Stil einer kleinen Schar Kinder einzog, eine Lebensquelle für die Werke der barmherzigen Liebe für die ganze Welt geworden. Es gab ja schon vor ihm Rettungshäuser. Aber für Wicherns Lebensarbeit war es der Keim, aus dem die gairze Fülle einer die gesamte Not umspannenden Rettungsarbeit „der inneren Mission", sich entfalten sollte. Zunächst ein neuer Stand von durch Erziehungsarbeit erzogenen Berufsarbeitern der praktischen Hilfe, der ihm ganz natürlich aus dem Bedürfnis seines Familiensystems erwuchs. Ganze Scharen seiner Brüder hat er hinaus- gesandt als Hausväter in Rettungshäusern, Herbergen, Arbeiter- tolonien, als Gesängnisaufseher und Kolonistenprediger. Bald macht sich sein Einflltß in ganz Deutschland geltend, der König Friedrich Wilhelm IV. wird auf ihn aufmerksam und bedient sich seines Rates und feiner Hilfe. Die entscheidende Stunde für ihn wird der Kirchentag zu Wittenberg im Jahre 1848, wo er mit seinem gewaltigen Worte, die am Grabe Luthers versammelte Schar der besten evangelischen Männer Deutschlands ausrief und sortriß zur helfenden Tat, zur Organisation der rettenden Liebe. Auf jene Stunde, auf die im Auftrag jener Versammlung geschriebene Denkschrift über „hie innere Mission der deutschen evang. Kirche", die er bezeichnender Weise an „die deutsche Nation" richtete, auf die gewaltige Tätigkeit, die er seitdem unermüdlich durch zwanzig Jahre hindurch in Wort und Schrift, in Versammlungen und durch seine „Fliegenden Blätter aus dem Rauhen Hause" entfaltete, geht im Grunde fast alles zurück, was wir heute an Betätigung sozialen Pflichtgefühls in organisierter Hilssarbeck barmherziger Liebe unter uns haben. Es ist geradezu ein Strom von gesellschastsbildender Kraft von chm ausgegangen. Aber Nicht um diese oder jene einzelne Organisation ist es chm zu tun. Vor seiner Seele steht die sittliche und religiöse Wiedergeburt des ganzen deutschen Volkes. Dieses Ziel hat er freilich nicht erreicht. Es ist auch durch feine einzelne noch so weit gespannte Aktion zu erreichen. Es ist aber sein Verdienst, es dem deutschen Volke gezeigt und eingeprägt und es dafür auf den Weg hofsnungsmutiger Glaubensarbeit gewiesen zu haben. Daß Wichern gerade an seinem höchsten Ziele scheiterte, ja daß tr, einer der Größten des 19. Jahrhunderts, so wenig populär geworden ist, hat die religiöse Gleic^ültigkeit und Verständnislosigkeit des liberalen Bürgertums in jener Zeit verschuldet. Seine Führer sahen in ihm nur ein Werkzeug der politischen Reaktion. iJn ber Tat waren Versuche gemacht worden, ihn, zur Durchführung eines großen Versöhnungswerkes in politischem Sinne Hu gewinnen. Er hat sich dem aber bestimmt entzogen. Allerdings wurde er 1857 als SNitglied des Oberkirchenrats und als Vortragender Rat im Ministerium nach Berlin berufen. Das galt aber lediglich seiner bahnbrechenden Arbeit für Gefängnisreform und Armenwesen. Er hat sich darin unvergängliche Verdienste erworben, u. a. durch seine Wirksamkeit für die Einführung der Einzelhaft und Hebung des Personals der Gesangen- )dörter, zu welchen u. a. auch Brüder des Rauh?n Hauses berufen wurden. So trefflich aber auch deren Wirksamkeit nach dem Urteil berufenster Zeugen war, wurde gerade das verhängnisvoll. Ein unglücklicher Vorfall gab Wieherns Gegnern den Anlaß, einen Sturm im Abgeordnetenhause und in der Presse zu erregen, der dauernd Wicherns Bild in den weiteren Volkskreisen entstellte und dann verlöschen ließ.
