Ausgabe 
14.2.1908 Drittes Blatt
 
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t*e ^Siehever Zamiliendlatter- werden dem ,Ünaeiger viermal wöchentlich betgelegt, das ^UreudlaN fflt den Kreis Gießen" zweimal Wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Sett- fr«$eB" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schal« straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:S^ll2. Lel.-AdruAnzeigerGleßen.

gesetzes genommen. Herr Küssing, Prokurist der Filiale der Landgr. Hess. Landesbank, führte dazu aus, daß das zurzeit bestehende Gesetz die kleinen Bankgeschäfte zu gunsten der Großbanken außerordentlich geschädigt habe. Die Novelle bringe durchaus nicht alle die in Börsenkreisen gewünschten Derbesserungen, man müsse jedoch wohl oder übel die Verbesserungen, die der Entwurf bringe, begrüßen, da zurzeit nichts besseres zu erreichen sei. Im einzelnen wurde § 54 Absatz 1 Satz 2 beanstandet, da er geeignet ist, auch fernerhin unlauteren Geschäftselementen die Erhebung des Disferenzeinwandcs zu ermöglichen. In § 54 Absatz 2 Ziff. 1 ist die Fassung zu unklar. Zu § 55,es ist nicht einzusehen, warum sichere, an deutschen Börsen nicht notier­ten Wertpapiere und gute Hypotheken nicht als Sicherheit zügel assen werden sollen"» Ruch längerer Besprechung

Aus KtsrSI lutö Land.

Gießen, 14. Febr. 1908.

** Fernsprechanlagen. Im Interesse möglichst frühzeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es erforderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüsse späte st ens bis zum L März den Kaiserlichen Telegraphenanstalten vor- liegen. Verspätet angemeldete Anschlüsse, die in­folgedessen außerhalb des Bauplans nur mit Mehraufwen­dungen (z. B. durch besondere Entsendung einer Vaukolonne usw.) herzustellen sind, werden in dem laufenden Bau­abschnitt nur dann ausgeführt, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mk. leisten oder wenn diese Mehrkosten den Betrag von 50Mk. übersteigen, hen wirklich aufgewendeten Kostenbetrag er­statten.

** Von der Schule. Die jungen Lehrer, die erst am 25. Januar das Lehrerseminar in Friedberg absol­vierten, haben bereits Verwendung im Schuldienst gefunden und doch konnten iroch nicht alle Lücken gefüllt werden. Auch in unserem Kreise sind einige der jungen Lehrer zur Ver­wendung gekommen, so z. V. in Burkhardsfelden und Treis a. d. Lumda. Außer verwaisten Lcyrerstcllen gibt es in unserem Kreise auch noch Orte mit überfüllten Schulklassen. Wegen des Lehrermangels mußten sogar beschlos,ene neue Lehrerstellen z. B. in Heuchelheim bisher zurückgestellt werden.

* In Amerika verstorbene Hessen. Charlie Wickenheiser auS Horchheim bei Worms, 51 Jahre alt, zu Newyork. Georg Ehrhart aus Brcmdau, 64 Jahre alt, zu Allegheny (Pa.). Frau Christina Mayer von Ober-HilberShciin, 67 Jahre alt, zu Gacnar (Ja.). Joh. Gerlach aus Nieder-Wcisel, 52 Jahre alt, zu Raja (Cal.).

^TieAnsteckungsgesal-rderDiphtheritis wird vielfach auf dem Lande nicht in der gebührenden Weise beobachtet. Man sagt entschuldigend, daß ja der erste F-all des Auftretens der Krankheit auch meist ohne Ansteckung erfolge. Wie sehr dagegen diese Seuche ansteckend wirkt, zeigt folgender Fo.ll. In einer Familie verstarb ein Kind an Diphtherie. Der Vater desselben begab sich tags nach dem Sterbefall in ein anderes Haus. . Dort setzte ich ein fünfjähriges Mädchen auf den Stuhl, den der, Mann benutzt hatte. Äne halbe Stunde später zeigten sich bei diesem Kinde die Symptome der Krankheit. Aehnliche Fälle gibt es genug.

** Friedberg, 12. Febr. In der letzten Sitzung der Großh. Handelskammer zu Friedberg wurde Stel­lung zu dem Gesetzentwurf betr. Aenderung des Börsen-

Stimmungsbilfr aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 13. Febr.

