Nr. 291 .
Ter Gießener Anzeiger erfchcmi täglich, außer EonittagS. - Beilagen: viermal wochenUich HietzencrZamilienblätier, Aweunal «oöchenll.Ureir- blattfüröenKreisGießen (Ttenstaqunö^ietinn); zweimal monnll Land» wnljchastUche Sellfrage» ^eni)pred) - Anlcdliisle: füi Oie tHeOaftion 113, Verlag u. Expedition 51 Arreste tüt Terekben:
Anzeiger Siegen.
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Erstes Blatt
158. Jahrgang Donnerstag 10. Dezember 1908
letzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhesfen
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Veranlworllich für den Dohtiicben Teil, füi .('yemUcion* und »Vennifchles^: Ernst Anderson, tüt .Stadt u. Land" und.Gerichts«
bis oormmags"io uhr^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruuerei TL Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. !^zk,qenieu^ H^BeL
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Das politische Testament der scheidenden Präsidenten.
In wenigen Monaten, oder eigentlich schon Wochen, im fyebruar nächsten Jahres wird Präsident Roosevelt auS seinem Amte scheiden, um unter die Journalisten zu gehen, unter die hunger- leidenden Kandidaten, wie man sie einmal in Deutschland genannt hat. An den Kongreß der Vereinigten Staaten, der dieser Tage zujammengetreten ist, hat Zioosevelt nun turz vor seinem Scheiden aus dem Amte eine Botschaft gerichtet, die in wahrstem Sinne des Wortes als jein politisck-cs Testament angesehen werden kann. Dlod) einmal nimmt er traft seines Amtes Stellung zu'ocu Hauptfragen, die nach innen wie außen die Vereinigten «Staaten beseelen, .ltoosevelt gibt darin seinem Volke und seinem Nachfolger gute Ratschläge über die lünstig einzuschlagende Politik. Wie immer atmet die Auslassung einen frischen Gefft und eine große Regsamkeit, und man muß es doppelt bedauern, daß dieser umsichtige und vorausjchauende Lenker der nordamerikanischen Union nicht länger seines Amtes mehr walten darf, wenn man auch seinem Nachfolger mit großem Vertrauen entgegen kommt und annefomen darf, daß er in den Bahnen seines politischen freundes wanoeln wird.
Während der Amtsführung des Präsidenten Roosevelt ist trotz mancher wirljchastlick>cn Krise der Aufschwung der Vereinigten Staaten ganz bedeutend gewesen, und mit Genugtuung kann daher der PrästdeiU erklären, daß die Finanzpolitik augerordent- lich befriedigende Ergebnisse gezeütgt habe.
Erneu großen Raum nimmt in seiner Botschaft die Arbeiterfrage ein. In sozialer Hinsicht soll mehr wie bisher für die Ärbeiterkreise Sorge getragen werden, indem man die Kinderarbeit ganz verbieten, die Frauenarbeit vermindern, und die Arbeitszeit aller Handwerker herabjetzen soll. Gleicl-zeiiig soll auch dem Gesundheitswesen große Ausmerksamkeit gewidmet werden. Auch auf dem Gebiete dos Unterrichtsioesens muffen Reformen angi- strcbt iverocn.
Am umfassendsten beschäftigt sich die Botschaft mit der au-5- wärtigcn Politik, und zwar wird zuerst das Näherlicgenbe berührt. Nämlich der amerikanische Kontinent, in dem der Präsident eine Vermehrung des Dampserdienst.s nach Südamerika fordert und auch nach Asien. Augenscheinlich geht Roosevelt von dem Gedanken ans, auf diese Weise Südamcrila enger an die Union zu knüpfen, und ihr die Suprematie zu sichern. Große Bedeutung für die Entfaltung von Nordamerika weist dec Präsident mit Recht auch dem schnellen Ausbau des Panamakanals zu. her tatsächlich auch nach seiner Fertigstellung ungemein bortedyaii für die Vereinigten Staaten sein wird. Des weiteren wird die Ausmerksamkeit des Parlaments aus Halvai und die Philippinen gelenkt, und in dcr Hauptsache wohl — wenn es auch nicht ausdrücklich gejagt ist — aus tak-.ischen Gründen, loeil für den Fall, hier wie dort vorzügliche Stützpunkte für die amerikanischen Aktionen vorhanden wären.
