Erstes Blatt
157. Jahrgang
Freitag 19. April 1907
Nr. 91
Lrl»-«u1 täglich außer SonniagT.
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Neapel, 18. April. Der König und die Königin von England sind heute zu Schiss hier eingetroffen. Der hiesige Aufenthalt hat nur einen privaten Charakter,___________________
Deutscher Reichstag.
H2. Sitzung am 18. April.
Die Beratung des Etats des Reichsauns des Innern, Kapitel „R e i ch s g e s u n d h e i t s a m t', wird fortgefegt.
Abg. Prinz Larolath (nL) fragt an, ob irgendwelche Maßnahmen bezw. Anordnungen im Gange feien, um dem Unwesen der schädlichen Ausdünstungen und der übermäßigen Ltaub- erregnngen der Automobile em Ende zu machen. (Bravos.)
Abg. S e v e r r n g (Soz.) tritt zunächst ein für vermehrte Anstellung von Aerzten in der Eewerdeaulsicht und empfiehlt sodann eine von feiner Fraktion emgebrachle öiesoluuon Albrecht belr. Arbeiterschutz in Hünen- und Walzwerken und Melalsichlei- rereien. Siotwendig sei vor allem Festsetzung einer höchstens achtstündigen Arbeitsschicht für die m den Feuerbetrieben beschältigteu Arbeiter - ferner allgemeine Einschränkung der Ueberarbeu; weiter strenge Durchführung der ztun Schutze der Arbeiter erlassenen geietzlichen Beslimmiingen und Unfallverhiltungsoorschriften und endlich sanitäre Einrichtungen der Arbeitsräume, Stailbjaugean- lagen in den Melallschleüereieir. Tie Zahl der Unfälle in den Hüllen- und Walzwerken sei eine andauernd große. Deshalb fei auch unerläßlich die Anstellung von Arbeiterkontrolleureu zur Ueberwachuiig der Einhaltung der Schutzvorjchriften.
Abg. Wattendorf (Ztr.) fordert Maßnahmen gegen Ein- fchleppiing von peslverdächtigen Natten durch holländische Schiffe in Emden, sowie ferner gegen Ausbreitung der Genickstarre m Westfalen.
Abg. Korfantv (Pole) befürwortet eine von von seiner Fraktion eingebrachte Resolution Brandys, die Regleruitg zu ersuchen, zu veranlassen, daß sämtllche Unfalloerhütungsvorschriften und Verordnungen zum Schutz von lieben und Gesundheit in Bergwerken, Eisen-, Blei-, Zinkhullen und ähnlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter ihnen in ihrer Muttersprache zur Kenntnis gebracht werden.
Abg. H o e f f e I (Rp.) äußert den Wunsch, es möge den jungen Aerzten gestattet sein, das vorgeschriebene praktische Jahr, statt in Kliniken, bei praktischen Aerzten durchziunachen. Tanlens- ivert fei, daß eine der vorliegenden Resolutionen (Jäger u. Gen. Ztr.) fid) and) mit der Wohnungs'rage beinhe.
Abg. Tr. Mugdan (Frj. Bp.) tragt an, wie es mit einem Gesetze über die Krankenpflege stehe, eo wertvoll die religiöse Krankenpflege sei, jo genüge sie doch man. — -tie Bereinigung von Verwaltung und Wisienichait, wie, ne im Reichsgejundheils- amt beficoe, halte er nid)t für zweckniäßlg.
Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, was einWoh- nungsgesetz anlange, so habe ja vor einigen Jahren Preußen emen
Die italienische offiziöse „Agenzia Dtefani" veröffentlicht folgende aus Gasra datierte Note:
In privater Form erfolgte die Begegnung der Königs don England und des Königs von Italien. Sie ist ein neuer Beweis der Gefühle persönlicher Zuneigung, welche die beiden Herrscher verbinden. Die Begegnung fei nicht durch politische Zwecke veranlaßt, sie wird aber die best» Wirkung auf die ebenso tief herzlichen Beziehungen zwischen England und Italien ausüben. Tie Begegnung der beiden Herrscher, deren friedliche Gesinnungen bekannt sind, ist für alle Welt das Versprechen und die Bürgschaft des Friedens.
