Ausgabe 
23.5.1908 Viertes Blatt
 
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Nr. 121

Viertes Blatt

Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberhessen

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Börseu-Wochenbericht.

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»MAGGIS gute, sparsame Küche. f?!

Rittergutes Kleschkau aus polnischer Hand zu einer patrio­tischen Kundgebung vereinigt haben, teile ich voll und ganz. Hier ist jedoch ein Fall, welcher ebenfalls einer schleunigen Abhilfe auf das bestimmteste harrt. Vor zwei Jahren ist hier das Gut Strippau, welches immer in deutschen Händen ge­wesen ist, in polnische Hände übergegangen. Seit dieser kurzen Zeit hat cs dar polnische Besitzer zu stände gebracht, daß die Zahl der polnischen Schulkinder in der hiesigen evangelischen Schule von 2 auf sage und schreibe 23 gestiegen ist. Daraus ist zu ersehen, welch gewaltiger M hier in eine ganz deutsche Gegend getrieben worden ist. Jetzt wird in Mariensee eine

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Tie Gegner der Polenpolitik

die ohne Kenntnis der wirklichen Verhältnisse im Osten, die preußische Polenpolitik verurteilen,wird vielleicht nachstehendes

neue evangelische Kirche gebaut, oder wenn die Polonisierung der hiesigen Gegend so iveiter geht, so wird dieselbe an den Sonntagen leer stehen. Auch hier tut die Enteignung dringend Rot, denn wenn die kleinen polnischen Besitzer keine Stütze an dein polnischen Gtitsbesitzer haben, werden sie hier nicht so vordringen. Hier muß die Regierung ganz entschieden eingreifen.

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Samstag 23. Mai 1908

r Rotationsdruck und Verlag bet Dr libl'schen Universitäts - Buch» und (SteinörucfcieL Jt Lange, Gießen.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedinon und Vertag.- 5L Redaktion:TLl.^ldr.-AnzeigerGießen.

Die ..Gießener AamlNenblStter" werden dem .Anzeiger' vier-mal wöchentlich beigelegt, das Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal.

. Industrie viel zu wünschen übrig l.ißl und rechnete dcshalö mit ^er Wahrscheinlichkeit, daß-das laufende Jahr mehr oder I weniger starke Dividendenrückgängc bringen dürste. Diese Woche wurden von der Spekulation auch mehrfach Dividendenscheine der großen Eisenwerke niedrig ausgeboten und bamii ist ein 2ruck auf die Kurse der Attien dieser Gesellschaften ausgeübt worden: namentlich waren Phönix einem Angriff ausgesetzt, sie verloren 7 Prozent, doch sielen auch Bademer 1 Prozeni, andere Werte dieses Gebiets, auch K o h t c n a t't ie n, 1 2 Prozent. Es war überhaupt eine verschiedenartige Strömung für Anlage- und Tividendenpapicre ivahrzuitchmen. Während erstere fest ten­dierten, weil die Erleichterung auf dem Geldmarkt weitere mäßige Fortschritte macht, neigten letztere teilweise zur Schwäche.

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politische T^gessekicru.

Die Lokomotivführer.

Auf die ungünsiige Lage der Lokomotivführer, dieser wichtigen Beamten des Verkehrsdienstes, macht bieSoz. Praxis" 'n ihrer neuesten Nummer aufmerksam. Das be­kannte sozlalfortschrittliche Organ bringt folgende Angaben: Die Anwärter der Lokomotivführerklasse, die sog. Lokomotiv­heizer, sind geldlich und beruflich nicht glänzend gestellt. Die Entlohnung und die etatsmäßige Besoldung der Lokomotiv- Heizer hat mit dem Gange der Löhne in verwandten Jn- dustriearbeitergruppen nicht entfernt Schritt gehalten, ja sie bleibt mitunter sogar hinter den ortsüblichen Tagelöhnen zu­rück. Dabei sollen nur besonders zuverlässige, gilt aus» gebildete Maschinenbauer zum Lokomotivdienst zugelassen werden. Natürlich finden die sich zu den kl'unmerlichcn Lohn­sätzen trotz des lockenden Reizes einer späteren sicheren Beamtenstellung immer schwerer. Die Verwaltung sieht sich bereits genötigt, 311 weniger tüchtigen Arbeitskräften ihre Zu­flucht zu nehmen und die Ausbildiingsanforderungen hcrab- zusetzen. Diese Entwicklung ist auch aus Gründen der Be­triebssicherheit bedenklich. In das heutige verwickelte Fahr» getriebe auf den Eisenbahnen, zur Bedienung der gewaltig sich entwickelnden Lokomotiven und zur Beobachtung des oft verwirrend reich ausgestatteten Signalwesens gehörte immer vorzüglicheres Menschenmaterial. Die Lokomotivführer selbst sind innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte nicht nur im Ge­halt sehr wenig im Durchschnitt nach Abrechnung der ver» kürzten Nebenentschädigungen noch nicht uin 200 Mark oder um 15 Prozent aufgebessert, sondern hinter anderen früher ihnen gleichstehenden Eisenbahnbeamtengruppen zurück­gesetzt worden. Dazu kommt, daß die Lebensteuerung den zu doppelter Wirtschaft gezwungenen Fahrbeamten, der bei seinem aufreibenden Dienst sich gut pflegen muß, besonders schwer betroffen hat. Auch allerlei Besorgnisse um Herab­setzung im Beamtenrange, uni Ausscheiden aus dec bisher einheitlichen Subalternbeamtenklasse, die zu einem entsprechen­den Wohnungszuschuß berechtigt, und Titel» und Uniform» sorgen der auf ihre Standesehre streng bedachten Berufs» gruppe tragen zur Beunruhigung der Lokomotivbeamten bei.