Es ist Zech, daß er aus der Verdunkelung wieder auftaucht. Denn Wichern ist der Mann, der wie keiner vor ihm in Deutschland, den sozialen Gedanken in Staat und Kirche und in der Gesellschaft Überhaupt zur Geltung gebracht hat, den Gedanken: der Einzelne ist ein Glied des Ganzen, die Gesamtheit ist dem Einzelnen gegenüber verpflichtet. So allein können die großen Fragen der Not gelöst werden. Dem Staat hat er die Aufgabe gestellt, den Sinkenden und Schwachen zu helfen. Daraus ist unsere ganze soziale Gesetzgebung erwachsen. Der Kirche hat er den sozialen Hilfsgedanken eingeprägt, sie aus dem einseitig lehrhaften Element herausgehoben, die Aufgabe des Pfarrstandes umgestaltet. Das größte aber ist er selbst: Dies Herz voll Liebe und Erbamrung, der Mensch, der sein Glück darin gesehen hat, anderen zu helsep, und davon einen Hauch 'inserem ganzen Volke eingehaucht hat.
Pfarrer D. Schlosser dankte dem Redner für seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen, und sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß ihm auch mit ber Tat gedankt werden möchte, mit einer neuen Belebung des sozialen Verantwortlichkeitsgefühls und mit größerer Bereitwilligkeit zur persönlichen Mitarbeit an den großen Aufgaben, die uns Wichern gestellt hat. Zugleich lud er zu dem am nächsten Sonntag, den 10. Mai, in Steins Garten stattfindenden Familienabend ein, hei dem Herr Konsistorialrat D. Mahling aus Frankfurt, der Mitherausgeber der Schriften Wicherns, reden werde. S.
Aus Stadt rind Land.
Gießen, 4. Mai 1908.
Born städtischen Voranschlag.
III.
Für öffentliche Feierlichkeiten waren vergangenes Jahr 11 000 Mk. vorgesehen gewesen, darunter 10 000 Mk. für die Universitätsseier. In diesem Jahre wurden mit Rücksicht auf das fällige Jugendfest und den zu ermattenden Kaiserbesuch 2500 Alk. vorgesehen.
Für gemeinnützige Zwecke erhöht sich der Voranschlag von 15 274,40 auf 17 294,40 Mk. Während der Zuschuß zu dem Theater wiederum mit 3000 Mk. bemessen wurde, sind für den Omnibus 2000 Mk. Zuschuß mehr eingestellt worden (im ganzen jetzt 9000 Mk.).
Für die St raßen Unterhaltung sieht der Voranschlag 95 015 Mk. gegen 94 600 Mk. vor. Es ist dabei zu beachten, daß im vorigen Jahre im Betriebsetat 28 800 Mk. für Neupflasterungen u. s. w. enthalten waren, dagegen in diesem Jahre aber nicht, da die betreffenden Beträge sämtlich im Vermögensetat erscheinen. Somit sind die <ür die eigentliche laufende Straßenunlerhaltung bestimmten Beträge mit rund 29 000 Bit. mehr angesetzt als früher, em Vorgehen, das im Interesse des guten Straßenzustandes nur zu begrüßen ist»
Auch die Ausgaben für die eigentliche Straßenreinigung sind etwas höher angesetzt als im Vorjahre. Der vorgesehene geringere Betrag (67 050 Mk. gegen 69 750 Mk.) erklärt sich daraus, daß vergangenes Jahr für die Aufstellung eines Bedürfnishäuschens Ecke der Neustadt und der Bahnhofstraße 4500 Mk. eingestellt waren.
Die Straßenbeleuchtung wird 2000Mk. mehr erfordern und ist jetzt mit 41 000 Mk. vorgesehen.
