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Mittwoch 15 Juli 1908
158. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 164
Eichener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Vberhejjen
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UiüversitätS - Buch- und Stelndruckerei.
St. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: L^ll^Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Die „Stetzener ZamiiienbiStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kretsblatt für de» Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» frage»'' erscheinen monatlich zweimal.
Sicdlungswerkc: Jeder große Genvssenschasts- | fie selbst spekuliert, so tut sie es zum allgl e Verwaltungsarbeit dcS Staates selber bietet führt dem Markt, wenn möglich, mehr
emcincn Besten.. Sie.
m, wenn ihr nicht als gleich-
nicht, es offen und
ht das Heilmittel in der Ansiedlung unbedingt Reiberei entgegenzuwirken, also, mit anderen Worten, die Arbeiterfamilien; der Kleinsiedler ist ihm das I Meise zu drücken. Die Kommune treibt Sozialpolitik. Wenn
selbständiger
der „Köln. Zig.' seines ohne jedes
Arzt. Dr. schiele behandelt.
Tr. Schiele sieht das Heilmittel in der Ansiedlung unbedingt
IKolonialpoft»
Nachrichten aus dem Kongo, welche mit dem Kongodampfer „Leopoldville' eingetroffen sind, berichten über Unruhen im französ. Kongo. Im Sanghagebiet, wo seit längerer Zeit Unruhen herrschen, sind 20 Mann Miliz, truppen, welche mit der Steuereintreibung beauftragt waren, von Eingeborenen ermordet worden. Eine Strafexpedition in Stärke von 200 senegalesischen Truppen unter Befehl von 5 Offizieren ist zur Bestrafung der Aufrührer abgegangen.
politische Tagesschau.
Beachtenswerte Ausführungen über „Die Weltlage" cu§ der Feder von Ferdinand Tönnies dringt die 2. Juli- wiimmer der Halbmonatsschrift „Das freie Wort". Er hält «s im gegenwärtigen Augenblick in hohem Grade geboten, Laß alle besonnenen Männer sich in der auswärt. Politik mit «ller Entschiedenheit zur Neichsregierung hallen. Auch alle diejenigen sollten es tun, die in bezug auf die innere Politik in der Opposition stehen, die auch in dem Blockgebilde nur •nnen Verderb des Liberalismus erkennen.
Das Gerede über „Einkreisung' rührt immer von derselben Clique her. Diese Clique ist dieselbe, die in der -nneren Politik mit vielem Erfolge die „Scharfmacherei' beireibt. Sie reizen fortwährend, wenn nicht zum Kriege, so roch zu einer drohenden und herausfordernden Haltung, die ;ar keinen Zweck hat, solange als vitale deutsche Interessen nicht ernstlich bedroht sind. Und daß solche bedroht werben, haben sie noch niemals nachzuweisen vermocht. Unbesonnene Schärfer sind sic nach außen wie nach mnen. Eine friedliebende Politik stellen sie als Zeichen von Schwäche dar. Aber den Frieden zu erhalten sind alle ruderen europäischen Mächte mindestens ebenso stark inter- .'ssiert, wie daS Deutsche Reich. Ein Krieg in West-Europa :uirb mehr unb mehr ein Unbing, eine Absurbität, ein un- wträglicher Gebanke. Die Staatsmänner ber beteiligten Nationen wissen bieS ganz genau, wagen aber, aus Furcht
zufolge bem Professor Bernharb wegen Vorwisien deS Ministeriums an die philos. Fakultät in Berlin
vor den Uederpatrioten und Racheprotzen, >ut auszusprechen.
Der Fall Beraharb.
