Nr. 178
Der Oiehe«er Anzeiger erscheint täglich, außer kanntay^. — Beilagen: viermal wöchentlich Oietzener.^amilienblatter; zioemialwöcheiitl.Ureir- blattfürbenKreisGicfoen (£ icnslag und Freitag); zweimal msnatl. Laad- wirtschaftliche Settsrage» stenifprech - Tlnichlüsie: tär bie Rebaktion 112, Verlag u, Expedition 51 Adresse Mr Depeschen:
Auzetger Gießen, imnahme von Anzeigen Hit die TageSnummec biö vormittags 9 Uhr.
C . stes Blatt
ISS. Jahrgang
Montag 2. August 1909
WcheMrÄMM General-Anzeiger für Oberhefsen
Rototionsbrnt! unb Verlag der VrnhI'schen Aniv.-Vuch- und Zteinbruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: 5chulftrahe 7.
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4Cäu gop re t. . monatlich 7öPi^ viertel- sahrlich Btt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Destellg. Zeilenprers: lokal 15M., auSwärtS 20 Psennlg.
Verantwortlich für den politischen teil: E. Anderson; s. Feuilleton und .BermischteS'' K. Neurath; sür.Stadl u. Land" und„Gerichtt- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Bett.
Die heurige Nummer umfaßt 10 Seiten.
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1709
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tanbe bleibt tief in unserem GebächtniS. Abgesehen von ten warmen Sympathien, die id) persönlich für Frankreich hege, bleibe ich wie Sie, Herr Präsident, fest überzeugt, daß bo£ Bündnis zwischen unseren beiden Ländern eine wert-
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.LZeritä", wohin sich der Präsident neid) der Revue begeben ontte, dessen Besuch.
Abends fand ein Diner an Bord der ,LZerit6" statt.
daß die engen Freundschaftsbande zwischen Rußland und Frankreich chre wohltätigen Wirkungen in Zukunft sich fühlbar macl-en lverden, lote in der Vergangenheit. Wenn es mir im Laaer von Bethcny vergönnt war, die französische Armee zu bewundern, empfinde id) heute wirklich Freude, der herrlichen Flotte meine Hochacl)tting bezeugen zu dürfen, deren Parade ich soeben beigewohnt habe, und die auf mich lebhaften Eindruck gemacht hat. Beseelt von den Öe- suhlen der Herzlichkeit und unwandelbaren Beständigkeit, die von ganz Rußland geteilt werden, erhebe ich mein Glas auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, und auf die Größe des verbündeten und befreundeten Frankreichs. Ich trinke auf die Wohlfahrt der tapferen französischen Flotte.
Rach dem Trinkspruch des Präsidenten spielte die Musik die russische Hymne und nach dem des Kaisers die Marseillaise.
Der französische Minister des Aeußern Pichon äußerte sich zu einem Berichterstatter des „Statin" über die Cherbourger Begegnung in etwa folgender Weise: Was bei dieser Entrevue besonders bemerkenswert erscheint, das ist die allgemeine Stimmung, mit welcher diese Entrevue beurteilt wird. Früher war man geneigt, hinter jedem bei einer solchen Gelegenheit gesprochenen Worte Hintergedanken oder eine versteckte Bedeutung zu suchen. Man stellte alle möglid)en Vermutungen an, versuchte zu erklügeln, gegen wen die Annäherung zweier Völker gerichtet sein könne. Heute erkennt jedermann den klaren, unbestreitbar friedlichen Charatter dieser Begegnungen zwischen Souveränen und Staatsoberhäuptern an. Tie Cherbourger Entrevue war übrigens vorhergesehen und die Tatsache, daß der Zar nach seinem Besuche beim Präsidenten Falliöres mit dem König von England zusammenrreffen wird, erweckt auf keiner Seite irgendwelche Beunruhigung. Welche Fragen immer im Lause dieser Begegnungen behandelt werden mögen, es wird immer im Sinne des Friedens geschehen. Jedermann weiß in Europa, daß der einmütige Wille der Völker auf den Frieden gerichtet ist. Man tarnt sogar sagen, daß >eder von dem unter den Kräften Europas hergestellten Gleichgewicht befriedigt ist, weil dieses Gleichgewicht ernste Grundlagen hat und eine Bürgschaft der Stabilität bildet.
