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5.11.1909 Erstes Blatt
 
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Tas ist aber auch der einzige 4,ro)t für btqemgen, iwW mit >iefer heimtückischen Krankheit in nähere Beziehung treten.

sich zweifellos um eine Ursprungsstelle wohl der Es roirc* daher vor allein

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2. 'Lebensjahr. Das weibliche Geschlecht war starker befallen, als

Zentrum und RlichSschatzamt.

Die ultramontaneKöln. Volksztg." verweist gleichfalls auf die aestern von uns mitgeteilten Streichungen des Reichsschatzamtes im Betrage von 180 Millionen und be­gleitet die Veröffentlichungen derR. W. Z." mit folgenden Bemerkungen: ., , . _ ,

Was die Ästigkeit des neuen Herrn im Reichs)chatzami bc- trifft die in Herrn v. Leihrnann-Hollweg ihre kräftige ^tw inden dürfte, weil man nickst, wie das Mädckien aus der Fremde, m t jedem neuen Jal/r mit einer neuen Steuerreform komme, kami, so sucht er jetzt eben durchzufuhre^, was fei Jahr und Lag vom Zentrum mit fteiqenbem gefordert

Sorben ist. In der Budgeill'mminwn ist gerade au^ den Rech.n des Zentrums darauf hing^viesen worden, patz es im Etat zam- reiche Punkte gebe, wo ol/ne Schaden siir die Jntercfien ycs Reiclws grünblidie Abstriche gemacht werden konnten. Es sind mid) lieberiMt Fingerzeige nach dieser Richtuna gegeben wor­den: in der Kommission hat man sie teilrociie beachtet, im Plenum aber fiel man dann wieder uni, weil die Fachleute es damals noch nicht einsehen konnten. Das Lschauipiel ift iwch m der verflossenen Session erlebt worden, so dro^id auch die DefizitLgespcnsrer sich zeigten und. so schwere Muhe man batk, bie Reiaisxinanzreiorm zu verabschieden. Di« Blockpoiitir maxl.ic ifetÄtot Einfluß geltend nicht sachltch^.so^rn parter- taktische Erwägungen waren eben für die Ickwe®nt- säflietzungen beftimmenb. xie Zertrümmerung des be4l>alb für die Ltölsoerhältnisse em luftreinigendes Gewi.ter

Politische Lagesschau.

Rationale Tammlungspolitik?

Die ftteuMtg." bespricht die dauernde Notwendigkeit des Zusammengehens aller wirtlich auf nationalem Boden stehenden Parteien und geht dann auf das .konservativ- ultrainontane Verhältnis ein:

Aber freilich, der Zutritt zu solcher Politik der Sammlung muß auch dem Zentrum offenstehen Wir fürchttn, datz dieser Satz auch bei manchen unserer Freunde Widerspruch finden ivird, wir aber dennoch bitten, die Sache unbefangen zu erwägen. Jedenfalls hat Miquel seinePolitik der Sammlung so ver­standen, und Bismarck hat über Die Zumutung, das Zentrum bauemo kaltzustellen, gelacht. Wir befinden mis also jedenfalls in guter Gesellschaft, tzs i|t lediglich das 'elbstsuchttae Interesse des Liberalismus, das unbedingte, dauernde Ausschaltung des Zenttums Derlangt Lev i nur unter dreier Bedingung kann der Liberalismus unentbehrlich, alio maßgebend fern. Bon lolcper llnentbehrlichteit ober müssen roir nach den Blockerfahrungen sagen: Vesligia terrent ,

Freilich ja auefc, wie früher getagt, von der Zeit der ,regie­renden" Stellung des Zentrums. Aber um solche handelt sichs hier ja nicht, nur um seine Mitwirkung in der Re i h e ber posittven Parteien. Und hier müssen wir boch sagen, das Zentrum hat. vor dem Liberalismus voraus die Zähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen. Es wird nicht so leicht einmal gemachte ^E^Man^nehme'doch die Lage nüchtern, wie sie ist. Unsere 40 Sozialdemokraten im Reichstagedemnächst .werden es viel­leicht wieder 80 oder auch mehr fern, dazu die Polen, DancN gftv. usw. bilden doch nun einmal von vornherein ein totts

