Ausgabe 
24.9.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. S25

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

^"hne von hku,<

EsitSaofen

Wonbers schlinnn trieb es die ehrsame Jungfrau Charlotte Hoyer, büt nicht ihrer Tuacibcn. sondern ihrer Untugenden wegen eine

DaS BeNnden b e 5 flönigS von Rumänien hat sich üerfdjliimncrt.

Eine antidynastische Berschwör-ung ist in Lissabon entdeckt worden.

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen UnwersitälS Buch- und Elemdruckerei. R. Lange, Dießen.

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Immerhin wird die Vorlage dem Reichstage bald nach seiner Wiedereröffnung zugehen können. In der Veröffentlichung des ^taalvsekretärs Sydow in der .Nordd. Allgem. Ztg.' ist die Jn- seralen- u n d E l e k t r i z i t ä t S st e i, e r, wie in BundesrcuS- kreucil angenommen wird, deSivegen nicht erwähnt, weil beide Entwürfe wegen der vielfachen Schwierigkeiten noch nicht enbgiltio fertlgqestellt werden koiintcn.

Deutsches Reicl).

Ter Reichstag wird nut 4. November -usammentreten, der preußische Landtag am 20. Oktober.

Tie BundesratS-Ausschüssc, die am nächsten Ntontag zuir Beratung der Re i 6) s si n a nz r e i 0 r m znsammentreten,

Ausland.

Das bulgarische Fürstenpaar ist gestern in Buda­pest vom Kaiser Franz Joses mit ganz besonderen Dhren empfangen worden.

Der türkisch-bulgarische Konflikt. Nach den In- iormationen, die den Sofiaer diploniatischen Kreisen aus Konstan- tinopet zugegangen sind, kündigte der Großwesier an, das anläß­lich des Zwischenfalles Gcschow eine Note an die bulgarisehe Regierung abgehen werde. Sie soll die Erklärung enthalten, daß die Pforte dnrch die Nichteinladnng (Lelchows keineswegs Bul­garien habe beleidigen ivollen; da die Note jedoch die von Bul­garien verlangte Satisfaktion und die Anerkennung der bulgarischen

DieGießener Familienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das .Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie Landwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- siraße 7. Expedition und Verlag: 5L

Rcdaklion:^sSNS.rel.-AdruAnze,gerSicben.

; im meinem Hause gedient. Für eine Köchin kann sie gelten, und iiit zu Zeiten folgsam, höflich, sogar einschmeichelnd. Allein durch Siipii Ungleichheit ihres Betragens hat sie sich zuletzt ganz unerträg- Iioq gemacht. Gewöhnlich beliebt es ihr, nur nach eigenem Willen Hi. bandeln und zu kochen: sie zeigt sich widerspenstig, zudringlich, jrrob, und sucht diejenigen, die ihr zu befehlen haben, auf alle Weise zu ermüden. Unruhig und tückisch, verhetzt sie ihre Mit- binenben und macht ihnen, wenn sie nicht mit ihr halten, das licken sauer. Außer anderen verwandten Unttigenden hat sie nich die, daß sie an den Türen horcht. Welches alles man, iwd) der erneuten Polizeiverordnung, hiemit ohne Rücksicht be­sorgen wollen." Dieses Zeugnis übersandte der Aussteller dem t'lizeikollegium und vergaß nicht dabei zu melden, daß die schift das Blatt, woraus das Zeugnis der vorigen Herrschaft Standen, zerrissen und die Fetzen im Hause herumgestreut hab.

i der Gelegenheit charakterisierte er das Mädchenals eine der boshaftesten und inkorrigibelslen Personen, die mir je borge» ioomnen". Männliche Dienstboten trieben es oft noch schlimmer ' i\\ weibliche. Sie sündigten durch Trunksucht und Unsittlichkeit, ü't genug mußten sie Mnall und Fall entfernt werden. Gegen einen besonders störrischen, einen gewissen Gensler, wandte sich L Riethc an die Bel)örde. Denn jener l>atte auf einer Reise, während i a-aus dem Bocke saß, sich mit dem Kutscher gezankt, ja geprügelt, in war durch herrschaftliche Ermahnungen nicht zur Raison zu irrngen, und roemi auch gegen Goethe selbst nickt geradezu gewalt- an, so doch gegen seine Begleiter und Gesährten nnberroärtig iirt> grob. Da ließ ihn Goethe, nachdem er in Jena einpassiert ivar, irtfadj auf di-^Wache bringen, verlangte von der Behörde zu ver< niileln, die Sachen des Unzuverlässigen abholen zu lassen und

