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7.5.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 107

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Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 7. Mai 1908

Gießener Anzeige«

General-Anzeiger für Oberheffen

RotaLlonrdrnä' und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Lxpediiion und Druckerei: Lchnlstratze 7.

Dezn gSpreiS: monatlich75Pf., viert el- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- »l. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zetlenpreis: lokck.!5Ps., auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Andersoi«; f. Fellille- ton und »Vermischtes* P. Witiko; für »Stadt u. Land* undGerichts- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die Huldigung der deutschen vunderfürsten in Schönbrunn.

Seit den Tagen des Wiener Kongreffes hat die Haupt­stadt an der Donau kein so glänzendes Schauspiel gesehen, wie am heutigen 7. Mai. Unter Führung Kaiser Wilhelms bringen an diesem Tage 14 deutsche Bundesfürsten dem greisen Kaiser Franz Joseph in dem benachbarten Schönbrunn ihre Huldigung dar und eröffnen damit die Festlichkeiten seines icchzigjährigen Rcgierungsjubiläums höchst eindrucksvoll.

Unwillkürlich schweift an diesem Tage der Blick zurück in die längst vergangenen Zeiten, da der Kaiser von Oester­reich noch Haupt des »Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation* und Träger der Kaiserkrone Karls des Großen iunr, zurück auf die Ereignisse des Jahres 1806 die ihm diese Krone raubten, und auf die Zeiten vor 1866, da Oesterreich noch Präsidialmacht des deutschen Bundes war und sein Kaiser seinen Fürsten präsidierte. Wehmütig wird auch der greise Kaiser Franz Joseph jener Tage dec Macht und des Glanzes gedenken, wenn er sich heute von deutschen Reichs­fürsten huldigend umgeben sieht, und ganz besonders mag er sich jenes bedeutsamen Fürstertages vom August 1863 erinnern, ido er persönlich noch einmal als Träger der Bundesgewalt olle deutschen Fürsten, mit Ausnahme des Königs von Preußen, in Frankfurt um sich versammelt sah. Aber neben der Wch- mit wird ein Gefühl stolzer Freude die Brust des greisen Monarchen durchziehen. Freude und Genugtuung darüber, daß er seinem geliebten Oesteereich soviel hat sein, ihm neue politische Bahnen hat erschließen können, Freude auch darüber, daß trotz aller staatsrechtlichen Trennung doch ein unerschütter­liches BundesverhältniS zwischen Oesterreich und den deutschen Bundesstaaten besteht, und Freude über die ihm entgegen- gebrachte herzliche Sympathie, die in dieser Huldigungsfahrt der deutschen Bundcsfürsten zum Ausdruck kommt.

Denn daran kann fein Zweifel sein, in erster Linie gilt diese Huldigimg nicht dem Kaiser, sondern dem Menschen Franz Joseph, dessen liebenswerte Charaktereigenschaften von Freund und Feind in gleicher Weise anerkannt werben, dessen seltene politische Einsicht und Großmut aller Welt Bewunderung abnötigen muß. Wohl mancher Herrscher hätte sich an seiner Stelle durch die für Oesterreich so schmerzlichen historischen Ereignisse der Vergangenheit verbittern und Deutschland ent­fremden lassen. Wie iveit entfernt Kaiser Franz Joseph bauen N'ar, zeigt schon jene Note, mit der Graf Beust im Jahre 1871 im Namen des Kaisers die Ausriisung König Wilhelms ginn deutschen Kaiser beantwortete. Es heißt darin, daß Kaiser Franz Joseph »den Tag von Versailles nicht anders vuffassen würde, als mit den wärmsten Sympathien für die fernere Entwickelung des deutschen Volkes und mit dem rück- haltlosen Wuiische für eine segensreiche Zuklinft auch in den teilen Formen seines staatlichen Daseins", und weiterhin auf SaS Wünschenswerte guter Beziehungen zwischen dem neuen Deutschland und dem alten Oesterreich hingewiescn und so icewissermaßen das Bündnis zwischen ihnen schon damals vorbereitet. Welche Vernehmheit der Gesinnnung spricht sich tierin aus! Und wenn die deutschen Fürsten jetzt Kaiser Kranz Joseph ihre Verehrung bezeugen, so i|t das gleichsam wie ein persönlicher Nachhall aus jenen Zeiten, da Oesterreich tem deutschen Volke mehr war, als ein bloßer Verbündeter.

