Ausgabe 
9.5.1908 Erstes Blatt
 
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diesem Zug fern Hofmeister kommen werde, der int Verein mit seinem Rechtsbeistand eine Bürgschaft von 1 Million Mk. an» bieten sollte. Nachdem man vergebens gewartet und man auch keine Nachricht erhalten hatte, wurde um 3Vs Uhr die Fahrt nach Berlin angetreten. Zn dem Automobil nahmen außer bent Fürsten und dem Nltiminaltonimih'ar auch die Fürstin, ein Diener und ein junger Arzt Platz. Der Fürst litt unterwegs heftige Schmerzen und mußte wiederholt Eeruhigungsinittel nehmen, mit Denen sich der Arzt versehen hatte. Um 6xZi Uhr traf man in bei Charit6 ein, wo alle Vorkehrungen für die Ausnahme des Fürsten getroffen waren. Krankenwärter trugen ihn tn das für ihn be­stimmte Zimmer. D-em Kammerdiener wurde ein Zimmer neben dem Fürsten angewiesen. Gestern nachmittag hatte in Liebenberg nutzem Fürsten, dessen Bruder Fritz noch eine längere Aussprache wie es heißt, darüber, daß er ihm nach den Aussagen der Mün­chener Zeugen zu allem anderen nun auch noch seine eigenen Verfehlungen hatte zuschreiben wollen. Tie Verhängung der Unter­suchungshaft wirkte auf die Angehörigen und die Dienerschaft niederschlagend. Auch der Fürst war gebrochen und tröstete die Seinigcit. Donnerstag abend fand in bir Schlvßkapclle ein Gottes­dienst statt.

Die Villa des Fürsten Eulenburg in Starn­berg ist, wie es heißt, zum Verkauf ausgeboten.

DerBerl. Lokalauz." meldet aus Berlin: Von dem Ver­teidiger des Fürsten Eulenburg, Justizrat W-ronker, war der An­trag auf Haftentlassung gestellt worden. Auf eine Anfrage er­mächtigte die Familie den Verteidiger, dem Gericht 5UU uUU Mk. als Kaution zur Verfügung zu stellen. Von der Oberstaalsanwalt­schaft war die Verhaftung mit der Begründung beantragt worden, daß bei der Höhe dec möglicherweise zu verhängenden Strafe Fluchtverdacht vorliege. Der Untersuchungsrichter, Lanögerichls- rat Schmidt, lehnte den Antrag des Verteidigers ab, der hierauf sofort von dem ihm zuftehenoen Rechtsmittel Gebrauch machte, indem er gegen diese Entscheidung bei der sogenannten Beschluß- läntmtr Beschwerde erhob. Tie Beschlußkamnier trat am späten Nachmittag zusammen unb verbündete nach mehrstündiger Beratung, daß die Kaution abzulehnen sei und der Fürst in Hast genommen werden müsse.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, den 8. Mai. Ein lieber Schwager.

