Darstellung eine leise lokale Färbung, die den Erfolg natürlich noch steigerte, soweit das überhaupt möglich war. In der Volksfestszene erreichte die ausgelassene Lustigkeit Leider -ihren Höhepunkt, als die züchtige Maid, die von ber Becke als Robert darstellle, und die dralle Dirne, die der aus seiner eigenen Darstellung aus Gießen, Teufels- lustgärtchen, stammende Bertram darstelltc, mit dem Ballon .„Wieseck" den Armen der Häscher entgingen. Bon den übrigen Darstellern sei vor allem Edelbert Gareis erwähnt, der als Gefängniswärter Strambach sehr gut am Platze war und den rauhen Poltcrton des verabschiedeten ^Invaliden sehr gut traf. Der Reffe Michel wurde von Ludwig Sachs mit alt der naiven Täppigleit ausgestattet, die zum Erfolg der Rolle notwendig ist. Eine sehr ansprechende Leistung bot Amalie Lutter als Rösel und ihr Gesang konnte selbst verwöhnteren Ohren gefallen. Sehr komisch wirkte dann namentlich noch die Jpelmeyersche Familie, vor allem Ludwig Schmidt-Pauly als Jpel- meyer, Klemens Roden als Bandheim und Luise Bo ne als Cousine Jpelmeyers. Ein kleiner Unfälle, den Fräulein Sone dabei erlitt — sie wurde durch einen Schuß am Arm erheblich verbrannt — ging dank der Geistesgegenwart der Dame unbemerkt vom Publikum vorüber. Auch die übrigen Rollen waren durchweg so vertreten, daß sie zu dem guten Erfolg der Aufführung wesentlich beitrugen.
** Aus dem Suren u des Stadttheaters. Der Zeit entsprechend, die im Zeichen deS Karnevals steht, stehen für die nächsten Tage heitere Stücke auf dem Spielplan. Morgen, Dienstag, wird auf vielseitiges Verlangen usarenfieber" noch einmal gegeben und zwar zu lleinen Preisen außer Abonnement. Der Mttwoch bringt als Volksvorstellung die bekannte GesangspoKe „Lum- pacivagabundus". — Großes Interesse gibt sich für die „Erdgei st"-Aufführung am Samstag den 22. d. M. kund. Daß die Aufführung von wirklich berufenen Interpreten Wedekinds erfolgen wird, beweise folgender kurze Auszug aus einem Briese, den der Dichter Liliencron an Regisseur Jeßner vom Thalia-Theater in Hamburg und /Leiter des Gastspielensembles gerichtet hat:
„Im Anschluß an unsere Unterredung über Wedekind fällt mir noch ein, daß es wohl weniger Bitterkeit ist, mit der sich Wedekind ausdruckt, als souveräne Ironie und Satire. Sie wollen jetzt eine Wedekind-Reise machen, die wird ihnen glücken mit solchen Künstlern, wie es Stockhausen und Frau Schrott, sind. Es muß ein Genuß sein, Wedekind ausgesührt zu sehen unter Ihrer Leitung, die wir ja schon oft in glänzender Weise int Thaliatheater bewundern durften. Wedekind ist die prägnanteste Erscheinung unserer jungen Theaterbewegung. Er ist ein Künstler durck) und durch. Und Sie sind der beste Kenner seiner Kunst."
** Gabels bergerfeier. Zur Feier des Geburts- Etages ihres Meisters Gabelsberger hatten sich am vergangenen Samstag die fünf hiesige n Steno- graphenvereine nach Gabelsberger: Verein, Gesellschaft, Verein am Landgraf Ludwigs-Gl)mnasium, Verein an dem Realgymnasium und der Oberrealschule und Damen- fbereut mit ihren Angehörigen in den Räumen des Kolosseums zusammen gesund en. Schon lange vor Beginn der Feier waren sämtliche Räume überfüllt. Rach Eröffnung der Feier durch ein von Frl. Haustein schwungvoll ge- isprochenes Festgedicht und Begrüßung der Anwesenden durch sKUeisamtsbureauvorsteher S ch i f f n i e hielt der Vorsitzende Des Deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, Professor Df aff aus Darmstadt, einen tiefdurchdachten Vortrag, in dem er die Notwendigkeit der Schaffung eines deutsch en Einheitssystems nachwies. Er teilte weiter die Ergebnisse der neuesten Zählungen mit, wonach die Gabelsbergersche Schule weitaus an der Spitze sämtlicher ^Systeme marschiere. Nach seiner mit großem Beifall auf- genvmmenen Rede ivickelte sich das weitere Programm ab, bestehend in von Mitgliedern der verschiedenen Vereine flott gespielten Theaterstücken, Liedervorträgen von Frl. Zufall und Herrn Faber, Vorführung der Guerrero-Truppe des Kolosseums-Kinematographen, die sämtlich reichen 'Beifall ernteten. Den musikalischen Teil der Darbietungen führte die Kapelle des Kolosseums aus. Den Schluß bildete ein Ball, der sich bis in die frühesten Morgenstunden aus- dehnte. Am Sonntag fand ein Ausflug auf den Windhof statt, der ebenfalls außerordentlich zahlreich besucht war.
