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13.8.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Donnerstag 13. August 1008

& oomtrnagl'') Notat1on5druck und Verlag der vrühl'fchen Untv.'vuch. und Steindruckeret. R. Lange.

RedaMon, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7.

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten,

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Gedeuc

Bezugspreis: monatlich 7öi;l.,oiertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Ml. L. viertel« läljrL auSschl. Bestellg. 3ciltnprtt3; loht 16'61, auStvdrti 20 Pseitmg,

Beranlworlltch für den polnischen Teil: tt. Ülntiedon, I. Feuille­ton und ,öenm|d)lei* P. Wtttko: tüi ,6iabl u. Land' und.Gerichts-

158. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

am Freitag den 14. August 1908 früh morgens mit einem Drittel der Arbeiterschaft wieder ausgenommen wird. 2 bafj die für beute, Mittwoch, den 12. August, auf sämtlichen der Gruppe deutscher SceschifsSwerften angeschlosfenen Werften beschossen, t>ie Bctriebscinschränkung für Mittwoch, den 19. August, aoendö. verschoben werden. Zeigt fid) bis Dienstag, den 18. 'August, datz die Nictcr-Lck,.vicrigkciicn auf der Vulkamvcrft tatsächlich bei gelegt sind, und die Werft an der Fortführung eines ordnungS- mäßigen Betriebes nicht mehr behindert wird, so soll über die gänzlick-c Aufhebung der in Aussicht genommenen Mastnahmen Beschlug gefotzt werden. Unter Bezugnahme auf Vorstehendes geben wir hierin besannt, daß übermorgen, Freitag, den 14. Ang-, irüh 6 Uhr ein Teil des MstriebeS versuchsweise wieder auf ge­nommen wird. Wir werden morgen, Donnerstag, durch Anschlag bekannt geben, in welchen Abteilungen itnseres Werkes der Be trieb versuchsweise eröffnet werden wird.

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deS Parteivorstandcs zu entsprechen! Der Parteivorstand tele­graphierte darauf sofort nach Manitheiin zurück, dost es für ihn keine Schweigegebote gäbe. Er bitte, sosti ' Kindereien g.ialligfl zu unterlassen und nunmehr umgebend Bericht zu erstatlen Daraus ist der Parteirorstand bis jetzt, Moniag abend, ohne weitere Antwort geblieben! Wir ziehen aus diesem in der Ge- chichte der Partei wahrscheinlich einzigartigen Vorgang vorlänsig nur zwei Schlüsse. Erstens: dast die Meldung über die Absicht der badischen Landtagosrakt»on oiienbar den Tatsachen entspricht! Zweitens: dast sich in gewissen Meisen unserer süddeutschen Ge­nossen eine Lust au Geheimkrämerei berauogebilbet hat, die nicht einmal dein Parteivorstand die Karten ansdecken will, geschweige denn der Masse der Genossen, die doch aber in einer demo­kratischen Partei gerade die oberste, d. li möglichst gut zu in­formierende Instanz bilden! Ans die Frage der Bnd-gelbewilligung clbst 1 vollen wir beute nicht deS näheren eingehen. 3?in: das sei betont, der st bis aus weiteres der Beschlust de-o Lübecker Partei tageS besteht! Und das weitere, dast eine Budgetbewilligung gerade heute, angesichts der NeichSjinauzreform und des Wahl rech!-e kauipscS, wo auch die Vertreter der süddeutschen Staaten im Bundes­rat die preußische Reaktion skrupellos unterstützen, hellste Ent riiftung auSlösen müßte! Mit allem Nack>drnck aber möchten wir hier Protest erheben gegen ein Stiftern der Geheimniskrümerei und Sonderbündelei, das jede Demokratie und Einheit der Partei znnichte macht. Und wir siild überzeugt, dast die Mehrheit unserer süddeutschen Genossen selbst ein solches Stiftern am schärfsten bet urteilen wird!"