Der preuß. Kultusminister hat
wichtigste Stück im_<
bau, sogar die große Verwalttmgsarbcit bed c-iuuic» iciwl uu.m immer nur die Form, in ivelche der Klcinsiedler erst das Leben I/ineintragen muß. Jede genossenschaftliche Unternehmung mit chrer Zentraleation, ihrer Zwangstendcnz, Zwangstraft läuft Gefahr, ein Sdyeüirocfcn zu errichten, wenn ihr nicht als gleichberechtigte Straft das gesunde Individualinteresse, der wirtschast- liche Egoismus des Einzelnen entgegen tritt. Gerade die agrarische Sozialpolitik wird nur gelingen, wenn man sich darüber klar ist, daß das Endziel nicht ein Genossenschaftsbau, Siedlungsstellen mit unuollfommenem Eigentum, Renten aüter, genossen- chaftliche Wohnhäuser sein dürfen, sondern die Vermehrung ’reier Individualwirtschaften. In der industriellen Sozialpolitik gebt es nicht ohne Unfreiheit des Einzelnen, Zwangskassen, Zwangsversicherung und dergleiclien. Das Ziel ber agrarischen Sozialpolitik muß im Gegenteil die volle wirt- ch a f t l i ch e F r e i h e i t deS Einzelnen sein. S&in gemeinnütziger Verein, nicht einmal die Wol)-lfahrtspflege der Regierung kann das Werk so weit schieben, old das wirtschaftliche Sonderinteresse, der Individualismus. Darum ist schvil im Beginn der Siedlung die freie roirLidjaitüd^ Initiative des etnytnen Sinters die aller- wertvollste Kraft, ber eigentliche 9?rnnalfdl. Das bedeutet in praxi, die Landbesiedlung darf nicht nur eine Maßnahme der Behörden oder großen Genossenschaften sein — diese geben nur den Rahmen, die MögliäMt, die Gelegenheit — sondern die Regel muß sein, die freie Selbstbestedclung des Landes durch baS siedlungslusrige und sichlungsstarke Volk.
Aus diesen Gründen verwirft Schiele den Vorschlag, den Arbeiter im Großgrundbesitz anzusiedeln und ihn dort durch vertragsmäßiae Nebenleistunyen des Besitzers zu fesseln, weil daraus die Gefahr entstände, daß die Arbeitsverpflichtung des Arbeiters Gelegenheit zu weiterer Beeinträchtigung feiner Freiheit geben würde.
gerichteten Schreibend ernftefte Vorhaltungen gemacht und ihm fein lebhaftes Befremden ausgesprochen. Zugleich hat der Minister Profesior Bernhard mitgeteilt, daß er !lnstand nehmen müsse, sein ihm vorgelegtes E n t l a s s n n g 8 - gesuch an allerhöchster Stelle zur Vorlage zu bringen, linier diesen Umständen hat Profesior Bernhard den KultuS- ininister gebeten, ihm vom 1. Oktober ds. Js. ab einen cchdmonatigen Urlaub zu erteilen. Der Minister Hal dieser Bitte Bernhards Folge gegeben. Die Berliner philosophische Fakultät ist entsprechend beschicden worden.
Ein Tüchtigkeitswahlrecht.
Gegen den Vorschlag, in Preußen ein Mehr- fttmmenw ah lrecht in der Weise einzuführen, daß u. a. die höhere Bildung eine Zuwachsstimme verleihen soll, hat man geltend gemacht, daß mit Wisien nicht notwendig tziolitische Bildung und politisches Können verbunden Vi. Nun spinnt ein Mitarbeiter der „Köln. Ztg." den Gedanken des Mehrstimmenrechts fort. Er schreibt:
Das von den Nalionalliberalen befürwortete Wahlrecht, das euch von der Regierung im Ivesentlichen in Aussicht gestellt ist, hnn man vielleicht kurz als em Bildungswahlrecht bezeichnen, da als wesentlich neues 9Noment die Bildung hinzutreten Isll. In welcher Form.bad geschieht, ob durch ein Aiehrstimmrecht ».der in anderer Weise, das mag dahingestellt sein. Nehmen wir ober einmal beispielsweise an, daß das Mehr stimmenwahlrecht An- l;ang findet. Tann würde man viel le ich- jedem über 40 Jahre eiten Bürger eine Stimme mehr geben und dadurch gewissermaßen jrine größere Lebenserfahrung, feine größere Reife des Urteils in L'ifentficl;en Angelegenl-eiten anerkennen. Ferner würde man viel- lleicht nad) dem Grade der beruflichen Selbständigkeit, also etwa ßiir ganz bestimmte, int einzelnen zu bezeichnende Stellungen der 1iufmännifd)en, industriellen, landwirtschaftlichen und Beamten- terufe ebenfalls eine Mehrstimme erteilen, gewissermaßen als ^Überbewertung einer größeren volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit. Als drittes Moment hat man die allgemeine Bildung erwähnt, und hat z. B. davon gesprochen, Laß man vielleicht Bürgern mit Einjährigenbildung, mit Äbi- tturicntenbilbung, mit Universitätsbildung, ober daß man den Absolventen von Ingenieur-, Techniker-, Landwirtschafts- oder Landels-Hochschulen gleichfalls eine Mehrstimme geben könnte. Äm großen und ganzen würde also die Tüchtigkeit als Staats- Bärger in einem solchen Wahlrecht gesetzlich-politische Anerkennung fsinden.
