Ausgabe 
17.10.1908 Viertes Blatt
 
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Nr.S4S

Viertes Blatt

Samstag 17. Oktober 1908

1S8. Jahrgang

Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntags.

Dl-' H-keßener ZamlNenblLUer" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das KreUblatt für -en Kreis Eiehen" zweimal Wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag uvr VrühNchm' UnwersuätS - Buch- und Sremdruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51«

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Gichener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gberhefjen

Darmstadt

Möbel-Fabrik

Werkstätten für Handwerkskunst

Georg Ehrhardt & Söhne

Deutsches Reich.

Der Küttig von Griechenland ist gestern aberü» xu einem privaten Besuche des Kaisers in Berlin eingetroffen. Er wurde vom Kaiser am Bahnhof empfangen.

Das Befinden des Landwirts cha fts min ifters v. Arnim, der sich beit Fuß verstauchte, hat sich gebessert.

An den Finansvorschlägen des Staatssekre­tärs Sydow sind in den Bundesratsausschüssen mancherlei Aenderungen beantragt worden.

Der Herzog von Ratibor legte den Vorsitz int Pro­vinzialverb ande des Deutschen Ftottenveveins für Schlesien nieder.

Achtuhr-Ladenschluß. Laut amtlicher Bekanntmachung mußt 1t den Stadtkreisen Berlin, Charlottenburg, Rixdorf, Wil­mersdorf und Schöneberg vom 1. dchvembcr ab der geschäftliche Verkehr in offenen Verkaufsstellen von 8 Uhr abends ab ge­schlossen werden.

Das Kanonenboot Jaguar ist aus Anlaß der auf den Karo­linen ausgebrochenen Unruhen unter den Einwohnern von Schang­hai nach Ponape in See gegangen.

Vogelsberg, dabei wird bei sehr guter Verpflegung daS Porte-1 monnaie nicht zu sehr angestreitgt. Es ist zwar wunderlich, aber Tatsache: viele Oberhessen, ja Vogelsberger, kennen den Vogels­berg überhaupt noch nicht. Wenn sie sich mal was zur Er­holung gönnen, dann muß es eine weite Reise sein, Geld muß es kosten. Ob es aber in den Hotels mit Großstadt" und Fremden- preisen besser ist, keiner glaubts. Ich traf in Hartmannshain einen Herrn ans Bierstein, der weit in der Welt gewesen ist und mir heute zu seiner Verwunderung ausdrückte, daß es hier int Vogelsberg mindestens gerade so schön, dabei aber besser und billiger ist, als in vielen modernen Sommerfrischen der Alven. Daß dies wahr ist, das kann ich und wohl iwch viele andere bestätigen. K.

herbst im Vogelsberg.

Es pocht an meiner Tür: 5 Uhr, wenn Sie mit wollen aufstehen. Freilich will ich mit, dann heraus aus den Federn, Kaffee trinken und eine Viertelstunde später sind wir unterwegs zum Fischzug in der Rodenbach, um 6 Uhr solls los­gehen. Unterwegs wir haben dichte Rebelfchwaden zu durch­schreiten wird allerhand gesprochen, der Förster von C.. fcld Ö von der Hühnerjagd, mein Wirt aber, ein noch junger

h, der Zeitungen liest, fängt vom Balkan an; wirds zum Krieg kommen oder nicht? Wir kommen bald in den Wald, links eine Schneise ab ha liegt das Fischhaus, spärlich er­leuchtet, aus dem Schornstein steigt der Rauch kerzengerade in die Höhe.

Es riecht nach Kaffee, der Förster von B. . Hain, welcher heute alles unter seiner Regie hat, hat mit ein paar Arbeitern hier gehaust, schon seit gestern mittag. Wir treten vorbei, im dichten Nebel und Halbdunkel huschen am Teichrand gespensterhafte Schatten einher; sieh, da ist der Förster und der Assessor, in lange Mäntel gehüllt, weiterhin eine Menge Weiber und Arbeiter, und mit uns die ersten Zuschauer. Körbe, Fässer und Eimer stehen umher; an einer alten Eiche am Teichrand hängt die Wage zuin Verwiegen der Fische. Der Förster ist gut gelaunt, das sah ich schon an der freundlichen Begrüßung. Das Wetter ist ihm recht, dichter Nebel ringsum, am liebsten wäre ihm noch Regen, denn zunt Fischen kann er keinen Sonnenschein gebrauchen. Ich aber prüfe erwartend die Richtung nach Sonnen­aufgang, denn ich habe meine Camera mitgebracht und hätte gerne ein paar Ausnahmen mitgenommen; es scheint aber nichts zu werden, doch warten -wir. Der Fischzug geht los. Fünf, sechs Arbeiter in Fischerstiefeln treten in das niedere, schmutzig- graue Wasser, aus dem Tausende von Fischköpfen uno -rücken hervorlugen, überall wimmelts von Fischen. Mit Handnetzen

Feldbergstraße 36 (hinter dem HauptbahnhoD Etablissement für gediegene vornehme Wohnungseinrichtungen r -------------------- Besichtigung der ========= :"r « .! Ausstellung fertiger Musterräume und der mustergültigen Fabrikationsanlage erbeten.