** Der Verein fürSterbeunterstützung hielt am Sonntag, nachmittag im „Einhorn" seine ordentliche Hauptversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorsitzenden A. Andreas ist zu ersehen, daß der Verein mich im verflossenen Jahre sich günstig entwickelte. Der Verein erreichte einen Stand von 1448 Mitgliedern. An die Hinterbliebenen von 25 Verstorbenen (die ein Durchschnittsalter von 511/2 Jahren erreichten) wurde das alljährlich festzusetzende Sterbegeld von je 270 Mark ausgezahlt. Nach dem Bericht des Kassierers H. Bruch- hans er verfügte der Verein am Schlüsse des vorigen Jahres über einen Kassenbestand von 7811.33 Mk., an Mitgliederbeiträgen gingen ein 9056.50 Mk., an Eintrittsgeldern 121 Mk., an Zinsen 288.07 Mk.; es betrugen sonach Die Einnahmen 17 276.90 Mk., denen 8507.80 Mk. an Ausgaben gegenüberstanden, 'und zwar 6750 Mk. Sterbegelder und 1757 Mk. sonstige Ausgaben (Vergütung für Erhebung der Beiträge, Verwaltungskosten, Inserat- und Druck- koften). Das verzinslich angelegte Vermögen vermehrte sich nm 957.76 Mk. aus 8767.09 Mk. am Schlüsse des Jahres 1907. Es wurde beschlossen, die Sterbeunterstützung auch für das Jahr 1908 auf der Höhe von 270 Mk. zu belassen, und den Vorstands- und Aussichtsratsmitglledern, soweit diese nicht schon statutarisch Vergütung erhalten, eine Vergütung von je 50 Pfg. für jede Sitzung zu gewähren. Der Vorstand besteht für das Jähr 1908 ans folgenden Mitgliedern: 1. Vorsitzender Hch. Seidewand, 2. Vorsitzender Emil Noll, Kassierer Hch. Bruchhäuser, Schriftführer Karl Bonarius; Beisitzer Aug. Bock, Karl Stadtler, G. Beckmann; Aufsichtsrat: Ludw. Schnecko, Johs. Diehl, Chr. Reitz, Schäfer und MNer.
' Die israelitische Abteilung des Friedhofs am Rodtberg wird morgen nachmittag in Benutzung genommen werden. Die Gattin des Pferdehändlers Michel ist die Erste, die auf dem neuen Friedhof ihre Ruhestätte findet.
In Amerika verstorbenen Hessen. Christian P. Diefenbach aus Lich, 74 Jahre alt, zu Washington; rr war einer der ersten Freiwilligen der UnionSarinee im amerikanischen Bürgerkrieg. — Frau Kalh. Elif. Schmuck, geb. Haschert, 82 Jahre alt, zu Pittsburg.
•• In der Freidenker- Vereinigung wird kommenden Donnerstag Herr Dr. G. Gatter von hier übet
„Religion uri'd Wissen schaff sprechen, worauf hiermit hingewiesen sei. (Näheres siehe Inseratenteil).
— Gegen die Taunusrennbahn. Am 20. Marz findet in Homburg v. d. H. eine gemeinsame Konferenz der Tau nu 8 kur st ädte statt, um gegen die Automobilrennbahn im Taunus ein geschlossenes Vorgehen zu beschließen. Bis jetzt liegen von 31 Kurgemeinden scharfe Verwahrungen gegen die Anl-egung der Autoinobilrennbahn im Taunus vor.
w. R ö d g e n b. Gießen, 15. Febr. Unsere G e m e i n d e j a g d wurde wieder dem seitherigen Pächter Kommerzienrat Gail- Gießen zu einer Jahrespacht! von 930 Mk. gegen bisher 800 Mk. aus 6 Jahre zugeschlagen.
