157. Jahrgang
Nr. 9
daß der Kaiser nicht nur der britischen Armee als Feldmarschall, Ehren-Admiral der Flotte und Chef eines Regiments angehört, sondern daß er auch als Mitglied einer Reihe britischer Klubs eine Art von Bürgerrecht auf dem Boden des Jnselreiches besitzt. So ist er Ehrenmitglied des „3unter United Service Club", wo sein Name u. a. neben denen des Königs der Belgier und des Königs von Italien steht. Dieser Klub verdankt seine Entstehung hauptsächlich dem Herzoge von Wellington und zu seinen Mitgliedern zählen 2000 britische Offiziere. Als Ehren-Oberst des 1. Dragoner-Regiments ist der Kaiser auch Mitgli.d des „Ca- valry Clubs", d.essen stattliches Haus sich in Piccaditty erhebt. Und endlich ist der Kaiser Mitglied des Segelsport-Klubs, der die Wettfahrten in Cowes arrangiert und dessen Titel „Royal Yacht Squadron" lautet. Selbstverständlich erhält der Kaiser infolge dieser Mitgliedschaft regelmäßig eine Einladung zu den Regatten von Cowes.
Stehen. Fernwrech-An» schlußt.d. Redaktion 112 B er tag u. Expedition 51 sibrrfe ftrt T°v°ich°n! noia(ion$6nli und vtrlag der SrühNchen Unw.-Vuch. mtö Stetnöruderel R. Lange. 8edaM„, «rpedttton nnö ©rnderci: rchulstratze 7 Anzeiger Gießen. _______ । m
reife im Hinterland der Negerrepublik Liberia begriffen, ifl >ei einem Kampfe zwischen aufständigen Negern und fron- . ösischen Truppen im Dorfe Boussedon tm Beylalande Französisch-Guinea) von Negern, die ihn vermutlich im Dorf gefangen gehalten hatten, ermordet worden. Dr. Volz war im Januar von Mario westlich von Monrovia ins Innere gegangen und beabsichtigte, durch Französisch-Guinca an die !rüste zurückzugelangen. Ter tüchtige Gelehrte hatte schon Forschungsreisen in Niederländisch-Jndlcn gemacht.
IColonialpoft,
— Ein Kolonialmord. xr. Walter Volz auS Aarberg (Kanton Bern), Privatdozent der Zoologie an der
Neues aus Rußland.
In Odessa wurde der Gefängn iS d irektor Sak- haruk durch zwei Uebeltätec ermordet. Die beiden Männer hatten sich in einem Graben versteckt und verwundeten Sak. haruk durch Schüße siebenmal. Als die Uebeltäter verfolgt worden, warfen sie zwei Bomben ohne Resultat. Der eine Verbrecher erschoß sich, als er auf der Flucht durch Gendarmen verwundet wurde; der andere verbarg sich in einem benachbarten Hause, wurde verhaftet und in das Gefängnis abgeführt.
Wie Blätter auS Lublin melden, versteckte sich em dort von der Polizei verfolgter Räuber in einer Schmiede. Polizei- und Militärabteilungen umzingelten diese. Der Räuber feuerte und tötete einen Polizisten und verwundete einen anderen. Hierauf wurden Kanonen aufgefahren, deren Feuer gegen die Schmiede gerichtet wurde. Diese wurde zerstört und der Räuber hierbei schwer verwundet.
In Moskau hat sich der Direktor der Fabrik Palm, in welcher vorgestern eine Explosuon erfolgte, erschossen. Der Selbstmörder war bereits seit längerer Zeit politisch verd ä chtig.
Ureuhlsches Abgeordnetenhaus.
B e r l i n, L4. April.
Zunächst wird die Beratung über den zurückgeslellten Titel deS Etats des Finanzministeriums fortgesetzt. (Einmalige Unter- stützung von Beamten.) ,
Abg. Lnsensky (nl.) erklärt, für den Antrag Fischbeck, auch den mittleren Beamten eine Unterstützung von 150 Mk. zu gewähren, könne feine Partei angesichts der sinonzrelien Verhältnisse nicht stimme'».
