Drittes Blatt
Dienstag 14. April 1908
158. Jahrgang
Nr. 89
Siehener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
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höhen der „Höhe", die deutsche Freinosucht leider noch immer Taunus nennt Vor den Wanderern, dem Ziele entgegen, slhimmerte vor dem dunklen Hochwald Schnee und ualo sollten die Wanderer ihn aus der Rahe kennen lernen. Hinter c;r Poppenstruth begann er und je weiter man im Hochwald uach oben vordrang, desto dichter wurde die Schneedecke. 2n einzelnen Stellen lag er noch über einen Meter hoch und
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Die „Siehener Familiendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschasttichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
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beschlossen, auch in diesem Jahre 6000 Tierschutzkalender Verteilung zu bringen. Weiter wurde mitgetedt, daß (^gelaufenen Jahre 662 Anzeigen wegen Tierquälereien hoben wurden, von denen einige mit Gefängnis bis zn Monaten gesühnt wurden. Znrn Schluß hielt Prof.
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Herneck einen sehr lehrreichen Vortrag über bic seelischen Empfindungen einiger Tiere m neuer Beleuchtung, urofür ihm verdienter Tank zn Teil wurde.
•• Allgeni eine Au8stellung von Hunden aller Rassen. Die vom Verein „Hnndesport" für den 26. April d. Js. ausgeschriebene Hnndeansslellung in der Faßhalle der Akti.cnbrauerei umfaßt eine Einteilung von 860 Massen. Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen (Meldeschluß am 15. April) wird die Veranstaltung der Zahl der ausgestellten Hunde nach die bcbciucnbfle Kynologische Ausstellung sein, ö;e je in Gießen stattgefunden hat Besonders interessieren dürfte, das mit der Ausstellung eine Spczialausstellung deutscher Schäferhunde verbunden ist, für die zahlreiches hervorragendes Material in Aussicht steht. Ter Verein »Hundesport" beabsichtigt, im Anschluß hieran im Herbst em großes Preishüten zu veranstalten, wie solches vor einigen Jahren auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin slaltgefundev. Sachverständige behaupten, daß sich die Gießener Gemarkung hier-
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am 26. d. Mts. fungieren: M. F. Niissel-Hanau, H. Boppel- Cannstadt, LouiS Hammel-Gießen, Kaspar Halm-Niederzeiiz« beim, E. v. Otlo-Bensheim, H. Schellmann-Offenbach a. Ernst Prösler-Frankfurt a. M., Gottlieb Wode-Öffendach a. M, und M. Hamecher-Köln a. Nh. Für alle Klassen stehen erhebliche Geld- und wertvolle Ehrenpreise zur Verfügung.
— Lollar, 12. April. Am 5. und 6. Inti ds. J§, feiert der hiesige Turnverein sein 25jähngeZ Stiftungsfest. Von den Gründern gehören noch ea. 15 dem Vereine als Mitglied an, die am genannten Tage Tiplome erhalten. Als Pflanzstätte der edlen Tiirnsache ist unser Heimatort im Gaue Hessen bekannt, die gesamte Bürgerschaft bringt ihr die besten Sympathien entgegen. Ein rühriges Festkomitee ist gebildet und das Fest verspricht glanzvoll zv werden. Tie Vereine des Bezirks werden cmgclaöen.
-d. Friedberg, 12. April. Auf der Tagesordnung der diesjährigen Frühjahrskonferenz des Kreises Friedberg, die unter dem Vorsitz deS Herrn Schulrat Süß in den 4 Bezirken de? Kreises abgehalten wurde, stand ivieder ein literarisches Thema. In Vilbel sprach Lehrer Stock- Torteliveil, m Friedberg Lehrer Koch, in Bad Nauheim Lehrer Hamman n und in Butzbach Lehrer Stroh- Gain- bad) über „ba5 Pädagogische in Goethes Faust". So verschieden die Auffassung über dieses Problem bei dem einzelne« auch sein mag, und so verschieden deshalb die Vorträge aus- fallen mußten, so stimmten die Ausführungen in einem Punkt doch bei allen überein. Sie zeigten, daß Goethe einer unserer größten Pädagogen mar, von dessen Bedeutung leider in den gebräud :u)cn pädagogischen Lehrbüchern und Leitfaden kaum etwas zu lesen ist. sJJht Rousseau sieht der Dichter in der „Rückkehr zur Natur" den Anfang zur Besserung. Darauf weisen and) alle seine pädagogischen Forderungen hin, von denen viele in unserer Zeit noch der Verwirklichung warten. Im. „staust' speziell behandelt Goethe das Ziel der allge- meinen Menschheitscrziehnng. Er verlangt: Erziehiiug zum Wahlen, Guten und Schönen und Heranbildung des Menschen ziim siltlich-täligeii Charakter! — Seit einigen Jahren herrscht hier nn Kreise der Brauch, auf den Frühjahrskonferenzen ein literarisches Thema zu behandeln. Diese Einrichtung, die etwas angenehme Abwechslung in die Fülle der methodischen und fachwlssenschaftlid)en Vorträge bringt, erfreut sich bei der Lehrerschaft der größten Beliebtheit. Es kann von solchen Versammlungen eine Menge Anregung ansgehcn. 1907 wurde »Henrik Ibsen" besprochen, dessen Werke gerade dem Erzieher und Lehrer zu raten aufgeben. Im nächsten Jahr soll ivahrscheinlich ein anderes Werk Goethes, jedenfalls „Iphigenie auf Tar-nS", von seiner pädagogischen und er* zieherijcbcn Seile aus bdraM.'t werd.
