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22.2.1907 Erstes Blatt
 
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9tv. 45

rltelnt täglich außer konntagt.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen tandwirl di- Siebener Samilltn- blätter otennal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich daS Kreliblott für den KttU Sieben. Yernsprech-An- schlußs.d. Redaktion 111 Verlag u. Expedition 61 Adresse Mr Depeschen: Anzeiger Gieße«.

Erstes Blatt

157. Jahrgang

Freitag 22. Februar 1907

General-Anzeiger für Oberheffen

HotaffonsbriKf und Verlag der vrühl'schen Unlo.-Vuch- und Stelndruckerel. L. Lange, Redaktion, LxpedMon und Dni (ferch 5chusstratze 7.

vezngdp ret»r nwnnilid)76 Ui^DirrteU fährltd) 'M 2.20. durch Abhole- u. Zweigstellen nwnatlidi i$L; durch

die Post Pik. S.viertel«

jährl. ausschl. Beitellg. Annahme von Anzeige» lür die Lage»nuininer bis oornnilagS 10 Utit. ZeilenpreiS: lokal IbPi^ auswänv 20 Piennig. Verantwortlich nie den poltL und allgein. Teil: P. Will ko. lüt ,Stadt und Uflnb' und .Gerichtssaal'. Ernst Heß, Mr den '21 n- zeiqenteil: pans Beck

5le üeulige Kummer umfaßt 10 Setteu.

politische Lagestzchcitt.

Ueber bai Zusammenwirken der links stehenden Fraktionen des Reichstages

sind in den letzten Tagen eingehende Verhandlungen geführt worden. Es hat sich eine Uebereinftimmung dahin ergeben, daß eine Selbständigkeit der einzelnen Parteien und ihre Organisation aufrecht zu erhalten sei. TaS Zusammen, wirken dec Fraktionen im Reichstag soll durch geeignete 'Diaü- nahmen gefördert werden. Entsprechend dem einstimmig be. schtossenen Vorschlag der Freisinnigen VolkSpartei sind folgende Beschlüsse vereinbart worden:

1. Tie Fraktionen der Freis. VolkSpartei, der Freis. Ver­einigung, der Deutschen VolkSpartei deS Reichstages beschließen: lieber Regierungsvorlagen, von Mitgliedern des Hauses em- gebrachte "Anträge und Interpellationen, Petitionen und Wahl. Prüfungen gemeinsam zu beraten und, soweit eine lieber* einstimmung erzielt wird, über ihre Vertretung im Plenum durch einen oder mehrere Redner Bestimmungen zu treffen.

2. Den Vorsitz in den gemeinsamen Fraklionssitzungen führt einer der drei Präsidenten der Freis. Volks­part ei nach vorheriger Vereinbarung untereinander. Die Bestimmung der Stellvertreter steht der Freis. Vereinigung und der Deutschen Vollspartei zu. Zur Vorbereitung bei gemeinschaftlichen Geschäfte und zur Ausführung von geiaßteu Beschlüssen wird ein Ausschuß bestellt, welchem zwei Vor» standsmitglieder der Freis. Volkspartei und je ein Vorstands- Mitglied der beiden anderen Fraktionen angehören. Für jedes Ausschußmitglied wird ein Stellvertreter bestellt. Den Vorsitz führt die Freis. VolkSpartei.

3. Die Fraktionen behalten sich daS Recht vor, gesonderte Beratungen abzuhalten. Falls hierbei Beschlüsse über gc- meilisam zu verhandelnde Angelegenheiten gefaßt werden, ist den beiden anderen Fraktionen alsbald Aiittnlung zu machen.

4. Für die Stellung dec Jnitlatioanträge, Einbringung von Interpellationen, Besetzung von Kommissionen und Wahlen treten die drei Fraktionen als Freisinnige Geincinschaft auf. Die Besetzung der Kommissionen erfolgt auf Grundlage bei nach der Geschäftsordnung üblichen Berechnung. Tie Fraltionen vereinbaren, auf schleunige Durchführung der Frankfurter Be- schlüsse üom 11. November 1906 (Wahl des Ausschusses, gemeinsamer Ausruf) hinziiwirken.

Der ZentralauSsehuß der Freis. VolkSpartei, der sich auS Mitgliedern deS Reichs- und preußischen Landtages zusammen- jetzt, hat unter dem Vorsitz deS Abg. Schmidl-Elberfeld ein­stimmig die Zustimmung zu chen gefaßten Beschlüssen aus- gesprochen.

Ein vierter ReichStagsprafident?

