Ausgabe 
23.2.1907 Zweites Blatt
 
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Der Untergang M DampfersVertin".

Rotterdam, 22. Febr.

Heute vormittag wurden noch einige Menschen auf dem Hinter- -teil des verunglückten Schiffes, das noch immer aus dem Waner hervorragt, gesehen. Tie großen Anstrengungen der Rertungs- boote waren vergeblich. Einmal kam ein Nettungsdanlpi^r ,o nahe an das Wrack heran, daß die Matrosen imstande waren, eine Trosse auszuwerfen, doch konnten die Schiffbrüchigen ".e nidjt ergreifen. Sie entschwand ihren Händen und rutschte wieder «über Bord in die Wellen. Ein verzweifeltes Schreien erichotl auf dem Wrack von den Unglücklichen, die nun die Hoffnung auf kiettung wieder schwinden sahen. An die Mste sch wem inte ein Stück Holz an, auf dem ein Behälter m t ter n e m ^Schreiben befestigt war. Dieses teilte mit, me Sdriff- 'brüchigen seien int Rauchsalon auf dem Hinterdeck ver­sammelt und betäuben sich noch über Wasser. Ueber bie Gefahr ihrer Lage seien sie aber nicht int Zwetiet unb lie erwarteten ieben Augenblick den Tod. Tie Botschaft rührte von lo Pana- öieren her, bie sich im Rauchsalon des Schisses zusammengelunücu hatten. Sie war in englischer Sprache geschrieben und fdflotz mit der Versicherung, daß sie dem Tod- mit Ruhe ent- 0C 0Tie ^e^aiiitiijfer der auf derBerlin" eingeschifften Per­sonen wird abivechselnd mit 141 oder 144 angegeben. Die Zahl ber Lesanung cinfchließlid) des engliiajen jupuand und des holländischen Lotsen Namens Bronder betragt o2. Bon den danach verbleibenden 90 Passagieren sind die Namen von Uber 60 Engländern festgestellt. Tie Zahl der d e u t s ch c n Pa sfa - giere £ann also die 19 Opern-Milglieder nicht erheblich über­schreiten. Elli anderer deutscher Reisender an Bord war em langer Mann aus Berlin Namens Großwendt, der zu den LZorbereitnugen für seine Hochzeit n.» i Deutsastand reute. ,Unter den Opfern sind ferner mehrere Kaufleute aus der Lvtt- boner Citv uno Diamaut-Kaufleut. aus Anin-rd.im, die Diamanten von ungeheurem Werte mit sich führten, und ent Jockey.

Heute nachmittag ist es dem SchleppdampierHettevöts- suis" mit einer Jolle im Schlepptau gelungen, dte Bote z u erreichen und von dort mittels Stricken eine Verbindung mit dem Wrack derBerlin" zu gewinnen. Bis jebi rettete wen 11 Personen. Es wird ueriucljt, die Schtfi- brüchigen aus der Jolle in ein Rettungsboot zu bringen. Die Rettuligsorbeiten sind augenblicklich in vollem Gange. Man weiß noch nicht, ob die Geretteten zu den Passagiereit oder zu der Mannschaft gehören.

