Ausgabe 
3.7.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 154

Zweites Blatt

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

158. Jahrgang

Urfcheinl tSgllch Ausnahme des EonnlagS.

Die Lietzener LamNienblStter" werden dem .Mnieiflex* Dtcnuol wöchentlich betgelegt, das Kretsblail Mr dev Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DiecandwirtschaflUchen Seit- frage»" erschemen monalüch zweimal.

Freitag 3. Juli 1908

RotcmonSdruck und Verlag der Brühl'schn» Universiläts - Buch- unb Steindruckerei.

R. Lange. Ließen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktionen ll». Tei.-AdraAnzeigerGießen-

Deutsches Reich.

In London erhält sich das Gerächt, daß der Zar ben Wunsch äußerte, in nächster Zeit eine Unterredung mit Kaiser Wilhe lm zu haben. Da die ruh. Jachten Standard" undPolarstern" ui den letzten Sagen für die Ausreise nach den finnländischen Gewässern mit Jllu- minationsmaterial ausgestatlet worden sind, so glaubt man auch hieraus schließen zu dürfen, daß eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser dort stattfinden wird.

Der Kaiser hat den beiden Kommandanten der in tttel liegenden russischen Kriegsschiffe den roten Adlerorden 2., Klasse verliehen.

Prinz Eitel Friedrich wird, so wird wenigstens in Paris behauptet, einem Automobil-Rennen beiwohnen, das am 6. und 7. Juli in Dieppe veranstaltet wird.

Staatssekretär D e r n b u r g ist in B u l a io a y o eingetroffen und hat dort den leitenden Persönlichkeiten ein Diner gegeben. Er besuchte das Grab von Cecil Rhodes Der Bürgermeister veranstaltete zu Ehren Dernburgs ein Bankett.

Die Ratifikationsurkunden zu in Rord^ seeabkommen sind im deutschen auswärtigen Amt niedergelegt und das darüber aufgenommene Protokoll von dem Staatssekretär v. Schön, dem französischen Boischaster, den Gesandten von Schweden, Dänemark und den Nieder­landen und dem großvritannischen Geschäftsträger unter­zeichnet worden.

ImReichsanzwird eine Bekanntmachung veröffent licht, der zufolge Ansprüche auf Ersatz von Schaden an­läßlich der Beschießung von Casablanca und der daran anschließenden Borgänge bis spätestens den 20. Juli d. I. bei der internationalen Entschädigungskommisjion in Casablanca angebracht werden müssen.

Der Weißenfelser Oberbürgermeister Wa r o e h n, der bei Städtetagen starke agrarische Neigungen gezeigt hat, ist nicht wieoergewählt worden. Die Stadtverordnetenversammlung hat seine Mederwahl mit 22 gegen 10 Stimmen abgelehnt.

Dieba bische Kammer nahm einstimmig einen An­trag der Petitionskvmmission an, nach welchem bei der Vergebung von staatlichen Sau arbeiten die Herbei- riehung ausländischer Arbeiter verboten ist, jalls einheimische erhaltbar sind. Die bad. Regierung beansprucht im neuen Beamtengesetz volle Freiherr in der Anstellung weiblicher Beamten.

Eine in Karlsruhe abgeßaltene Versammlung von Vertretern der landwirtschaftlichen und gewerb­lichen Brennereien Badens erklärte das badische Brennereigewerbe durch die bevorstehende Menberung des Reichs-Branntweinsteuer-Gesetzes in Verbindung mit der Reichssinanzresorm für gefährdet. Es nnirben gesetz­liche Schutzmaßnahmen gegenüber der norddeutschen Kon­kurrenz verlangt, insbesondere eine Abfindung für solche Brennereien, denen unter den neuen Verhältnissen die Fort­führung des Betriebes unmöglich sein würde.

