R. B. Darmstadt, 26. 'Juni. Der etwa 45 Jahre alle Weißbinder Philipp Opper aus Pfungstadt stürzte heute vormittag am Mten Palais in der Wilhelmmenstraße von einem Weißbindergerüst aus einer Höhe von etn(a vier Meter und brach Leide Beine. Der Bedauernswerte wurde in das städtische Krankenhaus verbracht. . '
Worms, 26. Juni. Zwei große Fabrrkbrände brachen heute nachmittag gegen drei Uhr aus und zwar hier in den Chemischen Fabriken und A s p ha l t w e r k e n A.-G^ und im nahen Pfeddersheim in der Filter- und bau- technischen Maschinenfabrik Enzinger. In den Chemischen Fabriken brach das Feuer in einem Arbcitsranm aus und fand zahlreiche Nahrung an den vorhandenen Benzolmengen, die in Fässern und in eisernen Behältern dort lagerten. Tie Feuerwehr ist gegen diesen gefährlichen Brand ziemlich machtlos, jedoch ist die Windrichtung so günstig, daß das Element aller Voraussicht nach auf seinen Herd beschränkt bleibt. Tie Löscharbeiten dürften noch viele Stunden in Anspruch nehmen. Zu gleicher Zeit wurde von Pfeddersheim Großseucr gemeldet, wo die Filterfabrik der EnzinAerschen Werke in Flammen stand. Tas Feuer brach an drei Seiten des betreffenden Gebäudes zu gleicher Zeit aus. Aus diesen und anderen Gründen vermutet man, daß Brandstiftung vorliegt. Tie FilterFabrik ist vollständig ausgebrannt, die darin vorhandenen Maschinen sind zerstört. Dagegen konnten die Papierfabrik und die angrenzenden Gebäude durch die Tätigkeit verschiedener Feuerwehren aus den umliegenden Ortschaften gerettet werden. (Frkf. Ztg.)
(p Aus dem Westerwald, 26. Juni. Tas letzte Stück der Westerwaldq uerbahn ist vollendet. Tie landespolizeiliche Abnahme der neuen Bahnstrecke Westerburg -Rennerod, sowie in Nitzhausen abzweigenden Nebenstrecke nach Marienberg fand nunmehr durch 'die Regierungsvertreter statt. Tie Einweihung beider Strecken erfolgt am 16. Juli. — Ta in der Nähe der Bahnstrecke, die durch den hohen Westerwald führt, durch zahlreiche Bohrungen umfangreiche Braunkohlenlager entdeckt wurden, so steht für die verhältnismäßig arme Gegend die Errichtung industrieller Unternehmungen in sicherer Aussicht. — Ein Heimatmuseum für den Westerwald soll auf Anregung des Lsandratcs in Marienburg daselbst errichtet werden. Zu diesem Zweck will man ein altes Bauernhaus ankaufen. । I
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Geiß-Nidda hat sich ein T u r n - verein gebildet, dem bereits 60 Mitglieder beigetreten sind. — In Sossenheim stiirzte das 31/, Jahre Töchter ch e u der Familie Metzler in den Keller und erlitt einen Schädelbruch, der den Tod herbeiiührle. — In Mittelgr ü ndau werden demnächst 2 Lehrerwohnnngcn errichtet. Ter Kreisausschuß des Obertaunus-Kretses hat nunmehr die Wirtschafts-Konzession für ein zweites Saalburg-Hotel erteilt. Tas Hotel soll in römischem Saalburgstil im Friedrichsdorfer Wald errichtet werden. — Jur Wald bei Vilbel wurden drei junge Dame n von einem in Seckbach wohnenden Mann ü b e r f a l l e n. Dieser ergriff bie Flucht, als die Uebersallenen um Hilfe riesen.
Vorschläge' nicht einverstanden seien. Augenscheinlich dürste es ,schwer fcin, eine Verständigung in diesem Punkte zu erzielen. Tie englischen Delegierten pflegen Konferenzen mit den Delegierten anderer Länder über die Friage der Einschränkung der Rüstungen. Die Engländer erklären, England fei bereit, bestimmte Vorschläge in dieser Frage zu machen. I
Tagesschau.
Der „Nationalverein für das liberale Deutschland".
