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21.3.1908 Erstes Blatt
 
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Nr.6S Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Samsiag 31. März 1K08

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Li °EmK"l°uh" Hotaiionsbnitf und Verlag der vrüiil'ichen Univ.'Such- und Stelndruckerei. n. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchitlfiratze 7. wrden

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

politifdfoc Lagesycharr.

Hebet die Expedition gegen Simon Copper wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt: Simon Copper war seit etwa Jahresfrist mit 200 bis 300 Mann Gefolg­schaft, unter denen sich auch einige Leute von dec im Februar vorigen Jahres versprengten Lambert - Bande, sowie einige au§ der Gefangenschaft entflohene Witbois und Hereros be­finden, in der Kalahari in der Nähe der englischen Grenze bei Geinab festgestellt worden. Er bildete eine dauernde Gefahr für die am Westrand der Kalahari liegenden Farmen. So wurde durch die Hottentotten seiner Bande die Farm Daberas ausgeraubt und ihr Besitzer Duncan getötet; auch Patrouillen wurden mehrfach angefallen und teilweise nieder- gemacht. Die Versuche der Truppen im Frühjahr vorigen Jahres, den Gegner zu fassen, mußten wegen Wassermangels aufgegeben werden. Die hierbei gemachten Erfahrungen haben gelehrt, daß bei Unternehmungen in der Kalahari- Wüste die Wasserversorgung der Truppe mehr als sonst in Afrika eine Hauptschwierigkeit bietet; in dieser Beziehung wurden daher für die gegenwärtig einschließlich der Etappcn- truppen etwa 700 Mann starke Expeditionsabteilung die ein­gehendsten Vorbereitungen getroffen. Wenn nun auch alle Vorbereitungen aufs sorgfältigste getroffen waren, so erschien es doch sehr fraglich, ob die Expedition einen entscheidenden Erfolg zeitigen werde. Bei dem ungeheuer großen, etwa der ganzen Provinz Brandenburg entsprechenden Operations­gebiet, das Simon Copper zur Verfügung stand, lag die Gefahr vor, daß der Feind sich allen Weiterungen durch einen vorzeitigen Abmarsch entziehen und die vormarschicrende Truppe also einen Luftstoß führen würde. Ein runfaffendes Vorgehen verboten die Waffecverhältnisse der Kalahari; zeit­lich waren die Operationen an die Monate der Tsanasreife gebunden; auch verfügte Simon Copper über ein wohlein­gerichtetes Spionagesystem, sodaß eine Uederraschuug ka»un möglich erschien. Wenn es nun doch gelungen ist, den Gegner am 16. März zu stellen und ihm einen empfind- lichen Schlag beizubringen, so spricht diese Tatsache besonders für die geschickten Maßnahmen des leider zu früh gefallenen Führers, des Hauptmanns von Erckert. Wie schwer Simon Copper geschädigt sein muß, geht schon aus seinen Verlusten an Toten hervor. Wohl kaum jemals dürften in einem Gefecht gegen die Hottentotten 33 Tote gemeldet worden sein. Leider ist es nicht geglückt, des Kapitäns selbst habhaft zu werden, dem es wohl in der von den Kapitänen meist beliebten Act gelungen ist, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, während ein Teil seiner Orlogleute sich für ihn opferte. Der errungene Erfolg hat gezeigt, was unsere Schutztruppe auch unser außerordentlichen Verpflegungsschwierigkeiten zu leisten imstande ist. Bezeichnend ist, daß der Gouverneur nach einem heute eingcgangenen Telegramm die Wirkung des Sieges noch höher einschätzt, als sie schon nach den bisherigen Nachrichten eingeschätzt werden mußte.

Gicszener Stadttheater.

Panne,

von Rich. Skowronnek.

Im Kauderwelsch der Automobilisten bedeutetPanne" einen Unfall auf dex Fahrt (ogl. unsereFam.-Bl." vom 18. d. 3)1.), und eine Panne ist, wie zur Zeit unserer Großeltern der Radbruch einer Postkutsche in weltentfernter Gegend, ein Stück modernster Romaiuik. Wie einst die Postkutsche, so jvielt heute das Töfftoff nicht selten in den Lebenslomödien der Menschen die Rolle des Heiratsvermittlers. Also ist das Auto doch wirklich nicht ein so übles Ungetüm, als wie es heule noch bei vielen gilt. Und hören »vir, was Hans Thoma, der prächtige alte Malerpoet, im neuesten Hefte derSüddeutschen Monatshefte" wörtlich schreibt:

v----nicht lange, da begegneten niiv viele Automobile,

Staub lind Stank hinter sich lassend als den s2lnted, der dem Fuß­gänger gehört; da verging mir schnell das Lächeln und ich schimpste mit den Andern, last halte ich den Lausbuben entschuldigt, der nach dem Automobil und seinen Insassen warf, und den tückischen vuhrinaitn, der rechts fuhr statt links und zögernd und fluchend auswich. Mem Gerechtigkeitsgefühl war erregt und sah dies Bor- rechmehmen der Antoinohilbesitzer nnf der öffentlichen Landstraße als Ungerechtigkeit an. Da war es mit dem Lächeln schon vorbei, denn der Gerechte lächelt nicht. Da kam aber mit einmal ein äußerst neuudlicher Aulmnobll'ührer hinter mir her, er hielt still und fragte, ob "h nicht mitfahren wolle, es sei Platz »»eben ihm. Ich überlegte wohl, ob ich iuich dem Teusclsweik anverlrauen solle, ich dachte an mein *pter, da wäre es doch schade, nnb ich dachte an mein Alter, da »lt der Schaden ja nicht mehr so groß. Ich weiß nicht wie es kam, aut einmal saß ich oben neben dem »reunolichen Führer und die Sache schnurrte vorwärts.Fahren Sie langsam, Herr ^chossöhr, der Weg zur Ewigkeit ist gor nicht weit!" Er fuhr auch nur zu Lieb wirklich langsam, und bald kam es mir vor, als ob bte Automobile doch nicht so übel seien als man sie verschreit kein Staub und kein Stank belästigt den, der darauf sitzt es toar boch schön, jo dahin zu fahren durch das Land ob die Holz- iuhttverke richtig auSwtchen, das machte mir freilich jetzt schon Morgen und ich fing schon an zu schimpfen über die Fuhrknechle, ole halb oder ganz auf ihrem Wagen schlaien und ihre Gäule laufen l.eßen rechts und links und mitten auf der Straße, wie die Ptecher wollten. Wir kamen aber gut vorbei und Schimpfwörter mischten mir vorbei. Als ein Bube eine Bierflasche nach dem Auto warf, da stieg der Führer ab und ohrfeigte ihn, das fand >ch nun ganz gerecht. Als die Landstraße nun schnurgerade vor uns lag und auch kein Fuhrwerk in Vicht war, da meinte ich, man könnte es schon ein wenig laufen lassen, dem Führer wars auch recht. Hei, wie flog das so schön dahin.

^02 sind halt zwei gar verschiedene Standpunkte, ob btan auf dem Automobil sitzt oder auf der Landstraße geht, ^chon in der kurzen Zeit zweierlei Gerechtigkettsanschauungen! Fch wollte gern einen Ausgleich finden und da jagte ich: habt doch ein wenig Geduld mit einander, ihr Staubmacher und ihr

parlameettariid^s*

Berlin, 20. Mürz. Tie Budgetkommission des Reichstages beriet heute die Grundstche über die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamiten st eilen mit Mi- litäranwörtern und Inhabern eines Anstcllungsscheines bei den Kvmmunatbel-örden und nahm folgende Resolution an: Zu dem § 7: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, für zweckent- Iprechende Veröffentlichungen über die den Inhabern eines Zivil­versorgungsscheines und eines Anstellungsscheines vorbehaltenen Stellen im Kvmmunaldienst Sorge tragen zu wollen. Zu § 11: Tie Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dahin zu wirken, daß bei der Einberufung der Militäranwärter u. s. f. in den Kom- munaldienst die Reihenfolge der Eintragung in die hierfür be­stimmten Verzeichnisse maßgebend ist. Zu § 15: Tre Verbün­deten Regierungen zu ersuchen, dahin zu wirken, daß in der An­wendung des § 15 Anstellungsgrundsätze die politische oder reli­giöse Gesinnung des Bewerbers nickst in Betracht kommt. Aus eine Anfrage, bezüglich der Kontrolle und Beachtung dieser Grund­sätze, erwidert die Regierung, die Landesregierungen reichten Nach­weisungen an das Reichsamt des Innern ein, das sich gegebenenfalls an den Kriegsministcr wende, um die erteilten Auskünfte ivieber an die Landesregierungen gelangen zu lassen.