Abg. v. Z e d l i h (ff.) führt aus, es wäre wichtig, wenn die iür nächstes Jahr von dem Finanzmintster -»gesagte Regulierung der Beamtengehälter für alle Beamtenklassen, auch für Die oberen und zwar nach dem wirklichen Bedürfnis gleichmäßig erfolgen würde. Natürlich müsse das Staatsganze und die Steuerkrast der Bevölkerung in Betracht gezogen werden.
Finanzminister Frhr. v. Rhetnbaben erwidert, er habe nicht gesagt, daß im nächsten Jahre nur die mittleren Beamten auigebessert werden sollen. Er möchte eine abschließende Ausbesserung der Beamtengehälter herbeiführen. Die Ueberjchüfse würden wohl nicht, wie er sie geschätzt habe, 30 Millionen, sondern darunter betragen. Vor einer weiteren Ausdehnung der Anleihe- Wirtschaft möchte er warnen. Vorübergehend Zuschläge auf die Einkommensteuer zu erheben, fei aber nicht möglich, denn es handle
— Für Stadttheater in eigener Verwaltung oder an Subventionen geben die Verwaltungen der größeren Städte in Deutschland durchschnittlich auf den Kopf der Bevölkerung ans: Mannheim, das eine rein städtische Bühne mit einem von der Stadt angestellten Intendanten Hal. 4,63 M., Wiesbaden 3 26 M., Frankfurt a. M. 2,04 M., Mainz 1,86 M., Hamburg 0,12, Bremen 0,34, Lübeck 0,61 M., Dresden 0,004, München 0,002, Stuttgart 0,08 uno Berlin 0,000 Mk. Die letztere Aufwendung von 0 M. und die sehr geringen Der zuletzt genannten Residenzstädte erklärt sich dadurch, daß diese Städte reich subventionierte Hoftheacer und gute Privcftunternchmmigen haben.
parlamentarisches«
R B Darmstadt, 24. April. Der Finanzausschuß der zweiten hessischen Kammer hielt am Mittwoch vormittag unter Vorsitz des Abgeordneten Reinhart eine gemeinschaftliche Sitzung mit der Regierung ab. Der Ausschuß erledigte verschiedene kleinere Vorlageii und Anträge und beschäftigte sich dann noch eingehend mit der Frage des Kreisgeometerinstituts und Bermessungswesens. Auf Antrag des Abg. Molthan wurde beschlossen, von der Regierung noch Die Vorlage weiteren Materials zu erbitten jinb sie zu ersuchen, über die diesbezüglichen Verhältnisse in den anderen Bundesstaaten bei den Regierungen von Preußen, Bayern, Württemberg und Baden eine weitere Umfrage zu erlassen. Die Vorstellung des Stadt- und Kttchenvorstanoes zu Alsfeld betr. die Renovierung der W a l p u r g i s k i r ch e daselbst wird der Regierung zur Berücksichtigung empföhle,'.. Tie nächste Sitzung des Ausschusses findet Donnerstag vormittag 10 Uhr statt.
Berlin, 24. April. Tie B u d g e t k o m m i ss i o n des Reichstages genehmigte heute zunächst den Rest des ordentlichen Etats für Ostafrika und wandte sich dann den einmaligen Ausgaben zu und bewilligte auf Befürworten des Kolonialdirektors 120 000 Mark als erste Rate für ein neues Fort in Vuansa, .
— Dem Abgeordnetenhause gingen die Entwürfe eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die Pensionierung der Lehrer und Lehreri nnen an den öffentlichen Volksschulen vom 6. Juni 1885 und der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die F ü r s o r g e für die Witwen und Waisen der Lehrer an den öffentlichen Volksschulen vom 4. Dezember 1899 zu. In der Begründung wird ausgeführt, daß beide Gesetze möglichst wörtlich an die Bestimmungen der Entwürfe über die Abänderung der Beamtcnpe'.isions- und Relittengesetze angeschlossen werden; so werden die Fälle des Ruhens der Pension erweitert, die Erhöhung des Gnadenmonats wird auf den Betrag eines Gnadenvierteljahres angeordnet. Der Gesetzentwurf zum Reliktengesetz erhöht die Höchstgrenze von 2000 auf 3500 Mk.