th. Langsdorf, 15. Febr. Die hiestge ^zagdgefellichast, die bisher die Gemeindej agd inne hatte, bot dafür 1775 Mk. Jahrespacht gegen 1600 Mk. in der abgelaufenen Jagdzeit. Ter Zuschlag wurde erteilt
K. 15. Lampertheim, 16. Febr. Ein großer Einbruchsdieb stahl geschah in der Nacht zum 14. d. M. bei dem hiesigen Viehhändler Hochstätter durch Einsteigen in ein Fenster des Erdgeschosses. Die Diebe erbeuteten 1 Dutzend silberne Löffel im Jugendstil (Wert 100 Mk.), 4 silb. Eßlöffel mit Monogramm M. H., 2 silb. Fleischhacker, 6 silb. Kaffeelöffel, 2 Kompotlöffel und 6 Dessertmesser, sämtlich im Jugendstil, 1 silberne Nahmseroice und dito Milchkanne, Tranchierbesteck :c., ferner 1 goldenes Armband, 2 goldene Ringe, Brache, goldenes Herz mit Kettchen und rotem Stein, Ueberzieher, Herrenstiefel, Kraoatten 2c. Den Kassenschrank hatten die Diebe vergeblich zu offnen gesucht. Zwei am Tatorte zurückgelassene Maurerklammern sind mit B. EL. X gezeichnet und stammen nicht aus Lampertheim. Von den Tatern fehlt jede Spur.
Provinzial-Ausfchuß der Provinz Oberheffen.
L. Gießen, 15. Februar.
Gg. Friedr. Rüh'l zu Otterbach ist um die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft eingekommen. Das Gesuch wurde vom Gemeinderat befürwortet, vom Kreisausschuß des Kreises Alsfeld jedoch abgelehnt Der gegen diese Entscheidung verfolgte Rekurs an den Provinzialausschuß war von Erfolg begleitet, indem dieser heute erkannte, daß die nachgesuchte Konzession zu erteilen set
Die Sache: Erbauung einer Kreisstraße von Nidda nach Dauernheim; hier Projektänderung wurde auf Antrag der Parteien vertagt.
Tie Entwässerungsanlage der Stadt Orte n b e r g; hier Einwendungen der Gemeinde Lindheim gegen die Einleitung der Abwässer in die Nidder hatte den Provinzialausschuß bereits in seiner Sitzung vom 13. Juli v. I. beschäftigt. Tie Gemeinde Ortenberg beabsichtigt an die neu zu errichtende Kläranlage, die ihren Abfluß nach der Nidder hat, auch einzelne Aborte anzuschließen. Hiergegen hatte die unterhalb 'gelegene Gemeinde Lindheim Einspruch erhoben, da sie sich dadurch geschädigt erachtete. Ter Kveisausschuß des Kreises Büdingen, der über den Einspruch in erster Instanz zu befinden hatte, erteilte nach Anhörung der technischen Behörden dem Projekt seine Genehmigung und wies den erhobenen Einspruch zurück. Der Provinzialausschuß ließ nach seiner Sitzung vom 13. Juli 1907 zunächst durch eine Kommission Augenschein an Ort und Stelle nehmen und außerdem durch Prof. Dr. Sonne in Darmstadt in der Sache ein Gutachten erstatten. Der Gutachter kommt darin zu dem Schluß, daß die Anlage in dem beabsichtigten Umfange in sanitärer Beziehung unbedenklich sei. Nachdem heute die Vertreter der Parteien nochmals gehört worden waren, entschied der Provinzialausschuß, daß die nachgesuchte Genehmigung zur Anlage des Klärbeckens und zur Einleitung der Abwässer einschließlich der Aborte in die Nidder unter der Bedingung zu erteilen sei, daß die Anordnungen des Großh. Kreisamts Büdingen über die Klärung und die Entleerung des Klärbassins befolgt werden, vrr hessisch-nassauische awcigverein der Gesellschaft sllr soziale Reform
hielt am Sonntag nachmittag im Kaiscrhof zu Frankfurt seine erste öffentliche Versammlung ab. Sie war namentlich aus hessischen Otten besucht, die Stadt Frankfurt war dagegen recht kläglich vertreten. Dagegen waren sämtliche hessischen Gewerbe- Inspektionen, mehrere hessische ftreiMmter,*) die Zentralstelle für die Gewerbe, die Handwerkst'aminer, verschiedene Bürgermeistereien und sonstige Behörden vertreten. Auch mehrere Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer -VerbÄrd en waren anwesend. Der ehemalige preußische Handelsminister Exzellenz v. Berlepsch, ein stattlicher, eleganter Herr im schönen Silberbarte, hielt die Erösfiningsansprackfe. Im Süden unseres deutschen Vaterlandes, so fühtte er aus, ist man den Tendenzen des Vereins geneigter, als im Norden unb selbst in Mitteldeutschland. Wenn trotzdem die