1 Kit Herrn in seiner Ruhe zu beschützen.

Heber Kongreß-Abzeichen lesen wir int ,?Werk- )lntt" (W. Diehener, Leipzig) einige beherzigenswerte Worte, die ioaIe Beachtung verdienen.Wir stehen jetzt in der Saison der

i o 5 Schicksal d c r ArbeitSkammer-Vorlage. Bekanntlich ift die Arbeitskammer-Vorlage am 4. Februar ds. I§. dem Bundesrat zugegangeu und von ihm einem besonderen Ansichuß zur weiteren Beratung, Ausarbeitung und Ergänzung überwiesen worden. Wie nun die .Berliner Uniocrsal-Koiiefp.' von gut unterrichteter Seite hört, soll die Vorlage seitens des Aus- schusseS einer bnrchgreflenden Aendcrung miterworfen worden sein. Die Anlehnung an BermSgenoffenschaften dürfte in Wegfall kommen, der WahlmoduS für Arbeitervcrlreler geändert werden. Tagegen bleiben die paritätisch angeordneten ArbeitSkammern und das Bcru'Sprinzip für die Bildung der Kammern bestehen. Ta die Aorarbeiten ziir llmändernng der Vorlage sehr umfangreich sind, dürste die Erledigung durch den BuiideSrat unb bie Einbringung in den Reichstag erst gegen Weihnachten erfolgen.

Dem Bürgermeister Tr. S ch ü ck i n g in Husum ist der Urlaub, der am 21. d. Mts. abläust, mit Rücksicht auf seine Krank- heil bis znm 29. verlängert worden. Die für den 29. ds. festgesetzte Verhandlung vor dem Bezirksausschuß ist auf den 10. November vertagt worden.

Die Hauptversammlung deS Gustav Adolf- Vereins ist gestern in Straßburg mit einem Festgottesdienst er­öffnet woiden. Vom Kaiser war auf das BegrüßungStelegramm eine sehr huldvolle Antwort eingelaufen.

Aus der Sozialdemokratie. Eine Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Stuttgart beschäftigte sich gestern abend mit dem Parteitag in Nürnberg. Eine Resolution, ivelche die Er­klärungen der süddeutschen Delegierten im Budgetstreit gut hieß, wurde abgelehnt. Tie Versammlung erklärte sich mit dem Beschluß des Parteitages einverstanden.

DerKaiser und das Haus Lippe. Nach der Lippe- schen Tageszeitung steht der Tetinolder Hof den Veröffentlichungen über den Kaiser und das Haus Lippe fern und beklagt sie auf das lief Ile. Seltsam ist es aber doch, wie derartige Dinge m die Seffent- lichkeit gelangen.

Zeppelin. Nach einer von kompetenter Seite angestellten Berechnung dürfte die Summe aller für die Zeppelin-Spende ein- gegangencit Beträge etwa 6 Millionen Mk. erreichen. Um Friedrichshafen den Gljaraftcr einer Residenzstadt zu bewahren und verhängnisvolle Grundeigentums-Spekulationen zu verhüten, zu denen der erwartete Zuzug von Beamten und Arbeitern der Zcppclin-Neuanlagen bereits Veranlassung gegeben hat, wird die Luftschissbau-Zeppeliu-Gesellschast eine größere Anzahl von Ein­familienhäusern für ihre Angestellten errichten. Es wird er­wartet, daß die König!. Domäne, von der die dazu benötigten Grundstücke erworben werden sollen, sich entgegenfommenb zeigt. Diese Häuser sollen den Beamten und Arbeitern zu Selbstkosten­preisen gegen jährlich Ratenzahlungen abgegeben werden.

