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Nr. 131
Die heutige Nummer umfaßt 16 Seilen.
und
Infolge
des
und Verkehr Sitzung ab.
Streikausschrertungeu.
Streiks bei der Zementfabrik Pommer
bet innerpolitischen Lage ist für das Kabinett umso unangenehmer, als man augenblicklich auch mit Ungarn in biwgetrechtlichcn Fragen, speziell in der Angelegenheit der'Offiziersgehälter, einen schweren Strauß auszufech^n hat, der leicht mit einer österreichischen Ministerkrisis endigen kann.
wurden Patrouillen in die Stadt gesandt, die die Straßen säuberten und nach einer Viertelstunde war die Stadt volle kommen ruhig. Bei der gestern nachmittag abgehaltenen Versammlung der ausständigen Zementarbeiter wurde fein- Einigung erzielt. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.
PoUtrfche Tagesschau
Ter Bundesrat
Ausland.
Der Pariser Kasatlonshof verwarf die Berufung des Schiffsfähnrichs Ullino.
Zum norive gischen Gesandten in London wurde der bisherige Legationssekretär der norwegischen Ge- sandschaft in London, Irgens, ernannt.
Em sehr ernstes Gefecht hatten die japanischen Truppen, die zum Schlitze der friedlichen Einwohner in Korea liegen, mit koreanischen Insurgenten am 19. Mai in der Provinz Osgela, wobei 25 Insurgenten fielen, während der Verlust der Japaner 5 Tote und 8 Verwundete betrug.
Ein Telegramm aus Shanghai meldet, daß die Boykottbewegung gegen japanische Produkte in Südchina immer größere Ausdehnung gewinnt. Es hei-ßtz die japanische Regierung habe den Organisatoren der Bewegung das Angebot gemacht, diejenige Summe, die für die Beschlagnahuie de§ Tatsu Marn an Japan aiisbezahlt wurde in Form von Geschenken zurück zu erstatten.
Die Unruhen in Cleoeland dauern fort. Gestern wurden wieder mehrere Straßenbahnwagen durch Dynamit zerstört, zehn Personen wurden verletzt. In der Nähe von New-Pork wurde eine neue Eisenbahnbrücke in die Luft gesprengt, weil sie durch Arbeiter hergestellt war, die nicht zu den Gewerkschaften gehören.
Der persisch-russische Grenzkonflikt ist in ein ernstes Stadium getreten. Vorgestern hatte Iswolski beim Zaren eine längere Audienz. In der darauf folgenden Unterredung Iswolski mit dem persischen Geschäftsträger erklärte der Minister, daß Rußland mit dem Aufschub der Antwort Persiens auf das russische Ultimatum nicht einverstanden sei. Iswolski machte die Entscheidung von dem Stadthalter des Kaukasus abhängig.
Steinen beworfen, sodaß sie von der Waffe Gebrauch machten. Hierbei wurden einige Personen verletzt und auch einige Gendarmen und Polizeibeamte wurden dlirch Steinwürfe kampfunfähig gemacht. Den 285 Streikenden hatten sich Radaiilustige angeschlossen, und der Aufruhr wurde so groß, daß der Magistrat schließlich Militär requirierte. Als aus Greifswald zwei Kompagnien vom 3. Bataillon des 42. Infanterie-Regiments ankamen, wurden sie auf dem Bahnhof mit Johlen begrüßt. Der Hauptmann forderte die Menge auf, auseinander zu gehen, und als die Aufforderung keinen Erfolg hatte, sah ec sich genötigt, die Seitengewehre auf- pflanzen zu lassen und die Menge zurückzutceiben; hierbei wurden einige Personen, jedoch keine schwer verletzt. Tann
antrag aussprachen. . t
Karlsruhe ist in dieser Woche loicber einer jener Sensationsprozesse zu ®nbe gegtmgen, iSnb? lieget letzten Zeit mehr als genug gegeben hat. D e SU^runbe: iicgawc Beleidigungsastare und das Urteil kmunck für uns ..... nicht in Betracht, was aber aus ba» -n rrittneren W, tzas ist die Art und Weise, wie bieser Prozeß vor Verieyr ge führt worden U. Aus dem Hundertsten kam man m ^msendste, tagelang drehte sich die Vernehmung um PiMttc, dre nur m höchst lockerem Zusammenhänge nut derzur Verhandlung stehen den Frage standen, so baß der Verteidiger ^^nserte ng mit Unrecht behaupten konnten, bau ganze Vorgehen niaaje ix? Eindruck, als wolle man die Gelegenheunsere aufnahmeversahren burchzufetzen. ES lst bedauertach, d ß > gerichtlichen Bestimmungen etwas derartiges sulass> , ja auch bei anderen Sensationsprozessen der 'ängsten Zeitsich als ein bebauerlicher Mangel herausgeMlt hat. unbedinat stehenden Reform unseres Prozeßwesens^ inulj g'“1™ Wandel aeschaffen und müssen Maßnahmen getrofsen iveroen, Mfeb£X Vorgänge fil für allemal unmöglich machen.