Zwischen dem Bergmann G. Ph. M. von Ober-Wöll­stadt und seinem bei ihm wohnenden Schwager kam es zum Streit, dem zufolge letzterer seine Wohnung ausgab, um M. keinen Anlaß zur Eifersucht mehr zu geben. Als er mit einem Bekannten zum Abholen seiner Effekten erschien, entspann sich ein Wortwechsel, der in eine Rauferei ausarlete, in deren Ver­lauf M. dem Begleiter seines Schwagers einen Stich in den Arm versetzte, der ihn acht Tage arbeitsunfähig machte, dabei rief er:Ich schlitze dir den Wanst auf!" Die Fwlge war Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung, die dem Schöffengericht Friedberg zur Aburceilung überwiesen wurde. Vor dem Schöffengericht wurde der Angellagte als ein gefähr­licher, roher Mensch geschildert, der auch seine tränte Frau öfters mißhandle. Es wurden für die Körperverletzung 6 Monate und für die Bedrohung 6 Wochen Gefängnis angefetzt und beide Strafen auf eine Gesamtstrafe von 7 Monaten zurückgcsuhrt. Der An­geklagte focht das Urteil an unter Berufung darauf, daß er tn Notwehr handelnd, vvu, seinem Messer Gebrauch geniadji habe, da ihn sein Schwager mit seinem Begleiter furchtbar mißhandelt habe; voii einer Bedrohung will er nichts wissen. Tatsächlich wurde auch nachgeiviejen, baß er mißhandelt worden ist und daß barscher ein Verfahren anhängig ist. Der Bürgermeister, welcher den Angellagten nach dem Vorfall gesehen hat, bestätigte, daß er eine Reihe von blutenden Verletzungen und Beulen an sich gehabt habe und crilärce, der Augckiagic genieße einen besseren Leumund als der Verletzte, wenn er auch sehr jähzornig sei und Bestrafungen erlitten hat. Uebrigens ist von Mißhandlungen seiner Frau nichts beianiu und war er stets um ihr körperliches Wohl besorgt, so daß dieser Umstand entgegen der Annahme des Schösfengenchts nicht zu ungunsten des Angellagten ver­wertet werden ioiiult. Da die Zeugen des Vorfalls bei ihren früheren Angaben blieben, so mußte auch in der Berufungsinstanz eine schwere Körperverletzung unb Bebrohung als vorliegend er­achtet werden, doch erschien die Strafe zu hoch, weshalb sie auf 3 Monate und 3 Tage ermäßigt wurde.

Ter Kräuterwern.

In ber vor acht Tagen verhandelten Sache gegen den In­haber der Firma E. K. in Hannover und dessen Reisenden H., die ein Urteil des hiesigen Schöffengerichts, wonach fie wegen Vertan,s des sog. KräutersveinS zu je 20 Mark Geldstrafe ver­urteilt worden waren, angefochten hatten, lautete das urteil auf Erhöhung ber Strafe gegen den Firmeninhaber, während die gegen ben Reisenden erkannte Strafe für angemessen erachtet wurde. Der Krauterwein, Denen Bestandteile nicht angegeben sind, ist ein Geheim: Uttel, das außer in Apotheken nicht verlaust wer­den bari. Tie Angeklagten sind nicht nur nach Dem Polizelstraf-

sprach im Namen bei Universität Marburg, Pros. Körte für Die philosophische Fakultät Gießen, Geheimrat Windel band im Namen der Heidelberger Eranos, Geheimrat v. D u h n für das archäologische Institut, und viele andere folgten. Auch Die philologischen Vereine, denen der Verewigte als Mttglicb oder Ehrenmirglieb nahe gestanden, legten Kränze nieder, unter ihnen der philologisch-historische Verein Gießen. Dann bewegte sich der unabsehbare Zug mit dein ganzen farbigen Schmuck studen- tifcher Repräsentativii zum Krematorium hinab, umgeben von dem vollen, üppigen Glanz eines Heidelberger Maieittages, dessen Zauber Dieterich in einem seiner anmutigsten Aufsätze lebendig geschildert hat.

Sietzener Lheaterverem.

Gesamtgastspiel des Großherzogi. Hoftheaters in D a r m st a d t.

Der Waffenschmied.