Das Komitee des internationalen Preß-Kon­gresses in Berlin hat beschlossen, daß in Zukunft nur alle zwei Jahre ein Kongreß abgehalten werden soll. Für 1909 wäre London als Kongreßort an bie Reihe gekommen, da aber der nächste Kongreß nach dem jetzt gefaßten Beschluß erst 1910 statt- finden soll und England aus verschiedenen Gründen politischer Natur für 1910 nicht einlaben kann, so hat Griechenland bei dem Kongreß den Antrag eingereicht, den nächsten Kongreß im Jahre 1910 in Athen abzuhalten, lieber diesen Antrag soll in der nächsten Samstag-Sitzung verhandelt werden.

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28. 3al)re$yerfammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und wohltätigteit.

II.

1 Hannover, im September 1908.

In der Diskussion der Referate überDie Bel-andluug der , erwcrbsbeschränkten unb erwerbsuilsähigen 2B a n b e r a 1 m e n 1 Famen u. a. Oberregieruugsrat Widmann (Subtoigöhafin , otabtrat Dietrich (Plauen , Siadtrat Dr. M ü n sterb e 1 g Merlin) zum Wort. Es stellte sich dabei, wie schon in den ' Referaten eine im Lause der Zeit cingetretene Veränderung der Anschaigmgen heraus. Einmal wurde, während man jiülhi die Rot der enverbsbeschränkten unb erwerbsunfähigen, der törperlirl, oder geistig minderwertigen Wanderarmen als etwas Unab­wendbares anzuschen geneigt war, wurde jetzt allgemein an - erkannt, daß sie geradezu unerträglich sei, datz diese Leute ebenso den Schutz der Äesellfchast gegen ihr Elend bedürfen wie die Geiellschaft des Schutzes gegen sie. Weiler erhob sich kein Wider- sprach mehr gegen die Forderung, daß unter Umständen im beiderseitigen Interesse die Einweisung sowohl der arbeitsscheuen Kunden im Arbeitsanstalten, als auch der arbeitsunfähigen und beionders Der psychisch Minderwertigen, deren unter den Wanderern eine so große Anzahl ist, in für sie geeignete Anstalten, durch Zwang erfolgen könne. Die allgemeine Errichtung solcher An­stalten mit tüchtigem Personal wurde allgemein gefordert, ebenso vorbeugende Maßregeln durch bessere Berussausbildmig der aus der Hilfsschule Entlassenen, der Knüppel usw. Zum Schluß wurden folgende Leitsätze angenommen: 1. Die Grundlage her Fürsorge lür die enverbsbeschränkten unb erwerbsunfähigen Wanderarmen bifbet eine geregelte unb allgemein burä)gesührte Wanocrersüriorg - mittels Wandererarbeitsstätten unb zeitgemäß umgestalteten Asyle für Obdachlose. 2. Als Ergänzung der Fürsorge ist die Ge­währung von Zwangsmitteln gegen solck>e Wander armen erfor­derlich, die eine geregelte Fürsorge ablehnen, insbesondere die zwangsweise armeirpolizeiliche Einweisung in eine geeignet * An­stalt. 3. Wanderarme, die wegen erl-eblicher geistiger ober körper­licher Mängel der Anstaltspslcge bedürfen, find von den Armen- perbänben in geeigneten Anstalten unterjubringen. 4 Für die bet Anstaltspflege nicht bedürftigen Erwerbsbefchräukten sind durch Staat und Gemeinden und zu ihrer Ergänzung durch die freie Lrebestätigkcit Einrichtungen zu schaffen, die, wie Arbeiterkolonuen, Brockcnsammlmigcn, Schreibstuben, ArbeiterFolonien usw., die Mög­lichkeit von Beschäftigung gewahren sowie Einrichtungen, die in planmäßiger Weise Arbeit vermitteln.