Die Blatter Roms widmen der Zusammenkunft sympathische Artikel. „Giornale d'JLalia" begrüßt die Gäste und sagt, die Unterredung habe vor allem den Charakter herzlicher Intimität gehabt, ohne in irgend einer Weise die übereilten Vermutungen zu rechtfertigen, die man daran geknüpft hatte. Die Verbündeten Italiens ebenso wie feine Freunde könnten nicht an der Aufrichtigkeit seiner Absichten zweifeln. „Italia" meint, die Zusammenkunft m Gaeta bedeute lediglich einen Art der Höflichkeit und habe keinen besonderen politischen Zweck gehabt. „Corriere b Italia" schreibt, die Zusammenkunft der beiden Monarchen sei eine Kundgebung der traditionellen Freundschaft zwischen Italien und England und könne nur noch rmmer mehr die verbündeten und befreundeten Mächte mit Zuversicht für die Erhaltung des F r i e d e n s in Europa erfüllen.
Dem Berichterstatter des „Berl. Tagebl." erklärte ein englischer Gewährsmann in amtlicher Steilung, in England erwarte man, nach der Reise des Königs die im Mittel- meere mobilisierte englische Flotte noch mehr Dermin b e rn und anderwärts verwenden zu können.
Die Londoner Presse erklärt, die deutsche Regierung müsse über die Verhältnisse in England sehr schlecht unterrichtet sein, wenn sie glaube, daß König Eduard nach Gaeta gegangen sei, um Campbell-Bannermans A b - rustungswahn zu unterstützen. Man erklärt, dieser „Atarm" sei durch dieselbe Unruhe hervorgerufen, d^e die auswärtige Politik Deutschlands überhaupt durchdringe.
Tas Echo de Paris will erfahren haben, König Viktor Emanuel werde während seiner bevorstehenden M i 11 e i m e e r» fahrt ;tn Cartagena Aufenthalt nehmen, wo spanische
Neues aus Rußland.
Die ReichSduma setzte die Verhandlungen über die Agrarfrage fort, in deren Verlaufe zwei bäuerliche Mitglieder der Rechten heftige Angriffe gegen die Polen und Israeliten richten und erklären, der Grundbesitz müsse den. Grundeigentümern gegen Bezahlung, aber nicht gegen zu hohe, angenommen und unter bie Bauern verteilt werden. Was die Behauptungen betrifft, so führten die Redner weiter aus, daß die Bauern ungeouoet sind, so muß man sich der Ansicht der Eigentümer anschließen, aber ist es des Adels würdig, die Erde zu bearbeiten? Der Kaiser hat nicht Land genug, deshalb muß es den Grundeigentümern abgenommen werden. Wenn sie die Hergabe verweigern, so muß eine ungeheuer hohe Grundsteuer eingeiührt werden, um die Grundeigentümer anderen Sinnes zu machen. Die Redner riefen auf der Rechten und Linken Beifall hervor.
Ter Senat verfügte, daß der Gouverneur von Nischny- Nowgorod, Baron Fredericks, der in die Lidval-Angelegenheit wegen Getreidedefaudation verwickelt ist, wegen Utu tätigtest, Kompetenzüberschrestung und Mißbrauchs der Amtsgewalt ^u eigennützigen Zwecken und ebenso der Vizegouoev- neur Kisjukow vor Gericht gestellt werden.
In Lodz nehmen die Ctraßenlämp.e wieder an Umsang zu. Am 1b. ds. wurden im Verwirf der Zusammenstöße ' Arbeiter erschossen und 10 verwundet. Tie Ar. zogen sich schließlich in Massen auf den Friedhof zurück, a -> das Militär sie dort vertrieben haste, entdeckte cs iut Erdreich
Eutwuri ausgearbeiiet. Wie weit biciee Projekt ]eyt gelangt icr, wisse er im Augenblick nicht. JederöaUs tue man im Reiche gut, eilt einmal die Gestaltung der Tinge in Preußen abzuwanen. Was die Unterstützung von Baitgenoffenfchasien aus den Kreisen der Beamten und Arbeiter in 'Dhlttäiwertftäiieit anlauge, so steht diese unmittelbar bevor. Ter Automobilvcrkebr habe sich stark ent- wickelt und werbe sich jedenfalls noch weiter cmiuidehu Um fo mehr fei cs berechtigt, bet Zeiten jii erwägen, wie den Uebcl- sländen abg-holieu werden (ömie, und ob cs mögüd) fei, durch Borjchrifteu der Staiibeutivickelmig und dem Beuzmgeruch cut- gegcnjmieten. Es meröe das weiterer tecknufcher Eriahrungcn be- dürfen. Ten Wmtfch des Abg. Wattendori wegen cmcc Eutfetzung einer Kommtision in Lachen der Genickstarre werde er au den Alediznialmimster iveitergeben
Abg. B i n d'e >v a l d iRespt.) erörtert bie Frage der Viehseuchen, insbesondere für die Lckiaizucht. Tie scharten AnS- 'iihrnngsbestimmungen des Viehsencbengejetzes seien geeignet, die Vaubivivlfcl)git von der Fortfetznug der Lclüuznchl abzufchrcckcn.