Man schreibt uns aus Berlin, den 21. Februar: Die Feindschaft zwischen den jetzigen Mehrheitspartelen und dem Zentrum wird nicht ewig sein. Man hofft in maßgebenden Greifen, noch vor Beendigung der ersten Tagung zu einer Aussöhnung zu kommen, da man die Mitarbeit der stärksten Partei dcö Hauses, die doch eine Mittelpartei ist, auf die Dauer, besonders in sozial-politischen Fragen, nicht entbehren 'ann. Um nun dem Zentrum dann wenigstens ein gewisses Entgegenkommen zu zeigen und ih>n em kleines Pflaner auf die Wunde der verletzten Eitelkeit zu geben, trägt man sich mit dem Gedanken, das Präsidium des Reichstags zu gelegener Zelt um einen vierten Präsidenten, also einen dritten Präsidenten, zu vermehren und diesen Sitz dem Zentrum anzubieten, das dann wahrscheinlich den Freihecrn o. Hertling dafür präsentieren wird.

TaS Aushilfsmitiel ist nicht neu. In der vorigen Session ehrte man den Rationalliberalen Büsing, der im neuen Reichstage nicht sitzt, durch Verleihung der vierten Präsidenten, würde, weil er bie Führung der Fuianz-Reformkommlssion durch alle Fährnisie tapfer durchgehallen hatte. Kommt es zu einer Aussöhnung nicht noch am Ende der ersten Tagung, jo tritt man sicherlich zu Beginn der Herbsttagung wieder m das alte freundschaftliche Verhältnis.

Die Ueberlegeaheit der fremde» Kriegsflotte».

Deutschland wird zwar im nächsten Jahre über 24 Linien» schisse verfügen, aber trotzdem reicht diese Streitmacht höchstens am- für eüien Seekrieg mir Staaten, mit denen wir voraussichtlich auf lange Zeit hinaus im besten Einvernehmen leben werden. Dagegen ist die deutsche Kriegsflotte jenen ersten Seemächten, welche das wirtschaftliche Aufblühen unseres Vaterlandes mit neidischen Augen verfolgen, entweder gar nicht ober nur be­dingungsweise gewachsen, weil sie kein einziges Linienschiff erster Klasse besitzt. Was bedeuter beispielsweise unser jüngstes, eben fertig gewordenes LinienschiffPommern" mit seinen 13 250 Tonnen, vier 28 Ztm.-, 14 17 Zmt.-Gesc^ivcn und 18 Meilen Fahrt gegen die acht Schiffsriesen der englischen Kanalflotte mit 16 500 Tonnen, vier 30ch Ztm.-Geschützen und 19 Meilen Geschwindigkeit! Von derDreadiwught"-' Klaffe mit zehn bU,.* Ztm.-ätanonen und 20 Meüen Fayrt wollen wir garutcul reden. Qazu besitzt England drei 17 500 Panzerkreuzer, welche unseren besten Linienschiffen in jeder Weise überlegen sind. Aber wollen wir das unerreichbare England ganz aus dem Spiele lassen und uns die Kriegsflotten der anderen Großmächte, an- sehen. Ta sind uns Japan, die Vereinigten Staaten und selbst Frankreich sowohl in der Tonnage, wie auch in der Schwere des Kalibers überlegen, sogar Italien verfugt über vier Schlacht­schiffe, welche den unserigen an Wasserverdrängung gleich, aber IN der Armierung und Schnelligteii überlegen sind. Welche Bedeutung die schwerste Artillerie und die größte Geschwindigkeit

bei Schlachtschiffen im Seekriege jedoch bedeutet, das Hal wohl der japanisch-russische Krieg zur Genüge erwiesen. Wir dürfen uns also nicht darüber hinwegtäuschen, daß unser schwimmendes Material im Äerpäitnis i>u oem der meisten andern Großmächte minderwertig ist, weil die Erbauung unserer modernen Flotte vou Ansang an verfehlt wurde.

Weibliche Polizisten.

