Dienstag 4. Kebrrrar 1908
landwirtschaftliche Kreise bestimmt.
A. 2. anmutige Nacherzählungen
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und anregend geschriebene Schild Oberhessen aus ihrer Mtli>
teils ausschließlich für Sie betrafen:
A. 1. unterhaltsam derungen geborener tärze it;
von ober-'
hexischen S ch w ä n k e n und Sagen.
B. 1. Wie wirkt ein, wie wirken zwei, wiedrers
Aus SLcsdS un- LanS.
Gießen, 4. Februar 1908.
Unser erstes Preisausschreiben.
Vor dem Lörihnachtsfesle haben wir unser erste? Preisausschreiben zur Förderung des geistigen LebcnS auf dem Lande erlassen. Die Aufgaben rmsereS Wettbewerbs, die wir unseren Lesern unterbreiteten, waren teils allgeiiieiner Natur,
Resolution nicht zulassen werde.
Auch im Gemeinderat der Stadt Paris brachte der Konservative Rendu eine Resolution ein, worin der portugiesischen Königsfamilie Teilnahme ausgesprochen wird. Der Vorsitzende verweigerte jedoch das Wort zur Begründung dieser Resolution. Die äußerste Linke ries: „Wir senden den portugiesischen Republikanern unsere Grüß e." Um dem Zwischenfall ein Ende zu machen, erklärte der Vorsitzende, daß er schon im Namen der Stadt Paris, deren Gäste die portugiesische Königssamilie gewesen sei, der Königin-Witwe Amalie und dem König Manuel das Beileid ausgedrückt habe.
Der kifiaboner Königsmorö.
Alle Staatsoberhäupter und Parlamente haben der \ schwergeprüften portugiesischen Königsfamilie ihr Beileid < ausgesprochen und in der ganzen gesitteten Welt kommt j die Abscheu über diese Bluttat zum Ausdruck. Mag König Karl von Portugal auch insofern nicht ganz ohne Schuld ' sein, als er seinem ersten Ratgeber, dem rücksichtslosen Franco, allzusehr vertraut hat, und mag er auch darin nicht ganz korrekt gehandelt haben, daß er bei Regelung seiner zerrütteten Finanzverhältnisse nicht den durch die Verfassung vorgeschricbcnen Weg eingehakten hat, so kann das alles doch noch niemals ein solches Verbrechen rechtfertigen. Die Hauptschuld trifft freilich Franco, der es unterlassen hat, den König von der wahren Stimmung in der Bevölkerung und von der der königlichen Familie drohenden Gefahr zu unterrichten. Die Empörung gegen Franco ist denn auch jetzt im Lande sehr groß und es sind bereits Angriffe aus seine Wohnung gemacht worden, wobei es zu lebhaftem Gewehrfeuer zwischen den Angreifern und der Polizei gekommen ist und 15 Personen getötet worden sind. Dem wruen von Admiral Ferreira do Amaral gebildeten Kabinett wird Franco nicht mehr angehören, und es heißt, daß Franco gestern bereits Portugal verlassen habe.
Neben Franco wird noch einer zweiten Persönlichkeit die Schuld an den blutigen Ereignissen des Samtags zugeschrieben, dem Oberhofmarschall des königlichen Hofes. Wie sich jetzt herausstellt, ist das Gelingen des Attentates auf den König und den Kronprinzen aus e i n V e r - säumnis des O b e r h o f m a r s ch a lls zurückzuführen. Kurz nämlich, bevor das Königspaar die Fahrt nach Lissabon antreten sollte, erhielt der Oberhofmarschall von dem Chef der Lissaboner Polizei die Mitteilung, daß eine weitverzweigte Verschwörung bestehe, die gegen das Leben des Königspaares gerichtet sei, und daß die Ausführung eines Attentates bei der Rückkehr des Königspaares nach der Hauptstadt geplant sei. Der Oberhofmarschall aber unterließ es, den König von dieser Mitteilung der Polizei in Kenntnis zu setzen. Die Polizei hatte keine Maßregeln zum Schutze der königlichen Familie getroffen, und so war es möglich, daß eine große Zahl von Verschwörern in den Straßen dem König auflauern und auf ihn in aller Form ein Gewehrfeuer eröffnen konnte. Der Oberhofmarschall hat gleich nach dem Attentate Selbstmord verübt, weil er sich eine Schuld an dem Tode des Königs und des Kronprinzen beimaß.