Geh. Rat Bumtn entgegnet, die Ldiairände fei m letzter Zeit wesentlich zurückgegangcii. Eme Altlderung des VishjeuchengesttzeS fei nicht nötig.
Abg. pengSback (Soz.) wünscht vorerst Maßregeln gegen die Genickstarre, bie m bcr Rheingegend ernst aiülreie und die Be- uölfcnmg beuinuhige. Redner bemängelt dann ine WohnungS- verhältnisse im Reviere Thysfen's.^
Hierauf wirb ein Antrag aus Schluß der Debatte angenommen. Angenommen werben die Resolutionen bett. Wemgcfetz, Wohmmgs- gcfetz und 'jlrbciteviürfoige in Hütten- und Walzwerken. Tte VI uS- gubeii iür bas Reichsgeinnbheitsamt weiden bewilligt. Bet den Ausgaben für die Biologische Anstalt wünscht
Abg. Tr. VI r e ii b t cReichspl.) Ausdehnung der Anstalt auf die tropische Pflanzeniveit.
Staatsfekretar Gras PosadowSky führt ans: er könne derzeit über das Projekt der Errichtung einer Reid)sani!alt für ZüchinngSveijuche leine günstige Auslumt erteilen. Tas Reich unter» IHitze aber Private unb Gefell>chaiten, die derartige Versuche uor- nehmen. Ter Staalsfekreiar erklärt fid) dann bereit, die Bialon gische Anstalt in weiterem Umtange als bisher kolonialen Zlvecken bieustbar zu machen.
Das Kapitel wird bewilligt. Bei dem Kapitel .Patentamt wünscht
Abg. Dr. Junck (natL) Herabsetzung der Patentgebühren und tritt für eine Verbesserung der Gehälter der technischen Hülfs- beamten em.
Abg. Burlage (Ztr.) schließt sich dem an unb will gleich- ialls eine Herabsetzung der Pateistgebühreu.
Abg. Pott hoff (irfg. Vgg.) erkennt ebenfalls die Revisions- bedürftigkeit des Parcntgeietzcs an, wenn feine Partei aud) angesichts dec ®efd)äit61agc ferne Anträge gestellt habe.
Staatssekretär Graf Po s a b o w s f y gibt zwar die Reform» bebürftigfeit des Pateurgesetzes zu, kann jedoch eine Roi^lle für öiefe und bie nächste Seifioii nicht in Aussicht stellen. D,e Frage werde auf Grtmb der heutigen Anregungen neuerdings geprüft iverben. Er glaube aber nicht, baß die Regierung fid) bereit finden lafjen werbe, hinsichtlich der Grundsätze bei der Erhebung der Gebühren eine Aeuderung vor dem Erlaß eines neuen Patent- gefetzes eintreten zu lassen.
Bei den Ausgaben für das ReichSocrsicheruugSamt bespricht
Abg. Becke r-Arnsberg (Ztr.) die große Zunahme der Unfälle in der letzten Zeit. Die Beseitigimg der kleinen Renten werde in den bäuerlichen Kreisen keineswegs Freude erwecken. Er befürwortete dann eine Resolution, m der bie Jnoalidenversicher- üngSanstalten nuigeforbert werden, mehr als bisher lüc bie Be- iriebigimg des WohnungsbedürfntsjeS der mmberbemittelten Bolfs- riafien tätig zu sein. Die Verwaltung des ReichsversicherungS- amteS werde jetzt scheinbar nicht mehr jo Liberal gehaubhabt wie unter Tr. Boedicker.
Abg. Tr. M u g d a n (Es. Vpt.) hält die Gehälter der Beamten bei den Schiedsgerichten für ausbesserungsbedürsug. Ten Studenten der Medizin müsse Gelegenheit gegeben werden, auf den Uni- versitäten sich über soziale Medizin und Arbetterfchutz 5x1 informieren.
Abg. Neuner (natL) klaat über die Höhe der Beiträge zu den landwirtschaftlichen Beruisgenoffenfchaften.
Staalssekretär Graf Posadowsky: Wenn das Resorm- gefetz für das Reichsoersicheruiigsamt vorgelegt wird, werden darin manche Vereinfachungen enthalten sein. Ter Untervid)t in der Gewerbehygiene fönne nur m Verbindung mit anderen Kollegien erfolgen. Daß das Verhältnis zwischen den Schiedsgerichts-Bor- sitzenden und der Jnvalrdenoersicherungsanstalt em schwieriges sei, gestehe er zu. Bet der Reform des Gesetzes werden die Schiedsgerichte auf einheitlicher Gnmdlage aufgebaut werden muffen.
