Ausgabe 
4.4.1907 Zweites Blatt
 
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In Bewegung war, hat ihr denn auch den Kopf abgerissen, ohne daß die auf dem Fahrstuhl Stehenden es hindern konnten. ES wird Aufgabe der Behörden fein, festzustellen, wen durch das Fehlen der Scheibe ein Verschulden trifft, zu deren Ergänzung bis zum Eintreten des Unglücks kein Auf­trag gegeben worden. Voraussichtlich wird jetzt auf Anord­nung der Polizei außer der Scheibe auch ein Gitter angebracht. Einen Auftrag nach unten zu fahren, hatte die Verunglückte wie unzweifelhaft feststeht nicht, überhaupt bestehen Mei­nungsverschiedenheiten über das Benützungsrecht des Fahr­stuhles, der angeblich nicht besonders von der Baupolizei abgenommen ist. Es steht überhaupt in Frage ob zur Be­nützung des Fahrstuhles überhaupt eine polizeiliche Geneh­migung notwendig war. Ein Selbstmord scheint ausgeschlossen, da daS Mädchen seiner ganzen Charakterveranlagung nach, hierzu keine Neigung gehabt haben dürfte, und die Gerüchte über die von ihr geäußerten Selbstmordgedanken von keiner Seite bestätigt wurden. Am Mittwoch nachmittag fand die Beisetzung auf dem Darmstädter Friedhof unter großer Beteiligung statt.

** Parlamentarisches aus Hessen. Der Gesetz­gebungsausschuß der 2. K. mmer trat heute zusammen. Da oer Vorsrtzende Abg. v. Brentano am Erscheinen verhindert war, wurde nur die Vorstellung der Fleischerinnung, betr. die staatliche Schlachtviehoersicherung, behandelt, bie sich gegen diese Einrichtung wendet. Tie Beratungen hierüber wetden die nächste Woche fortgesetzt. Auch ein Teil des Aus­schusses für die V e r w a l t u n g s g e s e tz e hat seine Beratungen wieder begonnen. Der Finanzausschuß wird mit seinen Beratungen die nächste Woche beginnen.

Der neue Geselle. Am OstersamStag stellte ein hiesiger Bäckermeister einen zugereilten Gesellen ein, er unterließ aber, sich Papiere und Personalien geben zu lasten. Am zweiten Feiertage morgens verschwand der neue Geselle spurlos, nachdem er den Kletderschrank seines Nebengesellen geöffnet und sich daraus mir einem neuen Anzug und zwei Jägerhemden versehen hatte.

Verhaftet wurde gestern der Heizer Karl Bach­mann aus Frankenthal (Pfalz), der wegen Nückfalldiebstahls von der Kgl. Staatsanwaltschaft Aschaffenburg steckbrieflich verfolgt wurde. Bachmann hatte sich hier unter dem Namen Wilhelm Fey längere Zeit aufgehalten; erst als er seine inzwischen angeschaffte Braut betrogen hatte, kam die Sache heraus und damit wurde seine Festnahme möglich.

Die Musterung nahm gestern hier ihren Anfang. Die von auswärts hierhergekommenen zukünftigen Vaterlands- oerterdiger kamen zumeist auf geschmückten Wagen, von denen ein aus dem Lumdatal stammendes Gefährt viel Heiterkeit erregte. Es trug nämlich in kunstvoller Dekorationsmalerei ein Schild mit der InschriftRekruden aus......'

Hoffentlich misten die zukünftigen Soldaten aus dem betr. Ort später mit den Waffen besser umzugehen wie mit der Orthographie.

-ck Ober-Ohmen, 4. April. (Tel.) Gestern abend orannten hier drei Hofreiten ab. Das Feuer brach in dem Holzschuppen der Frau Horst Witwe aus; eS sprang sofort auf die angrenzende Scheuer über und verbreitete sich von da aus rasch Über die angrenzenden Nachbargebäude. Nur mit vieler Mühe konnte das Vieh gerettet werden, da­gegen wurde in dem einen Gebäude em Teil des Hausrats und die Kleider vernichtet. ES war ein Glück, daß die anfangs bewegte Luft bald stille wurde, sonst wären zahl­reiche weitere Gebäude dem Brand zum Opfer gefallen. Die Feuerwehren hatten die ganze Nacht mit der Löschung des Brandes zu tun, so daß die Wehren von Ruppertenrod und Unter-Seibertenrod, die zur Hülfe herbeigeeilt waren, erst heute morgen wieder abrücken konnten. DaS Feuer wurde durch einen vierjährigen Knaben angezündet, der sich im Holz­stall ein Feuerchen anzünden wollte. Die Abgebrannten sind versichert.

