Ausgabe 
6.7.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 156

Zweites Blatt

158. Jahrgang

Erscheint tüglich mtt Ausnahme des Sonntag».

DieGießener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger^ Biennal wöchentlich beigelegt, das Krclsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Montag 6. Juli 1908

Rotationsdruck und Verlag der Drühpschsn Unwersitäts - Buch» und Sreindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul» straße 7. Expeditton und Verlag: e=® 5L Redaktion: Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Offi-ielle Nachrichten über die Revolution in Para­guay fehlen noch immer. Die Verkehrsverbindungen sind nach ivie trpt unterbrochen. Von Argentinien wurde ein Schiff nad) Asuncwn gesandt, um sich mit der argentinischen Gesandtscl>aft in Verbindung zu sehen.

Eisenbahn-Zeitung.

Karlsruhe, 5. Juli. Die badische Negierung wird auf der Wiesentalbahn einen ersten größeren Versuch zur Einführung des elektrischen Betriebes machen, an den der Kommissionsbericht der zweiten Kammer über das Eisen­bahnbudget die Erwartung knüpft, daß im Bewährungsfalle auf eine weitere Ausdehnung in großem Umfange bald mit Bestimmtheit zu rechnen sein würde.

Neues aus Marokko.

AuS Casablanca und Tanger wird gemeldet, daß der dem General d' Am ade erteilte Verweis unter der dortigen französischen Kolonie einen betrübenden und entmutigenden Eindruck hervorgerufen und dem fran­zösischen Ansehen sehr geschadet habe. DerTemps" meldet aus Casablanca vom Samstag, daß der Vorstoß gegen Azemur vom Admiral Philibert gemeinsam mit dem General d'Amade vorbereitet worden war, weil er für die allgemeine Pazifizierung des Schauja-Gcbietcs als notwendig erachtet worden sei. Nunmehr werde General d'Amade getadelt, weil er die empfangenen Weisungen befolgt habe. Man halte dorlselbst die Entscheidung der französischen Negierung für gefährlicher als sogar eine wirkliche Schlappe der fran­zösischen Truppen.

Mulay Hafid besichtigte in Fez in Begleitung deS Algeriers den Amar, eines alten ägyptischen Offiziers, die Truppen. In seinem Schreiben, das in der Moschee ver­lesen wurde, befiehlt Mulay Hasid der Bevölkerung, die Juden und die europäischen Kaufleute, die nicht zögerten, sich auf seine Seite zu stellen, gut zu behandeln.

Li» Zest der Arbeit.

Gießen, 6. Juli.

Das 25jährige Bestehen der Zigarre nfabrik C. Kli n g spo r, von dem wir am Jahrestag der Geschäfts­gründung Mitteilung machten, veranlaßte die beiden In­haber der Firma zur Veranstaltung einer Jubiläumsfeier, die am Samstag abend int Hotel Prinz Karl stattfand.

Etwa 70 Gäste waren der Einladung gefolgt, die Fa­milienangehörigen, Gcheimerat Proviuzialdirektor Dr. Brei- dert, Kommerzienrat Heichelheim und Syndikus Tr. Zeidler als Vertreter der Handelskammer, Syndikus Dr. Schloß­macher von Offenbach als Vertreter des deutschen Tabak­vereins, Geschäftsfreunde, die Beamten der Firma und die Veteranen der Arbeit, die 25 und mehr Jahre der Firma angehörten. Es war eine stimmungsvolle Familienfeier, die in ihrem Grundton ein herrliches Dreigestirit erkennen ließ: Liebe und Verehrung für den Gründer der Firma, treue Anhänglichkeit aller Angestellten und Arbeiter zum Hause Klingspor und ebenso treue Fürsorge der Inhaber der Firma für ihre Mitarbeiter. Ten Ehrenplatz des festlich dekorierten Saales nahm das Bild des verstorbenen Senior­chefs Karl Klingspor ein.

Herr A d o l f K l i n g s p o r eröffnete die Feier mit einem herzlichen Willkommengruß an die Anwesenden, um sodann des verstorbenen Vaters zu gedenken; ihm, dem Schöpfer und Führer des Hauses, sprach er herzinnigen Tank aus für das, was er allen gewesen ist, sein mj.b bleiben wird. Dann gedachte er der beiden Fürsten, bereit schützender und schirmender Hand auch das Gebe.heu der Firma Klingspor mit zu verdanken sei, des Kaisers und des Großherzogs. In das auf beide Fürsten ausgebrachte Hoch wurde begeistert ein» gestimmt. ____________________________

stramm den Kampf gegen das musikalische Pfuschertum. Aber zertretet der Schlange den Kopf; d. h. helft das Volk belehren, daß die Musik geachtet werden will, soll sie er­heben und nicht erniedrigen. Kämpft gegen die musikalische Anstandslosigkeit und wie soll ich sagen gegen die Handelsmänner mit klingender Ware.