Aus Cherbourg wird den Blättern berichtet, daß allen Schiffen, selbst denjenigen, die mit der Verproviantierung des russischen Geschwaders vertraut fm.b, der"Zngang zur Re«se untersagt ist. Ein von einem Pariser Blatt gechar terier Dampfer näherte sich Samstag vormittag, ohne aus die Haltesignale zu achten, dem russischen Geschwader. Von den Panzerschiffen wurden blinde Kanonenschüsse gegen den Dampfer abgefeuert, worauf dieser umkeyrie. In dec Bevölkerung von Cherbourg herrscht große Unzufrieoenheit, weil selbst das Arsenal abgesperrt und os dem Publikum hierdurch unmöglich gemacht wurde, die Flottenschau und die Illumination der Geschwader aus einer nicht atlzugroßcn Entfernung mit anzüsehen. Die Sozialisten, welchen der Cherbourger Gemeinderat einen Saal zur Abhaltung einer zarenfeindlichen Versammlung verweigert hatte, veranstalteten Samstag nacht eine lärmende Straßeniund-
be trägt über 50 000. Vermöge der besonderen sozialen Schichtung in Prag bilden die Deutschen die Oberschicht einer mächtigen Großstadt. Ihrer beruflichen Zusammensetzung nach bildet diese Einwohnerschaft einen sozialen Torso, dem der breite Unterbau der Arbeiterschaft fehlt. Tas reiche deutsche Industrie- und Gemerbe- leben Prags schließt nach unten mit dem alten und neuen Mittelstände ab. Es reicht nur bis zu den Kleingewerbetreibenden, kaufmännischen Angestellten, Handwerkern und Werkmeistern. Der allein vorhandene soziale Oberbau und der eben vorgeführte Mittelbau, zu dem noch die staatlichen Unterbeamten hinzutreten. Dürften denen einer Stadt von 250 000 Einwohnern entsprechen. Das deutsche Geistes- und Kulturleben Prag» ist deshalb das einer Großstadt mit seiner lebendigen gesellschaftlichen Berührung und seinen vielseitigen Aeußerungserscheinungen. Hier findet der junge Student jene Reibung der Geister, die c;n hochgespanntes Geistesleben, gültige Beweglichkeit und geistiger Fortschritt erzeugt. Hier sind all die kulturellen Anregungen und Eindrücke zu finben, die der empfängliche junge Geist in der seiner Bildung gewidmeten Zeit auf sich wirken lassen soll. Zu dieser geisttg-kulturellen Umwelt, die allein die Großstadt zu bieten vermag, gesellten sich die intim-persönlichen Bildungsbedingungen, die nur der kleinen Universität und Hochsämle eigen sind. Rur die kleine Universität kennt den engen persönlichen Verkehr zwischen Lehrer und Schüler. Nur bei kleinerer Zuhörerschaft ist eine ungehinderte Aufnakyne des m Experimental-Vorlesunaen und bei Vorstellungen und Demonstrationen Gezeigten möglich. Nur bei nicht zu starker Besetzung können die neben den Vorlesungen immer mehr betonten Ucbmtqen zum vollen Ertrag gebracht werden. Aber auch nur in einer kleinen Studentenschaft ist jener persönliche Zusammenschluß der einzelnen Glieder zu finben, ber bas Stubium durch gegenseitige Anregung und Aneiferung belebt, ber Freunbschaften entstehen läßt, die ein Leben dauern. Wie es hinsichtlich all bieser einzelnen Puntte in Prag steht, bringt bie Schrift in Wort und Bild zu anschaulicher Vorstellung. Der erste Teil wendet sich an den Fachstudierenden, der hier näheren Aufschluß über seine Sondergebiete findet: er schildert die Studiengclegenheiten für die verschiedenen Wissenschaften an den beiden Hochschulen, gibt Aufschluß über die Jrnmatrikulationsbedingungen, über das studentische Vereinswesen, übet Stipendien, Freitische unb Wohnungswesen. Der- zweite Teil schildert bas beutsche Leben in Prag: das deutsche Geistesleben, bas musikalische Prag, Prag als Kunststätte, ber Prager Sport und bie nähere und weitere Umgebung Prags finden in gesonderten Kapiteln eine Darstellung. Es entrollt sich ein Bild des deutschen Lebens in Prag, das dem Musensohne die Gewißheit vermitteln muß, in eure lebendige deutsche Gemeinschaft ein treten, eine Umgebung von hoher geistiger und künstlemscher Kultur, eine Stadl mit den seltensten geschichtlichen und künstlerischen Uebertieferungen und Denkmälern zu finden. Dir Werbe'christ ist durch den Buchhandel uno durch die deutsche Auskunftsftelle, Prag, Deutsches Haus, Graden 26, zu beziehen.
Der Aarenbesuch in Cherbourg.
