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1.9.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch l. September 1909

159. Jahrgang

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Deutsches Reich

'chernoas von Baden befand sicy u. in Betracht kommenden roimmanncDen yanoren ausginajCTw ue-

des Auswärtigen, J-cihcrr von Marschall, rücksichttgen. Auch Hamburg sei weit enirentt «eine vaienLauten " z h >und Fahrwasserverbesterungen an der Unterelbe dem Verkehr gtz-.

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Nr. «04

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, aufeer Sonntags. - Beilagen: viermal wöckeniUch ^ietzenerFamilienblälter; jioetmal wöchentl.llreir- riatt finden Areir Stehen «Dienstag und Freitags; ^weinial monotl. Land- »irtschastliche Zellfragen Kernsprech - Anschlüsse: tir die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

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Bezu gop rci >. monatlich 7öVf.,viertel- jäbrlich Alk. 2.20; durch tUbhole- il Zwttgslellen monatlich t>5 Ps.; durch die Post Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg, Zeilenpreis: lokal 15Ps., auSivärts 20 Pfennig, Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton" undVermischtes" K. Neurath; fürStadl u.Land" und$crid)t§-

gemein auf. , .

KaiserFranzJosef ist am gesogen Dienstag von Fttedrichshafen kommend mit dem um 5 Uhr 35 Min. in Jrregenz eingetroffenen Hofsanderzug nchch Wien zuruck- (1 e r e t ft

Von Schloß Mainau meldet maln: Dienstag mittag kurz vor 12 Uhr traf der Dampfer Kaiserin Ettsabeth mit dem Kaiser von Oesterreich an Bord, von Rorschach kommend, an der Mainau ein. Der Kaiser wurde vom badischen Großherzogspaar und dem P-rinzcnpaar Max von Ägiden begrüßt. Nachdem die Vorstellung der beiderseitigen infolge erfolgt war, reichte der Kaiser der Großherzogin den Arm und führte sie zu dem beceitftehendcn ^vagen, in dem die Fahrt zum Schloß ersa'i-gle. Dort begrüßte der Kaiser die Großherzogin Luise doli Baden, .^^r Besuch wiigrein familiären Charakter und dauerte nur erne Stinwe. Während dieser Zeit wurde ein Jrnbij; eingenommen. Kurz nachher erfolgte die Abreise des Kaisers, den das Grog- herzogspaar wiederum zur Landungsstelle begleitete, ^m ^folge des Großherzogs von Baden befand sich u. U. der badische Minister'

Rotationsdruck und Verlag dervrühl'schen Univ.-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Seppelins Luftschiff.

Veranlaßt durch die Havarie des Luftschiffes ,,Z III" ist VVM Grafen Zeppelin die für den 3. September in Aussicht genommene Besichtigung des Luftschiffs durch Mitglieder des Bundesrats und der obersten Reichsbchördcn auf dcu 1. S c p - tember verlegt worden und findet nunmehr zusammen mit den Mitgliedern des Reichstages statt. Für den Bundesrat wird ein eigenes Dampfboot abends zum Essen in Lindau sein.

Aus Friedrichshafen wird gemeldet: Gegenüber von alarmierenden Gerüchten ist sestzustellen: Auf dem Terrain der Luftschiffbaugesellschaft am Riedlepark, wo zurzeit die eiserne Doppel Halle für Luftschiffe hcrgestellt wird, brach heute auf dem Dache infolge Umkippcns eines Teerkessels ein kleiner Brand aus, der sofort gelöscht wurde, ohne nennenswerten Schaden anzu­richten.

Im Hinblick auf die seitens des Grafen v. Zeppelin an den Bundesrat und Reichstag zum 3. und 4. September 1909 ge­richteten Einladungen zur Besichtigung seines Luftschiffes ist An­ordnung getroffen worden, daß die die beste und schnellste Ver­bindung von dlordost-Deutschland nach Friedrichshafen darstel­lenden Nachtschnellzüge BerlinLindau ''ab Berlin Anhalter Bahnhof 9.45 Uhr abends, an Lindau 9.50 Uhr vor­mittags und ab Lindau 9.30 Uhr abends, an Berlin 9.47 Uhr vormittags) in diesem Jahre bis einschließlich den 6. September noch verkehren werden.