D i e F r a n k f u r l e r O p e r, die den Fehler macht, während des Turnfestes ihre Pforten zu schließen, übergibt der Oeffenllichreit eine Aufstellung über die Spielsaison von August 1907 bis Juli 1908. Die Frankfurter Oper, die früher an der Spitze der deutschen Opernbühnen marschierte, hat in dem Spieljahr eine einzige Uraufführung herausgebracht, sie lebte in der Hauptsache von Wagner und das ist bezeichnend derLustigen Witwe" und demWal- zerträum". Leidige Personalfragen, an denen der In­tendant nicht ganz unbeteiligt ist, stehen einem erfolgreichen Vorwärtsstreben hindernd im Wege, die Stadtverordneten werden wohl oder übel bei der nächsten Theaterdebatte mit der Opernintendanz ein ernstes Wörtlein zu reden haben, denn die Oper verschlingt einen jährlichen städtischen Zuschuß von annähernd 3 0 0 0 0 0 M k., da könnte wahrlich mehr wie eine Urausführung geleistet werden! com.

Das dritte Ka i > e r w e t t s i n g e n findet im Juni n. I. in Frankfurt statt. Dieser kaiserliche Ent­schluß bringt für die 5000 Frankfurter Sänger den peinlichen Beigeschmack, daß die Gesangvereine der Feststadt sich an dem Wettstreite nicht beteiligen sollen. Ta anscheinend die kaiserlichen Männergesangsfeste dauernd in der Mainmetro­pole abgehalten werden sollen, so werden die Frankfurter Sänger wohl dahin wirken müssen, daß diese Klausel in Wegfall kommt. com.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der czechische La n dscha ftsm a l er N o vo Pa z ky ist, 87 Jahre alt, gestorben. Ter norwegische ilwiiran-Schriftstcller Jonas Sic, dessen Werke auch in Deutschland viel gelesen werden, ist nach langer Krankheit int Alter von 64 Jahren gestorben. Das schwedische Ministerium des Aeußern setzte sich vor mehreren Wochen mit den englischen und indischen Behörden in Verbindung, um Nachforschungen über das Schicksal des Forschungsreisenden Sv e n Heb in ins Werk zu setzen. Hcdins Familie sandte am 5. Juni einen Bries an den Privatsekretär des Bizekönigs von Indien, Dunlop Smith, mit der Anfrage, was die Behörden über das Schicksal Sven Hedins wüßten. Ebenso ist an den früheren Diener Hedins in Indien, der an der Ausrüstung der letzten Expedition teilgenommen hat, ein Brief gesandt worden.

AusLand.

Gerüchte von dem bevorstcheuden Rücktritt des Grasen MontS, des deutschen Botschafters am italienischen Hofe, ohben einem Teil der italienischen Presse Stoff zu allerlei Kom­mentaren gegeben, die sich weit vom Gebiet des Tatsächlichen entfernen. Minister Tittoni hat sich veranlaßt gesehen, hierzu Stellung zu nehmen und festyustellen, daß die Booeggründe einer etwaigen Demission des Grafen Monts nicht auf politischem Ge­biet zu suchen sind.

In der Protestversammlung gegen die Zusammen­kunft des Präsidenten Falliöres mit dem Kaiser Niko­laus hielt der sozialistische Deputierte Scmbat eine Rode, in welcher er u. a. sagte: Da man will, daß Herr Falliöres eine Reise unternimmt, so erkläre ist, daß es eine Reise gibt, für welche ich stimmen würde: Eine Reise nach Berlin. Wir wollen den Frieden und vor allem den Frieden mit Deutschland und unsere hauptsächlichste Bemühung wird darauf gerichtet sein, unsere Regierenden zu zwingen, den Deutschen die Hand zu reichen, anstatt ihnen die ^äuft zu zeigen.

