Bei den Wagenremisen hatten sich große Menschenmengen angesammelt. Unruhen oder Kund­gebungen sanden jedoch nicht statt. In Norrküping wurde heule von mehreren tausend ausständischen Arbeitern eine Versamm­lung abgehalten, in ber her sozialistische NeichstagSabgwrdnete Branking über den Generalstreik sprach.

Deutsche Manöver in französischer Beurteilung.

Im Jahre 1870/71 hatten sich die Franzosen von ber Entwicklung ber preußisch - beutschen Heeresmacht voll- tonunen überraschen lassen. Es ist bekannt, baß bie ein» gehenben unb sachgemäßen Berichte bes damaligen fran­zösischen Militär-Attaches Boron Stoffel sich später un­gelesen in den Tuilerien vorsanben. Seitbem haben sich bie Verhältnisse wesentlich geänbert. Die Franzosen be­obachten unser 5)eerwesen ganz genau. Nicht nur bie Re­gierung sucht sich auf jede erlaubte unb unerlaubte Weise über unsere Einrichtungen zu unterrichten, sonbern auch bie Presse sorgt bafür, bas große Publikum über das deutsche Heerwesen aufzuklären. Auch für uns sind diese Berichte sehr interessant. Sie zeigen, wie unsere ganze militärische Entwicklung im Auslande beurteilt wirb nirb machen uns auf manches aufmerksam, was bem eigenen Auge eher entgeht. Derrn es ist bekanntlich nichts schwerer, als über sich selbst ein objektives Urteil zu fällen.

Der militärische Berichterstatter besTemps", Reginald Kann, hat im vorigen Jahre den Kaisermanovern in Loth­ringen und mehreren anderen Hebungen deutscher Truppen beigewohnt. Er hat seine Beobachtungen und Eindrücke jetzt in einem Buche gesammelt herausgegeben (Jmpressions de campagnc et de manoeuvres), das viel Interessantes enthält. Da der Verfasser sowohl an dem russisch-japanischen Kriege wie an der marokkanischen Expedition teilnahm, stehen ihm auch Kriegserfahrungen zur Seite, bie ihn zu einer sachgemäßen Beurteilung militärischer Verhältnisse berechtigen.

Währenb ber große Wert ber Kaisermanöver für bic Führung im allgemeinen anerkannt wirb, erfährt ber letzte Dag nach seiner ganzen Anlage eine sehr ungünstige Be urteiiung. Es sei ein Theatergefecht gewesen, wobei ben Führern jebe Initiative genommen sei, lebiglich ein mili­tärisches Schauspiel, um möglichst alle beteiligten Truppen