15 7« Jahrgang
Erstes Blatt
UotnÜousörtK? «nd Perlag der VrSHI'schrn Univ.-Puch- »nd Steindruckerri. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuistratzr 7.
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Internationale Schiedsgerichie.
? Ein furchtbares Schrecknis ist der Krieg — und daher wird man gegen ein drohendes K^iegsgewitter, schon um später die öffentliche Meinung für sich zu haben, alle möglichen Friedensglocken in Bewegung setzen. Die Ge- mndten werden eifrig verhandeln, die guten Dienste einer befreundeten Macht werden angerufen, „Die Waffen nieder" in Hunderttauscnden von Exemplaren verteilt werden, und schließlich wird man sich auch an die noch gar nicht so lange existierenden Schiedsgerichte wenden. Solche schiedsrichterliche Schlichtungen sind in den letzten Jahrzehnten oiel häufiger geworden, obwohl der Mert der Schiedsgerichte nicht überschätzt werden darf. Denn derartige Gerichte haben nur Wert für Streitigkeiten von untergeordneter Bedeutung; wenigstens dürste, sobald es Jid) um große Lebensfragen eines Staates handelt, dieser sich Wohl kaum einem Spruche unterwerfen.
Die Weiterausgestaltung des Schiedsgerichtswesens ist nun auch jetzt wieder Gegenstand vieler Be- ratmigen im Haag gewesen. Ursprünglich — und das kann auch heute trotz des inzwischen geschaffenen Schiedsgerichtes der Fall sein — war es so, daß in Streit befindliche Nationen einen Souverän zum Schiedsrichter ernannten, event. auch ein aus mehreren Personen bestehendes Schiedsgericht anrufen wollten. Ein solches schiedsrichterliches Urteil wird .dann als Vergleich angesehen, der aus den verschiedensten Gründen anfechtbar ist, z. B. kann die Gültigkeit des Kompromisses an sich bestritten werden, oder das schiedsrichterliche Verfahren wird beanstandet, dem Richter resp. den Richtern wird Bestechung vorgeworfen.
Eine neue Phase der Entwicklung des Schiedsgerichts- Wesens brachte sodann die erste Haager Konferenz (18. Mai bis 29. Juli 1899). Sie schuf im Haag einen ständigen internationalen Gerichtshof (cour permanente d'arbitrage). Es wurde ein ständiger Verwaltungsrat, dessen Vorsitzende der niederländische Minister und dessen Mitglieder die Gesandten der beteiligten Mächte waren, gebildet, der im Haag das internationale Bureau einzurichten hatte, das wieder dem Schiedshose für die Burcau- geschäfte diente. Bezüglich der Richter sollte freie Wahl herrschen (Art. 15 des Abkommens vom 29. Juli 1899): Jede Macht durfte höchstens vier Personen von „anerkannter Sachkunde in Fragen des Völkerrechts" benennen, die sich „der höchsten sittlichen Achtung" erfreuen. Sie alle wurden in eine Liste offiziell als „Mitglieder des Schiedshofes" eingetragen, die das Bureau führte. Aus dieser Gesamtliste hatte dann für den einzelnen Fall die Auswahl zu erfolgen. Es ist aber, wie erwähnt, auch möglich, daß ein Souverän zum Schiedsrichter gewählt wird; dann wird das Schiedsverfahren von ihm geregelt, d. h.
er wird wohl nur formell den Spruch fällen, der in Wirklichkeit von seinen Räten vielleicht oder von anderen hierzu geeigneten Personen gefunden wird.
Wie Präsident Nelidow in seiner Eröffnungsrede erwähnte, sind feit 1899 33 Schiedsverträge geschlossen, also Verträge, in denen sich Staaten bereit erklären, in gewissen Fragen sich dem Schiedssprüche zu unterwerfen; ferner sind vier ernste Fragen, die die freundschaftlichen Beziehungen der Mächte empfindlich zu stören geeignet waren, dem Haager Schiedshofe unterbreitet worden.