Die für die öffentlichen Anlagen aufzuwendenden Beträge sind nut 19 890 Mk. stall mit 17 355 Mk. im Vorjahre vorgesehen. Der Mehrbedarf erklärt sich auf den um 3400 Alk. erhöhten Aufwendungen für die Unterhaltung der Anlagen. Für Bänke sind diesesmal 500 Mk. vorgesehen, während eS im vorigen Jahre 1500 Mk. waren.
Tie Bachunter Haltung erfordert 1500 Mk. mehr, die ’ür die Beseitigung der Uferbrüche am Unterwassergraben des Elektrizitätswerkes erforderlich sind.
Der Titel „Kanäle" hat durch die Einsetzung der Kanalgebühren in ihrer vollen Höhe eine vollständige Umgestaltung erfahren. Sie sind mit 150 000 (50 000) Alk. in Einnahme gestellt, während aus den Gemeindesteuern 50 000 Alk. Zuschuß geleistet werden soll. Für die Unterhaltung und Reinigung des KanalnetzeS sind 18 000 (16 000)Mk. vorgesehen, für den Betrieb der Kläranlage wiederum 11000 Alk., während für Befoldungen wiederum 4140 Alk. eingestellt sind. Für die Verzinsung des auf 3 470 000 Mk. vercm- .chlagten Anlagekapitals sind 127 500 Alk. nötig, während für 'Schuldentilgung 34 133 Mk. vorgesehen sind.
Die Pumpstation an der West-Anlage und das Filial- a r b e i t s h a u s sind m Wegfall gekommen.
Tie Aufwendungen für F eu e r l ö s ch z w e ck e wurden von 4460 Alk. auf 5200 Alk. erhöht, während die aus der Landes-Brand- versicherungskasse gewährte Vergütung von 13 000 Mk. auf 14 000 Mk. stieg.
*
•• Das Neichsvereinsgesctz. In Heidelberg sand gestern auf bayerische Einladung hin eine Besprechung der
Minister der süddeutschen Staaten statt, m der über den Erlaß einheitlicher Ausführungsbestimmungen zum Reichsvereinsgesetz beraten wurde.
• • Für Spaziergänger. Da die 9(rbeiten auf den Militärschießständen beendet sind, wurde auf Ansuchen der Bürgermeisterei widerruflich die Hauptschneise, die durch den Schießstandswald an der Wache vorbei über die Oberhessische Bahn die Reiskirchener mit der Licher Straße verbindet, an den Sonn- und Feiertagen dem Verkehr für Fußgänger frei gegeben und zwar in den Monaten Mai bis Oktober von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends und November bis April von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Das Betreten der Schießstände selbst bleibt verboten. Den diesbezügl. Weisungen des Postens und der Patrouillen ist unbedingt Folge zu leisten.
-Licht-Luftbad. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, findet heute, 4. Mai, abends 8y2 Uhr, im Hotel Einhorn eine Versammlung statt, in der die Gründung eines Licht-Luftbades besprochen werden soll.
** Verein gegen ben Mißbrauch geistiger Getränke. Auf ben heute abend 8Vi Uhr im Hotel Einhorn statt- finbenben öffentlichen Vortrag des Direktors Tr. Dietz über Trinkerfürsorge unb bie sich anschließende Haupt-Versammlung des Vereins sei hier wiederholt aufmerlfam gemacht. Bei ber Wichtigkeit ber Verhandlungsg egcnstanbe bars ein zahlreicher Besuch erwartet werben. Jeder mann ist freundlich eingelaöen unb willlvturnen, (siehe auch Anzeigentell.)
• • Behaftet wurde gestern ein Italiener, der am 1. I. Mts. einem seiner Landsleute ohne jeglichem Grund einen Messerstich in die Brust versetzte unb sich seitdem verborgen hielt. — Der Arbeiter, der seinem eigenen Bruder unter erschwerenden Umständen vor einigen Tagen 85 Mark entwendete, wurde ebenfalls festgenommen. Den größten Teil des Geldes hatte er bereits verjubelt.
