Ausgabe 
18.11.1908 Zweites Blatt
 
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** Kolosseu. m. Im Kolosseum herrschte gestern abend die ausgelassenste Stimmung, und die überaus zahlreich erschienenen Zuschauer kamen dabei vollständig auf ihre Rechnung. Und das hat mit seinem Singen der Otto Reutter getan. Seit Jahren schon wird Reutter von nahezu allen Humoristen mit mehr oder weniger Erfolg nachgeahmt, aber keiner erreicht ihn, und wenn nichts anderes, so spräche schon diese Nachahmung für ihn. Wer wie er seine stets zeitgemäßen, geistreichen Couplets vorträgt, wie er die Pointe sicher und schlagend herauslacht, das macht ihm keiner nach. Vorzüglich war sein Lied vom Block, der Kompro-mißgeburt", das Lied vom schlafenden Michel und all die anderen Verse, zu deren Zugabe er sich wieder und wieder verstehen mußte. Auch das übrige Programm ist recht gut. Etwas ganz neues ist die schöne Lilly mit ihren Luft- und Farbeneffekt-Tänzen, die aber mit Tanz nicht das geringste zu tun haben. <Än sehr witziger Humorist ist Max Frei, der mit seinen launigen Couplets ebenfalls großen Beifall fand. Die dressierten Katzen werden manchen belustigen, wenn man bei manchen Stücken auch nicht von dem Mitleid mit den armen Tieren lostommt. Von den übrigen erwähnen wir noch die Akrobaten The Chi- Mayos, die Verwandlungssoubrette Mary Lose, die australische Tänzerin Malaya, den AffenAugust" und die Malerin A l o n e.

Die im Panorama gegenwärtig ausgestellte Serie ,Reise durch Thüringen* übt, wie vorauszusehen war, eine große Anziehungskraft aus. Bei allen, deren Fuß je­mals die herrlichen Gegenden der Thüringer Wälder betrat, ruft das hier Gezeigte die schönsten Erinnerungen wach. Wer sich aber die Gelegenheit zu persönlicher Anschauung an Ort und Stelle bisher entgehen lassen mußte, der gewinnt die besten Eindrücke von all dem Schönen, mit dem die Natur das Thüringer Land so reich gesegnet hat.

Kirch-Göns, 17. Nov. Gestern wurde hier gegen 4 Uhr ein Dieb stahl im GasthausZum Stern" verübt, ßnn junger Mensch trank in einer Wirtschaft einen Schnaps. Als der Wirt mit seiner Frau die Gaststube verließ, um Kar­toffeln zu verladen, verließ auch der Gast die Stube und folgte den beiden bis auf die Straße. Als er sah, daß die beiden Wirtsleute sich entfernt hatten, ging er in die Ober­stube, wo er in einer Kommode nach Geld suchte. Ter Wirtin Mutter, die in der Wirtschaft allein war, wurde auf das Geräusch aufmerksam, ging hinauf und sah gerade, wie der Dieb eine verschlossene Schublade gewaltsam öffnen wollte. Der Ertappte wollte sich durch den .Hof entfernen, wurde aber durch Nachbarn festgenommen, die ihn auf das Wachtlokal verbrachtem Ein hierher beorderter Gendarm führte ihn nach Butzbach ab.

r. Hungen, 17. Nov. Die Sprechzelle der hie­sigen öffentlichen Fern sprech stelle befindet sich an dem ungeeignetsten Platz, den es nur geben kann, nämlich zwischen der Haus- und Vorplatztür zum Postamt. Infolge des Verkehrs zum Postamt, wobei die Türen zugeschlagen werden, kommt es nicht selten vor, daß die Gespräche sehr unverständlich sind Und unnötigerweise doppelt werden.