Von der Landungsstelle desZ. III." wird gemeldet: Das Wetter war Dienstag nachmittag den Ausbesserungsarbeiten desZ. III." außerordentlich ungünsttg. Tas Luftschiff war fortwährend den heftigsten Regenböen ausgesetzt. Der Wind wuchs teilweise zum Sturm an. Die Windstärke betrug durchschnittlich 15 Sekundemeter. Die Wittenberger Mannschaften hatten beim Halten, namentlich der hinteren Gondel, außerordentlich schweren Stand, sie wurden oftmals fehinbentang hoch in die Lüfte ge­hoben. Ter Dorangegangene Tag hatte ihnen jedoch für die Schwierigkeiten eine gute Vorbildung gegeben und so gelang es ihnen, ein Ausschlagen der Gondel auf dem Erdboden vollständig zu verhindern. Die Leiterwagenverankerung der vorderen Gondel hat sich bewährt. Die Aluminiumspitze, an der der Anker hängt, ist durch Ausstößen beschädigt und deshalb durch eine Versteifung aus Birkenstämmen noch verstärkt worden. Die inneren Aus­besserungen am Gerüst sind vollendet. W brauchen außer kleineren Arbeiten an der äußeren Hülle nur noch die vorderen Vorgelege und Propeller angebracht zu werden, eine Arbeit, die bei günstigem Wetter in kürzester Frist geschehen kann. Tas Luftschiff wird auf der Rückfahrt also hinten mit Zwei-Flügel-Propeller und Stahlbandantrieb, vorn mit dem Trei-Flügel-Propeller desZ. II.". und Zahnradantrieb ausgerüstet sein. Die Wetteraussichten für die Nacht und Mittwoch vormittag sind ungünsttg, da nach den amtlichen Wetterberichten Windvcrstärkung bevorsteht. Man hofft, Mittwoch die Abreise antreten zu föimen. Damit die Arbeiten auch 'in der Nacht keine Unterbrechung zu erfahren brauchen, werden Scheinwerfer aus Wittenberg herbeigeschafft werden. Gegen Abend erfreute die Kapelle des 20. Infanterie-Regiments Mon­teure und Bewachungsmannschasten mit einem Konzert auf dem Landungsplätze.

Ans Stafct nnd Land.

Gießen, 1. September 1909.

Zum Sedantage.

Die Freude über den errungenen kriegerischen Erfolg arn 1. und 2. September de§ großen Jahres 1870/71 ist im Laufe der Zeit völlig zurückgetreten gegen die Erkenntnis, wie dieser Krieg für unsere innere Entwicklung so bedeutsam ge­worden ist. In Versailles wurde Kaiser und Reich prokla­miert, aber in Sedan wurde seine Gründung ermöglicht. Somit ist unS im Sedantag ein nationaler Festtag gegeben worden, der namentlich unserer Heranwachsenden Jugend immer wieder von neuem ins Gedächtnis zurückgerufen werden muß. Der Schwerpunkt der Feier gehört darum -in die Schule. In der Schule soll Deutschlands Zukunft nicht nut in Kenntnissen und Fertigkeiten herangebildet werden, auch in der rechten Erkenntnis, wie schwere Wege das deutsche Volk hat gehen muffen, um zu seinem Ziele zu gelangen, soll hier vermütelt und anerzogen werden. Und ist damit nicht

bührenfrei zur Verfügung zu stellen und die Kosten einfach aus die Steuerzahler zu übernehmen. Im übrigen handle es sich nicht darum, bie Abgabcnerhebung von den Kanälen auf die natürlichen Wasserstraßen zu übertragen, sondern nur um eine gleichmäßige Behandlung der natürlichen Wasserstraßen, denn der in Rede stehende Gesetzentwurf stehe auf dem Standpunkt, daß die Schiffahrt ein praktisches Interesse nicht an der Wahl des einen oder anderen Strombausystems, sondern nur an der Er­zielung eines ausreichenden Fahrwassers haben könne. Es sei beabsichtigt, die Sttombaukosten nur insoweit durch Schiffahrts­abgaben zu decken, als es sich um die Verbesserung der Fahck- rinnc handle. Der Artikel schließt: Unter Festhaltung dieser Gesichtspunkte muß auch in der Abgabenfrage ein billiger In­teressenausgleich gesucht und gefunden werden.