Ueber die Rettung werden ,i'fgenbe Einzelheiten be­kannt : Nachdem die in der Nacht vorgcitommenen Rettungs­versuche mißglückt waren, machte das Rettuiigsboot heute drei Fahrten nach dem Wrack. Die beiden ersten Fahrten blieben lerfolglos, doch äußerte der Kapitän des Bootes, als er von bet zweiten Fahrt zuruckkehrte, er verspreche sich von einem dritten, am Nachmittag zu unternehmendeii Versuch Erfolg. Die dritte Fahrt wurde um P/3 Uhr angetreten. An Boro des Lotsen- idampfersHellevötsluis" befand sich Prinz Heinrich der Nieoer- ,'lande. Das Wetter war zunächst ziemlich ruhig, doch machten sSturm und Schnee jedell Ausblick unmöglich Zu­nächst wurde von demHellevötsluis" ein kleines Boot aus- nesevt, in welchem Lotsenanwärtcr Platz genommen, und von dem Dampfer ins Schlepptau genommen. Bald darauf sah man in dem ei fernen Turm, der das Leuchtfeuer trägt, erst einen rmd dann sechs Lotsen. Nach einigen erfolglosen Versuchen ge­lang es, mittels einer Trosse eilte Verbindung zwischen dem Wrack derBerlin" und oem Leuchtfeuer herzustellen, und als­bald lief eine Person in dem Wrack bis an die Trosse hinab und gelangte auf die Mole. Andere noch auf dem Wrack be­findliche Personen solgten, und nach Verlauf von dreiviertel Stunden war eine Anzahl Geretteter a u f der Molc versammelt. Ein Schleppdampfer brachte die Nachricht nach Hock, daß 10 Personen gerettet seien und daß die Rettungs- versuche fortgesetzt würden. Als dann das erste Rettungsboot einlief, wurde es mit Begeisterung begrüßt. Dieses Boot metbete, daß 11 Personen, darunter zwei Frauen, gerettet seien und daß alle Geretteten sich an Bord desHellevötsluis" be­fänden. Auf den Trümmern derBerlin" befanden sich noch zwei Frauen, die aber sehr ermattet unb durch die Kälte so erschöpft waren, daß sie nicht wagten, sich an der Trosse herab» zulassen. Obgleich die Rettungsmannschaften 36 Stunden tätig sind, wollen sie ihre Versuche erneuern, um auch diese beiden Frauen noch zu retten. Die Geretteten wurden in Automobilen in das Hotel Amerika gebracht, wo alle Vorbereitungen zur Aus­nahme getroffen waren. Die Automobile waren von Mitgliedern Per Ariflokrcckie au5 dem Haag jur Verfügung gestellt worben. Die Geretteten erhielten jede nur mögliche Pflege unb legten sich sofort zu Bett. Die Namen bet Geretteten finb: Fräulein Buttel, Fräulein Gaebler-Dresden, Fräulein Segröter-Berlm, Herr Taboulee Verschere unb Emil Jung aus Württemberg, Ha­rold Brobersen-Altoua; ferner von der Mannschaft Carter, Far- 'ting. Fischer unb Leyeroft. Von den angespülten Leichen Würben noch aus Papieren der Name Mister Monroe festgestellt [jmb bie Namen von brei englischen Matrosen.

Fräulein Gaebler erzählte, daß es furchtbar war zu sehen, {tote in den ersten Stunden nach der Katastrophe noch immer 'Männer unb Frauen über Borb geschlagen wurden, bis nur noch 16 übrig blieben, von denen schließlich wieder kurz vor |i>ec Rettung eine Dame loeggespült wurde. Es war entsetzlich, j wie sich die kleine Gruppe a n e i n a n d e r k l a m m e r t c und sichdadurchdieKleider vomLeiberiß. Fräulein Gaebler hatte schließlich nur noch Hemd und Hosen und sie lauerte an der Wand, unb auf ihren Beinen, bie anf dj wollen, standen mehrere Männer, da kaum Platz vorhanden war. Alle waren mehr ober weniger unbekleibet und litten sehr bnrch Sturm, Feuchtigkeit und l Kälte.

' Die Lotsen werben von allen Geretteten als brave unb gütige Helden geschildert. Länger als ' Stunden waren die Ueberlebenden ohne Nahrun chon gestern gerettete

/irische Kapitän Parkinson .rzäl, . daß er lurz bevor er (Weggefpüh wurde, Fran W e n . . r g gesehen habe, die ihr ftotes Kind a u f _b c m »choß hielt, das augenscheinlich an den Folgen des Schreckens oder Stoßes gestorben wat. Fran Wenbetg ist jetzt noch lebend auf dem Wrack. Herr Wenbera ist als Leiche angespült.

Die auf dem Wrack zurückgebliebenen Damen sind Frau ^Theile-TreSden, Frau Wenberg-Berlin und deren 16 jähriges Dienstmädchen. Eine dieser soll den Arm gebrochen haben. Särnt- lidje geretteten Damen gehören der Coventgarbeu-Operngesell- ,schäft an.

I Drei Personen, welche noch abends lebend ans Land gc- sschwemmt Wurden, starben alsbald, ohne das Bewußtsein wieder- ; erlangt zu haben.