Selbstverständlich fehlt in der Botschaft nicht der Hinweis auf die Notwendigkeit kräftiger Verteidigungsmittel, und so sorden der Präsident sowohl den Ausbau des Öeereö wie auch der Marine. Er verlangt Vermehrung der Infanterie und Artillerie und Ausrüstung mit Maschinengewehren, sowie eine moderne Reorganisation der Kavallerie. Hinsichtlich der Flotte tritt der Präsident erneut für den Bau von Schlachtschiffen eai, und fordert außerdem den Bau von Torpedobootzerstörern und Kohlenschisfen. Das ist bad Prinzip, das Roosevelt fchon von je vertreten hat, und die friedliche Beilegung der Tisierenzen mit Japan, die sogar zu einem direkten Vertrage geführt hat, scheint, wie der Abgeordnete Bassermann in seiner Reichs Lagsrede andeutete, dem Standpunkt Jioojevelts rechtzugeben. Weroeu auch in allen übrigen Punkten die letzten Ratschlage des Präsidenten Roosevelt erfüllt, dann dürsten dis Vereinigten Staaten von Amerika weiter einer hohen Blüte entgegengehen.
parlamcixtariid^es.
Die WahlprüfunaskommissiondesReichstageS erklärte die Wahl des Äbg. Graf E a r m c r - Biesewitz, kons. (DreSlaiv-Land-Neumarkt) für gültig.
Die Reichsfinanzreform- Kommissim des Reichstages hat einstimmig beschlossen, die ans den Rechnungsjahren 1906 bis 1908 herrübrenden gestundeten Matrikularbeiträgc in Höhe von 144 753 000 Mark, die nach § 6 des Finanzgesetzes auf die Reichskasse übernommen werden sollten, aus der Bedarfs- rechnung des Schatzsekretärs anszuscheiden. Ferner wurde eine freisinnige Resolution angenommen, nach welcher bi: verbündeten Regierungen in Erwägung über die Veredelung der Matnkular- beitrage eintreten sollen.
Der Seniorenkonvent des Reichstages hat bc- jck^Üsen, auch am Freitag noch eine Sitzung vor den Ferien ab- ’ü rltcn, damit das Beamtenbesoldungsgesetz noch eingehender behandelt werden kann.
politifctyc Lagestzchcru.
Fravkteich und Castro.
Der seltsame Präsident von Venezuela, der bekanntlich mit aller Welt in Unfrieden lebt, will demnächst nach Europa kommen, um sich einer Operation zu uuterzst-hen. Die Möglichkeit, daß Castro bei dieser Gelegenheit auch französischen Boden betreten konnte, !7at die Franzosen maa-rig ausgeregt, denn mit Castro haben ja auch sie ihren Streit gehabt, der ebensowenig, wie die Konflikte Castros mit anderen Mächten zur Zufriedenheit ausgefallen ist. Jetzt will man sich in Frankreich Genugtuung verschaffen, und zwar auf eigentümliche Weise, lieber die Maßregeln gegen den Präsidenten Castro seitens der sranzösisä-cn Regierung berichten die Pariser Morgenblätter, daß folgende Vorkehrungen beschloßen worden sind: Eastros Fahrt durch Frankreich wird gestattet, aber nur wenn er erklärt, dag er nur französisches Gebiet durchreisen itrolle, um sich im Anstande einer Operation zu unterziehen. In diesem Falle würde Castro unter amtlicher Legleitung nach derjenigen Grenze gebracht werden, die er bezeichnet. Sollte die Operation in Bordeaux Dorgcnommcn werden, so wird seine Ausweijung verfügt werden, sobald es nach der Operation angängig ist. Von diesem Beschluß wird unter der Bedingung Abstand genommen werden, daß Castro sofort seine Frankreich verletzenden Anordnungen rückgängig macht. — Das Vorgehen Frankreichs gegen Castro wirkt etwas operettenhaft.
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Die Lage im Orient.