Die Verhängung des Bierboykotts beschloß in Essen a. R. eine von mehr als 3000 Personen besuchte und von der demokratischen Vereinigung einberufene Volksversammlung nach Referaten des Parteisekretärs Winterberg-Barmen und des Ar­beitersekretärs Wolter-Berlin einstimmig bis zur Wiedereinführung des alten Bierpreises.

Mit der Frage der Standsicherheit der sog. flie­genden Bauten (Zirkusbauten, Schaubuden, Karussells u. dgl.) beschäftigt sich ein jüngst ergangener Erlaß der preußischen Ressort­minister, in dem die Polizeibehörden u. a. angewiesen werden, derartige Bauten keinesfalls ohne vorherige sachgemäße Prüfung für die Oeffentlichkcit freijugeben. Soweit den Behörden ent­sprechend vorgebildete Organe nicht zu Gebote stehen, sollen priväte Sachverständige, eventl. befähigte Handwerksmeister, zu den Prü­fungen zugezogen werden.

Ausland.

Die Sedan-Spionageangelegenheit ist, wie aus Charlevillc gemeldet wird, aufgedeckt. Sie hat zur Verhaftung eines Kaffeehausbesitzers, der ein Ausländer ist, geführt. In der An­gelegenheit sind noch andere Personen blosgestellt.

In der letzten Sitzung des französischen Mi­ni st e r r a t s wurde General T r c m c a u zum Vizepräsidenten des obersten Kriegsrates ernannt. Der Kriegsminister machte sodann Mitteilung über das bisherige Ergebnis der Untersuchung, die in der Angelegenheit der Entwendung von Maschinengewehrteilen in Chalons-sur-Marne geführt wird.

DieHv h enz ollern" mit dem Kaiser ist am Diens­tag um halb 9 Uhr in den Hafen von Swinemünde eingelaufen. Der Kaiser ist um 11 Uhr 7 Min. nach Berlin abgereist. Ein zahlreiches Publikum hatte sich zur Abfahrt auf dem Bahnsteig eingefunden, das dem Kaiser lebhafte Ovationen darbrachte, für die der Kaiser vom Fenster des Salonwagens aus dankte.

Die Uebungen der Hochseeflotte und des Küsten- panzergcschwadcrs vor dem Kaiser in der Nähe von Stubbcn- kammer wurden am Dienstag mit einem Nachtangriff sämtlicher Torpedobootsflottllen auf die in Fahrt befindliche Flotte be­endigt. Der Kaiser kehrte nach elf Uhr abends von dem Flotten­flaggschiffDeutschland" auf dieHohenzollern" zurück. Die Kaiserjacht war vorher in der Nahe der Mole vor Anker ge­gangen Mittwoch werden die Uebungen unter Hinzuziehung der Schul- und Versuchsschiffe und der Torpedoboote fortgesetzt. Zur Hebung soll die blaue Flotte unter dem Befehl des Prinzen Hein­rich von Preußen gegen die gelbe unter dem Befehl des Vize!- admirals von Holtzendors manövrieren. Der Kaiser schiffte sich gegen 9 Uhr wieder auf derDeutschland" ein.