• • Gestohlen: In der Nacht vom 2. auf 3. I. Mts. wurde an einer Wirtschaft in der Walltorstraße ein Fahr- rad gestohlen, während der Eigentümer in dem Lokal ein Glas Bier trank. In gleicher Nacht wurden aus einem Keller in der Alieestraße mehrere Flaschen Wein mittelst Einsteigens entwendet.
"Schlägerei. In der Frankfurter Straße kam es gestern abend zwischen jungen Leuten zu einer Keilerei, wobei es blutige Köpfe gab. Die Polizei stellte die Teilnehmer fest und die Sache wird ein gerichtliches Nachspiel haben.
* * Zur Rothschild-Affäre. Hofrat Rothschild wurde heute durch einen Oberregierungsrat vom Ministerium m Darmstadt im Provinzial-Arresthaus einem Verhör unterzogen. Hofrat Rothschild wird sich wahrscheinlich schon vor dem nächsten Schwurgericht für seine Taten zu verantworten haben.
- b- Li ch, 3. Mai. Wegen des Ende Juni hier stattfindenden Gauturnfestes lassen viele Hausbesitzer ihre Wohnhäuser neu verputzen. An dem Hause des Kaufmanns H. Vogt am Marktplatz fand man eine 250 Jahre alte Haus- fassade, die mit ihren noch gut erhaltenen kunstvollen Holzschnitzereien und Inschriften würdig ist, den besten unter Denkmalschutz stehenden Häusern an die Seite gestellt zu werden. Die Inschrift, soweit sie bis jetzt leserlich ist, laufet: Tausend und Sechshundert mit noch 66 Jahren, ward am 5. Heumondstage in dem Jahre wie vorgemelt nach Geburt des Herrn Christi beinah fast verflossen waren zu des Bauherrn vielem Nutzen dies Gebäu hie hergestellt. So wünschte G. P. Textor. Außerdem befindet sich noch ein Bibelspruch daran, der erst nach vollständiger Reinigung leserlich werden dürfte.
— Grünberg, 4. Mai. Der „Nationale Wahlverein für Grünberg und Umgegend" hatte für gestern zu einer Vertrau ensmännerversammlung ans dem Landtagswahlkreis Grünberg eingeladen, um zu den kommenden Land tags wählen Stellung zu nehmen. Von den 33 Orten des Wahlkreises waren 26 durch 54 Vertrauensmänner vertreten, während aus den anderen Orten Entschuldigungsschreiben eingegangen waren. Nach kurzer Aussprache wurde Bürgermeister Lang aus Odenhausen einstimmig als Kandidat aufgestellt nachdem zahlreiche Vertreter aus den verschiedensten Gegenden deS Wahlkreises für dessen Kandidatur warm eingetreten waren. Bürgermeister Lang dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und erklärte sich zur Annahme der Kandidatur bereit.
w. Bad Nauheim, 4. Mai. (Tel.) Tie Herzogin- Mu 11 e r v o n A n h a 11 ist mit Gefolge hiev zur SVur eingetroffen.
+ Angersbach, 3. Mai. Nachdem die letzte Rechnung der Gemeindekrankenversicherung mit einem Defizit von 600 Mark abschloß hat der Gemeinderat die Erhöhung ber Mitgliederbeiträge von 2 auf 21/2% des ortsüblichen Tagelohns mit Wirkung vom 1. April er. beschlossen.
0 ©ungenau, 2. Mai. Als Nachfolger des von hier nach Lindenstruth versetzten Lehrers Hahn wurde Schulverwalter Hille von dort bestellt.
X Radmühl, 2. Mai. In Kürze findet hier Bür g er - meisterwaht statt. Es ist zu erwarten, daß der jetzige Bürgermeister Frank zum dritten mal gewählt wird.