Aus Parlamentarierkreisen wird uns geschrieben:
Es gibt eine große Zahl auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaftsordnung stehender Männer, die sich noch nicht einer politischen Organisation angeschlossen haben. Aus ihnen hat sich gewiß ein erheblicher Teil der früheren Nichtwähler rekrutiert, die den letzten Reichstagswahlkampf im nationalen Sinne entschieden. Um dieses Element polit. Energie nicht einschluminern zu lassen, erscheint eine über die lib. Parteigrenzen hinausgreifende Organisation kaum über- flüffig. Die Einwirkung auf die breiten Massen der Bevölkerung im Interesse des liberalen Kulturgedankens ist wohl ein Ziel, »des Schweißes der Edlen wert". Der „Nationalverein für das liberale Deutschland" erstrebt dieses Ziel, und darum sollte ihm keine der liberalen Parteien abweisend gegenüberstehen. Das Zentrum hat festen Rückhalt an dem „Volksverein für das katholische Deutschland", die Sozialdemokratie stützt sich auf die Gewerkschaften, das Agrariertum auf den Bund der Landwirte, dem Liberalismus aber fehlt es bisher an einer entsprechenden großzügigen Organisation. Solche würde auch dem Bestand der Blockpolitik dienlich sein, jedenfalls dazu beitragen, daß die liberalen Forderungen angemessene Berücksichtigung durch die Negierungspolitik erfahren. Der liberale Gedanke hat an Werbekraft nichts eingebüßt, umsoweniger, als er in neuerer Zeit den sozialen Gedanken in sich ausgenommen hat. Es wird ab- 'zuwarten sein, wie der Nationalverein sich praktisch betätigt. Auf dieselbe wohlwollende Beurteilung, wie sie ihm im politisch elastischeren Süden zuteil wird, hat er allenthalben Anspruch.
ArrsSan-.
Rout, 26. Juni. „Popolo Romano" behauptet, die Ab - 'mck chungen Eng lün ds, Frankreichs undSpaniens seien nur eine Ergänzung der früheren Vereinbarungen Frankreichs, Englands und Italiens zu dem Zwecke der Festsetzung der Jnteressenzvne der genannter Mächte und die Sicherung des Gleichgewichts im Mittelmeer, unter Achtung aller bestehenden .Verträge und aller Rechte der nicht mittelländischen Mächte^auf .der Grundlage des unabänderlichen Prinzips der offenen Tür. 'Mle diese Abmachungen bezweckten Vermeidung eventueller Kvir- stikte zwischen ben Mittelmeermächten. Die jüngsten Abmachungen Englands, Frankreichs und Spaniens könnten daher in diplomatischen Kreisen Europas keinerlei Mißtrauen erregen. ■ Wien, 26. Juni. Einem Kommunique der deutsch-fort- .schrrttlichen Abgeordneten zufolge bilden diese einen taktischen Verband unter dem Njämen TjeutschfortschrittlicheVer- ^einigung bis zur Konstituierung der großen deutschen Einheitspartei, der die .Teutsch-sortschrittlichen unter un- geschurälerter Aufrechterhaltung ihrer bisherigen Parteigrundsätze beizutreten und zu ihrer Begründung loyal beizutragen sich bereit erklären. I
So fia, 26. Juni. Der russenfreundliche Denj will "aus einwandsfreier Quelle erfahren haben, daß der .Fürst anläßlich seines 20jährigen Regierungsjubitaums am 15. August sich zum König ausrufen lassen wird.
Neues aus Rußland.
Der Kongreß der Semstwos in Moskau beriet über eine Resolution, in der durchgreifende Maßnahmen gegen die Revolution gefordert werden. ,22 Kongreßmitglieder erklärten, sich der Abstimmung zu .enthalten, weil sie, obgleich sie die Anarchie und die Gewalttätigkeiten verurteilten, sich der politischen Agitation errthalten wollten. Nach lebhafter Debatte verließen diese 22 Mitglieder den Saal. Mit allen gegen zwei Stimmen nahm der Kongreß alsdann die vom Kongreßbureau entworfene Resolution an, die die Notwendigkeit von Reformen betont, aber energische Maßnahmen gegen die Anarchie und revolutionäre Gewalttaten verlangt, die den normalen Verlauf des staatlichen Lebens hinderten und das Haupthindernis für die Verwirklichung von Reformen bildeten.