Oesterreich-Ungarn geht nun seine eigenen Wege. Ohne einige fällt auf die jetzigen Festtage in Wien dadurch ein Schatten, daß die Frage der Offiziersgagen mit Ungarn rimner noch nicht gelöst ist, daß der Sprachenstreit in Böhmen drohender als je sein Haupt erhebt und auch in Bosnien und der Herzegoivina sich nationale Selbständigkeitsgelüste an die Oberfläche drängen, Schwierigkeiten, die sich _ wohl Pa um durch eine Ministerkrise lösen lassen. Aber auf dem Gebiet der äußeren Politik bietet sem enges Bundesverhältnis 511 Deutschland, daß sich in Algeciras und erst kürzlich wieder bi dec Sandschakbahnfrage so glänzend bewährt hat, umso Erfreulicheres. Ist es doch, als sei die äußere Politik beider Kaiserstaaten in letzter Zeit fast eine gemeinsame geworden. Ziese Allianz ivill dann die Anwesenheit deutscher Fürsten in Schönbrunn ebenfalls zum prägnantesten Ausdruck bringen, indem sie Kaiser Franz Joseph als ihrem Förderer und Ec- hiilter huldigen. Wie hat sich dieser zu allen Zeiten einer Elchen Ovation würdig gezeigt! Mit echt deutscher Ge- iinnung lehnte er es ab, gegen den Norddeutschen Bund zil I'impfen, und sich etwa für die Verluste von 1866 zu ent- ichädigen, als Frankreich ihm 1870 ein Bündnis anbot, und fortgesetzt ist er für die Einheit dec österreichisch - ungarischen 94rmee und ihre Vervollkommnung nach jeder Richtung hin k ngetreten, um dein Bündnis mit Deutschland auch jenen ltiilitärischen Inhalt zu geben, dessen es in heutiger Zeltlage l»-darf, soll es zum Hort de§ Völkerfriedens iverden.

So gewinnt die HuldigungSfahrt der deutschen Fürsten K-iirch historische und politische Schlaglichter erst die rechte Beleuchtung. Sie ist weit mehr als eine fürstliche Gra.u- letionscour, sie ist der Beweis deffen, daß alles Vergangene wegeben, vergessen und ausgeglichen, und daß die Jnteressen- g.!meinschaft Oesterreichs und Deutschlands nicht nur den Fürsten, sondern auch den Völkern Herzensbedürfnis Ui, denn i® ihren Fürsten huldigt die deutsche Nation dem greisen I Monarchen. Seine Patriaichengestalt i|t -ms eine Ver­körperung dec alten und neuen Ze-t zugleich. Em Nestor t-ir Fürsten steht er da, aber nicht als laudator temporis

acti, sondern als der Bahnbrecher des neuen Oesterreich, mit dem wir in der Fürstenzusammenkunft unser gemeinsames Deutschtum feiern.

*

Wien, 6. Mai. DieWiener Oenbpoft" schreibt: Reichen Festschmuck legte heute unsere Stadt an. Gllt es doch, den erlauchten Gästen, die sich hier zu hehrem Feste versammeln, einen herzlichen Glückwunsch und Willkommen zu entbieten. Mit dem deutschen Kaiser und König von Preußen vereinigen sich hier die Herrscher Sachsens und Württembergs, sowie der Mgent von Bayern, die Fürsten vom Rhein, vom Thüringer Walde, vom Strande der 9torb» und Ostsee und die Vertreter der meer- beherrschenden reichen Hansestädte, mit dem Kaiser anläßlich der nahenden Vollendung seines 60. Negierungsjahres ihre und des deutschen Nachbarreiches verehrungsvolle Glückwünsche darzu- bringen. Ungewöhnlich, wie das Fest, zu dem die Oesterreicher rüsten, ist die Huldigung, die morgen dem geliebten Kaiser und .Herrn im Schloß zu Schönbrunn zuteil werden wird. Deutschlands Fürsten und Stämme bekunden durch sie vor allem die Gefühle, der herzlichen Sympathie und Verehrung vor dem erlauchten Jubilar, der seit zwei Menschenaltern die habsburgischen Lande mit weiser Hand geleitet und auf die heutige Höhe ihrer Ent­wicklung geführt hat. Nicht minder kommt in dieser erhebenden Kundgebung der warme, aufrichtige Dank zum Ausdruck, den die deutschen Fürsten und Regierungen dem bewährten Ver­bündeten zollen, der sich jederzeit als hochherziger Freund des neuerstandenen Reiches erwiesen und dessen großen Begründer wie seinem Nachsolger an der Krolre unverbrüchlich die Bundes­treue gehalten hat. Freudig heißt die alte Kaiserstadt als ge­treuer Dolmetsch aller Bewohner dieses weiten Reiches die deut­schen Bundesfürsten und die Vertreter der freien Städte willkommen und ehrerbietig begrüßt sie die erhabene Frau aus dem Hause der Hohenzollern, deren Gegenwart dem festlichen Tage eine erhöhte Weihe gibt. Um so Heller wird der Jubel ertönen, um so herzlicher der Empfang sich gestalten. Wollen die Wiener damit doch den erlauchten Gästen zugleich danken für die hoch- sinnige Huldigung, die dem gilt, der ihnen am nächsten steht, ihrem hochgeliebten Kaiser und Herrn.