! Vierzehn weitere Leichen Wurden noch rekognosziert, unb zwar [tric folgender Personen: Elöworth, Bradsort, 9iouseimann, Bon­net, Halifax, Bernberg, Hartog, Valwer, Woodha, Davidson Washiiigton (wahrscheinlich aus Haag), Miß Buttle, Großfield' Frau SueS, verwitwete Arls, Hilverstein unb Bullock, außer­dem einige Leichen von ber Besatzung. Welchen Notwnaliiate'i bie Genannten angehören, weiß man nicht.

! Bis jetzt finb 42 Tote geborgen. Erkannt finb noch bie Leichen der Herren Bulmer unb La notte, bock ist ihre Heimat unbekannt; 16 ber Leichen finb unbekannt. Viele der Anae- spülten finb englische Matrosen. Vermißt wird u. a das 16- jährige Töchterchen ber verunglückten Frau Süß-Artz aus Haag. I Unter den Passagieren befand sich ferner auch ein Hom­burger, der 20jährige Friseur Toerfam Rekognosziert wurde u. a. bie Leiche der Frau Artz-Süß, bie mit einem Groubcrger wieber verheiratete Wiuve des Malers Artz

Während eine tausendköpfige Menge voll Spannung auf bie Weitere Entwicklung der Tragödie auf der Mole wartet, hatten sich ©trän brä über emgetunben, welche, sobald Leichen an­gespult hurden, sich darauf warfen, um den T olendieRinge von den i aufgdanfenen Fingern z u reißen und Geld Uhren zu rauben. Das Publikum zeigt sich empört' Dik war jedoch nicht zahlreich genug, um den ganzen

Strand zu bewachen, und das Militär war requiriert, um auf dem kleinen Bahnhof Ordnung zu wahren. .

Sim Hafen in einem Schuppen der Holland-Amerita-Linie liegen in Reihen etwa 40 Tote. Der innere Raum ift als Kau-lle ausgeschmückt und mit Trauerflor ausgefchlagen. Die Leicken liegen in weißen Tüchern, welche viele Verstümmelungen verhüllen Nur die, Gesichter sind unbedeckt. Alles, was ab­stoßend aussieht, ist durch Tücher den Blicken entzogen. Auf jede Bahre ließ die Direktion einen Palmenzweig mit weißen Blumen niederlegen. . .,

$Jei der Rettung der Schiffbrüchigen Ware einer von ihnen faft ins Meer gefallen. Keiner von ihnen konnte kaum noch die Gliedmatzen ruljren. Nur bet Franzose war am wohlsten. tir war kaum auf dem Lotsenbampfer, als er sich eine Zigarre erbat.

Unter ben ertrunkenen Passagieren derBerlin" befindet sich auch ein Herr Böhmländer, der vor kurzem zum Direktor der elekirisck>en Werke der Firma Siemens Brothers in Stafford ernannt und dort erst seit etwa sechs Wochen ansässig war, ferner ein Herr Watson, Hauptkonstrukteur der Werte. Beide Herren waren auf ber Reise nach Berlin; Böhmländer stammt aus Nürnberg.

