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Zweites Matt
1S8. Jahrgang
Nr. 53
tr1<6ebH fLtzNch mV VaSnahm« M GmmtagS.
General-Anzeiger für Gberheffen
Caspar.
Präsident Graf Stolberg
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Dienstag, 1 Uhr: Reichsamt des Innern.
Schluß nach 6 Uhr.
die Hausindustrie hcrpeur; Der
ÄWS fein «Ä -u flenüaen, bann
Deutscher Reichstag.
113. Sitzung, Montag, 2. März.
Am Tische des Bundesrats: v. BethmanL-HollWeg,
eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten mit folgenden Worten: Unser verehrter Alterspräsident, der Abg. v. Winterfeldt. M e n l i n vollendet heute sein 85. Lebensjahr. Sie werden nur gewiß die Ermächtigung erteilen, ihm zu diesem seltenen Feste die Glückwünsche des Reichstages zu überbringen. (Beifall.)
Die große Gewerbcnsvelle.
z - (Dritter Tag.)
Abg. Enders (freis. Vp.)':
Die w6iefiener LamNtenblStter- werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kretsblatl für de, Kret» Gießen" »weimal ^«tz^Mich. D« ^tzefstfch« tanbrolrt" erscheint monatlich einmal. v
(Sehr wahr!) Gewiß hatte die Ausstellung eine Tendenz, näm. lich den Blick zu schärfen Jür den Zusammenhang zwischen geringwertiger Ware und gering, wertiger Lebenshaltung ihrer Herstellung; man kann auf die nächste Ausstellung in Frantsurt a. M. nur die besten Wünsch: fetzen. Während die übrige Kultur allüberall steigt, auch die Kultur des Fabrikarbeiters, bleibt der .Hans- industrielle m feiner Masse derselbe Mensch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. D»e übrige Welt hat sich gewandelt, die. Preise sind höher geworden, für den Durchschnitt der Hausindustrie bleibt seit Jahrzehnten derselbe Lohn; für ihn gilt tatsächlich daS Lassallesche Lohngesetz. Wer den Ausstellungen nkyt glauben will, für den genügt der Besuch eines beliebigen Warenhauses.
Gefängnis. — Tie Kvrnevalfeier in Syracus gab zu heftigen Nasi-Tumulten Anlaß. Ms den Masirnzug sich mit den» Ksiruevalwagen burd) die Straßen der Stadt bewegte, ssilrzte sich ein großer Voltshaufe unter Vorantragen eines "Vasibüdes ans den Maskenzug, warf Tue Wagen um, verbrannte die Karneval- puppen und suckle die auf der Straße errichteien Karneval buben) zu zerstören. Die Menge zwang die Stabtmusik, die lltasehvmnk zu spielen. Zwischen den Tenwnstvanten und den Zugteilnchmern entspann fid) ein wütendes Handgemenge, bis der Erzbisclwl von einem Valöon aus zur Rul)c mahnte. Auf Betreiben des Erzbstci-ofs wurden die gefangenen Tunmltanten freigelasscn.
Dienstag, 3. März 1908 y I"
.. Aotatton-dmck miß ttertag her VrvbNche« toW Uawerstrüt« - enb «ttlnbcud«eU
ÖL Lao-«, Sreßra.
Nebaktion. Expedtttan and OrurfrrHr Scfiul- ftrafce 1. öfpebttton anb Betlag ' bl. RedatNom^E 118. XeL'Slbu An-etgerGreßen.