u. Schotten, 17. Nov. An der Verschönerung unseres Stadtbildes wird stets gearbeitet, so daß neben den vielen Neubauten auch in landschaftlicher Hinsicht Fort­schritte zu verzeichnen sind. Der Gastwirteverein läßt am Postamt eine Anlage Herrichten und der Vogelsberger Höhen­klub, Sektion Schotten, hat Manches geleistet. Es wäre 511 wünschen, wenn alle, die e§ angeht, es sich angelegen sein ließen, schöne Bilder in der Natur zu schaffen oder 31t er­halten. Mit Bedauern kann der, der die Bilder in der Natur wirklich sieht, oft bemerken, daß sie in rücksichtsloser Weise und ohne besonderen Zweck vernichtet werden. Wo es also angängig ist, sollte das zwecklose Zerstörungswerk unter­bleiben. Innerhalb der Stadt ist der Stadtbach nun völlig in Rohre gelegt. Die Bahnhofstraße ist mit Liiiden bepflanzt und die Ortsdurchfahrt wird demnächst mit Klein­pflaster hergestellt werden. Die Kosten betragen ca. 33 000 Mk., zu welcher Summe die Provinz, der Kreis und die Stadt zu gleichen Teilen beisteuert. Der Schloßweiher, der sich vor Jahren noch als klares Waffer mit Fischen reich be­setzt zeigte, ist jetzt, nachdem er noch verkleinert ist, in einem Zustand, in dem er nicht verbleiben kann. Meterhoher Schlamm, Pfuhl und Unrat füllen den Weiher und e§ ist verwunderlich, daß diese Bazillenbrutanstalt noch nicht zii Erörterungen Anlaß gegeben hat, wo sie inmitten reich be­wohnter Häuser liegt. Ausfüllen wäre das beste, einen Zweck erfüllt der Schloßweiher doch nicht mehr.

r. Schotten, 18. Nov. Aktuar M 0lter am hiesigen Amtsgericht ist seit vorigen Mittwoch abwesend, ohne daß jemand über den Verbleib etwas wüßte; auch gibt keinerlei schriftliche Mitteilung Aufschluß, wohin er sich gewendet hat. Sowohl auf dem Bureau als in der Wohnung ist alles in Ordnung.

R. Babenhausen b. Mücke, 17. Nov. Die Frau des Samenhändlers Sch ar mann von hier versuchte gestern beim Nachhausefahren eines Wagens voll Reisig, der aus einer abschüssigen Stelle umzusalken drohte, sich durch einen Sprung in den nahegelegenen Bach zu retten, doch dadurch, daß sie auf einen Stein sprang, glitt sie aus und erlitt erheb­liche Verletzungen am Bein. Der schnell zu Nate ge­zogene Arzt stellte fest, daß an der Kniescheibe ein Knochen gesprungen ist, infolgedessen wird die Frau noch längere Zeit das Bett hüten müssen.

0 Friedberg, 16. Nov. Ter Neubau des VolS- bades ist jetzt soweit gediehen, daß die Eröffnung mit Sicherheit am 1. April erfolgen kann. Der mächtige Schorn­stein, das geräumige Schwimmbecken und der Aufbau der zwei großen Dampfkeffel sind fertiggestellt. Der innere Aus­bau geht rasch vorwärts. Tie Zentralheizung wird bis Weihnachten von der Firma Schaffstaedt-Gießen vollendet sein. Im unteren Stockwerk sind die Kaffenraume, das Schwimmbad und die Brausebäder für Herren, im obeiea befinden sich die Tamenbadezellen und das Sonnenbad. Das Gebäude, das nach den Plänen des Architekten Meyer- Gießen erbaut wird, zeigt ein höchst gefälliges, schmuckes Aeußere.

R. B. Darmstadt, 17. Nov. Die sozialdemo­kratische Partei hatte gestern in Darmstadt eine Massenv er sammln lig veranstaltet, um gegen das per­sönliche Regiment des Kaisers Stellung zu nehmen. Zu dieser Versammlung war auch Neichstagsabg. Dr. Osann cia$et»ben worden, der jedoch seine Beteiligung brieflich mit dem Hinweis ablehnte, daß Abg. Bassermann den Stand­punkt der gefaintcn Partei mit aller Schärfe bargelegt habe und et eS nicht für zweckmäßig halte, diese Ansicht auch m

einer Versammlung zu vertreten, die dazu berufen sei, »den immer mehr sinkenden bürgerlichen Parlamentarismus ge­bührend zu kennzeichnen.^ Die Brandstiftungen von Zwangszöglingen im St. Josep hssti ft zu Klein- Zimmern nehmen kein Ende. Obwohl erst jüngst wieder der Zwangszögling Freund ans Kastel wegen versuchter Brandstiftung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, hat sich dieser Tage der 14jährige Bruno Faber von Kastel des­selben Verbrechens schuldig gemacht. Faber war in der Spenglerei beschäftigt und hatte sich dort einen größeren Ballen Putzwolle mit Oel getränkt, den er anzündete und in den über der Werkstätte liegenden Speicher warf. Der Brand wurde jedoch bald bemerkt und im Keime erstickt. Der Brandstifter flüchtete gleich nach der Tat; er wurde jedoch in Gimdernhausen wieder aufgegriffen und ist jetzt wegen versuchter Brandstiftung unter Anklage gestellt worden.