Die Resolution Jäger wird angenommen und das Kapitel bewilligt. Ebenso das Kapitel Physikalisch-technische Reichsanjialt unb das Kapitel Kolomalamt. Ferner wird bewilligt das Kapitel Aussick)tsamt für Prlvatoersicherungen.
Bor der Abstimmung über den Titel: Ausbau der Hohkonigsburg bezwelselt Abg. 'Dl ü 11 e r-'Dlemingeii (srs. Bolksp.) die Beschlutzfährgteit des HaufeS. Somit muß die Sitzung abgebrochen werden.
Weiterberalung morgen. Außerdem Farmerentschädigung in Südwestafrika, kleme Vorlagen.
jHe flnififle 'Nummer pmfafjt 10 Keilen, Fie Kegegnung der Könige von England und Italien.
WB Gaeta, 18. April.
AfS König Viktor Emanuel mit bem Nltnistcr Tittoni und feinem Gefolge heute hier an Bord der englischen Königsjacht „Victoria and Albert^ kam, wurde er votn König Eduard, der Admiralsuntform trug, am Fallreep empfangen. Beide Könige umarmten sich. Dte Begegnung trug den Charakter herzlicher Zuneigung. Bei der Begrüßung beider Vlonarchen brachen die Dlannschaften sämtlicher hier liegender Kriegsschiffe in Hurrarufe aus. Die beiden Könige begaben sich sodann nach dem Königssalon der „Victoria and Albert'.
König Eduard und König Viktor Emanuel verweilten zwanzig Rlinuten allein im KönigSsalon, gleichzeitig hatte Tittoni eine einstündige Unterredung mit dem englischen Unterstaalssekretär Sic Charles Hardinge. Llachdem beide Könige den KönigSsalon verlaffen halten, begaben sie sich in den Salon, in dem die Königin von England und die Prinzessin Viktoria sich befanden. Ter König von Italien überreichte beiden prächtige Blumenspenden und unterhielt sich mit ihnen einige Zeil, während König Eduard bie Minister Tittoni unb Mirabello sowie andere Persönlichkeiten ins Gespräch zog. Um IO8/* Uhr kehrte König Viktor Emanuel, während die Geschütze der Kriegsschiffe Salven abseuerten und die Blannschaften in Hurrarufe ausbrachen, nach der italienischen Königsjacht ^Trinacria' zurück. Um 11 Uhr begab sich König Eduard an Bord dec „Trinacria'. Beim Empfang wurden ihm bie königlichen Ehren erwiesen. Betbe Könige begaben sich in beu KönigSsalon ber „Trinacria', wo sie etwa zehn Almuten verweilten, während baS Gefolge auf bem Deck zurückblieb. Um 11 Uhr 20 Alin, kehrte König Ebuacd, während bie Schiffe Salven abgaben und bie Besatzungen Hurrarufe ausbcachten, an Bord ber engl. ktönigSjacht zilrück.
Bei dem Früh'stück, das im großen Salon der italie- nischen Königsjacht „Trinacria" statlfand, war die Tafel prächtig mit -Orchideen geschmückt. Zur Rechten des Königs von Italien saßen die Königin Alexandrn, Minister Tittoni, Lord Chamberlain und Vriuister Mirabello; zur Linken Prinzessin Viktoria und Graf Howe, König Eduard saß dem König von Italien gegenüber und hatte zu seiner Rechten bie Gräfin Austin, Ärd Egerton und den General Brusari, zur Linken Frau Charlotte Knollys, General Gras Ponzio Vaglia und Dir Charles Hardinge. Bei Beendigung des Frühstücks stießen die beiden Monarchen mit den Gläsern an und tranken auf ihre Gesundhest. Nach dem Frühstück verließen der König und die Königin von England mit der Prinzessin Viktoria mit ihren Gefolgen unter bem Donner ber Geschütze unb Hurrarufen ber Bejahungen bie „Trinacria". Der Abfchieb zwischen bem König von Italien unb bem englischen Königs paar war überaus herzlich. Um zwei Uhr gingen die Jacht „Viktoria onb Albert" unb bie anderen englischen Schiffe unter dem Donner der Kanonen unb Hurrarufen der Besatzungen in See. Nach Abfahrt ber englischen Schifte begab sich ber König von Italien an Land, um nach Rom zurückzukehreu, do er heute abenb ein treffen wird.