Nach einer Meldung des Daily Chroniele ist die Doykott- kommisfton in Konstantinopel Oesterreich-Ungarn gegenüber von passiven und aktiven Maßregeln über gegangen und hat bic Landungsboote eines österreichischenDampjers, die mit Passagiergepäck beloben waren, zum Sinken gebracht. In Smyrna werden infolge des Boykotts gegen Oesterreich seit einigen
Tagen auch Waren anderer Staaten, die mit österreichischen Schissen anlangen, nicht entladen. Den deutschen Interessen- ten ist daher zu empfehlen, Sendungen nach Smyrna bi5 auf weiteres weder über Triest noch überhaupt mit österreichischen Schissen zu befördern. Newyork Herold berichtet, Oesterreich beabsichtige von der Türkei eine Entschädigung für den durch den Boykott verursachten Schaden zu verlangen. In den Kreisen der Pforte glaubt man nach einem vertraulichen Bericht aus Wien, daß der Sturz Aebrenthals nicht mehr auszuhalten sei. Die Türkei würde jedenfalls seine Demission als einen großen Sieg feiern. Gegenüber allen diesen Schwierigkeiten hält Deutschland treu zu seinen österreichischen Verbündeten. Der Korrespondent des Petit Parisien meldet aus Berlin: Wie ich erfahre, bemüht sich Deutschland, das um jeden Preis einen SVcieg vermeiden möchte, auf Oesterreich einzuwirken, um es von etwaigen, nicht wieder gut zu machenden energischen Schritten abzuhalten. Gleichzeitig ocmüht sich Deutschland in ähnlickicm Sinne als Friedensvermittler in Petersburg und Konstantinopel zu intervenieren. Tie Gesamtzahl der russischen Freiwilligen im serbischen Heere, zu denen, wie Daily Mail aus Petersburg meldet, auch politische Parteiführer gehören, beträgt gegenwärtig rund 15 000. Davon seien aber höchstens 3000 Mann und 400 Offiziere brauchbar. Das Gros bestehe aus Abenteurern und Schlachtenbummlern.
2hi$ SlcrSL mVo CanO.
Gießen, 10. Dezember 1908.
Kaust ht Gicscn.
Man schreibt uns: Allgemein wird es von den hiesigen Geschäftsleuten bitter empfunden, daß so viele Einläufe bei auswärtigen Reise- ober Versand-Geschäften, Warenhäusern rc. gemacht werden. Die meisten Käufer bedenten dabei wohl nicht, daß sie die recht großen Slofteii für Reisespejen, Muster- öoUektionen, Reisenden, ZeilungS-BcUagen rc. milbezahlen müssen. Aehnlich ließt der Fall bei den auswärtigen großen Warenhäusern, die oft einzelne wenige Artikel zu Verlustpreisen anbieten, um den Anschein zu crivecken, als mären sie mit allen Artikeln genau so billig. Deren Ausgaben für Licht, Reklame, Peisonal, Steuern rc. sind derartig hoch, daß sie den Verlust an den Lockvögeln bei der anderen Ware doppelt und dreifach wieder emholen müssen. Wie wir nun in Gießen jetzt ein erstklassiges Theater, große Konzerte, Variel6 u. dgl. mehr haben, die sich alle bemühen, so viel wie jede Großstadt zu bieten, so haben wir auch erstklassige Geschälte m jeder Branche, die den Vergleich mit jedem großstädtischen Unternehmen aushalten können. Tie Gießener Geschäftsleute bieten den Käufern mehr als jede auswärtige Konkurrenz, sie bieten Garantie für tadellose Waren und sachgemäße, reelle Bedienung, reichhaltige Auswahl rc. und, was die Hauptsache ist, sie können infolge verhältnismäßig kleiner Geschäftsunkosten sich mit einem geringen Nutzen begnügen. Also nochmals, ihr Frauen und Männer Gießens, laßt Euch durch die ver- lockeuden Angebote von auswärts nicht verführen, sondern lauft hier am Platze!
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” Tageskalender für Donnerstag, 10. Dez : Bürgerverein: Vorirag von Pro'. K a m p f i in a y e r aus Karlsruhe : Lis GaUcustadibewegung. Abends 81/, Uhr in Steins Garten.
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" Vom Großh. Hofe. Am Dienstag fand in Anwesenheit des GroßherzogS von 10 Uhr vormittags bi5 4- Uhr nachmittags im Kranichsteiner Park Jagd auf Sauen statt. An der gestrigen Frühslückstafel im Neuen Palais nahmen nach der »Tarmst. Ztg." der Erbprinz und dieErbprinzessin von Sachsen-Meiningen teil.
" Steuerperjonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Steuereinnehmer des Steueramts Laniperlheim, Ludwig No hasch eck zu Lampertheim, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Bezirkskastcassistenten bei der BeznlSkasse Darmstadt I ernannt. — Erledigt ist die Stelle bcS Steuereinnehmers bei dem Großh. Steueramt Lamperthe »m.