Das bayrische Justizministerium hat einen Erlaß herausgegeben, der dem tief beklagten Mißstand einer unnötigen seelischen Mißhandlung und ma­teriellen Schädigung von Angeklagten und Zeugen durch Ausfragen und Bekanntgaben ihrer Vorstrafen in öffentlicher Gerichtsverhandlung die engsten Grenzen zieht unb Angeklagten wie Zeugen den bivtjer vermißten Schutz verleiht.. Der bayr. Ver- kehrsminister v. Frauendor'fer erklärte im Landtag, daß kein bayrischer Minister jemals einer Ber­ke hrsmittelge mein schäft zustimmen würde, wie sie Preußen vorgeschlagen hätte und bei der Preußen allein alles zu bestimmen hätte. Es käme nur eine Güterwagen- gemeinschast in Betracht, lieber die Reichs-Elektrizitäts- Abgabe könne er sich noch nicht äußern. Für die Auf­hebung der Fahrkarten steuer werde er eintreten. Dr. Pichler hat in der bayr. Kammer beantragt, zur Beschaffung von Wohnungen für Beamte usw. der Po st Verwaltung 485100 ML und zur Beschaffung von Wohnungen für Beamte usw. der Staatseisenbahnverwal­tung 1386 000 ML in den Etat einzustellen.

In Nürnberg fand eine Versammlung sämtlicher Beisitzer des Kausmannsgerichts statt, die sich für die völlige Sonntagsruheim Handelsgewerbe aussprach. Nur im dtotfalle soll im Interesse der Leffent- lichkeit eine Ausnahme gestattet sein. Dieser Beschluß wird der bayrischen Regierung, dem Bundesrate und dem Reichs­tage übermittelt werden.

Ter BezirkslehrervereinWürzburg Stadt" hat eine Resolution gefaßt, in der u. a. protestiert wird gegen die Eröffnung des Disziplinarwerfahrens gegen den Lehrer Beyhl.' Infolgedessen ist gegen die Mitglieder dieses Ver­eins das Disziplinarverfahren emgeleitet worden.

Ausland.

In London werden Lttiacr.ttungen für einen Internat. Freihandelskougreß getroffen im August Dazu werden Verlier Deutschlands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten erideinen.

Ein Politiker, der dem öftere. Minister des Auswärtigen Baron Achrenthal nahe sieht, hat dem Wiener Korrespon­denten o.sMatin" folgendes über den Gedanken einer fran­zösisch-deutschen Annäherung gesagt:Oesrsrreich-Un- cam roiro stets mit aufrichtiger Svmpathie alle Bestrebungen fördern, die der Annäherung nützlich fein unb Mißverständnisse

-scheu den beiden große,i Nachbarlüiidern beteiligen können. Lrqace Länder hoffen, bau ber Gedanke einer versöhnlichen Verständig ung, der die überlegenen Geister in Frankreich wie in Deutschland beschäftigt, die bereits bestehenden Frie­de nsgaran licn immer wirkungsvoller macht."

Im französischer. Senat brachte D'Wournelles do Constant eine Interpellation ein über die unrichtige Ver­wendung des Marinebudgets und bedauerte die stän- biße Vermehrung ber Kreuzer, die in keinem Ver­hältnis gu dem Bedürfnis und den Hilfsmitteln des Landes stände. .Zum Schluß wendete er sich schar; gegen das Ueberhandnehmen oer Marinerüstungen bei allen Said)teil. (Beifall.) Admiral Cuvcrvillc erinnerte an die Argu­mente Owowvells, der die Vermehrlmg der Flotte durch die Not­wendigkeit, gegen Uebersälle gesdhitzt zu sein rechtfertigt. In allen Lanoer-i hätten die für die äußere Politik üerantruorthdjcn MLmrer die gleiche Sprache, geführt. Der Admiral wies darauf

hin, daß auch für Frankreich die Notwendigkeit besteht, seine ©et»: macht auf gleicher .Höhe wie die ruberen Länder zu halten.