.Zehn Tage hat dieDebattenkontingentierungs-Kvm- ^Pston", vulgo Seniorenkonvent dem Abgeordnetenhause für Bewältigung des Kultusetats eingeräumt. Zwei tQ9e sind von dieser Zeit verstrichen, und auch der be- ^"tztertste Bewunderer parlamentarischer Beredsamkeit wird ,1110)1 leugnen können, daß der zweite Tag ein verlorener ^ar. Denn er brachte, rimd heraus gesagt, nicht einen neuen Gedanken, sondern nur eine Aufwärmung der De­batten, die wir vierundzwanzig Stunden vorher gehört. Jniö was tags zuvor mit Verve und Elan von den Sprechern Äer, einzelnen Parteien vorgebracht war, das kam jetzt nur matt _ und abgeblaßt heraus. Der Nationalliberale Gchiffer begann den Reigen mit einer Wiederholung der Darlegungen, mit denen sein Fraktionsgcnosse Dr. Fried- £ag£> zuvor die Geister zum Aufeinanderplatzen ge- vracht hatte. Und er schwächte die Wirkung der Friedberg- M» Rede, die in der Fehdeerklärung an den Minister lag,

GerLchtsSaal.

fc. Frankfurt a. M., 12. Febr. Tos kommt vom Na­menstag, kann der Re'ervift Theodor Greve sagen, der von 1901 bis 1903 bei der 6. Komp, des 87. Regiments in Mainz mente. Am 9. November vor. Jahres hatte er Namenstag, unb _jur tferer ^^s Tages taufte er sich einen so gewaltigen 9cau)a), das; er am Vkontag, 11. November, auf der Kontroll- venammlung in Neheim noch betrunken war. Und da be- gmg er allerler Dummheiten. Beim Verlesen stellte er sich mcht zur Abteilung, sondern dahinter und schwätzte mit einem Bekannten,, der mit der Kontrollverscrmmlung nichts zu tun ljatte. Aus die iyrage des Kontrolloffiziers, ob er zur Kvntroll- veriammlung gehöre, erwiderte Greve: Nee, nix tau maken!

möge er den Platz verlassen, befahl ihm nun wiederholt der Offizier. Aber Sjerr Greve blieb stehen, antwortete auf m:age, wer der Andere sei: Tat is min Kalfakter.' und sagte r>r i Offizier:Tu Lump hast uns nix to seggen

Obendrein warf er dem Vorgesetzten noch eine recht unhöfliche Einladung an den Kopf. Kurz bevor sich der Rcservemann ??? Luxemburgische schlagen wollte, nahm ihn die Militärbehörde am W-ckel und spundete ihn ein. Tas Kriegs­gericht verurteilte ihn wegen Achtungsverlctzung und Be­harrens rm Ungehorsam vor versammelter Mannschaft sowie wegen Beleidigung emes Vorgesetzten zu sechs Monaten Gefängnis.

~ $xi $]aIie Onh in Stumperkeirrod mit Herrn

Johannes ©tcui in Grotz-Jelda. n

. Horben: Frau Elise Koch, geb. Weigel, in Büdinaen grau Lma Hirsch, geb. Buch, in Friedberg i. H. - Herr Andreas Rlll, «?,^ajn^aUcv i'l Marburg. - Frau Käichen'Lche.ck & ^^Ir,£,bcr9' ®e", eiumpf in gfomrob. -

Johannes ^enz in ^rledberg^^auerbacb _ »err

Helüich III, Fürst!. Unteriürster i. P, m Hchnarimd^ -Ei Kaufmalm Georg Drullmann in Wetzlar. " 3 QU

