Nr. 171
Zweites Blatt
157. Jahrgang
Der Erste Vorsitzende des
Nationalliberalen Vereins Vereins der nationalliber. Jugend, gez. Proi. F. Moldenhauer. gez. E. Barn"
Ter Erste Vorsitzende des
Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Meuterer hatten iclnerzeit niehrere Wt a | d) i n e n g c w e h re geraubt, von denen eins verschwunden blieb. Jetzt entlockten Geheimagenten unter der Maske von Revolutionären einigen beteiligten Soldaten das Geheimnis. Das Maschinengewehr wurde von den Agenten angeblich zu revolutionären Zwecken reklamiert, nach den Angaben der Soldaten vergraben gefunden und unbemerkt zum Generalgouverneur geschafft, der die nötigen Verhaftungen telegraphisch anordnete.
Warschau, 23. Juli. Die polnischen Gutsbesitzer der Gouvernements Kiew und Podolien haben für die Duma wählen ein Uebereinkommen mit den russischen Gutsbesitzern abgeschlossen. In ftteiu wurde das städtische Wahlbureau plötzlich einer Revision unterzogen. Wie ver- laiitet, werden die Wahlstatistiker, deren Tätigkeit der Negierung mißfällt, entlassen werden.
DerrtZches Reectz.
Berlin, 23. Juli. Es gilt jetzt als feststehend, daß Kaiser Wilhelm und König Eduard in den Tagen vom 14. bis 16. August zusammentreffen werden. Vermutlich wird die Begegnung in Wilhelmshöhe staltsinden. Die Einladung König Eduards an Kaiser Wilhelm zum Besuch in England lautet nicht wie angegeben wurde, auf die zweite Hälfte des November, sondern auf die erste Hälfte dieses Monats. Der Besuch wird nunmehr voraussichtlich in dieser Zeck stattfinden. Wahrscheinlich wird die Kaiserin ihren Gemahl begleiten, doch steht dieses noch nicht fest.
— Der Oberbürgermeister von Rixdorf, Hermann Boddin ist im Alter von 63 Jahren gestorben.
Rom, 23. Juli. Die Kurie ist überzeugt, daß die Stellung einiger deutscher theologischer Professoren infolge des neuen Syllabus unhaltbar sei. Die Kurie will zuerst versuchen, die theologischen Fakultäten besonders des Auslandes zur formellen Anerkennung de» Syllabus zu bewegen, dann aber zur Maßregelung einiger Professoren in Würzburg, Freiburg und der Schweiz schreiten, darunter gegen vier Unterzeichner des Index-Gesuches.
Posen, 23. Juli. Gegen die wenigen polnischen Schulkinder, die sich gegenwärtig noch im Streik befinden, wendet die Behörde ein neues Strafmittel an, einige Schulen der Provinz nämlich, in denen die Kinder immer noch nicht zum Gehorsam zurückgekehrt sind, haben keine S o m m e r s e r i e n bekommen.
Mittwoch 24. Juli 1907
▲ ▲ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Mp Universitäts - Buch- und Steindruckereü
H R. Lange, Gießen.
ArrsLand.
Wien, 23. Juli. Das Abgeordnetenhaus nahm heute die definitive Präsidentenwahl vor, die vier Wochen nach den provisorischen Wahlen stattfinden muß. Von 315 abgegebenen Stimmen erhielt Weißkirchner 311. Präsident Weißkirchen dankte und bat alle Abgeordnete, ihn in seinem schweren Amte zu unterstützen. „Alle Abgeordnete haben ein Ziel vor Augen", sagte Weißkirchner, „dem Vaterlande und unserem Volke zu dienen."
Rom, 23. Juli. Der Senat, der heute als Staatsgerichtshof zusammengetreten ist, hat den Antrag des Ex- ministers Nasi auf seine vorläufige Haftentlassung ab- gelehnt.
London, 23. Juli. Der Petersburger Korrespondent des „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß nunmehr alle Punkte des englisch-russischen Vertrages definitiv festgestellt seien.
Konstantinopel, 23. Juli. Hier sind Depeschen eingetroffen, wonach der persische Großvesir, dessen Sohn und 14 seiner Anhänger ermordet worden seien. Die hiesige persische Gesandtschaft erklärt, keinerlei Bestätigung dieser Nachricht zu haben.