** Alsfeld, 4. April. Nachdem sich die Stadt Als­feld zu weitgehenden finanziellen Opfern bereit erklärt hat, hat sich die Großh. Regierung bereit erklärt, die hiesige Realschule zu einer Oberrealschule auszubauen. Ter Ausbau soll in der Weise vor sich gehen, daß die Anstalt zunächst eine weitere Klasse (die Unter-Prima) einrichtet. Der Gemeinderat wird sich in seiner morgen stattfindenden Sitzung nut dieser Sache beschäftigen.

Darmstadt, 8. April. Am Oster-Montag vormittag fand im Hauptgottesdienst der Martmskirche die Einführung des Pfarrassistenten Schlosser (em Sohn des StadtpfarrerS O. S ch l o s s e r in G i e ß e n) als Vereinsgeistlichen der Inneren Mission durch den Vorsitzenden des Hessischen Landesausschusses Professor Weimar statt. Oberkonsistorialpräsident Nebel, Prälat D. Walz und Oberkonsistorialrat D. Flöring wohnten der Feier bei. Der letztere richtete im Namen der obersten Kirchenbehörde herzliche Worte der Begrüßung an den neuen VeremSgeistlichen.

sd. Darmstadt, 3. April. Der Eisenbahnminister Brei­te n b a ch kam heute vormittag hier an, machte bei S. K. H. dem Großherzog einen längeren Besuch und fuhr mittags 12 Uhr wieder nach Wiesbaden zurück. Eine Anzahl von Regierungs- und Bauräten aus Berlin, Frankfurt und Mainz waren heute im Bahnhofshotel zu einer längeren Konferenz versammelt, in der eine Reihe von wichtigen Fragen, die den B a hn ho f s neubau betreffen, besprochen wurden.

0. M tti n i, 3. April. Gestern abend versuchten die in Offenbach, Frankfurt und Mannheim verjagten Anarchisten hier im Gewerkschaftshause eine Lersammlung abzuhalten, zu der man in derMz. Vztg." am Ostersamstag als zu einer öffentlichen Arbeiterversammluug eingeladen hatte. Als Redner sollten Dr. Friedberg> Drewes-Hamwver austreten. Friedverg wurde daran verhilidert, weil er in Mannheim verhaftet wurde, Drewes erschien nicht. Dafür versuchte der Anarchist Getten­bach als Redner aufzutreten, er wurde von der Polizei daran gehindert und das Kreisamt verbot die Abhaltung her Versammlung. Die Auflösung geschah in aller Ruhe. Die auswärtigen Anarchisten reisten ab. Die zirta 120 Anwesenden waren meist halbwüchsige Burschen.

Wetzlar, 8. April. Durch einen nichtsnutzigen Buben­streich ist gestern vormittag ein großer und sehr bedauer­licher Schaden angerichtet worden. Durch Unvorsichtigkeil oder Böswilligkeit wurde das dürre Gras an den vom Ber- schönerungsverem angelegten Anlagen am KalSrnunt in Brand gesetzt. Das Feuer verbreitete sich nut der größten Schnelligkeit iveiter und im Nu schlugen hohe Flammen aus dem Tannengehölz empor. Am schlimmsten ist dec Schaden, der an den jungen Bäumchen angerichtet ist. Die meisten von ihnen werden durch neue ersetzt werden müssen. Der angerichtete Schaden beträgt einige hundert Mark. (W.A.)

'Pom Kampf im Schneidergewcröe.

Bis jetzt sind 16- bis 17000 organisierte Schneidergehilfen in Deutschland auSgesperrt. Bis Ende dieser Woche dürften aber alle Betriebe des Verbandes gesperrt sein. In Köln und in Kassel erhielten soeben die Arbeiter ihre Entlastung.

