Jtv. 200 - Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 20. August 1008
Der Lietzener Anzeiger / «ezuaSpret-r
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SS? General-Anzeiger für Oberhefsen WM
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im Donnu?aSnionu^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Unw.'vuch. und Zteindruckeret. R. Lauge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze r. !u^e,'^mesi°?'H."BÄ
Icttunfl der Manöver ist Erzherzog Franz Ferdinand betraut worden.
Keine Anleihe, kein Marineabkommen. Laut „Daily Chronicle" hat daS Kabinett weder die Ausnahme einer Anleihe zu Floltenzwecken, noch ein Marineabkommen mit Deutsch- land je in Erwägung gezogen.
Ein neues Unterseeboot. In der Geschütziabr ik MarimS in Narrow werden, wie hiesige Blätter melden, geheime Versuche mit einem neu erfundenen Unterseeboot unternommen, daS bestimmt sein soll, eine Revolution in der K 0 n st r u k - t io n von submarinen Schiffen heroorzurusen. Die Einzelheiten über den neuen Typ werden streng geheim gehalten.
Telephonische Verbindung zwischen Europa und Amerika. Zwischen dem französischen Kriegsmmislerinm und dem amerikanischen Ingenieur Forest wurde ein Vertrag ab- geschloffen, wonach schon Anfang September eine drahtlose telephonische Verbindung vom E i s e l t u r m nach New-4) ort hcrgestellt werden soll.
politische Tagesschar».
Die Abiturientenprüfung.
Zur Umgestaltung der Abiturientenprüfung verlautet, l d rß außer Bayern noch Schwarzburg-Rudolstadt den preußi- I-chen Vorschlag auf freiere Anwendung der Kompensationen I bgelehnt hat. Sämtliche anderen Bundesstaaten haben Ibim preußischen Standpunkt zugestimmt, der ein „Ungcnügenb* I n einem Fach durch eme besonders gute Leistung auch in I • inein Nebenfach ausgleichen und die endgiltige Entscheidung :i i die Hände der Prüfungskommission legen will. Da Elsaß- Asthringen bereits seit längerer Zeit im Einklang mit den dresdener Abmachungen über die gegenseitige Anerkennung ökc Reifezeugnisse eine Prüfungsordnung eingeführt hat, die atm preußischen Standpunkt vollkommen entspricht, kann man annehmen, daß Preußen sich diese Lösung der Frage auch zu -irzen machen wird.
Deutschland und Marokko.
Allem Anschein nach ist Muley Hafid gesonnen, das von j,einem Bruder mit den Mächten abgeschlosiene Algerirasabkommen unzucrkennen. Wenigstens läßt eine Meldung aus Tanger vom 25. d. Mts. eine solche Deutung zu. Der Minister des Aeußern J.’iuleij Hasids, El Mcncbbi, hat nämlich die Führer der Stämme n der Umgebung von Tanger unb die Truppenabteilungen zu- LUtmengerufen, um ihnen mitzuteilen, daß er sie verantwortlich iir^che für etwaige Unbotmäßigkeiten und für alle Handlungen, bu mit den Borschristen der Algecirasakte in Widerspruch ständen: c wies daraus hin, daß die Algecirasakte ihren Missetaten und iicu Attentaten gegen Europäer entgegenstche. Die Anerkennung ■ i>ec Wgecirasakle durch Muley Hasid ist natürlich für die Mächte ||Vorbedingung seiner Anerkennung als Sultan. Muley Hafid I ut also jetzt wohl daran, alle Verpflichtungen feines Bruders ■11 übernehmen. Nun fragt es sich allerdings, wie die Marok- ! Inner sich hierzu stellen werden. Abdul Asis verdarb es mit inen, weil er sich nach ihrer Meinung gar zu sehr mit den I lanzosen eingelassen hatte. Die Franzosen aber sind den Marok-
.’.icrn die am meisten gehaßten Feinde. Als Muley Hafid mit dem heiligen Kriege drohte, errang er sich sofort die Sym- . .lhien der Marokkaner, weil ihnen dieser Krieg nichts anderes deutete,' als der jkrieg gegen die Franzosen. Atulcy Hafid uirb sich in Wirklichkeit natürlich hüten, einen solchen Mieg > 1 izufangen Er ist einsichtig und verständig genug, um sich jbft zu sagen, daß ein Krieg gegen eine europäische Macht uussichtslos ist. Sehr interessant ift es, die Gesinnung der ma- csilanischen Bevölkerung gegen Deutschland kennen zu lernen. U tajor Tschudi, der vor etwa zwei Jahren in den Dienst des r-ütans Abdul AsiS trat, um das marokkanische Jngenieurwesen , 1 reformieren,macht einem Mitarbeiter des „Tags" fehr inte- ? isante Aiilteilungen über die Deutschfreundlichkeit Muley W i>isids und der Marokkaner. Wir lesen hierüber im „Tag' :
. Senii Sie mich fragen, ob Muley Hafid deutschfreundlich Iji. so möchte ich die Frage dahin beantworten, daß die Si- .Aition eine solche Freundschaft allerdings mit sich bringt. Vculey >2 cfib hat das Volk hinter sich, und das Vol list den Deut- j u i. freundlicher gesinnt als irgendeiner anderen Nation.