ab, indem er seine Partei gegen die Absicht verwehrte, den Minister zu Fall zu bringen.F-riedbergs Rede war eine Fanfare, Schiffers Rede eine Chamade gegenüber dem neuen Herrn im Kultusministerium. Warum dieser Zweiklang aus den Reihen derselben Partei? Warum geht man erst forsch ins Zeug, wenn man am nächsten Tage klein bei­geben will? Wundern sich die Nationalliberalen dann noch, wenn man sie auf der Rechten wie am Rcgierungsllsche als quantitö negligeable ästimiert? Die Rechte, die am Mittwoch angesichts des Vorstoßes Friedbergs bei aller Entschiedenheit in der Betonung ihres Standvunk.es doch sich sorglich gehütet hatte, die Nationalliberalen allzu sehr zu reizen, zog aus Schiffers Rückzug sofort die taktischen Konsequenzen. Ihre Redner, insbesondere Herr Winckler, schlugen den Nationalliberalen gegenüber spornstreichs einen hochfahrenden Ton an, und auch Herr Holle und seine Leute traten zuversichtlicher aus als unter dem Ein­druck des Friedbergschcn Kampfpäans. Erst die Freisinnigen Fischbach und Eassel stimmten die Debatte wieder einigermaßen auf den Ton des ersten Tages. Aber da auch sie neues von besonderem Belang nicht vorzubringen hatten, gelang es ihnen nicht, den Eindruck zu beseitigen, den die verwässerte Spaltung der Nationalliberalen bei allen Parteien erzeugt hatte. Vielleicht bedeutet der Verlauf der Donnerstagsdebatte eine Lehre für die Nationallibe­ralen: Die Lehre, daß sie die parlamentarische Macht, die Herr Schiffer ihnen vindizierte, voll nur dann besitzen, wenn sie in Kultus- wie in allen anderen Kulturfragen mit der entschiedenen Linken am selben Strange ziehen. Darm respektiert, dann fürchtet man sie da, wo ste respek­tiert und gefürchtet werben wollen. Geben sie sich pflau­menweich, so geht Freund und Feind über sie zur Tages­ordnung über. Der politischen Uebel größtes ist die Halbheit. Ein paar Zentrumsredner, die Herren S t u l l und Porsch, kamen noch zu Wort; sie waren etwas schärfer dem Minister gegenüber als am ersten Tage Herr Dittrich. Kein Wunder: In dem Moment, wo Herr Holle der nationalliberalen Gefahr glücklich entrückt zu jein fasten, konnten seine Freunde vom Ze.rtrum die Sekundantenrolle aufgeben und ihre Sonderwünsche stärker zur Geltung bringen. Früher als sonst vertagte sich das Haus, das vor­der Kultusdebatte noaj die Vorlage wegen der Dampsfähr- verbindung S a ß n i tz - Trclleberg an die Kommifsion ver­wiesen hatte, um am Freitag weiter Kultursragen zu er­örtern. Der Samstag bleibt sitzungssrei, und so wirb sich die Kultusdebatte noch über die nächjte Woche hinausziehen.

wurde die Beschlußfassung ausgejetzt. lieber die Revi­sion des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs erstattete Referendar Becker Bericht über die am 23. Januar abgehaltene Kommissionssitzung. Nach eingehender Besprechung nimmt die Kämmer zu dem Gesetz­entwurf folgende Stellung:

Tie Handelskammer erkennt wiederholt die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaues des Gesetzes zur Bekänipfung des unlauteren Wettbewerbs an. Sie ist der Meinung, daß die Ausstellung eine-.; Generalklausel mit Rücksicht auf § 826 B. G. B. nicht mehr ge-> boten ist. Sie erkennt an, daß der Gesetzentwurf in der Bekämp­fung d.r durch das seitherige Gesetz bereits getroffenen Arten des unlauteren Wettbewerbs wesentliche Verbesserungen bringt, dagegen kann sie die Zweckmäßigkeit der zur Regelung des Aus- verkausswescn vorgesehenen Bestimmungen, in denen sie den Schwerpunkt der 'Neuerungen erblickt, in wesentlichen Punkten nicht anerkennen. In § 1 ist das Wortbesonders" überflüssig und nur geeignet, eine allzu enge Auslegung zu begünstigen. Zu § 5 Absatz 1 wird mit Rücksicht auf die Versckstedenheit der Anschauungen,, was nach Handelsbrauch als gegen die guten Sitten verstoßend anzusehen ist, der folgende Zusatz für not­wendig erachtet.Vor Erlaß derartiger Verfügungen sind Sach­verständige aus dem Handelsstande zu hären." Tie Kammer hält es für geboten, daß im Gesetz klar und verständlich zum Aus­druck gebracht wird, daß die BezeichnungKvnkursausverkauf" nur angewendet werden darf, wenn "nd solange sich die Masse tatsächlich in der Verfügungsgewalt des Konkursverwalters be­findet. Ter Zwang zur Angabe des Ausvertäussgrundes in den öffentlich. Bekanntmachungen ist kein geeignetes Mittel zur Bekämp­fung d s Ausverlaufswesens. Wie mit Recht von den Interessenten) betont w.rs, ist für die Kauslust der i^ruitu, aus dem ausverkauft wird, gleichgültig. Tie Kammer hält daher an der Ansicht fest, datz die geeignetsten Mittel zur Bekämpfung des Ausverkaufs- unweiens d.e gesetzliche Abgrenzung und Festlegung des Begriffs Ausverkauf und das Verbot der Anwendung des Wortes AuÄ- vwmuf für alle sonstige Fälle ist. Tie Handelskammer schlägt daher vor, an Stelle das § 9 des Entwurfs eine Bestimmung treten, zu lassen, wonach die Bezeichnung Ausverkauf nur bei Geschäftsauflösung oder gänzlicher Aufgabe bestiimnter Waren­gattungen angewendet werden darf. Auch an einer Begrenzung ixr -Lauer des Ausverkauf ist festzuhalten. Die Bestimmung, ein Verzeichnis dw auszuverkausenden Waren einzureichen, ist un­zweckmäßig. Zu 8 10 ist der folgende Zusatz zu machen: die nach­trägliche Beifügung von Waren, die vor Beginn des Ausverkaufs festgeläuft, aber erft nach Beginn des Ausverkaufs abgenommcn woroen sind, und deren Bertäuf ist nicht als Nachschub im Sinne dw,er Doi-ichnft aufzufassen. In § 21 ist in Satz 4 an Stelle des Worteslann" das Söortist" einzusetzen.

