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Nr. 18« Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 3. August 1808
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für btt mebaklion 112, " '»r _ _ ä •• für den politischen Teil:
SS General-Anzeiger für Oberhessen WM
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urückzutretcn.
für den Schützenverein und
DruneliuS in Niederbram (Elsaß) ist der Adel verliehen worden.
Dementi. Die .Kreuzztg." dementiert, daß der Gou- verneur von Kiautschou, Truppe!, beabsichtige, von seinem Amte
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. August 1908.
" Gewerbeverein. Da die für einen Extcazug 511111 Besuch der Ausstellung in Darmstadt erforderliche Teilnchmer- zahl mit 230 Personen nicht erreicht worden ist (etwas über 100 Personen haben sich gemeldet), so fällt die hierfür in Aussicht genommene Fahrpreisermäßigung weg. Der Besuch der Ausstellung durch den Gcwerbeverein sindet, wie aus dem Annoncenteil ersichtlich ist, trotzdem am kommenden Sonntag, 9. l. Mts. (Abfahrt 8.01 vormittags mit gewöhnlichem Billet) statt. Ta nun die Eintrittsermäßigung auf 50 Pfg. nur bei vorheriger rechtzeitiger Anmeldung der Teilnehmerzahl gewährt werden kann, so werden diejenigen, die davon Gebrauch machen wollen, gebeten, sich bis zum Freitag schriftlich oder mündlich bei Herrn Stadtverordneten L. Petri II., Ludwigstraße 1, zu melden.
*• Warnung. In den Zeitungen wird von der Firma Dr. med. Rumler in Genf, deren Inhaber jetzt ein Dr. med. Ringelmann ist, ein Buch als Wegweiser und Ratgeber zur Verhütung und Heilung von Gehirn-, Rücken-
Ausland.
Präsident FallißreS, der nun auch dem norwetzi- schen Hofe seinen Besuch abgcstattct hat, ist am Sonntag von Christiania wieder obgereift. Rach seiner Abreise von Rußland hatte er dem Zaren folgendes Telegramm gesandt:
„Ich nehme einen unveraeßlichen Eindruck von unterer 93c- neflnung mit, und bitte Eure Majestät, Ihrer Majestät bei; Kaiserin meinen ehrerbietigsten (Stufe zu überbringen, und bitte Sie neuerdings, meiner ausrichtigen Freundschast versichert zu sein. Armand FaUieres."
Der Kaiser Nikolaus antwortete:
„Ihr liebenswürdiges Telegramm war mir eine grobe Freude. Die Kaiserin und ich haben die allerangenehmste Erinnerung an Ihren Ausenthalt bei uns bewahrt. Ich habe die Ehre, $clt Prä- ident, Sie bei dieser Gelegenheit dessen zu versichern, und ich viedcrhole Ihnen nochmals die Versicherung meiner unveränderten Zreundschast. Nikolaus/
Wie verlautet, hat der Zar kurz vor FalliöreS Abretse diesem versprochen, im nächsten Jahre einen Gegenbesuch in Frankreich zu machen.
Die Lage in Persien hat sich wieder verschlimmert, und es scheint, daß die Vorgänge in der Türkei mcht ganz ohne Einfluß auf die Stimmung der persischen Bevölkerung geblieben sind. Angesichts der bedrohlichen Lage schloffen die europäischen Gesandtschaften in Teheran die Tore und gewähren Inländern keine Zuflucht mehr.
Doppeljubelseier der Gießener Schützenvereinr.
Das Jubiläum des Gießener Schützenvereins aus Anlaß seines 30jährigen Bestehens und l>as gleichzeitig damit verbundene silberne Jubiläum des Stadtverordneten Karl Brück als Obcrjchützcii- meister des Vereins wurde am Samstag abend durch einen würdig verlaufenen Kummers in Steins Saalbau eröffnet. Eine ganze Reihe von Vereinen unserer Stadt hatten ihre Mitglieder zu dieser Veranstaltung entsandt, um die Jubilare dadurch zu ehren. Rechtsanwalt Kaufmann, dem der Vorsitz für den KornrncrS- abeud übertragen war, begrüßte die zahlreiche Festversammlung, darunter auch besonders die fremden Schützen, und sprach seine Freude aus, daß besonders die Gießener Vereine so stark vertreten seien. Es habe der Schützenverein stets mit all den Vereinen in der Stadt gute Freundschaft gepflegt, manches schöne Fest hätten sie schon gemeinsam gefeiert, sei ihnen doch allen, wenn jeder der Vereine auch einem Sonderzweck huldige, eins gemeinsam, nämlich die Liebe zum Vaterlande. Es sei in der heutigen Zeit doppelt notwendig, daß wir nicht nur in unserem engeren Vaterlandc, sondern überhaupt in Deutschland, als deutsche Männer fest zusammenhalten. Des Redners Hoch galt unserem Vaterlande, dessen Leitern und Führern, dem Kaiser und dem Großherzog, in das die Anwesenden begeistert einstimmten.