1 n dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Zum Beispiel traf ich i nem Ritt in der Gegend von Rabat zwei Schauialeute. Sie litßen mich passieren, dann hörte ich, wie sie den iMter mir leitenden, mich begleitenden Kaid fragten, was für cm Landsmann idj sei. Unb als sie hörten, ich sei ein Deutscher, kamen sie irran, hielten mir eine große Ansprache und baten mich, ne doch in ihrem Dorfe zu besuchen. Sie versicherten, ein Deutscher tonne 1 lücrall unbelästigt reisen: er würde stets willkommen sein. Ein | ^anzose aber —. Uno bann folgte eine Gebärde des Hals- g .bichneidens. Um so bezeichnender ist es da — sowohl für ■ ss-ianzosen wie für Marokkaner — daß von Easablanca bis nach ■ Ncbat und sogar nach Tale — einer Stabt, in der feine Ehristen ■ loiohnen — französische Offiziere unbelästigt Herumreiten können. 1 2 je Lehre von Casablanca ist also nicht fruchtlos gewesen. W fiür uns Deutsche sind diese Beobachtungen recht intcrcfia^nt.^
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Das Befinden b e s K a 1 s e r S F r a n z I 0 s e f ist nicht beste. Ter greife 3?toimvd) hat die geplante Teilnahme an flioßcn Mauöoein ui Unaarn ausgeben müssen. JJht der Liber»
Deutsches rreich.
Einnngeblichcr Unfall desKaisers. Die Gerüchte, hjionad) der Kaiser in Kassel beim Reiten einen Unfall erlitten habe, entbehren, :i11116 von autoritativer Seite mitgeteilt roirb, jeöer I Mgründung. Ter Kaiser hat gestern früh bei bestem Wohlsein ,m Begleiiung der gesamten kaiserlichen Familie, soweit sie ut '^ssel anwesend ist, einen Spazierritt unternommen: die Abfahrt zu den Kaiser-Paraden in Elsaß-Lothringen erfolgt l)eute früh.
verzog Karl Borwin von Mecklenburg- Ttrelitz, Der jüngst» Sohn des Großhcrzogs Adolf 6°Diedrich, iii"i in vergangener Nacht an einem Herzleiden Sdfwweru
22er Herzog gehörte dem diesjäl-rigen Kürsus der Kriegsschule c.. Herzog Karl Borwin hat iwd) nicht ein Atter von zwanzig Athren erreicht. . «...
Der iialienische Minister des Aeußern, Titian i, der sich vorgestern abend von München nach Bad Juiutai** I-nU begab, war gestern vorntiltag in Berchtesgadcii emgetrosien, uni dem Siautssekretär von Schoen auf dessen ^Landgut-Lchonhaufl e inen Besuch abznstatten. Atinister Tittoni kehrte gefbern abend und) Lad Reichenhall zurück. m
Bürgermeister Schücking hat Befchwerde bet dem Re- x erungspräsidenten wegen der Beschlagnahme von Privatvrtcien ciiljoben. , . ,
Der Geseßentwurf über die Einwivkuna von für me nunter st üpung auf öffentliche ot echte in tepr im Reichsaint des Innern fertiggestellt und liegt deni preuwEfi Liaatsministerium vor. lieber den Inhalt haben ,ich die samt- lL2jcn Rcssons des Reichs und Preußens^bereitt> O^tntgü Tw Erläge entspricht in ihren Grundsätzen den Wumchen, die nn Ksichstage von verschiedenen Seiten geäutzert wurden.
