Aus SLa-t und Land.
Gießen, den 17. April.
• * Päpstlicher Orden. S. K. H. der Großherzog haben der Freifrau Elisabeth v. Biegeleben, geb. Freiin v. Biegeleben, Vorsteherin des St. Elisabethenvereins zu Darmstadt, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihr von Seiner Heiligkeit dem Papst Pius X. verliehenen Ehrenkreuzes Pro Ecclesia et Pontifice erteilt.
• • Kubanischer Generalkonsul. Der Generalkonsul der Republik Cuba Guillermo Dolz y Arango in Hamburg ist zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogtum Hessen zugelassen morden.
• * Sein 25jähriges ArbeitSjubiläum bei der Firma H. Sch affst a e dt hier feierte gestern Mctalldreher Emil Schüßler. Dem allezeit seine Pflichten treu und gewissenhaft erfüllenden Jubilar wurden au3 diesem Anlaß von Kommerzienrat Schaffstaedt, der Geschäftsführung, den Beamten und Arbeitern reiche Geschenke überreicht, die von der ihm allseits entgegengebrachten Liebe und Wertschätzung beredtes Zeugnis ablegen.
"Wegen des Eisenbahnunglücks bei Groß- Karben steht vor der Strafkammer zu Gießen am 27. ds Mts. gegen den Stationsassistenten Grundk e und den Eisenbahnarbeiter Lohmann von Groß-Karben Verhandlungstermin an. Rechtsanwalt Grünewald und Rechtsanwalt Mendelsohn werden die Verteidigung führen.
• * Was von einem Oberbürgermeister alles verlangt wird. In der „Hess. Landesztg." finden wir folgende Einsendung „mehrerer Marburger Bürger*:
„Ta Herr Hölzerkopf aus Iserlohn wegen der ziemlich bedeutenden Gegnerschaft nicht nach Marburg geht und somit eine neue Wahl anberaumt wird, ist es der Wunsch vieler Bürger, ein Stadtoberhaupt zu erhalten, das verheiratet und auch ni i t Kindern gesegnet ist. (Herr Hölzerkopf hat keine Kinder. Unser alter Herr Geheimrat Schüler war trotz seines Junggesellentums stets ein großer Kindersreund. Wir empfehlen unfern Herrn Stadtverordneten, auch diesem Punkte bei der Wahl Rechnung zu tragen.*
Ä Butzbach, 16. April. Aus dem Rechenschaftsbericht bei der ersten Generalversammlung der durch die Unterschlagungen des Rechners Heinzerling geschädigten Sparkasse ist zu entnehmen, daß der Fehlbetrag von rund etwa 45 OOO Mark am Schluß des ersten Geschäftsjahres auf etwa 10 000 Mark zurückgegangen ist. Bekanntlich wurde zum Zwecke der (Sanierung der Kasse s. Zt. beschlossen, auf die Dauer eines Jahres die Zinszahlungen auf Spareinlagen einzustellen. Dieser Tage kommt der Kasse ferner noch der Erlös für das zur Versteigerung kommende Heinzerling'sche Bergwerk zu gut. Jetzt erst wird bemerkbar, wie leichtsinnig die Kasse mit ihrem selbständigen Rechnerposten gewirtschaftet hat. Richt weniger als vier Hofreiten kommen zurzeit unter den Hammer, die zum Teil unverhältnismäßig hoch von der Kasse hypothekarisch beliehen waren. — Heute vormittag lief ein 7 jähriges Mädchen gegen ein Lastfuhrwerk und wurde von dem Pferd so unglücklich an der Stirne getroffen, daß es bewußtlos in die elterliche Wohnung gebracht wurde. Der Arzt stellte eine bedenkliche Gehirnerschütterung fest.