Kriegsschiffe sich zum Empfang vereinigen sollen. Von den Jnsanten Carlos und Ferdinand begrüßt und nach Madrid geleitet, würde der König dort einige Tage verweilen und dann von Cattagena aus ferne Mittelmeerfahrt fortfetzen.
Als der Trojanerheld Aneas am azurnen Tyrrhener- meer feine alte Amme Cajeta begrub und ihr zu Ehren die Grundlage zu der Stadt legte, die in Italiens Geschichte eine große Rolle spielen sollte, da nahm von hier aus fein Leidenszug ein Ende unb bas Reich ber Latiner entstaub gar halb unter feinen Hänben. Als PiuS IX. int Revolu- rionsjcchre 1848 Rom verlaffen mußte, war Gaeta sein Zufluchtsort, in bem er fast ein Jahr lang weilte. Unb als Franz von Neapel sich in seiner letzten Not auf Gaeta zurückzog, als Viktor Emanneis Truppen bie starke Feste zu Lanb und zu Wasser bestürmten, als Garibalbi Cupua eroberte unb kaum einen Monat später Gavta burch Verrat siel, ba versank mit ihm auch ber Kirchenstaat, bes Papstes weltliche Herrschaft, auf Nimmerwiebersehen unb das geeinte Italien erstanb. Und kaum ein halbes Jahrhundert später hielt Viktor Emanuels Enkel seinen Einzug in Gaeta und mitt hm Albions Herrscher — zu „friedlichem „Familienbesuch".
Auf Rapallo folgte Cartagena, auf Cartagena Athen, auf Athen Gasca! Unb mitten Darin steht der große Akteur unb läßt bie Puppen tanzen: ber König Englands.
Die römische Presse macht den Versuch, den Besuch nur als einen Akt familiärer Höflichkeit hinzustellen. Die richtet an die deutsche Presse und die öffentliche Meinung bie Mahnung, bie freundlichen Beziehungen Italiens zu den Mächten, die außerhalb des Dreibundes stehen, nicht zu mißdeuten unb nicht bei dem geringsten Windhauch auf- zuzucken, als ob irgendwelche ernste Folgen zu besorgen wären. Italien bleibe bem Dreibunde treu. Italien wolle nur Friedensbote sein. Darum möge man bie Sorgen lassen unb vertrauen. Der Dreibund sei unversehrt.
Vordem aber sprach dieselbe Presse frank und frei von einer beabsichtigten „Brüskierung Deuts chlort d s" und Don ber „Antwort auf Rapallo". „Trotz bes amtlichen Dünbnisfes feien bie Gefühle des italienischen Volkes allesamt für England unb Franireich." „Mit Eng- lanb sei Italien trotz bes Dreibunbes am festesten verbündet." Soll nun Eduard Don England solche Stimmungen ins Gegenteil umgeänbert haben? Wir glauben es nicht und kein vcrnünfligev Mensch inuLd glatlden Auch nicht, daß Eduard in Gasta dem König des Mittelmeerstiefels nur Schwänke aus feinem lustigen Leben erzählte. Doch wenn er das jugendliche Herz des SpanierwnigA mit feinen Plänen, feinen Versprechungen uno Hoffnungen erfüllt hat, wer wollte daran zweifeln, daß ihm Italiens Herrscher nicht ebenso willig sein Öhr lieh?
Täuschen wir uns nicht. Der Tag von Gasta bedeutet Dielleicht oas letzte Glied in der Kette, die Eduards Gin» kreisungsversuche — um mit bem „Wasserstrahl" ber „Köln. Ztg." zu reben — um Deutschland schlingen wollen. Wir bewundern rückhaltlos die geistige Regsamkeit, die feine Diplomatie des englischen Königs, an der sich unsere zünftige Diplomatie mehr als ein Verspiel nehmen könnte, unb werden es nie bestreiten, daß Eduard VII. einer der Schlauesten ist, die jemals einen Thron geziert haben. Wir werden uns aber auch nicht durch offizielle Beschwich- tigungsphrasen tauschen (affen durch Cartagena, Athen unb Gasta und auf ber Hut sein.
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Glcheim Anzeigers auswärts ZU tteraitfr General-Anzeiger für Oberhessen «s -Gerichtesaal'. (6 i nft
Rotationsdruck und Verlag der vruh?schrn Univ.-Vuch- und Ztetndruckerei. R. Lange. RedaMo«. Erpeditton und vrnckerel: 5AnlNraNe 2. vee. tm der. An-
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