Wien, 6. Mai. Prinzregent Luitpold von Bayern ist heute früh hier eingetroffen und hat im Palais Modena Wohnung genommen. Er empfing dort um 12 Uhr mittags den Besuch Kaiser Franz Josess. Es war dies die erste Ausfahrt des greisen Monarchen feit mehreren Wochen. Im Lause des Vormittags traf auch der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön und der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin v. Szögyeny- Marich hier ein.

Wien, 7. Mai. Bei der gestrigen Fahrt Kaiser Franz Josefs nach Palais Modena, wo der Rrinzregent von Bayern c-ohnt, konnten sich die Wiener überzeugen, daß die günstigen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Kaisers vollauf begründet sind. Der Kaiser blieb 15 Minuten und fuhr dann nach Schönbrunn zurück. Staatssekretär v. Schön erschien gestern nachmittag im Auswärtigen Amt und hatte eine längere Unterredung mit dem Minister des Aeußern, Baron Aehrenthal. Bis jeyt sind an Fürstlichkeiten in Wien angekommen außer dem Groß Herzog von Oldenburg und dem Prinz- regenten von Bayern: Fürst Georg von Schaumburg- Lippe, der König von Württemberg, der Groß­herzog von Baden, Fürst Leopold IV. zur Lippe, der Groß Herzog von Mecklenburg-S ch iv er in, Her - sog Friedrich von Anwalt, der Groß Herzog von Sachsen-Weimar und der Bürgermeister von Hamburg. Alle wurden mit Ehrenkompagnien von Erzherzögen empfangen und fuhren in strömendem Regen zur Burg. Infolge des seit 1/24 Uhr gestern nachmittag andauernden furchtbaren Gewitters sind die Dekorationen in den Straßen zum Tell ganz ver­waschen.

Der Herzog von Cumberland hat mit seiner Famllie vorgestern Wien verlassen und ist nach Italien abgereist und zwar deshalb, weil das Palais des Herzogs in einer jener Straßen liegt, die Kaiser Wilhelm auf der Fahrt zum Schönbrunner Schloß passieren muß.

P 0 l a, 6. Mai. An Bord derHohenzollern" ist der Kaiser heute früh 8.30 Uhr unter dem Salut der Schiffe und der Forts hier eingetroffen. Alsbald, nachdem dieHohen­zollern" festgemacht hatte, begab sich der österreichisch-ungarische Marinekommandant Graf Montecucculi sowie andere Würden­träger an Bord. Graf Montecucculi überreichte dem Kaiser ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef. Kaiser Wilhelm sandte bald darauf ein Danktelegramm nach Schönbrunn. Um 12 Uhr mittags machte der Kaiser dem Grafen Montecucculi einen Gegenbesuch an Bord derLacroma". Um ein Uhr fand auf derHohenzollern" große Frühstückstascl statt.

Pola, 6. 9Jlai. Tem deutschen Kaffer unb der Kaiserin wurden vor der Abfahrt einige Damen, darunter die Prinzessin Lichtenstein, vorgestellt. Die Damen und das Töchterchen des Bürgermeisters Stanich überreichten der deuffchcn Kaiserin Blumen bu kette, die diese dankend entgegemrahm. Kaiser Wilhelm richtete an mehrere Persönlichkeiten Ansprachen, darunter an den Landeshauptmann Ricci und den Bürgermeister Stanich, die gleichfalls dem Kaiser vorgestellt worden waren. Nach Ver­abschiedung von den vorgestellten Persönlichkeiten schritt Kaiser Wilhelm die Front der Ehrenkompagnie sowie die Reihen der Offiziere und Beamten ab und dantte wiederholt mit militärischem Gruß. Dann verabschiedete sich Kaiser Wilhelm in huldvoller Weise vom Marinekommandanten Graf Montecucculi, vom Statt­halter Prinzen zu Hohenlohe, vom Korpskommandanten Feldmar- schalleutnant Potiorek, vom Hafenkommandanten Ziegler, sowie von dem deuffchen Generalkonsul in Triest. Nachdem die kaiserliche Familie und das Gefolge den Hossonderzug bestiegen hatten, setzte sich der Zug um 4^4 Uhr in Bewegung. Der Kaiser dankte, am Fenster stehend, wiederholt salutierend, für die ihm dar­gebrachten Ovationen.