W Bad-Nauheim, 15. April. Für den Besuch der Terrasse wird in Zukunft insofern eine Aenderung eintreten, als von jetzt ab auch zu den täglichen Konzerten der Kurkapelle nur im Besitze von Kur-, Saison- oder Tages-Karten befindliche Personen Zutritt haben. Für die Einheimischen und die Bewohner der nächsten Umgebung ist eine Saison-Karte zum Preise von 15 M. mit Beikarten von je 5 M. für jede einzelne Beikarte geschaffen worden, welche mit Ausnahme des Besuchs der Tanzunterhaltungen, dieselben Rechte gewähren, wie die großen Kurkarten. Es empfiehlt sich für alle, die einen regelmäßigen Besuch der Terrasse und der Veranstaltungen auf derselben beabsichtigen, sich möglichst jetzt bereits vor der Saison solche Saison- und Beikarten für sich und ihre Familie zu beschaffen. Sämtliche Beikarten werden auf den Namen ausgestellt und haben dadurch den Vorteil, daß jedes emzelne Familien-Mitglied, unabhängig von den Anderen, eine eigene auf seinen Namen ausgestellte Karte zur Benutzung hat. Es empfiehlt sich, besonders zu Beginn der Saison die Karten als Legitimation für die Kontrolleure stets bei sich zu führen. Bestellungen auf diese Karten nimmt das Bureau der Badedirektion im südlichen Verwaltungsgebäude bereits jetzt entgegen. Die Ausgabe der Karten erfolgt vom 28. April ab.
" Wölfersheim, 15. April. Für das staatliche Braunkohlen-Bergwerk Ludwigshoffnung ist mit Beginn dieses Monats eine selbständige rechnungSpflichtige Bergkasse errichtet worden. Gleichzeitig sind die seitherige Vergkasse bei dem Großh. Salinenrentamt Bad Nauheim und die Bergunterkassen Wölfersheim und Melbach aufgehoben worden.
-ä Hungen, 16. April. Gestern morgen fand man, wie schon kurz mitgeteilt wurde, in der Horloff, sogen. Tränke, die Leiche der Witwe Schneider von hier. Sie hatte vor einigen Jahren einen jungen Sohn durch den Tod verloren, ihm folgte bald ihr Gatte und voriges Jahr wurde ihr eine Tochter im blühenden Alter durch den Tod entrissen. In einem Anfall von Schwermut scheint die schwergeprüfte Frau in der Nacht von Sonntag auf Montag den Tod gesucht zu haben. Ihren zwei hinterlassenen Töchtern wendet sich allgemeine Teilnahme zu.
4~ Ehringshausen (Dill), 16. April. Der älteste Einwohner Ehringshausens, der im 90. Lebensjahre stehende Händler A. Klein, wurde heute beerdigt. Klein war sozusagen bis zu seinem Tode ein stets gesunder, kräf- tiger Mann.______
vermischter.
Katastrophe im lucascyinensaal einer Druckerei. Ein schwerer Unglücksfalt hat sich in Paris ttt einer großen Druckerei ereignet. Um den Maschinensaal herum lauft in einer Höhe von sechs Metern eine breite Galerie, die durch eiserne Säulen gestützt wird, und auf der einige Arbeitsräume untergebracht sind. Eine der Säulen lockerte sich aus unbekannten Ursachen, und ein Teil der Galerie stiirzte auf den Maschinensaal nieder, eine Anzahl der Arbeiter mit sich reißend, andere unter Trümmern begrabend. Die meisten konnten sich mit gc-ingeren Verletzungen reiten. Drei Arbeiter sind schwerer verwundet Zwei, darunter ein 22 jähriger Mann, der im Mai heiraten
wollte, wurden getötet. Bei den Rettungsarbeiten zeichnete sich ein Arbeiter Truilpier aus, der mit Lebensgefahr auf einen schwankenden Teil der Galerie hinaufkletterte und mehrere schwere Bleiplatten, die jeden Augenblick auf die unter dem Schutt begrabenen Menschen niederzubrechen drohten, auf festen Boden brachte. Der Polizeidirektor L5pine, der selbst ein mutiger Mann ist und deshalb Mut zu ehren weiß, hat dem Braven die silberne Medaille und ein Geldgeschenk erwirkt. Als er ihm beides überreichte, sagte er zu ihm: „Ich muß Ihnen die Hand drücken, weil Sie ein braver Bursche sind!" „Danke, £>err Löpine," antwortete darauf der Dekorierte, „ich freue mich, das gerade von Ihnen zu hören, denn Sie sind auch einer!"