Die Festrede hielt Stadtverordneter Fritz Helm. Er ent» wickelte die Geschichte des Gießener Schützenvereins in großen Zügen, wie dieser vor 30 Jahren auf den Trümmern der früheren alten Schützengilde neu ausgebaut zwar auch Sturm- und Drang- fahre durck>zumachen hatte, diese aber überwand und das geworden ist, was er sein muß, ein Verein, der die Geselligkeit unter [einen Mitgliedern und gute Beziehungen zu den andern Vereinen unserer Stadt allezeit gepflegt hat und weiter pflegen wird. In der Hauptsache aber hat der Verein dem Schützenmotto getreu „Ueb Aug und Hand fürs Vaterland" seinen Mitgliedern Gelegenheit gegeben die Waffe, wenn auch nur zum friedlichen Wettkampf, zu führen. Der Verein habe tüchtige Meister der edlen Schießkunst gebildet. Der Redner schildert, wie die Bewohner der Stadt dem Schützenverein zwei große Feste in der Vergangenheit zu danken haben, wo Tausende fremder Schützen zu uns gekommen seien, um den Namen Gießens als würdige Feststadt nach außen zu tragen. An all den Erfolgen, die der Verein in den 30 Jahren seines Bestehens errungen hat, hat aber einen nicht geringen Anteil dessen Oberschitzenmetster Karl Brück genommen, dessen silbernes Jubiläum wir heute begehen. In den 25 Jahren, seitdem er dieses Amt im Schützenverein bekleidet, hat er unermüdlich für den Verein gesorgt und gearbeitet, und dadurch zu manch schönem Erfolg beigetragen. Daß der Schützenverein blühen, wachsen uith gedeihen möge wie seither, und daß dessen Lberschützenmeister noch lange Jahre für den Verein wirken möge, daraufhin forderte Herr Helm auf, beiden Jubilaren ein Hoch auszubringen.
Nach diesem Hoch drängte sich alles um den Stadtverordneten Brück, um diesem zu seinem Ehrentage zu gratulieren.
Oberschützenmeister Brück nahm darauf tiefbewegt das Wort. Er erklärte, er wolle nickst viel reden, aber danken müsse er von ganzem Herzen für die Aufmerksamkeit, die man dem Schützenverein und chm durch ein so überaus zahlreiches Ersckstinen an diesem Abend bekundet. Danken wolle er aber auch für die Glückwünsche, die man ihm soeben dargebracht. Er habe in den 25 Jahren seiner Tätigkeit für den Verein nur seine Pflicht getan auS Liebe zum deutschen Schützenwesen, dem er auch fein Hoch
weihte. , , , . t
Kaufmann Schwarz überbrachte jur den Manner-Turnverein dessen Glückwünsche für den Schützenverein und auch ganz besonders für den Jubilar Starl Brück, dem Mitbegründer des Männer-Turnvereins. Redner hob die ausgezeichneten Beziehungen, die zwischen dem Jubelverein und den Btänner-Turnern stets bestanden haben, hervor und überreichte für die Fahne des Schützenvereins eine Schleife als äußeres Zeichen der Freundschaft, die zwischen beiden Vereinen besteht und immer bestehen bleiben wird. Herr Schwatz schloß mit einem dreifachen „Gut Heil" auf die beiden Jubilare, in welches die Mitglieder des Männer-Turnvereins kräftig einstimmten.