Gewicht, das gemeiniglich automatisch gegen alles, was dem Reiche frommt, in die Wagichale fällt. Dies tote Gewicht durch ein eo ipso oppositionelles Zentrum bis mindestens nahe an die hallte des Reichstages verstärkt zu sehen, daran kann doch n u r bei Wunsch des Liberalismus, sich selbst unentbehrlich zu ,ehen. sonN aber niemand, ein Interesse haben. Und noch em höherer Gesichtspunkt. Das Zentrum ist nun einmal, man mag es be­klagen ober nicht, jetzt und für absehbare Zeit die Vertretung des katholischen Volksteils. Soll dieser em Drittel der Nation ausmachende Volksteil dauernd in innerem Gegeniatz und einem gewissen Fremdgefühl zu unferm Sjaatsleben er Hal len werden.

Ob eine solche Sammlungspoli it Widerhall tm libe­ralen Lager finden wird? Der Liberalismus wird zu zeigen haben, daß auch er aus den Erfahrungen der letzten Zeit gelernt hat. Den Konservativen hat das rapide Anwachsen der Sozialdemokratie offenbar doch die Siegerfreude von der Erbschaftssteuer her etwas vergällt. Hoffen wir, datz man auf beiden Seilen die begonnenen Fehler einsehen und wirklich eine nationale Sammlungspoliiil betreiben wird.

Krankheit beginnt plötzlich und zumeist mit Erbrechen oder DarmeÄinunaen, hohem ^ber mid starkem Sckiweiß, manchmal auch mit Mandeleittzundun^ oder sonstigen akuten Infektionskrankheiten. Doch darf ste mckst ^t anderen Lähmungsformen, wie sie z. B. nach -^rphtherw cmftteten. vcr wechselt werden, von welchen ne sich eben durch ihren charanv- Mtischen unterscheidet. Dann folgt, meist sehr ra ch, unter großer anfänglicher Schmerzhaftigkeit die Lähmung einzelner Kör- verteile Gelalnnt kann sein ein Bern, em Arm, beide Berne, eine Gesicktshälfte, beide Beine und ein Arm. In den von mir beobackststen Fällen waren einmal beide Beine, einmal em Arm und beide Bein- gelähmt. In schwercii Fällen tritt t em Rahmung dazu. Vielfach bestand starke Schmerzhaftigkit des Nackens, der Wirdes fäirie unb ber Beine auf Druck und bei Bewegungen. rAner leiaten sich gleichzeitig bei anderen Familienmitgliedern Erkrank- ungm fei«" Äoli wb bergt. AuftoNenb M°r -rn

großes Sterben unter den jungen Hühnern wahrend der EpU ^Was den weiteren Verlaus der Krankheit angeht, so ist das akute Stadium ein sehr kurzes, auf einige Tage beichranktes. Ä Li^t sich ein großer Teil der Lähmungsencheinungen ebenso rmch wieder zurück, wie er kam. Aber falt immer hinter- blcibt bi' Lähmung eines bestimmten Körperteils. Wie die oben angeführten Zahlen dar tun, ist dagegen die Gefahr Tür Sxtbtn ber Erkrankten nick: sehr groß, was zum -teil daraus erklärlich ilt, baß meist gesunde, blühende und vielfach auch lehr haltige Kinder die Opfer ber Leuche sind. ,

Aber auch die hinterbleibenden Lähmirngen laiien uch durch geeignete Maßnahmen zuweilen noch recht erheblich b^ern. sogar nach'Monaten kann noch Beiierung eintreten In dem von nnr im August -vorigen Ialwes behandelten <yalle begann eine gewiß« Beweglichkeit ber Zehen des gelahmten Beinen bereits nach 14 S Siö es bat sich heute nach 1 Jahr eine falttofibnunene aftüoe Beweglichkeit unb Stehsähigkeu der Extremitateingesttllt. Fn dem anderen ebenfalls gelähmten Dein begann die Beweglichst der Zehen später und unvoUiommener sich zu zeigen.