"Erledigt ist die Stelle des ForstroartS der Forst- ivartci Altenhain, Overförsierci Ulrichstein.
" Eine Sitzung des Provinzial»Ausschusses finbet am Mittwoch, 18. Dez. b. I., oorm. 9'/, Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: Teilung der gemeinschaftlichen Gemarkung Ober- und Nieder-Rosbach.
"Wiederher st eil ung von Wappen und In- schriften. Daö Großh. Ministerium des Innern richtete an die Großh. Denkmalpsleger für die Baudenkmäler folgendes Ausschreiben: »Bei Herstellungen an Baudenkmälern, bei denen heraldische Fragen (wie bei Wappenschildern u. bergl.) auftreten, empfiehlt eS sich, das Gutachten des hier zuständigen und sachkundigen Großh. Haus- und Staatsarchivs in jedem Falle und zwar so zeitig einznholen, daß die Vorschläge der genannten Behörde bei der Ausführung befolgt werden können. Dies sollte auch bann geschehen, wenn anscheinend Zweifel über die Wiederherstellung der heraldischen Zeichen nicht bestehen. Wie die Erfahrung zeigt, ist auch bei früheren Wiederherstellungen auf dem hier fraglichen (Schiele. gefehlt worden, jo daß dec heutige Zustand manchmal nicht maßgebend ist und zunächst einer Korrektur bedarf. Aehnlich wird oft zur Feststellung von Inschriften, Jahreszahlen und dergleichen eine Inanspruchnahme des Großh. Haus- und Staatsarchivs im Interesse der Sache geboten fein. Wir empfehlen Ihnen, sich bei den Vorarbeiten zu Wiederherstellungen in allen geeigneten Fällen an die genannte Behörde zu wenden oder zu veranlassen, daß solches von dem bauleitenden Beamten oder Techniker geschieht.*
" Der Niddaer Theaterzug ist in Gefahr! Ter seither allabendlich fahrende Zug, der Gießen um 11.23 Uhr verläßt und in Nidda, feiner Endstation, um 12*/, Uhr
I eintrifft, soll nach einer Mitteilung des Rechtsanwalts Sandmann in Hungen an Abg. Köhler vom 1. Januar k. I. ab nur noch Mittwochs und Sonntags fahren. Durch diese Einschränkung einer eniwiclelungssähigen weil zweckmäßigen Verbindung werden die Jntcccsien GießcnS empfindlich geschädigt, da e§ den Bewohnern der zahlreichen Orte zwischen hier und Nidda bann nicht mehr möglich sein luirb, Abendveranstaltungen an anderen als den bevorzugten Eisenbahntagen in Gießen zu besuchen. Es konnnen namentlich das Theater und die Vorträge usw. m wissenschaftlichen Vereinen in Betracht und die seitherigen Besucher solcher Veransialtungen weiden vielfach auf den Besuch von ihnen ganz verzichten muffe«. Ta hierdurch ein jetzt vorhandener Anreiz, nach Gießen zu gehen, fortsällt, wird die benachbarte Großstadt noch mehr als bisher von den in Frage kommenden Orlen besucht und mancher bisher in Gießen vollzogene Einkauf dort gemacht werden. Noch höher als diese Schädigung Gießens ist aber dec Verlust für die Bewohner bet verschiedenen Landslädtchen und Törser anzuschlagcn, die durch diese fiskalische Maßregel der Kgl. Preuß. Eiscnbahudirektlon veihindert werden, an dem geistigen und künstlerischen Leben der hessischen Universitätsstadt in seitherigem Umfang teilzunehmen. Ta bie SlaalSbahnen doch nicht nur befruchtend auf die Staatseinnahmen wirken, sondern in erster Linie den Interessen der Bewohnet dienen sollen, ist die Aufhebung dieser durchaus zweckmäßigen und sichet immer mehr sich ein- führenden Verbindung nur schwer verständlich und cs darf von den in Frage kommenden Faktoren erwartet werden, daß ste energisch für die uneingeschränkte Erhaltung bet bestehenden Verbindung wirken.