Wird nun aber dieser 1899 errichtete internationale Schiedsgerichtshof ein permanenter genannt, so ist dies Wort cum grano salis zu verstehen. Diese Institution als solche ist permanent, ist jederzeit zugänglich, das Tribunal selbst wird aber in jedem konkreten Falle erst gebildet. Daher ist eS auch nur ein scheinbarer Widerspruch, wenn jetzt auf der zweiten Friedenskonferenz (15. Juni bis 18. September 1907) der amerikanische Vorschlag eingebracht wurde: Es soll ein permanentes Schiedsgericht eingerichtet werden, bestehend aus 15 Richtern usw., die aus den verschiedensten Ländern stammen sollen und von denen tunlichst keiner an einer Diskussion über eine Angelegenheit, bei der sein eigener Staat beteiligt ist, teilnehmen soll. Und ferner heißt es da, daß der gegenwärtige Schiedsgerichtshof soviel wie möglich eine Grundlage für den permanenten abgeben könne. Hier ist daS Wort permanent noch enger zu fassen: nicht nur die Institution als solche, sondern auch das Richterkoltegium, tagend in bestimmter Zahl und zu bestimmter Zeit, soll Permanent sein. So erklärt sich auch, daß bei der Kommissionsabstimmung — bekanntlich wurde die Errichtung eines ständigen Schiedsgerichtshofes grundsätzlich angenommen — Belgien und einige andere kleine Staaten diese Vorschläge bekämpfte, weil ein ständiger Schiedshof dem Grundsatz der freien Wahl von Schiedsrichtern durch die beteiligten Parteien widerspräche.
Auch das Prinzip des obligatorischen Schiedsgerichtshofes ist jetzt im Haag siegreich durchgegangen. Das bedeutet, daß düs Schiedsgericht in gewissen Fällen, deren Zahl und Inhalt normiert wird, angerufen werden muh. Darüber hatte man schon 1899 beraten, denn im Art. 19 des damaligen Abkommens hieß es u. a.: Es behalten sich die Mächte vor, jetzt oder später neue Uebereintommen aözuschlicßen, um die obligatorischen SchiedSsprcchungen auf alle Fülle auszudehnen, die ihr nach ihrer Ansicht unterwerfen werden können." ■irji n^gBrnnrr'rjMmomn vran- j vh-htkwmb-.--w. -_rrw- m hj- ■—mm "
Berlin, 24. Sept. Von der General-Direktion des Norddeutschen Lloyd wird dem B. T. telegraphiert, daß die Meldung, wonach Generaldirektor Dr. Wiegand zum
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Nachfolger des Herrn von Stengel ausersehen sei, jeder Begründung entbehrt. Auch von anderer Seite wird die Nachricht vom bevorstehenden Rücktritt Stengeln dementiert.
— Die Verschmelzung der sozialdemokratischen Gewerkschaften, die auch den Parteitag in Essen beschäftigte, wird nicht zustande kommen. Ter Führer der Lokalisiert, Kater-Berlin, erläßt einen Aufruf, in dem er vor dem Eintritt der lokalistischen Gewerkshaften irr die Zentralverbände warnt.
Stuttgart, 23. Sept. Das Ministerium des Innern hat eine allgemeine Revision der ortsüblichen Lagelöhne für das Jahr 1908 ungeordnet. Der Regel gemäß wäre die nächste allgemeine Revision der Lohnsätze erst im Jahre 1909 vorzunehmen. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß infolge der in den letzten Jahren eingetretenen Berbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch die Löhne eine nicht unerhebliche Steigerung erfahren haben, hat das Ministerium eine anderweite Festsetzung der Höhe der ortsüblichen Tagelöhne schon vor Ablauf der gegenwärtigen; Gültigteitsperiode als angezeigt erachtet.
polUefdic Lcrg-estzchÄAtt
Ter Lod Morengas.
Die schon gestern von uns mitgeteilte Meldung vom Tode Morengas findet nun endlich auch ihre endgültige Bestätigung. Nach einem telegraphischen Bericht des Gouverneurs von Südwestafrika v. Schuckmann ist diesem Vorst Gouverneur der Kapkolonie amtlich bestätigt worden, daß die englische Polizei Morenga bei Witpan angegriffen und getötet hat. Der Gouverneur von Schuckmann hat darauf dem Kap-Gouverneur sür dieses tatkräftige Einschreiten gegen Morenga gedankt.
Eine amtliche Meldung aus Kapstadt besagt: Daß die bei der Verfolgung Morengas beteiligten Militär- Personen aller Grad-e sich sämtlich vortrefflich gehalten; hätten. Morengas unmittelbarer Anhang sei. nunmehr vernichtet worden.