Tie Verhandlungen über den deutf konischen Lehreraustausch , dem Emtusmun
I fiwrium und dem Carnegie-Jnstilut in Newi)ork haben zu folgendem K-sultal geführt: Im Lttober gehen em preutziich« Oberlehrer üb.D sechs Proberandidaten nach Amerika, um an yoh^ren^chulQi m Reuyorl, Boston, Newbaven, Worcester, Chicago und^Exetev !zu unterrichten, wahrend die Union 12 Herren S" uns d ui größeren deutschen Universitätsstädten unterrichten fallen und !|]L:id?5citig die betreuenden Universitäten besuchen werden.
Ausland.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 26. August 1908.
• • Hohe Durchreisende. Heute morgen um 5V, Uhr passierte auf der Fahrt nach Metz ein Sonderzug des Kron» prinzenpaareS unb uni ltsi/4 Uhr ein solcher bes Kaisers ben hiesigen Bahnhof. Der Kaiser hatte hier 10 unb baS Kronprinzenpaar 5 Minuten Aufenthalt.
• • Pfarrpersonalicn. Se. Kgl. Hoh. ber Groß - Herzog haben ben von Sämtlichen Niedesel Freiherren zu Eisenbach auf bie evang. Psarrstelle zu Blaar präsentierten Pfarroerwalter Joh. Beller zu Freiensteinau unb ben von Sämtlichen Niebesel Freiherren zu Eisenbach auf bie evang. Pfarrstelle zu Freiensteinau präsentierten Hilfsgeistlichen Ang. Memmert zu Nürnberg bestätigt.
• • Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Joh. Hartmann zu Hammelbach eine Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Hainstadt. Erledigt ist eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Hirschhorn.
• * Erledigt ist bie Stelle de§ Hauptsteueramts- renbanten bei dem Hauptsteueramt Offenbach unb bie Stelle bes Bezirkssteuerkontrolleurs zu Nibda.
• • Museum de§ Oberhessischen Geschichtsvereins. Der Bericht im »Gieß. Anz." vom 24. August 1908, Nr. 198, »Fränkische Gräber" bebarf einer Ergänzung. Bei ben letzten Ausgrabungen auf bem Trieb wurde unter ei,'.er großen Steinjetjung ein St'einkistengrab mit Skelett- beüaltung aufgebedt. Die Waffen — Schwert unb Speerspitze — sind betreiben Art, wie sie in der Untiefe bei La Tfcne am Neuenburger See, einer großen keltischen Siedelung, gefunden sind. Als Beigaben sanden sich ein kleiner goldener 'Rippenring, Gürtelhaken unb Ning, Armbanb von Eisen unb ein bronzener Halsring vor. Bon den Toten waren nur noch Zahnkronen erhalten. Auf Schwert unb Gürtelriug zeigten sich noch bie Abdrücke von Gewebe. Bezüglich ber Steine wirb bemerkt, baß einige Zeichen ben Charakter von Runen aufweisen, ob bas aber eine Runenschrift ist, wirb noch nachzuweisen fein. — Eine hocherfrciiliche Spende von 30 0 Mk. hat die Kasse be§ Lberhessifchen Geschichtsvereins für bas Museum von einem hiesigen ungenannten Gönner erhalten, wofür an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen wird.
• • Nachweis der Befähig u ng z ur Ue d e r na hm e eines Kirchenamts. lieber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung unb Anstellung ber Geistlichen betr., zur Ueberuahme eines Kirchen- amteS nolroenbigen Eigenschaften ist ber Nachweis erbracht worben bezüglich ber Kanbidaten der evang. Theologie Herrn. Bingel zu WormS, Wilh. D i l l zu Wieseck, Hans Eichenauer zu Ober-Ohmen, Ernst zur Stieben zu Barmen, Wilh. Sehrt zu Gronau und Wilhelm Vollrath zu Traisa; bezüglich der kathol. Geistlichen Theodor Sturn auS Speyer, VRlh. Weil aus Eich und Adam Winkler aus Viernheim.
• • Der FortbildnngSkursus für Organisten und Kantoren des Großherzogtums Hesien wird unter Leitung deS Kirchenmusikmeisters Profesiors Llrnold Mendelssohn vom 21. September bis 10. Oktober in Darmstadt abgehalten werden.