Soeul, 23. Juli. (Reuter-Bureau.) Vicomte Hayasht erklärte im Verlaufe einer Unterredung, daß die Abdankung des Kaisers von Korea, die mit der Ankunft Hayashis in Soeul zusammentraf, völlig überraschend gekommen sei und im Gegensatz zu seinen eigenen Plänen stehe. Weder er selbst, noch die japanische Regierung hätten irgend einen Anteil an der Abdankung. Wenn er befragt worden wäre, hätte er sie nicht angeraten. Der koreanische Thron habe nichts von Japan zu befürchten, aber Japan müsse in der Lage sein, die Verwaltung von Korea zu organisieren.
Cm deutsches lenkbares MUUärLufLschifs.
Berlin, 23. Juli. Den Abendblättern zufolge unternahm das deutsche lenkbare M ilitärl u ft schiff heute mittag seine erfte Fretfahrt, die drei Stunden dauerte. Der Aiisstieg erfolgte von der Jungfernheide. Das Luftschiff fuhr gegen mäßigen Wind nach Spandau nnb machte dort eine Reihe interessanter Hebungen, Bogen und Schleifen; den Schliiß bildete eine vollständige Umkreisung der Nikolai- kirche. Zuweilen näherte sich der Ballon, in dessen Gondel sich zwei Personen besandeii, so tief der Erde, daß man das Geräusch der Schraubenflügel vernahm und flieg dann wieder in die Lüfte empor, sodaß es dein unbewaffneten Aiige nicht größer als eine Zigarre erschien.
Dem Berl. „Lokalanz." zufolge unternahm der lenkbare deiitsche Mi lit ärb al l on am 23. Juli abends einen zweiten erfolgreichen Ausstieg auf dem Gelände der Juugfernheide. Das Fahrzeug beschrieb Bogen und Schleifen, hielt mitten im Lause an und gehorchte während fünf Stunden bis zum letzten Augenblicke mit Steuer, Schraube und Motor jedem Komniando. Es wird gesagt, daß der deutsche Ballon bei seiner gestrigen ersten Auffahrt den von dem französischen Ballon „Patrie" aufgestellten Rekord in der Fahrtdaiier uni 15 Minuten geschlagen habe. Andere Erfolge bewahrt die Truppe als militärisches Geheimnis.
Hufüiiimigfciten auf der Haager Konferenz.
London, 23. Juli. Der Sonderberichterstatter des Daily Telegraph bet der Haager Konferenz meldet, daß die nnermartete Vertagung der morgigen Sitzung auf weitgehende Differenzen unter den Delegierten verschiedener Länder zurückzuführen sei. Der Erfolg der Konferenz sei überhaupt sehr in Frage gestellt. Die Konferenz soll am 20. Aiigust zu Ende kommen. In diesem Falle müßten fast alle Hauptfragen der Erörterung, darunter die Frage der Kriegskontrebande, die Frage der Blokade von Handelshäfen, die Behandlung^ des Privateigentums auf dem Meer, die Ausbildung des Schiedsgerichtssystem,s unerledigt bleiben und vermullich irgend einem künftigen Friedenskongresse überlassen werden.
Haag, 24. Juli. In der gestrigen Sitzung der ersten Kommission gab Frhr. von Marschall die Erklärung ■ ab, daß Deutschland dem amerikanischen Vorschläge zustimme, wonach die Anwendung von Gewalt zur Erzwingung der Erfüllung kontraktlicher Verbindlichkeiten aiisgeschlossen sei, wenn der Schuldnerstaat bereit sei, sich dem Spruch eines Schiedsgerichts zu unterwerfen und dessen Entscheidung loyal erfülle. Marschall nahm alsdann Anlaß, gegenüber der Frage des obligatorischen Schiedsspruches den Standpunkt Deutschlands zu präzisieren. Dieser sei heute nicht mehr derselbe wie vor 8 Jahren. Deutschland sei für den Gedanken obligatorischer Schiedssprüche gewonnen worden. Die Rede des Freiherrn wurde mit Spannung angehört. Nach ihrer Beendigung erhob sich langer allgemeiner Beifall. Eine Reihe von Delegierten ging auf Marschall zu, um ihn zu beglückwünschen.