Die Unterschlagungsgeschichte in Kiel wirbelt neuen Staub auf. Auf dem für die Aufbewahrung von Akten für die große Werft-Unterschlagungsfachc im Landgerichte beson­ders eingerichteten Zimmer sind durch bisher unaufgeklärten Ein­bruch viele Schriftstücke und Briefe entwendet worden, die sich in den Akten befanden und besonders belastendes Material gegen mehrere Angeklagte enthielten Q

In einem längeren Artikel wendet sich bteNord d. Allg. Z t g." gegen den Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Linie, B a l l i n, der in der kürzlich in denHam­burger Beiträgen" veröffentlichten Erklärung den S ch i f f a h r l s - abgaben gegenüber argumentiert hatte, daß abgabepflichtige Wasserstraßen ihren wirtschaftlichen Zweck verfehlt hätten, was sich insbesondere beim Dortmund-Ems-Kanal gezeigt habe. Tie Nordd. Allg. Ztg." erklärt, die deutschen Bundesstaaten könnten nicht lediglich für Verkchrsinterefsen ihre immerhin begrenzten finanziellen Kräfte einsetzen, sondern müßten die Gesamtheit der in Betracht kommenden wirtschaftlichen Faktoren ausgleichend be-

Der besuch öes Kaifers Franz Joseph.

Aus Friedrichshafen wird vorn 31. August ge meldet: Die heutige Bodcnseefahrt des Kaisers Franz I Zoseph von Oesterreich fand bei böigem Wetter und be­ll decktem Himmel statt Der Kaiser wurde überall von den Uferstädten aus enthusiasttsch begrüßt. Hier herrscht leb­hafter Fremdenverkehr. Um ^2 Uhr nahm unter den Klängen des Spiels die vom Infanterie-Regiment 122 ge­stellte Ehrenkompagnie am Hafenkai Ausstellung, wo sich bereits zahlreiche geladene Gäste, unter ihnen die Fürstin oon Fürstenberg mit ihren Kindern, eingefunden hatten. Um 1 Uhr traten der König in der österreichischen Husaren- rniisorm, Herzog Albrecht von Württemberg, sowie der Fürst rU Wied aus dem Schloßportal. Der König trat sofort iuf die Fürstin zu Fürstenberg zu, begrüßte sie und ihre linder und unterhielt sich dann auf das lebhafteste mit ijem1 Grafen Zeppelin. Inzwischen hatte sich die Sonne «>inen Weg durch die Wolken gebahnt und das Kaiserschiff näherte sich in rascher Fahrt. Als der österreichische Son« ixrdampscrKaiserin Elisabeth" näher kam, konnte man i*m Kaiser Franz Joseph, der die Uniform seines württem- b-ergischen Infanterie-Regiments mit dem Abzeichen des lSeneralseldmarschalls, sowie die Abzeichen des Kronen- ordens angelegt hatte und einen sehr frischen und rüstigen Eindruck machte, schon in dem unter der Kommandobrücke b«findlick)en dNittelgang erkennen.

Die Begrüßung zwischen dem Kaiser und dem König Wwar eine überaus herzliche. Nachdem der Kaiser noch den »Herzog Albrecht von Württemberg und den Fürst zu »Fürstenberg begrüßt hatte, wurden ihm vom König die rum Empfange erschienenen Herrschaften vorgestellt. Be- »sonders lange unterhielt sich der Kaiser mit dem Grafen »Zeppelin, der fein lebhaftestes Bedauern über das Nicht »erscheinen des Luftschiffes am heutigen Tage äußerte. Dann ."butten die Monarchen die Front der Ehren ko mPa gnie »unter den Klängen der österreichischen Kaiserhymne ab, worauf ein Vorbeimarsch erfolgte. Am Eingang zum D c5chloßgarten erwarteten die Königin und die Fürstin zu W 'Lied den Gast, der sich zum Handkup niederbsugte. Unter» I dessen war auf dem Schlosse die österreichische Kaiserstan- bürte gehißt worden. Der Kaiser verweilte eine Stunde in herzlichem Verkehr im Schloß, woraus er sich wieder zum Schloßhafen zurück begab. Bor der Abfahrt stellte J ter Kaiser auch noch der Königin seine Umgebung vor. ills er sich von dieser verabschsiedete? reichte die Königin "s oem Kaiser den Arm, um ihn zur Landungsstelle zu ge­lten, wo sich der Kaiser auch sämtliche Offiziere der Ehren- lompagnie vorstellen ließ. Nachdem beide Monarchen sich »von den Umgebungen verabschiedet hatten, geleitete der W Honig seinen Gast zum Dampfer, wobei bleibe nochmals »ihrer herzlichen und großen Freude über die Zusammen- H hin ft Ausdruck gaben. W sich das Kaiserschiff schon weit vom Ufer entfernt hatte, winkte das Köniysvaar feinem hohen Gaste immer noch zu. Die Kapelle d?s Infanterie- Regiments 122 hatte, bevor sie an den Haffen hinauszog, hem Grafen Zeppelin vor dem Deutschen Hause ein indchen gebracht. Als der Graf auf den Balkon trat urbe er mit nicht endenwollenden Hochrufen begrüßt.