Die französische Deputicrtenkammer beriet das Einkommensteuergesetz unb nahm ben Kvmyromißanlrag^des- nanzministers Caillaux mit 427 Stimmen gegen 100 Stimmen an, nach welchem bie Vorlag c der Bücher von einem Kau sm an ne selbst im Falle eines Streites mit der Steuer­behörde nicht verlangt werden kann.

In der freiheitlichen Studentenschaft Oester- r e i ch s macht sich die Los von Rom-Bewegung stark geltend. In fast sämtlichen Hochschulen erfolgten in letzter Zen Massenüberträte der Studenten zu dem Protestantismus. Die freiheitliche Studentenfchast Innsbrucks verschickte einen Ausruf an die §lvmnnlitonen, im nächsten Semester nach Innsbruck zu kommen, um die Freiheitlichen bei ber Abwehr klerikaler Angriffe zu starken. Bisl>cr sind über 200 Zusagen eingetroffen, darunter vier aus Deutschland. <

Aus Prag wird gemefbet: Bei einem Bankett zu Ehren von englischen Jvurualistt'i hielt der fr a n s i s ch e G e n e r a l- ko ns ul eine Rede, in ber er u. a. sagteIch pfeife aus die cn tente cordiale zwischen England und Frank­reich; aber nicht bloß darauf, sondern auch auf die Entente »wischen England, Finntreicy und dein tschechischen Volk." In Prager und besonders auch in Wiener lltcifen weist man darauf hin, daß der französische Generaltonsul eine Taktlosigkeit begangen habe.

Dom Schlitz von Persien und seinem Volte.

Wie über Petersburg aus Teheran gemeldet wird, glaubt die Bevölkerung trotz der feierlichen Versicherungen des Schahs nicht daran, daß die Neuioahlen zum Parlament wirk­lich stattfinden werden. Schon zu oft hatte der Schah sein Wort gebrochen. Man ist vielmehr fest überzeugt, daß der Medfchlaß nichtmehr zusammentreten ivird. Nachdem aüe fortschrittlichen Minister ihren Abschied eingereicht haben, wird das neue Kabinett ausschließlich aus Reaktionären gebildet sein. Der Schah hat miß Europa viele Anhänger des alten Regimes zurückberufen, die früher auf Drängen des Medfchlaß au§ Persien verbannt worden sind. Die offizielle Petersb. Tel.- Agentur erfährt aus Teheran: Die Periode beS scharfen Kampfes ist augenscheinlich vorüber. Die Erfolge ber Regie­rung in Teheran wirkten auch in der Provinz beruhigend. Die Bevölkerung, so heißt eL, organisiere zu Ehren des Schahs Demonstrationen. Der in Schiras weilende Prinz Zill-eS-Su ltan ersiichte die Regierung, ihm zu gestatten, mit seiner Familie und seinen Angehörigen Persien zu ver­lassen und ihm Leben und Eigentum zu sichern. Die russische und die britische Regierung ermächtigten ihre Ge­schäftsträger in Teheran, die Bitte Z'l-l-es-SultanS beim Schah zu unterslätzen.

Der Teheraner Korrespondent derSimcS* hatte mit einem Freigelassenen eine Unterredung und erzählt von den Leiden der Gefangenen. Bier hervorragende Geist­liche wurden mit Blut beschmiert unb mit zerschlagenen Köpfen und Gliedern unb mit zerzaustem Bart von einer johlenden Abteilung Soldaten ins Lager geschleppt. Malik, ein großer Prediger, wurde vor den Augen der Gefangenen erdrosselt. Als er erst halbtot war, wurde der Strick ge­lockert, und die Henker schnitten ihm darauf das Fleisch mit ftumpfen Messern vom Leibe. Als er tot war, wurde sein Leib Hunden vorgeworfen.