Ein Mitglied der Mannschaft des DampfersC l a c- ton" aus Hoek, der in der Nähe derBerlin" Halt machte und vergeblich Rettungsversuche unternahm, erzählt folgendes: Wir folgten berBerlin" in. einer Entfernung von ungefähr p/2 Stunden unb kamen gegen 6 Uhr 30 Uli in. an der Mittwuug der Ncaas an. Da sahen wir bieBerlin" breitseits am Kopf der Nordmole liegen. Der Kapitän, Dale drehte sofort ab, unb als wir Bogen machten, um dem Geschick derBerlin" zu entgehen, fuyren wir beinahe selbst fest. Nachbem wir gewendet hatten, machte sich Dale sofort ans Werk, und bemühte sich, dem gestrandeten Dampfer Hülfe zu leisten. Die Wogen der tobenden See gingen 30 b is 40 Fuß h o ch, da ein furchtbarer Nordwest st urrn nach der Küste zu wehte. Wir steuerten sofort hart an bie Felsblöcke, mußten aber wieder jurüdgeljen, da wir nichts unternehmen konnten. Dann ver- suchten wir ein Rettungsboot auszusetzen, doch erwies sich dies als unmöglich beim Toben der Wetten. Wieder unb wieder hielten wir darauf zu und blieben mehrere Stunden. Wir ver­ließen dieBenin" nicht bis zuletzt, als wir kein Anzeichen mehr wahrnehmen konnten, daß sich noch irgendjemand an Bord befand. Zuerst hatten wir die Schiffbrüchigen in Gruppen an Bord gesehen, teils auf Deck, teils im ytauujiaLon auf Vorderdeck. Wir steuerten dicht heran, um so die Rettung zu versuchen. Sie riefen uns zu, beim anscheinend herrschte keine Panik, vielmehr bewahrten die Passagiere, soweit sich sehen ließ, v o l l k o m m e n e O r d n u n g. Alle waren mit Rettungs- g ü r t e l n versehen unb hatten sich auf der Seeseite des Schiffes zusammengebrängt, um Zuflucht zu suchen vor ben gewaltigen Sturzseen, bie das Schiff überspülten, über Deck, Schornsteine unb Masten hingingen. Wir kamen bis auf 100 bis 2u0 Hards nahe unb warfen alle unsere Rettungsgürtel an Stricken aus, bou) erreichten sie dieBerlin" nicht. Als das Schiss aus- cinanberbrad), wurden Passagiere unb Mannschaf - t c n fortgespült uno ertranken vor unseren Augen. Wir hörten Hülserufe, tonnten aber nichts zur Rettung tun. Der Vorderteil versank zuerst; dabei ertranken die M enf ch en in ganzen Gruppen. Wir fuhren weiter, als nur noch das Heck übrig war. Die Rettungsboote waren zu Zeiten so nahe als möglich herangefahreii und versuchten, die im Was>er um ihr Leben ringenden Menschen zu retten. Kapitän Dale tat altes, was er nur tonnte, um Hülfe zu bringen. W i r büßten beinahe selbst das Leben ein, da die Wellen frtwhäreiiod mit schrecklicher Gewalt sich über uns ergossen. Wir tonnten natürlich die einzelnen Personen an Bord derBerlin" nicht unterscheiden, da alle in Haufen zusammen waren, aber ihre Ruse tarnen deutlich zu uns herüber, über bie vom Sturm gepeitschten Wogen._______________________________________________

Stirim unü ZlurvUter ui Averyejjen.

Gießen, 23. Februar.

Der Winter ist feit einigen Tagen noa> einmal nut aller Strenge eingetehrt uno zwar mit Sturm, UmuCitec uno UngluaS- Iallen. Von allen Seiten lau,en Nachrichten uocr Schneeiiürm- unb Verichrsftbrungen ein, von denen nachstehend die veuiertens- wcrteiieu mitgcteiu seien:

-f Lang-Göns, 23. Febr. Die Straße von hier nach Butzbach ift bei Kirch-Gons vielfach zugeweht unb der Schnee liegt teilweise über einen halben Nieter hbch. Aus ben benach­barten Jurten würben Leute aufgeboten, bie eifrig an ber Frei­machung ber Strage (arbeiten. Mehrere Fuhrleute gaben bie Weiter,ahrt auf unb kehrten mit ihren Fm-rwerten nach Haufe zurück, um dort beit Eintritt belferen Wetters aozuwarten.

x Inheiden, 22. yebr. Bei bem Unwetter am Dienstag wurde dura) den Sturm hier sehr großer Schaden angeriaget. >>m Dorfe fiiid viele Hauser beiajubigt worben, iiisvesonoere fmd "telfach bie Dächer abgeoeut worden unb Schornsteine herunterge- stnrzt. Von einer neuerüauten Scheuer würbe ber Giebel der xoraubmauir Ijeruntergeriiicn.

== V o m Vvgeisverg, 22. Febr. Auch heute wüteten heftige S ch n e£it utmt, bie Wälber find unzugänglich geworben, ber Schnee liegt meterhoch unb die Windweoen türmen .) immer höher, »eit bem Wmter 18VÖ-06 hat ber »ajnee nicht io Iwch gelegen wie heute. Fuchse, Haien unb biehe kommen bis an die inenichiichen Wohnungen, vietiach findet man erfrorene Vögel. Die Wege uno »tragen find wegen ber hohen Schneever- weljungen fast unpassierbar, der Postverlehr iann nur mit grogen Verspätungen mit abgelegenen Dör,ern kaum noch aufrecht er­halten werben. Die Vogelsbergvahn hat, wie schon gestern berichtet wurde, unter ben Verwehungen sepr zu leiben, gestern und heute verkehrten nur einige Zuge. Zwischen Hartmanns­hain, Grebenhain, vkösberts und JlbertShaufen sind b.e Bewohnet bi-l." Nachbarorte buigcbotcii, um die »trecke freizuhalten.^ Auch auf der »trecke Lauterbach -Alsseib bedrohen bie Schnee­wehen ben Bahnoerkehr. In den meisten Orten des Vogelsberges werben die Einwohner ibmuiaiibiert, die 1anourageii freienujauicm.