Picht ohne Interesse ist es, dast mittlerweile auch der sozial demokratische Wahlverein in Gießen Stellung zu Dieser Ange- legenbeit genommen hat. Der Lberh. Bolksztg. zufolge, tvurtx ans Antrag des Genossen Krumm folgende Resolution einstimmig angenommen:

FaltS hessische Landtagsabgeordnete an dem geheimen Bc- schlujse der süddeutschen Laudtagsabgeordneten fernerhin für die einzelsdrallichen Budgets zu stimmen Teil genommen haben, spricht die Wahlvereinsversammlung darüber ihr Bedauern und Befremden ans.

Die hessische Dicgicrnng Hal durch Nichtbcstätigung sozial­demokratischer Gemeindebeamten, durch ihre Zustimmung zu allen -volksseindlichen Plänen der Rciä sregicrung nnb anderes, genügende Beiveise ihrer reaktionären Gesinnung gegeben. Eo ivärc unverzeihliche Schwäche, dieser Regierung die Mittel für ihre, auch bei der Wahlreform bekundete vollsseindlici e 9l(- gicrcrei, zu bewilligen."

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Gteßen, 13. August 1908.

** Die Generalversammlung des Allgem. Ber- eins für Armen- und Krankenpflege sand heute, toic angefünbigt, im Saale der Motthäusgcmcinde statt. Nach einer kurzen Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden Pfarrer D. Schlosser, worin er besonders aus die Erössnung des Säug- lingsheims hinwies, trug dieser den Jahresbericht für 1907 vor. Ta der Bericht demnächst als Beilage ztiinGieß. Anz." veröffent­licht werden wird, entnehmen wir ihm nur einiges besonders Erwähnenswerte. In den Vorstand treten neu ein: anstelle des verstorbenen Rentners Marl Schwan Prof. Tr. Walther, anstelle des nach Bannen berufenen Beigeordneten Eurschntann als Leiter der Waisenpslege Beigeordneter Meller, anstelle der Bezirks- Vorsteher Maujmann Nassauer und Stuhl die yerren Rentner Gg. Schneider (1. Bezirk- und Tr. Eaesar (2. Bezirk. Herrn Stuhl wurde von S. K. Hoh. dem Grostherzog, als Anerkeimung seiner fast 25jährigen verdienstvollen Tätigkeit das Verdiensttreuz Philipp- des Grotzmütigen verliehe». In der eigentlichen VI r in en pflege wurden 3767 Mk. aufgewendet, darunter 1100 Mk. für Badekuren. 27 Kinder wurden in das Minderhospital Elisa bethhans in Marburg gesandt. Im S ch w e ft c r n h a u s luurhen 379 Mranfc behandelt, in der größeren Mehrzahl (212) gijitäio- logische Fälle in der Behandlung von Prof. Tr. Walther. Obren , L»als- nnb Nasenkrankheiten behandelte Dr. Reinewald, chirur gische Fälle Tr. Richter. In der Gemeinde pflegten die Schwe- Itcrn in G40 Familien mit 23 896 Pflegebesuchen, 10 ganzen Tagpflegen und 644 Nachtwachen, eine Leistung, die nur durch die höchste Anspannung aller Strafte zu erzielen war. In der .strippe, waren 38 Kinder aufgenommen. Hospiz und M a r t h a - Herberge litten unter dem Erweiterungsbau. Ebenso die Tätig­keit der Abteilung für W a i se n p s l e g e unter dem Wechsel der Leitung. Die mit 103 145.29 Mk. in Einnahme und 102051.23 Marl in Ausgabe betragende Rechnung des Vereins wurde, nachdem sie von Sparkassedirektor Döring geprüft worden, ge­nehmigt : dem Rechner, Rechnungsrat Wilker, wurde mit Tank für feine erhebliche Mühewaltung Entlastung erteilt. Endlich wurde die Einrichtung der HauSpslege beschlossen, d. h. die Anstellung einer Anzahl Frauen, die im Bedarfsfall in den Familien die Vertretung der erkrankten oder sonst verhinderten Hausfrau übernehmen. Diese Einrichtung hat sich in anderen Städten, z. B. in Frankfurt und Mainz, außerordentlich be­währt, und das Bedürfnis darnach ist auch hier längst erkannt.