Nafi Rnmmel. x _
Ter wegen Veruntreuung staatliche-r
Minister Nasi ist cmichlolvm,
6'nnclüsbofes Berufung cinzu legen, um <5eu zu gewinnen. Sw tesift zum zweiten Prozeß seine Gefängnisstrafe bereits terbilRt w habciL Giormale d'Italia glaubt Mitteilen zu können, daß der &öntg die Begnadigung Nas^ am 14. ^äws- ^m Nameiis- taae Könia Humibeerts, verfugen wird. >zn Sizilien bauert di? Agitatwn für Nasi fort. In Palermo fand mn Sonntag ttotz des Verbots der ll^slizei in den Strahn eine Kundgebung, die aber ohne Zusammenstoß verlies, statt. — dd)-t Oymnapasten erhielten wegen Vandalismen und Widerstandes mehrmonatliches
" Dir begrüßen die Vorlage über die Heimarbeit mit großer ; Freude, obgleich sie erst ein sehr schüchterner Versuch ist, ; der deutlich die Unsicherheit verrät, nut der die Regierung an diese schwierige Materie herangegangen ist. Es ist der erste Schritt in - ein dunkles Land. Vorsicht ist daher dringend geboten. Wir find uns alle darin einig, daß weitere gesetzgeberische Schritte bald folgen müßen. Herr Geyer will alle Schaden der Heimarbeit dadurch beseitigen, daß er sie abschafft. Das ist eine Km: ä la Dr. Eisen« bart. (Heiterkeit.) Man schlägt jemandem den Kopf ab, dann ist er von allen Leiden befreit. Die Sozialdemokratie hofft durch De, seitigung der Heimarbeit mehr Arbeiter in ihre Organisationen zu belommen. Das ist des Pudels Stern. Wir sind auch Freunde der Arbeiterorganisationen, aber sie dürfen nicht aufgebaut fern auf vielen Tausenden von zertrümmerten Eristenzen. (Sehr richtig! links.) Der Redner wendet sich dann gegen die Ver. lintr Ausstellung für Heimarbeit, die vielfach enr ganz falsches Bild der Verhältnisie gegeben habe. Sie habe frei, lich das Verdienst gehabt, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Heimarbeit gelenkt zu haben. Im übrigen habe sie vielfach nur die ordinärsten Artikel vorgeführt, die in der geschäftsflauen Zeit aus Mange! an Aufträgen hergestellt werden.
DieLöhne in bet Thüringer Spielwaren- industrie find auch sehr niedrig. Diese Industrie weist dieselben Schattenseiten auf, wie febe Heimarbeit. Aber sie enthält einen gesunden firm, sie ist eine ErwerbSsorm, die wirtschaftlich und sozial notwendig ist. Nur die Auswüchse müßen beseitigt werden. Daß die verschiedenartigen Verhältnisie der Heimindustrie bei der Novelle berücksichtigt, und daß nicht einheitlich vorgegangen wird, ist richtig. Es fragt sich nur, ob die dem Bundesrat gegebenen Vollmachten nicht auf dem Papier stehen bleiben, wie das bei der Invalidenversicherung für die Hausindustrie der Fall ist.
Der Redner fordert die Ausdehnung der Gewerbe, anfsicht auf die ganze Hausindustrie, mich durch weibliche Beamte, die allgemeine Negisterpflicht und Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die ganze Familie in der Hausindustrie. (Beifall links.)