Auch Oesterreich ljat wieder einmal lem Kreuz zu tragen An den Universitäten von Graz und^nnsbrua ist es «u jch-kim 3ui<tmmenfW6en Wijch-» l'ch ozilllen Student-'- o-lomme», die, cht-» 'M H°r
lam-nt gesund-» und d°U ml«
der deutschen Parteien tzerbeigesuhri haben. ~icfe Zuspi^ung
stimmte in der vorgestrigen Sitzung dem Nachtragsetat, enthaltend die Ostmarkenzulagen, der Herabsctzlmg des Brenn- steuervergütungssatzes von 6 auf 5 M., der Aendernng der Zollregulative für die Unterelbe unb Unterweser, der Aendernng der Äusführungsbestimmungen zum Schaumweinsteuergesetz, dein Zoll- und Salzstcueeverwaltringskostenetat für Bayern zu. Ter Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika wurden die in § 11 dc§ Schutzgcbictgcsetzes vorgesehenen Rechte beigelegt. Die vereinigten Ausschüsse des BundcSrats für Handel für daS Jiistizwesen hielten heute eine
scher" Jndu strie verein Qu istorp-Stettin sollten am Mittwoch abend einige Arbeiterfamilien aus den Arbeiter- Wohnhäusern exmittiert werden, wobei Gewalt angewandt werden mußte. Den exmittierenden Beamten wurde tätlicher Widerstand entgegengesetzt, sodaß Gendarmerie aufgeboten wurde. Von den Streikenden wurden die Gendarmen mit
Tie suddeutschen Bürgermeister in London.
Beim Lordmayor sand gesterii im Mansion House zil Ehvei» der süddeutschen Bürgermeister ein Frühstück statt. Ter deutsehe Botschafter saß ztir Rechten des Lordmayors und unter deii^Gästen beianden sich der deutsche Botschaitsrat v. Stumm, der Sekretär der deutschen Botschaft, Prinz zu Stolberg-Wernigerode unb der Unterstaatssekretär' des Ausivärtigen Amtes, Lord Fitz Maurice. Ter Lordmayor brachte den Toast ans den deutschen Kaiser ans, in welchem er hervorhob, Kaiser Wilhelm sei der Alaun, der geschätzt und geachtet werde nicht allein wegen feiner engen ve» wandischastlichen Beziehungen zu England, sondern auch wegen der hohen Ziele, welche er mit Bezug aus das Geschick seines großen Reiches stets verfolge. Die hohen Prinzipien, die er still während der Regierung beobachtet' und die unerschütterliche Art, wie et sich im Interesse des Friedens betätigt hat, lassen ihn als einen aufrichtigen und Irenen Freund Englands erscheinen. Aus den T o a st d e s L o r d m a y o r s bei dem Frühstück zu Ehren der süddeutschen Bürgermeister im Mansion House antwortete Oberbürgermeister von B o r s ch t - M ü n ch e n: Deutschland hege nut Bewunderung für den Fortschritt Englands in der ganzen Welt und >vies auf deutsche Künstler wie Haendel unb Holbein hin, die von England herzlich ausgenommen worben seien. Oberbürgermeister Adickes-Fran'kfurt a. M. toastete ans Londons stäbtische Einrichtungen und hob hervor, daß London so überwältigend sei, wie sein Willkommen. Deutschland und England ;cien so eng mit einander verbunden, daß es unmöglich sei, anzunehmen, daß sie Feinde sein könnten. Lord Frtz mau r i ce brachte den Toast aus den Lordmayor aus und gab seiner Be- irieöigung über den Besuch der süddeutschen Bürgermeister Ausdruck,' der dem auswärtigen Amt sehr angenehm sei, da dieses em gutes Einvernehmen zwischen Deutschland und England sehr wünsche. Ter Lordmayor antivortele, wenn etwas dem Frieden zwischen den beiden Böltern zu dienen vermöge, so sei dies der gesunde Sinn der beiden Völker, der jeder Eventualität zu begegnen imstande sei._____________________________.