Ausbreitung des Vereins im Süden geringer war, so lag das an der wenig ausgiebigen Agitation. Tas soll jetzt anders werden. Franö furt soll das Kastell für die Gesellschaft und sog. Reform werden, von dem aus sich die Limes der Gesellschaft bis zu den Alpen erstrecken mögen. Es ist ein gutes Omen, daß Frankfurt soll das Kastell für die Gesellschaft für soz. Reform wer- ttgartigen Institutionen zur Verbreitung sozialer Kenntnisse. Die Arbeiten, die der Zweigverein zu überwachen hat, sind dreierlei Art: 1. er hat Mitglieder zu sammeln, Persönlichketten für die Bestrebungen der Gesellschaft zu gewinnen, die vielleicht in politischer und konfessioneller Beziehung auseinandergehen; 2. muß er sich örtlicher Mißstände annehmen und örtliche Maßnahmen treffen, die sich z. B. auf das Wohnunaselend, auf die Beschaffung von Rechtsauskunft, Errichtung von Arbettsnach- weisen, Einberufung von Versammlungen usw. beziehen können; 3. muß der Zweigverein die Gesellschaft in ben Ausgaben, die sie sich, zur Errichtung ihres Zieles gesetzt hat, unterstützen, und dieses Ziel ist die Hebung der Lage der arbetteirden Klasse in materieller, intellektueller und sittlicher Beziehung. Die Gesellschaft hat styts nach dem Grundsatz gehandelt: Das in Angriff zu nehmen, was dringend und was reif ist. Tie Arbeiterschutzgesetzgebung hat dabei eine große Rolle gespielt, und wenn auch nicht alles auf das Konto des Vereins zu setzen ist, so kann er es sich doch als sein Verdienst anrechnen, zur Aufklärung beigettagen zu haben. Aber jetzt hat er einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Tie jetzt vottiegende Novelle zum Arbeiterschutzgesetz, die für die Frauen eine Nachtruhe von elf Stunden obligatorisch macht und den Maximalarbeitstag für Frauen von 11 auf 10 Stunden herabsetzt, ist fein Werk. Diese gesetzgeberische Maßnahme bericht direkt auf der Berner Konvention, und diese hinwiederum wurde veranlaßt, durch die internationale Bereinigung für gesetzlichen Arbeiter schütz, in der d.r Verein für Soziale Reform die deutsche Sektion bildet. An der Entstehung der internationalen Vereinigung haben wir den größten Anteil. Wie haben sich die Zeiten geändert! Früher wollten die Regierungen überhaupt feinen Arbeiterschutz, jetzt finb sie sich ihrer Pflicht in dieser Beziehung gewußt. Nachdem wir einen Eriolg im Schutz der wciölick/en Arbeiter erreicht
1 höben, werden wir uns an den Schutz der Jugendlichen heran
Wadfen. Wir haben die Beobachtung gemacht, daß die Kriminalität unter den Jugendlichen zunimmt. Mitschuldig daran, ist die Gesellschaft, sind die Verhältnisse. Wir verlangen, daß'die Jugendlichen nach der Schule noch eine Erziehung erhalten. Auch die Internationale Vereinigung hat sich sckwn mit diesen Frage beschäftigt, und der Jugendschutz wttd auf ihrer Versammlung int Herbst einen breiten Raum ein» nehmen. Es liegt ein faktisches Hindernis für die deutsche Gesetzgebung vor, wenn die fremdländischen Regierungen zu- rückhalten. Wichtig ist die G l e i ch b e r e ch t i g u n g des Arbeiters im politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Leben. Die Bedingungen für sie müssen dieselben sein wie für Andere, z. B. in den Fragen der Beteiligung an den parlamentarischen Arbeiten, der Verwaltung der Kommunen, des Kvalitionsrechts, Vereins- und Vcrsammlungsrechts, der Tarifverträge usw. Rom ist nicht auf einen Tag gebaut worden, und wir wollen daran erinnern, daß es jahrhundertelanger Kämpfe bedurft hat, um die Bauern, die heute zu den vorzüglichsten, kernhaftesten Stützen unserer deutschen Staaten gehören, aus der Leibeigenschaft zu befreien, wir wollen erinnern an den teilweise gewaltsamen Weg, ben_ die Emanzipation des Bürgertums zurückgelegt hat. In verständiger Art, den Kopf gen Himmel gerichtet, die Füße aber auf der Eiche, so wollen wir soziale Reform machen. Wir wollen den Arbeitern Recht geben, sie aber auch zur Pflicht, dem Kdttelat des Rechts, gegen den Staat erziehen. (Großer Beifall.)