Tie Gerechtigkeit dieses Bildungswahlrechts, oder besser Tüch- ttigkeitswahlrechts, ließe sich zudem durch eine einfache schul- politische iNaßnahme sehr leickst bedeutend erhöhen. Wir müssen tut in allen Schulen des Rcid-s, in Volksschulen, Fort- Rildungsichulen, Privafichulen, Mittelschulen, höheren Schulen und LoMchuien B ür g er ku nd e alssPslicktfad> einfübten; also Volkswirtschaftslehre, Vcrfassungskunde, Grundzüge der Reckstskunde usw., kurzum, staatsbürgerliche Erziehung, natürlich in sachlicher, Mritätischer Weise. Dadurch würden unsere heu- tigen Bildungs-Eramina zugleich die Gewähr dafür bieten, daß tie betreffenden Absolventen auch über ein ganz bestimmtes Maß ton staatsbürgerlichen Kenntnissen und Ernsichten verfügen, so Laß die Erteilung einer Mehrstimme auf Grund der höheren Allgemeinbildung große innere Berechtigung erhielte. Tiefes Mehrrecht der höher Gebildete:: erscl-eint besonders zweckmäßig für eine Volksvertretung, die, wie das preuß. Abgeordnetenhaus, vorwiegend über Bildungs-- und Kulturfiagen zu entsd-eiden hat. iluf allen Gebieten gibt man bei wichtigen Entscheidungen dem Urteil der Sachverständigen, der Fachmänner, das größte Gewicht. Ls ist nur logisch und billig, daß man für die Entscheidung von geistigen und kulturellen Fragen, von Bildnngssragen, den Gebildeteren, den kulturell Höl-erstehenden ebenfalls ihr sachmannisdxs Lntscheidungsvvrred>t einräumt. Ein soldies Tüchtigkeitswahlrecht oäre gleichbedeutend mit der Proklamation der Herrschaft der ^üchtiAten oljne Unterschied des Standes, der Partei und der iwnfession im Rahmen der bestehenden Verfassung. Ein solches Wahlrecht, das aanz gewiß kein Klassenwahlrecht mehr wäre, andern der AuÄruck einer wohlverstandenen, rief innerlich be- wüudeteu sozialen Gerechtigkeit, konnte voraussick-ilich die Basis ür ein einmütiges Zusammengehen aller Liberalen abgeben. Das ncintrelen für eine solche ^)errsd-aft der Tüchtigsten würde in □eiten Streifen des Volkes auf starke Sympathien rechnen können. Denn nach der Herrschaft der Tüchtigsten und Fähigsten verlangt Ber Gerechtigkeitssinn unseres beutfdjen Volkes.
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Tas Thema „Arbeiteransiedlung auf dem Lande" t>irb in den konservativen „Preuß. Jahrbüchern" von dem
führt dem Markt, wenn möglich, mehr Handelsobjekte zu. Sie eröffnet durch Bebauungspläne u. dgl. neue Spekula- tionsgebiete und macht durch Umlegung und Zusammenlegung, durch Verkoppelung und Arrondierung, die Spekulationsobjekte zweckmäßiger und vorteilhafter. Tas sind nach meiner festen Ueberzeugung die wichtigsten und anr ehesten einen Erfolg versprechenden Ziele einer rationellen Bodenpolitik. Wenn man so etwas ausspricht, frateniificrt man nicht mit den Bauspekulanten, man lobt ftc nicht und animiert sie nicht, sondern, im Gegenteil, man „pfuscht! ihnen ins Handwerk". Man stört ihre Zunftgebräuche und überwacht ihre Schliche. Freilich ist das nur dann möglich, wenn man den Spekulanten die Türe zum Rathaus, in dem sie nichts zu suchen haben, vor der Rase zuschlägt. Es heißt, meine Tendenzen und Pläne vollständig verkennen, wenn man mir imputiert, ich empfehle, die Spekulanten mit Samthandschuhen anzufassen. Man kann sie zwar nicht entbehren, aber man muß ihnen fortlaufend auf die Finger sehen. So denke ich mir die nächsten Aufgaben unserer Stommune. Was ich empfehle, ist weder mand)esterlid), noch sozialistisch; wohl aber sozialpolitisch, moderne städtische Wohlfahrtspolitik!