Auch aus Ulrichstein wirb uns geschrieben, bag der hef­tige »turnt am s.Uiittwod) von argem Schneefall begleitet war. me durch bas Dorljergcgmigeiie 2tägige Tamvetter frei geworbenen ckrdftächen finb schon wieb.r mit l-vher Schneedecke überzogen unb bie Not des Wildes unb ber Vogenvelt ist augerorbentlio).

P. Schlitz, 21. Febr. Ein lritiid)er Tag erster Ordnung war anscheinend gestern. In ber diaa-t wütete ein orkanartiger »türm, ber bis gegen 10 Uhr morgens anbauerte unb vielseitigen Schaden an Dächern sowie starken Wiiidfall in ben Waldern verursachte. Der üt Strömen niedergeheiibe Regen brachte in Gemeinschaft mit bet »chiieeschmelze im Vogelsberg sehr starkes Hochwasfec, bas bis gegen Uhr eine ungeahnte Höi^ erreichte wiib sämtliche Bleia-ereien in der Schlitz unter Wastet setzte. Zwischen 10 und 11 Uljr konnte man ein Gewitter, bas ttch durch einige Doniierfdfläge vemertoar machte, beobachten. Wah- renbbcn'cn ging heiliger Heeg en nut Hagel nieder, ein starkes Schneegestöber folgte. :.-iittngs hatte man den schönsten Sonnen- Icheiil. Ein üitcriiiaiites Nutmr,champiel d.ejer Kampk des Wenters mit dem F-rühling.

Sonstige Wetternachrichtea.

X Bon bet Rhön, 22. o'eor. »eit vorgestern herrscht ein orkanartiger Schnee st u r m. Aus bem Kreuzberge liegt ber »chuee durchschniitiid> 2 '3)1 cter, zwischen ber jtirdje unb bem Berge 7ö Meter, beim Johanittsfeuer 67 Nieter l>och. Vor- gefieni fiel auf dem Zen uz berge bas -UMmomcter ulnerhaib einer halben Stunde von -f- 3 Grad au; ö Grad. Die Poste n von Bisei)0|Sheim nad) Gers,eio, nach »anööerg und naco Brudenau blieben steden.

. A- Bo in W e stc e.. alb, 22. Febr. »eit vorgestern herrscht aus dem Weflerivalo e; i Schneetreiben, wie es seit Jahren Heer inajt _gewcAn j , Verbindungswege jkuicijen oen 11115cInen Urten o i? iig e 111 gcf d,nc 11, fo daß b.r Schnee Pjlug in Tätigkeit treten muß. Auf ber Strecke Herborn bi e Im e r o b tu oorgeh.i nber Bah nzug st eckengeblieb e n. 211.1 b.r bleuen- uci ^lrc..t, u^auers a. ber W-sfer- Icheide bei »tolion Wurgenbors, bilden Srhi.eeweheu V e r -

labrik nÜplrnB" Dresden.

iTPA

Gießener LLetteroieuft.

DoranSsichtliche Witterung für Hessen am Sonntag, ben 24. Februar: Heiter. Keine erheblichen !)Ueberschläge. Leichter Frost. Wtaßige nördliche Winbe.

Original-Orahtinelvungen«

Breslau, 23. Febr. Die Sozial dein ok rat en wer­ben Protest erheben gegen die Wahl des Fürsten Hatzfeldt im Wahlkreise BreSlau-Ost.

Paris, 23. Febr. Der Abg. Leboucq hat den Kriegs- Minister bcnachrichiigt, daß er ihn zu interpellieren beabsich­tige über die Tatsache, daß Wachtposten auf Flüchtlinge schießen unb auf diese Weise bie TobcSslrafe ersetzen, die in Frankreich abgeschafft werden fall.

