Ausgabe 
21.11.1908 Viertes Blatt
 
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Nr. 275

Drittes Blatt

Samstag 21. November 1908

Erscheint UigNch mit Ausnahme des Sonntags.

158. Jahrgang

R.-tattonSdnlck und Verlag der Brübkfchea Untoersnäis - Buch- und 6teinbnidereL R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und TrnckereiW Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

9lcöattion:e^ 112. Tel.-AdruAuzeigerGießen.

TieEiehrner Zamilien''lÜ11er- werden dem ^Anzeiger' viermal wöchen lich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Liehen" zweimal wöchentlich. Die£anbroktfd}üftlid}cn Zeit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Srkeral-Anzeiger für Ederheffru

Versammlung auf Antrag der Bur germcisierci, um der Ar beitSlosigkeit ab uhelscn, Nolslandsarbeiten auSsühren zu lassen und zwar sol.en mehrere Straßen ausgebaut wer> den, zu welchem Zwecke ein Betrag von 36 200 ML. bcnnlligi wurde. 9hid) soll an den Staat das Ersuchen gerichtet werden, in ähnlicher Leise für die Beschäftigung der Arbeits­losen in Darmstadt zu sorgen. Der Gastwirreverein für Darmstadt und Umgegend teilt mit, daß im nächsten Jahre gelegentlich des in Turmstadt tagenden Bundestages oeut- scher ©afüüirte eine Ausstellung für Hotel- und Wirts cyas tstve sen ftattjinben soll und ersucht um billige H^rgabe des jehigen Ausstellungslerrains. D.e Der lümmlung beschloß, bc.n Verein das AuSstetlungsterrain aus 10 Tage zu.n Preich von löüu Mk. zu überlassen, dafür aber dem Verein zu den Kosten der Ausstellung einen Beitrag von 1500 Mk. zu gewähren.

Litrscn Wdchcnbericht.

--- I r a n k s u r t a. M., 20. Nov.

Die Politik verdirbt der Burse noch immer die Laune. Wohl sind die innerpolitischen Sorgen durch die Lösung der Kanzterkcijis einer beruhchtercn Auffassung gewichen, allein cs herrscht jctzi noch eine gewisse Unsicherheit iiwc^ig aus die Lösung der schweren Ausgaocn, die in gestalt der zur Beca.ung ftcbvn den ReichSsinanzreform dem 'Jicüoc harren. Daß d.e Beratungen nicht ohne heslige politische Kämpfe erfolgen werden, barüuer ocst.hr kein Zweifel und gibt man sich auch der tzosstiung hm, Mis der Reichstag die Sclfwicrigteiten des Problems überwinden werde, so ver,pürt man an der Börse vorerst doch keine Lust, ans der Zurückhaltung herauszutrctcn, umsomehr, als auch die Lage der auswärtigen Politik in den letzten Tagen wieder Anlaß zu unliebsamen Erörterungen und Besorgnissen gegeben hau In dieser Hinsicht erweckten namentlich die weechungcn aus Serbien und Montenegro Bedenlen, weil man aus der Zuspitzung der Ani- niojitut gegen Oesterreich Schwierigkeiten für die Lösung der Baikanfrage besüru-ten zu müssen gmubte. Die Tatsache, daß auch die Wiener Börse auf die Vorgänge im Orient neuerdings stärker reagierte als bisher, bestärke d.e deuischeu Märkte in ihrer pessinust>sch<n Ausfasmng und damit auch in ihrer Zurück­haltung. Dazu kam, daß cum die übrigen Auslandsmärkte nur eine geringe Stütze toten, als auch Loniwn und Par.s ver­kehrten in der abgelausenen «..v: vorwiegend in schwacl)er £)av= tnng. In New yo r k hat die Präsidentenwahl einen weiteren "Aufjilfwung ois setzt ilia). gebracht. Nach der stürmischen Aus- wärisoewegung der lciäcn Wochen scheint jetzt eilte gewisse Er­nüchterung Platz gegriffen zu haben, man beginnt einiges Miß­trauen gegen die Zaiseurc _>u hegen, ja, es werden bereits vorn Kupferm-arkt wieder ungünstigere Berichte verbreitet, die in lrasfcm Gegensatz zu den noch vor acht Tagen in die Wett lancierten Hciu,sc- beriuiten stehen. Es ist in der Tat schwer, sich augenblicklich ein klares Bild von der industriellen Lage Amerikas zu machen, überall begegnet man Widecipcüchen und Spekulackonsmanüvern. Auch an der Londoner Börse ist nach dem .tzaussetauinel am Minenmarkt eine äieaklion eingetreten, angeolich auf Positions­lösungen der Pariser Spekulation, die sich in Minensa-arcs außer- ordenttich stark engagiert hacke. Was-spezic.l h'c deutfchen Markte oetriffr, so kann zurzeit von einer Ueber.pekulation wie an den Aus.ains örsen nicht gesprochen werden, die Gefahr eines nennend» werten Rückschlages ist daher kaum vorhanden. Unsere Börsen­kurse »eigen wohl das Bestreben zur Auswckrtsoewegung, aber zu einer forcierten Kurssteigerung scheint man selbst in Bankkreisen