Stadtverordneter Troß brachte im Auftrage des Lieder- kranzes die l)erzlichsten Glückwünsche für den schützenverein und für dessen Oberschützenmeister. Troß wies darauf hin, daß Schutzen, Turner und Sänger zusammengehören, und daß vor 100 Jahren, als unser deutsches Vaterland in Trümmer zu gehen schien, alle drei zusammen es gewesen seien, in denen sich die VaterlandS- freunde zusammen fanden, um mitzuwirlen, der damaligen Not der Zeit, der drol)enden Fremdherrschaft zu steuern. Stadto. Troß überreichte als Angebinde des Liederkranzes eine prächtig
gemalte Ehren scheibe mit dem Bildnis des Jubilars mit der Bestimmung, daß sie herausgeschossen mit dem Namen des besten Schützen versehen, nicht etwa an diesen übergehen, jondern im Besitz bc3 Schützenvereins verbleiben soll als ein Andenken an das Dopveljnbelsest. Als Vertreter der privilegierten Schützen- gesellschast Darmstadt sprach H. Wenzel von dort. Er feier le den Obersckstitzenmeisler iOarl Brück als einen Freund und ^duiu.en - bruber, der sich besonders als langjähriger Vorsitzender des Mittel rheinischen Schützenbundes verdient gemacht hat. Erst al5 er vom Amte zurücktrat und sein Nachfolger zu wirken begann, habe man erkannt, waS man an Brück gehabt habe. Mit großer Hingabe und peinlicher Pünktlichkeit habe der Jubilar die Geschäfte de-S Bundes geführt. Redner überreichte mit einem Hoch auf den Gießener Schützenverein und den lieben Freund Karl Brück dem letzteren ein Gedenkblatt, gestiftet von der privilegierten Schützen- gesellschast in Darmstadt.
Es huldigten dem Verein und dessen Oberschatzenmeister noch die Sprecher des Bauerschen Gesangvereins, die Freiwillige Gailsche Feuerwehr, der Fußballllub von 1900, die „Bavaria" und der Kriegerverein. Zwftck>cn den einzelnen Reden wechselten in d-r Unterhaltung ab gemeinsam gesungene Lieder, vortreffliche Ge- sangSvortrage des Bauerschen Gesangvereins, sowie Vorführungen des Männer-Turnvereins und Musikstücke unserer Militärkapelle unter Leitung ihres Direktors Krauße.
Als Schluß des offiziellen Teiles des Kommerses wurden noch zahlreich eingegangene Glückwunschtelegramme, an beide Jubilare gerichtet, verlesen. Rechtsanwalt Kaufmann dankte den verschie- denen Sprechern für die geäußerten guten Wünsck-e, er dankte dem Atänner-Turnverein und dem Liederkranz für die liebenswürdigst überreichten Angebinde, er dankte weiter dem Bauerschen Gesangverein nnd dem Männer-Turnverein, ivelche beide durch ihre Vorträge und Vorführungen den Abend mit zu verherrlichen halfen, ebenso der privilegierten Schützengesellschaft Darmstadl für das überreichte Gedenkblatt und der Stadt Gießen für. den von derselben gestifteten Ehrenpreis. Man ging dann zur Fi - bclität über, die sehr animiert erst früh ihr Ende erreicht haben soll.
Gestern in der Frühe war es der Weckruf, der den Festtag cin- weihte. Der Gießener Schützenverein liefe nicht nur seinem Ober- schützenmeister, sondern auch seinem Schützenmeister Aug. SVilbingcr eine Morgenmusik durch die Regimentskapelle barbringen.
Um 1 Uhr würben mit klingendem Spiele die Schützensahnen abgeholt, darunter zwei alte ehrwürdige Banner, von denen allerdings nur noch Fetzen am Schaft hingen, die, wie man uns versicherte, aus der Zeit der schweren Not vor 100 Jahren stammen und der Bürgergarbe gebient haben sollen. Es wäre eine bank- bare Ausgabe unseres Geschichtsvereins, nicht nur näheres über diese Fahnen festzustellen, und wenn dieselben ein lokalhistorisches Interesse haben, diese in Verwahrung zu nehmen, womit her Schützenverein unter gewissen Bedingungen gewiß mit einverstanden ist.