Deutsches Reich.
Der Kaiser traf gestern Mittag 12% Uhr in Prökel- witz ein.
Die Kaiserin unb Prinzessin Viktoria Luise werben wahrscheinlich schon Ende Juni auf Schloß Wilhelmshöhe zum Sommeraufenhalt eintreffen.
Unter staatssekretär v. Lindequist wird seine Informationsreise nach Ostafrika Mitte August antreten, nachdem das Reichskolonialamt die Etatsardeiten für den nächstjährigen Etat vollendet haben wird. Der Unterstaatssekretär wird sich längere Zeit im Usambaragebiet aufhalten.
Die Schutztruppe von Südivestafrika wird i;n Laufe des Sommers noch mehr vermindert werden. So sollen im Juni und Oktober Heimtransporte abgehen, nachdem im August ein Ablösungstransport die Ausreise angetreten hat. Im Oktober dürste die Schutztruppe gegen den heutigen Stand um 800 Köpfe vermindert fein.
Die Reichstagsersatzwahl im Kreise Colm ar- Czarnikau-Fllehne ist auf den 30. Juni festgesetzt worden.
Die Wahlmänner wählen, für das Herzogtum Coburg lassen die rein bürgerliche Zusammensetzung des künftigen Landtages als gesichert erscheinen.
Einer der b e k a n u t e st e n F ü h r e r o e r b a y r i s ch e n Armee, General von Mussinan, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
Ei» neuer Dreibund.
Am Montag tritt Präsident Falliöres seine Reise nach London an, wo er klls Gast oes Königs Eduard einige Tage weilen luirb und der Minister des Aeußeren, Pichon, wird sich voraussichtlich in seiner Begleitung befinden. Es ist ersichlli >, daß es sich bei diesem Besuche nicht um einen bloßen Hösuchlciisakt handelt, unb daß die Reise nicht lediglich anläßlich der Londoner französischen Ausstellung erfolgt. Zweifellos dürfte bie Politik bei bieser Begegnung mehr denn je ein wichtiges Wort mitsprechen, Aumal sie den Ausdruck der bestehenden'herzlichen Entente zwischen Frankreich und England bildet. Anscheinend will man diese Be- -ziehungen noch enger knüpfen, auch auf wirtschaftlichem Gebiete, denn vor einiger Zeit weilte der französische Handelsminister an bet Themse unb traf dort die Vorbereitungen für den Abschluß eines englisch-französischen Handelsvertrages, der vielleicht schneller zur Durchführung kommen wird, als der neue englisch- deutsche, nachdem man sich bei uns bereits wiederholt mit einem Provisorium begnügen mußte. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß der französisck-e Premierminister Clemeneeau selbst unter dem Vorwande, Campbell-Bannerman die letzte Ehre zu cnueiien, sich einige Zeit in London aufgehalten bat, wo er mit den maßgebenden Stellen Fühlung nahm und Längere eingehende Besprechungen gehabt haben soll. Alles deutet alfo daraus hin, daß man bemüht zu sein scheint, das Band noch enger zu verknüpfen. Unter diesem Gesichtswinkel muß es die größte Beachtung sinden, daß König Eduard unmittelbar nach der Abreise Fallißres sich zu einer Begegnung mit dem Zaren einschifsen wird, und daß berells die Sonbvncr Blätter nicht mübe werden, den: Besuche Eduards am Zareichofe hohe Polltische Bedeutung beizulegen, indem man durchblicken läßt, daß wichtige Vereinbarungen zu eriöarten feien; wie viel wahres daran ist, läßt sich natürlich von dem Außenstehenden schwer beurteilen, immerhin läßt sich die Absicht Englands nicht von der Hand weisen, mit Rußland in ein ähnliches Verhältnis zu treten, wie mit Frankreich. Es ist zur Genüge bekannt, daß man an der Newa trotz der jüngsten Uebereinkommen für die Engländer nicht besonders viel übrig hat unb „nur der Not gehorchen!), nicht dem eigenen Triebe" sich genähert hat. Man weiß, ein wie geschickter Diplomat König Eduard ist und daß es ihm vielleicht nicht allzu schwer fallen durste, den äußeren Einflüssen leicht Kugänglichen Zaren in