An dem Gesetz betr. das Rauchverbot für Kinder unter 16 Jahren hat die parlamentarische Kommission in 16 Sitzungen 363 Abänderungen vorgenommen, von denen die meisten das Zigarettenrauchen betreffen. Der abgeänderte Entwurf gestattet Kindern unter 16 Jahren das Kaufen von Zigaretten, wenn sie von erwachsenen Personen hiermit beauftragt worden sind. Die Schutzleute, Parkwächter und andere staatliche oder städtischeBeamte in Uniform sind befugt, Kindern unter 16 Jahren, falls sie beim Rauchen erwischt werden, die Zigaretten abzunehmen, es ist den Beamten jedoch nicht erlaubt, die Taschen der betreffenden Kinder zu durchsuchen. Jedes beim Zigaretten­rauchen oder Käufen von Zigaretten betroffene Kind wird seinen Eltern gemeldet.' Im Wiederholungsfälle erfolgt zweimaliger Ver­weis und beim brittenmalc treten Geldstrafen in Höhe von 5 sh. ein.

,Der russische Ministerrat beschloß, der Duma einen Gesetzentwurf über die Arbeiter Versicherung vor­zulegen. Die Grundzüge sind folgende: Organisation dec Ar­beiterkrankenpflege und Einrichtung von Krankenkassen, wozu die Arbeitgeber zwei Fünftel und die Arbeitnehmer drei Fünftel bei- iragen sollen. Die Abzüge vom Arbeitslohn betragen ein bis drei Prozent. Ferner wird geplant, eine Jnvatiden-Ver- sicherung, Errichtung von Gouveriiemeuts-Versiche- rungsan st alten unter dem Vorsitz eines Gouverneurs und unter Vertretung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Ober­aufsicht des Versicherungswesens soll dem Reichsversicherungsamt unter dem Vorsitz des Handelsministers obliegen. Die Duma genehmigte unter andere»! die Aufhebung der Ministerrcsi- d e n Vu r in W e i m a r unter Ucbertragung ihrer Vertretung auf die Ministerresidentur in Dresden, die Aufhebung der Ministerresidentur in Bremen, deren Tätigkeit der Ministerrcsü- dentur in Hambun; überwiesen luirb, und die Umwandlung der Gesandtschaft in Stuttgart in eine Ministerresidentur.

Deutsches Reich.

Anläßlich der Feier des amerikanischen Unabhängigkcits- festes forderte der neue amerikanische Botschafter Hill seine in Berlin lebenden Landsleute ans, für eine weitere Befestignng der guten deutsch-amerika­nischen Beziehungen zu wirken.

In München begann am Samstag unter zahlreicher Beteiligung aus allen liberalen Kreisen Deutschlands der vom Nationalverein für das liberale Deutschland einberufene liberale Kongreß. Er beschloß u. a. folgende Reso­lution:Unser Verfassungsleben kann nicht gedeihlich funktionieren, wenn große Bruchteile der Staatsbürger durch weitgehende Gebundenheit daran gehindert sind. Es bedeutet eine Gefahr für die Freiheit, wenn dem stets wachsenden Beamtenheere das Recht der freien Meinungs­äußerung ab gesprochen wird. Anläßlich der Maß­regelung des unerschrockenen Vorkämpfers der Lehrerschaft, des Lehrers B e y h l - Würzburg, spricht der Kongreß die voll­ständige Sympathie ans, protestiert dagegen, daß den Lehrern das verfassungsmäßige Recht auf dem Wege des Diszipli­narverfahrens entrissen werden soll. Der Kongreß fordert die bayerischen Lehrer auf, standhaft in dem schweren Kampfe auszuyarren, zu ichrem eigenen Wohl und im Interesse der freiheitlichen Entwicklung des ganzen Volkes."

Aleine» Feuilleton.

Chopinfeier. Am Freitag, 3. Juli, fand unter Mitwirkung der Konzertsängerin Frl. Ida Stammler und der Herren Wilhelm Sch ä 111 er und Stud. Sauer iVioline) in der Schule für höheres Klavier spiel von Frl. Minna Körner eine Chopinfeier statt. Auf­gabe der wahren Kritik sollte es eigentlich fein, der Unkunst len Weg zu versperren. Leider hat sie einer seltsamen Tarne gar zu oft weichen müssen, vor der jeder echte Künst­ler zorn- und schamerrötet: Der Dame Lobhudelei. Jener Ton wohlgelungener Familienfesttichkeilen und gut präpa­rierter patriotischer Festredner, der sich von Superlativ zu Superlativ schwingt und unechtem, unedlem und un­berechtigtem Ehrgeiz zum Deckmantel seiner Leistungen, wie inan zu sagen pflegt, immer wieder dient, müßte endlich einmal zur Ehre der Wahrheit und zur Wahrung des An­standes und des Geschmacks mit den Posaunen von Jericho itiebergeblafen werden. Nur eine Heilung des Uebels von $runb auf wird auch diese mißliche Folgeerscheinung im Keime ersticken.