Abg. Dr. Burckhardt (wirtsch. Vgg.):
Ich muß die Behauptung zurückweisen, als ob die Berliner Heimarbeits-Ausstellung, ein falsches Bild ergeben habe. Es sind doch nur Stichproben gegeben worden. Die Ausstellung hat ganz heillose Zustände aufgedeckt. Sie ist auch von der Kaiserin besucht worden, und darauf ist es Wohl auch znrückzuführen, daß die v o 11 i egen de Novelle so rasch erschienen ist. Der Redner bespricht die Heimarbeit in der Zigarren, i n d u st r i e , vor allem im Ravensberger Bezirk. _ Die Löhne seien durchaus unzureichend und wohl die schlechtesten in ganz Deutschland. Es wäre aber unvernünftig, die Hausarbeit zu besei, tigen. Es würde dadurch großer Schaden entstehen, aber der Bun. dcSrat denke ja auch nicht daran. Durch Tarifvereinbarungen müssen die Löhne erhöht werden, auch müsicn die Heimarbeiter in die Krankenversicherung hereingezogen werden., Die Heim« arbeit auf demLande ist vorteilhafter als die in der Stadt. Auch die Lentenot wird dadurch bekämpft, weil die Leute durch ihre Heine Nebenbeichäftigung veranlaßt tverden, auf dem Lande zu bleiben. Der Gesetzentwurf ist nicht im Interesse der Unter, nehmet geschaffen worden, und wenn der Abg. Geyer behauptet habe, die Regierung und die bürgerlichen Parteien seien arbeitet, feindlich, so erkläre er ihm, daß im Gegenteil die Soz a l d e m o - iratie arbeiterfeindlich fei. (Beifall recksts.) Hofsent. lich werde sich in der Kommission ein gangbarer Weg zur Lösung der schwierigen Heimarbeiter frage finden. (Beifall.),
Abg. D. Naumann (freis. Vgg.):
(Beifall.) _ , X1
I Abg. Schiffer (8entr.)
regt Heimarbeitetausschüsse an, spendet dem M rken des Grafen Posadolvsky Lob, wünscht den Zchnstundenlag auch für männliche Arbeiter, eine weitere Verkürzung der weiblichen Ar. beitszeit an den Tagen vor Sonn, und Festtagen und spricht dann besonders ausführlich über die Notwendigkeit von obligatorischen Arbeiterausschüssen mit geheimer Wahl u,w. Der zweite Teil seiner Rede ist ein allgemeiner Vortrag über das Koalitionsrecht.
Abg. Everling (norl.)’
begrüßt die erfreuliche Aufnahme, die die Gewerbenovellen im ganzen Hause mit Ausnahme der Sozialdemokraten gefunden haben. Die Sozialdemokratie ist der sozialpolitische D r. Eisenbart. (Heiterkeit und Zustimmung.) 'Sie, will die Heimarbeit ausrotten, wenigstens in der Zigarrenindusttie. ycute werden aber viele Tausende m Sachsen sagen: Gott sei Tank, dax es jetzt so wenige Sozialdemokraten im Reichstage gibt! (Gelaap ter der Sozialdemokraten. Lebhafte Zustimmung.) Gewih, Miß. stände sind vorhanden, aber man kann ihnen nicht mit einem Mar- den GarauS machen. Die Arbeiter lieben die Heimindustrie, weil sie das Familienleben fördert. Der Redner schildert die Verhältnisse an dem Beispiele der K r e f e l d e r H a u s : n d u . st r i e, wo er seiner Zeit den Uebergang von der Hand- zur JJca, schinenarbeit mitgemacht hat. Naumann hat zu schwarz gemalt Nicht überall ist das Wort „Schlafstube" Ironie und nicht, überall schaut eitel Sorge aus der Heimarbeit heraus. Ich bin m viele Heimarbeiterwohnungen gegangen, nicht geführt von Fabrikanten, und habe eine eigene Anschauung mir gebildet. Die Vorlagen müssen in der Kommission noch so geändert werden, daß sie dem Lebensbedürfnis der Arbeiter entsprechen. Die Wohltat dars aber nicht durch Schikanen zur Plage werden. (Beifall.).