= Frankfurt a. M., 22. Mai.

Ter sprungweisen Aufwürtsbewegung an der N ew Yorker Börse ist in den letzten Tagen ein Rückschlag gefolgt. Die seriöse Preise hielt es für richtig, vor überstürztem Borgehen zu warnen und da solche Warnungssignale in Amerika und Deutsch­land gleichzeitig, ertönten, so wird man kaum fehlgehen in der Annahme, daß sie von internationalen Finanzmächten inspiriert wurden. In der Tat waren ffe sehr am Platze, denn das Vor­gehen der Spekulation über dem Ozean trug einen zu stürmischen Charakter und UeberMrzungen schließen immer Gefahren in sich. Wir haben erst in unserem letzten Bericht ausgeführt, daß die bessere Strömung, die an den Börsen zum Durclchruch gekommen ist, sich hauptsächlich auf Zukunftshoffnungen stützt, daneben natür­lich auch auf die bessere Verfassung des Geldmarktes, aber diese Zukunftshosfnungen, die sich natürlich erst erfüllen müssen, dürfen nicht zu ausgiebig im Voraus bewertet werden. Vorerst befinden wir uns _ noch mitten in günstigen wirtschaftlichen Ver­hältnissen, die Eiscnbahneinnahmen gehen noch zurück, eben­so die Versandtzisfern des Stahlwerksverbandes, die Roheisen­produktion, der Absatz des jwhlenfyndikats kurzum alles, was ein Spiegelbild vom wirtschaftlichen Leben gibt, zeigt uns, daß wir uns noch auf absteigender Linie bewegen. Diese Periode muß zuerst überwunden werden. Ter Keim für eine Besse­rung mag wohl schon vorhanden sein, wenigstens ist er in den Faktoren begründet, die man von dec Zukunft erhofft, ins­besondere in einer reichen Ernte, aber in der Antizipierung dieser Faktoren muß weise Haus gehalten werden. T^r Rück­schlag, der an der Newyorker Börse eingetreten ist, kann unter diesen Umständen nur heilsam sein, zu weitgehenden Befürch­tungen braucht er aber keinen Anlaß zu bieten.

An den deutschen Börsen begegnete man dem Sturmschritt-

1 Die vielzeitige Verwendung

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Deutsche Fonds erzielten meist Avancen, wenigstens die 3 und 3V- prozentigen, von fremden Fonds waren Russen be­vorzugt, einesteils weil die Duma die beantragte kostspielige Flottenvermehrung ablehnte, dann auch, weil die Russische Staats­bank weitere Rubelnoten einzog und endlich auf die angckündigte Zusammenkunft des Zaren mit König Eduard.

Ungarn behauptet. Tie Meldung, daß für Eisenbahnaus­rüstungen demnächst eine Anleihe von 237 Millionen itronen ausgenommen werden soll, blieb ohne Einfluß. Höher waren auch Japaner, Chilenen und Griechen. Amerikanische Eisenbahn- Bond s teilweise weiter gebessert. Transportwerke wenig verändert, Banka kti en leicht abgeschwächt. 'Von Industrie- papiere gewannen Aluminium 9 Prozent, Preßhefe Bast 12 Prozent. Kunstseide erholten sich um 6 Prozent, Anilin um 8 Prozent und Höchster Farbwerke um 15 Prozent. Privatdistonto 33/4 Prozent.

Auszug a. d. Standeramtrregistern der Stadt Eietzen.

__ Aufgebote.

Mai 15. Wilhelm Schäfer, Elsendreher in Annerod, mit Elsa Martha Weiß dahier. 16. Kart Greb, Bureaugehilfe in Fried­berg, mit Emma Hainer dahier. Emil Schmoll, Bahnarbeiter, mit Maria Gösele, beide dahier.20. Adolf Hermann Treppingcr, Verwalter der med. Klinik dahier, mit Katharina Maria Christ in Lollar. 21. Richard Glagow, Buchdrucker, mit Lina Faber, beide dahier. 22. Friedrich Rumpf, Kaufmann, mit Margarete Scheuer, beide dahier.

Geborene.

Mai 11. Dem Kaufmann Ludivig Beck eine Tochter, Milli., 12. Dem Wächter bei der Wach- und Schließgesellschaft Heinrich Schäfer eine Tochter, Martha Elisabeth Lina. Den: Fuhrmann Heinrich Hahn eine Tochter, Anna Margarete. 13. Dem Land­wirt Friedrich Lynker auf dem Schiffenberg eine Tochter, Else Auguste. 14. Dem Kaufmann Rudolf Römer ein Sohn, Rudolf. 17. Dem Wagcnwärter Philipp Heinrich Preußer ein Sohn, Heinrich. Dem Vizefeldmebel Wilhelm Schneider ein Sohn, Rudolf Friedrich. Dem Kaufmann Eugen Dürr eine Tochter, Agnes Eugenie. 19. Dem Steiger Hugo Stracke ein Sohn, Eugen.

Gestorbene.

Mai 15. Else Möller, 5 Tage alt, Buddeslr. 3. 16. Heinrich Rühl, Tapezier, 38 Jahre all, Aslerweg 26. 20. Elisabeth Helfrich, 36 Jahre alt, Kaiser-Allee 1. 22. Friedrich Andreas Struth, Student, 18 Jahre alt, Kaiser-Allee 5.

interessieren: Aus Strippau, Kr. Berent, wird den Danziger

N-uest«. Nachrichten in einem Eingesandt g-schriebm: Die An. Lm)J0 Mn ^»ort WechEt mitawbcrer ZurückhalL^ 'man sichten aller der Herren, welche sich zwecks Rettung des I vergaß nicht, daß die Lage der Industrie, insbesondere der Eisen-

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