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22.2.1908 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 43

158. R

Ettchttw SaNch mit VllSnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oderhessen

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91 EMetzeuer LamtNenvlätter- werden dem ,Bnaetger* ötermol wöchentlich beigelegt, das ^Intiblatt für vea Kreis Sletzen" zweimal «Schentttch, Die ^Landwirtschaftlichen Seit« hefte erscheinen monatlich zweimal.

liberalen Leipziger Theologen, aus der er zahlreiche Bei- piele herausgriff, suchte er seinen Standpunkt zu be­gründen, und man kann wohl sagen, daß dies mit Geschick geschah und von gründlicher Beherrschung der in Frage

Ans Statt unt Land.

Gießen, 22. Februar 1908.

Die Gießener SanitätskoLonne.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul- strabe 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion:12. Tel.-AdruAnzeigerGießen»

Samstag 22. Februar 1908

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch» und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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Aus dem in der Hauptversammlung der hiesigen Zrerwilligen Sanitätskolonne vonr Roten Kreuz erstatteten Jahresbericht für 1907 dürften nachstehende Angaben für unsere Leser von Interesse sein:

Die Mitgliedschaft betrug zu Ende des Jahres 38. Mn Stelle des von hier versetzten Oberarztes Dr. Flath ist der hiesige praktische Arzt Dr. S ch ä s f e r als Kolonnenarzt gewonnen worden. In jedem Monat wurde ein Uebungs- aoend unter Leitung des Kolonnenarztes oder des Ko- Imnensührers abgehalten, wobei durch Berbandübungen, Erträge usw. die weitere Ausbildung gefördert wurde, besondere Aufmerksamkeit wurde der Ausbildung im Ver- trundetentransport auf Wasserfahrzeugen und in der Ein- r chtuug solcher Fahrzeuge zum Transport gewidmet, nach- rm rn den vorausgegangenen Jahren Landtransport geübt n? k*1 10ar" Hauptübun g, zu der sich der Bor­

gende des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz, r-verkonsrstorialpräsident a. D. Dr. Buchner aus Darmstadt,, cingesunden hatte, mußte leider des strömenden Regens h . i^och wurde im Hofe des Depots eine

rze ^rag- und Werbandübung abgehalten. Ueber den

< Ausbildung sprach sich Oberkonsistorialpräsident I?"^ud aus. Die Führer- und Aerzteversamm- l»ng IM Rcg..Bezirk Wiesbaden '

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? Hattenrod, 21. Febr. Der Gesangverein Eintracht" hier veranstaltet morgen eine Abendunter­haltung mit nachfolgendem Tanz. Mr wünschen dem Verein, für den diese Veranstaltung mit nicht qcrinqcn Kosten verknüpft ist, einen recht zahlreichen Besuch.

= Bad-Naüheim, 21. Febr. Die Bestrebungen unserer Bürgerschaft, anstelle des beabsichtigten Um- bezw. Anbaues des alten Bahnhofsgebäudes einen vollständigen Neubau des Empfangsgebäudes zu bekommen, werden aller Voraussicht nach von Erfolg gekrönt sein. Don der Ersenbahndirektion zu F-rankfurt ist die Nachricht licrhergelangt, daß sie den ursprünglichen Plan zugunsten Les von der KürgeMaLtz gewünschtem; Neubaues auM^

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Febr. Der Kaiser wird, wie verlautet, ten Herbst d. I. wieder München besuchen, zur Ein- loeihung der neuen preußischen Gesanotschast und der Echackgalerie, _bie damit verbunden wird, sowie zum Be­such der Ausstellung, die in diesem Jahre in München Itattfinbet

Würzburg, 21. Febr. Der katholische Stü­tze n t e n v e r e i nN o r m a n n i a" hat seinen alten Herrn, ren früheren Benefiziaten Dr. Engert, Chefredakteur des 20. Jahrhunderts, der bekanntlich exkommuniziert wor- den ist, ausgeschlossen.

Wiesbaden zu Limburg und die daran kommenden Gebiete Zeugnis gab. Er kam zu dem Schluß, 1 H protze Geländeübung wurde von einigen Wt^ daß der Wisfenschnst das letzte Wort gehöre und die Religion

politische Lageshcyau.

Bundestreue.

