Ausgabe 
5.6.1909 Drittes Blatt
 
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Nr. ISS

Drittes Blatt

159. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».

Wannenbäder 1. Klasse 348 Männer, 115 Frauen,

631

Brausebäder 1. Klasse 1282 Männer, 259 Frauen,

1762

2,

375

Sorge verwandelt sich in

unteren Klassen an

daraus hervor, daß wir

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Dieeteficnet Kamiltenblätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Beim Rachfülleu achte man darauf, das? aus der groircn ^^««I-Flasche nachgesUllt werde, da in dieser gesetzlich nur echte HAGGl-<föürsc fetlgevaltcn werden darf.

Samstag 5. Juni 1909

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'sch« Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:e^K112.Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. Juni 1909.

Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse Gießen für 1908.

Dem Geschäftsbericht der hiesigen Ortskrankenkasse ent­nehmen wir folgendes:

Das Geschäftsjahr 1908 stand, wie sein Vorgänger, unter dem Eindruck einer außerordentlich starken wirtschaftlichen Krise, die nicht ohne Einfluß auf unsere Kassenverhältnisse geblieben ist. Wenn wir nun auch keinen Mitgliederverlust, im Vergleich zu dem Jahre 1907, zu verzeichnen hatten, viel­mehr sozusagen eine Stagnation eingetreten ist, so hat die Krise doch ganz außerordentlich stark auf die Erwerbsver­hältnisse unserer Kässenmitglieder eingewirkt. Bei der monatlichen Zählung unserer Kassenmitglieder nach den Lohnklassen hat es sich herausgestellt, daß die oberen Klassen

Star echt mit btt Mavle-dullgtsc dem Bar Ml

1908 ober jm Durchschnitt täglich 394 Bäder gegen 283 April 1909 und 402 im Mai 1908. Der Besuch hat sich einzelnen wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 5026 Männer, darunter 1257 zu 10 Psg., 1241 Frauen, 293 10

fcEÄS PIM

Verleihanstalt wasserdichter Zeltdecken zu Festlichkeiten.*

2. 1008

Seichen bc-3 6tntt* tW« B-rs-ch-MSI j Hl. u. V" WMU1 u.t.

Bestandteile: ftemtur uUeb«lnahCebert«n 150,0, prima Dlyzeru» 60flt unterphogphorigsaurcr Aalt 4,3, unrcrphoSphoriglaureS Wati-pn pul». Xragami 3.0, ftinfier aiab. Gummi pul». 2,0, oefttlL itßaffcr 129,0, Aktoliol 11,0. tyccyi i aromaniche Emulsion «u Mcmdrl- und GaulchcriM jt 1 Lropfeu. i

Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 141 Männer, 24 Frauen. Die Persouenwage wurde von 230 Personen benutzt und das Bad von 4 Personen besichtigt.

Büdingen, 3.Juni. Jm Kreis Büdingen bestehen 16 i s ra c l i t i s ch e R e l i g i o n s g e m e i n d c n, die un laufenden Rechnungsjahre zur Bestreitung ihrer Kommunalbedüriniisc zu­sammen 9791 Mk. Umlagen erheben, durchschnittlich 44,99 Proz. Zuschlag der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkommen- Ileuerbetrages. Gar keine Umlagen erhebt die israelitische Ge­meinde Eckartshausen mit Ealbach, während die Gemeinde -üibba mit Geiß-Nidda mit 96,307 Proz. (= 2000 Mk.) den höchsten Prozentsatz erhebt. Weiter erheben Orlenberg mit Bleichenbach 85,69 Pröz. 600 Mk., Echzell mit Gettenau 79,816 Proz. 900 Mk., Lindheim 59,721 Proz. 450 Mk., Wenings 59,354 Proz. 750 Mk., Altenstadt 46,719 = 660 Mk., Düdelsheim 46,36 Proz. 1080 Mk., Alt-WiedcrmuS 45,437 Proz. 235 Mk., Büdingen mit Lorbach 44,217 Proz. 2130 Mk., Rohrbach 38,412 Proz. = 300 Mk., Höchst a. d. N. 36,036 Proz. = 120 Mk., Glauberg mit Stockheim 27,521 Proz. 214 Mk., Niedcr-Mockstadt 26,663 Proz. 182 Mk., Himbach mit Hainchen 25,02 Proz. 160 Mk. und Bindsachsen 2,562 Proz. 10 Mk.