P. Schlitz, 13. Aug. Witwe Marte E. Bern­stein vollendet heute ihr 91. Lebensjahr. Die alte Dame erfreut sich trotz ihres hohen Alters noch einer recht guten Gesundheit. Zu ihrer Geburtstagsfeier sind Tochter und Enkel aus 9lmerifa cingctroffen.

a. Ober-Seibertenrod, 12. Aug. Die End - strecke der Ohmtalbahn zwischen Ulrichstein und hier kommt gegenwärtig zur Vermessung. Zur Führung der neuen Bahn haben die unteren Talorte der öfters projezierten Strecke wiederholt ihre Meinung kundgegebcn, so daß auch einmal ein Ort der Anfangs- oder Endstreckc sich hören lassen darf. Von einem engherzigen Standpunkte aus könnte man denken, die neue Bahn mag unten laufen, wie sic will, für unS bleibt die Hauptsache, daß sie hier oben am Orte vorbeigeht. Für den Anschluß an eine Neubahn kommt aber nicht nur in Betracht, daß man ihn erhält, sondern auch die Anlage und Führung der Bahn und damit ihre Zukunft überhaupt. Wie die Ohmtalbahn jetzt geplant ist zu bauen, ist sie eine verfehlte und bleibt eine verfehlte. Eine Ohm­talbahn ist keine Jlstalbahn, ebenfomenig wie eine Jlstal- bahn eine Seentalbahn sein kann. Das Seenlai hat seine Bahn MückeLaubach, das Ohmtal soll nun auch feine Bahn mit Recht Haden, ist es doch eines der verkehrsreichsten Stränge des westlichen Vogelsberges. Aber dann lasse man doch dabei das Jlstal aus dem Spiel. Alan gebe auch dem

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politische Lagesschau.

Nachträgliches zur Entrevue.

K. Schloß Friedrichshof, 12. Aug.

König Eduard erschien diesmal zu der Familicn- Entrevue auf Schloß Friedrichshof, dem einstigen Lieb­lingsaufenthalt der .staisertn Friedrich, in der Uniform seines preußischen Husaren^RegimenlSFmrst Blücher von Wahl- flatt", während er bei früheren Monarchenzusammenlünsten die Uniform seiner Ersten Gardc-Tragoner anlegte. Ter König erschien in der Uniform der Blücher-Husaren zur Er­innerung an seine Schwester Bicky, an die Kaiserin Friedrich, die Bertie am liebsten, sobald er Uniform trug, als Husar sah, da die Husarenuniform ihn besonders licibetc. Die Kaiserin Friedrich halte ein Faible für die Husaren, wes­halb König Wilhelm I. seinerzeit sie, die damalige 5kron- prinzessin von Preußen, zum 2. Ehef der 2. Husaren er­nannte.Ich lachte," so schrieb die Kronprinzessin an ihre Mutter, die Königin von England,weil ich das für einen Scherz hielt es sieht so sonderbar für eine Dame aus, aber die Regimenter haben es besonders gern, Damen zu .Chefs zu haben. Ich bin die erste Prinzessin, die in dieser Weise geehrt ist. Am Tage vor der Ankunft König Eduards fand zwischen dem Könige und dem laiserlichen. Mfsen ein Depcschenwechsel statt wegen der Unisormfrage, der auf Friedrichshof große Heitcrwit erregte. König Eduard fragte an, ob das weiße Beinkleid zum Attila vorschriftsmäßig fei. Ter Kaiser telegraphierte zurück, König Eduard sei in jeder Uniform millfommen. Dieser Telegrammwechsel drückte der Entrevue daö Geprägeder äußerst fröhlichen Stimmpng" auf, die herrschte während des vierzehi tstündigen Aufenthalts des Königs im TannuSschlosfe. Von bestunter­richteter Seite wird weiter mitgeteilt, daß während der Anwesenheit des slönigs auf Friedrichshof die Politik nicht berührt und der englische Vertreter deö Auswärtigen Amtes mit seinem deutschen Kollegen keine Gelegenheit fand und nahm, zu einer Besprechung znsammenzukommen. Tie An­wesenheit König Eduards auf dem Taunusschloß trug einen rein familiären Charakter. Ter Besuch galt vornehmlich der Schloßherrin, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, und war eine Erwiderung des Besuches, den Ihre Königliche Hoheit der englischen Königsfamilie vor kurzem im Buckingham-Palast abgestattet hatten. Tie Frage, warum im Gefolge des Königs der Ständige Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Hardinge sich befunden, dessen Anwesen­heit der Entrevue ein politisches (Saufet gegeben, wurde uns von einer wohlunterrichteten Persönlichkeit dahin beant­wortet:Sir Hardinge tritt erst in Aktion, sobald Majestät die schwarz-gelben Grenzpfähle überschritten haben."