wenig geneigt zu sein. Neben den politischen Sorgen sind e-3 hauptsäcl tick) auch die immer noch schlechten Abfatzvcrhältnisso der Industrie, die jegliche Unternehmungslust unteroinden. Selbst die bedeutsame Nachricht von der Preisermäßigung der fiskalischen Kohlengruben im Saarrevier, die auch endlich eine enlfpreckienüc Maßnahme des Kvhlensyndikals erwarten läßt, blieb ohne Nnsluh auf die Börse. Immerhin zeigte sich trotz der ge- fajiiberkn Berhültnijse nur geringe Neigung zu Realisationen, da die Erwartung einer wir.,c.msttiu)en Besserung, wenn auch erst 5um Frühjahr, weitere Kreise besangen hält. Die außerordentlich g mistigen Gcldverhältnissc sprcckrcn allerdings sehr für eie Berechtigungen dieser Hoffnungen. Auch in dieser Wock-e war Geld rec t flüssig, lvas namenilich wieder unseren sestverzinslickiLN Werten s.hr z-stu.len kam; heimische Fonds konnten sich wieder vesestigen, nur sremde Dienten lagen teilweise schwächer. Bon Banken gaoen österreichische Sorten im Einklang mit Wien stärker nach, auch öfterreichifche Bahnen lagen matter, nament­lich Lombarden auf die .Erörterungen in der Versammlung der Prioritäre. Amcr.vaner srnd etwas höher. Auch Schiff­fahrt s a k t i c n weiter beststiat. Am M o n t a n m a r f t c hielten ,ich vüttcnakticn besser als Kohleuiverte, weil über den Stab­ei sc nuiac kl ettvas beifcrc Berichte Vorlagen; die Stabeifenpreise sollen sich von ihrem Tiefstand etwas erfaßt haben. Bon an­deren I n d n st r i e pa p i e r c n slckgen (Sljemiiajc Mannheim 6 Prozent, Bergmann Elekirizität 10'/a Prozent. Kleinere jkurs- ueiänih'rungen nach oben und unten sind vielfach zu verzeick-neu. Prioatdiskonw 2t*/16 Pwzent.

Ein Lcckerdiffcn für die Kinder.

Oberschöiiiveide b. Berlin, Wilhetminenhoislr. 62 II., 12. Sept. 1907.

3d) habe mit dem andauernden Gebrauch von Scotts Emulsion, die ich meinen Kindern aus ärztliche Verordnung hin eine Zeitlang verabreichte, bei diesen im Alter von 2 und 6 Jahren, üclene und Willy, einen ganz großartigen Eriolg erzielt. Die Mlcuien scheinen die Emulsion als Vcdeibijfen au betrad)ien und büpicn herum und freuen sich, wenn sie nad) der Mahlzeit ihre Leons Emulsion belonunen. Während der sechsjährige Willy noch vor einigen Monaten fortwährend auf einem Flecke saß, springt er jetzt vergnügt und munter herum. Id) konnte zusehends feststellen, wie die Kinder munterer und kräftiger geworden sind."

r-v (gcj.) Frau A. SkowronSki.