Der Handelskammer ist von berufener Seite mitgeteilt worden, daß beabsichtigt sei, das seitherige Bahn* Hofsgebäude der Station Bad-Nauheim um- z u b a u e n und daß nicht, wie es aus künstlerischen, wirt- schaftlichen und betriebstechnischen Gründen verlangt wer« den muß, ein Neubau erstellt werden soll. Die Kammer beschloß in einer dringlichen Eingabe an das Ministerium der Finanzen dahin vorstellig zu werden, daß das ur­sprüngliche Projekt des vollständigen Neubaus zur Ausfüh­rung kommt.

kl! Ober-Ohmen, 12. Febr. In unserer Gemeinde leben zwei Männer, die zu den ältesten Leuten zahlen; es sind dies der 94 Jahre alte Heinrich Müller und der 90 Jahre alte I. F. Diehrlam. Beide Greise sind noch körperlich und geistig rüstig. Der letztere war bis in sein hohes Alter hinem em erfahrener und viel begehrter Heilgehilfe; erst seit 10 Jahren nötigte ihn die Bürde des Alters, diesen Beruf niederzulegen.

P.-A. Darmstadt, 12. Febr. Laut einer von der Königl. preußischen und Großh. hessischen Eisenbahndirek­tion in Mainz erlassenen Verfügung wird für die Gegen­stände, welche auf der hessischen Landesausstel­lung ausgestellt werden, unverkauft oder unverlost bleiben und an die'Aussteller zurückgehen, die übliche fracht­freie Rückbeförderung unter näher bezeichneten Be­dingungen auf sämtlichen preußisch-hessischen Staatsbahnen, der oldenburgischen Staatsbahn und den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen gewährt. Die Verwaltungen in Lud­wigshafen, Darmstadt S. E. G, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg und Dresden sind mittels abschriftlicher Mit­teilung dieser Verfügung ersucht, gleiche Vergünstigung zu gewähren.

..... IIIBWMM SümmlmgriM aus dem Reichstage.

Berlin, 13. Febr.

Der Poftetat.

Es ist eine freundliche parlamentarische Sitte, daß am Jubeltage der hundertsten Sitzung die Schriftführer den Tisch des Präsidenten mit Blumen schmücken. Ein herrlicher Strauß von Marechal Niel Rosen und duftendem Flieder prangte auf dem Platze des Grafen Stolberg, heute bedeutungsvoll nicht nur einen Abschnitt der Tagung be­zeichnend, sondern auch für ihn persönlich ein Angebinde zum hundertsten Sitzungstage seiner Präsidentschaft.