Tas rnssisclfe Geschwader mit dem Zarenpaare an Bord traf am Sams tag mittag in Cherbonrg ein. Die französi- djtn Fahrzeuge feuerten Salut, als bie kaiserliche Jacht 7N die Reede einfuhr. Das Wetter ist schön. Während 2ie russischen und französischen Schisse ihre Ankerplätze xinnafymen, verließ Präsident Falliöres in Begleitung Les Ministers des Aeußern. des Kriegsministers, des Ma- rmcmini|ter5 und des russischen Bolstbafters die „Galilee" infc begab sich an Bord oes „Standard". .Dort hieß Prä- ftbent Fall'.öres die russischen Majestäten willkommen und lud den Kaiser ein, die Revue über das Geschwader abzu- nelpnen. Beide Staatsoberhäupter bestiegen alsdann den Kreuzer .,Galilee", der vor den vereinigten russischen unb französischen Schiffen vorübersuhr. Das französische Geschwader setzte sich zusammen aus sechs Panzerschiffen, sieben iro&cn Kreuzern, zwei Aufklärungskreuzern und zwanzig Torpedobootszerstörern. Beim Borbeifahren brachten die 'Besatzungen Hurras aus, während die Musik die russische Nationalhymne spielte. Nach der Revue, die eine halbe Stunde dauerte, kehrte der Kaiser auf die „Standard" ipiirüd und erwiderte von dort aus auf dem Panzer
der „Brüder der Misericordia" zu einer freiwilligen Rettungsgesellschaft großen Stils erweitert und vergrößert; zu jeder Tages- und Nachtzeit sind Brüder vom Dienst im Lrdenshaus anwesend und bie Glocke der Kirche gibt jeweils Kunde von Unglücks- oder Todesfällen unb ruft ein-, zwei- ober dreimal schlagend, dumpf dröhnend oder lang tönend, die Mttglieder zusammen. Eilends kleiden sich dann die Brüder in ihre schwarzen Hüllen und ziehen fort mit der Tragbahre ober dem auf Gummirädern fahrbaren Krankenbett, je nach dem Fall. Und so wohltätig und bewundernswert erschien dem Florentiner von Alters her diese liebevolle hilfsbereite Arbeit, daß jeder barhäuptig und andächtig grüßend den Trägern begegnet, wo immer Jie sich in den Straßen zeigen. Niemand weiß, wer jeweils unter den dominoähnlichen, schwarzen Hüllen steckt — ob jung oder alt, reich oder arm.
Jeder ist in dieser Verbindung dem andern gleich, jeder ist opferbereit und freudig erfüllt von dein Bewußtsein, feinen Mitmenschen wohlzutun. Nach vollbrachtem Dienst begeben sich die Brüder paarweise in ihre kleine Kirche, sich wechselseitig grüßend und dankend mit besonderem Gruß, ber weitergegeben wird bis zum letzten Paar. Am Gründonnerstag, roenn in jeder italienischen Kirche das „sepol- cro", das Grab des Heilands ausgestellt wird, ist als solches der Altar in der kleinen Kirche ber Misericorbia am Tom- Platz mit schönen Blumen unb Pflanzen geschmückt, die zu diesem Zweck aus den Königlichen Gärten gesandt werden.
Neuerdings haben alle kleinen Orte Toscanas und selbstverständlich) alle größeren Städte ihre Misericordia-Ver- bindungen unb auch in Florenz existieren noch andere ähnliche Brüderschaften wie die weißvermummten Brüder von S. Lorenzo — aber die bestgeordnete und mustergültige Vereinigung ist und bleibt die jetzt Staufenbe von Brüdern zählende schwarze „Misericordia".
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— Prag als beutfehe Hoch schul stabt. Unter diesem Titel hat ber Prager Ortsrat bes Teutschen Volksrates für Böhmen eine von Künstlerhcmb ausgestattete Schrift herausgegeben, die ba;u bienen soll, ben Besuch ber Prager bemühen Universität unb technischen Hochschule zu heben. Das ist umso nützlicher, als vielfach irrige uno zumeist unvollständige Vorstellungen über bie Prager Verhältnisse bestehen. Prag ist zwar eure über» roiegenb tschechische Stadt hat aber doch ein breites und !\o entwickeltes deutsches Geistesleben. Prag als deutsche Hochschu.- (tobt ist durch eine Verbindung zweier Eigenschaften gekennzeichnet, die sich kaum wieder antreftcn läßt. Großstadt und kleine Unuxrfiiäi finden sich hier in seltener Vereinigung. Prag ist SDK deutsche GroMchtt Lie Zahl per hier anfäniöSK Deutschen
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Spanien.