— Die koreanische Deputation ist plötzlich vom Haag abgereist mit unbekanntem Reiseziel. Der Leichnam ihres verstorbenen Kameraden wird morgen über Rotterdam nach Korea transportiert. In mehreren Kreisen erfährt die koreanische Mission jetzt sehr eigentümliche Kommentare. Es wird ernstlich behauptet, daß ihre nach dem Haag erfolgte Entsendimg ein äußerst geschickt von japanischer Seite inszenierter Coup gewesen sei, zu welchem der koreanisehe Prinz sich bewußt oder unbeivußt hergab und welcher den Japanern den längst gesuchten Anlaß zur Beseitigung des unbequemen Kaisers bot.
Minister Tr. Holle und Herr Nlthoff.
Das „B. T." kündigt den Rücktritt des wohl einflußreichsten Ministerialdirektors in Preußen, des Geheimrats Althoff vom Kultusministerium, für den Herbst an, und es erblickt auch darin ein Anzeichen, daß unter dem neuen Minister Dr. Holle die alten Studtschen Gleise in der Unter» r.chtsverwaltung endgültig verlassen seien. Das Blatt frohlockt zu früh. Wenn Dr. Althoff, der übrigens nur für oas Universitäts- und höhere Schulwesen zuständig ist, nach 25 jähriger Tätigkeit aus dem Dienst scheidet, so tut er es lediglich, weil er seit Monaten kränkelt, und nicht, weil er dem Nachfolger Dr. v. Studts zu eigenwillig ist. Den neuen Geist im Unterrichtsministerium ersehnt die große Mehrheit des preußischen Volkes überdies in der Hauptsache für das Volksschulwesen, bei dem es an Anzeichen für einschneidende Veränderungen zurzeit noch fehlt.
Verbefferungsvorschläge zum Eisenbahntarif.
Der Nationalliberale Verein und der Verein der nationalliberalen Jugend in Köln hatten am 24. Juni in einer gemeinsamen Versammlung die Wir- kunaen der Eisenbahntarifreform besprochen und ihre Stellungnahme in einer Entschließung zum Ausdruck gebracht nut deren besonderer Ausarbeitung em Ausschuß beauftragt worden war. Nach mehrmaliger eingehender Beratung durch diesen Ausschuß ist jetzt der „Köln. Ztg." zufolge von den Vornünde.l der beiden Vereine folgende Entschließung an den töifenba l)nin inift er mit der Bitte um Kenntnisnahme und Prüfung der Verbesserungsvorschläge aesandt worden:
Neues aus Rußland.
Riga, 23. Juli. Auf Befehl des Generalgouverneurs Möller-Sakomelski sind neuerdings scharfe Repressalien gegen die Revolutionäre im Gange. Täglich werden Haussuchungen und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Mehrere liberale Rigaische Blätter wurden sistiert. Das Kriegsgericht, das infolge de§ neuen Befehls eine ähnliche Wirksamkeit wie das Feldgericht ausübt, füllte mehrere Todesurteile. Unter den Verhafteten befinden sich viele Studenten, Arbeiter und Frauen. Auch ein sozialistisches Geheimkomitee wurde während der Sitzung aufgehoben.
Der Bert. Lokalanz. meldet aus Riga: Die Libaner
Ans SLnSt un- Lund.
Schmückt Eure Fenster und Lalkone mit blühenden Blumen.
Gießen, 24. Juli 1907.
* * I. K. H. ter G r o ß h e r z o g u n d 0 i c G r o ß h e r z o- ain statteten am Dienstag der Lenbach-Ausstellung in der Gallerie Hermes zu Frankfurt a. M. einen Besuch ab.
• * Ordensangelegenheiten. S. K. H. derGro ß- h erzog haben dem Gräflich Gürtzischen Diener Will). Pfaff zu Schlitz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von' S. M. dem deutschen Kaiser verliehenen Medaille des Königlich Preußischen Kronen-Ordens erteilt.