Eine begreiflicherweise große (Spannung wurde in dem nun folgenden Referat der Frl. Dr. Alice Salomon aus Bersin überMutterschutz unb M u 11 e r s ch a f t s v e r s 1 ch e - rung" entgegen gebracht. Auf der Mutterschaft, so führte bic Rednerin aus, beruht wesentlich die Bedcutuiig der Frau für bic Menschheit. Der Behauptung: alle Kultur sei Männerwerk, tritt der richtige Ausspruch entgegen: Jeder Mann ist aber der -2ohu einer Mutter. Die Frage ist, wie hoch das gewertet wird. Die,e Wertung war früher größer, als die Familie muh ge­flohener war. Heute wird bet Mensch mehr für Gesellschaft unb Staat geboren. Der Beruf führt den Heranwachsenden bald -aus der Familie. Was für ein Ersatz wird der Mutter geboten? Die Frau ist in der Ze*it, da sie ein Kind unter dem Herzen trägt, besonders beschränkt in ihrer Arbeitsleistung, unb besonders fdjufcbebürftig. Das macht sich besonders in den besitzlosen Teilen des Volks geltend, wo die Fran mit erwerben muß. unb wo an Mitteln zur Vorsorge für solche Zeit fehlt, und ebenso aber bei ben unverehelichten Müttern. Da muß die Frau oft bis zum letzten Augenblick arbeiten, unb schon nach wenigen Tagen wieder am Herd und an der Waschbütte stehen. Vielfach wirb bet Notstand verschärft durch Unfähigkeit und Unwillig leit der Männer, das Mtige für ihre Frauen zu tun. Der Notstand wächst mit nut der Zahl der Kinder bis zu einem wahren Martyrium der Frau. Der ledigen Mutter fehlt zu alledem meist das Heim, in' beni sie ihrem Kind das Leher: geben kann, unb zwar in einer Zett, m der ihr Halt und Fürsorge am nötigsten ist, unb nachher vielfach die Mglichkeit, das Kind zu ernähren. Für deutsche Verhältnisse ist es charakteristisch, daß die staatliche Gesetzgebung in der Aufastung dieser Not vorangegangen ist. In der Gewerbe­ordnung und in dem Krankenlassengesetz sind die gesetzlick-en Grund­lagen für den Schutz der Mütter vor und nach der Geburt, die Festlegung einer Schonzeit und der nötigsten Fürsorge gegeben. iJeiber machen die Krankenkassen vielfach von den in diesen Be­stimmungen gegebenen Möglichkeiten zu wenig Gebrauch. Der' große Mangel ist aber, daß der Kreis der Frauen, der voir dieien Gesetzen umfaßt wird, zu klein, die Schonzeit zu kurz, die Krankenunterstützung zu gering ist. Das Gesetz ist nach DieIer Saite so auszubauen, daß eine genügende Mutterschafts- verftcherung herbeigeführt wird. Private Veranstaltungen können dafür am besten bahnbrechend ivirken, werden aber nie aus­reichen. Vor allem muffen alle Frauen, die in Jnoustrie, Laud- wirtftyaft, Handel und Hauswirtschaft tätig sind, bis zu einem Einkommen von 2000 Mk. in bie Krankenversicherung einbezogen werden. Die Schonzeit muß aus mindestens 8 Wochen (zwei Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt) ausgedehnt, und für bicie Zeit der volle Arbeitslohn gewährt werden, da sonst geradezu zur Umgebung verleitet wird, ebenso freie Entbindung unb Hauspslege. Sehr entschieden muß strafrechtlich gegen die Manner, die ihre Vaterpflicht versäumen, oorgegangen werden. 7ienm o Mülern die nötige Unterstützung zu verschossen, hat das Bürgerliche Gesetzbuch durch die Bestimmungen in den 1715 unb 1/16 versucht, wodurch bie Väter zur standesgemäßen Ali- mentation, die auf Forderung vorher hinterlegt werben muß, gezwungen werden können. Leider werden diese Bestimmungen viel zu wemg gehandhabt, oder die Väter sind überhaupt nicht zu fasten. Vor allem muß die Möglichkeit der Einrede, daß moglicherweste ein anderer Vater sei, beseitigt werden. Dadurch roub bad Verantwortlichkeitsgefühl der Männer untergraben. Dissen Notständen gegenüber versagt bic öffentliche Armenpflege vielfach Der darin herrschende Grundsatz, nur das grabeju Un­entbehrliche zu verwilligen, hindert vielfach eine genügende Für­sorge für die Mütter. Nur die Einrichtung der Hauspflcge wirb, neuerdmgs von der Städten mehr unb mehr als eint Ausgabe anertomt. Allen armen Frauen wäre freie ärztliche Hilfe, Wasche, Hauspslege für genügende Zett, auch zum Zweck des Stillens der KVnder, von feiten der öffentlichen Armenpflege zu gewähren, ohne baß das die Aberkennung bürgerlicher Ehrenrechte für den J ann zur Folge hat. Am wenigsten reicht die öffentliche Armen­pflege der lebigen Mutter gegenüber aus. Sie bedarf ein Heim, aber auch sittlichen Halt unb Erziehung. Tas soll kein phari- astches Urteil sein. Die in sicheren Verhältnissen lebenden Frauen uw nicht bester als bic lebigen Mütter, sondern eben nur ui bqiewgi Verhältnisse^ Aber die lebige Mutterschaft ift eben;