Die Spekulation.
Von Professor Dr. M. Biermer.
lieber das Wesen ber Spekulation herrscht manchmal, sogar in kaufmännischen Kreisen, bedenkliche Unklarheit. In der letzten Stadtverordnetensitzung hat ein Mitglied dieses Kollegiums, der selbst Großhändler ist, die Behauptung ausgestellt, die Grundstücksspekulation sei deswegen so widerwärtig und mit der kaufmännischen Spekulation nicht zu vergleichen, weil sie nur ä la hausse operiere. Das ist, mit Verlaub gesagt, nationalökonomischer Unsinn. Jeder Spekulant will natürlich verdienen, und zwar auf Grund der Vorausschätzungen künftiger Konjunkturen, insbesondere der zukünftigen Preisgestaltung. Ob er eine Preissenkung oder eine Preiserhöhung annimmt und danach sein geschäftliches Verhalten einrichtet, ist begrifflich ganz gleichgültig. Das Wesentliche ist die Preisdifferenz, die, wenn sie richtig vor- ausgesehen war, den spekulativen Gewinn bringt. Zu den zeitlichen Preisdifferenzen kommen dann nock) die örtlidpen hinzu. Gibt es nun wirklich eine Grundstücksspe kulation ä la baisse nicht? Das wäre ja höchst wunderlich. Ter Terrain- unb Hausbesitzer, namentlich aber ber erstere, ber seinen Besitz zum Verkaufe anbietet und losschlagen will, spekuliert regelmäßig ä la baisse, denn er sagt sich, mehr sei später nicht mehr zu verdienen, die Zeit zum Losschlagen sei jetzt gekommen. Er spekuliert also ß la baisse, sein Abnehmer sofern er ebenfalls Spekulant ish, ä la hausse. Im Geschäftsverkehr zwischen Spekulanten müssen sich diese beiden Gesichtspunkte stets treffen, sonst bleibt alles beim alten. Warum soll es bei der Bodenspekulation nicht ebenso wie bei ber übrigen, insonderheit ber Börsenspekulation, vorkommen, baß berselbe Spekulant heute jeinen Grundbesitz veräußert, um ihn später zu niedrigerem Preise wieder zurückzuerwerben? Solche Manöver machen Terraingesell- schaften gar nicht so selten. Freilich sino Grundstücke weniger beweglich als Wertpapiere, denn sie sind eben Immobilen. Differenzgeschäfte kann man mit ihnen natürlid) nicht machen. Aber sobald Haussiers und baissiers — in England nennt man sie bezeichnenderweise, um das verschiedene Temperament der Jobber anzudeuten, „Bären" und „Stiere" — auf dem Markte zusammentreffen und Minen und Gegenminen legen, kommt es zu solchen korrefpondierenden Operationen. Darin liegt gerade die volkswirtschaftliche Bedeutung und der volkswirtschaftliche stutzen der Spekulation, nämlich die möglichst große Ausgleichung ber Preise in der Zeit. Der Spekulant denkt nicht an volkswirtschaftlichen Nutzen, sondern nur an seinen eigenen privatwirtschaftlichen. Er will lediglich gewinnen und zwar möglichst viel und möglichst rasch. Trotzdem ist er „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will unb stets das Gute sa-asst".
