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29.8.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. S03 Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag Ätt. August 1L>08

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blatt für den Xrrtt Sieben «A M W VW H Z M H B Z ö > H B D -Ä? EZ fl fl H « dtePost^A.'l.-viertel- ggWivDviivi aiijviyvi^g =« General-Anzeiger für Oberhessen MW LLoahmr von Anzeige« V i » II u.i!anbe unb(Scnd)t»-

ß «mnmagTiou^ Rotafionsbrwf und Verlag der Vrühpschen Untv.-Vuch. und Ztelndruckeret. R. Lange. Redaktion. Expedition und VruSerei: Schulstrahe 7. 8n!elgenie?l? H."BeL

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Apolitische Wochenschau.

Gießen, 29. August.

Mit Befriedigung dürfen die Blockparteien auf die neue Wendung der Dinge in der Schückin -Affäre blicken. Durch die Zurücknahme deS Zeugniszwangsverfahrens gegen die Fvankftrrtci: ^itung und durch die Beurlaubung des Regicrungs^ Präsidenten v. Dolega-Zwziewivski hat die Regierung gezeigt, bau sie den guten Willen Hal, die ganze Angelegenheit in ein ruhigeres Fahrivasser gleiten &u lassen. Sie läßt hierdurch gleichzeitig er­kennen, daß die Beleidigung des Liberalismus durch einzelne Re- gierungSvrgane durchaus nicht iljrcn Absichten entspricht. Es handelt sich bei dieser Angelegenheit also wirklich nur um miß­verstand licheic Uebevciser einiger Beamten, n.nd man muß eS an­erkennen, daß der Minister DkoltK nicht länger gezögert hat, solche Maßnahmen znrückzunehnicn, die geeignet waren, den Block frieden zu stören. Unverständlich bleibt eS trotzdem, daß so etwas geschehen konnte und daß cs> erst langer Erörterungen in der Presse bedurft hat, um die Regierung zum Eingrüsen zu veranlassen Unbegreiflich bleibt es rrotzalledem, daß ein so lwher Beamter, wie der Regicvungspräsident von Schleswig, nicht besser die In- tentioncn der Regierung verstanden hat. Oder sollte es wirklich wahr sein, daß Fürst Blilow wie einige boshafte Leute be- haupten keinen rechten Einfluß auf die ihm untergeordneten Instanzen hat? Man möchte cd nicht gern glauben, denn Disziplin hat doch von jeher nicht nur in unserem Heere geherrscht, sondern auch in der deutschen Beamtenschaft. Es handelt sich in dieseni und vielen ähnlichen Jollen also offenbar nur um Mißverständ­nisse, aber man darf nun doch wohl ernstlich erwarten, daß der artige Mißverständnisse sich nickst gar zu häufig wiederholen.

Sind solche Mißverstundnissc in der inneren Politik schon schlimm genug, so sind sie cs noch doppelt und dreifach in der auswärtigen. Wenn Mort ein Beamter die Absichten seiner Re­gierung nicht rrchtig anfgesaßt hat, so kann das natürlich von den unheilvollsten folgen sein. Der jüngst vcriwrbene Botschafter des Deutschen Reiches in Washington, Frhr. Speck v. Stern­burg, gehörte zu denjenigen Beamten, die cs glänzend verstanden haben, im Sinne der verantwortlichen Leiter der deutschen aus- ibärtigen Politik zu wirken. Sein Tod riß eine empfindliche Lücke, denn an hervorragenden Diplomaten haben wir leider keinen Ueberfluß. In unserer auswärtigen Politik sind gerade in den letzten Jahrzehnten Ungeschicklichkeit und Unverstand die Regel gewesen. Frhr. Speck v. Sternburg gehörte zu denjenigen Diplo­maten, die sich den gegebenen Verhältnissen ansgez^chnet anzu­passen vcrftanoen haben, unc aus ihnen «den möglichst größten Bor- teil für bad Deutsch Reich zu ziehen. Wenn er auch nicht "alles erreick-cn konnte, was man im Interesse der deutsch»amcrikanisck)en Beziehungen hätte wünschen dürfen, so muß mnn eS doch dankbar anerkennen, daß cs seiner Wirksamkeit gelungen ist, die politischen und kommerziellen Beziehungen zioischen beiden Ländern ganz bedeutend zu bessern. Wir würden vielleicht auch mit manchen uiberen Ländern besser shehen, loenn mir in ihnen durch ähnliche tüchtige jirästc vertreten waren.