• • Gründung einer hessischen Kaminfeger- gesellschaft. Am 2. b. M. fand in Darmstadt eine gut besuchte Versammlung der hessischen Kaminfegergehilfen statt. ES waren Vertreter auS Darmstadt, Mainz, Kastel, Alzey, WormS, Butzbach, Dieburg, Bensheim, Gernsheim rc. erschienen. Nach eingehender Beratung wurde bie Grünbung einstimmig beschlossen unb als Sitz Darmstabt gewählt. Zum ersten Borsitzenben unb Altgesellen wurde Emil Wenzel- Darmstadt, Karlstr. 30, gewählt, woselbst sich auch die Geschäftsstelle befindet. Als Schriftführer wurde Freida-Darm- ftabt, unb als Rechner WeiSrock-Kastel mit Stimmenmehrheit gewählt, weiter wurden Erubner-Butzbach für Oberhefsen und Wagner-Alzey für Rheinhessen als 93er- trauenSmünner ernannt. Als Jahresbeitrag wurden 3 Mk. (halbjährig zahlbar) festgesetzt. Durch die Gründung der Vereinigung wirb hauptsächlich die Erzielung eines guten Einvernehmens mit der Innung bezweckt, sowie eine Förderung des Standes, Herbeiführung einheitlicher Anstellungsgrundsätze rc. Mit einem Hoch auf die Meisterschaft wurde die Versammlung geschloffen. An die noch fernstehenden Gehilfen ergeht die Bitte, sich bei ben Vertrauensmännern baldigst als Mitglied anzumelden.
* * Einbruch. In versiossener Nach, wurde in einem Laden am SelterÄveg eingcbrochcn und für ca. 300 Mark Dainen- ko n f e k t i 0 n s w ar en , L;::i :nb in Blusen von schwarzer und weißer Seide, Damenmäntcl und einer Taftjacke, geswhlen. Dre
Diebe Ijabcn die Sachen in einen Karton verpackt, auf dein sich der Ausdruck 40—50 befindet. Außerdem erbrachen sic d.eKafs und nahmen den Inhalt, ca. 30 Mark Wechselgeld, mit. D.e Täter haben vom Gonen au-5 eine Fensterscheibe eingedrückt und ind so in den Loden cingesticgen.
** Verhüteter Unfall. Gestern nachmittag, als ber Zug der Bieber tat bahn an 8 bem Bahnhof ausfuhr, bog plötzl.a> ein von der Robheimer Straße kommendes Fultrwerk direkt vor dem Zug in den llebergang nach der Lahnstraße ein. DaS Zugpersonal brachte den Zug uit letzten Nloment zum stehen unb Der • hütete ein Unglück. Der Leiter dok Fuhrwerks soll bctrun. ii; gewesen sein unb das Gejährt nicht in seiner Gewalt gehabt habeiu.
"NeueS Leben blüht auS den Ruinen! Die Bauwerke ber ehemaligen Reibcr'schen Groß-Schreinerei an ber Ecke der Wieseck und Bahnhofstraße waren für bie Gegend, als die Schreinerei noch im Betriebe war, feine Zierde. Als vor mehreren Jahren baS Besitztum veräußert wurde, ver- wandelten sich die Gebäude in Ruinen. Der Zustand war mit bet Zeit, besonders in den letzten beiden Jahren, noch unleidlicher geworden, weil dec nach der Straße zu gelegene unbebaute Platz zum Lagern von allerhand altem Baumaterial benutzt wurde. Seit einigen Wochen hat die Eigentümerin des wertvollen Grundbesitzes, die Baufirma Winn u. Co., tabula rasa gemacht und den ganzen alten Plunder nieder- gerissen, nachdem man schon früher baS räumlich große, dahinter mit der Front nach der Wieseck gelegene Seitengebäude zu einem schmucken, für die Zwecke ber Firma geeigneten GeschäftSbau umgestaltet hatte. Der burch bie Abbrucharbeiten frei geworbene Bauplatz wirb mit einem architektonisch wirkungsvoll gestalteten Doppelhaus bebaut, besten Fastabe nicht nur nach ber Bahnhofstraße, fonbern auch nach ber Wieseck zu auSgestaltet werben soll. Zurzeit schweben mit ber Stadt noch Verhandlungen, um in der einen ober anberen Weise längs der Wieseck unmittelbar an dem projektierten Hause eine Arkaden-Anlage zu schaffen, die später eventuell von ben Anliegern bis zur Ucberbrücfung an der Frankfurter Straße fortgesetzt werben könnte. Es ist wohl zu hoffen, daß bie Stadtverordneten-Versammlung dazu ihre Genehmigung erteilt. Würbe boch gerabe an bieser exponierten Stelle durch ben projektierten Arkabenbcm bie Alicestraße recht vorteilhaft gehoben werden. Jedenfalls wirb mit bem Neubau schleunigst begonnen werben, bannt er Mitte k. Js. bezogen werden kann.