Der Redakteur der „Sozialen Praxis", Dr. Zimmermann aus Berlin, hielt dann einen Vortrag über Tarifverträge., Er vettrat die Ansicht, daß Tarifverttäge auch in der Großindustrie notwendig seien. Das letzte Ziel seien nationale Tarifverträge, namentlich auch zur Unterdrückung der Schmutzkonkurrenz. Vorbedingung sei allerdings die rechtliche Sicherung der tariflichen Abmachungen, die jetzt noch in der Luft hängen.
Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer aus Frankfurt vertrat demgegenüber die Ansicht, daß die rechtliche Sicherung schon unter dem bestehenden Recht gegeben ist. Er kann ffch die rechtliche Turchsührung des Arbeitsvertrags denken ohne Rechts- sähigkeit der Berufsvereine.
*) darunter von Gießen Regierungsrat Welcker, Offene bach Kreisrat von Homberg und mehrere Kreisamtmänner.
vermischte».
* Berlin, 15. Febr. Eine 1'/, Nieter lange, au? vier Einzelteilen bestehende P e r l e n k e 11 e mit äußerst seltenen Perlen im Gesamtwerte von 250 000 Mk. und eine Nadel mit einer großen iveißen Perle im Werte von 17 000 Alk. sind einer Gräfin Wartensleben aus dem Ankleideziminer ihrer Wohnung während einet kurzen Abwesenheit gestohlen morden. In dem Linkleidezimmer haste sich in der sraglichen Zett nur die Zofe beiunden, die vorläufig sestgenommeu wurde, aber den Diebstahl bestreitet. Die aus die Straße führenden Fenster der Wohnung waren nicht geöffnet. Auch ist feine fremde Person in deni verschlossenen Hause bemerkt worden. Auffallend war dagegen, daß das nach der Straße zu gelegene Fenster des von der Zose bewohnten Zimmers offen- stand. Es liegt die Annahme nahe, daß die Zofe die Perlen einem Helfershelfer jjugeioorfeii hak, von dem aber die Kriminalpolizei bisher keine Spiir entdeckt hat. — Die sonderbare Geschichte eines kostbaren R il b l n j ch m u ck e s im Wert von 50 000 Alf. beschäftigt ferner die Kriminalpolizei. In einer Heilanstalt für Nervenkranke ui Lankwitz verschwand der Baronin 0. Liebermann ein Rubin- schmuck. Tie 3tachsorjchimgen führten zu einem überraschenden Ergebnis. Eine Wäscherin Der Anstalt hatte das Collier zwischen der Wäsche gesunden, die sie aus den Räumen der Baronin geholt hatte. Sie kannte jedoch den Wert des Schmuckstückes nicht und überließ es einer Freundin, die e§ einem jungen Mädchen sür einige fDlarf verkaufte. Die Käuferin wiederum schenkte das Collier einet Bekannten zum Geburtstage, von der die Iiubinen wieder in andere Hände übergingen. Die letzte Besitzerin hat aber, wie die Polizei anniinnit, den Wert des kostbaren Geschenkes erkannt und die Rilbinen entweder veräußert oder versteckt. Haussuchungen blieben bisher ohne Erfolg. Die Angelegenheit ist der Staats- anwallschast überwieseil worden. — Gegen den Privat- Obersörstcr L e »v a n d 0 w 2 k p, der im vergangenen Herbst in der Wohnung seiner Gattin den Leutnant v. Schmidt- Phiseideck erschoß, wird die Anklage wegen Totschlags erhoben werden. — In der Friedberg-Affäre sind heute in Charloltenbiirg drei DaNien der Lebewelt und ein Herr unter dem Verdacht, mit dem flüchtigen Bankier in Verbindung gestanden zu haben, sistiert worden. Trotz aller Bemühungen ist es der Strimmnlpolijei ui Köln nicht gelungen, Bohn und seins Geliebte, QJlarta Emmerich, zu verhallen. Beide wohnten niedrere Tage in einem vornehmen Hotel am Tom zu Köln, kehrten aber nicht mehr in das Hotel zurück. Beide sind wahrscheinlich ui das Anstand entkommen. — In C h ar l 0 11 e n b u r g wurde eine Werkstä11e f ü r f a l s ch e s G e l d und zwar russische Banttioten im Werte von 50 und 500 Rubeln von der Kriminalpolizei aufgehoben. Im Zusainmcnhange damit wurden drei Personen verhaftet.
