Kriegsflotte den Holländern doch in keiner Weise bet»
Die heutige Nummer umsaht 18 Seiten.
schildert hat.
Karl NtiuraÜk
lehen mit ihren Sympathien zum großen Teile mehr oder , minder offen auf der Seite der Qeinbe der Monarchie. Der Führer der Tschechen hat das ja jüngst selbst offen zugegeben. Die Ungarn wiederum streiten sich über die Form rer Angliederung der annektierten Provinzen. Neuerdings hört man mehrfach sagen, daß die endgültige Verständigung zwischen Oesterreich-Ungarn iuii> der Türkei auf der Grund- age zustande kommen werde, daß Oesterreich-Ungarn die Türkei für Bosnien und die Herzegowina finanziell ent- chädigen werde. Oesterreich-Ungarn soll bereit sein, 60 Millionen Kronen zu zahlen, während die Türkei einstweilen noch 100 Millionen verlangt. Wie dem nun auch ei, die Lage deS Frhrn. v. Aehrenthal ist zurzeit nichts veniger als angenehm, und dieser Tage hieß es schon, daß er wohl schwerlich lange im Amte bleiben würde.
Auch die Stellung deS russischen Ministers I S w o l S k y ist nach wie vor schwierig. Er sucht einen vermittelnden Standpunkt in der Ballansrage einzunehmen, während die russischen Panslawisten ihn anscheinend zu Taren zu drängen suchen. Die einzelnen Parteien der Reichsduma und die Zeitungen führen ihm zu Gemüte, daß giußland als Vormacht und Beschützerin des Slawentums die Annexion BoSnienS und der Herzegowina nicht zugeden dürfe. Er, Iswolsky, müsse entweder zurücktreten oder seine Beziehungen zu Aehrenthal abbrcchen. Diesen ungestümen Drängern gegenüber hatte Iswolsky die einzige, übrigens recht vernünftige Antwort: „Ja, dann wollen sie also den Krieg." Dieses Argument halt denn allerdings auch seine Wirkung nicht verfehlt, man ist im Zarenreiche ruhiger geworden, und wie es scheint, ist infolgedessen auch bei den übrigen slawischen Valkanvölkern die Besonnenheit wieder einge- kehrt. Der Fürst Nikita von Montenegro läßt sogar im montenegrinischen AmtSblatte erklären, daß er keine kriegerischen Absichten hege und ein Freund des Kaisers von Oesterreich sei.
Aehnliche Gedanken, wie dem Frhrn. v. Aehrenthal und dem russischen Minister Iswolsky mögen jetzt auch dem bisher so allmächtigen Diktator Venezuelas, dem jetzt in Berlin weilenden Castro, gekommen sein, als er von der Revolution hörte, die infolge des Vorgehens der Holländer in Venezuela ausgebrochen ist. Das bemerkenswerteste ist es eben, daß die Demonstrationen sich nicht gegen die feindlichen Holländer richten, die Venezuelas Kriegsflotte gekapert hat, sondern gegen Castro. Castro selbst leugnet die Revolution in Venezuela und leugnet sogar, daß die
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für öen puhnfeben Teil, für .Feuilleton* und -Vermischtes": Ernst Anderton. Tür «Stadt n Vanb* und.Gerichts
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In der Türkei ist ein geschichtlich denkwürdiges Ereignis zu verzeichnen, die Eröffnung deS Parlaments. Der Sultan hat dem Volke den Willen getan und ist bei der Eröffnung zugegen gewesen, aber zu einem erneuten, feierlichen Eide auf die Verfassung, wi?e sie vom Parlament gefordert wurde, hat er sich doch nicht verlanden. Die Abgeordneten haben ihre Mißstimmung hierüber nur schlecht verhehlen können, und der Eid, den sia elbst nach Eröffnung des Parlaments geleistet haben, gibt reutlich Zeugnis hiervon. Es ist tim Eid mit Vorbehalt: „Ich schwöre, solange der Sultan, der geschworen hat, die Verfassung zu respektieren, an der Verfassungsurkunde festzuhalten, von der Treue nicht zu weichen, treu zu sein den Vorschriften der Verfassung, mein mir aufgetragenes Amt und mich vor allem Gegenteiligen fern zu halten." Man sieht, die Türken, die man so lange über die Achsel angesehen hat, wissen, was sie wollen.