Ac-'V 3°, die Kinder nehmen ihre Scotts Emulsion gern und mit Freuden. Das ist nicht mehr / lasä» der ihnen so widerliche, gewöhnliche Lebertran,

q zu dessen Einnchmen sie meist gezwungen wer-

U V?l den mußten, und der ihnen deshalb ost mehr f/J schadete als nützte. Scotts Emulsion besitzt alle c>. h -y^^r- Aorzüge von reinem Lebertran und ist frei von dessen Nachteilen. Sie schmeckt angenehm und $iart^®n5irlet *'t 001 aUcm ieicht zu verdauen eine Folge 1 be^°ecciu 1366 langerprobten Scottschcn Herstellungsoer- DerjahreüLl fahrens.

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Aus StaM und Land.

Gießen, 21. November 1908.

Ausschuß der Gießener Studentenschaft. In der am Nilttivoch, 18. Nov., abgehaltenen Gesamt-Aus­schußsitzung der Gießener Studentenschaft konstituierte sich der Engere Ausschuß für daS Wintersemester 1908/09, und zwar: 1. Vorsitzender: stud. math. Gottsr. Stratemeyer, QJlott).- Natlirw. Verein; 2. Vorsitzender: stud. phil. Fritz Fischer, Alemannia. 1. Schriftführer: stud. phil. Hcinr. Rausch, Vertrelcr der philofoph. Fakultät; 2. Schriftführer: stud. theol. Fr. Clotz, Wingolf. 1. Kassenwart: stud. phil. Karl Wißmaiin, diormannla; 2. Kassenwart: stud. pharm. Rob. Becker, Hasso-Guesiphalia. Beisitzer: stud. niath. Clio Karst, Verein deutscher Studenten.

* El adtt Heater. ®8 sei besonders darauf hin­gewiesen, daß am nächsten Sonntag nur die Abendvorstellung slatlsindet, in der Gerhart dauptmannS Drama ,(£Igae zur Ausführung gelangt. Die Titelrolle wird von Frl. Achterberg gegeben, der StarschenSkt von Herrn Goll, dessen vortreffliche Leistung ooin vorigen Jahre her bekannt lst. In größerer, Rollen sind noch beschäftigt die Herren Roden, Völcker, Wemgärtner, Kohlmann, Ziegler und Volk, sowie die Taiueu Höcker und Scholz. Der Ehorgesang der Ntönche, der d,e einzelnen Btlder deS TraunreS stimmungsvoll verbindet, wird vom Maschinenbauer-Gesangverein auS^eführt.

fc. Vilbel, 19. Nov. Heute nachmittag fand in der Stadt Raffel* eine Sitzung des BezirksauSschufseö der Landwirtschaftekammer statt. Es wurde zunächst Oct und Themata der in nächster Periode abzuhalienden Versammlungen festgesetzt, sodann verschiedene landwirlschasl- tiche Fragen behandelt. Landwirt H. Fuik-Vilbel beklagte sich u. a. über den in der LandmirlschaftSlämmer herrschenden Bürokratismus und über ihre Buraliflen, die nur schreiben und immer schreiben und unzählige Zuschriften an die Ver­trauensmänner der Bezirksausschüsse ergehen lassen, die weil- loS und ohne jegliche Bedenlung feien. Fink bat um Be- feihgung dieser Papierlätigkeit. Die Anssührungen sanden Beifall.

R. B. Darmstadt, 19. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde bcschlo,,en, zum Besten der bei der Grubenkatastrvphe in HammVer­unglückten einen Beitrag von 1090 Mk. zu bewilligen. Dann beschloß die Verfamuilung, dem Antrag der Bürger­meisterei gemäß, am Lehrerinnenseminar ein viertesSe- minarjahr einzurichlen, aus welchem Grunde der Staat feinen Beitrag für das Seminar von 4000 Mk. auf 6000 Mk. erhöht. Das vierte Seminarjahr ist notwendig geworden, infolge des mit Preußen und Baden abgeschlossenen Ber- tragsverhältniises. Ein Antrag der Handarbeitslehrerinnen der Viktoriaschule auf Gleichstellung mit den Gehältern der Volksschuliehreriiinen ttrurbe abgelchnr. Wei.er b.schiog die

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