* Fürst Eulenburg gegen Harden. Schon vor dem zweiten Hard en-Prozeß hatte Fürst Philipp zu Eulenburg bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Berlin I Strafantrag gestellt. Ter Erste Staatsanwalt hat jetzt deui Herausgeber dcr „Zukunft" Kenntnis von diesem Strafantrage gegeben, in dem behauptet wird, Maximilian Harden habe in der Hauptverhan^ lung -über die Privatklage des Grasen Kuno v. LNoltke vor dem Schöffengericht gegen ihn geäußert, Fürst Philipp zu Eulenburg stdhe in den beim Berliner Polizeipräsidium geführten Listen der Homosexuellen, und ferner, es fei eine bewußte Unwahrheit des Fürsten zu Eulenburg, zu behaupten, die Vermittelungsversuche dritter Personen, insbesondere die- des Freiherrn v. Berger, seien ohne sein Zutun gemacht worden. Um ihn einsttveilen die Weiterung einer gerichtlichen Vernehmung zu ersparen, hat der Erste. Staatsanwalt Maximilian Harden nn- heimgegeben, ihm möglichst umgehend eine Erklärung darüber zutommeu zu lassen, ob er solche oder ähnliche Aenßerungcn gemacht habe. Zugleich wurde Harden mitgeteilt, daß es zur Aufklärung der Sache wesentlich beitragen dürfte, wenn er dem Ersten Staatsanwalt den Wortlaut der in Frage kommenden Aeußerungeu auf gründ des in seinen Händen befindlichet: Steno« gramms angeben wollte. Harden hat Darauf Berliner Blättern zufolge die Antwort erteilt, daß er den Wunsch, den Wortlaut bei in Frage kommenden Aeußerungeu auf gründ des Stenogramms Mltzuteiten, nicht zu erfüllen vermöge, da das Stenogramm folck)e oder irgendwie ähnliche Aeußerungeu nicht enthalte unb nuljt enthalten könne, denn die Behauptung, Fürst Eulenburg werde tu einer polizeilichen Kinädenliste geführt, fei von ihm niemals aufgestellt, und die Frage nach der Wahrhafttgkett oder Umvcchrhaftigkett des Fürsten Eulenburg sei im öffentlichen Verfahren von ihm niemals gestreift worden.
* Tas Ehr enge richt gegen denGrafenHohenau. Tas Ehrengericht, das gegen den Generalleutnant z. D. Grafen Wtthelm Hohenau auf Grund der Ergebnisse des Potsdamer militärgerichtlichen Prozesses zu verhandeln haben wird, ist, wie Berliner Blätter melden, jetzt vom Kaiser zusammengesetzt worden, so daß die Spruchsitzuug in naher Zeit zu erwarten ist.
Kleine Tageschronik.
In furchtbarer Weise hat ein Irrsinniger in der Psychiatrischen Klinik zu München gegen sich selbst gewütet. Ein Friseur war infolge von Brandwunden, die er bei einer Spiritus-Explosion erlitt, wahnsinnig geworden. In der Klinik, wohin er gebracht worben war, biß c r s i ch während eines^Tobsuchtsanfalles drei Finger ab.
In D r i b u r g sind infolge Genusses von anscheinend verdorbenem Hand käse hier etwa 80 Personen zum Teil schwer erkrankt. Unter den Erkrankten befinden sich viele Arbeiter der beiden dortigen Glashütten; die letzteren mußten teilweise den Betrieb einstellen.
Tie Versuche, die im Steinlohleubergwerk Glencoe in Südafrika eingefchlosseuen Bergleute zu retten, wurden eingestellt, da feber Versuch, in das Bergwerk einzudringen, den unmittelbaren Tod für die Retter zur Folge Haven mürbe. ZnM Europäer und 60 Eingeborene sind verschüttet.