' Eisenbahn zur Zugspitze! Der Lokalbahn- Aki.-Gesellschaft München ist die Konzession für die Ausarbeitung eines Projektes für eine Bahn auf die Zugspitze erteilt worden.
• Der Stammvater von 105 Köpfen. In Pre ini Ledrotale starb kürzlich der 90 jährige Josef Mezzanotte. Seiner Ehe, die bis über die goldene Hochzeit hinaus währte, entsprossen drei Töchter und vier Söhne, die sämtlich noch am Leben und verheiratet sind. Aus deren Ehen sind 59 Kinder entsprossen. Einzelne von diesen Enkelkindern sind auch schon wieder verheiratet und haben den Großvater mit insgesamt 39 Urenkeln erfreut. Das macht zusammen eine Nachkommenschaft von 105 Köpfen.
* Allzuretch er Familiensegen. Eine Frau, die dem alten Napoleon wahrscheinlich als das Muster einer tüchtigen Mutter und Bürgerin erschienen wäre, lebt in dem waadtländischen Dörflein Provence bei Werden. Diese wackere Frau, namens Eornu, hat nämlich ihrem Gatten innerhalb zwei Jahren nicht weniger als sieben Knaben geboren: im Januar 1905 Zwillinge, im Dezember 1905 wieder Zwillinge und letzthin sogar Trillinge, alles lebensfähige, kräftige Kinder. Insgesamt zählt die Familie Cornu nun schon elf Knaben, alle gesund und wohl.
* Trinkfeste Pfälzerinnen. Die Pfalz verfügt von jeher schon über trinkfeste Mannen, die ihren „Stiefel" vertragen können, sofern der Stiefel nur einen süffigen Wein bietet. Aber auch die „Weibsen" der Pfalz scheinen in dieser Hinsicht nicht zurückzustehen, wenigstens beweist dies der folgende Fall: Die 65 jährige Witwe Katharina G-erst in St. Martin war nebst ihrer Tochter der Wein* fälschung angeklagt. Bei der Verhandlung vor dem Landgericht in Landau erklärten beide, sie hätten jährlich 2500 bis 3000 Liter Trinkwein gebraucht. Als der Vorsitzende fragte, wie viel Liter jede den Tag über trinke, antwortete die Frau resolut: „Meine Herren, ich bin den Wein gewöhnt, ohne Wein kann ich nicht leben, und sechs Liter täglich, jawohl, die pack ich, die hab' ich schon oft getrunken."