Gegen 2 Uhr setzte sich vom Walltor der sehr lstibsch arrangierte Festzug, in welchem 3 Musikchöre marschierten, und in dem 20 Fahnen und Banner mitgeführt wurden, gner durch die Stadt nach dem Festplatz hin in Bewegung, überall in den Straßen von der Bevölkerung freudig begrüßt. Der Zug war folgende,- maßen geordnet: An der Spitze marschierten Scheibenzeiger, die Ehrenscheibe, welche der Lieberkranz gestiftet, mit sich tragen;, Trommlerkorps, Musik, Nadklub Germania, dessen zahlreiche Mi: • glichet ihre Miäber gleichmäßig recht geschmackvoll hatten mit Blumen einheitlich schmücken lassen. Es folgten dann der Krieg r verein, Gesangverein Harmonie, Männer-Turnverein, Postunterbeamtenverein, an dessen Spitze mehrere Postillione in Galauu form ritten, und Radfahr-Gesellfchaft Wanderer ebenfalls mit geschmückten Maschinen. Es kam dann das zweite Trommler- unb Musikkorps, die Feuerwehren, Radsahrerverein Teutonia, Döckerverein Frühauf, Schlachterverein Brüderschast, dessen Mitglieder in gewerblichen Anzügen von drei berittenen Kollegen und solchen auf geschmückten Fahrrädern geführt wurden. Der zahlreiche Trupp von Metzgergesellen machte durch feine Zahl berechtigtes Aufsehen. Es kamen dann der Ruderklub „Hassia", der Bauersche Gesangverein und der Marineverein. Trommler und Muli! ließen eine schmetternde Weise ertönen und heran rückten die Schützen. Zuerst die Deputationen der auswärtigen Vereine, darunter aus den Hess. Schwesterstädten solche aus Darmstadt und Offenbach, dann kamen die Gießener Schützenbrüder, geführt von einem Vorreiter, dem in einer mit Mn men geschmückten Chaise sitzend der Jubilar Karl Brück und der Schützenmeister Aug. Kil- bingcr folgten. Mit strammem Schritt, wie zur Parade, schlossen sich die aktiven Schützen des Gießener Vereins an nnd bildeten den Schluß des Festzuges, der gegen i/e4 Uhr auf dem Feftvlatz anlangte und sich dort auflöste. Es dauerte nicht lange, da hörte ■ man vom Schiitzenhaus her, daß dort großer Betrieb war. Geschossen wurde auf 300 Meter, 175 Meter und 100 Meter Scheib' und auslausend Wild. Piff Pass, so knallte es ohne Unterlaß 1 über den Platz, auf dem sich der bekannte Volkstrubel entwickel'«'.
Besonders auf dem schön arrangierten Juxplatz gab es ein Gedränge. Das Wetter war überaus günftig und so strömten die Menschen bis zur spaten Abendstunde nach dem Festplatz, wo : auch fleißig getanzt wurde.
Heute morgen wurde um 8 Uhr schon wieder geschossen, der Tag gehört in der Hauptsache fremden Gästen, die sich am Preis- ■ schießen beteiligen, dessen Resultat erst am Mittwoch, am Schluß , des Festes, festgestellt werden kann.
Deutschland und die Türkei.
Die neuesten Vorgänge in der Türkei haben u. a. für uns Deutsche das Ueberraschcnde gehabt, daß sich in der tttrfi- sck)en Bevölkerung eine gewisse feindselige Stimmung gegen Deutschland zeigte, liehet die Ursachen dieser Erscheinung wäre manches zu sagen. Die „Kölnische Zeitung" kommt jetzt in einem Artikel „Deutschland und die Türkei" auf die vom deutschen Gesandten dem Sultan überbrachten Grüße und Wünsche des Kaisers zurück und führt darin aus: Es ist nicht ohne Interesse, daß diese Erklärung gerade in einem Augenblick abgegeben wird, wo man von verschiedenen Seiten versucht, Deutschland als Gegner der neuen Aera hinzu- stellen und aus den alten freundschaftlichen Beziehungen zum Sultan zu folgern, daß die deutsche Politik die Palast- lvirtschaft unter ihren Schutz genommen und dadurch dem Interesse des türkischen Volkes entgegengearbeitet habe. Deutschland hat im Lause langer Jahre genug gezeigt, daß ihm der Grundsatz der Mchleinmischung in innere türkische Fragen immer als der vorteilhafteste Weg zur Beseitigung be tehender Schwierigkeiten vorgeschwebt hat. Diese Auf- [a sung ist auch heute noch lnaßgebend. Kein Staat wird sich mehr freuen als Deutschland, wenn cs jetzt den Türken gelingt, aus eigener Kraft Ruhe und Ordnung im Lande zu schaffen und die Verwaltung in einen befriedigenden Zustand zu bringen. Das Blatt bespricht dann die gewaltige Umwälzung in der Türkei und sagt: Man vernimmt mit Staunen, daß sich alles so verhältnismäßig in Ruhe ohne blutige Ausschreitungen abspielt. Wenn die Jungtürken den Satz: Die Türkei für hie Türken, oder wie man jetzt sagt, für die Ottomanen (!) aufstellen, so ist dieser Wahlspruch an sich nicht unsympathisch und entspricht vor allem dem auch in Deutschland gehegten Wunsche, daß die Türken ohne fremde Einmischung ihre Angelegenheiten befriedigend regeln mögen. Diese Einmischung des Auslandes wird aber am besten ferngchalten, wenn die Bewegung möglichst alle Ausschreitungen vermeidet und damit jeden Anlaß beseitigt, der zu einer weiteren Einmischung Europas führen könnte. Unter den Menschen dürfte darüber Ucbereinstim- mung bestehen, daß der gegenwärtige Augenblick zu einer Einmischung in der Türkei, insbesondere zu der Betreibung her Reformaktion in Mazedonien nicht geeignet ist. Die Türken haben selbst diese Sache in die Hand genommen. Man muß ihnen Zeit lassen zu zeigen, daß sie aus eigener Kraft das erreichen können, was den Mächten bisher nicht gelungen ist. Dazu bedarf cs nicht nur eines guten Mllens und starker Tatkraft, sondern auch großen Maßhaltens in ilten Dingen.