D a r m st a d t, 2. Mai. Die Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Hessen hielt heute ihre achte Versammlung ab. Amtsgerichtsrat Almenröder- Franksurt a. Main lyicli einen Vortrag über bas Thema „Wünsche und Erfahrungen bei der Ausführung des Fürsorgeerziehungsgesetzes und beffen Beziehungen zum Jugenb- gerichi". An ber Diskussion beteiligte sich auch Staats Minister Ewald, ber erklärte, baß für die Einführung von Jugendgerichtshöfen in Hessen zurzeit kein Bedürfnis vor- liege, da bie Anzahl ber in Betracht kommenden Fälle zu gering sei, doch werbe bei ber in Aussicht genommenen neuen Geschäftseinteilung eine befonbere Behanblung der jugendlichen Straftaten in Aussicht genommen werden. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die Bereinigung begrüßt es mit Freuden, baß auch im Großherzogtum Hessen der Gebancke einer engen organisatorischen Verbindung zwischen Strafrechtspflege unb Fürsorge für Jugendliche Verwirklichung finden soll. Sie beauftragt den Vorsianb, die Entwicklung dieser Einrichtung zu verfolgen, in ben Versammlungen barüber regelmäßig Bericht zu erstatten und nach .streiften für bie etwa mögliche unb wünschenswerte Unter stütz- und ber hierbei so wichtigen Fürsorge tätig zu werben. Dazu gehört z. B. die Gewinnung von Hilfskräften, Förderung ber Idee burch Vorträge, Sammlung von Nachrichten, Feststellung! ber im Großherzogtum Hessen vorhanbenen Fürsorgevereine unb Pfleger unb Mitteilung dieser Namen nn bie Vormunbschafts- ridjter."
Aus ber Rhön, 1. Mai. Schloß Bieberstein, die Wartburg der westlichen Röön, 506,6 Meter hoch, auf einem beivaldeteen Berge gelegen, ist freute niedergebrannt. Das Schloß wurde 1150 vom Fürftabt Aiarquard zum Schutze gegen die Milfeburger Raubritter erbaut, es entging trotz harter Be-i
drangung im Bauern- und dreißigjährigen Kriege der Zerstörung. In i-essischen Zeiten war es Amtssitz bis 1830, bann stand es leer und kam 1872 in Privatbesitz. Im Jahre 1903 kaufte es Tr. H. Litz unb richtete es für bie höheren Klassen seiner deutschen Landeserziehungsheime ein. Kurz vor drei Uhr nachmittags brach heute der Brand aus. Tie etwa 70 Zöglinge des Heims waren teils beurlaubt, teils auf dem Felde. Es war nichts mefrr zu retten, da Wassermangel herrschte unb nur ein 60 Meter tiefer Ziehbrunnen, einer ber tiefsten in Teutschland, zur Verfügung staub. Die Feuerwehren von Langenbieber und Kleinfasfen mußten sich barauf beschränken, die angrenzenden Wirt- schastsgebäube zu sckstitzen. Ter Besitzer war in Haubinda und mußte telegraphisch gerufen werden. Den Zöglingen ist fast alles verbrannt; einzehre liefen nur notdürftig bekleidet, herum. Sic sind im Biebertalhotel in Langenbieber notdürftig nntergebracht. Man verntutel, daß durch die Hantierung mit einer ÄKlampe durch einen Schüler der Brand ausgebvochen ist.
[] Marburg, 3. Mai. Die städtischen Steuern für 1908 sind auf x24 °/0 Zuschläge zur Einkommensteuer (einschl. 25 % Kreis- und BeztrkSsteuern) und 155 % Zuschläge zu den Realsteuern festgesetzt.
Mchlich-sozialer Longieh.
