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Samstag 25. Mai 1907
Viertes Blatt.
Nr. 120
157. Jahrgang
Erstheini täglich mtt Ausnahme des Sonntags.
Ernster ist ein anderer
bei dem es sich um eine
Verlobte
möbel
Moderne
kaufen keine Einrichtung ohne vorher das grosse Muster-Haupt- ausstellungshaus der Darmstädter Möbelfabrik, Heidelbergerstrasse, welches als Sehenswürdigkeit L Banges und bedeutendstes .aus seiner Art bekannt ist, besichtigt zu haben. Man verlange Preisliste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von comnletten Zimmern). b”/.
A n m.: Tie in JUommcrn gesetzten Ziffern geben en, wie viel der Todesfälle in der betressenden Krankheil auf von auSwürtl nach (Äiesien gebrachte Kranke kommen.
Die „Stehen« Lamillenblättcr" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „KrebbUtit für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint mmmttich einmal.
Notattons druck und Verlag der Brüh lachen UntversitätS - Buch- und Sttinbtuctati.
8L Sauge, Eietzea.
Redaktion, Expeditwn und Druckerei: Echul- straße7. Expedition und Verlag: ea® 5L Redaktion: 112. Tell-Adrn AnrelgerEietzeu.
Gietzener Steiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Aus unglücklicher Liebe.
• Aus Berlin wird uns geschrieben:
©dien sind in Berlin so viel Selbstmordversuche, Atteu- tate rc. — aus unglücklicher Liebe — vorgekommeu, wie in diesem wunderschönen Monat Mai. Eine von diesen Selbstmordkandi- datinnen zeigte sich besonders gewissenhaft und ein hübsches Trenstmädckxm hatte beschlossen, sich selbst aus Liebesgram in ein besseres Jenseits zu befördern. Als die Sxrrin eines Abends von einem Spaziergang nach Hause kam, fand sie neben der im Korridor stehenden Lampe einen von der Hand ihres Tienst- mädchens geschriebenen Zettel vor, auf dem die Worte standen: „Bitte nicht in die Küche mit Licht zu gehen, ich bin lebens- überdrüssig." Als die Dame die Küche betrat, lag das Mädchen bewußtlos auf dem Fußboden. während aus dem vom Herde herabhangenden Schlauch das Gas herausströmte und den ganzen Raum erfüllt hatte. Es gelang, sie wieder ins Leden zurückzurufen und ein gehöriger Kopfschmerz, der als einzige dumpfe Erinnerung an den Selbstmordversuch zurückblieb, dürfte der .Lebensüberdrüssigen" hoffentlich weitere derartige Gedanken aus- treiden.
Auch in den Gerichtssälen gibt es zurzeit viele Prozesse, bei denen die Liebe das Haupttnotio ist Von einer Eheirrung mit tragikomischem Ausgang erzählt folgender Fall:
Die Frau eines Arbeiters unterhielt hinter dem Rücken ihres Mannes Beziehungen zu einem Herrn Ueberholz, der je nach Bedürfnis als Dolmetscher oder Musiker figurierte. Die Frau veranlaßte ihren Mann, eine größere Wohnung zu beziehen und zur Betreibung der Miete Aftermieter zu neunten. Der Mann „folgte also dem Weibe", und nun kam eines Tages Herr Ueberholz und mietete sich bei seiner Liebsten als „Schlafbursche" ein. Doch was ist das Leben mit Liebes- aber ohne Goldes- glanz? Ueberholz empfand den Ueberfluß seines Geldmangels schmerzlich und sann auf Abhülse: er überredete die Frau, mit chm zu fliehen und das zur FlurA nötige Kleingeld ans der Wohnungseinrichtung herauszuscylagen. Gesagt, getan. Das Pärchen begab sich zu einem Möbelhändler. Dort gab sich Ueberholz als der Ehemann aus, und bald wurde man um 300 Mark Handelseins. Eines Tages fand nun der richtige Ehemann seine Wohnung ohne Möbel, ohne Frau und ohne Schlafburschen vor. Aber die Frau hatte kein Glück mit ihrem Entführer: er verschwand, während feine Liebste draußen geduldig wartete, durch ein Haus und ließ sie sitzen. Nun versuchte die verlassene Liebesbedürftige sich wieder mit ihrem Ehemann auszusöhnen. Da kam sie aber schön an. Als sein Weib sich ihm reuevoll näherte, vermöbelte er es nach allen Regeln der Kunst. Hätte sie nun noch „brummen" müssen, so wäre die Sühne zu groß gewesen. Das Gericht sprach sie Beweismangelshalber frei, ihr „Ueberholz" aber mußte die Entführungsgeschichte mit neun Monaten Gefängnis büßen.