Es bat sich herausgesteNt, daß Ueberimpfung der erkrankten Rückenmarksubstanz auf Kaninchen und Apen Lahmungserichei- mmgen und Tod hervorrufb

Nach aNedem handelt es Inststt-onskrankheit, als beten Viagenbarmkanal anzusehen ist. -- ----- ----- . -

erforderlich, neben Isolierung der erkrantten Kinber, die ,a bei allen übertragbaren Krankheiten anzustreben. Ab ruhrmittel zu ver- abreichen Die Lähmungen können durch Bader und langdauernde.

Die Annahme der enaiischen zinanzgesetzes im Unterhause.

London, 4. Nov. Im Unlerhause nahm am Donners­tag dem letzten Tage der Debatte über daS Budget, -Schatz- kanzler Lloyd George im Laufe seiner Reoc, m der er seinen Standpunkt mit Enifchiedenheit verteidigte, für die Regierung in Anspruch, daß sie für Einnahmen L>orge ge­tragen lsttbe, die den Zielen angemejfen feien, bie maii heg für Die Sicherheit des Staates und die Woi.liahrt des Volkes gestellt habe. Tie von der Regierung ^forderten Maß- nahmen würden schließlich die Schwierigleiten, die gegen­wärtig die Industrie bedrückten, beseitigen und Großes voll­bringen zum Wohle aller Klassen und der Attgemeinheil.

Fm weiteren Verlauf der Verhandlungen kenn^ichnete Balfour das Budget als sozialistisch, weil es sich an der Sicherheit des Eigentums vergreife, die von dem kommer­ziellen Gedeihen des Landes unzertrennliM sei ^er Premierminister erklärte, das Budget werde die Bckligung der überwiegenden Atajorität der einzigen Fnitanz de^ Landes erlstillen, die verfassungsmäßig befugt sei, sich mit den Finanzen des Landes zu bchchäfligen oder sie zu regeln. Diese Herausforderung gegen die Lords wurde von den Ministeriellen mit lautem, andauerndem Beifall begrüßt. .

Das Finanzgesetz wurde in dritter Lesung mit 3 79 oegen 149 Stimmen angenommen. Die 9latio- ______ - - -- I iair. . Jlill _ " Lf tTTBITT iX

WildenbruchsDeutscher König . Aus Berlin wird uns berichtet: Im Kgl. Schauspielhaus hat Ernst v. Wildenbruchs nachgelassenes Schaufpielxer deutsche König" bei seiner Uraiifführung eine achtting-- oolle Aufnahme gefunden. Es ist das Drama des zur echten Königswürde reisenden Sachsenherzogs Heinrich. E Tannhäuser-Sck)icksal, das der Held erlebt, in dem triumphiert. Die Not des Reichs muß ausS.höchste steigen, ehe er sich auf das besinnt, was ihm als feine Lebensauf­gabe gestellt ist. Die Wandlung baut sich wirkungsvoll auf, stur im entscheidenden Moment verließ den Drchter die psychologische Sicherheit. Der Kaiser wohnte mit der Kaiserin der Premiere bei. ,

- 3« R lauf en bürg in Ungarn hat am letzten oam-.-tng die erste ungarische evangelische Pastorin eine Predigt gehalten. Es ist Frau Julia Vargha, eine mit großen rhetorstchen Eadtzn ausgestaltete Frau, welche die Städie Siebenbürgens bereift unb mit ihren Predigten überall tiefen Eindruck weckt. Sie ist die Tochter deS evangelischen reformierten Bischofs Karl Sasz, eines bekannten itngarif uen Dichters und Gelehrten.

Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft. Ein Vormittag bet Körner", Schillers fast unbekanntes Gelegenheits-Stückchen, wird im Berliner korngl.,Lchauwiell Haus unb zu gleicher Zeit auch tm D u l s e 1 d o r f e r Schau­spielhaus zur Schillerfeier aufgeführt werden Einen Struwwelpeter-Brunnen zum Gedächtnis Heinrich H o f f m a n n s , des Verfassers des berühmten K mbcrbud)e5, beabsichtigt man in Frankfurt a. M., feiner, Vaterstadt, zu errichten Ter Brunnen soll außer des Kinderfreunoes Antlitz Gestalten aus seinen Bilderbüchern aufweisen. Graf Hev- petin bearbeitet feine Lebenserinnerungen, die im nach'.ren oruh- iabr von seinem Mitarbeiter Dr. Eckener herausgegeben werden sollen In Gr eis sw ald ist am 2. ds. ber ordentliche Pro­fessor ber orientalischen Philologie Geh. Reaierungsrat Dr. Phil. Wilhelm A h l w a r b t im Alter von 81 Jahren gestorben. Einen außerorbentlichen Erfolg hatte int Pester Lustipiellheater bie Uraufführung des DramasTaifun von i'Netchior QengQel. Die Handlung spielt in ber lapanischen Mfetonic oon Berlin. Das Denkmal für Moritz v. Sajroinb in Wien wirb im Dezember enthüllt werden. Das große Marmor- nwnument ist ein Werk des Bildhauers Otmar ^chimtowitz.

^D^s arme, gekränkte Zentrum! Was Hat es nicht alles weise gewußt unb geleistet und wie hat man seine braven Dienste nicht zurückgestoßen! In dunklen Anspielungen sckieint ons Zentrumsblatt zu mutmaßen, die industriellen Kreise -amen es vor, am Heeresetat streickfen zu la),en, um de? Wiederkehr einer Erbschaftssteuer ^beugen.

Es darf bei der inneren Struktur der Er b j cha fts steuer mit Recht angenommen werden, daß die Begetsüerung der Be|itzem,en aar keine so große für den Erlaß berleiben ist, zumal man damit ^reämen IjK würbe scUießllch doch etwas arwers a^anen, als man cs geplant fjatte, unb es wurden auch die Gch-um depots herangezvHen werben. Jnwfern uns bteMog- ! i P ? i t daß s ie doch noch kommen kann (der Abg. GiZber s Ente gelegentlich, sie lieft nidy: fort), als E^ck-werung Hrr n. Sit aef'en^ Kriegs- unb Marinewiderangen m. den ftreifen

W W' Steuer richtig «Wftattet hnrb, °m S * ber »adere 3e^

trurnsrnann seine innersten Gedanken über die Erbfchafll^ steuer.Sie läuft nicht fort", das war vielleicht die Be-

£ev rietzener Anzeiger erscheint täglich, autzer eonnlüfl«. - Beilagen: viermal r®dc6<nth cb sltbenerZamlllcnblatler; .iDrimaliDÖdienlLKrdSt dlaUsürdenXrtirSirhei, fTieuStagund Freiiag); irveimal monall. Land- »irtschastllcheScitfrasen 7,enisprech-Anschlüsse: für die Redaktion 118, Verlag u. Expedition 51 Adresse Mr Deoeschen:

Vvzetger «iehcu.

Heber spinale riinderlähmring.

Ban Dr. med. F. Schaffer in Gießen.

In den Tageszeittrngen findet mcm jetzt vielfach bie 'Prnale Sinderlähmnng erwähnt unb man tarnt 'nfolgedesftn tdgtob ge­ängstigte Mütter stach bieserneuen fragen horem Es

dürfte daher, zumal sich, ja heutzutage bas mehr für

die Wissenschaft in ter entert unb auch das ^>treoen der Aerzte dahin geht, jenes zum allmählichen Bersmndnts zu erzteyenl, angebracht sein einiges darüber zu erzählen.