S. u. H. Bielefeld, 30. April.
In feiner Schlußsitzung beschäftigte sich der kirchlich-soziale Kvngreß zunächst mit dem Thema: Theosophie und Spiritismus. Der Referent, Frhr. v. Schmitz-Hoffmann gab einen geschichtlichen Abriß des Eiitdringens der Theosophie in Deutschland, indem er zugleich die einzelnen Partien des Systems der Theosophie charakterisierte. — lieber ein christlich-nationales Seminar zur Ausbildung von Arbeiter- fefretären referierten Lie. M uutm - Berlin unb Gewerkschaftssekretär Wa 11baum-Bethel, unter Vorlegung folgender Leitsätze : ,Tas starke Anwachjen ber christlich-nationalen Arbeiterbewegung besonders in ben Jahren 1904—1907 machte den Mangel an Anstellungsfähigen unb in ber agitatorischen Kleinarbeit erfahrenen Kräften bemerkbar. Deswegen, sowie in Hinblick aus bie erfolgreiche Agitationsarbeit ber Sozialdemokratie war die Bildung von sozialen Ausbilbungskursen ein dankenswertes Unternehmen des Gefamtverbandes evangelischer Arbeitervereine. Die bisher in Berlin, Frankfurt, Dresden und Hannover abgehaltenen Kurse haben fruchtbringend gewirkt; sind aber reformbedürftig. Ter Charakter ber Kurse als Wanderkurse bringt Leiter und Dozenten um bie Möglichkeit, an begangenen Fehlem zu leiten unh erschwert eine systematische Grundlegung. Die Stoffdarbietung muß eine möglichst einheitliche Tendenz aufweifen und in mehr gemeinverständlicher Form erfolgen. Die Kurse müssen wirtschaftlichen Charakter tragen, indes darf keine zu große Belastung mit Theorien unb Problemen, bie von vielen nicht verstanden werden, statcsinden, vielmehr ist Ausbildung für die praktische Arbeit: Vortragstechnik, Diskutieren, Tisponieren, Agitation, Vereins- und Veriammlungstechnik erwünscht. Ohne Vorkenntnisse solle keiner zum Kurse zitgelassen werden. Angestellte, Sekretäre und solche, welche in einem örtlichen Unterrichtsturfe, ober in leitenden Aerntern ber christlichen Gewerkschaften unb evangelischen Arbeitervereine ben Befähigungsnachweis erbringen, dürfen Teilnehmer eines ständigen 6—8 wöchigen Ausbilbungskurses sein. Für die A B C- Schützen der Voltswirtsck)aft fmb örtliche, möglichst von Arbeiter- unb Gewerkfcyaftsfekretären geleitete Unterrichlskurse einzurichten. Es sind die Vorschulen für bie, ständigen Kurse und die ziehungsanstalt für die jeder großen Bewegung fehlenden Kräfte für die Kleinarbeit. Der Gesamtverband ev. Arbeitervereine, die F-reie kirchlich-ioziale Konferenz unb andere befreundete Or- gauifatiouen Müssen an diesen ^lusgaben gemeinsam arbeiten. Solche Ausbildungskurse sind unentbehrlich, nicht nur für Arbeiter- unt Gewerkvereine, fonbern auch für andere Gesiimungsverbände, tote bie Ev. Jünglingsvereine, die zwar nicht in die sozialen Kämpfe eingreifen sollen, aber ihre jungen Mitglieder sozial schulen müssen." lieber bie religiös-sittlichen Aufgaben der Presst sprach Pa>'tor S che ff e n-BerliP.
Ten Abschluß ber Tagung bildete eine Evangelisationsver- fannnlung, die abends in der Volkshalle statcsanb und von 1500 Personen besucht war. Freiherr v. Schmitz-Hoffmann unb P. Waubke-Bieleselb hielten evangelisa.lvr.isch. Ansprachen. Mit einem Schlußgebet des Pastor G. von Bodelschwingh fand der Kvngreß bann sein Qntbe.
Märkte.
ic. Frankfurt a. M., 4. SJIai. (Orig.-Telegr. des „Gießen Anz/') Amtliche Notierungen ber heutigen Fruchtmarktpreise Ltzetzen Alk. 21.50—21.75, Kurhessischer Alk. 20.25-21.00, La Plata Alk. 22.50—00.00, Kansas Alk. 00.00—00.00, loggen (hiesiger) Mk. 19.25—19.50 Gerste (Wetterauer) Mk. 20.75—21.75, Franlen- selber Alk. 21.75—22.75, Hafer 16.50—17.50, MatS Alk. 16.25—00.00. Weizenmehl Mk. 29.50—30.00, 00—00, 2. Qualität Alk. 28.50 bis Mk. 29.00, 3. Qualität Mk. 27.00—27.50, Roggenmchl o
Mk. 29.75—30.00,1.Qualität Alk. 28.75—29.00, Werzenkleie Alk. 11.51' dis Alk. 11.75, Roggenkleie All. 13.25—13.50, Mcuskenne Alk. 13.00 bis Mk. 13.25,' Franken, Pfälzer, "Ried Mt. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab frier-.