Die Revision des Berner Urheberrechts.

Die Kommission der internationalen Konferenz zur Revision der Bertter UcHeberrechtsübereinkunft in Berlin konstituierte sich gestern nachmittag unten dem Vorsitz von Louis Renault-Paris. Man trat in die Besprechung der deutschen Anträge zu Art. 2 ein und behandelte die Traglveite der Bestimmungen der Berner Uebeveiükunft im allgemeinen unb der Ausdehnung des zu ge­währenden Schutzes und die Bemessung der Schutzfrist. Es zeigten sich mehrfache Meinungsverschiedenheiten, so daß die Wciter- besprechung auf Montag den 19. d. M. vertagt werden mußte.

von den Körben weggejagt, weil sie rrn Wege stehen, aber im ganzen beträgt sich die Jugend anständig. Es wird zwar Heller, 1 aber an photographische LUrfnahmen ist vorläufig noch nicht denken; überdies geht die Sache bald zu Ende, «gen 8 Uhr ist der Fischzug getan. DaS Resultat war gut, aber nicht das beste, daran war der kalte Sommer schuld; die Fische wachsen eigentlich nur 34 Monate, und die waren kalt und feucht. 40 Zentner habenwir" gefischt, meistens Spiegelkarpfen,, weniger Hechte und Schleien. 9Jtan ißt sein Frühstück, unterdessen wird wieder die Wage in Tätigkeit gesetzt; die Honoratioren und sonstigen Liebhaber der Umgegend holen sich Fische, die für sie reserviert wurden und pfundweise dargewogcn werden. ES kann hier natürlich nicht auf Gramm oder Lot ausgewogen werden, wenn das gewünschte Gewicht nicht ganz voll ist, wird lwch ein etwa zweipfündiger Fisch draufgelegt, dann stimmts.

Nach und nach bricht die Sonne durch den Nebel für mich zu spät, drum geht man ins Fischihaus, wo im Ofen das Feuer lustig brennt; mit Schnaps und Bier ist für den Durst gesorgt, auch ein voller Kaffeekessel steht im Ofen und wartet seiner Bestimmung.Sie brauchen hier keinen Durst oder Hunger zu leiden", sagt der Förster. Ist auch nicht meine Absicht, wo ich zur «Erholung im Vogelsberg bin. Es dauert nicht lange, bann wird draußen auf dem aus Vogelsberger Basalt gemauerten Feld Herd Feuer angemacht, jetzt beginnt das Fisch­braten. Zwei Pfannen stehen auf, sobald die Butter geschmolzen, legt derKoch" die fein gesäuberten Fische, die sich noch 5 Mi­nuten vorher nn Graben nebenan ihres Lebens fteuten, in die Pfannen. Drum herum stehen Männlein und Weiblein, ein leichter Wind weht ab und zu ein paar Fichtennadeln in die Pfanne, aber das schadet nichts; wer seine Portion bekommen hat, macht sich rasch dahinter. Es treffen immer mehr Gäste ein (die Uhr hat die Mittagsstunde längst überschritten), sogar ein Auto mit Alsfelder Herren hat sich hierher gemacht. Jeder ißt Fisch, und wer damit fertig ist, der beteiligt sich am Kegelspiel.

Die Kegelbahn ist zwar etwas primitiv, doch es geht, es wirst feiner besser als der andere. .Freundlich von Herrn Pfarrer begrüßt, habe ich ein paar andere alte Freundschaften aufge­frischt und neue hinzugewonnen. Natürlich mußte nun auch noch der Apparat in Tätigkeit gesetzt werden, einige gute Auf­nahmen waren der Lohn. So sOvanden rasch bie Stunden im schönen Herbstwald des Vogelsbergs. Tiefrot verschwindet die Sonne hinterm Horizont, nach und nach brechen alle auf zum Heimweg.