Tie M a r o k k a s r a g e erscheint augenblicklich als ein rcr» HAtNismäfeiges einfaches Problem, aber wer vermöchte sich dem Wunsche zu verschließen, daß cs uns auch bei der '.Neuregelung der Dinge in Marokko nicht an klugen und geschickten Diplomaten fehlen möchte. Der bisherige Sultan von Marokko, Abdul Asis, ist in dem Ringen mit seinem Bruoer Muley Hasid unterlegen, und dieser wird, lucnn nicht außergelvöhnliche Hindernisse dazwischen treten, in Kürze der neue, von allen anerkannte Sultan von Marokko sein. Angenehm ist ben Franzosen die Niederlage des Sultans Abdul Asis gewiß nid)t. Sie waren- es vor allem, die ihn bisher auf jegliche Weise zu halten suchten, aber auch für jic Hal der Sieg Muley Hasids das gute, daß sie sich jetzt mit Shreir aus der unersreulichen und tostz'pieligen Marokkoaffäre derausziehcii können. Nicht ohne Bedeutung ist es, daß jetzt auch eine fmirzösische Beibmg, das Journal des Debats, schreibt, ) die Politik der Heißsporne in MarokK) Dorübcr sei und daß

ibnen nnrnnehr übrig bleibe, sich der veränderten Lage anzupassen. Und bann heißt es in dieser Zeitung weiter:WaS wir mti dem gesamten Europa ivünschen können, ist, daß auS ben gegen­wärtigen Ereignissen eine Regierung in Marokko her­vorgehen möge, die stark genug ist, daß wir von ihr die Ein­haltung ihrer Verpflichtungen und die Beobachmng der Vertrage erlangen können." In einem ähnlichen Sinne hat man sich in den letzten Tagen auch auf den Konferenzen der maßgebenden Persönlichkeiten Frankreichs und Spaniens ausgesprochen. In ^Jtarienbab ist in einer 2ludienz, die die Vertreter Rußlands und Frankreichs bei König Eduard hatten, Marokko ebenfalls Gegen­stand der Unterhaltung gewesen. Aller Voraussicht irach wird die Marokkofrage jetzt wiederum für geraume Zeit eines der Haupt- gesprächsthemen dcr pvlüischcn Welt bilden.

Auch in unserer inneren Politik wird cs nun bald wieder mehr Stoff yt politischen Betrachtungen gcoeii, denn daS, was der Bayerische Courier über die Steuerpläne der Regie­rung erfahren Hal, ist wohl der Erörterung wert. Nun wird sich wohl aud) bic Regierung nicht mehr länger sträuben können, ihre Pläne in vollem Umfange bekannt -u geben. Man wird dann auch erfahren, waS an dem Gerüchte von einer neuen umfang­reichen Militärvorlagc wahres ist. Die Geheimniskrämerei der Regierung bei der Reick^sfinairzresorm, an der die Allgemeinheit ooch in so hohem Maße interessiert ist, erneut nicht gerade freudige Gestihle. Sie verrät gar zu sehr den kleinlichen burcaukratischen Standpunkt, den Geist der Bevormundung, die künstlich heran­gezüchtete Neigung des prcußisch-'deutsckien Beamtentums, sich in allen Dingen über den gewöhnlichen Steuerzahler zu erheben. Man vermeint geradc-zu Aktenftubenlust zu riechen, wenn man die offiziöse Erklärung der Regiernirg liest, und ihre Gründe hört, warum sie es nicht für angebradxt hält, die Sleuerplane bekannt zu geben. Tie Erklärung zeigt Lebenssrentdhnt und Unkenntnis der berechtigten Wünsche des Publikums, das doch ein Recht hat, an wichtigen politischen Fragen des Landes teil zu nehmen. Die Klagen über Bevormundung durch die Bureaukratie sind alt und man horchte hoch auf, als dieser Tage bekannt wurde, wie sich der deutsche Krvnprmz über Bureaukratismus ausgesprochen hat:For^ mit all' dem überflüssigen Aktenkram!'Der Landrat darf nicht noch mehr, als schon bisl)er, an den grünen Tisch festgenagelt werden." Diese Worte hatte b,r Kronprinz auf ein Aktenstück geschrieben, das er bei feiner jetzigen Tätigkeit int Ministerium des Innern kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hatte. Die Randbemerkungen des Krvnpriitzcn lassen erkennen, daß ihm die Refvrmbedürftigkeit unserer deutschen Bureaukratie nicht entgangen ist. Groß ist die Hoffnung trotzdem nicht, daß der Einfluß des strottprinzen '.chott hinreichn werde, die Bitreaukratie aus ihrer Erstarrung plötzli<ck) los su lösen. Erst dieser Tage erfuhr man c5, daß die vorn Preußischen Landtage schon im vorigen Früh­jahre befürwortete Ncorganisation der inneren Verwaltung in Preußen vorläufig twch ein frommer Wunsch bleiben werde. Es solle später einmal ein Entwurf über eine Reorganisation dcr allgemeinen Landcsverivaltung aufgestellt werden. Die Refornc nehme so geraume Zeit in Anspruch, daß ein Entwurf erst nach monatelangen Prüfungen enttvorfen werden und dem Landtage in der nächsten Session also nicht mehr zugehcn könne. Es bleibt also auf lange hinaus alles beim ölten. Das Berliner Tageblatt zivcifclt boshafterweise sogar an der Fähigkeit der Durcaukratic, an sich selbst eine durchgreifende Refornrarbeit vor- zunehnren. Llber sie ist richtig, diese Sieform, und sie muß einmal tonunen. Daß sie bald komme, ist eine unabweisliche Fordermrz unserer Zeit. Vielleicht ist der Vorschlag gar nicht so Übel, daß man einmal ein paar geschickte Kaufleute in die Verwaltung setzen möchte. Die würden fd»n mit dem b-ormeltram aufraumen und unser ganzes Verwallungsleben mehr den tatsächlicheir Bedürf­nissen unserer Tage anpaffen. E. A.