Kleines Feuilleton.

Goethe im Verkehr. Einem interessanten Aufsatze »Goethe im Verkehr" von Ludwig Geiger im Septcmberhest von j/llorb und Süd" entnehmen wir solgeude hübsche Einzelheiten: «einen Dienern >var Goethe ein gütiger Herr, aber selbst der mit* bixfte wird durch Unboünäfjigfcit männlicher und weiblicher Haus- (ungebörigen aus seiner Güte vertrieben. Wenn dal-cr Goethe auich gar manchmal Briese schrieb, um die, welche seinen Dienst verlassen mußten, anbcmxitig zu empfehlen ober in bessere Stellen nu bringen, so kehrte er doch manchmal den Gestrengen heraus. BC'iut nicht immer l-errschte Friede z. B. im Küchendepartement.

Kongresse. Zu einem jeden dieser Kongresse, sei er auch noch so klein, gehört ein Abzeichen, welchessichtbar zu tragen ist". Tas Geschmacksniveau dieser Abzeichen war bisher ungeheuer niedrig. Irgend ein Goldschmied, bei dem ein Mitglied desgeschäftsführen- ben Ortsausschusses" vielleicht einmal einen Verlobungsring ge­kauft hatte, bekam den Auftrag, und die Arbeit wurde denn auch danach. Erst bei dem diesjährigen großen Turnfest zu Frank­furt a. M. machte man es anders: man erließ ein Jahr vor­her in allen deutschen Kunstzeitschriften cm Preisausschreiben und erhielt denn auck nachher ein Abzeichen, dessen sich niemand zu schämen brauchte. Leider folgte der größte und vornehmste Kongreß, den Deutschland in diefem Jahre hatte, der Internationale Historikerkongreß zu Berlin, diesem Beispiele nicht. Das dortige Abzeichen war einer antiken Münze nachgebildet. Man denke sich: 5000 nagelneue, griechische Münzen, eben erst ausgegraben, blank­geputzt und am Rande rechts mit dem AufdruckBerlin 08" ver­sehen. Die Fratyosen sanden dasravissant", die Italienereeci- tantc" imd die Engländer und Amerikanerbery nice". Und was das Schlimmste war: auch den Deutschen gefiel dieses Ding ganz vorzüglich. Ja, ja, die künstlerische Kultur bei unseren Ge­lehrten läßt noch sehr viel zu wünschen übrig. In welcher Epock>e ausblühender Sachkunst wir uns besinden, wissen diese Historiker wohl jauit und sonders noch nicht."