In der Kommissio n pt Beratung der Gewerbe- ordnungsnovelle (Arbeiterschutzgesetze) wurde folgender Zm- trumisantrag angenommen: Wird von einem Gewerbetreibenden dem Arbeiter eine Familienwohnung vermietet ober als Ent­lohnung überlassen, so ist die Kündigung nur für den Schluß eines Kalendernwnats zulässig. Hierzu fand folgender Zufatz- antrag der Nationalliberalen Annahme: Tie Verpflichtung zur Innehaltung der ortsüblichen Kündigungsfrist besteht nicht im Falle des Betruges, der Unterschlagung, deä Diebstahls, der Brandstiftung und des Versuches, Fabrikgeheimnffse zu ver­raten, oder im Falle der Verleitung zu derartigen Vergehen.

In der Viehseuchenkvmmission des Reichstags wurde der § 17 a nach längerer Beratung mit geringen Aen- deruncten nach der Regierungsvorlage angenommien.

Wie das Berl. Tgbl. hört, ist die Zahl derjenigen freisinnigen Mgeordneten der drei Fraktionen, die entschlossen sind, der sogenannten Fraktivnsdisziplin zu trotzen und bei der Ab­stimmung im Plenum gegen den Kompromiß in derSprachen- frage zu stimmen, im Wachsen begriffen. Bisher er­klärten nur Haußmann und Tvhrn, daß sie bei der Durch- drückung des § 7 nicht mitwirken wurden. Jetzt schlossen sich mehrere andere freisinnige Abgeordnete an, sodaß es wahr­scheinlich ist, daß der parlamentarische Frei­sinn nicht vollzählig für das Ausnahmegesetz eintreten werde.

Ter Teutjchen Tageszeitung zufolge werden die konser- vativen Parteien dcs-RetchL'fag^s dem Ko mpro m in Sachen des Vereinsgcsctzes einmütig zustimmen.

Tos Abgeordnetenhaus hat heute die dritte Lesung des Etats beendet und darauf das Etatgesetz im ganzm gegen die Stimmen der Polen angenommen. L<mn würbe der Antrag Arendt auf sinngemäße Uebertragung des Reichstags-Tiätengesetzes auf das Abgeordnetenhaus angenom­men. Ntontag Quellenschutzgesetz, kleinere Vorlagen und Anträge.

Derrtsebes Resch.

Berlin, 20. Rtäcz. Der Kaiser hat dem Kommando der Schutztruppe telegraphisch seinen Stolz über die Haltung der Truppen bei den letzten Kämpfen in Südwestafrika und gleichzeitig seine Trauer über die Verluste ausgesprochen.

Stuttgart, 20. März. Vom 1. April ab wird für Stuttgart versuchsweise die Begleichung einzu»

Slaubschlucker, es kommt an jeden alles hat seine Zeit alles wechselt."

Soweit der gute alte Thoma.

Wer wäre so dreist, dieser weisen Alterseinsicht zu wider­sprechen!

Herr Skowronnek ist ja nun nichts weniger als ein Weiser. UcberaU aber, wohin er bisher mit seinerPanne" kam, trug er Siege davon, obwohl doch schon das Wort nichts weniger als einen Lieg bedeutet. Und obwohl^daS, was dahinter steckt, eines Sieges wahrlich nicht wert ist. SkowromieksPanne" ist nämlich ein Schlager" vom Range deöHuiarenfiebecs". Ein Kommerzien­rat, dec mit Tochter und präsumtivem Schwiegeisohn auf einer Autofahrt ist, erleidet eine Panne droben in der Uckermark, in des Waldes tiefsten Gründen. Es ist Not an Mann. Stockdunkel ist die Nacht, fern Mond, kein Sternlern wacht. Niir die Wildente man sieht, auch Skowronnek hat feinen Jvsen gelesen der Hirsch und das ziäiizckwn schreien. TaS Grausen geht burch den Wald. Und cs naht der allerkühnste Räuberhauptmann? Nein, der kühnste Oistzier von Sr. Maj. Histaren als Retter in der Not und Deklamator der unvergänglichen Verse:Reich' mit die Hand mein Leben, komm auf mein Schloß zu mir". Daß er, der un­ermeßlich brave, die unermeßlich kleine Hand der unermeßlich schöneii Tochter des unermeßlich reichen Kommerzienrats zum Dank iiiv seine Heldentat erhält, ist ja in einem deutschen Schwank selbst­verständlich. Cb die beiden für einander passen, das ist glcid)- giltig. Mit solchen überflüssigen Dingen beschäftigt sich em rechter deutscher Komödienschreiber nicht. Viel wichuger ist das Verlieben und Verloben. Wenn die Folgen solcher albernen Verlobungen, wo die jungen Leute initemonber nur em paar törichte Worte gewechselt hoben, wo schmucke Uniform e,nerseus und Auto andererseits die Haiiptsachen sind, ost kleineEheirtungen sind, so ist das schnuppe. Und schließlich gibt man hüflicherweise gern zu, daß nicht nach jebev- manns Geschmack Hebbel und Ibsen sein können, daß auch em solches Ting, nach seinem Maße gemessen, vergnüglich und spaßhast ist. Es ist ja nicht zu befürchten, daß solche Bühnenware luieber, wie vor Jahren, ziir Votherrschaft in den deutschen Theatern ge­langt. Tamm mag einzig menschenunkundige Litteratui.pedaiuei.ie so etwas übellaunig aus Grundsatz verweisen. Ta der Autor aiißerdem manche lebensvolle Type auf die Beine stellt und manche treffende Beobachtung gemacht hat im Laufe seines Wandels durch dies turioje Erdenial (io z. B. daß der Herr Amtsrichter im Landstädtchen durchs Telephon nur auf dem Umwege über die Stammkneipe zu erreichen ist), da wir obendrein m dieser ersten deutschen Autvmobilkomödie von den üblen Düsten der Sause- kästen erfreulicherweise verschont werden, so sei dem glücklichen Dichter" fein billiger Eriolg gern gegönnt.