---- Lind he im, 17. Nov. Die unter Leitung der Land­wirtschaftskammer stehende landw. Haushaltungsschule zu Lindheim eröffnet am 3. Januar 1909 einen neuen fünf­monatlichen Kursus. Der Ziveck und die Ausgaben der Schule bestehen in der Heranbildung der Mädchen aus dem Bürger- und Landwirtsstande zu künftigen tüchtigen Haus­frauen durch angemeffenen theoretischen Unterricht und prak­tische Unterweisung in allen in einem bürgerlichen Haushalt vorkommenden Verrichtungen. Der Preis für Wohnung und Mobiliarbenutzung beträgt für Mädchen aus Hessen 25 Mk., für Nichthessinnen 40 Mk. Der Preis für Verpflegung wird zum Selbstkostenpreis berechnet. Der Unterricht ist unent­geltlich. Sitte Anmeldungen, welche baldigst erbeten werden, sind an die Ortsschulkommlssion der Haushaltungsschule nach Lindheim zu richten. Diese, sowie die Landivirtschastskammer selbst sind zu jeder Auskunftserteilung, sowie Verabfolgung von Prospekten und Slnmelbebogen gerne bereit.

(:) Dutenhofen, 15. Nov. Es sind nunmehr zwei Jahre verflossen, daß Oberregierungsrat Löffel-Koblenz mit unserer Gemeindevertretung in die ersten Verhandlungen be­züglich eines Schulhaus-Neubaues ein trat, aber bis jetzt ist die Platzfrage noch immer nicht entschieden. Wie seuierzeit bei der hiesigen Bahnhofserwelterung, so kommen alich jetzt ungefähr 20 Parzellen in Betracht, und es hält schwer, so viele Besitzer unter einen Hut zu bringen. Auch hier kann nur das Enteignungsverfahren zum Ziele führen, das gar manchem Interessenten eine große Enttäuschung be­reiten dürfte.

w Frankfurt a. M., 17. Nov. Die Stadtverord­neten - Versammlung bewilligte heute einstimmig 5000 Mark für die Verunglückten auf ZecheNadb0 d*. Hier war heute das Gerücht verbreitet von einem ge­planten Attentat auf den kaiserlichen Hofzug. Die Eriilittelungen haben bisher ergeben: Vor einigen Tagen lief bei der Eisenbahndireklion ein anonymes Schreiben ein, unter dem TitelWeissagung-, des Inhalts, daß bei der Rückkehr des Kaisers von Donaueschingen zwischen den Sta­tionen HanauMühlheim ein Attentat verübt werden würde. 'Dian hat auch in Wirklichkeit schon vor zivei Tagen und gestern abend auf den Schienen der Strecke HanauMühl­heim zwei Patronen gefunden. Verschiedene Umstände deuten darauf hin, daß es sich um die Tat eines Irrsinnigen handelt. Zur Erläuterung sei noch bemerkt, daß das Gleis, auf dem die Patronen gefunden wurden, nicht das ist, das der kaiserliche Ziig passierte, solidem das Parallelgleis. Ter Vorfall ereignete sich auf hessischem Gebiet. Die Darm­städter Staatsanwaltschaft hat sich der Angelegenheit ange­nommen, die wohl nicht die Bedeutung hat, die man ihr anfänglich zuschrieb. Die Untersuchung der Pa­tronen hat ergeben, daß es sich um verwitterte Dynamit­patronen handelt, die aus dem nahen Steinbrnch herrühren. Der Umstand, daß der Sonderzug des Kaisers gestern abend auf freiem Felde hielt, hat mit dem Patronenfunde nichts zu tun. Das Halten ist auf einen Blockfehler zurückzuführen. Nach der SDleinung von Sachverständigen kann von einem Attentat gegen den kaiserlichen Hofzug keine Rede sein, denn die aufgefundenen Patronen hätten, selbst wenn sie auf den Schienen gelegen hätten und der Zug darüber gefahren wäre, wegen des völlig unbrauchbar gewordenen Dynamits keinen Schaden angerichtet.