Wer eigentlich die Mörder gewesen sind, darüber scheint bisher noch nichts ermittelt worden zu sein. Nach der „Voss. Ztg." haben nämlich die drei in Lissabon verhafteten angeblichen Königsmörder höchstwahrscheinlich mit dem Morde nichts zu tun. Es sind ein italienischer Musiker des Opernorchesters, ein eleganter junger Mann, der entrüstet seine Unschuld beteuert, und ein Zeitungsberichterstatter, der beruflich bei der Ankunft des Königs anwesend war.
Bei der durch das Attentat hervorgerufenen Verwirrung sollen 12 Personen erschossen worden sein. Ob die Königsmörder darunter sind, weiß man noch nicht. Unter diesen Umständen schwirren die abenteuerlichsten Gerüchte durch das Land, und es wird u. a. gesagt, daß zwei portugiesische Regimenter im Verdacht seien, mit den Republikanerri in Verbindung zu stehen. Man sei einerVerschwörung auf der Spur, die den Zweck gehabt hätte, den König und den Thronerben auf ein Schiff zu bringen und außer Landes zu schaffen. Bewaffnete sollen auch versucht haben, zwei Kompagnien Infanterie zum Abfälle zu bewegen; diese hätten sic jedoch mit Schüssen zurückgewiesen. Der Thronprätendent Dom Miguel ist über den Königsmord empört und versichert, daß seine Anhänger absolut nichts mit dem Morde zu tun hätten. Er werde nichts unternehmen, was in Portugal irgendwelche Bewegung Hervorrufen könnte.
Alle aus Portugal nach Spanien kommenden Reisenden werden streng überwacht. Den Blättern zufolge kamen die Züge aus Portugal gestern ohne Reisende und Gepäck an. Bürgerwehr hält die Grenzstation Valencia de Alcantara besetzt. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist übrigens, um Mißverständnissen und irrtümlichen Folgerungen vorzubeugen, der Befehl erteilt worden, daß nur das Flaggschiff des jetzt in Vigo befindliche natlantischenGeschwaders, ein Kreuzer, nach Lissabon gehen soll, anstatt der ganzen englischen Flotte, die programmgemäß gestern im Tajo ankommen sollte.
Der Z e i t p u n k t für d e n Z u s a m m e n t r i t t der Cortes ist iwcb nicht festgesetzt. Admiral Ferreira do Amaral, der Direktor' des Marine-Arsenals, setzt seine Bemühungen, ein neues Kabinett zu bilden, fort. Nach einer Havasmeldung soll die voraussichtliche Zu- samnrensetzung des neuen Kabinetts folgende sein: Präsident ohne Portefeuille: Llömiral Ferreira do Amaral; Krieg: Mathias Mines; Justiz: Alpoim; Finanzen: Tercira Sonza; Inneres: Keiras; Auswärtiges: Wen- ceölao Linna; Oeffentliche Arbeiten: Jozö Azevodo; Marine : Antonio Cabral.
Wie berichtet wird, hatte der Kö ni g vor dem Verscheiden noch die Kraft zu flüstern: „Ist die Königin gerettet?" Die öffentliche Ausstellung,der Leichen des Königs in der Uniform eines Generalissimus und
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 3. Februar.
Der Militäretat.
Der Beginn der heutigen SiKUNg des Reichstags stand unter dem Eindruck des portugiesischen Königsmordes. Um die Kundgebung der deutschen Volksvertretung feierlicher und offizieller zu gestalten, war der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herr v. Schön, erschienen, der nach den Worien des Präsidenten den Saal verließ. Die Sozialdemokraten begnügten sich wie schon früher bei ähnlichem Anlaß nicht damit, der Kundgebung des Reichstags fern zu bleiben, sondern veranstalteten einen Auszug aus dem Saale. Dieses ungezogene Verhalten, für das es eine Rüge durch einen Ordnungsruf nicht gibt, entlockte einem Mitglied der Rechten einen kräftigen Pfuiruf.
Auf der Tagesordnung steht der Militäretat, zum ersten Male ohne den zu seiner Erholung von schwerer Krankheit im Süden weilenden Kriegsminrster. Auf der Bundcsrats- estrade drängten sich die Uniformen: aus der preußischen Seite der Chef des allgemeinen Kriegsdevartcments, Generalleutnant Sixt von Arnim, der Leiter der Geld- verpslegung der Truppen, Generalmajor vonValletdes Barres, Herr v. Lochow als Verwalter des Bekleb- dungswejens, und den Bleistift in der Hand, folgte den Reden Oberstleutnant Go l z, um dem Kriegsminister Bericht zu erstatten. Uno Bebel sprach; wie immer, redete er seine anderthalb Stunden. Auch der Kriegsminister hätte für
des Kronv zweiten L,. . ...
einem zu diesem Zwecke in eine Kupelle umgewandelten Saale beginnen. Die Beerdigung ist auf dennäch- sten Samstag festgesetzt.