Die Generalaussperrung der Schneider in Deutschland erstreckt sich nach den Feststellungen des Zentralvorstandes des Verbandes der Schneider und Schneidetinnen bisher auf folgende 35 Städte: Rostock, Potsdam, Gotha, Breslau, Er­furt, Kiel, Weimar, RavenSberg, Stettin, Leipzig, Halle, Bielefeld, Braunschweig, Frankfurt a. M., München, Hannover, Bremen, Stuttgart, Halberstadt, Gießen, Karlsruhe, Os­nabrück, Rietz, Zwickau, Celle, Regensburg, Arnstadt, Wilhelms- höhe, Münster, Jena, Schwäbisch Gmünd, Dresden, Magde- vurg, Köln am Rhein, Lübeck._____________________________

Oer misch res.

* Der Mörder von Könitz gefunden? In die bisher noch völlig im Dunkeln ruhende Mordaffäre von Könitz scheint jetzt Licht zu dringen. Heute genau vor einem Jahre, am 3. April 1906, wurde in Beiithen in Ober- schlesien die zerstückelte Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der grantige Fund erinnerte in seinen Einzelheilen an den Konitzer Mord, dem der Gymnasiast Winter zum Opfer fiel. In einem Sack befand sich nur der Rumpf mit den Armen, in einem zweiten Sack der Kopf und die Beine, Ober- und Unterschenkel waren getrennt. Nach der Art der Zerstücke­lung mußte diese von einem Metzger ausgesührt worden sein. Der Umstand, daß der Fund an einem Wochenmarkt­tage gemacht wurde, an dem zahlreiche jüdische Heuhändler aus Galizien nach Beuthen kommen, die ihren Standort bei der Fundstelle haben, ließ, wie einst in Könitz, allerlei Ritual- mordgerüchte aufkommen. In dec Annahme, daß die Leiche von auswärts eingeschleppt worden sei, wurden die Ermitte­lungen nach dieser Richtung hin ausgedehnt, führten aber trotz eifrigen Bemühens der deutschen und österreichischen Be­hörden zu keinem Ergebnis. Mitte März wurde mit einem Male dec Schleier über das geheimnisvolle Dunkel gelüftet. Tatz Verbrechen war in der im Zentrum der Stadt Beuthen gelegenen Roß sch läch ter Liberkaschen Speisewirtschast verübt worden. Der bei Liberka beschäftigte Haushälter Kioltyka hatte, von Gewissensbissen gepeinigt, der Polizei An­gaben gemacht, die die Identität des Toten feststellen ließen und zur Ermittelung des Mörders führte. Der Tote war der Arbeiter Josef Bronner aus Charley und fein Mörder der Brotgeber des Kioltyka, der Roßschlächter und Speifewirt Liberka. Dieser hatte den Bronner aus Rachsucht erschlagen und dann mit Kioltyka zusammen die Leiche in die Abort­grube geworfen. Nach Verlauf von 14 Tagen hatten beide die Leiche wieder herauSgeholt, zerstückelt und in zwei Säcken nach der Fundstelle geschafft. Liberka befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die bisherigen Ermittelungen haben eine sensationelle Wendung genommen. Die Tat LiberkaS selbst und die Auffindung der Leichenteile ähneln in Beuthen wie Könitz einander so vollkommen, daß der Gedanke naheliegt, der Täter fei hier wie dort ein und dieselbe Person. Zu den Verdachtsmomenten kommt noch hinzu, daß Liberka zur Zeit des Mordes an Winter in Könitz bei einem Fleischermeister beschäftigt gewesen sein soll. Die Untersuchung nach dieser Richtung ist emgeleitet. AuS Könitz wird bestätigt, daß Liberka zurzeit des Mordes an dem Gymnasiasten Winter dort bei dem Roßschlächter Schulz oder dessen Nachfolger be­schäftigt gewesen ist. Er hatte damals auch mit einem Mädchen, aus einem Hause gegenüber verkehrt, das Dehnen hieß und jetzt in Berlin wohnt. Wegen einer auswärts über ihn verhängten Strafe wurde er seinerzeit auf dem Hofe eines jüdischen Schlächters verhaftet. Liberka trug bei der Ver­haftung eine Perücke. Nachdem er feine Strafe abgefeffen, wandte er sich nach Bärwalde, wo er bei einem jüdischen Schlächter Hermann Grünthal gewohnt hatte. In Könitz halte er zur Zeit des Mordes gewohnt, ebenfalls bei einer jüdischen Familie namens Berger. Es wird vermutet, daß Liberka den jungen Winter aus Rache und Eifersucht er­mordet hat.