ein cmbeves Fahrwasser zu lenken. Diese Richtung Der englischen Politik, die sicherlich bei der Londoner Begegnung zur Erörierung gelangen dürste, kann an der Seine nur angenehm berühren, da der Zweibund in den letzten Jahren eine ganz bebenkliche Lockerung erfahren hat. Die Reise König Ebuards dürste daher angesichiS der guten englisch-französischen Beziehungen auch zu einer Festigung des Zweibundes beitragen, und es ist wohl nicht von ungefähr, wenn man bereits letzt davon spricht, daß der Zar im Herbste Frankreich einen mehrtägigen Besuch abstatten wolle. Man sieht in allen diesen Begegnungen ziemlich deutlich einen zusammenhängenden Faden, unb es läge durchaus nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, wenn, unb barauf lassen bte geheimnisvollen Andeutungen der Londoner und auch der Pariser Presse raten — die Absicht bestände, einen neuen aus England, Frankreich und Rußland bestehenden Dreibund zu fchaffen, wenn auch nicht auf Grund ähnllcl-er Verträge, wie bei dem aus Deutschland, Oesterreich unb Italien bestehenden Dreivuiide, aber doch auf Grunb geheimer Abmachungen, bie benfefben Zloeck im Auge haben. Obwohl eine solche Zwnstellation für bie gesamte Wcltpolltik von iccitlragcnber Vcbeutung wäre, so wäre es boch verfehlt, hierin ohne weiteres eine agreftive Spitze gegen Deuischlanb zu erblicken, zumal unsere Beziehungen zu Rußlanb burchaus gut sind unb auch bas Verhältnis zu Engtam) sich wohl nicht lebiglich vorüber- g-efenb gebelfert hat. In erster Linie würde ein derartiger Zusammenschluß wohl biplomallfchen Zwecken bienen, um ben Absichten bet drei beteiligten Mächte ersorderliehen Falles größeren Nachdruck zu verleihen. _______________________
Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 23. Mai 1908
Der Stetzrner Anzeiger jnatww ***. Bezugspreis:
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„^.magk'io'uh" NotaNonrdruck Un6 Verlag der vrühl'schen «niv.Guch. und Slelndruckerei. H. Lange, «edattlon, Expedition und Druckerei - Schulstrak« r.
j)oNtisehe Wochenschau.
Gießen, den 23. Mai.
Die Wiesbadener Kaisertage sind rasch verrauscht, ohne daß sie uns Gießenern dieses Mal den Besuch des Monarchen gebracht hätten. Am Donnerstag war der Kaiser nach zweimonatiger Abloesercheit in Berlin zu einem kurzen Ausent- ' halte wieder eingetroffen. Daß dringende politische Gesehäste ' ben Kaiser von dem Besnehe Gießens abgehalten haben, geht wohl daraus hervor, daß der Reichskanzler Fürst Bulow zu Beginn der Woche nach Wiesbaden gekommen war, unb baß bie Konferenzen zwischen bem Kaiser unb seinem ersten Ratgeber sogar bie Teilnahme bes Monarchen an ber Versammlung bet Standeshetten in Frankfurt a. M. noch in letzter Stunbe verhindert haben. Welcherlei Fragen es gewesen sind, die in Wiesbaden den Kaiser unb ben Kanzlet beschäftigt haben, entzieht - sich natürlich ber Kenntnis ber Öffentlichkeit, aber wenn man bie gegenwärtige politische Lage im In- unb Auslände betrachtet, bann errät man boch mancherlei. Vor allem ist es bie Lage in Marokko, bie heute mehr benn je bie Aufmerksamkeit unserer Regierung ersorbert. Der Einfluß Muley Hafibs scheint itun tatsächlich in Marokko zu überwiegen, unb bamit ist benn natürlich auch bie ganze Situation im Reiche bes Sultans Abbul Asis veränbert. Neue Verwickelungen liegen burchaus im Bereiche .der Biöglichkeit. Eine zweite wichtige Frage ist bie bet bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen. Kaum 10 Tage sind es noch bis zu den Wahlen. Wenn die Wahlbewegung in Preußen bisher auch, wenigstens nach außen hin, nicht besonders lebhaft ist, so wäre es doch immerhin übereilt, schon hieraus Schlüsse auf den endgültigen