Abg. Günther (freis. Vp.):
Die schwierige Materie läßt sich nicht auf einmal regeln Würde man die Heimarbeit ab schaffen, so wären schwere wirr, schaftliche Erschütterungen unausbleiblich. Man darf nicht immer nur die dunklen Seiten der Heimarbeit malen. Der Redner bespricht die Verhältnisse der Spitzen- und S t i ck e r e 11 n duft r i e i m s ä ch s i s ch e n V o g t l a n d e , seinem Plauener Wahl- bezirk. Die Ausdehnung dieser Hausindustrie hat den Wohlstank der Bevölkerung sehr gehoben. Man darf nicht schematiich vorgehen, ein Uebereifer ist ganz unangebracht. Auch die Beamten- und Handwerkertöchter in der Plauener Spitzensabrikation haben ein Recht auf Arbeit. Lohndrücker sind sie nicht. Das schablonen. hafte Verbot der Heimarbeit würde diese Jndusttie nach dem Auslände drängen. Schon jetzt werden Bestrebungen gemachc, sie nach Amerika zu verpflanzen. Für die Fortbildungsschulen der Arbei. terinnen betont der Redner die Bedeutung der Hauswirtschaft I i ch e n Ausbildung und äußerte besondere Wunsche für Saisonindustrien. ;v **
Mg. Stadthagen (Soz.):
Wir denken nicht an eine Kur ä la Eisenbart. Geher hat das Verbor nur für die Tabakheimarbeit gcforderr. Mit Ausnahme einer kümmerlichen Verordnung für die Konfektionsindustrie ist überhaupt noch nichts geschehen. Die Scharfmacher loben die Vor. lagen über den Daus, das beweist, daß sie für die Arbeiter unbrauchbar sind. Man will waschen, aber nicht naß machen. Die widersinnigen Bestimmungen des Entwurfs zeigen, daß die Regie, rung vollständig in den Banden des Scharfmacherverbandes ist.
Abg. Erzberger (Zentr.)
verteidigt die Berliner Heimarbeiterausstellung, die durchaus keinen tendenziösen Charakter gehabt habe. Der Redner lobt die Be- i strebungen des Berliner Käuferbundes, der in die Schlupfwinkel der Heimarbeiter eindringe und Gutes schaffe.
Tie Vorlagen gehen an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Ootttidche Tagesseha«.
Ablehnung des Sprachenparagraphen.
Die Vereinsgesetzkommission des Reichstags kam am Montag endlich nach viertägiger Debatte zur A b ft i m m u n g über Den Sprachenparagraph (§ 7), der bekanntlich bestimmt, dass die Verhandlungen in öffentlichen Versammlungen in deutscher Sprache zu führen und daß Ausnahmen nur mit Genehmigung der Landeszentralbehörde zulässig sind. Hierzu lagen vor ein Eintrag der Polen, als deutsche Sprache jede Sprache zu erklären, die innerhalb des deutschen Reiches von Neichsangehörrgen als Muttersprache gesprochen wird, ein Anttag Graes (Wirtsch. Vgg.), die Gewerkschaftsversammlungen nicht unter den § < &u stellen, und ein Vermittlungsantrag Dr. Müller-Meunngen. ^>n der Abstimmung wurde zunächst der Antrag der Polen mit den 15 Stimmen der Blockparteien gegen 12 Stimmen des Zentrums der Sozialdemokratte und der Polen abgelehnt. Ter Antrag Graes wurde mit 14 gegen 13 Stimmen ab gelehnt. ^ann kamen der Antrag Dr. Muller-Meiningen zur Abstim nung. -^er Absatz 1 des Antrages, der bestimmt, daß Verhanolungen in ösfentlicl)en Versammlungen in der Regel in deutscher Sprache zu sührcn sind, wurde gleichfalls abgelehnt. Tann aber murcen die Absätze 2 bis 5, die Die Anmeloesrist für sremchprachige Versammlungen regeln und außerdem' bestimmen, daß ,otzne Die