Der Kaiser als Klubmann.
Für das Klubwcsen an sich hat Kaiser Wilhelm H._ niemals, auch nicht vor seiner Thronbesteigung, viel Interesse gezeigt. So weiß man, daß Prinz Wilhelm nach seiner Ernennung zum Kommandeur des Garde-HusarLN-Regiments in Potsdam seinen Offizieren dienstlich den Besuch eines der ersten Berlner Sportklubs verbot, wo zu jener Zeit, wie man wohl zu sagen pflegt: fließig „die Karte gebogen wurde." Dieser Befehl des Prinzen rief in der Berliner Gesellschaft damals Aufsehen hervor, denn an der Spitze des Klubs stand einer der vornehmsten fürstlichen Magnaten Preußens und in der Liste seiner Mft- glieder begegnete man fast ausschließlich den ältesten und an- gesehendsten Namen. Aber seitdem er Kaiser geworden ist, gehört Wilhelm II. doch einer Reihe von Klubs selbst an. Zunächst ist er Protektor der „Kasino - G ese llscha f t", die ihr fceun am Pariser Platze in Berlin in dem sogenannten „von Rohdichschen Legatenhause" hat, das einst der alte Marschall Wrangel bewohnte. Man Höri diesen Kiub »ft das „Adelige Kasino" nennen, und in der Tat befinden sich unter den Mitgliedern meist Angehörige der Hofgesellschaft, Hcrrenhausmitglieder, Hofbeamte, Diplomaten und Offiziere rier exklusiven Gaide-Regimenter. Unter den 333 Mitgliedern, die d as letzte Verzeichnis aufweist, sind, — von den ausländischen Diplomaten sehen wir ab — nur 18 bürgerliche Herren. Trotzdem der Kaiser der Schirmherr des „Kasinos" ist, hat er es, soviel wir wissen, nur selten oder gar nicht betreten.
Auch der „Automobil - Klub" im ehemals v. Bleich- röderschen Palais am Leipziger Platz darf den Kaiser seinen Protektor und sich selbst seiidem „Kaiserlicher Automobil-Klub" nennen. Der Automobil-Klub ist in seiner Zusammensetzung demokratischer als das Kasino; er zählt zu seinen zahlreichen Mitgliedern Männer aus allen Ständen Der Gebildeten, Präsident des Klubs ist der Herzog von Ratibor, den der Kaiser, als einen Hohenlohe und Vetter der Kaiserin, duzt. Ter Herzog von Ratibor empfing den Kaiser, als dieser zum ersten Male die Schwelle des Klubs betreten halte, als seinen Gast zu einem kleinen Diner, an dem u. a. auch einige Berliner Großindustrielle teilnahmen, mit denen der Kaiser schwerlich zuvor je an einem Tische gesessen hatte. — Der dritte deutsche Klub, der den Kaiser in seinen Listen führt, ist der „Kaiserliche I a ch t - K l u b" in Kiel, der Veranstalter der vielbesuchten „Kieler Woche", der der Kaiser ein so starkes Interesse entgegenbringt. Der Kaiser wird „Commodore" des Klubs genannt, und er trägt bei den Wettfahrten und den Klubfestlichkeiten den Klubanzug _ wie die gewöhnlichen Mitglieder. Dieser besteht aus Jactet, Weste, Beinkleid und Mütze aus blauem Tuche nach Dem Schnitte des Bordenzuges der Seeoffiziere; die schwarzen Knöpfe zeigen einen Anker mit Der Kaiserkrone und den Buchstaben K. P. C. Daneben gibt es einen Gesellschaftsanzug, dessen Jacke die Form des Smokings hat und dessen Knöpfe golden sind.
In einem Augenblicke, da die deutsch-englischen Beziehungen, wie man jetzt so häufig lesen kann, von neuem „im Mittelpunkte des Interesses stehen", ist es angebracht, daran zu erinnern.
Aus dem Ieichslag.