Kassel, 17. Nov. Das Automobil des Arztes Nikolay aus Gensungen überschlug sich heute in Nähe des Dorfes Holzhausen und ging vollständig in Trümmer. Dabei wurde eine Dame getötet; die übrigen Insassen, zwei Damen und zwei Herren, erlitten schwere Verletzungen.

Oicßcner Strafkammer.

) ( Gießen, 17. Mvember.

Ein trübes Familienbild.

Tas Schöffengericht Herbstein hatte den schreiner Gg. Hch. K. von Engel rod wegen Körpervcv- letzung Ku 6 Monaten Gefängnis und seine Ehefrau zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt. Tie Angeklagten bewohnten das ihnen von den Eltern des angeklagten Ehemannes übergebene Haus, in dem die alten Leute sich Einsitz- und Auszugsrechte oorbehatten hatten. Es kam mehrfach zu Streitigkeiten und als im letzten Sommer die Eltern, start, wie es ihnen zukam, den jungen Leuten bei der Heuernte zu helfen, anderweit arbeiteten, waren diese sehr erbost, zumal sie die plötzlich Erkrankung eines Kindes auf das Verhalten der alten Leute zurückzuführen glauben müßten. Als die alte Frau sich über dessen Bett bückte, bekam sie von ihrer Schwiegertochter mehrere Schläge mit der Hand in das Gesicht und der Sohn gab ihr einen Stoß, daß sie zu Boden fiel. Der alte Mann rief Don her Nebenstube aus seine Frau zu sich und nun drangen beide Angeklagte in die Stube und wie das Schöffengericht fest­stellte ichlugen sie gemeinschaftlich auf den alten Mann ein unb btt junge Frau rief:,Jetzt wird er geschlachtet". Ein '.öTuber des Angeklagten riß sie auseinander und schlichtete den Streit; doch kurz darauf sprang K. wieder auf feinen Vater zu, wobei tgm btqer mit einem Stock einen Schlag auf den Kops Der» lebte unb er von seinem Sohn wieder mehrere Schläge mit einem Holzstück erhielt, schließlich flüchteten die Alten aus dem Hause und im Hof ivari der, Vater mit einem Stück Holz nach seinem Sohn, der den Wurf mit einem Prügel erwiderte, der dem Mann einen Sinn zweimal cntzweisck-lng. Tie Angeklagten ver­folgten Berufung,; fie- leugneten aber nicht, sehr roh vorgegangen zu fein, doch muffe ber Umstand, daß die i'llten einen großen Teil ber Schuld auf |ich nähmen, ihr Verhalten in milderem Lichte erscheinen Innen, inzwischen haben sich wieder geeinigt: sie sagen ihre Strafantrage, soweit zulässig, zurück und verweigerten ihre Auslagen. Es stand nidjt fest, daß die junge Frau sich an der Körperverletzung ihres Schwiegervaters beteiligt hat: die Sckilage, welche }ie ihrer Schwiegermutter in bas Gesicht versetzt

umrben alx> e 1 n fache Körperverletzung aufgefaßt und in dreier Be-oiehung mußte mfolge Zurücknahme des Strafantrags dc^ Verfahren eingestellt werben und int üorigen Freisprechung drfolgert. Wenn auch bezüglich des Angeklagten K. wegen der

seinem Vater zugefügten Verletzung die Zurücknahme beS Straf­antrags unzulässig war, so drang er doch mit seiner Berufung soweit durch, daß die Freiheitsstrafe in eine Geldstrast von 100 Mark umgewandelt wurde, wobei das Gericht in Betracht zog, daß im Falle der Verbüßung einer Freiheitsstrase beide Teile in ihrer Existenz schwer geschädigt wurden.

Bürgermeister-Beleidigung.