Aus und Cöttö.

Gießen, 7. Mai 1908.

Vom städtischen Voranschlag.

IV.

Die städtische Armenpflege, für die ein besonderer Voranschlag besteht, erfordert einen Zuschuß von 45 000 Mk. gegen 44 200 Mk. Die Versicherung der Arbeiter bat bei 91u0 (7900) Mk. Einnahmen aus den Beiträgen der Arbeiter 15 900 (13 150) Mk. Ausgaben.

In der Position Zwecke desKreises und derPro- vinz werden stall der vorjährigen 135 000 Mk. nunmehr 138 000 Mk. angefordert.

Erheblich gestiegen sind die Polizeiausgaben, hauptsächlich durch die Bejoldungsregulierung. Statt 76 672 All. werden 184 470 Mk. vorgesehen. Unter den Ausgaben erscheinen u. a. auch

400 Mk. für Anschaffung einer Schreibmaschine und 300 Mk. für Einrichtung der Gasbeleuchtung im Polizeigefängnis. Die Ein­nahmen aus der Position vermindern sich von 10 979,10 Alk. auf 10 484,70 Aik. Es sind u. a. aus Polizei- und Fetdstrasen 1000 J.if. weniger vorgesehen, nämlich 4500 Mk., während der staatliche Zu­schuß' von 5714,10 Mk. auf 6188,70 Mk. steigt.

Die a l l g e >n e i n e Verwaltung verzeichnet bei 17 392 (12 640) Akk. Einnahmen 167 288 (148 148,50) Mk. Ausgaben. Der Mehraufwand erklärt sich in der Hauptsache aus den Gehalis- aufbesterungen. Auch die Rubrik R u h e g e h a l t e, Witwen- und Waifengeld iveist eine steigende Tendenz auf: 19 829,10 gegen 15 167,70 Mk.

Für Schuldentilgung sind 280 245 Mk. vorgesehen gegen 238 245 Wik. iin Vorjahr. Die Einnahmen steigen von 163 430,31 Wik. Es tragen dazu bei der Stadlerweiterungsfonds 30 000 (30 000) Wik., das Elektrizitätswerk 43 410 (39180) Mk., das Gaswerk 25 000 (30 000) Mk., das Wasserwerk 56 506 (38 200) Mk., das Schlacht­haus 12127,97 (12 510) Mk., der Friedhof 5540 (5540) Wik., die Kanalisation 34133 Mk. Außerdem werden 8000 Mk. Straßen­kostenbeiträge dazu verwendet.

Für K a 0 i l a l z i n s e n sind 595 299,45 (563 059,71) Mk. auf­zuwenden, während die Rubrik 375 205,79 (250 263,30) Wtk. Ein- nnahmen zu verzeichnen hat. Die Wtehrcinnahnie erklärt sich in der Hauptsache aus den von der Kanalisation amzubringenden 127 500 Mk. Zinsen.

Das Oklroi ist mit 123 380 Mk. Einnahmen (wie im Vor­jahr) vorgesehen, während die Ausgaben rund 1300 Mk. weniger wie früher betragen. Es ist dies darauf zurückzuführen, daß im vorigen Jahr für den Verputz der Oklroihanser am Neuenweger Tor und am Neustädler Tor rund 1150 Mk. vorgesehen waren.

Die Hundesteuer soll 8430 Wik. einbringen, 460 Wik. mehr wie im Vorjahr.

r Die Einnahmen aus der B e s i tz w e ch s e l a b g a b e werden mit 25 000 Mk. wie im vergangenen Jahr eingesteltl, während der erstmalig eingestellte Ertrag der W e r l z u w a ch s sl e u e r, die erst nach und nach in die Erscheinung treten wird, für dieses Jahr auf nur 100 Wit. bemessen wurde.

Sandgrube, S t e i n b r u ch und Steinbrecher hat 56 000 Mark Einnahmen und 48 300 Mk. Ausgaben zu verzeichnen, 5000 bezw. 4000 Wik. mehr als im Vorjahr.

Bei den Ausgaben für die Landes-Universität er­scheint zum ersten mal das Jubiläums-Stipendium mit 700 Mk. m Ausgabe.