Lehrer-Frau handelte, die aus Liebe zu ihrem Manne auf Grund einer gefälschten Quittung mehrere tausend Mark von einer Bank abhob. Der Ehemann — ein Lehrer in Thüringen — bezieht 83 Mark monatlich. Bor seiner Verheiratung hatte er Schulden gemacht, zumal er damals nur 55 Mark im Monat verdiente. Als die Gläubiger drängten und chn anzuzcigen drohten, liest sich feine Frau zu der unbedachten Tat hinreißeu, fälschte den Namen einer reichen Kusine in Berlin und bekam 2000 Mark, ober auch vier Wochen Gefängnis, weil der Betrug sehr bald entdeckt wurde. > Der Staatsanwalt hatte vier Monatt beantragt. Aber die Frau verdiente freigesprochen zu werden. Sie ist feine Verbrecherin i,m gemeinen Sinne. Ein Gehatt von 83 Mark i.st unwürdig, und Schulden davon zu bezahlen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Daß dann die Verzweiflung auf falsche Wege lecket, wird jeber billig Denkende begreiflich und —. oerzechtich sm den.
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fast die doppelte Anzahl Wähler als England, trotzdem der Engländer vier Jahre früher in den Besitz des Wahlrechtes gelangt.
Lehrreich ist auch ein Vergleich zwischen den Hauptstädten beider Länder. London batte im Jahre 1901 eine Gesamtbevölkerung von 4 944 689 Seelen und im Jahre 1904 673 604 Wahlberechtigte, folglich 13.6 Prozent der Gesamtbevölkerung, Berlin dagegen hatte bei einer Gesamtbevölterung von 1931710 im Jahre 1903 444 871 Wahlberechtigte, mithin 23 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es waren damals also in Berlin (auf den Kvpf der Bevölkerung gerechnet) etwa 41 Prozent mehr Wakst- berechligte als in London. Da es nun zweifellos ist, daß von der vorhin erörterten Wttkung des englischen Wahlrechtes in der Hauptsache die unteren Schichten betroffen werden, die in Berlin fast ausschließlich sozialdemokratisch gewählt haben dürften, so würden Die sozialdemokratischen Stimmen in Berlin zusammenschrumpfen, ^vodnrch Berlin nicht mehr die Hochburg der Sozialdemokratie fein würde.
Ferner haben D»ie ländlichen Wahlkreise in England einen größeren Prozentsatz Wähler als die industriellen städtischen Kreise. Tenn wenn bei einem Durchschnittssatz von 17 Prozent für ganz England von der Londoner Bevölkerung nur 13.6 Prozent wählen tonnen, so kann der Ausgleich nur den ländlichen Einwohnern zugute kommen.
Jas Wahlrecht in England.
Die Sozialdemokratie kann sich nicht genug daran tun, die Zustände in Deutschland grau in grau zu schildern, unser Vaterland als das rückschrittlichste Land hinzustellen, wo Recht und Freihett nur auf dem Papiere stünden und dann im Gegensatz dazu die Einrichtungen in England über den grünen Klee zu loben.
Verschwiegen wird dabei ober immer, daß England auch heute noch trotz der verschiedensten Reformbills des alten Gladstone eine fast rein aristokratische Verfassung hat, daß die großen Latifundienbesitzer das politische Leben des englischen Volkes durchaus beherrschen, und daß an ein so radikal-demokratisches Wahlrecht, wie cs das deutsche Reich besitzt, in England gar nicht zu denken ist. Ein Vergleich zwischen beiden Wahlrechten wird zeigen, wie weit England noch von den Freiheiten entfernt ist, die jedem Deutschen durch die Verfassung des Deutschen Reiches gewährleistet sind.
Das allgemeine und gleiche Wahlrecht für den deutschen Reichstag besitzt jeder Deutsche, der über 25 Jahre alt ist. Ausgeschlossen von der Berechtigung zum Wählen sind nur solche Personen, die unter Vormundschaft stehen, sich im Konkurs befinden, Armenunterstützung beziehen oder denen die staatsbürger- lidjen Rechte aberkannt sind. Das englische Wahlgesetz kennt diese Einschränkungen in der Weise gleickstalls, weist aber ferner eine große Anzahl anderer Bestimmungen aus, die die Wirkung haben, daß eben für eine große NLasie von Engländern das Wahlrecht illu- sorisch ist. Der Kern dieses ist, daß es in irgend einer Form mit dem Grundbesitz verknüpft ist. Dadurch sind natürlich die Grundbesitzer wett besser gestellt, als die Besitzlosen. So hat in England z. B. ein Grundbesitzer in jedem Wahlbezirke, in dem er Besitz hat, eine Stimme. Wenn die Ausübung dieses Rechtes auch in der Praxis nicht allzu ost vorkommen wird, so ist doch immerhin in Großstädten, bei den viel kleineren Wahlkreisen als in Deutschland (Loudon hat z. B. 62 Wahlkreise) die Ausübung des Wahlrechts möglich. Bei der letzten Wahl gab ein Wähler, der in über 30 Londoner Wahlkreisen begütert ist, auch dementsprechend viele Stimmen ab. Er fuhr in der Droschke von Wahlkreis zu Wahlkreis und machte von feinem Rechte, zu wählen, Gebrauch. Welche Wttkung dieses Recht im allgemeinen hat, lehrt uns der Wahltteis London City, der bei einer Bevölkerung von 26 923 Personen (Äiänner, Frauen, Kinder) 32 916 Wahlstimmen hat. Als Gegenstück kann der Wahlkreis Shoreditch mtt überwiegend Arbeiterbevölkerung gegenübergestellt werden, der bei einer Bevölkerung von 117 706 Personen nur 14 620 Stimmen hat.