In einer gegen den Sohn des T a g l 0 h n e r s W. M. II. von Homberg a. d. Ohm vor der Strafkammer verhandelten Sache war der Bürgermeister von dort zur Auskunsiserteilung über die Familienverhältnisse des Angeklagten geladen und äußerte sich u. a. daß die Familie von der Gemeinde unterstützt würde. Ein damals vernommener Zeuge und der alte M. Jfcitifierten in der Hornberger Bahnhofswirtschaft, wo sich ein Schwager des Bürgermeisters befand, die Aussagen des Bürgermeisters und M. bemerkte, er werde das Urteil anfechten, während, der an­dere sagte, der Bürgermeister habe einen Meineid geschworen, da doch feststeht, daß M. von der Gemeinde nicht unterstützt wurde, sondern nur unentgeltlich im Gemeinde hause wohne. Ge- nau konnten die Aensjerungen am Schöffengericht nicht festge- stellt werben, doch hielt das Gericht eine Beleidigung für vor­liegend und verurteilte M. zu zwei und den anderen zu vier Wochen Gefängnis. M. bestritt jede beleidigende 2leußerung seinerseits und focht das Urteil an. Tie Strafkammer nahm zwar für er­wiesen an, daß der Angeklagte, dem. Sinne nach, _ gesagt hat, er werde das Urteil durch Revision nachprüfen lassen. Hierin konnte sie aber keine Beleidigung erblicken, weshalb das Urteil der Aufhebung unterliegen und Freispruch ergehen mußte.

Ter Hund im Kurpark.

Ter braft. Arzt Tr. B. in Bad-Nauheim hat trotz mehrfacher Warnung seinen Hund im Park umherlaufen lassen, weshalb ihm schon mehrere Strafbefehle zugingen. U. a. hat er gegen zwei, die auf je 5 Mk. lauteten, Einspruch erhoben. Tas Schöffengericht wies aber beit Einspruch zurück. Er glaubte aber, er habe keine höhere Strafe als die Minimalstrafe von einer Mark verdient und focht das Urteil an. Die Strafkammer ent­schied dahin: eS sei für die erste Uebertrexuiig die Bestrafung mit einer Mark erfolgt; für die zweite sollen 3 Mk. und für die dritte 5 Mk. langesetzt werden. Mithin wurde die eine der Strafen auf 3 Mk. ermäßigt, während es bei der anderen blieb und der Angeklagte mit den Kosten belastet wird.

Ter Hinterbau.

Dem Schuhmachermeister L. Ch. G. zu Bad-Nauheimj ging ein Strafbefehl über 40 Mk. zu, weil er entgegen den Be­stimmungen des Ortsbanstatnts in feiner Hofreite einen Hinter­bau errichtet hat. Wie die Verhandlung ergab, besteht zwischen ihm und der Stadt schon seit Jahren ein Kampf, der bis aufs äußerste geführt wird und zur Folge hatte, daß er schon zwei Gebäude niederlegen mußte. Nunmehr hat er eine sog. Werk­halle errichten lassen, die ans Brettern gefertigt und mit einem Glasdach versehen, jedoch nicht mit der Erde verbunden ist, viel- meyr liegt auf der Erde ein Holzrahmen, worauf das Holzwerl gebaut ist und die Halle befindet sich ii£ einem rechten Winkel und lehnt sich N.f.i das Haus an. Tas Schöffengericht gab dem Einspruch des^Angeklagten start und sprach ihn frei, da die Halle kein Bau im Sinne des OrtSoaustatuts sei. Sie ist transportabel und kann in ganz kurzer Zeit vom Platz gebracht werden, auch wird durch sie nichts beeinträchtigt. Tie Strafkamrner pflichtete den Ausführungen des Schöffengerichts bei und bestätigte das von der Staatsanwaltschaft angefochtene Erkenntnis.

Bei der Pflichtfeuerwehrübung zu Rödgen bei Bad-Nau peim hat der Maurer H. H. IV. inr Glied gespr 0 ch e n und auf eine Bemerkung des Komman­danten sich sticht sofort ruhig verhalten. Gegen den ihn ge- tvoffenen Strafbefehl erhob er Einspruch und gegen das seinen Einspruch zurückweiiende Erkenntnis des Sck-öfsengerichts auch Be­rufung. Er gab an, er habe keinen Ungehorsam gezeigt, sondern nur einer Bemerkung des Kommandanten beigepflichtet. Es stand jedoch fest, daß er eine disztplinarwidrige Bemerkung gemacht, weshalb die StrafEaimu.r im Interesse der Aufrechterhaltung der Autorität Lies Kommandanten zur Bestätigung des Urteils Lun.