/ Auch ich werde mich in meinen Ausführungen auf die Hans, Industrie beschränken. Nachdem der SCbg. Geyer ans seinen Lebenserfahrungen heraus ein dunkles Bild der Heimindustrie entrollt hat, hat heute Herr Enders versucht, die Hausindustrie von ihrer hellen und lichten Seite zu zeichnen. Ich will auch nicht in Abrede stellen, daß es in der Hausindustrie helle und lichte Punkte gibt Gerade die vorzüglichsten Einzel, leistungen entftanrmen sehr häufig der Hausindustrie. Das gilt sowohl von der Steinschleiferei, von der Uhren-, der Wäsche. inbu]ü ie, der Hausschneiderei, der QualitätSzigarrenfabrikacion usw. Wir finden, daß in dieser Hausindustrie vielfach viel Aktti- rateres geleistet wird, als in der Fabrik. (Beifall.) Bedauerlich ist aber, daß selbst die beste Hausindustrie, wenn ste sich sogar dem Kunstgewerbe nähert, immer noch die Tendenz hat, die Löhne^ niedriger zu hatten als m der Fabrik. Das Typisch^ für die Haus, Industrie ist der billige Durchschnitt der Ware (Zustimmung), und alles das, was unterhalb des billigen Durchschnitts, so daß man bei ihrer Beurteilung zunächst von einer Warenbeurteilung aus. gehen muß. Da war die Berliner Ausstellung der sachlich richtige Weg. Kein Mem'ch wird Hausindustrie aus bloßer Statistik ^greifen, auch nicht aus bloßem Mitleid; man muß vor dem lebendigen Auge haben, was die,Hausindustrie herftellt; der Blick auf die Ware genügt, um zu '
Dentsciies Ncieh.
Berlin, 2. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die südwestasrikanischcEisenbahnOtoxin-Groot-' so nie in, welche bekanntlich von der Southwestasrim Eompany gebaut wird, hat nach einer an amtlicher Stelle cingetrofscnei, Depesche den Endpunkt Grootfonrein erreicht.
Kattowitz, 2. BLärz. Tie deutschen Beamten in Russisch- Polen haben nach der Annahme der Enteignuugsvorlage durch Arbeiter und polnische Komitees eine Aufforderung zur Landes- verlasfung mit Todesdrohungen erhalten. Aus diesem Anlaß hat nun in Kattowitz gestern eine Versammlung der Betroffenen
Wenn heule die gesetzgebenden Faktoren daran gehen, die Hausarbeit gesetzlich zu regeln, so wäre es ein großer Fehler, zu glauben, daß man damit allein gute Zustände in der Heimarbeit schaffen könne. Das ist auf diesem Gebiete ausgeschlossen. Slot» ständekannman nickt mit Inspektionen und Ge- setzen regulieren. (Beifall links.) Das zeigt sich am besten, wenn man die einzelnen Bestimmungen näher betrachtet. Da sind z. B. die Anforderungen an den Raum. Was ist denn ein Schlaf- raum? Bei einer 'Bevölkerungsschicht, bei der mindestens die f>älfte in Einzimmerwohnungen lebt, verbietet sich der Begriff Schlafraum von selbst. Ncin stellt sich die Gesetzgebung hin und erklärt, der Schlafraum müsse reserviert bleiben. Woher sollen denn die Leute die Schlafstube nehmen, die das Gesetz Vorsicht? Aehnlich ist eS mit der Bestimmung über das nötige Luftauantum im Arbeitsraume. Was nützt die Bestimmung, wenn für vier Arbeiter das Luftquantum ausreicht und nun noch vier andere Lungen mitatmen von Personen, die nicht beschäftigt sind? Nun sollen die Leute gar noch bestraft werden. Sie sollen von dem unzureichenden Lohne noch dafür Strafe zahlen, daß sie sich mit einer schleckten Wohnung begnügen muffen. Die Einschränkung d er'Kinderarbeit ist absolut notwendig. Hier gibt c5 kein Zurück! Die Einschränkung muß bis in die letzte Ecke durchge- führt werden. Die ganzen Unterschiede zwischen eigenen und fremden Kindern sind zwecklos. Sage man doch cm fad), daß Kinder unter 13 Jahren in der Heimarbeit nicht beschäftigt werden dürfen. Dann wissen die Leute wenigstens, tooran sie sind.