Zn der bis jetzt weder der Form noch dem Inhalt nach bekannten aus Berlin nach Wien gerichteten Mit­teilung über die Haltung Deutschlands in der Frage der Sandschakbahn wird geschrieben: Zwar besteht hier nicht der geringste Zweifel an der Burwestreue des deutschen Reiches, aber die russische Regierung hat sowohl von der französischen wie von der englischen Prejse so starke Be­weise von Sympathie bekommen, daß es nützlich erscheint, jeden Zweifel an der politischen Solidarität »wischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland vor ganz Europa durch eine klare positive Kundgebung auszuschließen. Deut: land will sich in der jetzigen politischen Bewegung wegen der Orientbahn öffentlich an die Seite Oester­reich-Ungarns stellen. Aus Berlin ist nämlich jetzt die Mitteilung nack) Wien gelangt, daß d;e deutsche Re- g i e r u n g entschlossen sei, dem Verbündeten Oesterr.- Ungarn anläßlich des Streites wegen der Sandschak-Bahn einen Beweis der Bundestreue zu geben. Es stehe eine Erklärungdes Berlin er AuswärtigenAm- tes in dieser Angelegenheit bevor, woraus hervorgehen soll, daß Deutschland fest entschlossen ist, Oesterreich-Ungarn in jedem Falle auch bezüglich der Orientpolitik die Bun- bestreue zu beweisen und jeden Eingriff in die Orient­politik Oesterreich-Ungarns zurückzuweisen. In der öster­reichischen Presse wird diese Mitteilung mit Genugtuung -mfgenommen.

parlamentarisches.

Berlin, 22. Febr. Tas Abgeordnetenhaus setzte in seiner gestrigen Abendsitzung die Beratung des Kultus-Etats beim Titel Dispositions-Fonds für das elementare Unterrichts^ wesen fort. Einige Titel wurden erledigt und die Weiterbv- ratung auf heute vormittag 11 Uhr vertagt. Tas Abgeord­netenhaus nahm heute zunächst den Gesetzentwurf betreffend Herstellung einer Eisenbahn-Tamvsfähren-Verbindung zwischen Saßnitz und Trelleberg unverändert an und setzte dann die dritte Beratung des Kultus-Etats fort. Beim Titel höhere Mädchenschule;; erklärte der Minister, diese nach Kräften fördern zu wollen. Heute abend wird die Beratung fortgesetzt.

Tie Branntweinsteuer-Kommission des Reichstages vertagte ihre heutige Sitzung mit Rücksicht auf _ die durch die Ernennung des neuen Reichsschatzsckretärs ge­schaffene Lage auf unbestimmte Zeit.

Weimar, 21. Febr. In der heutigen Sitzung des wei- nrarrfchen Landtages erklärte Staatsminister Dr. Rothe bei der Beratung eines Antrages auf Abänderung des ^andtagswahlgesetzes, beziehungsweise der Ersetzung des indirekten durch das direkte Wahl verfahren, daß gegen die Einführung des direkten Wahlverfahrens nichts nnzuwe;wen sei. Tie Negierung wolle aber erst die weiteren Verhandlungen der Aussck-ußberatungen abwarten, ehe sie sich teilt einer Vorlage an den Landtag wende.

Oldenburg, 21. Febr. Ter Landtag hat der Vorlage Wer die direkte Wahl der Abgeordneten zum Landtage zuge- Itimmt.

Ausland.

Brüssel, 21. Febr. Der Vertreter des Sul­tans Abdul Asis, El Mokri, ist hier eingetroffen, llm, wie es heißt, wegen einer Anleihe für den Sul- an zu verhandeln.

London, 21. Febr. Im Befinden des Sir H^ e-ampbell Bannerman ist eine Besserung ein- setreten.- Gleichwohl deuten die liberalen Blätter darauf tut, daß Asquith bald die Nachfolge des Premier- temisters übernehmen werde. Auch Haldane, der Kriegs- »nnister, ist an der Influenza erkrankt.

Paris, 21. Febr. Die von einem Berliner Blatt ver- Mentlichte telegraphische Meldung, daß französische -'cartneoffixiere mit Gewalt in die Moschee in -JtngaboT eingedrungen seien und die Beamten nußhan- »elten, wird amtlich dementiert.

gliedern besucht. Der Schriftführer berichtete über die dort gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen.

Durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung ge­wann die Kolonne ein geeignetes Depot, in welchem seit­dem alle Uebungsabende abgehalten und alle Geräte und Verbandmaterialien in sachgemäßer Weise aufgestellt wurden. Die Anschaffung eines Schrankes ermöglicht die staubsichere Aufbewahrung der Verbandstoffe. Die dringend nötige Uniformierung konnte nur teilweise durchgeführt werden, indem Litewken und Leibriemen für alle Kolonnen-- mitglieder angeschafft wurden. Die etwa 900 Mk. be­tragenden Kosten wurden vom hiesigen Zweigverein vom Roten Kreuz getragen. Der hessische Landesverein gewährte eine Unterstützung von 300 Mk. Die Einrichtung von SVerbandstellen in verschiedenen Stadtteilen hat sich bewährt. Sie sind dem Publikum kenntlich gemacht durch an den Häusern angebrachte Tafeln mit der AufschriftVer­bandstelle der Freiwilligen Sanitätskolonne" und dienen der ersten Hilfeleistung und als Unfallmeldestellen. Den Verbandstellen entsprechend ist die Stadt in fünf Bezirke eingeteilt zum Zwecke möglichst rascher Alarmierung. Die Sanitätskolonne wird in stetig wachsendem Umfange zur Hilfeleistung herangezogen. Im abgelaufenen Jahre sind, abgesehen von unbedeutenden Leistungen, 109 Fälle zu verzeichnen, darunter 34 Transporte Verwundeter ober Schwerkranker. Außerbem würben bei Festlichkeiten usw. vorübergehenbe Wachen in zusammen 57 Stunden gestellt.

Der erfreulichen Entwicklung gegenüber bietet die finanzielle Seite ein trübes Bild. Den Einnahmen für Wachestellung und von freiwilligen Zuwendungen im Gesamtbeträge von 513 Mk. stehen Ausgaben in Höhe von 1139 Mk. gegenüber. Das Defizit wurde in diesem Jahre durch Zuschüsse aus der Kasse des Zweigvereins vom Roten Kreuz gedeckt. Da der Zweigverein dazu nicht mehr imstande ist, wenn er nicht seinen eigentlichen Zweck, Bereithaltung der nötigen Mittel zur Errichtung eines Lazaretts im Mobilmachungsfall, gefährden will, so ist die Sanitäts- lolonne gezwungen, auf Erschließung eigener Einnahmen zu sehen. Da nach der Satzung eine Hilfeleistung niemals oon einer Bezahlung abhängig gemacht werden darf, die freiwilligen Spenben sehr gering sinb, die Ausgaben aber im Verhältnis ber Hilfeleistungsfälle stetig anwachsen, so soll burch Gewinnung unterstützender Mitglieber, denen außer der Zahlung eines Jahresbeitrags keine Verpflich­tungen erwachsen, eine Erhöhung der Einnahmen erreicht werden.

** Aus dem Militär-Wo chenblatt. Beför­dert zu Lts. ber Res.: die Vizefeldwebel bezw. Vizewacht- meister: Eck (Aschersleben), des Jnf.-Leib-Regts. Großher­zogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Arnicke (Bernbürg), des Großh. Hess. Tram-Bats. Nr. 18, Wiechard (Metz), des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Der Abschied bewilligt: Funk, Oßwald (Gießen), Obcrlts. der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots, Schott (Gießen), Hauptm. der Landw. 2. Aufgebots der Telegraphentruppen, letz­terem mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform.

* Vortrag über Radioaktivität. Am 13. d. M. hielt Privatdozent Dr. Schmidt in der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde seinen zweiten angekündigten Vortrag über Radioaktivität. Während der Vortragende das ersten Mal die von den radioaktiven Substanzen ausgehenden Strahlen einer Besprechung unter­zogen hatte, wies er dicsesmal an Hand einiger Experimente nach, daß bestimmte radioaktive Substanzen beständig ein radioaktives Gas, die sog. Emanation, entwickeln und daß sie andere in der Nähe befindliche Körper ebenfalls radioaktiv machen. Diese beständige Massen- und Energieabgabe ein starkes Radiumpräparat ist z. B. stets wärmer als feine Umgebung wird nach der Rutherford'schen Zerfallstheorie dadurch erklärt, daß ein Teil der radioaktiven Atome zerfällt und daß bei diesem Zerfall die in den Atomen aufgespeicherte Atomenergie sich in Strahlungsenergie umsetzt. Durch die Zerfallstheorie ober, wie man auch sagen kann, burch die Umwandlungstheorie dec Elemente", lassen sich die ver- chiedcnen Eigenschaften ber radioaktiven Körper ohne weitere Hypothesen in emmandsfreier Weise erklären. Ein experi­menteller Beweis für die Richtigkeit der Rutherford'schen An- chauungen ist dadurch geführt worden, daß man die Ver-

: sich ebenfalls den von ihr durch die. Vernunft fest gestellten Wahrheiten zu fügen habe. Dem Vortrag, der mit Beifall ausgenommen wurde, folgte eine sehr lebhafte Diskussion, 1 die sich bis zur Mitternachtsstunde hinzog.