Tie spinale Kinderlähmung ist keine ueue Krmrkhett, wndern schon seit 1840 unter dem gleufcn Namen bekannt Die ersten Voobachtungen und die erste Arbeit stammt von dem Ltuttg^ter Arzt 'm Lob von .Heine. Was er nur aus dem klinischen Bild vi^utete konnte bald auch bürd' Untersuchungen cm Leuycn nadMCicneien lverden. daß es sich nämlich um eine Beranberun^ des vorderen Teils ber grauen Substanz(sog.

im Rücken mar l Uatibir. Manchmal scheint nach neueren Unter» fuchungen auch bas Gehirn beteiligt zu nun . .

Vereinzelte Fälle, foanr grupptriweise-,, Auftreten der Er- krankwig ist in Deutschland cll nähr sich auch 1 nther Su beobachtai gewesen. Ich darf vielleicht hier antubren bafe icb felbft^un wirre unb in diesem Jahre r euren 6all hier in habe. Eine größere epibemisäst Ausbreitung w^rbe ^se^n er^ 19031905 in Diurtoegrn unb (1899, wtme» 1905^06 in o^cbai /beobadstet. Prof. Mebin in das akute Stadium der Krankheit an .*-?nnb stines grotzen Aaterwl 1907 folgte eine Epidemie m Neivvort und 1908 E llemere m Stcieiinark stvraz. Gesanustcrbliatkeit aribeUP-nalen Sinber lähmung betrug wahnnd dieser ^^^0110 10$ 3« fl'''eil von a " bie erste Publikation und von pcoy Medin die erftegenauere Schilberung stamntt,rb bte vpmmc Kinderlähmung auch wohl als Veiue-Mebimche ^anchnt^ick^ net. Sie führt ferner noch die Namen ^lwmyelltis anterior acuta ber Binder unb neuerdings akute mung feit eben ihr plötzlicher Ausbruch uttb^br gcliaustes -.

Anfang ^uni bs. Fs. wurde in Westfalen ^5 Eptbemre beobachtet, über bie Prof. Krause-Bonn m ber-,

WockstNischi. Nr. 42/07 unb Dr. Bieten Boele-.Hagen in der Znt'chr. f. ärztliche Fortbildung Nr. 20,09 vor einigen yagen berm)ietLn. welche ihren Dauptsitz in Hagen i. W. hatte7 nackchem^auch schm 1908 unb 1907 vereinzelte Fälle dorr wrgekommcn warem llu- terqfant ist, daß in ber Familie, in welcher eins ber; «woer 1907 erkrankte, zwei schwedische, kur; ?uvor m ihrn H S weftne Ingenieure verkehrten, die alio vielleicht bw Kran ) eiwzescLevpt haben. , ..

Uebriaens sind nach meinen SnformatMiiLN auch m Marvurg wid Umgebung eine ganze Anzahl z. T tätlich verlaufener tfali beobachtet.

cechnuna, mit ber das Zentrum den Riß lm Block eifrig erweitert hat. Wie wohl den Konservativen bei diesen Offen­barungen zumute sein wird? *

Tas Wachstum ber sozialdemokratischen Stimmen.

Wir entnehmen derNatl. Storr.": .

Seit den Wahlen von 1907 haben insgesamt 2 9 Reichstagsersatzwahlen stattgefunden. Bet bicTen erhielten zunächst bis zum Ausgang des Jahres 1908 die So-zinldemokralen gegenüber ihrer Slimmenzahl vom . Juni 1907: Wreschen-Plesäsen, Mühlhausen-Langen- jal^a 403, Glauck>au-Meerane + 399. Sck)l eid en - Mril me dy -3:34, Dinkelsbühl - 625, Vechla-Eloppenburg - .^0, Daun-Bilburg +, Krotoschin, Pleß-Rvbnik 2, Emden- Norden 795, GTarullau-Filehne 321, Gomberg IbOL, ^elmsledl-Wolfenbültel 608, Speyer 4- ^'4, Memel-Veyde- frug 1491, Prenzlau^Angermünde 1194, Meseritz-Bomst __ 102

