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Expedition und Druckerei: Schul-
Redaktion, straße 7.
Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Expedition und Verlag: 61.
Redaktion:S^H2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Nr. 92 Drittes Blatt 158. Jahrgang Samstag 18. April 1908
erscheint ISgNch mit Ausnahme deS Sonntags. T . a a ?
Die „Stetzener ZamittenblStter" werden dem D Cf iffi Jr §1 '.t/
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das B K SgL^, JL Ay3Ä A C W MW U. :A
„Krcisblatt für den Kreis Stehen" zweimal v V «JL? ™ v g V V WH
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- j* w
fragen" erscheinen nronatlich zweimal. GenemL-AnZerger für Oderhessm
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. April 1908.
Aus Bad Nauheim.
KurhauSterrasse. Die ständigen und an sich nicht unberechtigten Klagen der Kurgäste, daß die Sitzgelegenheit vor dem Musikpavillon auf der Terrasse an Bequemlichkeit zu wünschen übrig läßt, sind darauf zurückzuführen, daß die vorhandenen Bänke häufig von mehr Personen besetzt werden, als wirklich darauf Platz haben. Die Zahl der Bänke, die ausgestellt werden können, ist natürlicherweise durch den vorhandenen Raum gegeben. Um nun für die Zukunft das besonders von Kranken und älteren Kurgästen so häufig mißliebig bemerkte „Dazwrschenklemmen" überzähliger Personen zu vermeiden, werden von jetzt ab die Bänke mit kleinen Metallschildchen versehen werden, auf denen die Zahl der Sitzplätze auf der betreffenden Bank angegeben ist. Ohne Zustimmung der Inhaber einer Bank lann das oben erwähnte Dazwischenklemmen dann nicht mehr slattfindcn. Auch wird ein Angestellter des Kurhauses stets zur Hand sein, um die Durchführung dieser Maßregel sicher zu stellen. — Hierbei möge auch nicht unerwähnt bleiben, daß alte und treue Kurgäste von Bad - Nattheim es wiederholt sehr unangenehm empfunden haben, daß die vorderen Plätze am Konzertpavillon meistens von Nauheimern und Friedbergern besetzt werden. Man sollte doch nicht vergeßen, daß die Kurgäste eben „Gäste" sind, denen gegenüber die Einheimischen stets zuvorkommend und rücksichtsvoll sein sollten! —
Der Verkauf der Dauerkarten für die kommende Zurzeit beginnt Montag den 2 7. April, doch durfte cs sich empfehlen, Anmeldungen behufs Ausfertigung der Karten schon einige Tage vorher bei der Badedirektion zu machen.
Kurhaus. In diesem Jahre wird der Versuch ge» ntacht werden, schon vor t>em Beginn der offiziellen Kurzeit, d. h. vor dem 1. Mai den hier anwesenden Fremden einige Unterhaltungen ün Kurhause zu bieten. — Für Dienstag, 21. April, ist ein Unterhaltungsabend vorgesehen. Der Großh. Hofrezitator Herr Knispel aus Darmstadt wird hochdeutsche und Dialekt-Dichtiingen vortragen, während der Nauheimer Gesangverein Frohsinn Volkslieder |u Gehör bringen wird.
Für SamStag, 2 5. April, haben Mitglieder der Darmstädter Hofbühne einen „heileren Abend in Ton md Wort" in Aussicht genommen. — Kartenverkauf für bcibe Veranstaltungen im Kurhause.
Dienstag, 28. April, konzertiert die beliebte Hanauer Ulanen kap el l e, wenn es das Wetter erlaubt nachmittags mi Freien, allends im Saal.
Großherzogliche Kurverwaltung. Die Großh.
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Kurverwaltung hat für die kommende Kurzeit zwei neue Verkehrserleichterungen getroffen. Die erste betrifft die Rückgabe von Kurkarten. —- Bekanntlich ist jeder sich hier aufhaltende Frenide vom 5. Tag seines Aufenthalts ab kurtaxepflichtig. Erfolgt die Abreise jedoch bis zum 10. Tage nach der Ankunft (den Tag der Ankunft mitgerechnet), so wird von jetzt ab die Großherzogliche Badedirektion die Hälfte der erlegten Kurtaxe zurückzahlen, wenn die Kurkarte bis zum 14. Tage nach der Slnhmft deS Fremden der Badedirektlon eingeschickl wird. —
Gewiße Schwierigkeiten bestanden seither für die Hausbesuch e r von Nauheimer Familien. Von jetzt ab werden den Inhabern von Dauerkarten (Saisonkarten) für ihre HauSbesucher, welche eine Kur nicht gebrauchen, Bei- karten mit 14tägiger Gültigkeit zum Preise von 5 Mk. ausgestellt werden. Nach Ablauf von 14 Tagen bczw. bei der Abreise des Besuches sind diese Beikarten für HauSbesucher an die Badedirektion zurückzugeben. Ueberschreitet die Aufenthaltsdauer deS Besuches zwei Wochen, so kann eine neue Beikarte für dieselbe Person und denselben Preis mit wiederum 14 tägiger Gültigkeit genommen werden.