* ♦ Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer G. Geck zu Röthges die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Trohe, dem Lehrer Ludw. Petri zu Birklar die Lehrerstelle an der Genieindeschule zu Beltershain und dem Lehrer Hch. Gompf zu Bernsfeld die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Geilshausen. — Erledigt ist die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Homberg. Mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden.
* * Erledigt ist die Stcuerkommissärstelle des Steuerkommissariats Darmstadt I mit Wirkung vom 15. Oktober 1907 an.
"Gehaltszahlung anBeamte und Pensionäre. ^Wie wir vor etwa einundeinhalb Jahren mitteilten, waren die Hauptstaatskasse und diejenigen Bezirkskassen, die ein
iPoLittjche ■
r•• Karlsruher Mordprozeß.
.cach fünftägiger Verhandlung ist in der Nackt ium »aIt8ßallUßaumhr,feHfa/^rtSt,rOäel 0C9en ben Rechtsan-
J 'S Urteil gesprochen worden, das man abend allgemein erwartet hatte. in<^lne? ourfte der, auf des vorsätzlichen und Än Mordes schuldig lautende Spruch der Geschwo- Befriedigung auf genommen werden, denn viel Aympathierl kann man der Gestalt, die in Karlsruhe aus >er Anklagebank saß, nicht entgegenbringen. Selten hat m Strafprozeß so sehr die Oeffentlichkeit beschäftigt, wie 'er soeben zu Ende gegangene, weil sich selten während ter Verhandlung so biet unerwartete Zwischenfälle ereignet )aben und weil ferner selten ein Angeklagter von so froher Intelligenz eines so schweren Verbrechens beschul- »igt worden ist. Der ehemalige deutsche Rechtslehrer stand n svicheni Maße über der Situation, daß Vorsitzender, uatyanipalt und Verteidiger dem geistig offenbar über* egenen Angeklagten gegenüber zeitweise den denkbar .ywersten eianb hatten. Daraus mag es auch zurückzu- uhren sein, daß es mitunter den Anschein hatte, als
Vorsitzeirde den Geschworenen die Schuld Haus lUsoktroyieren wollte, und als ob auch der Staatsanwalt n mancher Hinsicht feine Amtsgewalt überschritten hätte. Naturgemäß mürbe dadurch der Verteidiger nervös und >ie üblichen Zusammenstöße zwischen ihm einerseits und >em Vorsitzenden sowie dem Staatsanwalt andererseits wirten so hestig, daß Dr. Dietz mehrfach mit der Nieteregung der Verteidigung drohte. Selbst gegenüber dem Angeklagten befand sich der Verteidiger in einer pre- uren Lage, weil Hau selbst fein Hehl daraus machte, daß er »on Anfang an sich mit feinem Anwalt über wichtige fünfte nicht einigen konnte.
Der Karlsruher Prozeß hat wieder einmal den Beweis geliefert, daß unsere Strafprozeßgesetzgebung sehr reformbedürftig ist, und daß die Beibehaltung ter Geschworenen- lerichte eine dringende Notwendigkeit ist. Während der Verteidiger, wie er sagte, sich wiederholt vom Vorsitzenden lat abkanzeln lassen müssen, hat dieser auf der anderen i5eitc gegenüber dem Staatsanwalt gar keine Macht, denn ist ihm eben gleichgestellt. Der Vertreter der Anklage ttso kann schalten und walten wie er will, der Vertreter es Angeklagten dagegen darf nur reden, wenn es ihm ter ^rozeßieiter erlaubt. Das sind Lücken im Gesetz, deren lussüllung sich der Reichstag bei der Beratung der ge- )lauten Slrasprozeßreform sich sehr angelegen sein lassen eilte. Daß in dieser die Schwurgerichte beibehalten wer- •en, ist von [eiten der Regierung wiederyolt versichert Dorten, man braucht also in dieser Richtung nicht besorgt u feilt. Die auS ben verschiedenen Berufskreisen stammen- <cn Karlsruher Geschworenen sind sich sicherlich der Trag- ocite ihrer Abstimmung bewußt gewesen, wenn