Friedber g, 2. Juni. Die 19 israelitischen Religionsgemeinden unseres Kreises erheben zusammen 16 826 Mk. Umlagen zur Bestreitung ihrer Religiousbedürsnisse. Kirch-Göns erhebt gar nichts, während die Religionsgemeiiide Friedberg 6800 Mk. 25,155 Proz. erhebt. Bad Nauheim erhebt 1500 Mk. 8,817 Proz., Butzbach 1312 Mk. = 62,251 Proz., Groß-Karben mit Klein-Karben, Okarben und Rendel 1290 Mk. 30,125 Proz., Aneubeim mit Bruchenbrücken 1000 Mk. = 76,752 Proz., Nieder-Weisel 900 Mk. = 82,079 Proz.. Rod- Heim v. d. H. mit Holzhausen und Petterweil 765 Alk. 47,319 Proz, öeldenbergen mit Kaichen 700 Mk. 18,068 Proz., Vilbel 620 Alk. (der Ausschlag erfolgt mit '/« auf die Köpfe ber ®emeint>cmitglicbe) und mit ö/4 auf das Schätzungskapital), Nieder - Wöllstadt 500 Mark = 32,658 Proz., Nieder - Florstadt 400 Mark 64,412 Proz., Bönstadt 230 Mk. 19,640 Proz., Griedel 215 Alk. 98,354 Proz., Büdesheim 171 Mk. 17,837 Proz., Münzenberg 150 Mk. 38,69 Proz., Burg-Gräsenrode 139 Alk. 39,232 Proz., Staden mit Stammheim 113 Mk. 12,455 Proz. (der Ausschlag erfolgt mit V, auf die Köpfe der Gemeindemitglieder und mit/, auf das Kommunalsteuerkavual) und Gambach 21 Mk. 3,865 Proz. s. Marburg, 3. Juni. Um das am 3 4. und '5. Juli hier stattfindende hessisckle Gau turn fest würdig zu gestalten, entfalten sämtliche Ausschüsse eine rührige Tätigkeit. In das Festprogramm ist äuck ein Schülerturnen der oberen Klassen sämtlicher städtischen Schulen mit ausgenommen worden. Bis jetzt sollen schon über 50 Musterriegcn augemeldct sein.

vor Nachahmungen!

Man verlange stets ausdrücklich MAG Gis Würze, allein eckt mit der Schutzmarke Kreuzstern

whöhung erst mit dem 1. Juli 1907 in Kraft trat, in Der Lage waren, gegen 1906 ca. 12 000 Mk. Beiträge mehr zur ilnfordermng zu bringen. Im Jahre 1908 war das Mehr gegen 1907, obwohl Die Beitragserhöhung das ganze Jahr 'rgriff, nur 1297.73 Mk. Es ist dies eine ganz minimale Erhöhung, die nur auj Konto der schlechten Erwerbsverhält- itisse zu setzen ist. Wenn nun trotzdem das Jahr 1908 mit einem Uebcrschujse abschloß, so ist solcher nur auf den Rück­gang der Ausgaben an Krankengeldern, Arznei und Heil­mitteln zurückzuführen. W-ährend in sämtlichen uns' zu -Äesicht gekommenen Geschäftsberichten anderer Äranfen» lassen darüber geklagt wird, daß durch die Krise und hier- )urd) eingetretenen schlechten Erwerbsverhältnisse eine er­höhte Inanspruchnahme der Kassenmittel in Form von Krankengeldern nsw. eingetreten sei, was ja auch nicht be- tritten iverden kann, ist bei unserer Kasse das Gegenteil nngetreten. Die Ausgabe an Krankengeld ist von 96 638.31 ms 7.) 499.60 Mk., also um über 21000 Mk. gefallen und üejenige für Arznei und Heilmittel von 25 238.93 Mk. ans '7 7^-92 Mk., also ca. 7300 Mk Es dürfte sich deshalb

Parfümetiefteuer.