Nach längerer Pause hatten sich uns gestern die Tore unseres Musentempels wieder einmal geöffnet, damit wir Lortzings un­vergängliches Meisterwerk in ber glanzvollen Aufführung des Darmstädter Hoftheaters genießen könnten. Trotz Wagner, trotz Strauß, trotz allem Raffinement des heutigen musikalischen Ge- nießens sind uns die einfachen und doch so entzückenden Weisen Lortzings noch immer lieb und teuer. Lortzings Melodienfülle und Erfindungsgabe und vor allem sein herzer,rischender Humor erfreuen uns immer wieder, fo oft wir auch feine Opern hören. In der deutschen Musikgeschichte lesen wir freilich das Kapitel Lortzing nicht ohne einiges Unbehagen. Warum hat das deutsche Publikum diesem fröhlichen Gesellen voll urwüchsigen, echt deutschen Hu­mors, dem es so viel zu verdanken hatte, kein besseres, würdigeres Lebensschicksal bereitet ? Warum mußte es untätig zusehen, wie daS harte Leben auch ihn niederzwang, daß selbst ihm, dem alle­zeit Fröhlichen, schließlich der süße Quell der Töne und der Lebensfreude versiegte? Es ging mit Lortzing wie mit vielen unserer Besten, oder ist es nicht gar die Regel gewesen, daß das Volk der Dichter und Denker seine hervorragendsten Tonmeister zugrunde gehen ließ. Doch wozu solchen trüben Gedanken nach- hängen. Was frühere Generationen gesündigt, das haben ja spätere doch ivieder gut gemacht. Haben sie nicht alle, denen das Leben einst so schwer mitgespielt hatte, ihre Denkmäler bekommen? Werden sie nicht noch heute hoch verehrt und gepriesen und in dickleibigen, gelehrten Werken besprochen? Mozart und Beethoven. Lortzing und Wagner; die Reche läßt sich beliebig fort)eßen Nein, wir brauchen uns nicht über Undankbar kett des deutschen Volkes gegen seine besten Söhne zu beklagen. An der Gleich­gültigkeit des Publikums, am Unverstände der Massen, an der Schlechtigkeit der Menschen geht ja heute kein Genie mehr zugrunde.

Im Falle Lortzing zeigte es sich, wie so oft, daß berufsmäßige Kritik und Volksempfinden sich nickst zu decken brauchen. Für das Volksempfinden, für alle Diejenigen," die unvoreingenommen und mit offenen, empfänglichen Sinnen Lortzings leichtfaßliche Musil auf sich wirken ließen, war diese Musik ein Genuß. Wäh- xenb die zünftige Kritik vor lauter Bewunderung der. Ausländerei

gefctz, sondern aud) auf Grund der Kaiserlichen Verordnung über die Arzneimittel und wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung strafbar. Die hohe Strafe bezüglich des Firmeninhabers wurde damit begrünbet, daß es sich um ein Geheimmittel handelt, das nidjt ungefährlich ist und die Finna einen erheblichen Vorteil hat, da der Verkaufspreis im Verhältnis zu den Herstellungskosten viel zu hock; ist, die Mixtur übrigens auch die Wirkung nidjt haben kann, die ihr zugefprochen wird, sie im Gegenteil recht unan­genehme Folgen nad) sich ziehen kann, wie dies ein Magenleidender von Rödgen, wo an einem Tage 100 Flaschen abgesetzt wurden, erfahren mußte.

Börfen-Wochenbericht.

Frankfurt a. M., 8. Mai.