Der Schlußkamps, in welchem Morenga getötet wurde, spielte sich nach einer Meldung aus Upington folgendermaßen ab: Morenga mit 10 Hottentotten ent-i schlüpfte den Truppen an der deutschen Grenze. Diese entdeckten jedoch seine Spuren, worauf Major Elliot mit 60 Mann ihn durch einen wasserlosen Landstrich 48 Stunden lang verfolgte. Er sand Morenga in einer Stellung auf einem Kopje; dieser eröffnete auf eine Entfernung von 1000 Dards das Feuer und setzte cs zwei Stunden hindurch fort. Dann stürmte Inspektor Sanders mit 12 Mann das Kopje, gedeckt von dem Feuer der Hauptabteilung. Der Korporal Heu Wood wurde 10 Vards vom Feinde entfernt getötet. Der Mann, der ihn er-, schoß, wurde dann sofort von einem Kameraden des Korporals getötet. Nach Eroberung der Bergspitze fand man
Dom Iiamesenfest in Komlmrg scüreibt uns heute ein Homburger Kurgast noch folgendes:
Schon am Samstag vormittag bei der Brunnentaufe war cs ein farbenprächtiges Bild, das sich bei hellem Sonnenschein vor dem Drei-Kaiserhof entfaltete. Von der noch immer frischgrünen Wiese, die umsäumt ist üoit schmucken, neuen Villen, hoben sich der bunt dekorierte Vrunnentäufling und das Fürsten- idt aus» lebhafteste ab. Wie die Feier verlief, wissen Sie ja bereits. König SchulalongLrrN machte einen äußerst vergnügten und befriedigten Eindruck und das Publikum freute 'sich rvohl am meisten über die Schaar der ihn begleitenden Prinzen, die einer wie der andere in ihren englischen Studenten-Uniformen mit dem Cylinder auf dem Kopf sehr drollig aussahen. War doch der kleinste Prinz nicht viel höher als sein Hut. —
Am Nachmittag wurde dann dem König im Grand-Hotel die Adresse der Stadt Homburg überreicht, eine Huldigung, die würdig schön verlaufen ist, daß der kupferoraune Herr aus, Freude imriwec, sämtliche dabei Anwesende eigenhändig abgeknipst haben soll. Während dieser Feier musizierten in dem prächtigen alten Kurpark 4 Regimentskapellen, die 80 er, 115 er, 168 er und 23. Dragoner. Am Abend wars geradezu märchenhaft im Kurkarten. Man stand zwar dort stundenlang eingekeilt in drangvoll fürchterlicher Enge, und der Sterbliche durste sich glücklich schätzen, der beim Ansturm auf die Stühle ein solch nützliches Möbel crivischt hatte; aber das tat dem allgemeinen Vergnügen keinen Llbbruch. Man 6egelfterte sich für alles, ob nun der König begrüßt von feierlichen Fanfaren klängen, hinaus puf die Terrasse trat, ob die 4 Regimentskapellen im Fackelzug aufmarschierten und den großen Zapfenstreich anstimmten, oder ob endlich die glänzendsten Effektstücke des Feuerwerks in der Luft verpufften. Es waren 21 Nummern und ein derartig großartiges Feuerwerk ist hier noch nicht abgebrannt tvvrden, aber auch so viel Qualm uno Rauch hat man selten in so kurzer Zeit verschluckt.
Der König wohnte dem ganzen Zauber bei, die Hoch- und Hurraruse nahmen kein Ende.
Daß der König auf der oberen Terrasse, während er selbst speiste, 450 Gäste mit kaltem 'Abendessen bewirtete, ist Ihnen auch schon bekannt, daß aber dieser Festakt ein Wohl noch nie da- gewesemä Nachspiel hatte, muß ich noch erzählen. Als das Feuerwerk zu Ende war, wurde der Kur garten geöffnet; hinaus üttömten die 2000 glücklichen Besitzer der nun erledigten Eintrittskarten und herein dagegen die Zaungäste, die sich tvvhl auch in tausendfältiger Zahl eingefunden hatten, und auf die Terrassen, wo sich tne ersten noch gütlich taten an den steben- geblnbenen reichlichen Ueberresten von Ave in und Speisen. Wie sich die Menge auf die seltenen Leckerbissen stürzte, und sie sich schmecken ließ, das war ein Bild, wie jnait es fetten zu sehen bekommt. — , r
Der König hatte ja, wie man sagt, gewollt, daß feine Ge- burtstagsfeier ein großes Volksfest wevden solle, und so ist ste es auch wirllich zum Schluß noch ein Volksfest geworden in des Wortes weitester Bedeutung.