Bei der nämlichen Hebung jorcic bei einer früheren ist der Bahnarbeiter Ehr. N. nicht erschienen. Er verfuhr mit den Strafbefehlen und den Schöffengerichtsurteilen wie bet Vorher­gehende und behauptete, er sei H a l b i n v a l i d e und brauav deshalb zur Hebung nicht zu erscheinen. Es steht zwar fest, daß er früher wegen dieses Umstandes von dem Erscheinen bei den Hebungen entbunden war, nacktem er aber seine Tätigkeit wieder ganz ausgenommen hatte, kam er wieder auf die Liste der Bslich. tigen und har trotz Offenlegung derselben keinen Einspruch er­hoben. Seine Angabe, er habe vom Kreisamt die Weisung b> kommen, 1 ich an die Bürgermeisterei zu wenden, war hinfällig, da feststand, daß er ohne von der Verpflichtung entbunden zu sein, der Uebung ferngeblieben ist. Tas Urteil mußte somit seine Bestätigung finden.

am Abend desselben Tages entleibte.

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h. Berlin, 17. Nov. Ter Ooetiehrer Hermann FaubeL vom Sphienchsteal-Gymnafium wurde heute von der 10. Straf­kammer deS Landgerichts I wegen vorsätzlicher Körperverletzung! im Amte in zwei Fällen zu 150 Mk. Geldstrafe ober 10 Tagest Gefängnis^ verurteilt. Ter Staatsanwalt hatte 300 Mk. be­antragt. Fandet hatte int DUwember 1907 den 16 jährigen Schüler Mathieu so heftig geschlagen, daß der junge Mann sich aus verletz'

J.C. Leipzig, 17. Nov. Der Prozeß gegen Möhring und Genossen nahm heute vormittag am Reick-sgcricht seinen Fort- Lang ; dis gegen 1 Uhr dauerten die Verhandlungen, dann trat der Gerichtshof in Beratung. Etwa um 2\2 Uhr wurde das Urteil verkündet, nach dem Möhr in g wegen Verrats mili­tärischer Geheimnisse zu 3 Fahren Zuchthaus und 5 Jährest Ehrverlust, Rohm er wegen desselben Vergehens zu 1 Jahr 6 Monat Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt ist. Fran Möhrung wurde freigefprochen. Die Angeklagten stan­den mit einem Bureau in Frankreich in Verbindung, und fuhren öfter zu einem Agenten in Belfort, bei einer solchen Reise wurde Möhrung ergriffen. Bei Ziohmer kam noch Hehlerei von Patronen- hülfen in Betracht, die sich auf die Straftaten bezog, die der als Zeuge anwesende Militärgefangene Mees in Rastatt begangen, welcher deshalb eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt.

Die Grube Radbod unter Wasser.

Nun die Toten von biovood bestattet sind, sollen gewaltige Massermassen, die noch immer wütenden Branche zum Erloschen bringen.

Die etwa 500 Meter lange Rohrleitung von der Lippe zur Zeche ist gestern fertiggestellt worden. Inzwischen ist durch die Berieselungsaiilage andauernd Wasser in den Schacht geleitet wor­den. In etwa 14 Tagen soll so viel Wasser der Grube zuge- sührt werden, daß die zweite und dritte Sohle unter Wasser gesetzt fein wird; die erste Sohle, die als Wettersohle diente, soll trocken bleiben. Tas Auspumpen der Zeche wird un* 2Ljähr 10 Tage dauern, so daß die Leichen erst mitte Dezember geborgen werden können.

Auf &em Zechenpratz war gestern folgender Anschlag an- gebracht:ImBerl. Lok.-Anz." steht, daß ein Bergmann er­zählt habe, er habe nn Revier des Steigers Kary gearbeitet. Dort sei am Mcontag und Dienstag voriger Woche, also während zweier Schichten, kein.Tropfen Wasser gewesen. Der Kohlenstaub habe dort zuweilen fußhoch gelegen Es fehle an richtigen We tterkontr0 lleuren. Die Wetterstrecke sei steilmweye schlecht und so klein gewesen, daß man nur auf dem Bauche kriegend durchgekommen wäre. Wasser sei nie dort g e w e se n. Ter Sprecher habe in der Mitte von 100 Mann ge­standen, die die Worte des Mannes bestätigt hätten. Wir setzen hierdurch cinc Belohnung von 100 Mk. für denjenigen aus-, der uns beii Sprecher derart namhaft machen kann, daß eine geritzt* liche Vernehmung des Mannes möglich ist."

Der betreffende Bergmann hat sich sofort bei der Zechen­verwaltung gemeldet.

|l B r üsse l sprach bei Beginn der gestrigen Kammersitzung Vläep ras ident Nerinx die Anteilnahme der Kammer an ocm llngtpck Ui Hamm Ms und bat deü Minister des Acußern, pes