Ausgabe 
27.5.1907 Erstes Blatt
 
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basl Material zu Aüfsbändeu und Gewalttaten, während an- ybeccrfeif» her Aufstand dazu bettrügt, die Krankheit weiter zu verbreiten, auch daS EindsiTingeu der Truppen in diese Pest gebiete bricht unbedcnllich ist.

poHtifcbc Lcrgerscharr.

Dir Apanage des Regenten von Braunschweig.

Die staatsrechtliche Kommission des braunschweigischen Landtages hat den Abgeordneten den Antrag bezüglich der Zu zahlenden Rente an den künftigen Regenten zugehen lassen. Aus diesem Antrag ist u. a. zu ersehen, wie eine Uebcr- jcinstimmung in der Frage der Apanagegebühr erzielt wurde. ES ist ferner zu ersehen, daß von dem Beauftragten deS Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, der hoch der allemige Anwärter auf die Regentschaft ist, aber als Re­gent das Präsidium der Kolonial-Gesellschaft behalten würde, die Ansicht bei diesen Verhandlungen vertreten wurde, daß im ,"Falle der Wahl des Herzogs zum Regenten der Stellung Desselben nach außen hin Abtrag getan würde, wenn der seit ;1888 gezahlte Zuschuß von 300 000 Mark schon vor lieber- snahrue der Regierungsverwaltung herabgesetzt werden sollte. 'Einer solchen Herabsetzung könne der Herzog nicht zustimmen, wohl aber sei er bereit, später auf Grund von eigenen Er­fahrungen über die Möglichkeit einer Herabsetzung des Zu­schusses zur landesfürstlichen Rente Erwägungen eintreten zu ilassen und evtl, nach eigenem Ermessen eine Herabsetzung zu sverfilgen. Ferner wird festgestellt, daß die Mehrheit der «Mitglieder des Landtages sich für Bewilligung des vollen Zuschusies von 300000 Mk. geeinigt und ebenso auch der Regentschastsrat zu der Apanage in dieser Höhe seine Zusage /in Aussicht gestellt habe. Im gegenwärtigen Augenblick müsse die finanzielle Bedeutung der Frage hinter der politi­scher Bedeutung zurücktreten. Hiernach kann es nicht zweifel­haft erscheinen, daß im Plenum die landesfürstliche Rente 'ouf 1125 322 Mark bewilligt wird.

Auch etwas von der Würde.

Der vortreffliche Ferdinand Avenarius schreibt im immer noch nicht genügend verbreitete ,,Kunftirart":

Neulich wanhe mir die deutsche und die englische Teil- uehmerliste desDeutsch-englischen Berständigungskomitees" zn- geschickt. Tie englische zeigt nichts Auffallendes in ihrer An- vrdmrug: erst der Vorstand, dann die Mitglieder, und die im sozialen Leben hochgestellten Leute eben dort, wo sie als Mit­glieder hiugetzören. In der deutschen dagegen zunächst eine Seite von durch- und erlauchten Herrschaften unter sich, bevor das ABC der gewöhnlichen Menschen beginnt. Vielleicht ärgert einen die Kleinigkeit nur, weil man weiß, daß die Liste vielen gebildeten Engländern vorgelegt wird und gerade solchen, die gegen uns freundlich einpfinden. Man sieht im Geist ihr Lächeln und kann nicht sagen: ihr habt un*> auszulächeln hier kein Recht. Aber c§ scheint, als kämen wir nun einmal nicht los davon, uns selber zu demütigen vor Zufällen der Geburt. Ist ein Herzog oder Lord aus seinem Verdienste etwas, allen Respekt vor ihm, er mag unser Präsident oder Ehrenpräsident sein. Aber das Ver­dienst 'um irgend etwas kommt doch erst aus dem Handeln, nicht ans dem Geborenwerden.Herr, wie werden Sie banal!" Also wenn's jeder weiß, warum oann dieses sondern in Dunkelblau-, Hellblau- und ordinär Rotblntige? Warum ferner dieses Lausen nachProtektoren" vor jeder Veranstaltung, warum diese beseligten Reden, wenn ein hoher Herr eine Ausstellungeröffnet" usw. ? Es' geht anderswo ohne alles das. Wenn wir's aber nicht lassen tönnen, so sollten wir uns wenigstens nicht besagen, falls fürstlich geborene Leute sich schließlich ganz ernsthaft für etwas besseres halten, als selbst 'die besten Köpfe aus demVolk"'. Sind denn nicht wir es, die ihnen diesen Glauben ans freiem Willen immer wieder mit unserer Bedientengesumung darbringen, als wär s auch der unserige?