Bei allen diesen Reick-stagswablen, die vor den Kämpfen um die Reick-sfinaiizreform ausgeiochten wurden, büßten bie Sozialdemokraken zum Teil recht erl-eblich an Stimmen ein, mit Ausnalnne von 2 Wahlkreisen (Glauckstiu-Meerane unb Speyer), wo sie alle Kräfte einsetzten, um die Manbate oon Auer und Erstart zu behaupten. Seit aber bie Reickfs- llnanzreform bie Stunde regiert, änderte sich das von Otrunb auf. 1909 fielen auf die Sozialdemokratie im Vergleich lu den §>aup'wahlen von 1907: in Siegen-Wittgenstein 4- 1046, Sd)rimm»Sd)roba, Bingen-Alzey - 361, Syke- Oopa 4- 407, Adelnaw-Zett 4- 424, Düren-Julich - 130, Stade-Blumentl>al 592, Beckum-Ludinghausen 4- 271, Lan­dau 4- 19u0, Stolberg-Schneeberg 4- 21 <b, Koblenz--Lt. Goar _l 642 Koburg + 1779 Stimmen. Nur bei drei von diesen 11 BtiaBroedlen. tn Bingen-Alzey, Ducen-J.ilm) und 6:aoe, hatte die Sozialdemokratie einen Rückgang ihrer Stimmen um 108:3, in den acht anderen aber einen Zuwachs um 8707 Stimmen.

Die heutige Nummer umfafcl 10 Seiten.

Das (Ergebnis ber Stichwahlen in Sachsen.

Nack) dem Ergebnis der gestrigen letzten Stichwahlen stebt die Zusammensetzung der neuen sächsischen Kammer nunmehr fest. Wir erhielten folgende Meldung:

Dresden, 4. Nov. Bei den heutigen letzten Stich­wahlen zur zweiten Siänbelammer wurden gewählt: 3 Kvn- ftrvative, 1 Bund ber Landwirte, 4 Nativnalliberale und 1 Sozialdemokrat. . , , , r

Die neue Kammer setzt sich wie fül£ zusammen: 30 Konservative, einsckfließlich 2 Bund der Landwirte, 1 Mitlelstandsparteiler, 28 Nalionalliberale, 8 Freisinnige und 25 Sozialdemokraten. ,, . , ri , .

Früher hatte die aus nur 82 Mitgliedern bestehende sächsische Zweite Kammer, folgende Zusammensetzung: 46 Konservative, 31 Nationalliberale, 3 Freisinnige 1 Sozial­demokraten unb 1 .Mittelstandsparteiler. Nach dem neuen Wahlgesetz lsttt die Kammer jetzt 91 Mitglieder; die obige Wolffscke Meldung muß ein Versehen enthalten, denn die Summe der Abgeordneten würde danach 92 betraacm Vermutlich hat das Bureau auch, was ja nicht unzutreffend toäre, auch den Mittelftandsparteiler in die Gesamtzahl ber Konservativen eingerechnet. .

Nach dein Ergebnis der letzten Wahlen torb es bestätigt, baß Konierva.ive und Nationallibcrale an Anhang maajtig verloren ljaben und daß bie Sozialbemokraten die meisten Vorteile aus ber Lage gezogen haben. Auch ber Freisinn hat 5 Sitze gewonnen, bei welchem Ergebnis die Vermeh­rung der Ge amtzal)! ber Abgeorbneten unb bas neue Wahl­gesetz von Einfluß gewesen sein mögen Soweit ber Streit über die Finanzceform mit hinein gespielt hat, rnirb bie alte Tatsache von neuem bestätigt, daß die Schurung der Partei­zersplitterung einzig und allein der Sozialdemokratie zugute gekommen ist.

Erstes Blatt 159. Jahrgang Freitag 3. November 1909

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