Die Frau als Polizeispitzel, so schreibt man au5 Brüssel, spielte bisher nur in Romanen eine besondere Rolle, im Leven höchstens in Skandalassären oder in Fällen, wo pervers ver­anlagte weibliche Personen die Mitwelt durch Verlleidungskünste über ihr Gcsüstccht täuschten und dann mit Vorliebe im Dienste der össentliä>en Sicherheit wirkten. In der Diplomatie hat es bisher allerdings immer Leute gegeben, die das hervorragende Talent der Frau zum Spionieren auszubeuten wußten, freilich wohl selten au öffentlichem Nutzen, meist um perjoniidx Eitel- feit willen, die man auf Kosten dritter befriedigen wollte. Die Ehre, dem weiblichen Spürsinn ein legitimes Betätigungsfeld im Berufsleben eröffnet zu haben, gebührt nun dem Polizeiches der Stadt Gent in Belgien. Der hat Frauen in feinem Geheim­dienst eingesührt und sich über die bezüglichen Erfahrungen einem Mitarbeiter deS(Steile Beige" gegenüber wie folgt aus­gelassen :

Ich hole mir meinePolizistinnen", sagte Herr van WacS- mael, nur aus Kreisen von Frauen, die im Alter von 4045 Jahren stehen und entweder Witwen oder Jungfern sind. Sie müssen sich als streng sittliche Personen bewährt haben. Sie haben mir Berichte zu erstatten, die ich aut das genaueste kontrolliere; niemals lasse ich sie als Zeugen vor Gericht ver­nehmen. Sie haben Anzeigen zu machen, dürfen sich aber unter keinen Umständen in das Privatleben der Leute ein» mischen. Nur über das Allgemeinwohl sollen sie wachen. Ich bin mir gewiß, daß eine kluge und geschickte Frau weit schneller als ein männlicher Polizeibeamter die Orte auszusinden vermag, wo sich Vagabuirden uub Verbrecher treffen. Man mißtraut einer Frau viel weniger als einem Manne. EinePolizistin", die als Apfelfineuhäudlerin verkleidet geht, vermag in Zu­fluchtsstätten einzudringen, die sich einem männlichen Geheim­polizisten kaum öffnen würden. Ich werde mit einem Dutzend weiblicher Sicherheitsbeamten es ein Jahr lang versuchen und mich dann über die gern achten Erfahrungen eingehend äußern." Hoffentlich lesen die Herren Verbrecher denEtoile Beige" nicht; sonst erfahren sie aus seinem Artikel, vor wem sie auf der Hut sein muffen.

Deutsche» Ueich.

Wilhelmshaven, 21. Februar. Der Kaiser hörte heute in der Maschmenbanwerksiatt einen Vortrag über eine dort aufgebaute Ruderschwenkaulage für das im Bau befind­liche Linienschiff w£)QnnoDer* und ließ sich dann die neue rauchlose Feuerung vorführen. Weiter ließ der Monarch sich Vortrag halten über em neues feuerfestes Jsoliermaterial. Infolge des Sturmes wird der Kaiser die Fahrt nach Helgo­land voraussichtlich aufgeben und von Wilhelmshaven im Automobil nach Bremen fahren. Ein Mann, welcher gestern dem Staifer eine Bittschrift überreichte, der Land- uiann Tholen aus Nüstersiel, war früher schon einmal in einer Irrenanstalt interniert.

Berlin, 21. Febr. Die Kaiserin richtete an das unter ihrem Protektorate stehende deutsche Komitee für bie Errichtung einer Zentralanstall zur Bekämpfung der Säug- lingssierbllchkeit ein Handschreiben, in dem sie ihre Be­friedigung über den Bericht des Geschästsausschuffes auSdrücki, und nach welchem die 9)littel zur Ausführung dieser Zentral­anstalt zum großen Teile bereits gesichert sind. Die vor- gelegten schönen Pläne hätten die Zustimmung des Kaisers und ihre, der Kaiserin, bereits gefunden. Sie hoffe, daß es m nächster Zeit schon möglich sein werde, den Bau zu beginnen, und genehmigt, daß der Anstalt der 9laine Kaiserin Augusta.Viktoria-Haus zur Bekämpfung der SäuglingSsterb. lichkeit im deutschen Reiche beigelegt werde.

Ter bisherige Gesandte in Ehristiania, Tr. Stübel ist tatsächlich, wie die ,Hamb. Rachr.' erfahren, vor einiger Zeit in der Absicht nach Berlin gekommen, Exzellenz Dern- b urg wegen der an der Tätigkeit seines AmtSvorgängers mt ReichtStage geübten Kritik persönlich zur Verant­wortung zu ziehen. Auf Zureden seiner Freunde hat er jedoch von der Ausführung seines Vorhabens Abstand genommen.

Der .ReichSanz.* veröffentlicht eine Bekanntmachung betreffend die Einrichtung und den Betrieb der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Anlagen.

TreutzijchcS Abgeordnetenhaus.

Berlin, 21. Februar.

Die zweite Deratung des Etats des Ministeriums des Innern wird bei der Besprechung über bicPolizerverwaltung in Berlin" fortgesetzt.