— Großen-Linden, 26. 9(ug. Zu unserem Bericht' über die Kircheneinweihung sei noch mitgeteilt, daß auch die Mitglieder des Gemeinderats sich an ben Stiftungen beteiligt haben. Sie stifteten zusammen einen größeren Beitrag zu den gemalten Kirchenfenstern. — Ein Teil dec Weiß- binberarbeiten wurde, wie ergänzend bemerkt sei, non dem hiesigen Weißbindermeister Dern ausgeführt.
—b Niederdessingen, 25. August. In letzter Zeit kamen hier verschiedene Wäschediebstähle vor. Zwei Frauen der ausländischen Arbeiter an dem Bahnbau wurden unter dem dringenden Verdacht, bie Diebstähle begangen zu haben, in Haft genommen. — Der Landwirt Bill hatte einen ausländischen Arbeiter in Logis genommen. Am andern Morgen, als Bill sich ins Feld begeben wollte, lag der Arbeiter noch im Bett und stellte sich krank. Vorn Felde zurückgekehrt, fand der Mann das Belt leer. Dec Kranke ivar spurlos verschwunden und mit rhm l20Mk., die in einem Schranke aufbeivaljrt lagen.
X Nidda, 25. Ang. Ende voriger Woche wurde an einem hiesigen Bürger ein gemeiner Bubenstreich verübt. Man riß ihm Bohnen, Erbsen und Gurken in feinem Garten mit den Wurzeln aus, brach ihm einige Nosen- bäumchen unb Blrimenstöcke ab unb zerschnitt ihm bie Waschleine. Gehört einem solchen Täter nicht die Prügelstrafe? Gestern verunglückte in dem Steinbruch auf der „Beunde^ ein Arbeiter und mußte mit gequetschten Bcm nach Gießen zur Klinik verbracht werden. — Einen schönen Anblick bieten gegenwärtig die Obstanlagen an den Staats- und Kreisstraßen. Die dort gepflanzten Bäume, lauter edle Sorten, sind so reich mit Obst behangen und baS Obst selbst ist so schön, daß den betreffenden Kaffen ein reicher Betrag zufließen wird.
h. Frankfurt a. M., 25. Aug. Auf dem Standes» amt entdeckte man heute bei zufälliger Einsichtnahme der Register, daß von frevelhafter Hand die Urkunde über Goethes Geburt herausgeschnitten worden ist. Wann die Tat verübt wurde, ist noch nicht festgestellt. Gegen eine Gebühr können die Register vom Publikum eingesehen werden.
fc. Schlüchtern, 24. Aug. Der zweigeleisige Tunnel durch den Distelrasen bei Elm auf der Strecke Frankfurt—Bebra, der mit 3560 Meter Länge einer der größten Eisenbahntunnels in Deutschland werden wirb, wird am 1. Juli 1912 fertiggestellt sein.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 25. Ang. Auch eine Spezialistin.
Irn letzten Winter bestellte die Hausiererin K. H. aus Dußlingen ^Württemberg- mittels einer Postkarte von Friedberg aus, wo sie sich mit einem gewissen Bach umhertrieb, bei dem Landcsgesängnis ^roäbi^tfH)a^l eine Sendung Fußmatten und unterzeichnete bie Karte mit dem Namen Marg. Stroh. Ten Namen fingierte sie um deswillen, weil sie annahm, sie würde mit Rücksicht auf ihre frühere Internierung in der betr. Anstalt keine Waren zugeschickt bekommen. Als die Sendung in Friedberg ankam, veranlaßte sie den Weitertransport nach Nieder- Wöllstadt: es fehlte ihr aber an Geld um bie Nachnahmesendung einzulösen, weshalb sie sich, nachdem sie an der Stationskasse abgewiesen war, an den Lademeister wandte und ihn bat, ihr