Aber wer soll das kontrollieren? Die Schule? Ich mochte wissen, ob die Lehrer in den Landgemeinden das gern übernehmen möchten. (Sehr wahr!). Also die Ortsbehörde! Das ist aber sehr oft die allerintercssierteste Stelle. Der Ortsvorstand wird sich hüten, die Hausindustriellen in die anderen Gemeinden zu treiben und die Mietswohnungen in seiner eigenen Gemeinde teer zu machen. Ja, wenn die Gewerbeinspektion soviel Kräfte
ausdrückliche fönroilligung der Veranstalt-rz ^>el d-s L-it-rs einer öffentlichen Versammlung m einer niclftdeut)chcn Sprache nicht verhandelt werden dars. mit 15 gegen 2 6—n °"g°n°EN- Tie Mebrbeit bestand aus Freisinn und Antiblock. Der Achatz b, naa) welchem die Landesgesetzgebung die Einhaltung der obigen Bestimmungen ganz oder teillveise erlassen kann, lourde wreher ab gelehnt In der Gesamtabstimmung wurde bann sowohl der § 7 ber Vorlage wie die übrig gebliebenen Absätze des Antrages D r. M ü l l e r - M et nm ge. n m 11 16 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Es ist beim § 7 im Vereinsgesetz also ein Vakuum entstauben.
konnte man darüber reden, für diese Aufgabe neue Kratt 6 et anzustellen. (Sehr wahr!) Jedes neue Stuck (Setocrbcor: i 'ft ja nichts als der Schrei nach immer neuen Funktionären nicht emeGewerbebehörde in Deutschland mogle 'die sich auf Selbsttätigkeit der beteiligten t v etie aufbaut, solange toirb all unser Vorschnstsmale -al etwas totes bleiben. Der auSsicktsvollste Punkt der Novelle vt '>e Forderung eines Registers; aber nicht nur der Zwilchen- meister, sondern aller in der Hausindustrie beschäftigten Arbeiter- kreise. Dadurch würde die v e r s ch a m t e H a u si ’n d u ft r i e, dieTöchtervon Beamten, die sich ihr Stuck Nadelgeld dazu erwerben, der unlautere Wettbewerb für die wirklichen Haus- industriellen ausgemerzt werden. Falsche Sentimentalität darf es da nicht geben. Vor allem aber, diese Liste zur öffentlichen Eingckt- nahme ausgelegt, würde die O r g a n i s a t i o n d e r H e i m - arbeitet erleichtern und schließlich hangt alles, was wir hier planen, doch davon ab, ob die Leute selbst gewillt sind, an ber Besserung ihrer Lage mitzuarbeiten. Bleiben sie jchlafs und indolent, fatalistisch wie die Türken, pessimistisch ihrem Schicksal er- geben, diese Hausindustriellen, deren Sprichlvort ist, anders wird es immer, besser wird es nie, diese Leute, die die Hunde mucn lasten, weil ihr ganzes Leben nichts ist als eine monotone Kotte ewiger unauskömmlicher Arbeit, solange nützen alle Gesetze nichts. Ob Sozialdemokraten, ZeutrumSmann, ob Hirsch-Dunckenancr, helfe wer helfen kann, daß überhaupt erst Lebenswille in bjeie Schichten hineinkommt. Organisation, barmt Lohntar,fe ausgearbeitet werben können. Möglich find sie auch in den kompliziertesten Hausindustrien, das hat die Berliner Ausstellung gelehrt. Taritabmack ungen — wer daran mitarbeitet, verdient sich einen Lohn des Vaterlandes und erleichtert das Gewissen der Nation. Denn das ist keine Frage der Parteien, n i ch t B I o ck o d e r A ntiblock. (Sehr wahr!) In dieser Frage sehen wir die Men- fcken den Menschen gegenüber, nur als Frage bette t n e n Menschlichkeit muffen wir sie auch als Gesetzgeber betrachten!
unausführbar.