Durch die ljod>Ijmigc Unterstützung einiger, msbcwuvere Gießener, Altertums- unb Kunst freu r de. ut die Erhaltung dieser Apostelbildcr gesichert worden, so daß ber Maler Seite aus Frank« sirrt a. M. mit ihrer Renovierung beauftragt werden konu

Das Innere des ueuerbauteu K'irchenfchiffes ist dem Zweck entsprechend würdig, aber in größter Einfachheit ausgoftattct. Es trägt einen schlichten gemütlichen Charakter und ist farbenfrciibig gestimmt, so daß hier and) int Räume wieberklingt, was dem biederen oberhessischon Volkscbarakler eigen ist Nicht unerwähnt soll bleiben, daß man in verstäudnisoiUler Meis- in der Turm­kapelle die allen sechseckigen Fenster mit BSivcrglasung wieder angebracht bat, während man bie Fensttr der Westfront dank . incr größ'wen Stiftung mit buntem Glas aussmttcn konnte. Ienstcr der Süd- und jeotbieite haben einfach.s yiereckiges Helles Glas. Die Orgel wird Von der Firma NicklauS unb Förner in Lich geliefert unb zur Zeil aufgestollt. Als Einweihungstermin ist einftweilen der 22. Juli vorgewheii.

Die neue Kirche in Leihgestern.

> Leibgesteru, 1. Juli. Der Neubau der Kirche geht seiner Vollendung entgegen. Unter fürsorglicher Leitung ist hier ein Werl entstanden, das auch über die Grenzen Leihgesterns hinaus Beachtung finden wirb. Durch ben alten Turm unb die Straße im Raum beschrankt, galt es für den Architekten bei bem Neubau eine schwierige Aufgabe zu lösen. In meisverhafter Weise ist aber Baumeister H o f m a n n aus Herborn, unter Benutzung eines Vorschlags des Baurats Diehm auS Gießen, der Schwierig­keiten Herr geivorben. Obwohl das Schiff ber Kirche breiter ist als lang, bleibt der Charakter der Längsrichtung gewahrt. Nach einigen Vorentwürfeu, die den Turm seitlich stehen ließen, ist es gelungen, die Mitte des Hanptvaumes in ber Axe des Turmes zu belassen, so baß letzterer in seinem Unterteil ben Chorraum bildet. Nach Süden erweitert sich der Hauptraum in Form eines zwei- jochigen Seitenschiffes. Was ben Baustil betrifft, so gehört er keinem der sogenannten klassischen ©tilauen, sondern dem be­kannten hessischen DorsiirckientypuS an, den wir auch an dem Turmaufbau mit ben vier flankierenden Ecktürmchen, dem Wahi zeichen von Leihgestern, sehen. Allgemeinen Beifall findet die dem Haupteingang an per Westfront vorgelagerte, offene Halle unb der im Jachwerk ausgcführte Sakristeianbau mit Turmauf­gang, der bem Seitenschiff nach Osten zu angegliedert ift Der massive, kapellenariige ^imnuiiterbau mit Kreuzgewölbe gehört der ftühgotischen Zeit an unb verspricht eine große Sehens­würdigkeit zu wettxn. Denn hier wurden von Prosessvr Sauer- Gießen unb Dekan Strack-Leihgestern alte Wandmalereien ent­deckt und sreigelegt, die in seltener! Farbenfrische erhalten sind. Die Zeit, aus der sie stammen, ist noch nicht sicher seftgefteltt. Aposteltypen sind es mit ben ihnen im spätmittelalttr eigen- llpnlichen Attributen.

Betrachtet man sich Malereien näher, so finbet man zunächst die beiben Apoftelbrüderpaare: Das eine an der Ost wand der Lurmkapelle ,.Simon, genannt Petrus, unb Andreas seinen Bruder". In das Petrusbild hat man später einen Grab­stein (epitavbium) eingesetzt, so daß von ihm nur noch ber Kopf zu sehen ist Das Andrcasbilb ist gut erhalten, ein bejahrter Mann mit langem, weißem Aart, ein schräges Balkenkreuz (An­dreaskreuz) tu der Hand haltend. Das andere Brüderpaar sind die Söhne Zebedäi Jakobus als Pilgev davgeftellt mit Wanoerstab unb Tasche unb Jol-annes, sein jüngerer Bruder, eine mgend- Iid>e GcftaU. Als Älttribut hat er einen Kelch mit einer Schlange, weil er nach der Legende einen Giftbe^r ohne Schaden trank. Diesen beiben gegenüber befinden sich Thomas unb Matthäus. Thomas, ein kräftiger Rttnin mit kurzem Bart, mit einer Lanze in der bieckten als Zeichen seines Märtyrerwdes unb Matthäus, ein alter Scann, in der Rechten ein Buch haltend, in ber Linken eine Hellebarde, auch als Zeichen des Mäirtyrertodes.