Auf dem Erivana-Platz zu Tiflis, dem Zentrum der Stadt, wo sich eine große Menschenmenge befand, wurden nacheinander gegen zehn Bomben geschleudert, welche mit furchtbarer Gewalt explodierten und ,in einem großen Umkreise Scheiben, Türen und Schornsteine zertrümmerten. Viele Menschen wurden getötet; eine große Zahl wurden verwundet. Zwischen den Detonationen vernahm man Gewehr- und Revolverschüsse. Der Ort der Katastrophe ist abgesperrt. — Wie die Untersuchung ergeben hat, stehen die Bombenattentate mit einem räuberischen Ueberfall in Zusammenhang, der auf einen von fünf Kosaken und zwei Soldaten eskortierten Magen verübt wurde, in dem 250 000 Rubel von der Post zur Reichsbankfiliale gebracht werden- sollten. Als der Wagen den Erivana-Platz erreichte, wurde eine mit furchtbarer Gewalt explodierende Bombe geschleudert. Tas auf dem Platze zahlreich anwesende Publikum stob in wildem Schrecken auseinander. Um die Verwirrung zu erhöhen, schleuderten die Räuber eine Bombe nach der andern, die alle mit betäubendem Knall explodierten. Die Zahl der Opfer ist noch nicht festgestcllt. Bisher ist nur bekannt, daß zwei Soldaten getötet und zwei Reichsbankbeamte aus dem Wagen geschleudert wurden. Der Wagen sowohl, wie die Geldsäcke sind spurlos verschwunden. Im ganzen wurden acht Boniben geworfen.
In Rokciny bei Lodz überfiel eine Bande von 25 Mann die Fabrik Miller. Militär gab eine Salve ab. Es wurden einige Personengetötet. Einige wurden festgenommen.
Im Zusammenhang mit der Auflösung der Reichsduma haben im Odessaer Kreis Unruhen unter der ländlichen Bevölkerung begonnen. Soldaten mußten die Ruhe wieder Herstellen. Es kamen auch mehrere Morde und Plünderungen vor.
Uirchc und Schule.
— Der „Osseroatore Romano" veröffentlicht einen Brief des Papstes an den Monsignore Commer in Wien, in dem 'er diesen dazu beglückwünscht, die Irrtümer widerlegt zu haben, die in Deutschland gegen den Katholizismus durch die bereits von der Index-Kongregation verurteilten Schriften Hermann Schells verbreitet seien.
— Die Entwicklung des Christentums von den Uranfängen bis zur Gegenwart. Von Dr. Otto Pjleiperer, Professor an der Universität zu Berlin. 270
Seiten 8°. München 1907. I. F. Lehmanns Verlag Preis geh. 4 Mk. — Pfleiderer zeigt, wie mit Paulus und Johannes die chlichte Lehre des Evangeliums philosophisch begründet worden ist und damit erst zu der Weltreligion wurde, wie die damalige Zeit sie brauchte; wie die Kirchenväter gearbeitet haben an der Ausbildung der christlichen Lehre und Moral, wie die römische Welt dann das Christentum zu einer fest organisierten Macht der Kirche ausgebildet hat nach dem Muster ihres festgefügten Staatswesens. Gegenüber der Mißachtung, die von manchen heutigen Gelehrten der Arbeit des Apostels Paulus entgegengebracht wird, betont Pfleiderer, wie gerade Paulus das Christentum befreit hat von der Fessel des mosaischen Gesetzes und die Freiheit der Kinder Gottes gepredigt hat. Ebenso liebevoll wird der Entstehung der Dogmen nachgegangen und diese starren Lehrsätze, über die wir hart zu urteilen pflegen, erscheinen uns in einem ganz andern Licht, wenn wir den hohen Sinn und die tiefen Gedanken, die sie verkündigen sollten und auch dem damaligen Geschlecht verkündigt haben, ansehen. Auch die alten Kirchen- üäter, die so hart gerungen haben um ihre Lehrmeinungen, werden uns durch tbiie Schilderung der Zeit und der Nöte der Kirche näher gebracht, und hinter dem theologischen Gezänk sehen wir das ernste tiefe Suchen und christliche Streben der damaligen Zeit. Mit der Schilderung der mittelalterlichen Kirche, die sich mit ihrem