Kleine Tageschronik.

Der Fall H n tz l e r hat zu einem förmlichen Zusammenbruch im Krcmken-Kmderspital zu München geführt. Nachdem die Pro­lektorin Prinzessin Leopold die Vorstandsschait, die Schwestern und Aerzte ihre Äemter gleich nach Bekanntwerden des Selbstmordes des Chefarztes Dr. Hutzler medergelegt haben, erfolgen nunmehr auch Masfen-Austritte der Mitglieder aus dem Verein, als ob dieser ein gewöhnlicher Verein und nicht lediglich zu humamiären Zwecken gegründet worden fei. In dem Pojen'ichen Städtchen S ch w e r j e n z wurde unoermutet eine Revision der Stadlhanpl- kasse vorgenommen, wobei große Unierlchleüe feftgefteUt wurden. Daraufhin erschoß sich in einem dlebemaum des Rathauses der Stadtkämmerer Esill. Gegen weitere Beamte der Stadtver­waltung schwebt das Ermittelungsverfahren. Die Höhe der Unter­schlagungen ist noch nicht fesigestellt. In Neuebersbach (Bayern) wurde der B ürg erm e ister Leisner wegen Mord­verdachtes, Sitllichkeilsverbrecheiis und verschiedener Verfeh­lungen im Amte verhauet. Auf dem Wege zwischen Hagen (Wests.) und Hohemlunburg stieß ein Automobil nut einem Möbelwagen zusammen. Das Automobil wurde zerlrümniert; alle vier Insassen erlitten schwere, zwei davon tödliche Verletz­ungen. In K r a f a u erschoß der Hörer der Recote Lansky von Tiefelthal nachts seine Mutter und bann sich selbst, angeblich aus Schmerz über den Tod seiner Schwester, welche sich vor einem Jahre vergiftete. ______________

Kandel.

Reichsbank-Ausweis. Seit Bestehen der Reichsbank batte sie noch nte am 1. April einen Diskont von 6% aufzuwei'en. Auch war es seil ihrer Gründung noch nicht vorgekonnnen, daß sie nir die letzte Märzwoche für einen Umlauf von 400 229 000 Alk. (233 348 000 Alk.) Notensteuer zu entrichten hatte, während noch in der voihergegangenen Woche der iteuerireie 9loienbeftanb 145 Iss 000 Alk. betrug. Diese Ziffern allein illustrieren wie groß die Anspan- imng der Geld- und Kreditoerhälunsse immer noch ist. In der leiten Mäiz-Woche stellte sich die Vermehrung des Porteieuilles um 277,86 'Dull. Alk. fast genau so hoch wie im Vorjahr, für den ganzen März aber verzeichnet der Wechselbestand diesmal einen Zuwachs von 356,58 9)liU. Alk. gegen 288,72 Mill. Mk. im Vorjahre womit der Bestand jetzt um rund 190 Mill. Alk. über ferne uorjäl)- rige Höhe hinansgeht. Die Vermehrung der Lombardausleihungen um 129,40 Mill. Alk. entspricht annähernd der vorjährigen, der Lombardbestand selbst stellt sich gegen das Vorjahr um 13 AliU. Alk. höher. Auch die Beanspruchung der Dank durch die.Reichskasie war nut 89 35 Mill. Alk. fcyt genau so hoch wie iin Vorjahre, doch lieht der Effektenbestand jetzt um 4u Mitt. Alk. hinter dein seiner damaligen Hohe zurück. Dre Abnahme des AletaUbestandes war vorauszujehen; sie betrug 142,39 Mill. Alk. gegen 145,47 Mill. Alk. >m Vorjahre. Tie Tepositen zeigten einen Rückgang um 64 38 Mill Alt. gegen 48,82 Mill. Alk. im Vorjahre. Es t|l anzunehmen, daß

mit dem heutigen Tag der Rückfluß in die Reichsbank einfetzen wirb da dieser in der Regel in den ersten 3 Aprilwochen einen starken Umfang annimmt. Im Vorjahre verfügte die Bank am 23. April wieder über eüie_ steuerfreie Notenreserve von 212,35 Mill. Mk. Ta der diesmalige Status wesentlich schivächer ist, so wird es voraus­sichtlich auch länger dauern, bis sie wieder aus der Notensteuer herauskommt.