Aus Stadt und Land.

Abdruck unserer durch Korrcspoudcuzzeicheu keuutlich ge­machte» Drigiualartiket ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Auz.) gestattet.

Gießen, 27. Mai.

* Der Gcsctzgebungsausschuß und die Wahl- rechtsreVision. DieDarmst. Zlg." schreibt offiziös:

DieFranks. Ztg." (und ebenso mehrere Hess. Blätter. D. Red. d.Gieß. Anz/) bringt in ihrem Abendblatce vom 24. Mai die ! Nachricht, dap der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer sich .zur Beratung des Gesetzentwurfes über die Aenderung der Per- iassung für unzuständig erklärt habe, indem bei der Vorlage des Gesetzes den Bestimmungen des Gesetzes von 1336 nicht Genüge geleistet sei. Um jedem Mißverständnisse vor­zubeugen, wird bemerkt, daß die Großh. Regierung die Gesamt- j Vorlage, enthaltend die Gesetzentwürfe über die Abänderung der '-Art. 67 und 75 der Veriassungsurknnde, die Landstände und die Wahlkreiseinteilung, mit Rücksicht auf ihre Bedeutung ausdrück­lich in Gemäßheit des Gesetzes, bie Ausführung des Artikels 92 der Veriasjungsurkunde hinsichtlich größerer Werke der Gesetzgebung detrefsend, vom 14. Juni 1836, worin die Wahl besonderer Aus­schüsse vorgejchriedcn ist, an die Kammern der Stände Hal gelangen lassen.

Run hat der Ausschuß das Wort.

* * An die Zweite Kammer der Stände hat ein Eisenbahnkomitee zu Erbach t. O. eine Vorstellung gerichtet, betreffend die Erbamlng einer Bahn vom Mümlingtal durch das Marbachtal nach der Bergstraße.

"'Unser botanischer Garten, in dem die Arbeit auch im Winter hindurch nimmer ruht, hat sich, wie alljähr­lich um diese Zeit, seit acht Tagen wie umgewandelt. Da§ große Gewächshaus hat seine Schätze kostbarer exotischer Ge­wächse hergeben müssen, mit denen man im Freien prächtige Gruppen von Palmen rc. arrangiert .hat. Aber auch sonst knospt und sprießt es überall im Garten. Im vorderen park­artigen Teile blühen die Kastanien, dazwischen Goldregen und Flieder. Inmitten der Rasenflächen wird das Auge durch Beete mit zum Teile recht apart feinfarbigen Tulpen und Vergißmeinnicht erfreut. Besonders hervorzuheben sind aber zwei Gruppen blühender Azaleen und die augenblicklich in Blüte stehende Flora der Alpen. Auch das Warmwasser- Bassin am großen Gewächshaus ist in Ordnung gebracht, um m den nächsten Tagen noch als zarte Pflanze die Königin der Blumen, die Victoria regia, aufzunehmen.

Wieder ein paar AutorennUnfälle. In der Nähe der Tenne im Taunus verunglückte der österreichische Mercedes-Rennwagen Nr. 9 b. Der Fahrer Brann nahili 'die Kurve beim Haus zu scharf und der Wagen fuhr gegen einen Baum. Braun hat schwere, aber nicht lebensgefähr­liche Verletzungen erlitten, sein Begleiter kam mit dem /Schrecken davon. Der Wagen wurde schwer beschädigt. ! Der Rennwagen 7 a, ein Benzwagen, geriet beim Durchfahren der Großen Friedberger Straße in Frankfurt in einen Kanal­schacht. Der Wagen ivurde mit Winden herausgehoben und konnte dann die Fahrt fortsetzen. Chauffeur und Mechaniker wurden nicht verletzt.