Weiter wird aus Rorschach gemeldet: Der Empfang Kaisers Franz Josef ist, ohne durch ba£ Wetter beein- ocichtigt zu werden, programmäßig verlausen. Punkt 10 Uhr stchr der DampferKaiserin Elisabeth" mit dem Kaiser an Bord in den Hasen. Der Kaiser stand au£ dem Hinterdeck und wurde von den Schweizer Behörden empfangen. Im 9 amen des Bundesrates begrüßte Vizepräsident C o m t e s s e ht französischer Sprache den Kaiser und Lob hervor, daß während der 61jährigen Regierungszeit Des Kaisers die Beziehungen Oesteueichs zur Schweiz nie diie geringste Trü­bung erfahren haben. Der Redner schloß mit dem Wunsche, drin Kaiser möge ein ungetrübter Lebensabend inmitten der Liebe seiner Völker beschieden fein. Dew Kaiser verlas hinauf die in französischer Sprache versüßte Antwort, in welcher er betonte, er wünsche die guten Beziehungen mit ter Schweiz weiter M pflegen und zu entwickeln. Der Mer bedauerte hierauf, daß die Kürze der Zett es ihm nicht gestatte, auf schweizer Boden zu kommen. Hierauf ii&errcid)ten sechs weißgekleidete Mädchen mit Schärpen in heu österreichischen und schweizer Farben Alpenrosen und ^delweißbukette. Der Kaiser dankte jedem der einzelnen Binder sichtlich gerührt und ließ jedem em goldenes Arm­band mit Der Kaiserkrone ober eine Brosch? überreichen. Der Reifer unterhielt sich noch 10 Minuten mit den Anwesenden, Vorauf nach 20 Minuten Aufenthalt das schiff den Hafen terließ. Der Kaiser hatte das Oberdeck bestiegen und verließ salutierend unter den Zurufen der Mewge den Hafen. Die l'namme und aufrechte Haltung des T^wnarchen fiel alt»

Eine tschechische Tendenzmeldung.

Wieder haben, so meldet das Bureau Herold, a n t i t s ch e ch i- sche Kundgebungen in Wien stattgefunden. Etwa 300 Tüttsch-Radikale versanunelten sich vor einem tschechischen Lokal und wollten es stürmen. Als sie von der Polizeiwache an ihrem Vorhaben gchindett wurden, zogen sie in den angrenzenden Straßen umher, zertrümmerten die Fensterscheiben und rissen die tschechischen Schilder herab. Durch Steinwürfe wurden mehrere Personen ver­letzt. Tie Wachtmannschast nahm viele Verhaftungen vor.

Tie vorstehende Meldung ist zweifellos tendenziös gefärbt. Es hat es sich schon herausgestellt, daß die deutschen Korrespondenz- Bureaus aus Oesterreich ntit tendenziös-tschechisch gefärbten Be richten bedient worden sind, und sogar das amtliche Wolffsche Bureau ist oftmals auf solche Bestrebungen hineingefallen. Wie sollten im vorliegenden Falle 300 Deuttche dazu gekommen sein, ohne Grund ein tschechisches Lokal zu überfallen. Stets sind es bisher im Gegenteil die Tschechen gewesen, die ihren Uebermut haben walten lassen Und olpie Grund Deuttche überfallen haben. Man denke nur an die erst jüngst erfolgte Mißhandlung eines deuttchen Schülers. Deuttche Sammel stellen für Zeitungsnachrich­ten sollten in der Verbreitung solcher Nachrichten denn doch rorsichtiger sein und sich nicht zum Werheug der Tschechen machen. In diesem Falle war es das Herold-Bureau, ans dem wir die rorstehende Meldung herausgegriften haben.