Tie Börse beobachtet zurzeit imeber große Zurückhaltung. Kurze Zeit schien es, als mollten die Vorgänge an der indisch- asghauifchen Grenze die Börse aufs Neue beunruhigen, London zeigte sich darüber recht verstimmt, die Verstimmung war aber nicht nachhalttg, denn die fpäcer eingegangenen Nachrichten ließen erkennen, daß man auf eine baldige Ueberwindung der Unruhen lüirb rechnen können. Dazu kam dann noch, daß sich die Aus- mertfamteit auf das Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef richtete, welches fick) zu einer großartigen Friedenskundgebung gestaltete und die Zuversicht zur politischen Lage stärkte. Jiisvlgedesscn tonnte man ote Politik bald ivieder von der Tages­ordnung absetzcn und fick) ausschließlich der wirtschaftlichen Lage und der Lage dcs Geldmarttes zuwenden. Was nun die Wirt­schaftslage betrifü, so präsentiert sie sich noch immer in einem wenig freundlichen Lichte. Die rückläufige Bewegung der Konjunktur fdjeint noch immer nicht ganz abgeschlossen zu sein, die Eisenpreise gehen noch zurück, Amerila tritt auf dem Welt­markt stärker in Konkurrenz, die Zunahme der Insolvenzen in den Vereinigten Staaren, die im Aprtt die stattliche Zahl von 1200 er­reichten 57 o,o mehr als im April 1907 gibt ein getreues Spiegelbild von der ungünstigen Geschäftslage, dennod) ist es aber gerade die New Yorker Börse, die fast andauernd feste Tendenz und Zuversicht bekundet. Es läßt )ich schwer sagen, wie wett dabei Machen iiyasten der Speililaiwn eine Rolle spielen, sicherlick) schien diese nicht ganz, aber wie oft hak es sich doch schon gezeigt, daß Die Börfen Den Verhältnissen vorauseilen. Selbst in Zeiten, in denen ein roiri)d)aftlid>er Niedergang noch nicht ganz abgesd>lossen ist, bilden sich an der Börse zuweilen schon wieber Ansätze für eine Befserung. Dies hangt ganz davon ab, welche Verheerungen vorher an Den Kursen angerichtet wurden. So idjeint man aud) jetzt darauf hinzu arbeiten, die später wieder zu erwartende Besserung im Wirtschastsleben in Den Kursen zum Ausdruck zu bringen; ob man dies mit längerem Erfolg wird durchfegen können, ooer ob die Kursbesserungen wieder verwischt werben, das läßt sich nicht sagen. Die LagedesGeldmarktes criorbert noch immer ein voriichtiges Vorgehen. An den deutschen Börien ist die Unternehmung sehr Zurückhaltend, auch die Er­klärung Der Regierung, Daß eine Trennung von Effekten- und Depositenbanken nickst beabsichtigt sei, bot nur einen ganz vorüber­gehenden Ansporn. Die großen Geldbedürfnisse, die das Reick) im Laufe der nächsten Jahre nod) zu befriedigen haben wird, wirken etwas vcrstimmelid. Größere Kursverschiebungen sind in­dessen au) keinem Gebiet des Esfekienmarttes vorgekommen. Fonds behaupteren so ziemlich das Niveau der vorigen Woche, auch Bankaktien weifen deine Verünberungen aus, Schiff- fahrtsakllen verloren einige Prozent durch Pasiagepreis-Er- mäßigungen und ungünstige Auswanderevziffern. Amerikanifche B ahne n zogen Dagegen etwas an, auch Westsizilianer gewannen 2i/2 Prozent auf Die Der Bahn günstige Entfcheiduilg Des Appell­hofes. M o n t a n p a pi e r e teilweise matter; etwa 15 Prozenc verloren Eschweiler Bergwerk auf ungünstigere Erträgnisse. Auch andere I n d u st r i e p a p ie r e sind vorwiegenD fchivächer, ins­besondere ckstmifdst Werke. Privatbiskonto 4Vi6 Prozent.

Lleriniscytes.

' S ch i s f s u n s ä 11 e. Ter englischc Tampse rMatia n a" von London nach Kalkutta unterwegs, ist in Portland eingebracht ivorden. Wie Der Kapitän nielöeie, isl DieMattana" m Der Donnerstags-Rackst bei Dichtem Nebel 20 Pleiten südlich von Port- lanD mit Dem deutschen DampferBrafiliana" zujammen- geftoßeu. Ter ,,'lUatiaua" wurde das Steuer gebrochen und andeie Beschädigungen ziigefügt. Der TampferBrasittana", von der Hambuig-Amerita-Lmw, traf später auch in Portland ein. Gr hat an Backbord Befchädigimgen erlitten. Ter vor einer Woche bei Island genranöeie deutsche Biermaster'Beter Rick- mers" ist zum gänzlichen Wrack geworden, doch gelang es, die Besatzung des Schiffes, die ui Lebensgefahr schwebte, zn ietten.

Eine M a s s e n - M ö r d e r i n. Es ist der ainerilamjchen Polizei noch nicht gelungen, der Frau G tt i n e ß, der jetzt wenig st e n s zwanzig 'JJI orde zur Last gelegt werden, hab­haft zn iverden. Niemanb glaubt mehr, daß sie bei dem Brande chreS üandhaufes selbst umgekommen sei. Alle Hafenplätze der Union werden übenvacht. Alan hat auf ihrem Grundstück bisher 13 Leichen gefnnden. Em Angestellter der Fran Guuietz, namens

an der einfachen, natürlichen Künst des deutfcheli Meisters mit Geringschätzung vorüberging, drangen die Melodien und Lieber Lortzings tief ins Volk ein und leben dort noch heute, lieber Lortzing hat denn auch die hohe Kritik ihre allein maßgebende Änfickst ändern müssen, und heute wird im Ernste wohl taum noll) einer, wie ehedem, die müßige Frage aufwerfen, ob Lortzing zu den Genies ersten oder zweiten Ranges zu zählen fei. Im L>erzen des deutschen Volkes wird Lortzing ivohl noch auf lange hinaus einen ersten Platz behaupten.