Der Kaiier in Ltrahburg.

Gestern nachmittag trafen der Kaiser iinb die übrigen Fürst­lichletten in Straßburg ein. Auf dem Bahnhof sand großer militärischer Empfang patt. Nach der Begrützurtg der Fürstlich­keiten schritt der Kaiser die Front der Ehrenlompagnic des L Unter»

Elsässischen Jnfanterie Rcaimentö Nr. 132 ab, bic hieraus einat Vorbeimarsch auSsührtc. Darauf begann dcr E i n 3 u g b e r M^i - je [täten in bie Stabt, eröffnet vom Polizeipräsidenten. 4. ic Kaiserrn hatte mit der UYonbrinjcffin und der Prinzessin Ettel Friedrich im offenen Wagen Platz gciiommcn. Hutter bteient ritt der Kaiser m einer Reihe mit seinen vier Söhnen, zivcl zur Rechten, zwei zur Linken. Der Stauer trug die Uniform eines Geiteralfelbmarfcksalls, bie Prinzen die des 1. Garde-Rcgts. Eine Schwadron des 2. Rhein. Husaren-Regts. ^)!r. 9 geleitete die Majestäten. Tic Glocken läuteten, es wurde Salut geichosten. die StapcTlcn der Spalier bildenden Truppen setzten mit dem Präsentiermarsch ein und ein vreltausendköpsiges Publikum be­grüßte den Zug mit andauernden St'unbgcbungen, Die sich an der Tribüne, wo Bürgermeister und Gemcinderat zur Bewill- komninnng der Majestäten Aufstellung genommen hatten, zu einem ungeheuren Jubel steigerten. . .