'* Freit» enkee-V ort rag. Am Mittwoch abend wird

der Geschäftsführer des deutschen Freidenkerbundes, Herr I. P. Schmal aus Franksrn. a. M., in der hiesigen Freidenker- Vereinigung überGlauben und Vernunft" sprechen. Der Vortrag findet im Eass Ebel statt. (Näheres siehe Inseratenteil.)

Darmstadt, 26. Mai. Der Komponist und Kapell­meister M. Merz, als Vertreter deS Vereins zur Unter­stützung und Erhaltung der Tanzschule von Isidora Duncan wurde gestern in Audienz empfangen, bei welcher Gelegenheit S. K. H. der Groß Herzog lebhaftes Interesse für die Bestrebungen des Vereins bekundete und seinen sowie I. K. H. der Großherzogin Besuch für das Gastspiel der Tanzschule am Montag in Aussicht stellte. In der Privatbeleidigungsklage Korell contra Gras - wurm hat Pfarrer Korell Berufung eingelegt. Für den Fall, daß Korell seine Berufung aufrecht erhalten und durch­führen sollte, hat daher, wie der »Tägl. Anz." wörtlich schreibt, Chefredakteur Graswurm durch Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II. ebenfalls Berufung einlegen lassen, um hier­durch der Berufungsinstanz die gesetzliche Möglichkeit zu geben, Herrn Korell wegen der Aeußerung, die er in der Volksversammlung vom 17. Januar I. Js. in Bezug auf die Redaktion desTäglichen Anzeigers" getan hat, in Strafe zu nehmen.

Mainz, 26. Mai. Die diesjährige Hauptversamm­lung des Landesverbands Hessischer Bürger­meister fand dieser Tage hier statt. Der Landesverbands­vorsitzende, Bürgermeister Metzger von Langen, eröffnete, wie derDarmst. Ztg." geschrieben wird, die von über 200 Bürger­meistern besuchte Hauptversammlung und gab zunächst dem Reichs- und LandtagSabg. Dr. Osann-Darmstadt daS Wort zu einem Vortrag über Erbrecht und die im Entwurf vorliegende neue Landgemeindeordnung. In etwa 1 ^stündigem Vortrag ent­ledigte sich Abg. Dr. Osann der Aufgabe. Der Geschäfts­bericht ergab, daß auch im abgelaufenen Jahr der Landes­verband eine rege Tätigkeit entwickelte. Die Mitgliederzahl beträgt b06. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt. Die nächste Hauptversammlung soll in Darmstadt statt- finden. An dem gemeinsamen Mittagsmahl nahmen etwa 160 Herren teil. Der frühere Bürgermeister Freber von Mombach hat s. Zt. an die Stadt Mainz ein großes Ge­lände für über 300 000 Mk. verkauft, das einmal für die Anlegung des neuen Floßhafengebietes verwendet werden soll. Die Steuerbehörde verlangt jetzt von Freber für das an die Stadt Mainz verkaufte Gelände einen nachträglichen Steuerbetrag von 1 2 000 Mk. Freber weigert sich aber, diesen Betrag zu bezahlen, weshalb vor einigen Tagen eine Sitzung der Steuerkommission hier stattsand. In der­selben erklärte Freber, daß er das Gelände nie als Spekulationsgelände betrachtet und es auch nicht der Stadt Mainz zum Kauf angeboten habe. Seine Absicht wäre ge­wesen, das Gelände zum Anbau von Spargelkulturen zc. zu verwenden. Rach dieser Richtung hin sollen nun Zeugen­vernehmungen staltfinden.

Alzey, 26. Mai. Unverhofft hat der hiesige Dentist G. K. den Staub der Stadt von den Füßen ge­schüttelt. Es wurde gegen ihn Anzeige wegen un­lauteren Wettbewerbs und Betrugs erstattet. Be­vor er jedoch abreifte, hat er noch einen jungen Dentisten von auswärts, dem er fein Geschäft samt Inventar verkaufte, getäuscht. Er gab dem Käufer seine seitherige Jahres- eiimahme mit 12 000 Mark an, überließ ihm auchseine" Möbel, die indes Eigentum einer Möbelhandlung sind. Auch der Käufer ist inzwischen wieder abgereist. Das gesamte Inventar wurde vorläufig beschlagnahmt und gegen K. ein Haftbefehl erlassen. K. wurde in Düsseldorf verhaftet.