In Berlin sollen 190 000 Heimarbeiterinnen sein; diese in Fabriken überzuführen, ist sachlich schon unmöglich, weil ein großes Fabriksystem auf dem teuren Pflaster der Großstadt nicht mehr möglich ist. Verbietet man die Heimarbeit, Jo treibt man viele von ihnen vollständig derberufsmäßi- gen Schande oder vollständig der Armenpflege zu. (Sehr wahr!) Heute leben sie mit der einen Hand von der Armenpflege, mit der anderen vom hausgcwerblichen Unternehmer __ das letzte Stück bürgerlicher Selbstachtung! Ein allgemeines Verbot ist also unmöglich; partielle Verbote können aus gesundheitlichen und ähnlichen Gründen nötig sein.
(Sehr wahr!) . _ „ -
Jedes Warenhaus ist eine Hausmdustrieausstellrmg (Sehr richtig I), dem, überall dort, wo d i e fabelhaft billigen Preise angezeigt find, wo Artikel als G e f ch e n i e d a s l x e b e Weihnachtsfest verschönen sollen, überall stehl HauS- industrie. (Sehr richtigI) Diese billigen Preise m den Warenhäusern könnten nicht sein, wenn nicht elende Lohne im Hintergründe wären, und ich werde in dieser Frage so lange nicht an den guten Willen der Majorität des deuftchen Volkes glauben, als sie sich nicht abgewohnen, billigen S ch u n b z u k a u f e n. (Beifall.) Wer bicfcn billigen Schund tauft, tut zur Verbreitung dieser Hausindustrie soviel, bah wir mit unserer Gesctzesarbeit dem nickt nachkommen können (Bei- fall), was durch Mangelan Geschmackundstttl-.chem Bewußtsein beim Einkauf an Fehlern gemacht wird. Die Hausindustrieftage ist in allererster Linie nicht eine yrage der Profitwut der Unternehmer, wie die Sozia.demokraten meinen. Die eigentlichen großen Gewinner sitzen gar nicht tn der Hausindustrie, sondern die Unternehmer der HuuSindustrie sind zu einem guten Teil Leute, die auch mit dem halben vtenmo rechnen müssen, um durchs Leben zu kommen. Die ganze BolkS° kuttur hat noch soviel Zuge und Tendenz auf Uns o l»o i - tät, auf ben Schern einer Ware, die keine Ware ist Da sollen die Kinder in den nettesten SonntagSbluien er- scheinen, und die Blusen sollen nichts kosten! Das geht nur auf Kosten ber Arbeitskräfte. (Lebh. Zustimmung.) Und daS können Sie nur Fach für Fach durchgehen. Wenn man die ganze Hausindustrie Deutschlands hier vor unS hätte, dann würde man sagen: Was i st das für ein Volk von Qualitätsminderwertigkeiten (Sehr richtig!), daß die Menschen in ihren Häusern das alles aufstapeln wollen! Sie haben keinen Geschmack für das, was wirklich reell ist, denn das wirklich Reelle stammt aus reeller Arbeit und wird reell bezahlt. Aber hier sind wir an der Grenze, wo keine Gesetzgebung etwas machen kann. Ter Gedanke, die Heimarbeit vollständig zu verbieten, wird vielfältig vertreten, und keineswegs bloß von den Sozialdemokraten. Dieses Verbot wäre ganz gut, wenn es durchführ, bar wäre, und mich würden in feiner Weise die Hinweise auf den sittlichen Wert des Familienlebens in der Heimarbeit abhalten. Wer wie ich aus dem Gebiete der sächsischen Heimarbeit stammt, hat darüber doch zum Teil recht kritische Gedanken. Aber bei einem völligen Verbot könnten zunächst diejenigen, die bloß imstande sind, in der Hausindustrie zu arbeiten, den Uebergang in die Fabrik nicht mitmachen. Gerade die Elendesten würden betroffen. Ein allgemeines Verbot halte ich auch technisch für