Von allen Lortzingschen Opern ist derWafsenschmied" wohl die populärfte, dank seinem Humor uni) seinen leicht singbaren Lieder. Wie fein großer Nachfolger Wagner hat auch Lortzing deii Text feiner Opern selbst gedichtet, und das hat diesen Öen Eharakter der so bewundernswerten Einheitlichkeit gegeben.

Die gestrige Ausführung desWaffenschmieds" war bis ins kleiiifte jorgjältig vorbereitet, und vor allem gebührt Herrn Oberregisseur V a l b__e tf Dank und Anerkennung für die hübschen szenischeri Bilder. So waren nameittlid) Stadingers Schmiede- werkstatt im ersten Akte und das letzte Bühnenbild des dritten Aktes Meisterwerke der Jnszenierungskunst. Es war eine natür­liche Ungezwungenheit in den NLasfenszenen, und es war Leben und Bewegung darin. Von außerordentlich schöner Wirkung wareii auch insbesondere ine Männerchöre. Das Orchester unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Kittel bot in der Ouvertüre viel Schönes und hielt sich auch im weiteren Verlause des Abends reckst wacker. Eine ganz ungetrübte Freude gewährten auch dieses Mal wiederum die Einzelstimmen. Viel neues zum Lobe von Frl. R o e b i g e r , die man leider zum letzten Male in diesem Ensemble hören durfte, läßt sich kaum noch sagen. Mit ihrer sympathischen, re.ichen und wohlklingenden Stimme und ihrem innigen Spiel hat sie sich schon in den früheren Gastspielen längft tief m die Gunst des Gießener Publikums hineingefungen und -gefpielt. Auch ihre gestrige Marie war wiederum eine bewundernswerte Leistung. Neben Frl. Roediger interessierte ferner Herr Schramm vom Frankfurter Opernhaufe in der Rolle Georg. Er war für den erkrankten Herrn Dr. Kuhn eingesprungen und erfreute durch seinen reinen, umfangreichen Tenor und sein lebhaftes, humorvolles Spiel. Die Bravour-Arie des ersten Aktes wurde von ihm prächtig wiedergegeben. Man üermißte ihn aber am Schluß des 3. Aktes und hätte dort doch gern diesem luftigen Knappen noch feinen Teil des wohlverdienten Beifalls gezollt. Schade, daß der Knappe Georg gerade dort schon sang- und ttauglos verschwunden war. Als Wafsenschmied erntete Herr Drapel mit seinemAuch ich mar ein Jüngling in lockigem Haar" den bei diesen! Liede nie versagenden rauschenöen Beifall. Den Grasen Liebenau sang Herr Weber, dessen prachtvoller Barttori namentlich im ersten Akte wunderbar zur Geltung kam. Eine Gestalt voll derber Komik war der Ritter Ädelhof des Herrn Riechmanii. Auch gesanglich erzielte er ausgezeichnete Wir­kungen. Großen Beifall fand ferner Frl. A. Müller als Jrmen- traut mit ihrer ArietteWelt du kannst mir nicht gefallen". Sie wurde ebeufo wie die übrigen Mttwirkenpen durch den 'Applaus des. Pudlikums Niederholt .hervorgerufen,.