Eine Folge der unpopulären Fahrkartensteuer.

Die diesjährige Reisezeit, die ja in der Hauptsache vorüber ist, har nach derWieSb. Ztg." die merkwürdige Tatsache ergeben, daß die Ferien reisen meist dritter, vielfach sogar vierter Klasse auSgesührt worden sind. Die früher so be­liebten Bäderfahrschcine zweiter Klasse werden nur noch selten verlangt, dagegen fast nur solche dritter Klasse. Daß auch die Engländer in Deutschland dritter Klasse reisen, ist besonders am Rhein häufig genug fcstgestellt worden. Tie Folge dieses Riesenzuzuges in die dritte Klasse ist nun, daß die in die Züge cingcfielltcu Wagen meist zur Unterbringung d.r Reisenden nicht ausreichen: man setzt sie deshalb in die vielfach leeren Abteile zweiter Klaffe. In den Haupteilzügen auf den beiden Rhein- feiten, in den Zügen Basel Hamburg und umgekehrt und in vielen anderen Zügen macht sich fortgesetzt Mangel an Wagen dritter Klasse bemerkbar. Tie Züge werden eben noch immer so zusammengestellt wie früher, wo die Zahl der Reisenden zweiter Klaste nicht so unbeträchtlich war. Noch überraschender als der Zuzug in die dritte Klasse ist die Abwanderung von Ferien- reifenben in die vierte Klasse. Seit cs dort Nichtraucher- und Frauenabteile gibt, sind diese so stark besetzt, daß manchmal Platzmangel cintritt. Es werden dort von kleinen und mittleren Beamten und anderen Angehörigen bc5 Mittelstandes lange Strecken in Personenzügen jurürfgelegt; kinderreiche Eltern fahren fast nur noch vierter Klaffe in die Sommerfrische. So steht die Eisenbahnverwaltung vor der unangenehmen Tatsache, daß der Verkehr zwar steigt, die Einnahmen aber nickst esttsprechend wachsen, weck die Reisenden die niedrigeren ftlah'en dauernd be­nutzen, während man im vorigen Jahre hoffte, daß die Ab­wanderung nur eine vorübergehende fein würde.