Neben allen diesen Fragen der auswärtigen Politik die uns nur sehr indirekt angehen, beansprucht der neuester Vorfall in der französischen Fremdenlegion doch besonderes Interesse. Ein halbes Hundert französischer Fremdenlegionäre deutscher Nationalität hat, der furchtbaren Drangsalierungen müde, denen sie von ihren französischen Vorgesetzten ausgesetzt sind, gemeutert Die Meuterer, die alles daran gesetzt hatten, frei zu kommen, die älleÄ gewagt hatten, um den in einer unüberlegten Stunde abgeschlossenen Vertrag zu brechen, sind inzwischen wieder gefangen worden und sehen ihrer strengsten Bestrafung entgegen. Wir haben begreifliche Sympathie für sie, uitbi ihr in bitterernster Stunde ausgerusenes: „ES lebe Deutschland" schneidet einem ins Herz. Aber helfen können wir ihnen nicht, denn sie selbst sind eS ja gewesen, die Uirzu^ träglichkeiten in der Heimat entlaufen sind, um noch tausendfältig schlimmere Unzuträglichkeiten in der Fremde auf sich zu laden. Gewisse französische Kreise benutzen nun diesen Vorfall, um weidlich auf das Deutsche Reich zu schimpfen, als wenn wir Desertionsbureaus in Afrika unterhielten um die unglücklichen Deutschen, die in die Fremdenlegion geraten sind, aufsässig zu machen. Ein solcher Vorwurf läßt sich natürlich nicht aufrecht erhalten, und es ist nur • Böswilligkeit, die uns nachsagt, wir hätten die in der fran- • zösischen Fremdenlegion dienenden Deutschen aufgestachelt, ; Ungesetzlichkeiten zu begehen. Der neueste Vorfall von Mew» - tciei in der Fremdenlegion ist allerdings geeignet, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung auf diesen dunklen Punkt zu richten, und es ersteht uns die unabweisliche Pflicht, mehr zu tun, als bisher, um junge, unerfahrene Deutsche vor dem Eintritt in die Fremdenlegion zu warnen. Neuerdings mehren sich in Frankreich selbst die Stimmen, die eine Aufhebung dieser Institution oder doch wenigstens ihre Abänderung verlangen.E. A.
jpolitijdje Wochenschau.
Gießen, 19. Dezember.