Bürgermeister Dr. Schwandet trat, vom Kaiser mit einem Händedruck begrüßt, an bic Majestäten heran unb hielt folgende Ansprache:Bei dem feierlichen Einzug in diese Stadt, deren Name durck« eine Reilse von Ueberlicjcrungcit und durch unocr» gängliche Liedesschönheit in das Herz dcr Nation hinciiigeschrieben und hineingesungen ist, wollen Eure Kaiserliche Majestät hulb» voll den Gruß des Willkomms entgegennchmen, den die Ver­treter der Stadt in Ehrfurcht barbrntgen. Das Straßburg bet letzten Jahrzehnte genießt unter so vielen reichen und großen Städten, die im weiten deutschen Lande blühen, die hohe Aus­zeichnung, Jl)re Sttiiserlick)en Majestäten des öfteren auf ihrem Gebiet verweilen zu sehen. Alljährlich ziehen festliche Tage herauf, da unter Glockengeläut und Fahnenrauschen die Bürger sich aus den Straßen versammeln, um ihren Kaiser zu begrüßen, unb in ganz frischem Gedenken, besonders unserer Frauen, lebt noch das huldvolle und einbriugenbe Interesse, bai. Jlwe Majestät bic lKaiserin erst kürzlich ben Wohltätigkeitsanstalken bewiesen hat, deren Pflege uns so felyr am Herzen liegt. Heute, da Euro Kaiserlichen Majestäten aus besonderem und seltenem Anlatz in Straßburg einziehen, haben Rat und Bürgerschaft sich ^bemüht, der Stadt nach Kräften ein besonderes, hochgestimmtes Festkleid zu geben, und bie Anwesenheit Eurer Majestät als ein allgemeines Freudenfest zu begehen. Von uns, den erwählten Vertretern der Stadt sei in dankbarer ehrfürchtiger Liebe der Wunsch, beit alle hegen, ausgesprochen, daß Eure Kaiserlichen Majestäten im Umleeife unserer Manern Sttniden der Besricdigung verleben mögen, unb für uns selber, für bie Stadt unb ihr fernere# Schicksal der Wunsch und bic Bitte um Fortbaucr der Anteil­nahme, bie Eure Majestäten dem alten Straßburg und mehr noch dem neuen, der neuzeitlichen Entwicklung jubrihigeiiben Straßburg bisher bewiesen haben."

Auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters winkte der ST a x f c r diesen zu sich heran und dankte ihm mit herzlichen. Worten für ben herzlichen Empfang. Er sei außerordentlich erfreut, die Stadt so tunstlcrisch geschmückt zu sehen. Die Aus^- schmüaung sei sehr hübsch und habe ilM sehr gefallen. Er sei schon öfters in der Stadt gewesen, um das sagen ,,u tonnen., Er kenne daher auch die Bedürfnisse und Wünsche der Stadt, für deren Entwicklung er immer ein großes Interesse gcljabt1 habe. Das werde er ihr auch in Zukunft beweisen. Er habe schott in Metz daraus hingcwiesen, daß unsere Städte eine Figur bekämen, für die die alte Taille nicht mehr paßt. Es fei natürlich, daß das Streben der Städte dahin gehe, ihr Weichbild weiter unb umfangreicher zu gestalten. Er werde stets, gern bereit sein, in bicier Hinsicht auch für die Stadt Straßburg einzutreten. Damit reichte der Kaiser dein Bürgermeister zu einem kräftigen Händedruck die Hand.

Nach huldvoller Verabschiedung von dem Genieindcrat setzte,ich unter dem betäubenden Jubel der Menge, die Slops an Slops hinter dem Spalier der Garnison stand und fort unb fort die Begrüßung erneuerte, der Zug der Fürstlichketten nach dem Slaiser- Palast in Bewegung. Hier trafen bie Majestäten mit ihrer Begleitung kurz vor \>1 Uhr ein. Unmittelbar nach bem Ein-- treffen der Majestäten im Kaiser-Palast sand großer Zivilempsang statt. Zur Abendtafel bei Ihren Majestäten im Kaiser-Palast um 8 Uhr war eine Anzahl von Einladungen ergangen.

Der Kaiser beabsichtigt in Begleitung des Unterstaatssekretärs Zorn von Bulach eine Ä u t 0 m v b i l s a h r t f a ft durch daS ganze Elsaß von Zabern bis ans Ende des ober- elsässischen W e i n g e b i e t e s zu unternehmen. Der Kaiser hat auch ben Wunsch ausgesprochen, der Aufführung eines clsäss. Stückes in bem Elsässischen Theater beiLUwohnen.

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lUciitc» Feuilleton.