Frankfurt a. M., 25. Mai. Morgen Sonntag treffen abermals englische Gäste in Frankfurt ein: Mitglieder der Royal Commission on Canals and. Waterways. Die Herren machten eine Rundreise, um deutsche Wasserstraßen und Hafenanlagen zu besichtigen und über deren technische und Verkehrs-Verhältnisse Auskunft einzuziehen. Die Kom- mifion hat bereits französische und belgische Hafenanlagen be­sichtigt. Die bedächtige Gangart des auf dein Transport befindlichen 300 Zentner schweren Eibenbaumes hat sich inzwischen noch verlangsamt. Bis nachts 1 Uhr waren die Transportarbeiten fortgesetzt worden, wo die Arbeit eingestellt wurde. Heute vormittag wurde mit großer Mühe die Riesen­kiste dicht an den Eschenheimer Turm herangeschoben, wo sie für heute und morgen stehen bleibt. In der Montagnacht gehts dann über die Trambahnschienen nach der Hochstraße. Was die Eibe selbst anlangt, so scheint sie sich bei aller Un­regelmäßigkeit ihrer jetzigen Lebenshaltung wohl zu fühlen, denn die Aeste haben frische gelb-grüne Radeln angesetzt. In Zukunft sollen gemäß einer kaiserl. Verfügung nur solche Kriegervereine bei Ka iser-Paraden ober im Spalier vor dem Kaiser Aufstellung nehmen, die dem LandeS- Krieger-Verband bezw. dem deutschen Krieger-Bund angehören. Nachdem vom provisorischen Ausschuß für das 11. deutsche Turnfest, daS 1908 in Frankfurt abgehalten werden soll, die Vorbereitungen erledigt sind, wird demnächst die definitive Bildiing der Festausschüsse vorgenommen. Zur­zeit gelangen an die für den Ehren-Ausschuß und die Fach- Ausschüsse in Aussicht genommenen Personen, im Ganzen etwa 800, Schreiben zum Versandt, die zu der ersten grund­legenden Sitzung für Freitag den 7. Juni einladen. Gestern starb in Sachsenhausen Frau Elisabeth Schunk, geb. Albert, im Alter von 84 Jahren. Sie war die einzige Person, die am 18. Oktober 1857 bei der Pulver-Explosion in der kleinen Eschenheimergasse mit dem Leben davon kam. 14 Personen fanden damals ihren Tod, darunter der Mann der Frau Schunk und ihre drei Kinder. Sie selbst erlitt furchtbare Brandwunden.

Bon dem Eisenbahnunglück bei Schlangenbad geht uns, leider sehr verspätet, folgende Schilderung zu: Der Unfall ist auf zu rasches Fahrtempo und auf ungenügende Brernsbesetzung letztere eine Folge übel angebrachter Spar­samkeit zurückzuführen. Auch die Form der Schienen, Deren Rillen ungenügende Tiefe haben, mas befonders bei starken Kurven das Herausspringen der Räder begünstigt, trug bei früheren und trägt bei dieser neuesten Entgleisung einen Teil der Schuld. Gefahren wurde nach Aussage von Leidtragenden so rasend schnell, daß speziell der verunglückte Wagen hüpfende und schaukelnde Bewegungen machte und die Insassen schon vor Ein­tritt der Katastrophe um ilyre Haut in Sorge waren und sich diesbezügliche Zurufe machten. An der starLn Biegung zwischen Schmeltzers und Petrys Mühle sprang denn der erftt;, hinter der Maschine befinbllchc Wagen aus den Schienen, wurde aber infolge des Gefälles und des Druckes Der beiden nachfolgende«

überfüllten und nicht oder nicht genügend gebremsten Wagen noch etwa fünfzig Schritte neben den Schienen hergeschleist und kam bann durch irgend einen Umstand mit so furchtbarer Ge­walt zu Fall, d< die ihn mit der Maschine verbindende Kuppelung glatt, wie mit einem Messer geschnitten, entzwnriß.