Als eine Ergänzung zu diesen Aussührungen ist nun auch das zu betrachten, waS die „stkordd. Allg. Ztg." in ihrer Wochenschau schreibt, indem sie die Begrüßung des deutschen Verlreters in Konstantinop.'l, v. Kiderlen Wächter, durch den Sultan bei dem Selamlik, bei welchem v. Kider- lcn°Wachter die Wünsche des Kaisers ausrichtete, erwähnt, daß der neue vom Sultan mit so viel Weisheit und so rückhaltlos betretene Weg seiner Regierung und feinem Lande zum Glück und Segen gereichen möge. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." fährt sodann fort: Durch diese vom Gesandten Kiderlen im Austrage des Kaisers ausgesprochenen Wünsche ist die Stellung der deutschen Politik zum Wandel der Dinge in dem türkischen Reiche klar gekennzeichnet. Wir wünschen in der Türkei ein starkes und freies Volk unter einem aufgeklärten Herrscher. Als wichtigstes Erfordernis der neuen Sage erscheint es uns, daß die so verheißungsvoll angebahnte iino bis jetzt nicht unterbrochene Fühlung zwischen dem Sultan und den Führern der türkischen Nation durch keine extremen Einflüsse von der einen oder der anderen Seite wieder gestört werde. Der Glaube an die vortrefflichen Eigenschaften im Charakter des türki- schon Volkes hat bisher nicht getrogen, und wir mochten uns der hofsnungsfreudigcn Stimmung unserer türkischen Freunde gerne anschließen. Aus dem seitherigen Verlauf der Ereignisse wollen wir das Vertrauen schöpfen, daß es dem osmanischen Reiche gelinge, in guter Eintracht zwischen dem Herrscher und dem Volk eine freie Bahn zu gewinnen für eine glückliche Zukunst int Sinne des freiheitlichen Fortschritts und nationaler Erstarkung.
In Konstantinopel ist übrigens am Samstag ein kaiserliches Restript ergangen und gegen Abend unter feierlichem Zeremoniell der Pforte überbracht und dort verlesen worden. Es enthält die feierliche Vekrästigung der in der Verfassung enthaltenen Grundrechte und die Anordnung, daß der Groß- wcsir die Auswahl der Kabinettsminister zu treffen und dem Sultan zur Genehmigung zu unterbreiten habe, mit Ausnahme des Scheichs Ul Islam, des Kriegsministers und des Marineministers, deren Ernennung sich der Sultan unmittelbar vorbehält. Das Reskript trifft ferner Bestimmungen über die Ernennung und Bcfördcrnng und bie Rechte und Pflichten der Staatsbeamten, sowie die jährliche Ausstellung des Staatshaushalts und die Ankündigung von Vorlagen betreffend die Abänderung bestehender Gesetze über Die Organisation und die Pflichten öerJ^jn}|tenen und Pro- vinzialbehörden. Besonders auf die Wehrkraft des ^.andcs bezügliche Bestimmungen sind, dem Reskript zufolge, dem Kriegsminister zugegangen. Der Großwesir wird angewiesen, ein neues Kabinett zu bilden.
Deutscher Reich.
DaS Kaiscrpaar Hai am SamSlag abend von Swinemunde aus an Bord der »Hohenzellern* die Fahrt nach Stockholin zum Besuche bc§ schwedischen Königshauses angetreten. v . rx.. , m
In Oldenburg wurde eine anarchistische Versammlung entdeckt und aufgehoben.
Dem Eisenhüttenwerkbesitzer Moritz Eduard