** Aus d e in yuicuii ocö « tudtthea ter s. Nochmals sei auf das heutige Gastspiel des Erdgeist- Ensembles hingewiesen. Ueber Emmy Schrott), Darstellerin der weiblichen Hauptrolle inErdgeist", jahrelanges und erstes Mitglied des Thalia-Theaters in Hamburg, schreibt 1 gelegentlich ihres Gastspiels am Jrwing-Place Theater in New-York die dortige Staats-Ztg.":

Gin fröhliche? Kindergesicht .... wenn es nicht um eintge unten wäre, die diesem Gesicht einen Zug von Energie verleihen, der wenig zu diesem Bilde zu passen scheint. Es spricht bei aller Jngendirtsche und allem Frohsinn ein ernster Wille aus diesen Zügen, der Wille einer zietbewußlen Natur. Dian glaubts ihr, wenn sie versichert: Seit meinem zweiten Jahre schon spiel' ich -Theater, ich bin ein sogenanntes Theaterkind und fühl' mich nur ans den Brettern der Scheinwelt ganz in meinem Element. Dort ist mein Reich! Wenn ich da oben zwischen den gemalien Palästen und öarten und Salons stehe, bin ich, was ich scheine. Tort spiele ich nicht die Lnlu, Franziska oder das Rautendelein, dort lebe id) sie, dort bin ich mit Leib und Seele.

Es sei daran erinnert, daß die morgige SonntagS- vorsteNung wegen des Nachmittagskonzertes erst um 8 Uhr beginnt. Der übermütige französische Schwank scheint auch, wie auswärts, besondere Anziehungskraft auszuübcn.

^Kolosseum. Der fünfte Tag der internationalen Damen-Rmgkärnpfe hatte folgendes Ergebnis. Frl. Mu­ra nky-Ungarn siegte über Frl. Knorr-Rheinland in 16,17 Min. durch Armuntergriff. Der Entscheidungskampf Frl. Richter-Schlesien gegen Frl. Rosbowsky-Oslpreußeu endete mit dem Siege ber Schlesierin in einer Gesamtzeit von 46 Min. durch Untergriff an ber Seite. Im Kampfe Frl. K ö n i g s w ä r t e r - München gegen Frl. v. b. Straaten siegle erstere in 7,02 Min. durch Armfallgrlff am Boden.

Volkskonzert. Wir wollen nicht veriehlen, noch ein­mal am das morgen abend 7 Uhr in der Turnhalle am Oswalds- garlen siatlfindende Lolkskonzerl (f. Inserat) hinzuweisen und zu recht zahlreichem Besuch auizuiordern. Abgesehen davon, daß sich die Veranstalter des Konzertes in dankenswerter Weise in detr Dienst der Volksbildung und sozial ansgleichenden Bestrebungen gestellt haben, dürste nicht jo bald die Gelegenheit wiederkehren, zu so geringen: Entgelt einen Sänger von dem Ruse eines Adolf Al ü l l e r zu hören. Und wer die übrigen Solisten, Fräulein Annie Alüller, Herrn Gustav Simon und Herrn Julius Hahn, schon ge­hört hat, weiß zu beurteilen, daß sie wohl berufen sind, an der Seite eines solchen Aleisters auszutreten.

Auf Veranlassung des Kaufm. Vereins für weibl. Angestellte wird, wie man uns schreibt, morgen Sonntag, nachmittags 5 Uhr, im HotelKaisechof Frau Sophie Bardorff au§ Frankfurt a. M. einen Vortrag halten. Wir verweisen auf das Inserat in heutiger Nummer unb bemerken dazu, daß Frau Bardorff durch einen kürzlich gehaltenen Vortrag in Kassel große Erfolge erzielt. Der Kaufm. Verein für weibliche Angestellte ist bemüht, die wirt­schaftliche Lage und gesellschaftliche Stellung aller im kaufm« Berufe stehenden weiblichen Angestellten zu heben.