Slmfter beim, 23. Febr. Wie der .Telegraf meldet, wurden beute vormittag noch 3 Frauen von dem Wrack Berlin' gerettet. Die Gesamtzahl der Gerettete» ist 15, darunter befinden sich 6 Frauen.

New-Pork, 23. Febr. Nach der .Asiocieted Preß' verunglückte auf der Pennsylvamabahn der Nem-York- Ehicagoer Expreßzug. Etwa 100 Perjouen sanden dabei den Tod. Die Elsenbahn-Gefellschaft gibt das Unglück zu, bestreitet aber, daß irgend jemand dabei getütet worben fet.

Polologlow-Cigareiten sind in Geschmack und Qualität unerreicht: 1>as< Stück 3 bi* 10 Pfennige.

Überall käuflich!

kehrshindernisse, sobaß bie umHegenben Ortschaften um Schneesdmusler alarmiert würben.

Starke Sd-n erstürme wüteten ferner in weiten Teilen Subveutschlnnds, Tirols unb ber Schweiz Nament­lich im T a u n -1 s ist über 'Jlarfit viel Schnee ^ge-allen. Der Main ist im Steigen begriffen, auch Nicb und Fulda wachsen. Im Bahnverlehr Berlin- Frankfurt a. M. sind in folge der Schneeverwehungen starke Verkehrsltörungen cingetretcn. Im thüringischen Gebirgsbahnverkehr heriicht augenblirf lid) vollständige »toaung. 4>ie Waibiiui,!.' führen Hoci,iva,fer. Tas Dors Kuhn Hausen ist durch eine Windhose saft zerstört. Wie aus Köln gemeldet wirb, ist in b:r letzten Nacht starker Schneefall eingetreten, der ununtcrorochen aiihaü. Der Rhein zeigt eine Pegeihötze von 4,02 Meter gegen gestern 2,08, er steigt rapide weiter. Die Täter der Nevenslusse find weithin uberfchwemmt Bei Muhl em brach der Damm, woDurd) ein Laorirgebaude im Augenblick unter Wasser gefetzt wurde. Die yirbeitir tonnten mit inapper Not das Leben retten. Auch aus anderen Lrtfchaiteil werden Dammbruche genieib.t, an denen Pio­niere arbeiten. . .. ,

Heute mittag strandete an der Westküste I u tlands l'übiiu) von Tioovjerg ein norwegischer Dreimaster, der von "Norwegen nad) Bremen unterwegs war. Das Schiff wurde zertrümmert; bie aus 18 Perfouen vestehenbe Besatzung ist er- irunien. Ein Rettungsboot tonnte wegen bes herrs^e.meu »turnue mujt curgelaiien werden; die abgefeuerten Ratetcn hatten leineh Erfolg.

Gietzeuer Strafkammer.

)( Gietzen, 22. Februar 1907.

Nach Feietabeud.

Gegen bie Händlerin 2L D. zu Friedberg erging em Straibeiehl über 2 Mark, weil sie auf her Reick)Ssheimer Kird) weihe ihren Galünteriewarelistano eine Stunde nach der Polizei- ttch festgesetzten Feierabeiidzeck iwd) geöffnet hatie. Sie erhob Wideribruch unb bestritt, nach Feierabend iwch verkauft oder leiigeljüiteit zu haben. DUs Sdiöiiengenajt ljatte kleinen öweiiel, dies tatiächttch der Fall war, weshalb es ihren Einspruch zuruck- ivies. '.aigetlagte und Staatsanwattschritt wdjten das üried an und die »trailammer stellte fest, baß mit Recht Bestrafung elli- getreten ist; da aoer die Mindeststrafe bei Vergehen gegen die Gewerbeordnung 3 Mark beträgt, so wurde bie Strafe aur biefen Betrag erhöht.

Ter abgekürzte Zuname.