Man muß eben bie Spekulation von ben beteiligten Personen, ben Spekulanten, grundsätzlich trennen. Spekulation als Zukunstsschätzung ist nirgends zu entbehren, sei es nun, daß sie nicht ausgelöst oder ausgelöst unb verselbständigt in die Erscheinung tritt. Nicht ausgelöst ist sie mit jeder produktiven Tätigkeit, sofern sie vernünftig unb planmäßig ist, verbunden. Verselbständigt enthält sie ein spezifisches aleatorisches Moment, die Spiellust und das Spielrisiko. Sie ist oa zu Hause und hat da ihr eigentliches Feld, wo es sich um wechselnde Konjunkturen und um stark schwanlende Preiskonstellationen handelt. Sie will nicht preisausglerchend wirken, aber sie tut es, und darin liegt ihr Wert. Sind keine Gegenparteien vorhanden, die sich das Gegengewicht halten können und in ihren Wirkungen auf den Markt sich neutralisieren, oder ist die eine Partei übermächtig, die andere zu klein und schwach, so fehlt ber Preisausgleich, unb die schäbigende Wirkung einer Preistreiberei ober einer Preisdrückerei offenbart sich.
Wenn wir nun diese allgemeinen Sätze auf bie Boben- frage anwenden, so erkennen wir, daß es die natürlidje Ausgabe einer gesunden Kommunalpolitik sein muß, der .. reis-
Aus Statt und Land.
Gießen, 15. Juli 1908.
** Eine Sitzung der Stabtverorbneten-i Versammlung findet am Donnerstag, 16. Juli, nachmittags 4 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Baugesuch der Firma Winn il Co. für Wismarer Weg. 2. Desgleichen des Franz Neuweier für Sonnenstraße. 3. Abortanlage des Grundstücks Neuenweg 16. 4. Baugesuch des Aböls Noll für die Wiesenstraße. 5. Desgl. des Paul Eim für bie Friedrichstraße. 6. Desgl. der Emilie Nenzel für Krosdorser Straße. 7. Baugesuch des August Rath für Neuen Däne. 8. Desgl. des Adolf Möhl für Bahnhofstraße (Vergrößerung eines Kellerfensters). 9. Gesuch der Christine Stein um Genehmigung zur Aufstellung eines Wasserhäuschens an der Ploch'traße. 10. Gesuch des Heinrich Benner II. um Genehmigung zur Aufstellung eines Selterswasserhäuschens am Güterschuppen. 11. Errichtung von Bedürrnis- häusck-en. 12. Beschaffung von Schulbänken für bie Stabt- mäbchenschule. 13. Genehmigung von Rechnungen. 14. Vergebung von Arbeiten unb Lieferungen. 15. Lieferung von Pflaster- und Bordsteinen. 16. Ausbau des Wetzlarer Wegs^ hier: Festsetzung des Preises für Gelände aus bem Stadterweiterungsfonds. 17. Austausch von Gelände mit der Bahnverwaltung. 18. Verlegung des Kanals in der Seitenstraße zwischen den Grundstücken von Braun und Beil in' der Marburger Straße. 19. Verpachtung ber früher Kehrer- schen Grundstücke. 20. Anbringung von Doppelfenstern air der Nordseite ber städtischen Kaserne. 21. Prüfung ber Rechnung der Stadt und des Stadterweiterungssonds für 1906.