Der Gesundheitszustand der Königin ist im Gegensatz zu den verbreiteten Gerüchten verhältnismäßig gut.
Tie Stadt Lissabon gewinnt allmählich ihr gewöhnliches Aussehen wieder. Die öffentlichen Gebäude und die Königlichen Schlösser werden unausgesetzt vom Militär und der Stadtgarde bewacht. Die von Franco verbotenen Zeitungen sind nicht wieder erschienen; die anderen Blätter enthalten sich seit dem Verbrechen jeder Betrachtung über Politik und beschränken sich daraus, ihren Abscheu über das schreckliche Attentat zum Ausdruck zu bringen.
Während man in der ganzen gesitteten Welt, wie eingangs ertvähnt, das Lissaboner Verbrechen nur mit Abscheu behandelt und dem jungen Könige und seiner Mutter das herzlichste Beileid nicht versagt, ist es allein dem ungarischen Abgeordnetenhause und den Sozialisten in Frankreich Vorbehalten geblieben, Beileidsbezeugungen ostentativ abzulehnen. Eme vom Präsidium des ungarischen Abgeordnetenhauses geplante Traucr- kundgebung anläßlich des Ereignisses in Portugal, mußte infolge des Betretens mehrerer Mitglieder der Kossuth- partei im letzten Augenblick unterbleiben. Bor Beginn der Sitzung erschien eine Deputation von Abgeordneteil bei dem Vizepräsidenten Navay, dem sie erklärte, daß sie einen eventuell beabsichtigten Nachruf für den portugiesischen König und den Kronprinzen oder eine Beileids kundgeb u n g nicht ohne Wider spruch lassen könnte, da der König von Pormgal verfassungswidrig regiert, und sogar die Bersas.ung suspendiert habe. Um etwaige peinliche Zwischenfälle zu vermeiden, unterblieb sodann die Beileidskundgebung.
In der gesirigen Sitzung der f r anz ö sis ch en K'a rn- mer gab die Erttärung über die Lissaboner Tragödie Anlaß zu einernZwischenfall. Der Minister des Auswärtigen Pichon hatte das Wort ergriffen, um der Portu- giesischen Regierung und der Königlichen Familie die Gefühle des Abscheus über das Attentat und das Beileid der Kammer auszudrücken, als plötzlich der sozialistische Abgeordnete Se m b a t den Minister mit den Worten unterbrach, das Attentat ist durch die Diktatur veranlaßt. Diese Worte ernteten zunächst den Beifall der äußersten Linken, riefen aber auf den übrigen Bänken scharfe Mißbilligung hervor. Der Minister des Auswärtigen Pichon fuhr fort indem er erklärte, es sei notwendig, daß die Kammer darin übereinstimme, das Lissaboner Attentat zu verdammen. Hierauf verlangte Sembat das Wort, was ihm von dem Kammerpräsidenten abgeschlagen wurde. Ter Präsident erklärte sehr erregt, es sei unzulässig, eim Verbrechenzuverherrlichen. Die Kammer applaudierte stürmisch, während ein Sozialist ruft: „es war nur ein Berufsunfall". Das Verhalten der Sozialisten wird in den Wandelgängen der Kammer sehr lebhaft diskutiert.
Mehrere sozialistische Deputierte, unter ihnen auch der sozialistisch-radikale Deputierte Magnaud, haben eine Resolution eingebracht, in der die Kammer dem portugiesischen Volke ihre republikanischen Sympathien und ihre Wünsche für die Herstellung eines RegimesderFreiheit ausdrückt. Man glaubt jedoch, daß Kammerpräsident Brisson eine Abstimmung über diese
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Paris, 3. Febr. General Dal st ein ist als Nachfolger Bompards zum französischen Botschafter in Petersburg auscrsehen.
London, 3. Febr. Aus Punta Arenas wird gemeldet, daß die a merikanische Flotte am Sonntag in die Meerenge von M a g e l l a n eingelaufen ist.
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Nr. 2V Erstes Matt 158. Jahrgang
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bis vormittags 10 Uhr. 6 ‘
chwächen zu wollen.