Eine vorbildliche ernste Pflege, eine Heiligung der Musik Verriet die gestrige Veranstaltung. Felsenfeste Sicherheit im Text, eine technische Ausbildung, die jede Aufgabe Ipielend bewältigt, natürlich stufenmäßig auffteigend und änetn mühsamen Studium entspringend, das aber alle 'Schuler, des bin ich gewiß, mit Liebe vollbringen, vermögen allein die technischen Schwierigkeiten kleinzuschlagen und 2en Sinn für die Komposition zu wecken. Und wo Sinn äst, ist auch Gefühl und Geist. In diese Schule ist noch lein Hauch von jener Krankheit gedrungen, und deshalb nenne ich sie als musterhafte Bildungsstätte, ihre Methode els einen Weg zur Heilung. Welche Erfolge dann erzielt Serben, zeigt das Programm, das unter 17 Nummern allein 10 auswendig gespielte und wie gespielte Solonum- rtern enthielt. Die Forderungen, die Chopin an Technik, Gefühl, Geist und nmsikalischen Anstand stellt, habe ich hier verwirklicht gesehen, bedingt durch Fleiß und Verständnis der Schüler und durch das methodische Geschick von Frl. Körner, die so das Vermächtnis ihrer großen Lehrer Bülow, Siloti, Stavenhagen, Dertrand Roth Der Kunst zum Sieg zu wahren sucht. So richte ich denn hieran anschließend an alle musikalisch ernst Denkenden die Mahnung: Unter­stützt die wahre Kunst durch Mort und Tat und gerade so

Dann ergriff Prokurist Georg, der von Anfang au als treuer Mitarbeiter der Firma Klingspor angchörte, das Wort, um in längeren Ausführungen ein Bild der Entwick­lung der Firma zu geben. Wir haben erst kürzlich die haupt­sächlichsten Taten aus der Geschichte des Hauses Klingspor mitgeteilt, weshalb sich ein näheres Eingehen darauf er­übrigt. Es fei nur gesagt, daß Herr Georg in den Mittel­punkt seiner Rede bte lebensvolle Gestpit des alten Herrn stellte, der in treuer Pflichterfüllung allen ein Vorbild, ein treusorgender 'Berater und gerechter Chef gewesen sei. Sein Geist lebe in den Söhnen fort, möge unter ihnen Die Firma Klingspor weiter blühen zum Segen des Hessenlandes, zu Ehren der deutschen Tabakindustrie und zu ihrer eigenen Ehre!

Kommerzienrat Heichelheim übermittelte dann die herzlichsten Glückwünsche der Handelskammer, die in der Firma Klingspor allezeit eine tüchtige Helferin gehabt hätte. Herr V a u b c l überreichte im Namen der Angestellten des Hauses eine Glückwunschadresse, während Herr K. Kling­spor-Offenbach in feinem und seines Bruders Namen den Gießener Brüdern herzliche Glückwünsche entbot, zugleich zwei von Künstlerhand entworfene Packungen überreichend. Auch die Angestellten der Klingsporschen Schriftgießerei ließen durch Herrn Mehl er eine Glückwunschadresse über mitteÜL Herr Stimmer tat das gleiche für die Werk meister der Firma. Er betonte, wie gut das Verhältnis zwischen der Firma und ihren Arbeitern sei und gab feiner Ueberzeugung und Hoffnung Ausdruck, daß es zum Segen der Firma und zum Wohl ihrer Arbeiter so bleiben werde. Für den Deutschen Tabakverein sprach Herr Syndikus Schlvßmacher. Tie Firma Klingspor habe feit Be­gründung des Tabakvereins in der ersten Reihe der Mit­glieder gestanden, sie an ihrem Ehrentage zu beglückwünschen sei eine Pflicht des Vereins, der er sich gern und freudig unterziehe. Er überreichte dann den nachstehenden Arbeitern und Angestellten der Finna die Ehrentafel des Vereins für 25jährige treue Arbeit: Katharine Mühlig, geb. Roemer, Vetzberg, Elisabethe Steinmüller, Vetzberg, Maria Puhl, geb. Walter, Vetzberg, Wilhelm Roemer, Vetzberg, Katharine Löw, Atzbach, Luise G ü m b e l, Atzbach, Katha­rine Geier, geb. Zecl/er, Atzbach, Margarethe Ströhr, geb. Doenges, Fellingshausen, Helene Mattern, geb. Kloes, Fellingshausen, Katharina Rüspel er, geb. Ger- lach, Fellingshausen, Margaretha Wagner,-geb. Cramer, Fellingshausen, Konrad M a n D l e r, Gießen, Carl Georg. Halle (Prokurist), Fedor Kraemer, Offenburg (Prokurist).