Seit zwei Jahren besteht eine Einrichtung, welche scheinbar doch noch nicht überall bekannt ist. Neu ankommende Fremde, welche noch nicht im Besitz einer Kurkarte sind, können an den Tageskassen der Terrasse Kurkartengutscheine zum Preise von 1 Mk. erhalten, welche für den Tag der Ausstellung die Siechte der Tageskarte verleihen und am nächsten Tage bei Lösung der Kurkarte zur Aufrechnung gelangen. Sämtliche Hotel-, Villenbesitzer und Vermieter sollten nicht verfehlen, neu ankommende Fremde auf diese Einrichtung aufmerksam zu machen. —
*
** Für den Vogelsberg. Der Frankfurter Zweigverein des V v g e l s b e r ge rtzöhen - Klubs hielt Montag, 13. April in den Vartcrrcräumen des Saalbaues seine Hauptversammlung ab. AuS dem Jahresbericht, der die Zeit vom 23. September 1907, dem Tage der Gründung, bis zum 31. Diärz 19()8 umfaßt, entnehmen wir, daß die Entivrckeluirg des Vereins günstig und die Vereinstätigkeit rege gewesen ist. In erster Linie ist dies ein Verdienst ber, rührigen Bereinsleitung, dann aber auch eine Folge des Interesses, das viele Mitglieder bei den Bestrebungen des Vereins betätigen. Bis zum 31. März war die Zahl der Mitglieder auf 205 angewachsen, betrügt aber heute bereits 217. Es ist wohl anzunehmen, daß nach einjährigem Bestehen die Zahl 300 erreicht sein wird. Die rege Vereinsarbeit kam bei den Wanderungen unb in den monatlichen Sitzungen zum Ausdruck. Wanderungen wurden während des halben Jahves 5 unternommen, die sämtlich nach dem Vogelsberg und ber Wetterau auSgeführt wurden. Sie dienten nicht nur der körperlichen und geistigen Erholung der Teilnehmenden, sondern sollten auch dazu beitragen, das hl reiche Einvernehmen her Zweig vereine anzu streben. Diese Bemühungen waren von dem schönsten Ersvlge gekrönt. Der beschrittene Weg wird auch in dem neuen Geschäftsjahr nicht verlassen werden. Denn nur durch die Erstarkung des Gesamtvereins unb durch einmütiges Zusammenwirken aller Z.veignereme können
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die Interessen des Vogelsberges tatkräftig gefördert werden. W ist ja hier so unendlich viel zu tun, damit der arme Vogelsberg endlich einmal mehr bekannt und weniger verkannt werde. Die ehrende und freundliche Ausnahme, die der Frankfurter Verein bei feinen Wanderungen gefunden hat, wird gewiß nicht verfehlen, ihn anzutreiben, in seinen Bestrebungen nicht müjy zu werden. Denn eine Reihe von Fragen hat der Verein in seinen monatlichen Satzungen behandelt, zu deren Lösung er erst die ersten Da--ritte unternommen hat. Der Bericht zählt unter anderem auf: her- steklung besserer Eisenbahnverbindung Frankfurts mit bem Bogels berg, Pflege des Wintersports, Veranstaltung von Lichtbildev- tort ragen über Oberhessen, Förderung der Schülerwanderungen in der Wetterau und im Vogelsberg. Da gilt es nicht zu rasten. Daneben hat er Bedacht zu nehmen, daß er seinen Mitgliedern nach dem hastenden Treiben des gwßstädtischen Lebens ein Mittelpunkt wird, wo neue Lebensfreude und Lebensfrische gewonnen werden. Zu allen diesen Ausgaben tritt noch die schönste und erhabenste: Tie Liebe zur Heimat und zum Vaterlande zu pflegen. Es ist ja leibet zur Tatsache geworden, daß gerade die zahlungs- fahlgen Streife unseres Volles e§ vorziehen, in dem Auslände: In Italien, an der Riviera, in YLorwegen und anderen Landern Europas Erholung zu suchen, anstatt in den herrlichen ©ebirgen bet Sxiniat. Der alle germanische Wandertrieb mag ia viel dazu beitragen, fremde Gegenden aufzusuchen. Allein dies ist gewiß nicht der einzige Grund für die Erscheinung: denn wem sollte es nicht entgangen sein, zu bemerlen, daß man es beschämend fln.de t, nur im Speisart, der Rhön ooer dem Vogelsberg m der Sommer,rische gewesen zu fein; man muß mindestens einen Teil bet Alpen gesehen haben. Wir sollten hierbei die Franzosen zum Vorbild nehmen, die vor allem die heimischen Gauen aussuchen und nicht nrüde werden, ihre Schönheit preisen. Für unsere herrlichen Gebirgswaldungen aber, mit ihrer frischen Luft und ihrer erquickenden Ruhe noch ein Wort einzulegen, Haden wir m betrat nicht nötig, vier gilt oas Wort: Warum in die berne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah, und das ist für den Frankfurter V.-v.-K. der Vogelsberg.
Mieteorologische Beobachtungen
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