R. Berlin, 24. April. >
Die alljährlich toieberfelyrettbe lange Rede des Abge- ' ordneten Bebel zum Militäretat stand diesmal nicht eben unter einem glücklichen Stern. Zunächst wirkte die über- zeugende Erklärung deS preußischen Kriegsministers nach, datz man zum Heere das vollste Vertrauen haben dürfe. Dann war der unermüdliche Ankläger Bebel nicht m der Lage, soviel Beschwerdematerial wie in früheren Jahren beyubnngtn. Datz Soldatenmißhandlungcn noch immer Vorkommen, ist ja leioer Tatsache, ab.r es läßt sich andrerseits die Abnahme der Mißhandlungen nickst bestreften, denn ui der Regel werden berartige Uebetgriffe durch die Militärgerichte gebuljrcni) geahndet. In der aUgemeüien Kritik Militär st cher Einrichtungen und Gepflogenheften stützt sich Bebel gern auf Sachverständige, doch ix entnimmt sie zumeist den Reihen derer, ^die i n ©ebrut und Wort gewissermaßen systematisch kritisieren, too gebt i>urd) Bebels Milftärreden ein agitatorischer Zug, der die trinftrua^ kraft manches zutreffenden Wortes absckstvächt. An der Bereft- wüligkeit der liberalen Parteien, alles zu bewilligen, um angesichts der unsicheren Weltlage das Schwert scharf zu halten, übte Bebel zwar seinen Spott, aber im Grunde seines Herzens ist auch der Sozialistenführer entfernt davon, der Beichasftnheft der Landesverteidigung gleichgültig gegenüberzustehen. Erscheint es i hm doch bedenklich, daß Die Tauglichkeitsziffer beim Veeres- ersatz zurückgehl; er meint sogar selbst, daß das aus die wachsende Industrialisierung Deutschland- zurückzusühren sei. Es handelt sich natürlich um die körperliche Tauglichkeit. , Was Die geistige Beschaffenheit der Rekruten anlangt, so befurchtet Bebel keinen Schaden von der Industrialisierung. Im Gegenteil: Je mehr Industrie, umsomehr Sozialdemokraten, und je mehr Sozialdemokraten, umsomehr Intelligenz bei den Rekruten, beim „die intelligentesten Elcinente int Heere sind Anhänger der roten Fahne". (Große Heiterkeit.)
Ein Vertreter starren Preußentums, Abg. v. Oldenburg (kons.) unternahm es, dem Vorredner ,Lnstruktionsstunde" zu erteilen. Mit schmetternder Kommandostimme pries der ehemalige Offizier die Vorzüge des Parademarsches, der ein eminentes Mittel zur Förderung der Disziplin sei, wie beim überhaupt Armee und Marine als das beste Dolkserziehungs- niittel angesehen werd.n müßten. Hätten die Konservativen in L-achen der Haager Konferenz — Abrüstungsfrage — zu bestimmen, dann würden sie zum Delegierten den preußiichen Kriegsminister ernennen, der im Haag einfach »u, beantragen haben würde, daß Frankreich und England erst einmal ihre militärischen Aufwendungen auf den niedrigeren Satz Deulich- lands zurückschrauben möchten. Zurufe von links belehrten zwar den konservativen Redner, daß die Glaubwürdigkeit der von ihm benutzten Stattstik anfechtbar sei, doch er ignorierte das.
Weniger hochgestiminte Redewendungen, aber sachlich bemerkenswerten Inhalt bot der Vortrag des Dr. Müller^ Meiningen (Frs. Vlksp.) über Bewucherung und Spiel- wut der Offiziere, Urteile von Kriegsgerichten, über ein „Protzen" mit militärischer Machtfülle gegenüber dem Bürgertum bei Kontrullversammlungen, über das Beschwerderecht usw. „Der Geist macht den wahren Wert der Armee aus, und diesen Geist zu einem unübertrefflichen zu machen, ist nichts so geeignet, als Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der militärischen Rechtsprechung!" An die Möglichkeit erheblicher Ersparnisse am Militäretat glauben die Liberalen nicht, doch sie werden stets bereit fein, das Vaterland über die Partei zu stellen. Es müsse dann eben bei anderen Etats das Sparprogramm des Reichskanzlers durchgeführt werden. Der Militärbsvollmächtigte Sachsens bestritt dem Abg. Bebel, daß die Armeekorps des Königreichs den Rekord hatten inbezug auf Soldatenmißhandlung.