Ausfall ber Wahlen zu ziehen. Mug bie Wahrscheinlichkeit auch noch so gering sein, baß bie preußischen Landtagswahlen irgendwelche besonderen Ueberraschungen bringen, o ist es doch keineswegs ausgeschlossen, daß irgend etwas ge- chieht, was noch in letzter Stunde wie ein reinigendes Gewitter >ie Schwüle der politischen Lage in Preußen beseitigt. Mit ber liberalen Gtuudftimmung bet Blockpolitik int Reiche sinb Entscheidungen, wie die des preußischen Oberverwalmngsgerichts in der Frage der Feuerbestattung nicht zu vereinigen. Man mag die Verschiedenheit bet Verhältnisse in Preußen unb im Reiche noch so seht betonen, so wirb es ber Liberalismus boch als eine schwere Kränkung empfinben, wenn bie preußische Negie- rungsptaxis immerfort liberalen unb zeitgemäßen Forberungen ihr starres Nein entgegensetzt. Wer weiß, ob sich nicht balb gerade von Preußen aus die Frage entscheiden roirb, ob bet Reichstagsblock noch fortbestehen kann ober nicht. Daß es innerhalb des Liberalismus schon jetzt gewichtige Stimmen gibt, bie bem Block lieber heute als morgen bas Grablieb singen mochten, hat die Rcdc M Pfarrers Kötell in ber (eilten Derfammiung der Gießen. Liberalen ja zur Genüge gezeigt. Will man solchen Stimmungen ivirksam begegnen, so wird man vor allem in Preußen daraus bedacht sein müssen, den Liberalen nicht gar zu sehr vor den Kops zu stoßen. Daß der Liberalismus heute mehr denn ie ein Recht hat, auch von ber preußischen Regierung entgegenkommender behandelt zu werden, darüber sollte man ftch docy nachgerade auch bei ben Regietenben klar geworben fein, xurcl) die Zeitungen geht jetzt erneut bie Nachricht, baß bemnachst eine Erhöhung ber preußischen Zivilliste geiorbert werden würde. In Verbindung mit bet allgemeinen Erhoyung bet Beamtengehälter, bebingt butch bie zunehmenbe Verteuerung bet Lebenshaltung, soll, wie jetzt bie „D. Nacht." criahren Haven, auch eine Erhöhung ber Bezüge ber ber Krone unterstellten Beamten eintreten. Um diesen Mehrbedarf zu decken, fotte eine entsprechende Erhöhung der Zivilliste des Königs von Preußen beantragt werden. Uebet diesen Rahmen hinaus dursten keinerlei Anforderungen gestellt werden. Neuerdings ist nun auch davon die Rede gewesen, daß sogar das Neia) zu den Neyrasentations- kosten des Kaisers einen Beitrag leisten Ivlle. Wenn man in solcher Weise immer wieder mit Forderungen cm die Parteien heranttitt, so sollte man ihnen gegenüber auch un Gewayren nicht gar so zurückhaltend sein. Wenn aber eme Barter gevefreudig gewesen ist, so sind es die Liberalen aller Tehattierungen
Nach längerer Pauie hat nun am Donnerstag die h-sstl.che Zweite Kammer ihre Arbeiten roietier amgenorn^ Anfrage des Abg. Hitschel über den Wohnungsgeldzuschutz für Staatsbeamte, bie außerhalb ihres Tumflortes wohnen, wurde in dieser Sitzung vom StaatSmmiftcr Ewald Mit einer Erklärung beaiilwortet, wonach hier nur der dienstliche Wohnort als maßgebend betrachtet loerbe. Bei emer Anfrage der Abgg. Köhler und Nebel über bie Regelung der Mstellungs- und Gehaltsverhältnisse der Kommunalbeamteii erklärtedie Regierung, tz sie es ablehnen müsse, bie Regelung dieser von der Revision der Verwaltmig^esetzgebuny m die Wege zu leiten. Nachdem der Vertreter bann noch beruhigende Erklärungen aus eine Anftage über bie Felbberemigung gegeben Halle, tra o.e Kammer in bie Beratung bes Gesetzentwurfes über bw Furtzvrge- kasse für Beamte ber Lanbgemembeu unb weiterer Kommuncüver bände ein. Die Debatte hierüber schloß bannt, daß Minister Braun die Zustimmung der Regierung zu den Beschlmsies des Ausschusses bekannt gab, unb daß auch bxe übrigen gi^ucr^nut Einschluß des Sozialdemokraten Ulrich sich für den Ausschuß