Abg. Dittrich (Ztr.) bemerk, daß sich die gestern empfohlene Verkürzung der Polizeistunde für die zweistthaiteu Lokale in Vcr.in sehr ivohl durchführen lasse. Was in England möglich sei, müsse audj in Deut!ch.and durchführbar fein.

Minister v. Bethmann.Hollweg enoibert auf die gestern gestellte Forderung einer Reform der Gesindeordnung, daß mir deren Aenderung allein nichts getan sei. Eine Steuerung sei erst nach Lösung vieler anderer Fragen zu erwarten. Der Abg. Schuctmann habe gestern die Nachtseiten des Berliner Lebens geschildert. In manchem habe er Recht, während er, ber Minister, ihm allerdings in vie.em nicht zusiimmen könne. In England und Amcrlla habe die Polizei nicht die Sitten des Volkes gemodert, sondern gerade umgekehrt: die Lebensanschau- uiigen hatten die Polizeimavregern erst veranlaßt. Eme plötzliche Herabsetzung der Vokrzeisruude fei nia)t mogiiQ. Ao er alle Be- Itrebungen, weiche daraus avjielien, die nachtttchen Vergnügungen ju Derrnuibern, werde er freudig unterstützen. Der Abg. '.Jiüniur» oerg haoe bie hllg.emennerung der Pro»itutioa b^vwll, und er habe rich'llg ettünnt, Ixib das ©runbüaei in einem unlogi­schen und v erworrenen Paragraphen des St. G. B.

liegt, Lltti Grund dessen die Polizei niüit anders Qaiioein tonne, als die Prostitution unter Kontrolle zu stellen. Er, Der Minister, sei gern bereit, in diesem Sinne auf eine Aenderung be» St. G B. zu wirken. Man werde schließlich wohl dahin kommen, dem Bei- Iviele Dänemarcs zu folgen. Die Frage der A n i m i r k n c i pe n sei von ihm säwn schar, geprüft rooroen. Seitens der verbündeten Regierungen werde die vollständige Beseitigung so'.ck>er Kneipen erwogen. Jetzt könne er allerdings nur durch polizeiliche Maß­regeln wirken.

Abg. Brömel (frf. Dgg.) führt aus, auf dem Gebiete der Gcsindeordnnng bestanden tatsächliche Mängel. Tas Meuichrii- kum der Dienstboten müsse auch in der Gesetzgebung Bcrücksich- ligung sinocn.

Beim TitelPolizeiverwaltung in den Provinzen" wünscht u. a. Abg. von Wenden (t.) eine wcitergchende Unterstützung der Tierschutzbestrebungen.

Ausland.

Stockholm, 21. Febr. Der Universitätskanzler Bo­st r o e m, der von 1891 bis 1900 und von 1902 bis 1905 Ministerpräsident war, ist g e ft o r b e n.

London, 21. Febr. Heute nacht lehnte das Unter­haus den konservativen Antrag ab, der einen allbritischen Zollverein als wünschenswert bezeichnet.

Oberhaus. Lord Newton bringt einen Gesetzentwurf bett, bie Reform des Oberhauses ein. In der Absicht, den übermäßigen Einfluß des erblichen Elements zu beteiligen, sieht der Entwurf vor, daß kein erblicher Pa ir im Ober- Hause sitzen soll, außer, wenn er ein hohes Amt bekleidet hat, oder wenn er zweimal ins Unterhaus gewählt worden ist, ehe er Pair wurde, oder wenn er als Wahlpair (repräsentativer Pair) gewählt worden ist. Die erblichen Pairs sollen die Voll­macht erhallen, ein Viertel der aus ihrer Zahl gewählten Pairs zu wählen. Die Krone soll die Vollmacht haben, hundert Pairs auf Lebenszell zu ernennen, um die Vertretung aller Interessen zu sichern. Die Zahl der Bischöfe im Oberhause soll herabgesetzt werden.

Paris, 21. Febr. DerTemps" bespricht die deutsche Reich stagsthronrede und besagt, dieselbe bezeichne dies­mal die Beziehungen Deutschlands zu allen Mächten ohne Ausnahme als korrekt und gut Dies bedeutet, fährt daS Blatt fort, einen Fortschritt, dessen Wert wir gern an­erkennen. Wenn an Stelle der früheren mißtrauischcn Stim­mung in Deutschland Ruhe, Zufriedenheit und Zuversicht getreten, sind, dann werden wir bie ersten sein, welck-e sich darüber freuen.

Wien, 21. Febr. Wie dieN. Fr. Pr." auS Lemberg meldet, verweigerten die wegen Ausschreitungen und De­monstrationen an der Lemberger Universität verhafteten ruthe- nischen Studenten von heute ab die Aufnahme der Nah­rung.