Lamphere, toutöc verhaftet, von dein angenommen wird, daß er ihr bei den Mordtaten geholfen hat. Ferner wurde ein Fräulein Bessie Wallace verhaftet, die 20jährige Tochter eines Farmers, die Der Guineß behilflich gewesen sein soll, jüngere Männer unter dem Vorwande der H e i r a t s v c r m i t t e l n n g in ihr Haus zn locken Nach dem Zustande ber ansgefunDenen Leichen zu schließen, haben die Mordtalen im Jahre 1906 ihren Anfang genommen. Wahr­scheinlich betäubte Frau Guineß bie Männer, während sie sich mit ihnen in zärtliche Gespräche einließ, durch Chloroform und erschlug sie mit einem Beil. Im Keller wurde eine große Anzahl Taschen­uhren gefunden. Hierdurch würbe die Identifizierung einzelner Opfer der Mörderin ermöglicht. Diese isl jetzt 48 Jahre alt und stammt aus Dronlheim in Norwegen.

* Wie ein Reisender sein soll. Im »N. W. Tagdl/ findet sich das folgende, auffallenb gedruckte Inserat:Reisender, redegewandt, frech, arrogant und rücksichtslos, wird mit hohem Ein­kommen für danernben Jahresposteti für Wien, erste Firma, aus- genommen. Offerte mit Angabe von Sprachenkenntnissen unterVer­sorgt 2759' an Rudolf Blosse, Wien."

Marktes

Gießen, 9. Mai. Marktbericht. Auf heutigem Wocben- rnarkte kostete: Butter pr. Pfd. 1.201.25 Mk., Hühnereier 1 St. 67 Pfg., Käse pr. St. 68 Pf., Siäjematte 2 St. 56 Psg Erbsen p. Pfd. 1824 Pfg., Linsen p. Pfd. 2540 Psg., Taubei, pr. Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Alk., Gättse pr. Pfd. 0000, Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Alk., Ochsenfleisch pr. Pfd. 7684 Pfg., Kuh- und 'Rindfleisch pr. Pfund 7476 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 6076 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pjd. 80 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 7084 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6.007.00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,006,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkrant per Stück 000 Pfg., per Zentner 'Ulf. 0.000.00. Aepfel per Ztr. 1025 Mk., Birnen per Ztr. 1025 Alk. Nüsse 100 Stück 4000 Big., per Ztr. 000 Alk. Marktzett von 71 Uhr.

Auszug a. c. Stanöesamtsregiftern der Stadt Sietzen.

Uufgebore.

3)lai. 2. Dr. Wilhelm Karl Otto Gundel, Oberlehrer dahier, mit Johanna Sophie Zimmermann in Mainz. 4. Hugo Rausch, Kaufmann in Lollar, mit Elisabeiha Karolina Hahn dahier. 4. Jean 'JJtiiller, Kaufmann m Bad Nanheim, mit Marie Lotz dahier. 4. Johannes Volkert, Schuhmacher, mit Agnes Bali, geb. Seocsik, beide dahier. 5. Gustav Biirkhardt, Schlosser, mit Margarete Jörg, beide dahier. 5. Richard Rosenthal, Kausmann in Butzbach, nül Paula Katz dahier. 7. Karl Kirchner, Küfer, mit Elisabetha Wagner, beide dahier.

Eheschliehungen.

Mat. 2. Ludwig Wagner, Wettzbinber, mit Katharine Muller, beide dahier. 4. Ferdinand Schäfer, Großh. Regierungsasfessor in Erbach i. O., mit Irmgard Buberus bahier. 6. Wilhelm Frey, Großh. Regierungsvamneisier in Bübingen, mit Selma Heyer bahier.

Geborene.

2lpril. 28. Dem Taglöhner Heinrich Wilhelm Frank ein Sohn, Wilhelm Heinrich. 29. Dem Telegraphen Assistenten Johannes Heuser ni Frankfurt a. M. ein Sohn, Hans Joachim^Gottirieb Kurt 'Michael. 29. Tein Schneider Wilhelm Rieß ein Sohn, Wilhelm. 30. Tem Ausläufer Heinrich Pitz em Sohn, Willy. 30. Dem Schuh­macher Heiiinch Prescher eine Tochter,'Anna Auguste. Aiai. 1. Tem Eisenbahii-Werkstättearbeiter Franz penn em Sohn. 3. Tem Tag- löhner Johamtes Appel III. eine Tochter, Emma Gertrude. 3. Dem Schuhmacher Anton Lehr em Sohn. 5. Tein Herbergsverwalter Johannes Loh em Sohn, Karl Heinrich. 7. Tem Wagenmeister- biätar Ludwig Becker em Sohn, Wilhelm.