Jedenialls war das Gießener Tbeaterpublikum in ausge­lassenster Stimmung, und bisweilen verstieg sich der Enthusiasmus fogar zu lautem Joylen und Klatschen bei den nichtigsten Dingen. Tas Schicksal des Abends war durch das Erscheinen eines Auto­mobils auf der Bühne entschieden, unb man muß sagen, daß Herr Jenny, der Theatermeister, seme Sache am besten gemacht hat.

zahlender PoslaniveisungSbeträge durch Heber» trag ung vom Reichsbank-Girokonto des Einzahlers auf das des Postamts einqeführt.__________________________

ALrsLarrd,

München, 20. März. Gegenüber der Blättermeldung über eine Fürstenzusammenkunft in Wien anläßlich des 60jährigen Negieciingsjubiläums Kaiser Franz Josefs wird von einer maßgebenden Seite in München versichert, daß von einem Besuche des Prinzregenten mit anderen Fürstlichkeiten in Wien zur Beglückwünschung deZ Kaisers nichts bekannt sei. Der Plan hätte zwar bestanden, sei aber auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Franz Josef schon Ende Januar aufgegeben und nicht wieder aufge« nommen worden.

DerBerl.Lok.-Anz.* meldet auS Nom: Venedig wird von Fremden überschwemmt, unter denen sich außer­ordentlich viele Deutsche befinden. Der Verkehr der Be­völkerung mit der Besatziing der deiitschen Kriegsschiffe zeigt einen äußerst heczliä)en Charakter. Gestern abend gab die Musikkapelle derHohenzollern" ein Wohltätigkeitskonzert in der Niusik-Hochschule in Anwesenheit der Spitzen der Be­hörden, zahlreicher höherer Offiziere und der Notabilitäten. Das Piiblikum zollte den wärmsten Beifall. Zum Schluffe wurde die delitsche und die italienische Hymne unter all­gemeiner Begeisterung gespielt.

Lissabon, 20. März. Ein amtliches Telegramm aus Portugiesisch-Guinea berichtet, daß die portugiesischen Streitkräfte die Aufständischen der Provinzen Jafunco und Egine geschlagen haben. Die Ortschaft Varell ist zerstört worden. ____________

Bad Nauheimer NommunaipoUrik.

(Originalartikel desGieß. Anz.")

Am Sonntag, 15. Mörz, veranstaliele der Bad-Nauheimer Bürger- unb StcMocrkchrsvereiir eine öffentliche Versammlung, in der Stadtverordneter Minder einen lehrreichen Ueberblick über die Aufgaben des Gemeinweiens in dec letzten Zeit gab. Das gute Beispiel einer solchen Nechenschastsablage ahmen hoffent­lich auch andere Stadtverordnete künftig bei uns nach, denn allein auf diese Weise wird es der Bürgerschaft ermöglicht, sich ein Bild von der Lage unb von bcn. Zielen der Stabtgemeinfchaft zu machen, bereu Trager sie mit ihren f'nanzrellen, wie geistigen Kräften ist. Der Referent gab zunächst eine Skizze von der Vermögenslage der Gemeinde, wonach die Stabt nach 1905/06 ein Gesamtvermögen von 3 308 261.61 Mk. besitzt. Da die Schul­den insgesamt 2 084 626.52 Mk. betragen, bleibt ein Ueberschuß von 1223 63-1.84 Mk. Für die Verwaltungszweige, die einen Zuschuß bedingen, sind im Voranschlag für 1908/09 festgesetzt: für Waldungen 3000 Mk., Polizei 17 000 Mk., Volksschule 55 000 Mk., höhere Bürgerschule 18 000 Mk., StraßLNuuterhaltung 37 700 Mk., Beleuchtung 20 000 Mk., Gäranlage 12 800 Mk., Kapital- zuiftn 25 000 Mk., Schuldentiigung 12 000 ML, Provinzial- unb Kreislosten 39 000 Mk., Krankenhaus 10000 Mk., Kehricht- absuhr 25 000 Mk., allgemeine Verwaltung 33 000 Mk., Bau­verwaltung 12 000 Mk. Das also sind in großen Zügen die sinanziellen Anforderungen, denen unsere Bürgerschaft zu ge­nügen hat.