Mit diesem Thema beschäftigte sich auch der Kriegsminister
* Kaiser Friedrich als Student in Bonn. Im Jahre 1875 wurde ich dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm von einem hohen Herrn vorgestellt. Eine der geläufigsten Fragen der hohen Herrschaften ist gewöhnlich: „Wo sind Sie her?" Als er hörte, daß ich gebürtiger Bonner sei, drehte er sich lachend auf dem Absatz hin und her und sagte in seiner jovialen Weise: „Ja, weißt du, L. (womft er den Herrn meinte, der mich vorgestellt hatte), mit Herren, die zu Bonn geboren sind, kann man schlecht abschneiden. Die haben schon als Kinder an der Brust der Alma Mater gelegen und Weisheit getrunken." Dann fuhr er ernster fort: „Auch ich war Studeni in Bonn. Eine herrliche Zeft! Eine meiner schönsten Erinnerungen!" — „Das hören wir Bonner mit Freude und Stolz", entgegnete ich. ,Lch erinnere mich noch des großartigen Fackelzuges, Den die Bonner Bürger Eurer Kaiserlichen Hoheit brachten." — „Da siehst du es ja", wandte sich der Kronprinz zu Dem andern, „da hast Du den Bonner. Nun will Der wissen von dem Fackelzug, der allerdings sehr schön war, und er lag doch damals erst in Den Windeln !" — „Ich kann mich noch gut des Fensters erinnern, an dem Kaiserliche Hoheit Den Fackelzug abnahmen." — „Wo war das?" fragte der Kronprinz rasch und schneidig, als wollte er mich festrennen mit der Antwort. — „An dem Pavillonvorbau des Universitätsgebäudes, dem sog. Bonner Weiher im Hofgarten zu", entgegnete ich. — „Das stimmt", erwiderte der Prinz. „Wie alt waren Sie damals?" fragte er erstaunt. — „Fünf Jahre. Mein Vater nahm mich auf den Arm, um mir das Schauspiel zu zeigen. Und so habe ich es nie vergessen." — „Alle Achtung vor Ihrem Gedächtnis" meinte Der Prinz. — Durch die Liebenswürdigkeit des Kronprinzen mutig gemacht, fuhr ich fort: „Ich erinnere mich sogar noch mancher Einzelheiten. So, wer Die Fahne der Schneiderrnnung trug. Das war ein großer burnder Mann namens Senf." — „Wie haben Sie das behalten können?" — „Well Meister Senf unser Familien- schneider war. Seine Würde als Fahuenttäger im Fackelzug hat mir jo ungemein imponiert, daß ich ihn von Da an mit größter Achtung anschaue." — Da lachte der Kronprinz, nahm
— lieber ihre Stellungnahme zu dem Projekt einer Berliner Weltausstellung im Jahre 1913 hat die „Münchener Allg. Ztg." eine Reihe bayerischer Großindustrieller betragt. Aus Den abgegebenen Gutachten, die ausnahmslos ablehnend lauten, klingt eine absolute Abneigung, Unlust und Ausstellungsmüdigkeit. Allenthalben wird die Bedürfnisfrage entschieden verneint und besonders vor Veranstaltung einer Weltausstellung gewarnt, da diese sich überlebt hätten, kein Interesse dafür vorhanden sei, die schweren Opfer in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen unb die Ausstellung nur eine Art lästiger Repräsentation bedeute.