Die wenigen aus Spanien vorliegenden Meldungen wollen den Eindruck erwecken, als wenn sich die Lage im Innern unb in Melilla gebessert hätte. Der Korresponbent bcs „Daily Telegraph", ber erst eben einen großen Teil Spaniens bereist hat, meint lebodi, daß bie große Mehrheit bes Volkes revolutionär gesinnt sei; er kann nicht einsehön, wie die jetzige Krisis anders als mit einer Katastrophe endiaen könne. Als es gestern in Mabrib bekannt wurde, daß die Kämpfe um Melilla 2000 Opser (die Regierung hat also ossenbar 1000 unterschlagen) gekostet haben, bemächtigic sich di's Volkes eine furchtbare Wut und Entrüstung. Die Regierung wurde beschimpft und verslucht, weil sie dieses Unglück „ben Interessen einer Dahngesellfchaft zuliebe" über Spanien heraufbeschworen habe. Man fürchtet in Mabrid, baß bie Nieber- loge von Melilla noch viel schlimmer war, glaubt, daß dieser Krieg bas Land gänzlich ruinieren werde, und sieht bas Enbe Spaniens als bevorstehend an.
Ein Unbekannter, der von einem Ausflüge nach San Sebastian nach Paris zurückkeyrte, erzählte, daß die bortige Bevölkerung, besonders bie Frauen, ben König Alfons vorgestern abenb mit Zurufen, in btmen sich wenig Sympathie oussprach, begrüßten. Der König warf Geld unter die Frauen, die es auf rafften und zurückwarfen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Nach einer Melbung aus Figueras haben sich von 600 ein* berufenen Reservisten nur 6 gestellt.
Nach den letzten Nachrichten aus Barcelona sollen in der Festung Montjuich 40 Aufständische, unter ihnen Emiliane Jglerias, ohne gerichtliches Verfahren erschossen worden sein. Blutige Kämpfe seien noch immer im Gange.
Im spanischen Ministerrat teilte der Kabinettschef Maura mit, daß die Lage in Melilla sich gebessert habe. Es hätten keine neuen Gefechte ftattgefimben. Die spanischen Truppen beschränkten sich auf die Beschießung der Guruguhöhcn. General Marina wird einen entscheidenden Schlag sofort nach Eintteffen der Verstärkungen ans führen.
Wie verlautet, mangelt es den Marokkanern sowohl an Munition wie an Lebensrnitteln. Sie stellen ihre Patronen selbst her und zwar aus Blei, das sie aus den in der Umgebung be- ftndlichm Gruben gewinnen. Sie sind jedoch nicht in der Lage, eine hinreichende Menge von Patronen anzufertigen.
Der „Daily Mail" zufolge sind während der Unruhen in Barcelona im ganzen 400 Personen getötet worden.
Das Pariser „Journal" veröffentlicht Aeußerungen, welche ein Führer der spanischen Liberalen gegenüber einem Touloner Journal ijtcn gemacht hat. Derselbe bätre u. a. behauptet, Ministerpräsident Maura habe offen erklärt, daß Frankreich die sponifche Rechenmg vor die graufnme Alternative gestellt Hobe, entweder eine Polizei-Operation gegen die Rifslentc zu unternehmen ober zuzustimmen, baß Frankreich felbft im Me- liila-Gebiet biese Operation burchführe. Mit Wissen unb unter den Augen der französischen Behörden hatten sich 6000 bewaffnete Marokkaner in ben letzten Tagen über Sub-Oran nach bem Riff- gebiet begeben.
Aus Statt und Land.
Gießen, 2. August 1909.
von der Straßenbahn^
Die Linie Bahnhof—Seltersweg—Neuer Friedhof ist bis auf Kleinigkeiten fertiggestellt. Düs. schwierigste Wert war die Schienenlegung am Marktplatz, der gew'ssermaßen zt einem Zentralbahnhof für den Stadtverkehr nmgewandelt wurde und von dem behauptet wird, daß die Einlage in seiner Kompliziertheit in ganz Deutschland nicht*noch ein« mal existiere. Seit Mitte vergangener Woche ist die Firma Siemens und Schuckert am Scltersweg auch mit der An-
gebung.
Mehreren Blättern wird aus Cherbourg gemeldet, daß die Polizei eine Anzahl verdächtiger Leute in Haft genommen hat. Nach einem russischen Terroristen namens Givanow olle Bürgschaft für den allgemeinen Frieden bedculet und । wird eifrig gefahndet.
Die Brüder des IHitieids.
Mm. Florenz, im Juli.