Auch die Tribünen zeigten ein ungewohntes Bild. Während sie sonst von einem Publikum besucht sind, das sich zumeist aus Provinzgästen der Reichshauptstadt zu­sammensetzt und in dem besonders die Damenwelt stark vertreten ist, waren sie heute den dienstfreien Berliner Be­amten des postgewaltigen Herrn Krätke reserviert, die vom Briefträger bis zum Postrat wohl jede Beamtenklasse dieser weitverzweigten Verwaltung vertreten und sich persönlich von dem Eifer überzeugten, mit dem sich die Abgeordneten ihrer Interessen annehmen. Und an Eifer lassen es die Redner aller Parteien nicht fehlen. Sie erweisen eine er­staunliche Kenntnis der vielgcstalteten Verhältnisse einer jeden einzelnen Kategorie des großen Beamtenheeres, wie sie nur durch die sorgsame, bis in jede Einzelheit gehende Information durch die Organisationen der Beamtenschaft selbst ermöglicht wird. Aber gerade dieser Verkehr der Beamten mit den Abgeordneten ist dem Staatssekretär ein Dorn im Auge. Man merkt es der liebenswürdig jovialen Erscheinung des Herrn Krätke nicht an, mit wie zähem Eigenwillen er seine selbstherrliche, bei aller ge­botenen Rücksicht auf die Disziplin doch etwas gar zu patriarchalisch anmutende Auffassung von seiner Stellung seiner" Beamten festhält und sich durch keinerlei Hinweis auf verfassungsmäßige Rechte, ja auf die Interessen seiner Verwaltung selber im geringsten beirren läßt. Daß mit den Beamten auch die überwältigende Mehrheit des Reichs­tages diesen H>errenstandpunkt verurteilt, darüber haben ihn auch in diesem Jahre die Verhandlungen der Budget- kommisfion nicht in Zweifel gelassen. Heute kam es in den Reden der Abgg. Singer und Kopsch noch einmal zu einem scharfen Ausdruck, und der 33eifall zu den Worten des freisinnigen Redners kam aus allen Teilen des Hauses bis weit in die Bänke der Rechten.

Als Wortführer der Deutsch konservativen hatte der Abg. Dr. Dröscher die Struktur des Beamtenkörpers der Post- und Telegraphenverwaltung in allen seinen Teilen Revue passieren lassen und dabei namentlich die in einer Denkschrift den Reichsboten übermittelten Wünsche der höheren Beamten dem Chef der Verwaltung ans Herz gelegt. Dabei machte er sich zum Sprachrohr der mancherlei Bedenken, zu denen die zum Frühjahr angekündigte Wie­dereröffnung der höheren Beamtenlaufbahn in den beteiligten Kreisen Anlaß gibt; in dieser Beziehung gab Herr Krätke beruhigende Erklärungen. Na­turgemäß wird die Neugestaltung der höheren Beamten­laufbahn in der weiteren Aussprache einen Hauptpunkt bilden; heute wurde sie im übrigen nur kurz gestreift, da sie für die freisinnige Volkspartei der Abg. Eickhoff besonders behandeln wird und das Interesse des Abg. Singer sich auj die Unterbeamten konzentrierte. Er brachte, damit den Freisinnigen zuvorkommend, den be­kannten Fall des Postvertrauensarztes Dr. Schellen- 6erg zur Sprache, den sein sozialdemokratischer Stimm­zettel bei der Reichstagswahl in Wiesbaden seine Stellung gekostet hat. Der Rechtfertigungsversuch des Staatssekre­tärs mißglückte auch heute. Im übrigen drehte sich die Debatte auch vielfach um das wirtschaftliche Leben be­rührende Fragen, wie die Schlußzeit der Paket­schalter und die in Aussicht stehendeReform" der Fernsprechgebühren; diese unterzog insbesondere Herr Kopsch einer gründlichen Kritik. Eine berechtigte Zurückweisung erfuhr der Redner der sozialdemokratischen Partei, als er, wie schon früher einmal, mit der un­bewiesenen Behauptung kam, seine Parteigenossen seien nicht sicher gegen eine Verletzung des Dienstge­heimnisses durch die Beamten der Reichspost. Nicht nur der Staatssekretär erklärte das für eine Phantasie and eine leichtfertige Behauptung, gegen die er seine Be- imteu energisch in Schutz nahm, auch der Abg. Kopsch iegte Verwahrung ein gegen diese verwerfliche Art, durch äne haltlose Verdächtigung das Ansehen der deutschen Post- verwaltung und Beamtenschaft vor dem Auslande herab- zusetzen.

Nr. 38 Drittes ME 158. Jahrgang Freitag 14. Februar W08'

(M4)etm tSglich mit Ausnahme des Sonntag?. T A aa aa. a T M Rotationsdruck und Verlag der Br ühl'ichen

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General-Anzeiger für Oberhessen