** Der Schutzverein für entlaisene Gefangene hielt am Riontag unter seinem Vorsitzenden Generalstaatsanw. Dr.! Preetorius seine Mitgliederversammlung in Mains ab. Als? . Regierungsvertreter war Ministerialrat Best anwesend. Der Vorsitzende teilt mit, baß man zu ber Entwickelung des Vereins volles Vertrauen haben dürfe, da bas Interesse für seine Bestrebungen wächst, ivie aus dem gebrückten Rechenschaftsbericht' heroorgeht. Anstelle des nach Heppenheim versetzten Schriftführers yjlüllcr iDirrbe vom Vorstand Kwrzleibirektor Becker-Darmstadt zuiw Schriftführer ernannt. Herrn Muller wird für seine ersprießliche Tätigkeit Dank ausgesprock-en. — Besonbers durch seine Bemühungen sind die Mitglieberbeiträge jetzt auf 5900 Mk. gewachsen. — Auch wurde eine Satzungsänberung vorgenommen, daß die Versammlungen nicht nur in ben Provinzialhaupt stabten, sondern abwechselnd in ben 3 «Provinzen abgehalten werden sollen; für das nächste Jahr ist Osfenback> vorgesehen. Mit besonderer Anerkennung wird des verstorbenen Oberamlsrichters Hcd)ler-Aroß- Gerau gebadet, der aus gerichtlichen Vcrgleid)cn dem Verein öfters Summen überwiesen hat. Sein Beispiel wird allen Richtern zur dLachahmung empfohlen. Redner gedenkt mit Dank der Legate von Elise Ruhland unb PH. Remr-Darinftadt. Der Vorsitzende empfiehlt dann ben billigen Crhebungsmodus, wie er auf Anregung des Geh. Regierungsrats Tr. Kaiser im Ztreise Worms eingeführt sei, wo sich die Gemeinberechner bereit erklärt haben, bie Beiträgegebühren frei zu erheben. Redner erwähnte bann bie Frage ber „Beistände", da hier noch viele Mängel vorhanben sind. In einzelnen kleineren Städten seien diese Posten noch ungenügend besetzt. Auch benötige man noch Vertrauensmänner, bie für bie Beistände aufklärend wirken. Ter Vorsitzende bemängelt weiter, daß dem Verein so selten Pfleglinge aus kleinen Strafanstalten lHafrlokalen, Arbeitshäusern/ übenriefen werben. Wünschenswert fei ferner das Zusammenarbeiten zwischen Anstaltsgeistlichetr und Anstaltsleitern. Anerkennmsivert sei, baß iäc 3 Ministerien burd) eine Verordnung den Grundsatz, bestrafte Leute nicht mehr zu beschäftigen, aufgegeben habe. Eine Reihe statistischer Zahlen über die Zahl der Sträflinge, Religion, Alter, Herkunft unb die J-üh- rung im Gefängnis sind sehr interessant, besonders bie Tatsache, baß die Kriminalität am meisten bei ben Frauen im Rückgang' begriffen ist. An Unterstützungen wurden im letzten Jahre 8331. Mark ausoezahlr, den joöu,ftbetrag erhielt d.e Provinz Starkenburg, 406-1 Mk., Ober Hessen 1513 Mk., Rheinhessen 2061 Mk. Tie Rechnung, die in Einnahmen 12 638 Mk., in Ausgaben 11 614 Mk. aufroeift, wirb ebenso wie der neue Voranschlag genehmigt. Geheimerat F r e i h. v. G a g c r n dankt dem Präsidenten für seine umsichtige Leitting des Vereins. General-Staatsanwalt Dr. Preetmeius dankt mit bem Hinweis, baß ber beste Lohn ber sei, wenn sich bie Ziffer ber Rückfälligen vermindere. Die Wahl ber Ausichußmi 1gli>.der ergab deren Wiederwahl durch Zuruf. In der anMießenden Diskussion wünscht Gymnasiallehrer Krauß-/ Mainz, baß auch die Scäbte und Gemeinden Bestrafte einstellen. Schlacksthofdireltor Sd)üler-Mainz führte aus, daß dies nach den gesetzlichen Bestimmungen immöglid, sei. Strafanstaltsdirektor C1 c- ment- Butzbad) erklärt, daß bei ben Preußischen Bahnen eine Wiedereinstellung möglich sei. Ministerialrat Best hält bie Anregung, auch bei ben Gemeinden oie Wiederanstellung zu empfehlen, für beachtenswert unb glaubt, baß bas Ministerium den Kreisämtern empfehlend rceüergeben könne, denn in größeren Städten werbe man überall Gelegenheit haben, solche Sträflinge wieder unterzubringen, auch bedürfe es bei bem jetzigen sozialpolitischen Verstänbni» der größeren Gemeinbeivesen nur eines lolchen Hinweises. Freilich werbe es in kleinen Gemeinben schwer sein. ProvinAialdirettor v. Sägern glaubt, baß man mit ber Anregung offene Türen einrenne, will aber ben Antrag unterstützen. Der Vorsitzende erklärt nock), baß eine Hauvtsd-wierigkeit das Vorurteil ber Mitarbeiter in den Betrieben sei. Nachdem Oberstaalsanwalr T heo b a 1 d-Gießen nod; eine rührige Agi-^ tat ton für die nächstjährige Versammlung empfohlen hatte, schließt der Vorsitzende die bespuders auch von kath. Geistlichen gut be^ suchte Versammlung.