" GrunderwetbSkoslen für die BahnLoHat- Londorf. Am Dienstag vormittag verhandelte bet Kreis- a uSschu ß des Kreises Friedberg in Sachen bet Auflage an die Stadt Gießen betreffs der Atisbringung eines Teiles der GelältdeerwerbSkoslen zu dem Bahnbau Lonborj-Gcünbcrg« Das Krcisamt Gießen hatte der Stadt Gießen, die weder um den in Frage stehenden Bahnbau gefragt worden ist, noch das »lindeste diiektc Jntereffe an dem Zustandekommen der Bahnlinie hatte, als Beitrag zu den GeländeerwcrbSkosten für die Bahn ursprünglich 85 U0U Mk. auferlegt, welcher Betrag aber ipäter auf 103 000 Mk. erhöht wurde. In der Verhandlung wurde, um den wirtschaftlichen Vorteil der Bahn für die Stadt Gießen nachzuweifen, die Statistik dcS GcwerbesteuerkapitalS m der Stadt oorgelegt, um aus besten Steigerung zu ermessen, welchen Einfluß die neue Eisenbahn für Gießen gebracht habe. Wenn dieZ aber als Maßstab angesehen werde« toll, hat die Bah« dem Gewerbeleben statt Vorteil sttachtell zugefügt, denn während früher, ehe die Bahn vorhanden war, dieses Gcwerbesteuerkapital sich von Jahr zu Iaht um 3 bis 4 Proz. vermehrte, stieg es seit dem Bahnbau nur noch um 11/2 — 2 Proz. im Jahr. Auch aus einer Zusammenstellung der nach Gießen auf den Stationen der Bahn abgegebenen Elienbahnsahrkartsn waren Schlüsse auf das (Seroerbeleben der Stabt nicht zu ziehen. Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, ber gemeinsam mit Oberbürgermeiiter Mecum die Interessen der Stadt Gießen vertrat, legte in längerer Rede dar, baß Gießen zu Unrecht gezroungen werben solle, diese hohe Summe zu bezahlen. Rian habe in der städtischen Verwaltung wiederholt evroogen, ob es für bie Stabt nicht vorteilhaft fein würde, aus dem Kceisverband auszutreten und einen eigenen Kreis zu bilden. ÜHan habe dies aber wiederholt von der Hand ßctoicien und die hohen Lasten für Zwecke des Kreises und Der Provinz auf sich genommen, die in der Hauptsache doch öen Landgemeinden zugute kommen. Man habe diese Lasten gern getragen, weil man sich sagte, Stadt und Land gehören naturgemäß zusammen. Hier aber solle eine Auflage, die allem den beteiligten Landgemeinden, die für bic geschaffene Eisenbahnverbinbung in Frage kommen, zur Last falle, auf die Stadt Gießen abgewälzt werben, die an diesem Verkehrsmittel kein Interesse habe. Tiese Auflage und der Beamte, der sie ersonnen hat, sie schaffen einen Gegensatz zwischen Stabt und Land, der, in seiner Konsequenz weilergeführt, zu einer Losreißung ber Stabt und bie Umbildung dersewen zu einem eigenen Kreise führen könne. In ber Sache wird bei KceiSausichuß am 19. Dezember das Urteil fällen.
" Studentische Unterrichtskurje für Arbeiter und Unter beamte. Zu dem französischen Unterricht, ber in dieser Woche begonnen hat, haben sich über Erwarten viele Schüler eingefunben. Aus Wunsch ist daher em Para Ile Ikurs eingerichtet worden, ber morgen (Freitag) Abend (8l/9 Uhr) beginnen wird. — Der Ausstellung ber Universitätsbibliothek wird, nachdem unlängst das Gebäude selbst besichtigt worden ist, unter sachkundiger Führung am nächsten Sonntag ein Besuch abgestattet werden. Bei den beschränkten Raumverhältniffen kann nur eine kleine Zahl zu- gelasten werben; ben Buchbrnckern würbe ber Vortritt cm- geräumt. Loch werden im Januar weitere Führungen folgen, fo baß alle, die Jntereffe für diese Schätze der Buch, kunst haben, Gelegenhctt finden werden, sic eingehend zu studieren.
" Landw. BiichführungSdienst. Die Landwirt- schaftSkamnier für Hessen hat im Ausbau ihrer Organisation einen weiteren Schritt voran getan, indem sie mit dem 1. Dez. b. Js. einen Buchführuugsbienil eröffnet hat, dem folgende Aiisgabcn gestellt sind: a) Die Anfertigung von Bücherabschlüssen für kleinere Güter auf Grund emgefanbter Kassenbücher, b) Die Füyrung von Büchern für größere Güter auf Grund von wöchentlich cingefanbten Berichten.