Noch ein letzter Gruß dem Wald, dann hinaus auf die Landstraße und nach Grebenhain, wo ich bei Herrn Carl Faitz freundlich empfangen und auf genommen werde. Schon am Vor­mittag im Walde hatte ich mit Herrn Faitz und einigen Kurgästen bei ihm Bekanntschaft gemacht. Bald ist das Essen fertig, man kann hier alles haben, denn es ist Metzgerei im Hause. Wir waren alle müde, darum wurde der verabredete Skat aufge­geben und zu Bett gegangen. Ein gelinder Reif liegt morgens auf den Dächern, doch bald steht die Sonne am Himmel, Stare und Finken zwitschern in den Wipfeln, daß es eine Lust ist. Ein Spaziergang die schöne Allee hinauf zum Oberwald, herr­lich sage ich. Freundlich grüßen die Leute und redet man sie an, so ist bald das beste Gespräch im Gange.

Ein Frühschöppchen im Freien wird gemacht und nach dem Essen gehts nach Hochwaldhausen nicht den Weg entlang, sondern quer durch Wald und Haide. Weithin dehnt sich das Land, die Höhen der Rhön begrenzen das Firmament.

In Hochwaldhausen scheinen keine Kurgäste mehr zu sein, nur ein paar Ausflügler wie wir. Ich hatte meine Post dahin bestellt, nach einer Tasse Kaffee, bei der ich erfuhr, daß der: jetzige Pächter des Hotels es verläßt, gings wieder hinaus in den ' Wald unb später zurück nach Grebenhain, wo bald Schleien blau gesotten vorzüglich munbeten. Man muß immer früh zu Bett und früh heraus gehen, denn das bekommt am besten. Unb so brachte mich denn der nächste Tag zu Freund Schmalbachs nach Hartmannshain, wo bekanntlich ebenfalls gute Unterkunft' zu erwarten ist. >

Bieder einfach, höflich und zuvorkommend sind die Leute im 1

(Hamen) werden die Fische gefangen und in Körbe getan; nachdem der Korb beinahe voll, bringt ihii ein Arbeiter durchs Wasser zum Ufer, wo bereits 4 Hände auf ihn warten. Der Reihe nach stehn die Weiber, sie tragen die Fische weg, die. nachdem sie abgcschwcickt worden sind, in die Wage gezählt werden. Nur zwei- bis dreimal wird gewogen, dann ist das Durchschnittsgewicht ermittelt. Die Fische werden, da sie heute nicht sofort abge- nommen werden, in einen kleineren Teich gezählt, der Förster aber sucht sich Laichfische aus, die zurückbehalten werden sollen. Die Sache stinktioniert tadellos,, man sieht den alten und jungen Weckern an, sie sind froh, daß sie helfen dürfen. Nach und nach treffen noch Neugierige ein, auch der Herr Oberförster ist er- schienen. Und siehe da, der neue Herr Lehrer aus C. rammt mit seinen Schülern: hier kann er wirklich naturwissenschafd- lichen Unterricht erteilen, aber mir scheint, daß seine Neugierde größer ist, als bie seiner Schüler, beim letztere haben das Schauspiel zum Teil schon wiederholt gesehen. Oft werden die Kinder

politische Tagesschau.

Die Reform des sächsischen Wahlrechts.

Fii der gestrigen Sitzung der Wahlrechtsdeputation der Zweiten Kammer erHärte Regierungsvat Heink, daß die Regierung unter allen Umständen an ihrem Vorschläge betreffend die Häufung der Pluvalstimmen von ein# auf vier für die privi- ligierten Wäblebkategorien beharre. Tie Regierung habe sich mit diesem Vorschläge zu großen Opfer bereit erklärt, erwarte nun aber audj von deö anderen Seite gleiches Entgegenkommen. Hierauf erklärte der Abgeordnete Querfurth, daß die Konservativen trotz schwerer Bedenken gegen 'o ie Häufung von Pluralstimmen sich mit dem Regierungsvorschlage einverstanden erklären. Hierauf wurde die Häufung der Pluralstimmen nach dem Regierungsvor- schlage von eins auf vier angenommen. Mit der Einführung der Verhältniswahl in den fünf Großstädten erklärte man sich ein­verstanden. Ferner wurde die für das aktive Wahlrecht festge­setzte Wohnfrist von zwei Jahren auf sechs Monate herabgesetzt, sowie 30 Mark Zensus für die Wählbarkeit fallen gelassen. Des­gleichen nnirbe die alle sechs. Jahre stattfindende Jntegralerhebung der Kammer angenommen. Damit schloß die erste Lesung des Eventualvvrschlages der Regierung. Die zweite Lesung findet ant nächsten Montag statt.

Vcvrnrschtes.