Von dritter Seite wird rrns. noch solLendes geschrieben:
Das Homburger Gartenfest soll dem sinnig von ^>iam rund 20 0 0 0 0 Mark gekostet haben. „Geld spielt ja keine Rolle", sagte der Homburger 5turdirettor.Freih. von Maltzahn zu mir. An diesem Tage hatte ich auch eine Unterredung mit d e m K a n z l e r d e s Königs. Ich hatte Gelegenheit, in den Bndoirs der reichen Majestät zu verweilen, den Prinz-en einen Besuch abzustatten, den Thronfaal der siamesischen Gratulationskur zu be- stchtigen und erfuhr u. w, daß der König 69 Prinzen hat. Tie Prinzessinnen werden nicht gezählt. An die 5 2 M i l l. Jahresrevenuen bezieht dieser tteine unscheinbare Mann, der in Deutschland etwa 5 — 6 Millionen in rund 160 Tagen verbraucht hat. Kann maus da der deutschen Industrie übel nehmen, daß sie den Geldspendenden noch gar zu gern länger in Deutschland festgehatteu hätte?
Am Geburtstage des Königs vollsührten mehr denn 12 gelbe Dreikäsehochs vom königlichen Geblüt einen Höllenlärm, hatten einen Lustballouverkäufer in den Hof geschleppt und ließen einen Ballon nach dem andern fliegen. Der Italiener machte ein vergnügtes Gesicht, denn er hatte in kurzer Zeit seine 100 gefärbten 'Schweinsblafen verkauft.
Drinnen wurde der Thivnsatil hergerichtet, purpurrot die Fenstervorhänge, berauschend der Duft von Chrysanthemen, diese in allen Farben, allen Größen, dazwischeir exotische Blüten, alles bunt, alles eigenartig in seinem Aufputz. Inmitten der Blumen die Geschenke. Bon jenen Städten zumeist, in denen der König besonders reiche Ausgaben gemacht hat. So vocn Baden-Baden und Homburg, Gaben von Privaten, von Verehrerinnen, von Künstlern. Alles aber überragte die Silbervase, das GeburtstagSangebinde der siamesischen Missionen Europas. Wen ich auch sprach, obs ein Prinz war, ein Gesandter, gar der Kanzler selbst, sie alle versicherten mir, daß der König der besten Eindrücke voll Europa verläßt. „Meine Erwartungen sind weit übertroffen worden, Deutschland ist ein bedeutendes, ein musterhaftes Land.Das ist das abschließende Urteil des Königs 5=6er Deutschland. Scheinbar etiquettetts mutet die Gesellschaft an. Doch das.wird, anders wenn der König in feiner Villa ist. Wöllen z. B. die Prinzen zu ihm, dann ziehen sie sich vor der Tür des Königszimmers die Schuhe aus und rutschen auf den Kni een zu ihrem Vater und König. Ueberraschend einfach fand ich das Boudoir Tschulalongkorns in Homburg. Im Hause alles drunter und drüber. Kisten und Kasten in allen Ecken, in jedem Zimmer. Ein Hämmern unv Pochen, denn die gefaulten Kostbarkeiten werden verpackt; Vögelgezwttscher und Hundegebell. In diesem Tohuwabohu hat der reichste Fürst der Welt 6 Wochen geweilt. Die Tür, an der die Konitzskrone prangt, öffnet sich, ich werde in das Arbeitszimmer geKhrt. Wie bescheiden für einen König! Der Blick schweift lstnaus auf den in blauer Ferne sich zeigenden Taunus, im Zimmer selbst ein schwerer Dust. Drückend und schwül sogar. Auf goldsttotzendem Tische 6rennen 40 Niesenkerzen, dazwischen stehen siamesische Türmchen, mit 3—7 Dächern, siamesische heliothropfarbige Fähnlein. Eine Kiste voll Kerzen dient zur Reserve. Da und dort auf den Gesimsen der Kamine, auf den Nippestischchen Obst, auserlesenste Fruchtschalen. Weintrauben ! wie Pflaumen so groß, Melonen, Bananen. Eine — königliche Unordnung. Auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers Gratulationstelegramme und Geburtstagsgeschenke. Mit das kunterbunteste Zeug. Die Coiwerts sind erbrochen. Die Gaben hier hat sicher der König geschaut. S&in .Arbeitszimmer gelangt man direkt in
den Sch laufraum. Auf ix in Nachttifchchen liegen acchws, scheinbar $urn Mitnehmen brcklantenöesetzte Zigarrettenetuis. Nirgends auch nur die Spur einer Uniform. Eblinderhüte liegen auf der Chaise- lange, Lackstifeletten stehen im Zimmer umher. 2 Dackel machen ihre Spaziergänge vom Schlafzimmer ins Arbeitszimmer Königs. Und das Bett? Es kann gut 3 Personen fassen.