Wenige Tag«, nachdem der deutsche Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus in die Weihnachtsferien gegangen sind, ist jetzt der hessische Landtag eröffnet worden. ES galt die Formalitäten der neuen Session zu erfüllen und den Boden für die großen gefetzgeberischen Arbeiten vorzubereiten, die gleich nach dem Feste in Angriff genommen werden müsse». Da die Zusammensetzung der Zweiten Kammer nun im großen mrd ganzen unverändert geblieben ist, hat die Präsidentenwahl auch keine großen lUebervaschungen gebracht. Der bisherige Präsident, Ge- heimvat Haas, wurde wiedergewählt und nur der L Vizepräsident Köhler-LangSdors hat Herrn Korell weichen müssen. Daß der «bg. Köhler-LangSdorf auztz. der ©r- bssnungSsitzung serngeblieben ist, fiel auf, aber man wußte, daß Verstimmungen im eigenen Parteilager die Haupt- ßrrsache gewesen finb. Die schon lange bestehenden Unstimmigkeiten im Bauernbunde haben eine KrisiS gezeitigt, die jetzt mit einer Spaltung der Partei geendet hat. Tie Thronrede, mit der der 84. Landtag eröffnet wurde, zählt die vielen bedeutungsvollen Arbeiten auf, die den Landtag in der neuen Session beschäftigen sollen. Von besonderem Interesse ist die Erwähnung der neuen Wahlrechtsvorlago und bei Reichsfinanzreform. Bezüglich der Wahlrechtsvorlage wurden in der Zweiten Kammer denn auch sofort die erforderlichen Schritte getan, um die von der Regü> ruchng geforderten Voraussetzungen für die Einbringung der neuen Wahlvorlage zu schaffen. Die Ungewißheit über die Finanzlage im Reiche, die natürlich auch aus die einzelnen Bnridesstaaten nicht ohne Einfluß bleibt und die Ungunst der allgemeinen Wirtschaftslage machen die größte Zurückhaltung in allen Fragen der finanziellen Leistungen des Landes notwendig. Das sind gerade keine erfreulichen Aussichten für unsere hessisck)en Lehrer, Beamten und deren Hinterbliebenen, aber man braucht doch noch nicht die Hoffnung aufzugeben, daß sich die Lage wieder günstiger gestalten wird, sobald sich die oerschiedenen wichtigen Fragen der Reichs- und Landespolitik geklärt haben.
Geistesblitz loszulassen, der die ganze Lage im Nu erhellt. — Menschen sind anders, und so versagt Sudermanns im eigentlichen
Ungeklärt ist ncrch wie vor auch die B a l k a n f r a g e. Oesterreich-Ungarn hat es trotz weitgehendem Ent- gegentommen gegen die Türkei noch nicht erreicht, daß der Boykott deS österreichischen Handels aus dem Balkan eingestellt wird. Es heißt ja, daß zwischen Rußland und Oesterreich schon eine gewisse Verständigung über die Ballanfrage erzielt worden sei und daß die friedliche Verständigung mit der Türkei als sicher zu erwarten wäre. Die größten Schwierigkeiten scheinen aber dem Leiter der österreichischen Politik, dem Frhrn. V. Aehrenthal, im eigenen Lande zu erwachsen. Die slawischen Völker Oesterreichs
Holländer 3 venezolanische Kriegsschiffe gekapert haben; er wird sich wohl auch nicht viel Sorgen um den Krie g machen, den sein Stellvertreter in den venezolanischen Re- gierungsgeschästen Holland erklärt hat. Dieser Krieg wird jedenfalls nur auf dem Papier stehen bleiben, denn die Holländer werden schwerlich daran denken, Truppen in Venezuela zu landen, und die Venezulaner wiederum können ohne
tucnu ausgezeichnet hm. .
Reicher wie die süddeutsche Dichtung bic)&» Jahres, aber poetisch nicht so gehaltvoll ist, wie ich ja schon erwälM habe, die norddeutsche Literatur. Da ist D a ß hoheLie d von Sudermann. der erste neue Roman des Dichters nach fall liialjrigcr Pause, der in den wenigen Woä)en seit seinem Erichcmen schon m 32 bOJ ..... en v:iiauit ist. iyut diesen urpng üinn bie itritu nichts, denn wenn man auch unumwunden anerkennen muß, daß es vielleicht der beste Unterhaltungsroman des letzten Jahrzehntes ist, ein echtes, rechtes Dichterwert ist es nicht. Wohl embült es eure Fülle prächtiger Landschaslsichicherungen und ausgezeichneter &-)o- ratteriftiien: aber sind das Menschen? Vvllbuttmenfchen? Es mag ja solche Mcnscten mit voltausgewachsenem, tierischem üebims- kern wie >ie ja Sudermanns Lieblingsgestalten sind, in der berliner Lebewelt geben, ich weiß es nicht, aber sie reden saft alle im glanzenoen F-euiUetoustit; immer stcher, immer bereu, einen
nicht geringe Dicker traft, saft regeunußig Dann, wann er am 11 tiefsten wirken möchte. , .. t r „ , c
Der Inhalt des umfangreichen, geistvoll und fesselnd ge- 1 sckrieoenen Werkes, oas uei iwua ersch.eu, Nickst neu. Es i|t । lm Grunde ein zweites Tageouch einer Verlorenen, wie O m p t - oas hinreißende, aber windschiefe Minne es auch ist; die Geschichte eines Mädchens, das nach und nach immer _ tiefer sinkt. Mit einem Zusammenbruch beginnt das Buch, wie fast alle Werke des Dichters, und bad einzige, was sich die junge Lilly rettet, ist der ?totensatz des hohen Liedes, eine Tondichtung ihres Vaters. Und das hol>e Lied ist zugleich das Symbol ihrer inneren Reinheit, ihr Trost und ihre Stütze. Erst als sie, die Dirne mit der keuschen Seele die Handschrift anstatt sich ins Wasser wirst, ist ihre Seele nach Sudermann — verloren.