Eine neue Erscheinung in den Militärdebatten des Reichstages ist der bayerische Generalmajor z. D. Häusler, der in den Reihen des Zentrums sitzt und wie schon in der Kommission unter Berufung auf seine Erfahrungen für die zlveijährige Dienstzeit bei den reitenden Truppen cinirat Der Mckitärbevollmächiigte Generalmajor von Geb sattel, der Nachfolger des türzlich versiorbeuen Generals v. Endres, erwiderte ihm als Bayer und als Kavallerist. Was es außer diesem bajuvarrschen Duell noch gab, war eine gründliche Wiederholung der eingehenden Berl-andlungen der Brwgetwmmissiotl, als deren Nieder- chlag dem Plenum allein zum Gehaltstitel des Kriegs- minifters nicht weniger als 9 Resolutionen Vorlagen. Von den Parteien kamen noch die Konservativen und Nationalliberalen zum Worte, und wie es in der Natur der Sache lag, konnten die Herren von Bayern und Graf Oriola, abgesehen von der F-rage der Verkürzung der Dienstzeit, auch den Resolutionsforoeruilgen der anderen Parteier: in der Hauptsache zustimmen, die in früheren Jahren zum Teil die Unterschriften ihrer eigenen Fraktions,reunde tragen haben.
Stimmungsbild aus dem preusj. A^geotviMeiHass.
Berlin, 3. Februar.
Wie das Mädchen in der Fremde in einem Tal bei armen Hirten, erscheinen in jedem jungen Jahre bei der preußischen Etatsoebat.e laute Klagen üver das gewerbliche Unterrichtswesen. So auch wieder am Montag, wo der Handels- und Gewerbeetat in zweiter Lesung unter Dach georacht wurde. Au neuen Gesichtspunkten förderte die Debatte nicht überwältigend viel zutage; aus dem Gebiete des geioerblichen Forchitoungsschulwesens brachte der Freisinnige Hoss die alten Forderungen der Liberalen vor, die auch von anderen Parteien geteilt wurden: obligatorischer Fortbildungsschulunterricht, Tagesunterricht, l-aupmmtliche Be,chäi:igung der For.bildungsschullehrer usw. Mg. Dr. Müller-Berlin totes unter der Zustimmung des ganzen Hauses auf einen der Hauptmängel der Baugetoertschulen, die unzureichende kaufmännische Ausbildung der Schüler hin, aus die er auch die jüngsten Kalamitäten im Baugewerbe wenigstens teilweise zurück führte. Von freisinnigen Rednern tourve auch d:e Reform ves Kunstgewerbeschulwesens eindringlich gefordert, und der Minister zeigte scch wieder als modern denkender Staatsmann: Er prägte eine hübsche Sentenz, die vermutlich bald als ge- ftügeltes Wort dte 3tuni)e machen wird: „Mit Philistern! kann man das K'unstgelverbe nicht fördern 1" Und er betonte, daß die moderne Richtung, die ntanchen alten Zopf beseitigt habe, mit der Tradition gletchberechligt fein müsse. Eine Anschauung, die selbst der billigen wird, der mit dem Abg. Hammer die Auswüchse des „inodernen Stils", die Band-
tteich.
Berlin, 3. Febr. Wie die „Köln. Volksztg." aus sicherer Quelle erfährt, hat der Reichsschatzsekretär v. Stengel bereits sein Abschiedsgesuch ein-» gereicht. Die Genehmigung sei in den nächsten Tagen zu erwarten. Herr v. Stengel hoffe, schon in den nächsten Tagen Berlin verlassen zu können. Als Kandidat für den freiwerdenden Posten wird der Direktor der Dresdener Bank, Geheimer Obersinanzrat a. D. Waldemar Müller genannt Auch der Name des Frankfurter Oberbürgermeisters Adickes wurde von verschiedenen Seiten genannt
— Oberst v. Glasenapp, Kommandeur des 1.Seebataillons, übernimmt demnächst den Posten des Inspekteurs der Marineinfanterie.
Joachim Gehlsen 7. Der Herausgeber der eingegangenen „Deutschen Neichsglocke", Joachim Gehlsen, ist heute im Charlottenburger Krankenhause gestorben. Gehlsen gab zuletzt die „Stadtlateme" heraus und war im literarischen Niveau recht weit hinab gestiegen. Seine letzte beachtete Rolle spielte er im Beleidigungsprozeß des Fürsten Bülow gegen den Schriftsteller Brand, eine Rolle, um die ihn wohl niemand beneidet hat
Göttingen, 3. Febr. 300 südhannooverschec Tabakpflanzer und -Arbeiter protestierten in einer Versammlung gegen die Banderole st euer und forderte.n die progressive Einkommensteuer.