U e b e r t r e i b u n g e n. Bei Charakterisierung der gegen­wärtigen Börsen- wie allgemeinen Geschäftslage lassen sich manche Blätter zu Uebertreibungen verleiten. S i hieß es gestern in einem Berliner Blatt, daß die Neichsbankkreise die Dlöglichkeit einer Diskonterhöhung ins Auge getobt haben. An leitender Stelle dec Reichsbank wird die Situation keineswegs so pessimistisch und be­sorgniserregend erachtet, ivenn auch der oben wiedergegebene Reichs­bankausweis von Alärzende gemäß der überaus großen Rüstung der Geschäftswelt für den Onartalwechsel und besten enorme An­sprüche eine noch über die starke vorjährige Anspannung hinaus- gehende Inanspruchnahme der Bankmittel aufziiweisen hatte. Auch bei der Schilderung der deutschen Indiistrieverhältnisse sind Ueber­treibungen in pessimistischem Sinne fortgesetzt an der Tagesordnung, obwohl noch fein einziges großes Unternehmen in der letzten Zeit Alitkeilungen in die Öffentlichkeit brachte, wonach zu ersehen ist, daß der Geschä'tsgang m ber letzten Zeit zurückgegangen ist. Tas Gegenteil mar der Fall. Tie Großbanken haben jüngst die Lage ber deutschen Konjunktur als burcbanS gefimb bezeichnet und im Jahresbericht der Frankfurter Handelskammer ist zu lesen, daß die Fabriken des Frank'urter Bezirks auch für das laufende Jahr mit Aufträgen überhäuft sind.

Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 3 Avril 1907.

Höchste Schiachtviehpreise in F r a n f u r t a. M.

Fleifchpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8284 Mk.

' ,Kg.Schlachtgew.l00-104Pf.

S - , 57-58 ,

XU Kg. 82-88 Psg.

V, . 80-84 ,

V, , 70-80 ,

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Werzen 100 Jtg. 00.' 0-00.00 Alk.

Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 54 P,g. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg,

Märkte.

ak. Groß-Felda, 3. April. Tas herrliche Frühlingswetter begünstigte den O st erm a r k t außerordentlich. Der Besuch von auswärts war so groß, wie man ihn noch nicht gesehen halte. Unzählbare Fuhrwerke brachten von Nah und Fern die Fremden. Der Antrieb von Schweinen war gut; auch der Verkauf ging flott von statten. Es wurden annehnibare Preise erzielt (60 Mark pro Paar). Der heutige Markt Hai wieder die Bedeutung unseres Marktfleckens deutlich bewiesenund den besten Nachweis für die Not­wendigkeit eines Bahnbaus erbracht.

te. Frankfurt a. M., 4. April. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen ber heutigen Viehmarkt- preise. Ztim Verkaufe stauben: 24 Ochsen, 00 ans Oesterreich 2 Bullen, 0 aus Oesterreich, 55 Kühe, Fersen, Stiere unb Rmder 0 aus Rumänien, 616 Kälber, 137 Schafe unb Hämmel, 8 Ziegen, 142 Ziegenlämmer, 56 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8285 Mk., 2. Qualität 7277 Mk., 3. Qualität 6870 Mk.; Bullen 1. Qual. 7274, 2. Qual. 6769; Kühe 1. Qualität 7375 Alk., 2. Qual. 6971 Alk., 3. Qual. 6062 Alk., 4. Qual. 0000 Alk, 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. dual. 100104 Psg., Lebendgewicht 6062 Psg., 2. Qiialität 9499 Psg., Lebendgewicht 55 - 68 Psg., Schlachtgew. 7270sPsg.; Schafe: 1. Qual. 8000 Psg., 2. CuaL 7678 Psg. Geschaht: gut. Ueberstand unbedeutend.

Arbeiterbewegung.

Lich, 3. April. Tie Forderungen ber hiesigen organi­sierten Maurer, bie auf einen Stunbenlohn von 40 Pfennig, für Ueberftuuben 20% Zuschlag unb bet Nacht- ober Wasterarbeit auf ben doppelten Stunbenlohn lauten, wurden heute von den hiesigen Ateistern bewilligt.