Jedenfalls ist dadurch das Prinzip der Gleichhett des Wahlrechtes durchbrochen im Gegensatz zu Deutschland, wo der größte Grundbesitzer nicht mehr Recht hat, als sein ärmster Taglöhner.
Eine Einsck-räukung von noch wett größerer Wirkung erfolgt in England dadurch, daß die Stentc, Pacht oder Miete eines zur Wahl berechttgleu Grundstückspächters oder etties Mieters mindestens 10 Pfund Sterling oder 200 Mark betragen muß. Wenn man bedenkt, wie wenige Arbeiter, Knechte, Angestellte aller Art, besonders solange sie unverheiratet sind, 200 Mark für Miete ausgeben, kann man leicht ermessen, wie vielen Leuten der unteren Klassen infolge jener Bestimmung das Wahlrecht genommen ist. Die Allgemeinheit des Wahlrechts wird aber dadurch noch vermindert, daß Pächter am 15. Juli des Wahljahrs mindestens 12 Monate in demselben Wähldistrikt als Mieter (lodgers) für den gleichen Zeitraum in ein auud demselben Hause gewohnt haben müssen^ wenn sie Anspruch auf Stimmrecht machen wollen. Bei dem Hm- und Herfluten der Arbetterbevölkeruug hat diese Bestimmung abermals eine die unteren Aasstm Englands in ihrem Wahlrechte stark beschränkende Wirkung.
Das englische Wahlgesetz enthält noch eine Reihe anderer, zmn Teil recht verzwickter Paragraphen, wie Unterschied zwischen länblid)en, städtisck)en Wahlkreisen usw., deren Besprechung aber hier zu weit sichren dürfte. Nur noch auf einen Punkt wollen wir aufmerksam machen.
England und Wales hatten im Jahre 1901 (neuere Zahlen liegen uns von dort nicht vor) 11 693 130 männliche Bewohner über 21 Jahre; davon waren Wähler 5 464 231 = 47 Proz. Deutschland hatte im Jahre 1900 12 700 688 männliche Bewohner über 25 Jahre; davon durften das Wahlrecht ausüben etwa 11 880 000 = 9d Prozent. Mithin hatte Deutschland damals
Dermifctytest
• Das verklagte Huhu. Mr. Righton erlitt bei einem Radausflug in der Nähe von London einen Unfall; durch eine Henne. TaS Tier wollte einem Hund auSweichen. und flog dem Radfahrer zwischen die Speichen des Vorderrades. Mr. Righton kam hierdurch natürlich zu Fall, ver-- letzte sich am Kopf und demolierte seine llNaschine. Er ver-> klagte den Besitzer des Unglücksvogels auf Schadenersatz,, weil er „ein gefährliches Tier ohne Aufsicht habe Herumlaufen lasten'. DaS Gericht konnte sich aber den Ausführungen des Klägers nicht anschließen, denn »man hätte nicht erwarten können, daß ein Huhn eine Gefahr für den Verkehr bildete*. Schuld an dem Unfall fei der Hund gewesen, welcher das Huhn verfolgte. Die Klage wurde daher: abgewiesen, dem Kläger aber freigestellt, gegen den Besitzer, des Hundes vorzugehen.
tzionMtzk ilfbnfidjt der befällt iß tzirßrir.
Monat April 1907.
Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 (inkl. 1600 Mann Militär). Slerblichkeitszisier: 23,20 •/<*, nach Abzug von 27 Ortsfremden: 12,40 Vos.
Kinde*
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—16. Jahr 1(1) 1(1)
Diphtherie
1 (1)
—
Lungenschwindsucht
10 (3)
9(2)
Lungenentzündung
8(3)
8(3)
Bronchttis
4(2)
3(1)
Herzleiden
6(2)
6(1)
Schlagstuß anderen Gehirn-
1
1
krankheiten
3(2)
3(2)
Darmkrank Hecken
2(2)
2(2)
Nierenentzündung
3(1)
3(1)
Neubckdungen
5(2)
5(2)
Selbstmord
1
1
Totschlag Verunglückung
1(D 2(1)
1(1) 2(1)
anderen Krankhecken
11 (7)
5(3)
Sununa:
58 (27)
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