Der Kaiser als Regisseur. Am Berliner Opern­haus soll demnächst das alte BallettSardanapLl" in einer öniicmcrung gegeben werden, die beweisen soll, daß sich auch bekehrte der Bühne zu widmen ttnstandc sind. Schon feit Jahren schwebt dem Kaiser der Gedanke vor, das BallettSardanapal" auierstchen zu lassen mit einer historiscktzM Treue, wie sie vorher noch keinem anderen Bühnenstück 5uteil wurde. Als Vorbilder iur bic Inszenierung nahm sich der Nionarch die letzten assyrischen Funde und verschiedene Stücke aus fremden Museen, aus denen man Unterlagen für die slu£>|tattung und Kostümierung hat. Jiatb einer Aussprache mit Professor Friedrich 'Delitzsch entwarf der Kaiser persönlich den umgeänderten Plan der Aufführung, bei dem er insbesondere die letzten deutschen Ausgrabungen in Nmivc in Betraust zog. Jedoch bald [teilte sich heraus, da» es kolossale Schwierigkeiten bereitete, bic ätelicfy, die als *>orbubcr dienten, in plastische Formen zu bringen, in manchen galten schien dies überhaupt unmöglich. Darauflstn zog dcr Kaper roei terc Gelehrte zu Rate, und interessant, so werd aus Berlrn ge­schrieben, mar cd bei diesen Konferenzen, wie gut ftch der Stauer in dieser Sache informiert zeigte und mit welcher Phantane er^rch die Verkörperung der Vorgefundenen Zeichnungen uorstcllte. 6ur die Aufführung waren hinsichtlich der Oertlichkett bie Reliefs von Slchvrsobad unb stujundschick maßgebend, bic Szenerie ist in öieien Abbildern aus alter Zeit bis in die kleinsten Details uachgebttdet, so daß man fast von einer Darstellung lebender .ötiixr auö assyrischer Zeit sprechen kann. E i n W e r k des K aiier b 1 st auch der Entwurf der assyrnchen Schlachtwagen undBespannung derselben, wie er überhaupt, selbst bei otden Geriilgfügigkeitcn, zahlreiche Zeichnu n g e n J c l b Jt h et stellte unb schließlich auch zur Geltung bringen mutzte Der Kaiser bat weder Mühe noch Kosten geicheut, um die Auftührung ben Originalen möglichst nahe zu bringen, er liefe

Werke, sogar der auSländiichen Literatur, über das Dhema wmmen, zudem befahl er die Extraanfertigung des Mr Dekoration de^ Palastsaales nötigen Purpurstoneo mit as,hnschcn ^blenuA, wctt vergleichen in Deutschland nicht auijuttciben war. Den Proven zu diesem Ballett hat der Kaiser beige,vohnt, wobei er micbei -ahl reiche 'Jlenberungen vornehmen ließ, o jcnc n eutroar i uno Einlagen schuf. Daß es dem Kaiser daran liegt, sur diese Schöpfung das Urteil der Wnstler und Gelehrten zu yoren, liegt

auf der Hand. So hat denn der Monarch für die erste Vorstellung fast über den ganzen Raum doS Opernhauses verfügt und zahlreiche Einladungen zur erstmaligen Auftührung ergehen lassen, wobei auf bic bedeutendsten Gelehrten des Auslaiides hauptsächlich Rücksicht genommen wurde. Um von der mühevollen Arbeit, die der Kaiser mit seinen Beiräten vom Opernhaus und auch aus der Gelehrten­welt hinter sich hat, ein Andenken zu haben, sind die einzelnen Akte und Gruppen auf Wunsch des Kaisers photographiert wvrdcn. Diese Illustrationen werden zu einem Album vereinigt werden, das der Kaiser seinen Gästen am Erstauisü^rungstagc, 1. Sept., übergeben lassen wird. Hierzu bemerkt der B. B. T.:Wenn hier der Kaiser sichtlich in den Gang der Inszenierung einge- grifsen hat, so ist dies nicht etwa nur ein vereinzelter Fall, denn itt dem Vortrags-Zyklus, der dem Kaiser von den verfchiebensten Vortragenden gehalten werden muß, nehmen die Fragen des MxmgL Theaters keinen bescheidenen Raum ein, und lwuptsäch- lich sind cs die Fragen der Ausstattung, für bie sich der Herrscher besonbers interessiert, die ihm auch oft Anregung geben, selbst seine Meinung zu äußern in einer Weise, bic oft den Bühnenpraktiker hinsichtlich der wirklichen Originalität überraschen muß."