asketischen Ideal in Gegensatz zur natürlichen Welt etzte und doch die Herrschaft über dieselbe beanspruchte, schließt der erste Teil. Der zweite Teil zeigt, wie in der Reformation ;er alte Grundgedanke des Christentums, die enge, Verbindung von Gottheit und Mensch, aus der kirchlichen Jenseitigkeit und Uebernatürlichkeit in die diesseitige Welt und das irdische Leben hereingetragen wurde, und nun begann, dieses natürliche Leben zu erklären. Daß man nebenbei aber auch noch viele mittelalterliche Vorstellungen mit in den Protestantismus herübernahm, ist ein Widerspruch, der sich bald furchtbar rächte. So folgte im 18. Jahrhundert die Aufklärung, die mit allen kirchlichen Dogmen brach, aber auch die religiöse und sittliche Tiefe des Christentums nicht mehr verstand. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trat dieser einseitig verstandesgemäßen Richtung eine andere Richtung entgegen, die in den großen Geistern jener Zeit, Herder, Goethe, Schiller, Kant, Schleiermacher, Fichte, Hegel, verkörpert war. Diese alle, auch wo sie von der Kirche sich völlig fern hielten, landen mit ihrem hohen Menschheitsideal auf dem Boden des echten Christentums iimb arbeiteten an seiner Entwicklung mit Nach einer kurzen Schilderung der Anfänge der historischen Kritik, der Reaktionszeit und ihrer Kämpfe, schließt das Buch mit einem trostreichen Blick auf die Gegenwart, in der die Geistlichen Ernst machen mit dem praktischen Christentum und lebhaft Mitarbeiten an der sittlichen Hebung des ganzen Volkslebens und zugleich aus der engen Dogmik heraustreten zu einer freien Anschauung auf dem Gebiete der vergleichenden Religionsgeschichte. So schließt Pfleiderer mit der Hoffnung, daß auch das Christentum des 20. Jahrhunderts dem Zweck, puff iben feine; ganze Geschichte von Anfang an hinzielte, um ein gutes Stück näher rücken werde: der Verwirklichung der Gottmenschheit, der Durchdringung des ganzen sittlichen Menschenlebens mit ben Kräften des göttlichen Geistes, der Wahrheit, Freiheit und Liebe. Pfleiderers Standpunkt ist so erhaben und. tolerant zugleich, daß Katholiken und Protestanten sich an diesem seinem neuesten Werk gleichermaßen freuen werden. Möge der freie Geist, der daraus spricht, das Seine tun, um dem Buch eine große Verbreitung zu sichern.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 27. Juni.
* ' DieVer bessern n g derVerbindung Gieße n— Frankfurt durch Einlegung eines neuen Eilzugpaares, über die wir bereits berichteten, ist der Initiative der hiesigen Handelskammer zu verdanken, die einen dahingehenden Antrag an die Eisenbahndirektion Frankfurt stellte. Einem gleichzeitig gestellten Antrag auf Umwandlung eines weiteren Schnellzugpaares in einen Eilzug wurde leider nicht entsprochen. Es empfiehlt sich, die Verkehrszeiten der neuen Zuge, die in Butzbach, Bad Nauheim und Friedberg halten, in den Taschen-, bezw. Plakat-Fahrplan des Gieß. Anz. einzutragen. So verkehren: Zug 76a Gießen ab 8 Uhr 10 Min., Frankfurt an 9 Uhr 21 Min. norm.; Zug 75b Frankfurt ab 7 Uhr 30 Min., Gießen an 8 Uhr 42 Min. abends. Der letztgenannte Zug ermöglicht gleichzeitig eine bequeme Verbindung mit Darmstadt (dort ab 7 Uhr 55 Min.) und Mannheim.
* * Mühlenumsatzsteuer. Die Abg. Brauer, Erck und 16 Genossen haben einen Antrag bei der Hess. Zweiten Kammer eingereicht, in dem sie beantragen, die Kammer möge beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, im Bundesrat für die Einführung einer staffelförmigen Reichsumsatzsteuer für Getreidemühlen einzutreten. Im Reichstag hat der Abg. Dr. Roesicke (B. d. L.) einen gleichartigen Antrag eingebracht.