** Die Not in den deutschen Wolgakolonien. Man schreibt uns: Der Geschäftsführer des Ev. Haupt­vereins für deutsche Ansiedler und Auswanderer, Sic. Fan re in Witzenhausen, der diese Gegenden kürzlich selbst bereist hat, schreibt darüber:

In den Gouvernements Samara und Saratow am Nordufer des schwarzen Aleeres und an der mittleren Wolga wurden vor bald 150 Jahren 27 000 Deutsche angesiedelt. Sie haben sich in- zwischen aus 650 000 Seelen vermehrt. Dadurch ist der Sandbesitz der einzelnen Familien io gering geworden, daß alljährlich nach Verbrauch der knappen Ernte bittere Not herrscht. Durch wieder­holte Mißernten ist nun geradezu Hungersnot ausgebrochen. Ter -i.od wütet unter den Ansiedlern, und besonders unter den Kindern. Zu einzelnen Teilen haben die Kolonisten durch Baumrinde und ähnliches ihr Seben gefristet. Diese tast ständig wiederkehrende Not hat eine starke Auswanderung entstehen lassen. Kapitalkrästige Agenten suchen diese nach Amerika zu lenken. Dadurch würden diese kerndeutschen Elemente dem Deutschtum verloren gehen. Der Hauptverein hat darum den Versuch gemacht, diese Settte u a ch Deutschland zurückzubringen als Ersatz für d i e s e h r z w e i s e l h a s t e n f r e m d l ä n d i s ch e n A r b e 11 e r, die jetzt zahlreich in Deutschland guten Verdienst finden. Der Ver­such ist geglückt. Jni vorigen Jahre wurden 550 Familien und 440 Emzelarbeiter zurückgeführt, von denen ein Drittel in der In­dustrie, zioei Drittel in der Landwirtschaft Beschä'tigung fanden. Zu weiterem fehlten bisher die Mittel, da die völlig mittellosen Auswanderer die 230 Mk. für die Familie betragenden Reisekosten nicht ausbringen können. Der Hauptverein bittet daher dringend um Beihilfe für dieses nationale Siebeswerk. Der Unterzeichnete chließt sich dieser Bitte an und erklärt sich zur Vermittlung von Beiträgen bereit. Auch die Geschäftsstelle des Gieß. Anz. nimmt Gaben entgegen. D. Schlosser.

* Besitzwechsel. Das ehemals Reatzsche Be­sitztum in den Neuen Bäu en wurde von der Stadt an ben Inhaber des Eafä Skalitzch zum Preise von 75 000 Mk. verkauft. Ein Teil soll zur Straßenerweiterung verwendet werden. Die-alten Gebäude werden niedergelegt und dafür wird ein großstädtisches Cafo errichtet werden.

** Unfall. Der bei der Firma Kröck u. Müller hier beschäftigte Dachdecker Köhler aus Großen-Linden kürzte heute morgen vom Dach des Maschinenhau- es an der Biebertalbahn. Er schlug beim Fall gegen eine Laterne an, die zwar die Wucht des Falles milderte, ihm jedoch die rechte Gesichtshälfte ausriß. Auch innere Verletzungen scheint Köhler davongetragen zu haben. Er wurde von Leuten der Sanitätskolonne nach der Klinik verbracht. Der erste Verband war ihm von Bahnbediensteten angelegt worden.

Wandlung von Radium in Helium nach Gewiesen hat. Wie uns mitgeteilt wird, findet der dritte Vörtrag über Radio­aktivität am Donnerstag, 27. Febr. 1908, abends 8.30 Uhr pünktlich im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts statt. Herr Dr. Schmidt wird an diesem Abend über das Vor­kommen radioaktiver Substanzen in Luft und Erde sprechen und den Vortrag so gestalten, daß er auch ohne Kenntnis der beiden oorhergegangenen verständlich ist. Wie zu allen Vorträgen der Oberhessischen Gesellschaft sind auch zu diesem Vortrage Gäste willkommen.

** Freidenkervereinigung. In der gestrigen ziemlich gut besuchten Versammlung der hiesigen Freidenker­vereinigung im Einhornsaale, der ziemlich gut besetzt war, prach Dr. Falter von hier über das ThemaReligion und Wissenschaft". Er ging bei seinen interessanten Darlegungen davon aus, daß die Vernunft allein über alles entscheiden könne und der Anspruch der Religion, daß es zwei Wahrheiten gebe, gerade so ein Unding wäre, wie ihr weiterer Anspruch, allein die kulturellen Werte, also Wissenschaft, Sittlichkeit und Kunst bestimmen zu können. An der Hand einer kürzlich erschienenen Dogmatik eines

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