M a n schreibt uns aus Frankfurt: Frankfurt hatte bas Glück jahrelang einen Mann an der Spitze zu haben, der knauserte und geizte, wo es ging. So häuften sich in dem Stadtsäckcl Gelder an, die Mainmetropole wurde zur reichsten Stadt im deutsckjen Städtckranz, und die letzte Statistik hat feststellen können, daß die meisten Millionäre in Frankfurt wohnen. Und aus 'Dliquel folgte ein Mann, der mit großen Plänen vom Norden nach dem Main kam, der beseelt war von dem Gedanken, aus Frankfurt ein modernes Gemeinwesen zu machen. Dr. Franz Adickes vermochte es durchzusetzen, daß Frankfurt auf einmal eine freigebige Hand hatte, daß Millionenforderungen über Millionen- jorberungen unbeanstandet das Stadtverordnetenkollegium paffier- tcn. Kaiserlicher Wunsch kam Adickes noch zuguterletzt zu Hilfe, das; er sein Projekt ausfuhren konnte, dem Kontinent den größten Hüllenbe.u zu schenken. 9tun wird diese Riesenhalle feiner eigent­lichen Besnmmung zugeführt: Es sollen in ihr die Käifergesangs- roettflrcitc dauernd abgehalten werden. Man sagt uns Teutschen nach, daß, wenn wir lustig und fidel sind, wir das Lied an­stimmen:Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin". Etwas Wahres liegt in dieser Verspottung. Man wird sich der Scherzworte des Kaisers erinnern, die er bei dem zweiten Kaiserwettsingen sagte, als ein Gesangverein nach dem

andern sich durch die Schwere des selbstgewählten Ehores zu überbieten suchte:Gott Str a m ba ch , | d>0 n wieder ei n Eh 0 r von Brambach!" . . . Im Jahre 1909 werden, soweiL bis jetzt bie Anfragen einlaufen, wobl an die 50 000 bic Sänger­reise nach Frankfurt machen. Frankmrt beginnt sich jetzt schon für das Kaiierwettsingen zu rüsten. Wenn man bedenkt, daß bie Vorbereitungen für das Turnfest genau IV» Jahr vorher begonnen haben, so wird man cs nicht als zu früh bezeichnen Lünnen, daß, schon knappe 3/» Jahre vor dem Feste der Magistrat an bas Sänger- fest sich herarimacht. In der letzten Woche weilte der Erbauer der Festhalle, der Münchener Professor Thiersch, in Frankfurt und überzeugte sich von bem Fortgang der Arbeiten bei dem Hallenbau. Tie Turner faßen nuc den Hallenbau, bis zunr Sängerfest, aber sollen auch die Anbauten, die Vorbauten fertig sein. Natürlich spielt auch die Geldfrage eine große Rolle. Die Ausgaben für das Turnfest haben annähernd 3/< Millionen Mark betragen. Frankfurts Magistrat arbeitet gegenwärtig eine Vor­lage aus, bic einen mindestens sechsstelligen Betrag als städtisches Zuschuß für das Kaiscrwettsingen fordern wird.

Die Bezirksversammlung des Rhein-Mai- Nischen Verbandes für Volksbildung^ Abteilung für Volksvorlesungen, die am Sonntag nachmittag in 2 ch w a n h c i ml veranstaltet wurde, war ein voller Erfolg. Tie Ausstellung enthielt die Sammlungen, die die naturwissenschaftliche Sektion: des Schwanheimer Ausschusses in dem abgelaufenen ersten Jahre ihres Bestehens zusammengebracht hat: eine Anzahl der kleinen Säugettere, etwa 40 Vogelartcn, eine vollständige 2ammlung der Kriechtiere und Amphibien unserer Gegend uno einige Fische. Ferner eine Auswahl aus der GesteinSsammlling und eine Reihe von haltbaren Schwämuicn. A. Noll und Vy. Köbaut hatten Wespen-- und Hummelnester ausgestellt. Neven diesen Samm­lungen sanden die römischen und vorrömischen Ucberrcftc viel Beach­tung und vor allem die Käfersammlung des Herrn Christina im, die Hummel- unb Wanzeniammlung des Herrn Ä. Noll und die Sammlung von Ziegenhornern unb aus Knochen angefertigter Zigarrenspitzen des Herrn Heiber. Besonders erwähnenswert ist die SchmeUerlingssammlung des Herrn Thorold auS Sachscn- baufen, die zu den DoUftänbigften unb bestgepflegten in weitem Umkreise gehört unb bie Bewunderung aller Kenner erregte. Einen Kasten mit einheimischen Schmetterlingen hatte Willy Hein- zerling ausgestellt, Schnecken und Muscheln D. Kniprath (Höchst) und Dr. Kobelt. Von diesem waren auch die Farnkräuter unseres?