An ben Unteren ^Sünden des Triumphbogens, der die Turm­kapelle mit dem Kirchenschiff verbindet, sieht man auf der einen Seite Philippus, der Legende nach gekreuzigt, mit einem so­genannten Antoniuskreuz in der Reckten unb ihm gegenüber auf der anderen Seite des Bogens Bartholomäus mit einem großen Messer in der rechten Hand. Auf der Wand des Turmes, bie bem Kirchenschiff Angewandt ist, befinben sich dann nutfi drei Figuren, 2 Apostel, deren Mtribute nicht mehr sichtbar sind, und Christus mit großem Nimbus und der Ueberschrift:Christus wahrer Gott und Mensch."

Ans Stadt und Land.

Gießen, 3, Jul« 1908.

Uebcr Gießener BerkehrSverhältniffc sprachen gestern abend im Bürgerverein Gießen in einer gut besuchten Versammlung im Hotel Schütz Rechtsanw. Rand und Reuning. An der .Hand von Lichtbildern und Kartenskizzen erläuterte Rechtsanw. Raab zunächst die Gießener Bahnhofsverhältnisse, deren Verb eise- rung nur durch die Verlegung der beiden obcrhesfisa)en Bahnlinien erreicht werden könne. Für die Alsfelder Strecke, die durch die neue Bahn Alsield-Hersfeld erijöhte Bedeu­tung für den rheinisch-niitteloeiitschen Turchgangsverl-Hr erlangen und deshalb zweigleisig ausgebaut werden müsse, schlug er in erster Linie die Einführung von Norden her, nördlich des Frieohofs am Rodtberg vor. woselbst dort am Schnittpunkt mit Der Main-Weser-Bahn der ersehnte 'Nord- bamihos erstehen könne. Falls dieses Projekt nicht durch­führbar sei, enlpfehle sich eine gemeinsame südlichi llm- führung beider vberhesfischen Bahnlinien westlich von Klein- Linden an Leihgestern und Watzenborn-Steinberg vorbei. Die Alsfelder Strecke sei dann über Steinvach, Albach usw. weitcrzuführen und erreiche vor Reiskirchen die jetzige Linie wieder. Großen-Buseck müsse bei dieser Linienführung eine Stichbahn für den Güterverlehr im Zuge der jetzigen Bahn von Reiskirchen her erhalten und i;n übrigen durch eine elektrische Straßenbahn mit Gießen verbunden werden. Die Bahn nach Gelnhausen sei auch, wenn sic allein südlich umgelcitet werde, neben der Köln-Deutzer Linie her unb bann im Bogen um Klein-Linden herum nach Warben!eidj zu führen. Dadurch werde auch eine gute Einsührung ber projektierten Kleevachtalbohn in den Gießener Bahnhof er­reicht. Weiter sei zu fordern ber Ausbau ber Bie ^rtal- bahn bis Bischöfen unb ihre Umwandlung in eine i spurbahn, sowie die Erbauung der Bohn MückeUlrioistein. Die Lahnkonalisatioii, bie nach allem, ivas man br/on höre, in absehbarer Zeit kommen werde, müsse im Enöyafen Gie­ßen so enden, daß die Niveauunterschiede zwischen Wasser- straße und Gleisanlagen möglichst gering seien. Dies sei zu erreichen, wenn K; Hasen in den Heßler za liegen kommc, was ev. die Eingemeindung 5klein-Lindens notlmiuiig mache. Der für die elektrische Bahn gewähuen Linienfübriing stimmte der Redner zu, die Notwendigkeit betonene bald­möglichst die nächsten Nachbarorte in das Netz einzubeziehen. Der zweite Neferenl, Dr. Reuning, ergänzte diese A.irs- führungen besonders nach der technischen Seite hin Be­züglich der Straßenbahn schlug er für Die Linie zur Kaserne eine Linienführniig von den Neuen Bauen durch die Jo- hannesstraße, Goetyestraße unb Ludwigjtraße vor. Damit werbe ber Anschluß einer ganzen Anzahl gut frequentierter öffentlicher Institute, namentlich auch der Universität er­reicht, wogegen bie geringe Verlängerung ber Lind kaum in Betracht komme. Beide Referate wurden mit leb­haftem Beifall ausgenommen unb der Vorsitzende, Lehrer Val. Müller sprach im Namen ber Versammlung :Tnb des Bürgeroereins beiben Herren herzlichen Dank anv. In der Diskussion sprach nur Prof. Dr. Sommer. Er er- erklärte in ben gri.ndlegenben Fragen der Bahnumführung sein Einverständnis mit den Vorschlägen der Reserenten, die viel gemeinsames mit seinem vor ^eyn Jahren angeregten Aenderiingsprojekt Hütten, und forderte zu weiterer vabeit in dieser Richtung auf. Eine von ihm vorgeschlagLn- Resolution folgenden Wortlauts sand einstimmige Annahme:

Die vom Sürgcrüerein am 2. Juli einberusene öffentliche Versammlung erklärt nach dem Vortrag der Herrm Eli cd) cniualt Raab unb Dr. E. Reuning cinftimmig, daß Die völlige Umlegung des vberyessisd>en Eiscnbahnterrains bet Gießen uh Interesse des Gesaintverlelns dringend notwendig ist.

* * Lande8universitüt. P:'of. Dr. 6iegfr. © art t n in Leipzig hat nach Leipziger EDietbungcn den an ihn ec gangenen Ruf nach Gießen als orbentl. Professor der Phy - siologie an Stells des am 1. Oktober ds. Js. noch' München übersiedelnder. Prof. Dr. Frank angenommen.

* Versetzung. Ter Steneraufscher Beruh. Herrn zu Hilngen wurde mit Wirkiing vorn 15. Juli 1908 an in der. Steueraufseherbezirk Höchst versetzt. Seine seitherige Stelle ist zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.

* * 2 4. Deutscher land w. G e n o s s c n s ch a s t o - tag in Mainz. Wie bereits berichtet, findet Der mit' dem 25jährigen Jubiläum dcs Reichsverbandes verbundene Deutsche landw. Gei-ossenschafistag vorn 8. bis 11. Juli in Mainz statt. Dem Charakter der Tagung entsprechend sind eine Reihe besonders wichtiger und niigcm. imerestierender Verhandlungsgegenstätide zur Scraiung gestellt A. All­gemeine genossenschaftliche Fragen. 1. Ist eine Mitwirkung der ländliche.i Genossensa)aftcii bei der Mo!>i sahrtspslege möglich und wünschenswert und in wett u 001111 en soll sich dieselbe betätigen? Berichterstatter. Ber vaudsdirektor Hofrat Bach-Dresden. 2. W._ kann durch die.Ausgestaltung des genossenschaftlichen Unterrichtswesens zur weiteren inneren Vervollkommnung der ländliclien Ge- nossenschaftsvrganisation beige tragen werden Bericht­erstatter: Generalsekretär Dr. Gravein-Darmftadt. 3. Ter Reichsverband in DeuLsch-Südwesiafrika. B richteijiaj : Vorstandsmitglied ber Lanbw. Je -at.Tarlehnstässe für Deutschland iir Neuwied. " >wied. B. Ge°

nossens.chaftsre fxib n fid> ^ißj