Eine ähnliche Meldung verbreitet übrigens auch das Wolffsche Bureau:

Wien, 31. Aug. Heute abend versuchten abermals etwa 200 Deutschnationale im 15. Bezirk antitschcÄttche Demonstrationen zu veranstalten, wobei die einschreitende Wache mit Steinen be­worfen wurde. 29 Verhaftungen wurden vorgenommen. Zwei Wachtleute wurden leicht verletzt.

Gleichzeittg aber weiß das Bureau auch wieder von tschechischen Ausschreitungen gegen harmlose deutsche Ausflügler zu berichten:

In Trebnitz wurde auf einkehrende deutsche Ausflügler von Tschechen aus dem Hinterhalte geschossen. Die Deutschen blieben unverletzt.

Die griechische Krise.

Vielleicht sind die Nachrichten über eine bevorstehende Militär­diktatur in Griechenland übertrieben gewesen. Heute wird nämlich aus Athen gemeldet: Die einheimische Presse protesttett einhellig gegen die Unterstellung auswärtiger Zeitungen, daß die Militär­bewegung in Griechenland sich gegen das Herrscherhaus richte und betont demgegenüber die Königstreue der Armee und des Volkes.

Vielleicht hatte das rücksichtslose Verhalten des griechischen Kronprttizen im Heere die meiste Erbitterung hervorgerufcn. Im­merhin ist der Thron des Königs Georg zweifellos wankend. Zum K r i e g s m i n i st e r wurde Oberst Lapatthiotis ernannt.

Inzwischen ist der türkische Boykott aufgehoben worden. Aus Saloniki wird gemeldet: Ter Ehef der Auslader und Boots­leute verkündete diesen, daß der Boykott gegen Griechenland auf­gehoben und der Verkehr vollkommen freigegeben sei.

Spanien und der Marokko-Krieg.

Das spanische Abenteuer in Marokko zieht noch immer weitere Kreise. Kriegführen kostet Geld, das muß man auch in Madrid erkennen. Um Geld zu gewinnen, wlll man sogar das Recht des Loskaufes vom Militärdienst wieder entführen:

TerTemps" meldet aus Madrid: Der Ministerrat beschäftigte sich lange mit dem Feldzuge von Melilla, sowie mit den .Mßftcn desselben. Eine Kredite,peratron zum Zwecke der Aus' gäbe von Schutzbunds soll möglichst lange hinausgeschoben werden und erst im äußersten Notfälle will die Regierung auf ihren Gold­bestand bei der Bank von Spanien zurückgreifen, der sich auf 75 Millionen beziffert und den der Finanzminister für die Be­zahlung der Kupons der äußeren Schuld und für andere im ÄuSlande in Gold zu leistende Zahlungen reserviert. Im Prinzip ist die Regierung entscUossen, das Recht des' Loskaufes vom Militärdienst nxeber einzuführen, woraus man eine bedeutende Einnahme erwartet.

Die Minister behaupten, den Ursprung und die Fäden der revolutionären Bewegung von Barcelona entdeckt zu haben, und die Urheber, sowie die Hauptbeteiligten sollen zur Verantwortung gezogen werden, selbst wenn die Regierung vom Parlamente die Autorisierung zur Verfolgung von Senatoren und Deputierten verlangen müßte. Diese Drohung zielt offenbar auf den Senator Sol-Y-Ortega ab, welcher jüngst 'die Ereignisse in Barcelona verteidigt hat. Angeblich ist derselbe, ebenso wie der Deputierte Leroft und der Journalist Ferrer nach Frankreich geflüchtet.

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