Den Mittclltand wollen sie schützen, die Herren vom Zentrum ünd die Konservativen, aber man sehe sich nur die Steuern an, die sie uns aufhalsen möchten. Für heute sei aus dem konservativ- klerikalen Steucrbukett eine wahrhaft duftige Blüte hcrausge- zogen: die P a r f ü m e r i c fteue r. Die Lage des Parfümerie­gewerbes wird im Jahresberichte der ältesten der Berliner Kauf­mannschaft als sehr traurig geschildert, doch was ficht das die mittelstandschützenden" Konservativen und Klerikalen an. Nun hören wir, was das FachblattDer Parfümeur" über diesen Steuervvrschlag zu sagen weiß:Wer sich für 10 Psg. Zahn­pulver kaust, soll künftighin 5 Pfg. d. i. 50 v. H. Steuer darauf bezahlen. Wer eine Flasche Mundwasser für eine Mark ersteht, soll daraus 25 Pfg. = 25 v. H. Steuer bezahlen. Kann es ein wirksameres Mittel geben, die Ausbreitung der Mund- und Zahn­pflege nicht nur hintanzuhalten, sondern auch wieder einzuschränken? Wer eine Flasche Parfüm zu 4, 10 uitb 20 Mk. kauft, ist imall- gemcinen sicher jn der Lage, eine Luxusfteuer zu tragen. Nur wird ziveierlei übersehen. Das eine ist, daß die Parfümerien in dieser Preislage hauptsächlich auslmtdische (französische) sind. Diese Artikel sind schon einmal besteuert. Sie tragen 300 Mk. Ein­gangszoll pro 100 Kilo irnd sollen in Zukunft 600 Mk. tragen, lieber eine, weitere Erhöhung des Eingangszolles, so bedenklich sie auch ist, würde sich wohl reden lassen. Das dilettantische Herumstümpern aber, das dieselbe Ware bei den verschiedensten Gesichtspunkten belastet, ist ebenso töricht wie schädlich. Das zweite ist, daß teure Parfüms in wohl reichlich 50 v. H. tffier Fälle zu Geschenkzwecken verweitdet werden. Sowie eine Ban­derole über die Verpackung geklebt ist. hört diese Verwendungs­möglichkeit einsach auf. Einmal, weil durch 'den häßlichen Ban­derolenstreifen das Aussehen der Verpackung, auf deren geschmack­volle Ausstattung von Jahr zu Jahr mehr Wert gelegt wird, vollkommen zerstört wird. Zweitens kann man kein Luxus- geschenk machen, auf dem der Preis angegeben ist. Die Folge würde aljo eiitfnd) fein, daß solche Luxusgeschcnke in Waren anderer Branchen, in Konfitüren, Blumen und dergl. gemacht werden. Ter Absatz der teueren Parfüms würde zurückgehen, der Parfüm- Handel litte gewaltiget: Schaden und der Staat hätte das Nach­sehen. Ueberhaupt die Idee der Banderolensteuer! Es gibt wohl keine unglücklichere Form überhaupt, in der indirekte Steuern erhoben werden können. Der große Vorzug der inbireften Steuern, dem Steuerzahler nicht merkbar zu werden, ist bei der Banderolen- fteuer aufgegeben. Hier schreit im Gegenteil jedes einzelne Steuer­objekt den Bürger an: Du mußt für mich so und so viel Steuern bezahlen . . . Eine Parfiimeriehandlung mittlerer Größe wird in Parfümerien und kosmetischen Mitteln ungefähr ein Lager in der Höhe von 10 000 Mk. Verkaufswert haben. (Der Fach­mann weiß, daß diese Zahl sehr niedrig gegriffen ist.) Würde die Steuer eingeführt, so müßte im Durchschnitt der Händler am Einsührungstage ca. 3300 Mk. Steuern entrichten: sein bliebe das Risiko, daß ihm die so stark belastete Ware mich ab­genommen wird. Ist das der Schutz des Mittelstandes, von dem gerade die in der Rtlmpfkommission tätigen Parteien den Atund nicht vvll genug nehmen können? Wissen sie nicht, daß für eine ftrofee, für eine sehr große Zahl der Händler die plötzliche Be­lastung mit einer solchen Summe eine Frage von Leben und Tod jein würde? Ist der Zustand erstrebenswert, daß eine Anzähl selbständiger Parfümeriehandlungen zum Konkurs getrieben, daß ihre Ware ^vangsweise verfchleudert wird, weil sie die unsinnige, unzweckmäßige Belastung nicht tragen können?" Es ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß das genannte Fachblatt die Situation im großen und ganzen zurreffend geschildert hat. Und man sieht an diesem Beispiel reckt deutlich, wie skrupellos die neuen Block­brüder ihre Steuer-Projekte gemacht haben. Die Minderbemittelten und der Mittelstand sollen alle Steuerlasten auf sich nehmen, damit den großen Herren derFamiliensinn" nicht untergraben roerbc.