Und rote wunderbar rein war Lilly vorher geblieben. Als Gattin des viehisch geilen Obersten, als Freundin eines verabschiedeten Osjiziers, der späterhin durch einen Leutnant d. R. und bann durch ein „Genie" ersetzt wird. Sie bleibt rein. Schließlich heiratet sie der Leutnant d. R. und Lilly ist noch immer rein — und nebenbei auch 25 Jahre alt. Und dann? — Dann ist das Buch aus Seite 635 zu Ende. — Ohne Notwendigkeit, aber es ist io. Eine gute Dichtung ist daS nicht, aber doch ein guter, tüchtiger Dioman, wie nur selten einer geschrieben wird. Und auch ein Külturbild von starker und blendender Wirkung. — Schade um Sudermann, der noch immer nia>t loeiß, wo er als Dichter am sichersten und innerlichsten ist. . ,
Auf ähnlichen lüxgen ww Sudermann wandelt hier, tote lajon beiläufig bemerkt, von Ompteda in feiner bei Fleischet erschienenen Minne. Auch hier ein Weib, das von Stufe zu Stufe sinkt, aber nur, weil sich lein Mann findet, der diese Wedekindscte „Uulu" zu bändigen vermag. Der Gatte ein „gutmütiger diiese", uer eiste i^cviie ein iio.tir Offizier, den sie ganz zermürbt — und der, der sie bändigen könnte, bas „Genie", wirst sie trotz all ihres Winselns nach kurzem Rausch von sich weg wie eine verwelkte Blume. Da reißt sie sich bie paar grauen Haare aus und geht stolz und aufrecht auf die Straße... All die Vorzüge, die Umpteixi5 ^erzeioide ausseumiei, finden sich zum Teil auch hier, aber alles in allem genommen ist es nur ein allerdings höa st s-aiuieuo g-ewdcvcnci ruijmiger unteiljaituugsroman, der anfangs zwar seelisch vertieft ist. Dann aber verflacht und mit billigen Mittelchen, wie alte Sättel, vergebene Schirme und ähn- lici-es, iuioten uiu> ivjt, ms jj >.s nur eines Luzeumeisters verblüffende Stückchen wären. Tiefer angelangt, aber in feiner Gesamtheit nicht gelungen ist Jo>ef Lauffs bei Grothe er» icbiencner Roman S a n l t A n n e, der ebenfalls villfach rührselig ist. Auch gemacht ist er stellenweiie, nicht durchlebt, und doch ist . der Grundgedanie des Wertes ein ütensjähiger Metin, bet nur nicht den richtigen Nährboden gefunden hat. Hans Behrend hat die U-’iarie einmal geliebt, vor langen Jahren — nur ein Restcten glut- ■ voller Liebe lebt kümmerlich in ihm; wie eine versclfwetende Kerze, i Ta er nun bürt, daß bas Weib, bas er mir wackren Sinnen einmal ■ liebte, einen anderen genommen hat, da wird das winzige Fünkchen - wieder zur loternben Flamme — und da er vor fich und der ■ ganzen Welt nach Capri flüchtet, trifft er — „natur- i lich" — die Geliebte. Südliche Slerncnnacht leuchtet