"Neues v o n W i l b u r W r i g h t erzählt einer der her­vorragendsten Teilnehmer am Berliner Gordou-Bennett-Wettflicgen, der Flügeladjutant des Königs von Spanien und Präsident des spanischen Aeroklubs, Hauptmann K i u d e l a u. Wilbur Wright ist einer der merkwürdigsten Menschen, die ich je kenueugelerich habe. In ihm kommt die ganze Hartnäckigkeit der amerikanischen Rasse zum Ausdruck, das einmal gesteckte Ziel, unbekümmert aller Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellen, auch tatsächlich zu er­reichen. Während der Zeit meines Zusammenseins mit Wilbur Wright hatte ich tatsächlich deu Eindruck, als wenn der Ameri­kaner für nichts anderes lebt und atmet, als für seinen Aeroplau. Kein Muselmann könnte seine Favoritin so hüten und so eifersüchtig bewachen, wie Wright seine Flugmaschine, Neunzehntel des Tages wendet er keinen Blick von dem Aeroplau ab und das letzte Zehntel, welches er damit verbringt, auf ebener Erde spazieren zu gehen, statt hoch in den Lüften spazieren zu fahren, geht der Be­wachung seiner Maschine auch noch nicht verloren, beim wie ein Cerberus läuft er, weuu em Cerberus überhaupt laufen würde, vor dem Schuppen, welcher seinen Schatz birgt, hin und her. Wilbur Wright fam aus Amerika nach Frankreich mit einer kleinen Reisetasche und einer mit Stroh umwickelten Wyskyflasche bewaffnet. Immer abgesehen natürlich von fernem Aeroplan. In diesen Dingen bestand sein Gepäck. In der Reisetasche befindet sich ein zweiter Anzug, bie nötigste Wäsche, die unentbehrlichsten Toilettengegenstände. In der Wnskyflasche ein Gemisch aus gutem schottischen Wnsky und Wasser. Sein Geld trägt Wright in seiner Brusttasche uno über diese Dinge hinaus scheint er nur wenig Be­dürfnisse zu haben. Essen tut er im Schuppen, in dem sein Aero- plan steht. Die Nahrung ivird ihm au§ einem nahegelegenen Re­staurant gebracht, wenn der Kellner erscheint, steckt Wright seinen Arm diirch die Tür und nimmt den Korb mit den Speifenaeiitgegen, stillt sodann seinen Hunger imb macht sich wieder ant Apparat git schaffen. Der Morgen und der Vormittag vergeht in Flugver-' suchen und in Flügen. Nach dem Essen folgt dann der Spazier­gang und diesem wieder bie Arbeit. Pünktlich um 9 Uhr abends geht der Amerikaner schlafen und pünktlich um ö Uhr morgens steht er wieder auf. Sein Leben ist geregelt, wie das einer Ma­schine. Sprechen tut er nur wenig, arbeiten desto mehr. Wenn man seinen Aeroplau gesehen hat, wie ich dies getan habe, dann ist man davon überzeugt, daß kein sachkundiger Handwerker sich an der Herstellung der Maschine betätigt hat. Es ist kaum glaublich, in wie roher Weise der Aeroplau gefertigt ist. Er be­steht aus dem gewöhnlichsten Holz, das völlig unsachkundig bear­beitet wurde, die verwandten Drähte sind aus dem billigsten Pka- terial, das Ganze sieht aus, wie das Experiment eines SchiMrA der sich als Handwerker betätigen möchte. Aber andererseits ist der Apparat jo genial erdacht in seiner Einfachheit, daß inän staunend zu dem Manne ausblicken muß, dem man ursprüngliche ebenso wie seinem Bruder, welcher augenblicklich von den Folgens seines Sturzes bariiiebcrliegt, starkes Mißtrauen entgegenbrachte,! und der da ein Werk geschaffen hat, welches seinesgleichen aus bene Gebiete der Lustschiffahrt noch nicht gefunden hat. Ein großer Vorzug des Wrighljchcn Aeroplans liegt in seiner Billigkeit. Ich bin davon überzeugt, daß der ganze Apparat, vom Motor abge­sehen, Wilbur Wright auf noch nicht 500 Franks zu stehen kommt. Ter Motor selbst kostet 4000 Franks. Wenn also die Aeroplcme erst genügend technisch vollenbet sein werden, so wird es leichter fallen, sich eine Flngmaschine zu leisten, ivie man es sich heute ge­statten kann, ein Automobil zu erwerben.

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Wer an die Zukunft seiner Minder denkt, gibt ihnen keinen Alkohol und keinen Xajfee, sondern Iftileh und Jiathreiners Iftatgkajfee.