Herr Adolf Klingspor sprach bann allen Gratu- lauten in feinem und seines Bruders Namen herzlichen Tank aus. Den von dem Tabakverein schon ausgezeichneten Arbeitern überreichte er je ein Spartassenbuch mit einer ansehnlichen Einlage und Den beiden Prokuristen Kraemer und Georg je eine goldene Uhr. Ferner teilte er mit, daß er und seine Brüder mit Einwilligung der Mutter den: Verein für Armen- und Krankenpflege ein früher gewährtes Darlehen " als Schenkung überleben, zugleich die Schenkungs­urkunde Geheimerar Dr. Breioert überreichend.

Prokurist Kr a em er-Offenburg sprach im Namen der Ausgezeichneten herzliche Dankesworte, um sodann der Frau Klingspor fen. zu gedenken, die stets des Hauses guter Geist gewesen sei.

Hiermit hatte der akademische Teil der Feier sein Ende erreicht und es begann als zweiter Teil ein gemeinsames Essen, das bestens verlies. Eine schier endlose Reihe Trink­sprüche würzte das treffliche Mahl, das dem guten Ruf desPrinz Karl" alle Ehre machte. Herr Herrn. Kling­spor trank auf das Wohl der Gäste, deren Tank Provmzial- direktor Geheimerat Dr. Breid er t aussprach. Er ver­sicherte, daß er, wie auch die Regierung, die Förderung Der Industrie als eine wichtige Aufgabe betrachte. Man feiere heute ein Fest deutschen Gewerbefleißes, auf das alle stolz sein könnten. Treu, fleißig und eifrig fei von allen Angestellten und Arbeitern im Dienste der Firma gearbeitet worden und diese Arbeit sei durch reiche Erfolge belohnt worden. So sei das Fest ein Familienfest für weitere Kreise geworden, die in treuer Anhänglichkeit Der Firma Klingspor angehörlen. Sein Hoch galt dem weiteren Blühen und Gedeihen der Firma Klingspor.

Für sich und seinen Kameraden Steinmüller sprach dann Werkmeister D re sch er-Atzbach der fyirrna herzlichen Dank für die gewährte Pension aus. Zu allen Zeiten hätten die Inhaber ein warmes Herz für ihre Arbeiter Qefyabt, sie seien von ihr nicht als Werkzeuge betrachtet worden, die man wegwerse, wenn man sie nicht mehr brauchen könne, son­dern als Menschen. Ten Chefs hierfür am heutigen Tage zu danken, sei ihm innige Herzenspflicht. Herr Tabakgroß­händler Meyer-Mannheim übermittelte die Glückwünsche seiner Firma und gedachte bann in finnigen Worten der Damen des Hauses Klingspor, während Kommerzienrat Heichelheim in launiger Weise der ebenfalls anwesenden Tochter des verstorbenen Seniorchefs sein Glas widmete. Der älteste badische Werkmeister, Herr Schwarz-Zuns­weier, schilderte die Schwierigkeiten, unter denen seinerzeit Herr Klingspor sen. im badischen Oberland eine neue In­dustrie eingeführt und damit zahlreichen Arbeitern Arbcits- ;eiegenheit geschaffen hat. Prokurist Georg dankte denen, )eren Mitarbeit Die Den Gästen überreichte prächtige Fest- christ zu verdanken sei, der Vrühlschen Druckerei, der Firma Klingspor-Offenbach und Syndikus Schloßmacher. Er verlas dann einige der nach mehreren Hunderten zählenden Glückwunschschreiben und Telegramme aus ganz Deutsch­land, von Denen namentlich Die von 50 Verehrern der Klingspor-Zigarren aus Halle gesandte erwähnt sei.

Erst sehr spät nahm die Feier ihr Ende. Sie war in ihrem ganzen Verlauf ein würdiges Bild des Werdeganges eines deutschen Fabrikationshauses, das in manchen Be­ziehungen ein treues Spiegelbild Der deutschen Arbeit bietet, wie sie uns Gustav Freytag anSoll und Haben" geschildert hat und das auch dem Fernerftehenden Den Eindruck ge­winnen ließ, daß treue Arbeit und Pflichterfüllung in sich selbst ihren Lohn findet. Möge Dem Haus Klingspor auch fernerhin fein Glücksstern treu bleiben zum Segen Der Heimat und zum Wohle der zahlreichen fleißigen Hände, die dort ihr Brot finden. Erwähnt sei noch. Daß auch den Arbeitern der Firma eine besondere Festgabe in klingender Münze ge­worden ist.