Es ist im Leben hätziieh eingerichtet,

daß selbst unter prangenden Blumen Gefahren lauern, die \XvJ verhängnisvoll werden können. Sommererkältungen sind i ^lche Gefahren, sie werden nur leider nicht ernsthaft genug genommen und die Nachteile bleiben nie aus. Ten beauemsten vZ« und angenehmsten Weg zu ihrer Bekämpfung bietet der Gebrauch von Fays ächten Sodener Mineral-Pastillen, die man in jeber Apotheke, Drogerie und Mmeralwasferhand- lung für 85 Psg. d'.e Schachtel haben kann.

vertäu,!, unö zwar nie lose nach Hewtcht ober Muh, ,onb nur ut versiegelten Origtualflasttzcn in ftaxtou um uu(e Schuvmarke ^Fischer mir dem Dorsch). Scott u. Sou>nc, m. I). H., tzrantsurr a. M.

bei ernstlicher Entkräftung, den Dollenj Nährwert auszunühen vermag. Nicht zul unterschätzen ist dabei, daß die Kinder das Präparat gern und mühelos nehmen. ] ScottS Emulsion wirb von uns auSschltLßiich int grqfcai

Ducherow, Kr. Anklam, den 23. Oktober 1907. - ^Da mein Töchterchen Hedwtg im Alter öoh 2 Jahren uoÄ keinen Fuß auffetzen konnte, jo entschloß ich mich, ihm Scotts Emulsion einzugeben. Schon nach der ersten Flasche tonnte ich wahrnehmen, baß eine deutliche Wirkling sichtbar war, indem bid Meine bebeutenb munterer wurde und besseren Appetit befaTn. Näcm Verbrauch der zweiten Flasche vernwchte das Kuck schon an eineq Hand zu gehen, und jetzt, nachdem sie bas Präparat eine Zeitlangl regelmäßig edjalten Hai, läuft sie geschwind wie ehie Kugel überall herum, ißt und trinkt alles und hat auch tm Sprechen ausgezeichnet^ FortfchrUte gemacht. An dem tleinen Mädchen, das vorher uuse« Soraelckind gewesen ist, haben mein Mann unö ich unsere.helleFreudx.'l (gez.) Frau M. Putzer. 1 Scotts Emulsion brachte dem Kinde die so unbedingk erforderliche Kräftigung. Dieses Dortreffa liehe Nahrungsmittel wird von den Kleine» selbst dann gut vertragen, wenn Milcl^ ihnen nicht bekommt, weil es so leicht ver­daulich ist, daß der kindliche Körper, aucti

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

** Das Spielen in außerhessischen Lotterien ist herboten: von den grüßen Klassenlotterien ist hur die Königlich Preußische Klassenlotterie im Großhcrzogtum Hessen zugelassen. Jm übrigen sind, abgesehen von unbedeutenderen Ausspielungen, z. Zt. nur folgende Gelegeitheitslotterien im Großherzogtum er­laubt: 1. Wormser Dombaulotterie: 2. Weimarer Lotterie, zum Besten der Künstler: 3. Jenaer Schriftstellerheimlotterie; 4.

Gothaer Rermvereinslotterie. Alle übrigen Lotterien, insbes. die Braunschweiger, Sächsische, Hamburger und die Ungarische Klassen­lotterie, sowie die bänifd)e Koloniallotterie sind nicht zugelassen, so daß der Vertrieb b*r Lose unb auch das Spielen in diesen Batterien strafbar ist.

* Gießener Volksbad. Im Mai ivurdeu 12212 Bäder verabreicht gegen 8475 im April 1909 und 12 448 im Mai

merklich angenommen unb demgemäß die mittleren und Zahl gestiegen sind. Es geht dies auch wir 1907, obwohl die V<t Proz. Beitrags-