ihrer Liebe, auer sie ftno veide zn schwach, Menschen a. D. könnte man sagen, Menscten, bie keinen Mut unb keinen Willen mehr haben —, Menschen, die nicht mehr bie Kraft haben, sich ifrce Paradiesäpfel selbst zu pflücken. Er flüchtet wieder nach dem Norden und sie sucht Ruhe und Vergessen in den weichen Wellen, des GolfiS von 'JceapCt. l'Luü) Der verrat an ihrem Gatten hatte ie in den Tod getrieben — unb doch war sie, ohne ihr Wissen, nie sein Weib gewesen, nur seine Gattin. Das Weib, dem sein Herz leidenschaftlich entgegen)cplim, das war Anna in Sankt Anne ter Muiden, bie mit vollen Sinnen die Liebe bes lebendigen Mannes empfing. Nun sie sich schuldig fühlt an dem Tode seiner Frau, wendet sie sich von ihm ab, und — „natürlich" — dem armen Hans Behrend zu, denn sie „mußte" ihn'lieben, wie Holz- amers scpwaüie ucvcrmtnicoen sch) in «einen F^aueuromanen lieben „müssen". Aber Heiking läßt sich nicht abschütteln, er hat die straft, sich fein älteres meast ivieoer zu erobern und fo geht .Hans Behrend doch an seinem Freund zugrunde. Das ist die Jabel des Buches, das voll ist von inneren und innerlichen Wider- Sprüchen unb auch die aus den vier „Menschen" zusammenge- rechnete Gleichung stimmt nickst, denn wenn sich die (Ritten nicht lieben, können sich auch wohl kaum ihre Gegensätze lieben, aber ohne diese UnmugiiiyteLt uwre der bumian unmöglich gewesen, unb so ist dieses Derk zugleich der erschütternd«? Beweis dafür, daß der Dichter für feine eigene Erfindung nicht reif gewesen ist. Trotzdem ,’ivcifle ich nicht daran, daß das Buch einen großen Erfolg haben wird, denn es hat trotz allem echte Dichterkraft in sich! Ehrlich verdient hätte den großen Erfolg Gabriele Reuters bei S. Fijck)cr erschienener Roman Das Tränenhaus, wo uns die Verfasserin mit wohl tuender und doch maiichmal quälender Ofienhett m ein armiL-iigey .»aus fuhrt, iw teaige Welver der sckstverfknr Stunde ihres jungen Lebens entgegengehen, für zarte Nerven vielleicht etwas allzu deutlich, im innersten Grunde aber ehrlich und offen, finb die schmerzlichen Kämpfe der armen Mädchen geschildert, denen die alte, widerliche „Helferin" „unter Verschwiegenheit" eine qualvolle, wucherische Unterkunft gewährt hat. Die verschiedenen Gestalten von der großen Mnstlerin bis zur feilen Dirne der Straße find ausgezeichnet beobachtet und voll und lebendig wiedergegeben. Ohne in einen lehrhaften Ton zu verfallen, ist das Buch an seinem Teil beizutragen geeignet, diesen Fleck auf unserer heutigen Ehre wegzutoaschen. Gewandt, flott und frisch wie immer gibt sich Fedor von Zabeltitz in seinem Jloman „Eva, wo bist du?, der bei Engelhorn erschienen i|L Es ist die Geschichte eines Mädchens in dem Alter, da die Augen noch keck unb unbefangen sind, wo rote Wangen noch in köstlicher Frische strahlen. Unb über ihre fröhlichen Studentenjahre hinaus oehäl't sie ihren kecken Mut, cen sie auch als Schriftstellerin unb ipater als liebevolle, warmherzige Gattin nicht einbü&t. Im U lauterten geschrieben, entbehrt das Buch doch nicht der Vertiefung, oofchon es eben nur guter Unterhaltungsstvff ist. Aber es macht ja auch keine größeren Ansprüche.