Manchen Fremden mag wohl schon ein leichtes Grauen beim ersten Anblick der schwarz vermummten Geftallen über» riefelt haben, denen man in den Straßen von Florenz häufig begegnet. Wie dunkle Todesboten erscheinen sie in hm düsteren Gewand, das sie vom Scheitel bis zur Sohle nnhüklt und nur zwei Einschnitte für die Augen freiläßt, llbcr dem ängstlichen Begegner könnten auch diese schwarzen iich'talten ähnlich wie der Tod dem Mädchen antworten: Mn Freund und komme nicht, $u strafen," denn traurig uw:, aber überaus wohltätig ist ihr Wirken und oft genug feon ward es segensreich für die Bevölkerung, besonders die arme.
Die „Brüderschaft der Misericordia" wurde im Jahrhundert von einem gewissen Pietro Borst mit der 'mmung begründet, daß Freiwillige sich stellen sollten, Kranke oder Verwundete, die in jener Zeit der Bürger- tiege und Epidemien oft in den Straßen von Florenz Pfunden wurden, in die Hospitäler ober in ihre Häuser befördern. Da viele Almosen und Beiträge, foimc Werktage Hilfe die Gründung Borsis unterstützten, bewährte sch die Verbindung rasch, ward groß und blühend, und teib waren die Misericordie.nbrüder unentbehrlich gewor- feu. Im Jahre 1491 erhielten sie neue Statuten und die klepublir sowohl als später die Medici gewährten der Bruder- stxrft viele Privilegien. Herzog Franz,I. installierte die S-irericoTbia im Jahre 1576 in bem Hanse des Domplatzes, sntlich des Campanile, von dem aus die Brüderschaft noch finite nach den alten Satzungen von 1491 ihre wohltätigen Md frommen Werke ausübt.
Die gegenwärtige „Misericordie" ist eine der populärften iinti) wohltätigsten Institutionen von Noreuz. Der König ter Italien und sämtliche Prinzen des Hauses Savoyen .stivie ber Erzbischof von Florenz gehören der Bereinigung m, die sich aus Mitgliedern aller Volksklafsen zusammen- rtzt, vom alten Aristokraten bis zum ärmsten Mann.
gibt verschiedene Arten der „Brüder des Mttleids", wie st sich nennen; bie Begüterten und wohlhabenden Herren fcf^en einen Jahresbeitrag von gewisser Höhe, während tii ärmeren Mitglieder entweder gar keinen oder nur einen teileü Beittag leisten. Jeder „Bruder" erhält durch Zal)- bnz oder durch geleistete Arbeit das Recht auf eine taften- dse Beerdigung durch die Kongregation auf ihrem eigenen stiedhof außerhalb der Porta S. Frediano.
In neuestex Zeit hat sich die Tätigkeit unb die Anzahl
Präsident Falliöres brachte hierbei folgenden Trinkspruch aus:
Circ! Es ist mir eine aufrichtige Freude, Eure Ma- Mjpftät unb Ihre Majestät die Kaiserin bei Gelegenheit ber dritten Reise willkommen zu heißen, welche Sie seit Ihrer Krönung in unser Land machen. Franireich unb seine Re^ (ierung wissen Eurer Majestät tiefen Dank für bas Zeichen treuer Zuneigung unb unwandelbarer Freundschaft, die sie tim Eurer Majestät erfahren dürfen. Ihre heutige An- wesenhLi^ im Hafen von Cherbourg ist ein neuer Beweis ivfüT. Sie gibt dem Bündnis, das zwei Regierungen und ■ firci Völker eint unb das, richtig betrachtet, eine Bürgschaft Fliedens in der Welt ist, eine Weihe, bie für die Zukunft nicht minder glückliche Wrinngen von ihm zu er- birten gestattet, als diejenigen, die es in der Vergangenheit gezeitigt hat. Indem ich die Gefühle der Anhänglichkeit i)nt "?msdruck bringe, die Frankreich für Rußland hegt, er* < h:be ich mein Glas zu Ehren Eurer Majestät und Ihrer < Ntajeftät der Kaiserin Maria Feodorowna und der ganzen kcsiserlichen Familie. Ich trinke auf die Cfaöfee und die MWtohlfahrt des mit ber französischen Republik verbünbeten Unb befreundeten russischen Reiches.
Tie Antwort des Kaisers Nikolaus lautete:
Herr Präsident! Die Worte der Bewillkommnung, die Gte soeben gesprochen, haben die Kaiserin und mich tief ccrühii. Mik dem Gefühl des aufrichtigen Bergnügcnc- lairbe ich jedesmal au den Küsten Frankreichs. Die Erinne- rung an unsere früheren Aufenthalte in Ihrem schönen