* * Kolosseum. Das Benefiz des Humoristen Oswald Naumann ist des Freitags-Abonnementskonzert halber auf Samstag, 29. Juni, verlegt worden. — Am Samstag nachmittag findet eine Kindervorstellung statt.
"'Einbruch. In einem Hause der Kirchstraße wurde in verflossener Nacht ein Einbruchsdieb sta hl ausgeführt. Der Dieb stieg von der Gartenseite durch ein nicht verschlossenes Fenster in die Wohnräume ein und versuchte zunächst den Kassenschrank zu erbrechen, was jedoch nicht gelang. Sodann erbrach er mehrere Behältnisse, in denen er Geld vermutete, es fielen ihm aber nur 2—3 M. Kleingeld in die Hände. Der Dieb hatte es mir auf Bargeld ab* gesehen, denn er nahm sonst nicht das Geringste mit, selbst Briefmarken verschmähte er.
* * Ein Erdbeben? Wie die „Darmst. Ztg." aus Jugenheim a. d. B. mitteilt, zeigte am Dienstag abend der Seismograph ein stärkeres Erdbeben an. Es begann 6 Uhr 2 Min. (M. E. Z.) und dauerte bis 8 Uhr 30 Min. Die stärksten Stöße erfolgten 6 Uhr 18 Min. Entfernung und Ort des Bebens sind unbekannt.
** Haftentlassung. Ter am s)J7ontag auf Veranlassung der Frankfurter Staatsanwaltschaft hier verhaftete Schlossermeister Schön wurde wieder aus der Haft entlassen.
[p Kleins-Linden, 26. Juni. Tas Ergebnis der Berufst und Betriebszählung zeigt für unseren Ort eine starke Vevölkerungszunahme im Vergleich zu der letzten Volkszählung. Tie Bevölkerung ist von ca. 1640 am 1. Dezember 1906 auf 1710 gestiegen. Tie Za ist der Haushaltungen ist 346, Land- wirtschafts- und Fotstwi r tfchastskarten wurden 227, Gewerbeformulare 74, Gewerbebogen nur 7 ausgefüllt. Seit etwa 30 Jahren hat sich das Torf mehr als verdoppelt, damals bestand eine Schulklasse, heute sind es deren fünf. Die große Mehrzahl der Bevölkerung sind Bahnbedienstete, Arbeiter und Gewerbetreibende, die größtenteils Landwirlsck>aft im kleinsten Stil als Nebenbeschäftigung betreiben. Ter Landwirtschaftsbetrieb zeigt fortgesetzt einen Rückgang, da das Gelände andauernd durch Vergrößerungen des Bahnhofs Gießen, zal lreiche Neubauten und jetzt wieder durch die ausgedehnten Kläranlagen Gießens beschnitten wird.
§ Hu n g c n , 26. Juni. Tas Fest der goldenen Hochzeit feierlc jir nahen Ruppertsburg das Ehepaar Georg S e i b ui beüer Rüstigkeit: Seid gehörte lange Jahre dem Orts- vorstand a" — Auf der nahen B r a u n ko hle n g r n be „Friedrich" i-ei Treis findet nächten Sonntag ein großes Bergmann feH stall, wozu zahlreiche Gäste von auswärts eintreffen werden.
Vermischtes.