Seine Einzelausführungeu eröffnete der Referent mit einer Betrachtung über das seinerzeit dem Staat abgekaufte, aus dem Die Szenerie deä ersten Aktes stellt nämlich eine Waldlichtung dar, dahinter sieht man einen kleinen See und ganz rnt Hintergründe eine Landstraße, auf der man nach einer recht langweiligen und izeniich ungemein ungeschickten Einleitung ein Auto im Westen- lafchenfonnat daherfaufen steht, zum großen Ergötzen des Publi- tums. Kurz darauf aber erscheint ein richtiges ausgewachsenes Toff-töff auf der Bühne, und es stoppt infolge geplagten Pneumatiks; die vermummten, verschleierten, bebrillten Insassen stehen ratlos und jcheltend im dämmernden Walde. Wundervoll gedichtet! Und cm behagliches Lachen begleitete von nun ab die meisten Szenen des Stückes.

Bon der Tarftelliing ist nicht viel zu sagen. Sie hätte vor allem auf einen etwas vornehmeren Ton gestimmt werden nüiffen. Em Hamburger Kommerzienrat und Elbschiffahrtsunlernehiner, unb ein Dresdener Kommerzienratsfohn, beide von riesigem Ver­mögen, also rechte Geldanfiokrcnen, pflegen^ trotz aller dialektischen und Wesens-Eigenheiten, zum mindesten Manner von bester Haltung zu sein. In feiner bekannten Art aber gab natürlich Reimer- Schlegel den cholerischen Hamburger- recht wirkungsvoll, unb v. d. Becke, unser virtuoser Schmtpfenspezialist, war ein höchst komischer Sachse. Roden war es als Gras und elegantem Kavallerieo'fizier gar leicht gemacht, sich die meisten Sympathien zu erringen, zumal er nahezu allem keine Karikatur zu schaffen hatte; vorausgesetzt, daß man die Existenz eines so soliden märkischen Junkers im bunten Rock für möglich hält. Jedenialls gab Roden einen wackeren blaublütigcn jungen Degen von gutem Ausland. Sonst sind noch zu nennen bic Damen Bond und W i n b e r ft c i n und die Herren Gareis, Lotz unb Sachs (ein Hilfs-Gerichts­vollzieher ist em jüngerer Mann!) Unb vergessen werben barf auch nicht Frieda Haas, bic ein schwärmerisches unb berufd- eifrigcs Torsbimbel, dessen höchster Ehrgeiz darin besteht, als Amme nach Berlin zu kommen, mit ursprünglicher komischer Veranlagung darstellte. Doch sie spielt vorerst noch alles tns Piidlilum hinein. Diese üble Untugend machie sich freilich gestern den ganzen Abend über bei den meisten Darstellern recht unerfreulich bemerkbar. Ebenso unerfreulich war bic über Gebühr ausgedehnte große Pause zwischen dem ersten und zweiten Akt, unb überraschen mußte bie offene Dekoration ui ben beiben letzten Akten, während die Rede ist von kaltem, nebligem Herbst, der zum Grogtrunk versührt, uou geheiztem Ofen, vom Blick in bie Landschaft durch ein Fensterl

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Georg Fuchs, der mit Unterstützung der Hos-Jntendanz ba§ neue künulecische Theater in München übernimmt, äußert sich im Mäizhest ber Ü)lonatäfd)viitNorb unb Süb" über bic kul­turellen Werte des Theaters. Dar Veriaffev ist als ge­borener Hesse vielen unserer Leser bekannt. Er ist einer der Jungen, ber den Forderungen des modernen Dramas genügen will. Auch Nudolf von Gottschalk, der greife Dichter und Dramatiker, ergceut zu dem -rhema das Wort; ihnen schließt fid) über beit gleichen Stoff Graf Keyserling an. Universitais-Professor Friedrich Niebergall behandel: dieZukunftspädagogik"