Die Gemeindesteuern sind bei Belassung des seitherigen Satzes von 120 Proz. auf 1 040 213,92 Wik. bemessen. Tie für die Gemeindesteuer in Betracht kommende staatliche Einkommensteuer beträgt 454 656 Wik., die Summe der dopvelten Grundzahlen aus 633 630 Wik. Grundsteuerkapital, 396 806 Wik. Gewccbesteueriai. mal und 232 416 Mk. Kapital'.entensteuerkapüal. An Ausgaben sind 99 680 Mk. (43 680) Mk. vorgesehen. Es erscheinen darunter crst- niatig 50 000 Wik. Zuschuß zu den Kosten des Betriebs der Kanalisation; die übrigen Betrage betreffen die infolge Reklamation zu erlassende und ntederzuschlagende Steuern, Registerkosten usw.

*

" Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarroerwaltec Ernst B e ck e c zu Fürth die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen.

* Die israeliiischen Re ligi 0 nsgeine^in den des Kreises Gießen erheben, dec Höhe des prozentualen Auf­schlages auf die doppelten Grundpachten und die ganzen Emkommensteuerbeträge nach geordnet, im Rechnungsjahr 1908 folgende Umlagen zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse: Leihgestern 190 Mk. 120,387 Proz.; Großen - Bufeck 850 Mk. 100,248 Proz.; Watzenborn - Steinberg mit Garbenteich 145 Mk. = 77,292 Mk.; Londorf mit Kessel­bach, Rüddingshausen und Gellshausen 1700 Mk. 73,606 Proz.; Obbornhofen mit Bellersheini und Wohnbach 526 Mk. = 63,642 Proz.; Lang - Göns 40 Wik. = 62,893 Proz.; Allendorf a. d. Limda 600 Mk. 53,807 Proz.; Hungen mit Inheiden und Utphe 1700 Mk. 49,869 Proz.; Holz­heim mit Grüningen 300 Mk. 42,481 Proz.; Beuern 248 Mk. 38,811 Pcoz.; Langsdorf mit Birklar 500 Mk. 38,423 Proz.; Großen-Linden 92 Wik. 38,221 Proz.; Steinbach 70 Mk. 35,659 Proz.; Alten-Buseck 134 Mk. = 34,491 Proz.; Lollar mit Ruttershausen, Mainzlar und Daubringen 150 Mk. 30,407 Proz.; Reiskirchen 100 Mk. = 24,636 Mk.; Gießen 15 000 Mk. = 22,384 Proz.; Treis a. d. Lumda 227 Mk. 21,803 Proz.; Wieseck 167 Mk. =- 14,126 Proz.; Lich 247 Mk. = 14,036 Proz.

Eine allgemeine Viehhändler-Versamm­lung, die sich mit wichtigen Fachinteressen beschäftigen wird, ist vom Vorsitzenden des oberhessischen Viehhändleroereins auf nächsten Montag abends 7 Uhr einberufen worden. Die Versammlung lagt hier im Restaurant jur alten Post".

Annerod, 5. Mai. Am Sonntag früh hatte unser schöner Ort einen starken Besuch von Touristen, indem der Frankfurter Taunusklub mit ca. 190 Personen einen Ausflug hierher und weiter nach dem Schiffenberg und Kloster Arnsburg elc. machte. Nachdem die Ausflügler in der Krone ihr Frühstück eingenommen hatten, marschierten sie um IO1/* Uhr, gestärkt mit Rippchen und Kraut und dein Nalional- GetränkEppelwei", vergnügt ihrem Ziele zu.

- b- Nauheim, 5. Mai. Die 7. Hauptversammlung der Freien Vereinigung deutscher Nahrungsmittel- Chemiker finbet hier am 29. und 30. Mai statt. Der hiesige Ortsausschuß setzt sich zusammen aus folgenden Herren: Apotheker Böhler, Geh. Baurat und Badedirektor Dr. Eser, Dc. T. Günther-Gießen, Dr. Graf, Bürgermeister Dr. Kayser, Kreisarzt Dr. Nebel-Friedberg, Kurdireltor Jrhr. v. Starck, Dr. Steinberg, Apotheker C. Werner, Apotheker Dr. K. Werner unb Rektor Prof. Dr. Zimmer.

+ Ilbeshausen, 6. Mai. Die Vorbereitungen zu beni am 14. Juni er. hier stattsindenben Sänge rse st e sind in vollem Gange. Nahezu 40 Vereine haben ihr Erscheinen zugesagt, darunter viele aus der südlichen Wetterau. Der seit September 1901 an hiesiger Schule tätige Lehrer Schaab wurde auf Wunsch nach Södel versetzt. Ntan sieht den all­seits beliebten Lehrer sehr ungern von hier scheiden.