Ibsens hinterlassene Werke. Aus Christiania schreibt man: Die hiesige ZeitungMorgenbladet" bringt die Nachricht, daß Henrik Ibsens mit Spannung erwartetenHinter­lassenen Werke" im Mär^ 1909 heraus kommen und zwei Bände mit zusammen 1100 Seiten füllen werden. Neben Jugendar­beiten und Gedichten enthält die Sammlung dramatische Entwürfe zu mehreren von Ibsens Hauptwerken, insbesondereKaiser und Galiläer" undRosmersholm". Der Hauptwert der literarischen Hinterlassenschaft Ibsens durfte darin liegen, daß sie einen in­teressanten Einblick in die Arbeitsweise und in bie Entwickelung des norwegischen Dichters eröffnet.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Heinrich Chlorkalk, ein früherer Simplieissiniusmitarbeiter, doffen Komödie .Nlockluitle^ kürzlich in Hamburg angenommen und in Wien glanzend besprochen ivurde, hat mit Peter Squonz einen SchwankIm lenkbaren Luftschiff' vollendet. Tas Stück, das in humorvoller Weise bie Erlebnisse der Passagiere mährend einer nächtlichen Lustschifiahn schildert, gelangt m diesen Tagen zur Versendung an die Bühnen.Die neue Zeit- betitelt sich ein soeben beendetes Schauspiel von Tora Tuncker, dessen Ur­aufführung im Hamburg-Altonaei Stadttheater er­folgen iviid.Ser Herr Kapellmeister' eine fast hundertsähiige Buffooper des einstigen Hofkapellmeisters Napoleons L, Pa er, wurde, wie man uns meldet, in der Neubearbeitung von Brennen unD Tr. Kleefeld m Kol» aufgeführt. Unter der Leitung des GeneralninsikdircttorS Steinbach fand bas mclobiöfe Werk großen Beifall.

>N*Beu9ebaUt.

1 Ma;ie Fiw.

y?Ni ann,

Zweites Blatt 158. Jahrgang Donnerstag /L4. September 1908

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheflen

politische Tagesschau.

Die deutsche Antwort auf die französisch.spanische Note

Die ben Botschaftern Frankreichs und Spaniens durch' ben Staatssekretär v. o ti) 0 n l^ure übergebene beulsche Antwort aus n^tC tüc-°cn der Anerkennung Mulcy Ha- fibt, stellt zunächst bie Uebereinstimrnung ber beulschen Regierung mit ber fratrzostichen und spanifchen Regierung darüber fest daß 'u^duge durch bie neue Entwicklung der Tinge in Marokko geboten erscheinende Anerkennung nur die allen Mächten oe- memiamen Enterestcn ausschlaggebend sein dürfen. Hiervon aus- Regierung nichts daaegen zu erinnern, daß von Mui«) Hafid gewisse, durch jene Interessen bedingte Garantien gefordert werden. d

dcutsck»e Regierung begrüßt als glücklichen Umstand, daß inzwifchiu ..lulch Hastd bereits a» das diplomatische Korps in ganger em amtliches Schreiben gerichtet hat, in dem er seine ± hronbesteiguiig deii Mächten förmlich notifiziert, seine Vltier- rjn^u^O nachfucht und zugleich bestimmte Zusicherungen abgibt uto btc 'Irt, wie er bie Regierung führen werbe, naimntlidj darüber, baß er 11t aden Punkten bic Konscrcnzaktc von Algeciras, liebst sämtlichen bazu ergangenen Aussührungsbestimmungen bc- -olgen werbe, biefem Scksreiben erblickt bic beutschc Die- gicrirng eme neue Tatsache von erheblicher Bebeutting, und sic pricht die Hoffnung aus, daß baraufhin bie französische und spa- mfche Regierung eme Reihe ber in ihrer Note ausgestellten Be- ckngungen als bereits erfüllt anerkennen werben.

Mit ber letzten Maßgabe nimmt bie beulsche Regierung zu einzelnen, in bet identisckzen Akte vorgebrachten Garantie- orberungen folgendermaßen Stellung: sic hat nichts gegen )ic Forderung eiiigiüvenben, daß 'JJhilet) Hafid die Akte von Ägeciras nebst allen dazu ergangenen Aussührungsbestimmungen inzirerkennen yal. Deutschland hat ferner auch nichts gegen die Bestätigung der Frankreich und Spanien zwecks Verhinderung >cs Waffenfckmmggels nach Marokko zeitweilig gewährten Be- aomfie. Den von seinen Regierungsvorgängcrn rechtsgültig ein- icgangcnen Verpflichtungen gegenüber den fremden Mächten, sowie ^rivatperfonen darf sich auch nach Ansicht der deutschen Regierung Nikleh Hasiü nicht entziehen.