sie überwiegend ben Rechtsanwalt Hau zum Tode verurteilt haben, riie haben der ganzen Verhandlung beigewohnt und fön* teu natürlich besser als der Fernstehende den Eindruck jetoonnen haben, daß Hau ben entscheidenden Schuß auf eine Schwiegermutter abgegeben hat. Daß er sich in der )tähe aufgehalten, hat er schließlich nicht mehr geleugnet, uenn er auch als Grund seines Aufenthalts in Baden-Baden ie Neigung zu feiner Schwägerin Olga angegeben bat. Ls wollen zwar verschiedene Zeugen noch andere Gestalten nit Bart und Mantel am Tatort gesehen haben, aber die Verkleidung Haus, die er nicht ab gestritten hat, ist jeden- alls sehr gravierend. Recht auffällig ist auch die Ansicht ;ineS Sachverständigen, der allerdings ebenso wie seine .tollegen Hau für geistig normal hält, aber nicht an seine Schuld glaubt. War es schon merkwürdig, daß dieser Sachverständige sich am Sonnabend mit herzlichem Händedruck jon dem Angeklagten verabschiedet hat, so ist es noch citiamer, daß er in einem Schrewen an den Verteidiger Haus ausdrücklich erklärte, daß er ihn nicht für ben Mörder yalte. Noch am letzten Tage trat der Diener Wieland auf, )er bisher nicht aufzufinden war und den viele deshalb für ben Täter hielten, um feine Unschuld zu befeuern. Auch dadurch verschlechterte sich die Situation des Ange- ilagten, die sein Verteidiger sofort angemeldet hat.
Es bleibt zunächst abzuwarten, ob das Reichsgericht ihr ftattgeben wird. Geschieht dies, bann ist es nicht unmöglich, Daß wir eine zweite Auflage bes Sensationsdramas von Baben-Baden erleben.
Trschetnl täglld) mit Ausnahme bes Sonntags. Sie „Sietenet SaSmiet-- werben ben. „Slnieifjet" viermal wöchentlich beigeleat bas "««"b'-U d-n Kreis * wbch°ntltch. Der „hessische £anbu>irt- erschemt monatlich einmal.
I . „Der ytatioiiallibeiale Verein und der Verein der nanoiu-.l- liberalen Jugend sprechen sich nach eingehender Beratnng balüii auS, daß eine t e i l >v e i s e A e n d e r u n g des neuen Eisen- d a h n t a r t f § im Interesse unserer Verkehrs- und WirlschaÜL- Verhältnisse erforderlich ist. Sie sehen das Mittel dazu in: 1. der Beseitigung der F a h r k a r t e ii st e u e r, 2. der Beschränkung des S ch n e l l z u g s z u s ch l a g s auf die I) und L Züge (internationale und große Züge), wie seinerzeit in Aussicht gestellt, 3. der Aeiideriing des § 14 der E.-V.-O. dahingehend, daß beim Uebertritt in eine höhere Klasse nicht die Hälfte des Fahrpreises der hohern, sondern nur die Differenz zwischen der in Betracht kommenden niederii unb höhern Klaffe nachzuzahlen ist, 4. der Eriifüh r u n g von F a h r s ch e i ii e n von jeder Station nach jeder Station innerhalb des Deutschen Reichs, nnb zwar für Personen unb Gepäck, 5. der Einführung eines Z o ii e n- und G e iv i ch t starifs nach Dekaden am der Grundlage von zwei Pscnnig für je 10 km und 10 kg mit Abrundung nach oben; als Mindestsatz zur Beförderung ivird angenommen: 20 km und 20 kg. Für schwereres Gepäck, das auf eine Fahrkarte ausgegeben wird, kommen dieselben Sähe mit der Maßgabe zur Amvenomig, daß das 200 kg übersteigende Gewicht doppelt zil rechnen ist. Tie Wirkung des letzten Vorschlags gestatten ivir uns an folgendem Beispiel zu erläutern : Ein Reisender fährt nut 85 kg Reisegepäck von Köln nach Dortmund. Die Entferiiung beträgt über Duisburg-Oberhausen 119,2 km, es kommen also 90 kg und 120 km in Berechnung, für die der Reisende zii zahlen hätte: 9x12x2 = 2,16 2)1 f. — mit Abrundung 2,20 M. Mit der Bersicherutig vollkommenster Hochachtung ergebenst