Budapest, 21. Febr. Der Unterrichtsminister Apponyi bat im Abgeoidnetenhause einen Gesetzentwurf über d i« Volksschulen eingebracht. Ter Entwurf setzt für die Lehrer ein Mindestgehalt von 1000 Kronen fest. Die Volks­schulen mit deutscher Unterrichtssprache sollen weiterbestehen bleiben, aber verpflichtet sein, die ungarische Landessprache als Lebrgegenstaub einzuführen. Auch soll diesen Schulen eine staat- liche Unterstützung nur bann gewährt werden, wenn sie den staat­lichen Lehrplan annehmen.

Petersburg, 21. Febr. Die Akademie der Wissen­schaften und der Univerll täten wählten zu Mitgliedern des ReichsrateS: Professor Eugen Trubetzkoi (Partei der friedlichen Erneuerung), Wassiliew (Kadett und Mitglied der ersten Reichsduma-, ferner Maxim Kowalewski und Rektor der Universität Moskau, Manuilow (Kadett), Grimm (Kadett) und Wernatzki (Kadett) und Mitglied der Akademie.

Kimberley, 21. Febr. Der Transvaalbur Fär- r e i r a und feine Genossen, bie anfangs November bes bongen, Jahres in bem Norbwesten der Kapkolonie eingedrungen waren, die Polizei st ationen überfallen und einen A u f st a n d ins Werk zu setzen versucht hatten, wurden heute zum Tode verurteilt. Potgieter und Retis wurden zur Begnadi- g u n g empfohlen.

Hin cntjihlichkS Schiffsunglück und andere StulMjchädeu.

Gestern nachmittag um 1/i 3 Uhr erhielten wir folgendes Telegramm, das roir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Rotterdam, 21. Febr. Heute morgen lief der Dampfer Berlin" der Linie Harwich-Hoek van Holland, welcher aus London kam, bei der Einfahrt in die Maas auf Grund. 88 wurde versucht, die ^aßagtere zu retten, jedoch bevor dies ge- laug, brach das Schiff in zwei Teile, die mit großer S^nelligkkit sanken. Die GesellschaftGreat Castern", weicher der Tampser gehört, teilt mit, daß bei der Katastrophe 141 Personen umgekommen find, darunter 91 Passagiere.

Ueber dieses furchtbare Unglück wird aus Rotterdam heute noch weiter berichtet:

Als der Tampier rBerlin*, welcher in der Nacht auS Harwich adge'ahren war, sich am Donnerstag im ersten Morgengrauen bei Dolläiibijctjen Stulle und der kochenden Brandung der Bai von Hoek van Holland näherte, ivehle ein orkanartiger uordivesuicher Sturm. Das Schiff würbe von den slurmbewegieit Wellen au' bie nördliche Mole an bcr8'l'laaenüinbuiig geworden, wo es solort entzwei­brach . v o 1 l W a j j c r ft r b m t e und unl erging. Tie ge­jaulte Besatzung und alle Pasjagiere sind ertrunken. Reltungs- öampier tonnten tu der rasenden Meeiesvrandung keine HuUe leisten. Tie Aiellen müssen allen au Bord Befindlichen soiort Tod und Beideiven gebracht haben. Bon den Pasiagieren wurden manche in ihien Kabinen überrascht. Hohe BLellen oerhiuderien die Aettimgsiuanuscha'l, sich an die Unglücksslelle zu begeben, um nach mvaigen Uebetlebenben zu suchen. Tas Schiff .Berlin' faßte 177ö Toiu en brutto und war un Jahre 1894 erbaut. Tie Dampfer Der Great Easicrn Limen werden niehr von Fremden, besonders Engländern und Teut!chen u. s. >v., als von Holländern benutzt, weil letztere ihre nationale Linie BlissingenQueenborough bevor­zugen. Unter den ertrunkenen Paffagieren des Lainpiers oemnben sich 19 Mitglieder einer deutschen Lperngejelljchaii, die weben un Eonveulgauen zu London bie Saison beenbet hauen, auberbem em Spezlaltourier des llomgs Eduard. Tieier, ber (jeib- lägcileumant Arthur Hwrborg, haue wichtige für bie'e von jiove.ibagen, Berlin, Petersburg und Teheran befummle Teveschen oet sich. Einer Depesche zuiolge sollen bie Säcke, welche die diplo­matische Korrespondenz eiuhielleu, mit unerbrochenen Siegeln an Land gespult worben (em.