Offenbach, 3. April. Tie Lohnbewegung der hiesigen Bäcker gehülfen endete mit der Annahme eines auf die Dauer von drei Jahren abgeschlossenen Tarifvertrages. Es ist dann eine Verkürzung ber bisherigen Arbeitszeit, eine Erhöhung des Mindestlohnes um 2 M. in ber Woche unb eine Bezahlung der Ueberftuuben mit 40 Pf. enthalten.

Bochum, 3. April. Heute wurden hier 400 Maler- und A n st r e i ch e r g e h i l f e n von den dem Arbeitgeberverbande ange­hörenden Ateistern aus gesperrt. Die Gesamtzahl ber ausge- Iperrten GehlUen un Ruhrrevier beträgt 300.

Düsseldorf, 3. April. Alle Steinbildhauer wurden hier wegen Nichtanerkennung des neuen LohutarifeS auSge- sperrt.

Dresden, 3. April. Zn der heute hier abgehaltenen außer- ordentlichen Generalversammlung des Arbeitgeberschutzvev- b a n d e S für bas beutsche Holzgewerbe wurde beschlossen, alle möglichen Mittel zur Anwendung zu bringen, um bie Aus­sperrung siegreich durchzuführen. Der Vorsitzende, Rahardt- Berlin, erklärte, bau die gesamte deutsche Arbeitgeberschaft den Lchutzverbanb für bas deutsche Holzgewerbe in jeder Beziehung u n t e r st ü tz en wolle. Tie Versammlung beschloß, den Vorstand zu ermächtigen, eine Anleihe in Höhe bis zu einer Million M a r £ auizunehmen nut der Maßgabe, ihm zunächst 300 OOu Alk. zur Verfügung zu stellen.

(DriginabDraQtmelOungen«

sd. Darmstadt, 4. April. Der in wetteren Kreisen te- kannte Musitkritiker unb Komponist August Ackermann ist heute vormittag plötzlich an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. Ackermann, ber ein Alter von 62 Jahren er­reichte, war ein geborener Darmstädter. Er war früher Musik- bireftor in englisch-ostindischen Diensten.

Berlin, 4. April. Zn ber russischen Zirkularnote über bie Haager Friedenskonferenz bemerkt basB. T": Man braucht keiner von ben großen Propheten und nicht einmal einer von den kleinen zu sein, um das Schicksal ber zweiten Haager Konferenz deutlich vorauszusehen. Weber bas Ab- rüstungsproblem noch die Neugestaltung des Heeres werden auf dieser Konferenz wesentlich gefördert werden. Die Konferenz wird im besten Falle einige ergänzende Bestimmungen über die Schieds- gemchte und das Recht, Angehöriger neutraler Staaten am Kriege teilnehmen zu lassen und über bie Legung von Seeminen formulieren. Die interessanteren Forderungen werden von der Tagesordnung verschwinden. Eine überraschende Wendung tonnte t.c Konferenz nur nehmen, wenn England plötzlich auf feine Eüv» Wendungen in den Seerechtsfragen verzichtete unb dafür von Deutschland unb Oesterreich Konzessionen in der Rüstungsfrage fordern sollte. Aber so sehr a:n gewissen Stellen der Wunsch bestehen nuag, den Abrüstungsvorschlag zur Sprache zu bringen unb so sehr man an and er en, Stellen über ein eneue Isolierung Deutschlands erfreut wäre: bie maritimen Interessen Englands sind zu groß, um für rein platonische Genugtuung geopfert zu werden.

Rom, 4. April. Nach ber Begegnung in Rapallo sanbten Bülow unb Tittoni einen gemeinsam abge- faßten Bericht über das Ergebnis ber Besprechung an ben österreichischen Minister des Aeußern, Baron A e h r e n t h a l.

Melilla (Marokko-, 3. 'up^l. Zwei Europäer, welche sich ohne genügende Eskorte außerhalb des Weichbildes der Stadt gewagt fct-en, sind von Anhängern des Prätendenten gefangen genommen worden. Der eine, Delöres, war früher mUitärildjet Berater des 'Prätendenten, mit dem er sich entzweite und auS des,en Lager er flüchtete. Der Prätendent setzte eine hohe Be­lohnung auf des,en jtopf aus, indem er ihn des Verrats beschul­digte. Angesichts div,es Umlandes hegt man über das Schicksal der beiden Gefangenen große Besorgnis.