Nun in die Gemächer der Prinzen, der dem Könige nächst- stehenden. Ueoerall Körbe und Kisten vollgepackt. Die unglaublichsten Sachen liegen zerstreut umher. Im Zimmer des Lieblings^ Prinzen des Königs ist über einen Stuhl ein Waffenrock gehängt, auf dem Bett liegen eine schwergoldene Schärpe und eine Militärs Hose. Der Raum des Oberkämmerers ist schon kein Zimmer mehr« der gleicht vielmehr einem Waarenhans. Die Zimmer du; kleinsten Prinzen gleichen überhaupt nicht mehr Wohnräumen, das sind ausgiebige Rumpelkammern mit Eisenbahnen. Die Prinzew haben den Fußboden mit Eisenbahnschienen bespannt und spielest — Breitenbach, sausen hin und her und freuen sich ihres Lebens Sehen putzig aus, diese fixen, gelben Kerlchen, haben alle gleiä)e Anzüge, die gewisser Chorknabentracht ähneln. Einfach ist auch das Speisezimmer, auch hier wieder schwerer Blütenduft. Jeden Tag mußten zweimal die Blumen erneuert werden, in ultest Gemächern.
Gar seltsam war die Lebensweise des Königs und feinet Leute. Wich sie am Tuge nicht viel von der unserigen ab, so hatte sie des Nachts etwas ganz Eigenartiges. Du kochte die ganze Gesellschaft. Der König kochte mit. Und was? Schweinefleisch mit Reis. Das ging bis zur Herrgottsfrühe. Dann erst wurde es allmählich still bis gegen 11 Uhr vormittags sich wieder neues Leben in den Königszimmern regte. Damit man's auch, weiß, was Chalulongkorn pro Tug etwa an den Hotelier zahlte, so sei die Summe von 3 0 0 0 Mark genannt.
Was hat nun Tjchulalongkorn von seiner Europafahrt prcu filiert? Der Kanzler gab mir Antwort,die^schmeichelhast für uns lautet. Tschulalongkorn liebt deutsche Sitck und Art, er ist in gewissem Sinne modern erzogen worden. Was er in Deutschland sah, erregte in jedem Falle seine Äufinerksamkeit. Angefangen z. B. von einer Puppenstube bis zu dem rafftniertesten Garderobe-Kunststücke. Dem Automobilsport huldigte der König gern und ost. Wenn er die Eisenbahn vermeiden und dem Automobil sich anvertrauen konnte, so tat er dies gern und oft: Für deutsche Kultur aber von Bedeutung ist, daß Tschulalongkorn unsere kulturellen Fortschritte seinem Reiche' nutzbar machen will. So war die Europareise nicht bloß eine Vergnügungstour füt den König, sondern sie wurde für Siam zu einer Kulturfahrtt Als nächstes Ziel hat Tschulalopgrorn, wie ich aus der Umgebung des Königs noch erfuhr, vor, in feinem Reiche die Spielhöllen aufzuheben...
Zurück durch den Garten zum Thronsaal; rechts und links vom Wege Pakete und Kisten.
Neue Gäste kommen, andere gehen, der Lunch ist zu Ende, die Gesellschaft begibt sich in ihre Gemächer, die nächste Stunde gilt der Vorbereitung für die große siamesische Gratulations^ kür. Abschiednehmend von Deutschland hat Tschulalongkorn noch der Armen gedacht, denn seine letzte Ausgabe waren 2 50 00 Mark für die Armen von Homburg. Und die, dst Tschulalongkorn an seinem Geburtstagsfeste zu sich geladen hatten