v Einem unter Hinweis auf entsprechende Urteile der fron-1 Universität zu Bonn, seit einem Jahr auf einer For'chungs. zösischen Militärgerichte. In der Abwehr Bebels war der Minister - * * v K "..... u, e ' — •*
glücklicher als in Der Polemik gegen Dr. Müller-Meiningen. Was er z. B. über die Disziplin bei Kontrollversammlungen sagte, spiegelte eine etivaö unübertriebene soldatische Auffassung wieder. Es ist doch wohl schließlich kein Kapitalverbrechen gegen den militärischen Geist, wenn ein Ersatzreservist sich in höchster Rot die Nase schneuzt. Mft Beklemmung wftä> der Teil des riffizier- korps, den es angeht, Kenntnis davon nehmen, daß ihm der Münster ein unglaubliches Maß von Naivität im Verkehr nut Wucherern zuerkennt. Um wenigstens einiges Licht der Erkenntnis zu verbraten, sollen jetzt auf den Kriegs, chulen Kur,e im Wechselrecht veranstaltet werden. Zu einem fmarfen Zusammenstoß mft der äußersten Linken kam es, als der Mmister vom „disziplinfeftidlichen" Einwirken der Sozialdemokraten auf die militärpflichtige Jugend sprach .
Der Abg. v. Siebert (Rp) stellte den einmaligen Regimentskommandeur heraus, nebenher den bayrischen Mitttärbe- vollmächtigteu apostrophierend, und Abg. Liebermann von Sonnenberg erklärte mft gewohnter Kraft, man solle das Gerede über Abrüstung „den alten Weibern beiderlei Geschlechts' überlassen. Des beunruhigten Umherreisens des Königs von England gedachte schließlich mit einem „freien Hessenworl" 2lb- geordneter Bindewald. Der Akzent des Tages lag auf Dem Wort „national".
sich um dauernde Ausgaben.
Abg. B r ö m e l (frs. Vgg.) tritt roarm für den freisinnigen Antrag em. Die Bedenken des Fmanzminislers seien vollstanoig unbegründet. Die Kommission werde sich mit Der Deckungsfrage schon eingebend zu beschäiligen haben. Die Notlage der Beamten
seine Holzpieise, wenn ich mich recht erinnere, war es ein Ulmer Kopf, aus dem Munde und sagte Hefter: „So weit geht mein Gedächtnis nicht, aber das sage ich Ihnen nochmals: an die Bonner Zeit d'enke ich mit Freude Lftnd Behagen zurück." — Ich hätte dein hohen Herrn noch mit einer Erinnerung an eine Szene, die ihn in Bonn betraf, dienen können, bei der ich anwesend war. Die behielt ich für mich. Im Jahre 1868, als Bonn das großartige Universitäts-Jubiläum feierte, nahm auch Prinz Wilhelm teil. Ein besonders schönes Fest fand im großartigen Garten von Kley statt, und die Universiiätsbehörde hatte in trefflicher Weise den „Alten Zoll" mfthereingezogen. Tausende von Menschen freuten sich da des herrlichen Abends. Auf einmal hieß es: „Der Kronprinz kütt!" Der Prinz kam vom 5tleyschen Garten herauf, ging durch die Menge, überall leutselig grüßend. Die Menge war glanz närrisch vor Festesjubel und umDrängtc den beliebten Prinzen derart, daß dieser kaum vorwärts konnte. Als er Der Mauer entlang ging, von der sich der Rheinstrom und das Siebengebirge so prachtvoll Darbieten, wurde das Gedränge immer stärker. Und nun ließ sich jemand aus dem Gefolge hinreißen, mit der Degenscheide auf Die Beine Der Herandrängenden zu schlagen. Da entitand aber sofort ein drohendes, unwilliges Gemurre, und gegen den Uebereifrigen kamen harte Worte zum Ausdruck. Der Kronprinz mochte etwas gemerkt haben. Er drehte sich um, sah scharf auf das Gefolae hin und setzte Dann seinen Weg fort, umjubett von Der Menge. Am andern Tage erzählte man sich. Der Kronprinz habe Dem betreffenden Herrn gesagt: „Derartiges lassen Sie künftig bleiben. Das können die Rheinländer nicht tiertragen. Die sind von anderm Stoft als Ihre Landsleute."
M Erstes Blickt 157. Jahrgang Donnerstag 25. April 1L07
/KM d & W
I l'3v ™ >lv V
General-Anzeiger snr Oberhessen @0
» yeß, tüt den An-
• zeigenteil: HanS Beck