doch wohl verlohnen, auf diese merkwürdige Erscheinung näher emzugehen. Pis zum 31. Dez 1906 war für die Kasse das fixierte Arztspftem eingeführt. Jm H>erbste 1907 wurden nun von feiten unserer Bertragsärzte die Verträge auf den 1. Jan. 1907 gekündigt. Zu gleicher Zeit wurde uns von Dem Aerzteverein mitgeteilt, daß ab 1. Jan. 1907 nur noch die freie Arztwahl in Betracht käme und dies vom Vorstande beim Abschluß der Verträge beachtet werden möge. Obwohl sich der Vorstand gegen diese Zumutung wehrte und bei Den Verhandlungen alle Gründe, die gegen die Einführung dieses Systems sprechen, anführte, beharrten die Aerzte auf ihrem Standpunkte unb die Kasse war, um einem uner­quicklichen Streit aus dem Wege zu gehen, dessen Folgen nicht übersehen werden konnten, genötigt, die freie Arzt­wahl mit in Kauf zu nehmen. Tie Wirkung blieb nicht aus. Obwohl im 1. Quartal 1907 eine starke Influenza-Epidemie bei vielen Kassenmitgliedern Erwerbsunfähigkeit hervorrief, zeigte sich von Tag zu Tag mehr, daß die Attestierung der Erwerbsunfähigkeit sowie die Dauer berfetben von manchen Herren zu bereitwillig ausgestellt würbe. Die Kassenver­waltung ging, nachbem sie die Mißstände immer mehr an- wachsen sah, an die ärztliche Vertragskommission unter Dar­legung des Sachverhalts. Dieselbe konnte sich in den meisten Punkten den Klagen ber Kasse nicht verschließen unb ver­sprach Abhilfe. In der Folge teilte die Kasse jeden Mißstand, der sozusagen typisch war, der Verttagskommission mit. Es muß auch hier anerkannt werden, daß solche es ver­standen hat, in kurzer Zeit in einer ganzen Reihe von Punkten Abhilfe zu schaffen, und daß fie stets bereit war, der Kassenverwaltung in jeder Hinsicht behilflich zur Seite zu steyen. Zum andern nahm die Kasse mit dem einzelnen Arzte mehr Fühlung unb hat es auch hierdurch vermocht, Ratschläge und Winke zu erteilen, die von den Herren Aerzten meistenteils bereitwilligst angenommen wurden. 69 Er­werbsunfähige mußten dem Vertrauensarzt zugeführt wer­den unb mürben solche alle, mit Ausnahme von 14, sofort gefunb geschrieben. Die Kasse ließ weiter ab 1. April 1908 rhre Rezepte burch ^lpotheter Kaffta-Berlin-Schöneberg nach­prüfen und wir können ruhig sagen, daß diese Nachprüfung nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, daß die Lasten für die Medikamente so erheblich gesunken sind. Aber noch ein anderer Mißstand herrscht, der der Aufklärung und event. Beseittgung bedarf. Es betrifft dies die Bescheinigung der Erwerbsunfähigkeit und die Dauer derselben auf dem Lande. Hier scheint u. E. noch sehr viel gesündigt zu werden. Im Jahre 1908 wohnten von unseren 5852 Mitgliedern im Durch­schnitt 3500 in ber Stadt unb ber Rest auf bem Laube. Also sozusagen 2/s zu Vs- Ein anbered Bild zeigten jedoch die Fälle der Erwerbsunfähigkeit. Hier war es gerade um­gekehrt. Im Jahre 1908 entfielen von den 4360 Erwerbs­unfähigen auf die Stadt nur 1757, rvährend auf das Land 2603 entfielen. Es muß doch jedem sofort auffallen, daß hier ein gmiz abnormes Verhältnis vorliegt, das dringender Abhilfe erheischt. Nach diesem Bilde zu urteilen, fcheint die Sache so zu liegen, daß unsere Kässenmitglieder auf dem Lande viel eher geneigt sind, die Mittel der Kasse in Anspruch zu nehmen als die städtische Bevölkerung, unb, bas sei ausbrücklich hier hervorgehoben, besonbers Winters. Es besteht letber auf bem Laube btc Ansicht, baß mau, wenn man tu bie Krankenkasse etwas gezahlt hat, dies unbedingt wieder herausholcu müsse, auf welche Art und Weise ist ganz einerlei. Drastische Aussprüche in dieser Beziehung haben wir Gelegenheit alle Augenblicke zu hören. Dieser Mißstand kann nur gehoben werden, wenn unsere Kassen­ärzte auf dem Lande mehr darauf sehen, bie Spreu von bem Weizen zu scheiben. Die Krankenkassen sinb ba, im Falle einer Krankheit einzugreifen, sie würben aber manchmal mehr leisten, wenn ihr auf ber anberen Seite durch ge­wissenlose Kässenmitglieder nicht die Mittel hierzu entzogen würden. Die Kassenverwaltung wird die Angelegenhett im Auge behalten und versuchen, Abhilfe zu schasfen. Wir sind überzeugt, daß die freie Arztwahl ein Faktor ist, der bie Kassen schwer zu schäbigen in der Lage ist, ohne daß dem wirklich Kranken unb Hilfsbebürftigen ein wesentlicher Vorteil aus diesem System erwächst. Wenn es nun auch zufälligerweise unserer Kasse einigermaßen gelungen ist, der Mißstände Herr zu werden, so ist doch nicht gesagt, daß, ba jedes Jahr ein paar neue Vertragsärzte uns beschert, die Sache sich nicht noch wendet. Jedensatts müssen die Kassen sehr auf ihrer Hut sein, wenn fie sich vor größeren Schäden bewahren wollen.

a&PVertreter an allen Plätzen gesucht:

VIS/ TKA R TEN "l jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte, r sowie mit Zirkeln aller studentischen Ver­

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