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da auf dem gewählten Pfad kein Weg gebahnt war, war der Marsch stellenweise recht mühsam. Aber mit gutem Humor wuroen die Schwierigkeiten überwunden. Mit ziemlicher Ermüdung, aber in frischer Stimmung kamen die Wanderer am Klubhaus an. Fröhliche „Frisch auf"-Ruse klangen ihnen entgegen. Es waren Mitglieder des Frankfurter Zweigvereins, die zur Begrüßung des neuen Zweig- Vereins nebst Schottener Freunden erschienen waren. Bei der tre-flichen Bewirtung des Klubwirts entwickelte sich bald frohe Rede und Gegenrede, Gesang und sonstige Unterhaltung. Nach etwa zweistündigem Marsch ging es gemeinsam dem Endziel Schotten entgegen, wo nochmals in der Traube Einkehr gehalten wurde. Hier hatten sich die Mitglieder des Vorstandes des Gesamtvereins emgesunoen, in deren Namen der Vorsitzende, Forstmeister Diefenbach, die beiden Zweigvereiue begrüßte. Für die Frankfurter erwiderte mit Wor.en des Dankes und des Versprechens treuer Mitarbeit Professor Bender und für die Gießener tat Redakteur Heß das Gleiche. Allzufrüh schlug dann die Scheidestunde, und mit einem von Forstmeister Diefen- b a d) angebrachten „Frisch aus" au, den Vogelsberg und die ycssifaie Heimat trennte man sich. Verhältnismäßig rasch siihrte das „Aähnle" die Austo. r.igen nach Nidda, wo der Aufenthalt zu einem Scheidetrunk benutzt wurde.
"Dec Tierschußverein für das Großherzogtum Hessin, der am 8. d. Äst seine 33. Hauptveriammlung in Alzei hielt, hat im verstossenen Jahre Diplome und Geldprämien in Höhe von s.Vif. 320 an Per'Onen verteilt, die fid) der Tierschutz'aehe besonders angenommen haben. Es wurde
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Aus SLaSL und Land.
Gießen, 13. April 1908.
** Der Bericht des Landgraf-Ludwigs- Gymnasiums über das Schuljahr 1907/08 liegt nunmehr vor. An der Anstalt, die nunmehr im 301. Lebensjahre steht, unterrichten zurzeit einschließlich des Direktors Dr. Will), lluentell 23 Lehrkräfte, darunter 4 Religions- und ein i>)esanglehrer. Die Gesamtfchülerzahl belief sich auf 380 (284 im Gymnasium und 98 in der Vorschule). Davon Maren 287 aus Gießen, 71 aus anderen hessischen Orten, 20 «ms anderen deutschen Staaten und 2 aus dem Auslande. Lvangelisä) waren 313, katholisch 33 und israelitisch 34. 2as Abiturienten-Examen machten im Herbst 1907 2 und an Lstern 1908 29 Schüler. Der Bericht enthält dann eine ausführliche Beschreibung der Jubiläumsfeier, die für jeden Teilnehmer eine wertvolle Eriiuterung sein wird. Auch die dem Jahresbericht beigefügte Beilage verdankt der Jubelfeier der Änstalt ihr Entstehen. Sie enthält nämlich die vvii Professor 2r. August Messer mck großem Fleiß bearbeitete Geschichte der Anstalt.
** Uebcrtragen wurde dem Lehrer Jak. B e r g - tnann zu Zornheun eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Nierstein, dem Lehrer Adam Schlosser zu Aiebesheun eine Lehrerstelle an der Gemeindeschute zu Grop* rLinternheim, dem Schulamtsaspiranten Phil. M ar tin aus Hergershausen eine Lehrerstelle an der Gemcinoeschule zn Ärmsheim, der Schulamtsaspirantin Marie Karch ans Hei- ligeninosche. (Pfalz) eine Lehrerinstelle an der höh. Bürgerschule zu Grog-Bieberau. Erledigt ist eine mit einem cuang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Er n sth o f en. Mit der Stelle ist Organi-tenhienst oerbunden.
**Nach dem Hoherodskops über die F.lökrÜcker Höhe im April. Dieser Gedanke mag manchen Kenner und Aichikenner unseres heimischen Geb,rges anfänglich abgeschreckt haben, sich an der ersten Wanderung des Zw^g- oercuid Gießen des Vogelsber er Höhenkinbs zu be;eiligen, aber es fand sich trotzdem eün. star.eiche Touristen schar dur Gründungstour ein. Rund iy2 Dutzend traten von der Haltestelle „Laubacher Wald" ans die Wanderung an, die !|ie in langsamer Steigung zunächst zur Feldlrücker Höhe führte. Alles ließ sich gut an, der schweigende Bergwald geigte wie bei uns schon die Anzeichen oes kommenden Frühjahrs und bloß unten machte sich, wenn auf Geheiß des Führers abgeschnitten werden sollte, der W-ai j.reeichtum des Vogelsbergs „eindringlich" bemerkbar. Eine wunderbar klare Lust ermöglichte prächtige Fernblicke, selosr der Düns- berg war deutlich sichtbar und von fernher schimmerten die
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