Die deutsche Regierung bestreitet Frankreich unb Spanien -liebt bas Recht, die Fragen ber Erstattung der Kosten ür die von ihnen getroffenen militärischen Maßnahmen, sowie ter Sühnung für die Tötung ihrer Staatsangehörigen mit Ma- > okko zu regeln. Sie hegt aber das Vertrauen, daß beide Mächte "bei auf bic finanzielle Lage Marokkos giückficht nehmen werben, «ui bereu Gesunbung alle Mächte ein gemeinsames Interesse haben. )amit endlich, baß bem Sultan nahegelegt tverbe, die persönliche ^'age von Abbul Asis unb feinen bisherigen Beamten angcnieffcn M gestalten, ist bie beutschc Regierung einoerftanben.

Wie man sieht, hat bic beutschc Regierung ben Franzosen «roßes Entgegenkommen bewiesen, was auch bie Franzosen iicrfcnnen. Die französischen Blätter erwarten keine loeitcrim rüsteii Schwierigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich in der Marokkofragc.

Zur Tabaksteuer-Erhöhung.

DieSübbeutsche Tabakzeitung^ erhält soeben von threm Korrespondenten aus Berlin folgendes Telegramm: 3d) erfahre mit aller Bestimmtheit von durchaus zuver- I.issigcr Seite, daß für bic bem Reichstag zugehende Tabak- I rlastungSvorlage nur bie Banderole st er» er auf Zigarren, Oiauchtabak, Kautabak :c. in Frage kommt; ebenso wird bie bereits bestehende Zigaretten-Banberolensteuer bebcutenb er­höht werben. Eine anbere Art ber Tabakbesteuerung soll «bsolut nicht in Frage kommen und gehören alle Zeitung?- toielbungcn in dieser Hinsicht in bas 9ieich ber Fadel. Er- 1 «ahnt sei noch, baß bie Banberolsteucrsätzc von ganz exorbi- iwintcr Höhe gefordert werben sollen.'

lellgrautt deutittt^j -Misse Unsterblichkeit erlangt hat. Zwei Jahre war ,ic im

Md. Weruvr >j ^cthcschcn Hause gewesen, dann mußte sic entlassen werben ulI'x 6s»Relobnuii^ umd erhielt solgenbeS Zeugnis, bas man gewiß nicht als ein

l: -renbcnfmal ansprechm bars:Charlotte Hoyer hat zwei Jahre

?I____LchneidttU,

^ben ..«»menbahiiS in KcichasfSbgchcn UMcefl.anBE' (iS** nc^ic bezieh, eanAbvlaualv,-icü- l'Ucdbcrg i. ck, ranklui-tn.M, __ Televhonim"

'icderbeginn unfern b amen-Scbneiä nd Weissoi:

am 1. Cftobei nnge Damen können c eines jeden Monaiör- Geschtvister Z

Neucnbäue 11,

für schölle Tajelät S' Wwrr n «ö. Trictfch, LudwiüSdvf bei Leib^ kki«- md

lernt man in 4 Sok gründlich. Sft" lüfleln wird angenonnrr M i'udwigsv!-!., Erbitte Offerten in

ringsteiem LranntN e'serbar November-^. radWimtiit L

Geil. On. sub. B. io. »öflieniiein & -

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SI7 nui eine Itein; )Wk wert mit MM is40000 M, binierM. ritc4>wotief.e*{jy

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werben damit voraussichtlich bis zum 20. Oktober zu tun haben. I diplomatischen Agenten nicht erwähiien soll, dürsle sie nach der .immerhin tmrh h.* h,m ... Ansicht der politischen Kreise wenig zu der Beilegung dec. Zwischen­

falles beitragen. Ter türkische Geschäftsträger in Sofia nnlcrnahn, im Au'trage der Plorte bei ber bulgarischen Regieiinig Protest, schritte in der Angelegenheit der Cviciitbalpih-age.

Ter G e s u >i d h e 1 r S z n st n n b der Zarin soll neuer- dings nnbesiiedigend sein. Eie fühlt sich schwach und ist genötigt, sich viel im Rollstuhl fahren zu taffen.