lieber eine Auflehnung gegen die Parteidisziplin führt derVorwärts" Klage: . .Der Parteivorstand erfuhr vor einigen Tagen, daß die badische Landtagsiraklion wohl unter dem Einfluß der Verhandlungen der Stuttgarter Konferenz und zwar mit keineswegs großer Stimmenmehrheit, beschlossen l-abe, bei oer bevorstehenden Abstimmung über den Etat für das Gesamlbudget zu stimmen. Unterm 4. d. M. rickstete deshalb der Parteivorstand an den Landesvorstand der badischen Sozialdemokratie die Bitte, ihm möglichst bald eine bestimmte '.'ürchrickst darüber znkommen zu lassen, was an diesen Dingen wahres fei. Unglaublicherweise erhielt daraus der Partei­vorstand von Deix LandeSoorstand eine lakonische Mitteilung vom 7. d- M., daß der Landesvorstzanc» am 6. d. M. mit der Landtags- fraftion eine gemeinsame Sitzung ab gehalten habe, über deren Ergebnisvorläufig Schweigegebot erlassen" worden sei. Der Landesvorstand fei deshalb nicht m der Lage, der Aufforderung

Die Seneralaursperrung der deutschen Werftarbeiter.

Mit dem gestrigen Tage hat die Gencralaussperruug der deutschen Werftarbeiter begonnen und betrifft etwa 45 000, nach der Frankfurter Zeitung sogar 58000 Arbeiter. Aufs höchste zu bedauern ist die große Anzahl Menschen, die nun auf einmal ohne Arbeit sind, noch mehr zu bedauern ist es aber, daß aus einem kleinen Streik, der, wie auch die Franks. Ztg." hervorhebt, leicht hatte lokalisiert bleiben können, eine so große verheerende Aussperrungsaktion ent­standen ist, sogar gegen den Willen der Arbeiterorganisa­tionen. Dieser Kamps um die Macht wird um so ver­hängnisvoller sein, als er den gewerblichen Frieden aller Wahrscheinlichkeit tiach auf lange hinaus stören wird, um den sich in Deutschland Theoretiker und Praktiker nun schon länger als ein Menschenalter gemüht haben. Eine der ersten Tagungen des Vereins für Sozialpolitik (ober war's gar die erste?) galt bereits der Erörterung dieses Problems. Der damaligen Welt war eS neu. Neu wie die junge Koalitiousfreiheit, die das Streiken ja überhaupt erst er­möglichte. Aber in England, das doch schon auf 70 bis 80 Jahre industrieller Entwicklung zurückblickle, hatte man allerlei Erfahrungen gesammelt nnb die suchte man sich nun zu nutze zu machen. Man plädierte für Verhandlungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern am gemeinsamen runden Tisch", für Einigungsämter wie sie Rupert Kettle und Anthony John Mundella eingeführt hatten und man plädierte für sie so lange und so nachdrücklich, bis das Ge- iverbegerichtsgesetz von 1890 den schüchternen Versuch unter­nahm, sie auch bei uns einzubürgern. Diese Einigungs- ämter haben im einzelnen das ist gar nicht zu bezweifeln durchaus günstig gewirkt. Aber doch nur bei kleineren lokalen Streitigkeiten und wo sich als Leiter der Verhandlungen ein Gewerbegerichtsvorsitzender sand, der hüben wie drüben Autorität genoß und über die gar nicht häufige Gabe ver­fügte, durch kluge Ucbcrrebung auf beibe Parteien sänstigenb einzuwirken. Für bie großen, lanbumspannenden, inter­lokalen Streitigkeiten hatte inan nach wie vor keine Instanz, iie beit gestörten Frieden wieder herzustellen vermocht Hütte. Da boten sich für sie je länger je mehr Tarifvereinbarungen an, gestützt auf beiderseitige Organisationen und von ihnen garantiert. Wohl tvendete ein Teil der großen Arbeitgeber ein: Tarifvereinbarungen schickten sich nur für kleine Ve- triebe von mehr handwertsmäßigem Charakter. Man ver- wies sie auf England, wo gerade innerhalb der Schwer­industrie eine Reihe von Tarifabkommen geschlossen wor­den wären und forderte von ihnen nichts anderes als die Linerkennung des sogenannten Verhandlungsprinzips. Wenn erst so lehrte man die Unternehmer aller Orten sich dazu burujgcrungcn hätten, die Organisationen der Ar­beiter als gleichberechtigt anzuertennen, mit denen ober deren legitimierten Vertretern zu verhandeln dem Unter­nehmer nicht zur Unehre gereiche, da würde der aditus ad pacem gesunden sein und die Möglichkeit, den gewerblichen Streitigkeiten ihren vergiftenden Stachel zu nehmen.