1c. Frankfurt a. M., 4.Mai. (Telegr. Orig.-Bericht des v®ie6 Anz."). Amtl. Notierungen der freuugen Viehmarktpreif e. Zum Verkaufe stauben: 610'Ochsen, 81 aus Oesterreich, 59 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 1045 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 aus Dänemark, 208 Kälber, 244 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 00 Ziegen, 2047 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgeivicht: Ochsen 1. Qualität 74—78 Alk. 2. Qual 66—68 Alk., 3. Quäl. 55—58Mk.; Bullen 1. Qual. 64 bti 67 Mk., 2. Quall 58—60 Alk.; Kühe 1. Qual. 66—68 Alk., 2. Qual. 60—62 Mk., 3. Qual. 38-40 Mk, 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual 00—00 Alk. Kälber: 1. Qual.98—100 Psg., Lebendgewicht 58-60 Ps.< 2. Qual. 82—88 Pfg., Lebendgewicht 46—52 Pfg., Schlacht- gewicht 68—72 Pfg. Schafe: 1. Qual. 80—82, 2. Qual. 74—76 Pfg, 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 61—62 Pfg., Lebdgeiv. 48,0—00,0 Psg., 2. Qu. 60-00,0 Pfg., Lebeudgew. 48,0—00 Pfg., 3. Qual. 52—56 Pfg. Lebeudgew. 00 Pig. Geichäft bei Hornvieh gedrückt, Ueberftauö erheblich; bei Klemmet): Kälbern und Schafei. gut, kein Ueberstand; bei Schweinen gedrückt, Ucber|ianb erheblich.
Griginal-Drahtmewungen.
Nürnberg, 4. Nlai. Die gestern frier stattgehabte Landesversammlung ber deutschen Volkspartei in Bayern war außerordentlich zahlreich besucht. Mit über hundert gegen zwölf Stimmen wurde eine scharfe Resolution gegen den Sprachen-Paragraphen des Vereinsgesetzes angenommen.
Dort m und, 4. Mai. Freifrau von Rüxleben, die auf Schloß Buttenberg ihren Gatten erschoß und sich dann selbst schwer verwundete, ist in der Nacht gestorben. Die Untersuchung hat ergeben, daß Freifrau von Rüxleben ihren Plan, den Gatten zu ermorden, schon vor einiger Zeit gefaßt hat und in allen Einzelheiten genau ausgedacht hat.
Mailand, 4. Alai. Tie Fenster eines Eisenbahnwagens, in dem sich diePrinzen von Cumberland befanden, wurden unweit der Station Pescart bet Verona durch Stetnwürse z e r t r ü m m e r t. Tie Prinzen biteben unverletzt.
Kleine Tageschronik.
In Stuttgart wurde ivährenb des Aufzuges ber Wach- Parade auf Dem belebten Schloßplatz eine Knabe von einem La st" automobil ber Daimler-Motorengesellschaft tot gefahren.
Tie Rostocker Staatsanwaltschaft hat eine Anllage gegen die Möcktenb. Voltszlg. eingelciiei. Redakteur Franke wirb beschuldigt, kirchliche Einrichtungen beschimpft zu haben.
In Breslau erschien am 2. b. M. in der Redaktion der soziatbem. „Volkswacht" ein Kriminatinspektor mit zwei Krtz mmalkommifsaren, um Haussuchung vorzmtehmeii, bie 2 stunden bauerte und lich auf alle; im dep Rrebaktivn befindlichen Gegenstände
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