Mit welcher Wucht gefahren worden war, geht daraus her­vor, daß der Wagen nicht in der Fahrtrichtung umfiel, sondern nach einer auf bäumend en Bewegung sich quer über die Chaussee fallen ließ und mit dem Schienenstrang einen rechten Winkel bildete. Wäre nicht ganz unverantwortlich gefuhrwerkt bezw. hantiert worden, so hätten auch die Folgen nicht so schlimme, die Zahl der Unfälle keine so große, das Wehgeschrei und die Hülferufe nicht so entsetzlich sein können. Man denke sich einen Knäuel von fünfzig durch einen furchtbaren Umsturz in einem geschlossenen Waggon burcheiander geworfenen Menschen mit meistens bhitenben Köpfen und von der Angst beseelt, daß vielleicht im nächsten Moment noch Schlimmeres eintrete. Nach­dem durch Einschlagen der Scheiben die Passagiere aus ihrer Lage befreit waren, bot der menschenleere Eisenbahnwagen noch einen merkwürdigen, nervenerregenden Anblick mit seinem Chaos von zurückgelassenen Hüten und Stöcken, seinem Kunterbunt von Hutnadeln, Tamenkämmen, Glasscherben und viel Blut. Mut ist merkwürdigerweise viel mehr geflossen als bei manchem anderen an sich größeren ähnlichen Unglücksfalle. Denn wenn auch schwere Verletzungen nicht vorgekommen sind, so war doch der Anblick des vielen, aus den zahlreichen größeren und kleineren Wunden rinnenden Blutes geradezu entsetzlich. Ein größerer Knabe gewährte, obwohl selbst nicht verletzt, in einem weißen Tennisanzug, der über und über mit Blut anderer befleckt war, einen merkwürdigen Anblick. Die Eltviller Aerzte Dr. Söngen und Dr. Hoffmann hatten reichlich Arbeit. Die schwersten Mr- letzungen sind ein Schlüsselbeinbruch und doppelter Armbruch; schlimm ist auch ein Herr Ludwig Schäfer aus Wiesbaden mit einer tiefen, sehr schmerzhaften Stirnwunde und ein Direktor Kolm aus Frankfurt mit einer starken Zerreißung der Stirn- Haut baDongefommen. Einige ganze Familien, so die Familie Christ. Reinhardt, Louis Kattrein, Wilhelm Heil, sämtlich aus Gießen, sind mit kleineren und größeren Verwundungen beteiligt. Andere sind zwar nicht verwundet, dafür aber blau und braun getrampelt worben. Wer die meiste Verantwortung an dem Vorkommnis trägt, ob das zufällig den Zug führende Personal ober die bei der tvn» bahn bestehenden Einrichtungen, wird die Untersuchung ergeben.

* Kleine Tageschron ; I. Eine durch Gew it ter r e gen unterwaschene Mauer eines Neubaues in Dreileben (Provinz Sachsen) stürzte ein und erschlug zwei Maurer. Ein dritter wurde schwer verletzt. In Pietro Monteeorvina (Italien) stürzte ein Haus in Dem Augenblick ein, als sich die Familie bei Tisch befand. Eine Frau mit zwei Kindern geriet unter die Trümmer. Ein Kmd wurde getötet, das andere schwer verletzt, während die Mutter mit leichten Verletzungen davon kam. Bei Arad wurde das ehemalige Mitglied des ungar. Magnatenhauses, Baron F e s ch 11 g, wegen Lagabondierens und Silberdiebstahls verhaftet. In Calais sind 13 Personen nach dem Genuß von See in u schein unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. 3 Personen sind g e st o r b e n , 5 befinden sich in Lebensgefahr. Durch einen Tornado, der im Norden von Texas ('Nord­amerika) wütete, wurden 11 P e r s o n e n getötet und 60 Per­sonen verletzt.