Noch ist das Verhandlungsprinzip man kann getrost sagen: leider nicht allenthalben anerkannt und schon ist die Lehre, die sich auf dies Prinzip gründet, unienvühlt. Tie Stettiner Nieter sind da gar nicht die ersten, wenn auch ähr Fall schon um feiner möglichen Konsequenzen ]o resonderS in die Augen sticht. Einer kleinen Arbeitergruppe fällt es ein, zur Unzeit einen völlig aussichtslosen Zwist vom Zaune zu brechen. Die Werkleitung unterhandelt: unter »andelt vor breitester Oessentlichkeit mit den Crganifationcn »er Arbeiter. Man kommt auch zu einem Vertrag, für den iie Organisationsvertreter sich verbürgen. Aber bie Heine Gruppe, die den Streit begann, besteht auf ihrem ^cheni. Sie ratifiziert einfach die getroffenen Abmachungen nicht nnb will lieber zusehen, wie um ihretwillen Tanjenbe von Schuldlosen und Unbeteiligten in Kampf und Not huiemgc- sogen werden.

Das ist, will uns bebünfen, doch eine ungeheuer ernft- laftc Sache. Um so ernsthafter, als, wenn das Verhand- lungsprinzip und die Mitwirkung der Organisationen ver- ßaqten, wir v-orderhand kaum ein anderes Mittel zur Her- fiellung des gewerblichen Friedens hätten. Als dann kaum nod) etwas anderes übrig bliebe, als in solchen Fallen ein erbarmungsloses Faustrecht zu ftatuieren. Uns scheint: das Zu verhindern läge doch vor allem auch un ^utereste der «-ewerkschaften und deshalb sollten sie kein Mittel unversucht lassen, Friedensräiiber und Disziplinbrecher von der Art der (Stettiner Meter unschädlich zu machen. «on,t zerstören sie sich selbst bie Früchte jahrelanger Mühen. Wer wirb lchnest- lid) noch mit ihnen verhanbeln wollen, wenn zuguterletzt -Iles doch pro nihilo ist ? Wenn die Arbeiterorganl,ationen nicht die Kraft haben, im eigenen Haisie Ordnung und Tis- xiplin zu bewahren? " »

Stettin 12 Aua- Der Ausstalid der Nieter des Vulkans iit erfreulicherweise früher als bisher anzunchmcn >var, als bc- ciibct zu betragen. Infolgedessen.soll versuchsweise "^ dem Vul- Iin bie Aussperrung insoweit ausgehoben werden, ..als sunachst L.$ Sie

Bieter für beendet erklärt har und die »wn.khen der Direttion und Arbeiterausschuß und der Nieterkommiiiion m bm Sitzungen wm 27 unb 29. Juli d. IS. getroffenen Vereinlmrungen damck ii Kraft treten. Es ist nut dieser Bedingung zugleich ^Antrag cui sVnebererönmmg bcs Betriebes verbunden worden. Wir haben vorstehendes der Gruppe deutsck)er Srf)in5rocr!ten, unterbreitet und letztere hat heule, Nrittiooch, Dun 12. augult, gt> : 1. icB b« Sfcitieb der Werften d-S Stettin« DE-mS

Nr. 189

Der Gießener Anzeiger «scheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich ®te6enerSamllienbtätteri Irvetmal loöchcnll.Krels» laltfüröen KretsGiefctn (Dienstag undFrettag); zweimal monntl. Land. »trlichaNliche Seistragen Ferniprech Anschlüsse: füt btt Redaktion 112, Vertag u. ELpediNon 61 Äbretlc tüi Depelchenr

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