Der Knecht L. P. aus Bumocrg louroe uon einem Pferbehändler aus Frankfurt nach Romrod geschickt um ein Schlachtpferb abzuholen. Er erijieit von seinem Auftraggeber eine Bescheinigung, das bei einem Pferdehändler in Alsfeld hinterlegte Geld für das Pferd zu erheben. Er tat dies auch, er quittierte aber mit bem NamenMüller". Statt nach Romrob zu gehen und bas Pferd einzulösen, Dcrjubelte er das Geib. Die Staatsanwaltschaft stellte ihn wegen Urtündenfälsdiung und Unterfchiagung unter Anklage. Er gestand sein Vergehen ein, doch ift er der Ansicht, daß keine Urlündeufälschung voruegt, da er die Quittung nicht mit einem falschen, sondern mit 1 einem abgekürzten Namen unter* schrieben habe. Seine Rechtsanjchauung konnte zwar etwaä Heuer­leit erregen, sic war jedoch nicht in der Lage, ihn vor Strafe zu sdsutzen. Er wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, woraus mit Rücksicht auf sein Geständnis 14 Tage bet erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung kamen.

Wegen Ueberfchreilung des ZüchtignugsrechlS

halte fid) der zurzeit in Treis-Horloff länge Schuloerwalter p. I. ans Ulfa zu veranlmorlen. Durch eine Reihe non Kindern aus Al 1 euha 1 u wurde ihm nachgewicseu, daß er Plädckfen, bei denen körperliche Zuchngung nut im äußersten Notfall zulafsig ist, nut einem Stock auf den Kopf geschlagen hat, fodav diefe Beulen bavoiurugeu. Er gibt zu, den Niädchen mit einem »löckcheu auf den Kopf getippt zu haben, um ihre Auunerkjamteck anzuregen, was über bie Folgen von den Kindern gesagt wird, sei unwahr. Jnsbejoudere bezeickfnet er bie Aussage bes einen Alädchens iür erfunden, nach der er das ttfnd so am Ohr gezaust hätte, daß dieses cingerfsjen fet. Bon feinen Vorgesetzten erhielt er das ZeugnS eines tüchtigen Lehrers, der gute Er'olge auizuweljen hat. Vlad) Ansicht des »chuluiipekiors hat er durch einen Fall, der m ber Schule zur Unteisnchiing stand, ben Haß bet Einwohner von Attenham auf sich geladen; auch herrscht bort eine Parieileidenschack, unter ber er viel zu leiden haue. Das Gericht hielt ihn der Kötpetverletzung in Ausübuiig seines Betnies in sechs Fällen iür überfuhrt unb ver- urteilte ihn zu einer 6) e l d st r a f e von 60 Ult.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschast.

Marlte.

Gteßeu, 23. Febr. Matklbertchl. Auf heutigem Wocheinnaikle kosteten: Butterpt. Pld. 0.951.00 'Dir., Hühneretet 1 St. 89 Vfg., 2 »tcf. 00UU Pfg., Gänfeeter 0000 Vsg., Euleuetet 0 Pig., Käse pt. Sick. 68 Pf., Käseuiatle 2»lck. 5-6 Pfg., Erbjeu v.Pib. 18-24Pfg., Linjeup.Pfb.25-40Pig., Tauben pt.Pt.0,801,00Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 WiL, Hahne pt. Stück 0,801,80 Pik., Enten pt. Stück 1,802,20 Rlk., Gänse pt. Pid. 7080 Psg., Lchsenfletsch pt. Psd. 8288 Pfg., Kuh- und Dtlndfletsch pt. Pfund 8082 Pfg., »chweine- fleisch pr. Pfund 8084 Pfg., Schiveuiefleisch, gesalzen, pt. Pfund 88 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8084 Psg., Haunuelsielsch pr. Pilind 6184 'Hig. Welsche per PfundKarioffeln pr. 100 Kg. 7,000,00 Pik., Ztviebeln pt. Zit. 5,006,00 Pit., Milch pet ünet 20 Pfg., Aepiel per Zentner 20 bis 25 Pik., tu Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stuck 5000 Pfg,, Birnen per Psd. Pik. 0.200.25, per Zit. 915 Pik., Weißkraut per Stück 1530 Psg., per Zentner Pik. 0.000.00. Piarllzeck 82 Uhr.

fc. Frankfurt a. Pi., 22. Febr. Heu- und Stroh- >n nx-rt Man notierte: Heu Pik. 3.10 bis 3.40, Stroh Mk. 8.- bis Mk. 3.10. Tendenz! fest.