^um Schluß wül ich diesmal noch auf Das Buch von PeterundFann von Manuel Schnitzer aufinerfiani machen, oos in dem Concordia Vermag erschienen ist und in voller Frbhiich- fceit und humorvoller Weisyeit voii ben beiden ctintern des Pürgens erzahit, Uaä ^ü)niv.r in Käte unb ich so ergötzlich ge-
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Bücher für den weihnachLrlisch.
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Von beteutsamen Büchern hessischer Schriftsteller ist noch die Lebensgefchichtc Sckstllers von Karl Berger, deren zweiter Band kürzlich bei C. H. Beck in München erschienen ist, mit besonderer Betonung zu erwähnen. Ter Verfasser hat es ausgezeichnet verstanden, fich die ganze ausgedehnte Literatur dienstvar zu machen, ohne daß sich die gelehrten Hülfsinittel unliebsam hervordrängten oder die geidliige, flüssige Darstellung belasteten und für den Laien ungenießbar machten. Tas ist vielleicht das beteutsamite Verdienste dieser neuen Lebensgeschichte des erhabenen Dichters und Denkers, daß sie aus wissensck>asllichcn Grundlagen aufgebaut ist unb boch hauptsächlich für den Literaturjreund geschrieben erscheint, intern sie nahezu alles vermeidet, was den reinen Genuß her Lesung stören konnte. Der erste Band, der im Scknllerjahre 1905 erschienen ist und tem Verfasser teu Ehrendoktor terLudo- Diciaua verdiente, ia-wß mit ter Aufteilung . Schillers in Jena: der zweite enthält zuerst ein lebendig gezeichnetes Kulturbild der kleinen thüringischen Universitätsstadt, dann tue ^ahre ter Reife, da sich der feuertrunkcne Dichter in ter Gedankenwelt Kants zmn felbständigen Philosophen entwickelt, bie seltene Freunte schäft mit Goethe, unb Die feinen, schwerwiegenten Beziehungen die zwischen Schillers Denken unb Dichten testeten, find mit Karen nnb llngen Augen gesehen und bargestellt. — So tU denn dieses Buch allen Zweiflern zum Trotz vollendet worden, unb wenn die Schillerbiographien von Mmor, Brahm u. a. Bruchstücke geblieben find, so ist es um so freudiger anzuerkennen, baß Berger das gewaltige Werk in harter Arbeit vollendet hat, wirklich vvllcnoet, uno daß wir letzt iioer eine Lemnisgefa-ichtc ^Hillers verfügen, die ein ^ierkstein ist in deittscher Gelehrtenartett und eine Vollendung zugleich. Von den übrigen Hessen wäre außer dem vollblütigen Wiltelm Wa 11 o! h dessen beite neuesten Romane I ni Schatten des Todes und Der neue ö e i £ Qn b mir iwch nicht zur Besprechung zugegangeii sind, der an,pruchslose Roman „D a s T h e a t e r k i n d" von I. CH. R u ck e r , ter bei D. Singer iti ^traijuurg erschienen i|t, pivt z.i cnoupiun. viiajt t»U sich das Buch durch weltbewegende Gedanken oder durch eine besondere Fabel auszeichnete, aber was ter Verfasser zu lagen roeiß, das gibt er mit einer anbeinielitten, liebenswürdigen Schlichtheit und ^nnigkett, die schon sein Büch Mit dem Tornister wohl-
Nr. 29» Erstes Blatt 188. Jahrgang Samstag 19. Dezember 1808
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General-Anzeiger für Oberhessen
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