' B e r I i n, 26. Juni. Heute nachmittag kam ein großer Brand in dem „Vlktotria-Speicher" genannten Lagerhaufe in der Köpenicker Straße aus, wo die Berliner Omnibus- Gesellschaft große Stallungen und Futtervorräte unterhält. Bei der Ankunft der Feuerwehr standen drei Gebäude in Flammen, die bald ein einziges, großes Flammenmeer bildeten. Da eine Explosion des im Speicher lagernden Benzins befürchtet wurde, wurde nach und nach fast die gesamte Feuerwehr herbeigerufen; die Gefahr einer Explosion wurde beseitigt. Etwa 600 Pferde konnten in Sicherheit gebracht werden. Es wurden drei große vierstöckige Lagergebäude vollständig eingeäschert. Ein Stallmann und ein Knabe werden vermißt; doch ist es nicht nicht ausgeschlossen, daß beide bei der großen Verwirrung unbemerkt entkamen. Das Feuer entstand vermutlich beim Abladen von Stroh durch Kurzschluß an dem elektrischen Aufzug. Verbrannt sind große Vorräte von Mais, Hafer, Stroh und Heu, zwei Automobilomnibusse, viel Geschirr und Einrichtungsgegenstände. Große Benzin- und Spiritusvorräte, der Spirituszentrale gehörig, welche zwei Meter unter der Erde unter Kohlensäureverschlüssen lagern, sind gerettet worden. Der Brand beschäftigte die Feuerwehr lvährend der ganzen Nacht, ohne daß es gelang, ihn ganz zu ersticken. Nach sachverständiger Schätzung verursachte der Brand annähernd zwei Millionen Mark Schaden. Die gefährlichen Mauerreste mußten abgetragen werden. Wegen Einsturzgefahr wurden die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen.
* Hamburg, 27. Juni. Zwei Aerzte vom Eppen- dorser Krankenhaus, die am Sonntag Im Segelboot eine Fahrt nackt Brunnsbüttel gemacht hatten, werden per mißt. Man glaubt, daß ihnen ein Unglück zugestvßen sei. — Die Polizei ist umfangreichen Unterschlagungen im Freihafen auf die Spur gekommen, die ein Lagermeister mit einem weitverzweigten Netz von Helfershelfern seit langem betrieb. Ter Schaden, den die Firma erleidet, ist schon jetzt auf über 100 000 Mk. fest- gestellt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Ein Feldzug gegen bte Schnaken wird jetzt vom ital. Professor Santort vorbereitet. Er hat an die Aerzte einen Aufruf erlassen, ihm im Kampf gegen die Schnaken als Träger und Verbreiter vieler Krankheiten hülsreich zur Seite zu flehen; denn nur dann sei Aussicht auf Erfolg vorhanden, wenn zahlreiche Persotten den Vernichtungskrieg gleichzeitig unternehmen. Wie der „Münchetter Med. Wochenschrift" aus Rom geschrieben wird, soll durch Konferenzett, Artikel in den Tageszeitungen, ja selbst durch Ansichtskarten, die den Flug der Schnaken vom Mist zur Küche :c. anschaulich zur Darstellung bringen, die Aufmerksamkeit des Publikums erregt und um seine Mitarbeit geworben werden. Zunächst ist in Aussicht genommen, m einem kleinen Ort am Meeresuier in der Nähe Roms die Pfützen ausfindig zu machen, wo die Mücken ihre Eier ablegen, ebenso die Zett, wann dies geschieht und wann diesen Eiern die Larven entschlüpfen. Dann soll ein geeignetes Verfahren für die Zerstörung der Eier, der Larven und der Schnaken selbst ausgearbeitet werden. t
* Die Macht des Inserats. Der Londoner Korre- spondent der ,B. Z. a. M." meldet den Tod des Mr. Beecham, der durch seine Beecham-Pillen in der ganzen Welt berühmt geworden ist. Seinen Erfolg — er starb als vielfacher Millionär — hatte er nur dem Inserat zn verdanken, und vor einigen Jahren, als er als Gast ans einer Journalisten- Versammlung sprach, gab er das offen zu. Damals sagte er auch, seine Firma gebe jährlich über 2 Millionen Mark für Reklame aus, und cs zahle sich aus. Angefangen hatte er in einem kleinen Fischladen, einer Fischbude auf dem Markte einer kleinen englischen Stadt. Tort verkaufte er seine Pillen, und eines Tages kam eine Frau zu ihm und sagte ihm, seine Pillen hätten ihr sehr gut getan, jebe Schachtel davon sei ein Goldstück wert. Diese Phrase gefiel dem Pillenhändler derart, daß er sich zu einem Inserat, das die Phrase enthielt, verleiten ließ. Aus dem einen Inserate wurde nach und riach das Millionengeschäft. Eine große Abteilung des Geschästs- haiiscS war der Reklameabteilung überlassen, und diese wurde vom Chef selbst geleitet, denn er betrachtete sie als die wichtigste Abteilung seines Geschäftes. Er glaubte an die Macht deS