(Sertd?tsfaai<

D i e g e I ö ft e Verlobung. Em Frankfurter Geschäftsmann hatte sich mit der Tochter eines Schreinermeisters verlobt und diese veranlaßt, ihre Stelle zu verlassen und nach Hause zu reifen, um dort alles für die Heirat Erforderliche zu veranlassen. Plötzlich erhielt die Braut von ihrem Verlobten einen Brief des Inhalts, daß seine Eltern in die Heirat nicht willigen, da sie katholisch sei; er betrachte daher ihr Verlöbnis als gelost. Die Braut gab sich mit diesem Grund nicht zufrieden, sondern verklagte den Ex- bräutigam auf Zahlung des ihr entgangenen Gewinns und der Kosten für die bereits gemachien Aufwendungen. 9tun zog der Beklagte andere Saiten aut Er behauptet einen gesetzlichen t&runb, zur Aufhebung des Verlöbnisses in dem lügenhaften Charakter der Klägerin gehabt zu haben; sie habe ihn nicht nur selbst, sondern auch durch andere über ihre Permögensverhältnisse absichtlich ge­täuscht, denn eine Rücksprache mit dem Vater habe ergeben, daß sie außer der Aussteuer nur eine ganz geringfügige Summe in bar erhallen würde. Die Klägerin bestreitet dies und behauptete, daß der Beklagte, nachdem ihn» der Vater reinen Wein eingeschenkt hatte, noch längere Zeit das Verhältnis mit ihr fortgesetzt habe. Das Zivilgericht nahm an, daß der Beklagte einen rechtlichen. Grund zur Aufhebung des Verlöbnisses nicht gehabt hatte und er­kannte den Anspruch der Klägerin dem Grund nach für gerecht­fertigt an.

Thorn, 25. Mai. Die Strafkammer verurteilte den 17jährigen Arbeitsburschen Mtectslaus Haske ausMockerzu anderthalb Jahren Gefängnis. Er hatte bet einem Streit feiner Eltern, als der V a t e r die Mutte r erwürgen wollte, den Revolver ergriffen und seinen Vater, einen pensionierten Weichensteller, durch drei Kugeln niederge st reckt._________________________________

gptolploK drr «rrimgtes Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 28. Mai*):Hoffmanns Erzählungen/ Mitt­woch den 29. Mai:Ter Trompeter von Säkkingen." Donnerstag den 30. Mai, abends halb 7 Uhr:Lohengrut." Freitag den 31. Mai, abends halb 8 Uhr:Der Bettelstudent/ Santstag den 1. Juni:Die Zauberflöte/ Sonntag den 2. Juni: Zum ersten Male:K ü n ft l e r b I u t." Montag den 3. Juni: .Der Freischütz."

Schauspielhaus.

DKontag den 27. Mai*): Erstes Gesa mt-Ga ft spiel de§ Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male: Das Friedensfe st." Von Gerh. Hauptmann. Diens- i tag den 28. Mai: Zweites Gesamt-Ga st spiel des Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male: Frühlings Erwache n." Von Frank Wedekind. Mittwoch den 29. Mai: Trittes und letztes Gesamt-Gast­spiel des Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male : ,D e r G o l t d e r Ra ch e." Donnerstag den 30. Mat, abends halb 8 Uhr:Der G'wissenswurm." Freitag den 31. Mai: Ein Wuitermärchen." Samstag den 1. Juni: «Zum ersten '1)1 ate:D i e große Gemeinde." Sonntag den 2. Juni: Tie große Gemeinde." Montag den 3. Juni:Ein Winter» märchen."

* ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

FauiMen-Nachrichten.

Geboren: Herrn Proseffeur I. Berryer in Darmstadt ein Mädchen.

Verlobte: Frl. Hanna Adler mit Herrn Zahnarzt Hugo Rochschild in Lübeck. Frl. Anna Klee in Ulfa mit Herrn Georg Heck II. in Schotten. Frl. Emma Werner m Echzell mit Herrn Wilhelm Schlosser in Frankfurt a. M.

Gestorbene: Herr Heinrich Hedrich in Schlitz. Frau Elisabethe Fehr geb. Zinn in Schlitz. Erna Ewald in Weckesheim.

Tausendfach bewährte Nahrung bei:

Brechdurchfall, > Diarrhöe, Darmkatarrh, etc.

Couverts mOirimfbilligst vrübl'iÄe AuiveMStr-vruckerei. Sieb«.

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