Gestorbene.

April. 30. Friedrich Schäler, Sinbent der Mathematir, 18 Fahre alt, Löberstraße 19. 'Mai. 2. Wilhelmine Georgi, geb. Leun, 77 Jahre alt, Walltorstraße 73. 2. Emil Eduard Schell, 5 Monate alt, Seltersweg 11. 2. Georg Becker, Arbeiter, 48 Jahre alt,

Tammsttaße 4. 4. Marie Tiehl, geborene Mootz, o7 Jahre alt, Schiffenberger Weg 62. 4. Johanu Heinrich Carlö, Tachdecker- meifter und Bailimternehmer, 47 Jahre ait, Frankfurter Straße 99. 5. Erich Stühler, 8 Blonate alt, Seltersweg 60.

Die nach- A ».»1 a sind Sonntag den 10. Mai nur stehenden Ja v a ul v von 12 Lhr uniiags bis 12 Lhr nachts für dringende Fäll sicher anzutretten. [D9/*

Dr. <jieyer, Selterseg 64. Dr. Meyerhoff, Süd-Anlage 7. - _______________Dr. Schäffer, Bergstrasse v. ,

A«-ikanapotheke.

Giessen, den 9. Mai 1908. B18A

Grossh. Polizciamt. Reinhart.

Teieionäsclhe

des Giessener Anzeigers, imtgt und Indusli

Frankiurter itöl

3/4°/0 Reichsanleihe . . 90.90

3% do. . . 81.35

3>3 °/0 Konsols .... 90.80

3% do 81.40

o>5°/0 Hessen 90.60

3 XA °/0 Oberbesseu . . . 91.50

4% Uesterr. Goldrente. 98 60

41/»o Uesterr. Silberreute 99.20

4y0 Ungar. Goldrente . . 93.25

4% Italien. Reute . . ..

3>6 Portugiesen Serie I 60.80

356 Portugiesen III 6210

4/4°/0 iuss.Staatsaul. 1905 94.70

4>$ % japau. Staatsanleihe 86.70

456 Conv. Türken von 1*JU3 95.00

Türkenlose 149.90

4% Griech. Monopol-Aul. . 49.40

4% äussere Argentinier . 84.70

3°/0 Mexikaner . . . 65.50

4>sL/0 Chinesen .... 95.50

Aktien:

Bochum Guss 216.80

Buderus E. W 111.90

Tenden?.; fest.

Berliner Börse, (

Cauada E. B. . ... 154.90

Darmstädter Bank . . .. -

Deutsche Bank .... 231.20

Dortmunder-Union C. . . 61.00

Dresdner Bank . . . 138.00

Tendenz: fest.

KuB*sbericnte

;eüt von der Bank Illi Handel ie, Giessen.

se, 9. Mai, 1.15 Uhr.

Elektnz. Lahmeyer . . 121.50 Elektnz. Schuckert . . . 109.50 Eschweiler Bergwerk . 204.70 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.20 Hamburg - Amerik. PaketL 108.50 Harpener Bergwerk. . 198 50 Laurahütte 208.50 >ordd. Lloyd .... 94.20 Ubeischles. Eisen-Industrie 99.70 Berliner Handelsges. . . 161.6C Darmstädter Bank . . . 124.10 Deutsche Bank .... 231.20 Deutsch-Asiat Bank . . 135.60 Diskouto-Kommandit . . 174.25 Dresdner Bank .... 137.90 Kreditaktieu 197.30 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn 87.10 Gotthardbahn 176.2» Lombard. Eisenbahn . . 2310 Uesterr. Staatsoahu . . . 149.30 Pnnce-Heun-Eiseubahn .

i, Mai. Anlangskurse.

Harpener Bergwerk. . .

Laurahütte .

uombarden E. ß. ... 23.30

Xordd. Lloyd l'ürkeiüose

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