* Kleine TagesckroniL In Weimar wurde der Kunstmaler P r o f e s s o r Schulz in der Nahe de§ Theaters von dem Automobil des Rittergutsbesitzers Brauns in Holzdori übersah r e n und war sofort tot. — Zwei räuberische Ueberfälle haben die Bewohner von Rnhlsdorf und Großbeeren (Proo. Brandenburg) in Schrecken versetzt. Unweit von Ruhlsdors überfielen zwei Wegelagerer den Sohn des Händlers Kohlmann, schossen fein Pierd nieder, vermochten aber nichts zu erbeuten, da der Ueber- iallene durch schleunige Fjucht entkam. Erne Stunde später griffen dieselben Räuber auf der Chaussee von Großbeeren nach Heinersdorf den Kutscher eines Bierwagens an, schossen gleichfalls ein Pferd nieder und raubten 80 Mk. — In der franz. Hafenstadt Cherbourg wurde auf einem freien Platze ein Obermaat von sechs Matrosen umringt, welche ihn aufforderten, ihnen einen Trunk zu zahlen. Als er sich weigerte, schlugen die Matrosen auf ihren Vorgesetzten ein. Einer von ihnen wurde von Schutzleuten fest- genominen und einer Patrouille übergeben. Diese wurde jedoch unterwegs von einer Bande, bestehend aus Matrosen, Kolonialinfanteristen und Zivilisten, angefallen, und der festgenommene Matrose konnte entweichen. — In derE 11 e n b u r g e r Flur fanden mit Erfolg Bohrungen auf Kohlen statt. Es wurden Kohlenlager von 100 Bieter Mächtigkeit festgestellt. Der größere Teil der Felder ist bereits verkauft. — Aus Montreal wird gemeldet: Eine zweite Feuersbrunst in der Mo Gill - Universität zerstörte das Medizingebäude. Ter Verlust beträgt eine halbe Million. Das Museum ist unersetzbar. Es wird Brandstiftung vermutet.
Schöffengericht Gießen.
— Gießen, 16. April.
Ein hoffnungsvoller Junge.
Ter Kassierer eines hiesigen Vereins hatte seinen Sohn, einen Jungen von 16 Jahren, mit dem Einsammeln der Beiträge betraut. Als der Knabe ca. 20 Mark beisammen hatte, ging er mit dem Gelbe durch. Er kam aber nicht weit. In Frankfurt <*. M. wurde er alsbald aufgegriffen, da er völlig mittellos und obdachlos sich dort herumtrieb. In der heutigen Verhandlung erhielt er mit Rücksicht auf seine Jugend und darauf, daß es sich um einen unüberlegten Streich handelte, wegen Unterschlagung die Strafe des gerichtlichen Verweises.
Bergeheu gegen das Kiuderschutzgesetz.
Ein hiesiger Bäckermeister ließ, da sein Bäckerbursche gerade nicht zur Stelle war, durch einen Schüler der Realschule zweien seiner Kunden morgens vor 8 Uhr Wecke in einem Säckchen bringen. Der Junge, der bei dem Bäckermeister in Pension ist, tat dies aus Gesäl ligke.it. Eine Vergütung erhielt er dafür nicht. Es konnte an zwei Tagen festgestellt werden, daß der Junge zwei Kunden des Bäckers Brötchen gebracht hatte. Da der Junge erst 10 Jahre alt ist uni) das Austragen der Brötchen vor 8 Uhr morgens erfolgte, liegt eine Uebertretimg des Kinderschutzgesetzes vor. Der betreffende Bäckermeister wurde daher zu drei Mk. Geldstrafe ev. 1 Tag Gefängnis verurteilt.
Nahrungsmittelfälschung.
Im Oktober 1906 wurde bei einer Revision der Metzgerläden festgestellt, daß ein Metzger in Wieseck Wurst verkaufte, die einen zu hohen Prozentsatz an Stärkemehl enthielt. Nach gesetzlicher Vorschrift dürfen es höchstes zwei Prozent fein. Bei der chemischen Untersuchung stellte sich heraiis, daß die Wurst ca. 3,47 Prozent Stärke enthielt. Der Metzger gab an, er habe sonst immer Eiweiß verwandt, um die Wurst :eft zu machen. In der fraglichen Zeit sei ihm das Eiweiß ausgegangen und er habe daher feinen Metzgerburschen ange- roieien, dos im Keller befindliche Stärkemehl bei der Wurstbereitung zu verwenden. Dies habe der Bursche auch getan. Es' könne schon sein, ,daß etwas mehr Stärkemehl in die Wurit gekommen fei, als gesetzlich zulässig sei. Da seftgestellt wurde, daß in dem Verkausslokal des Angeklagten kein Schild ausgehängt war, das anzeigte, daß hier Wurst verkauft werde, die mehr als zwei Prozent Stärkemehl enthalte, mußte Verurteilung ein treten. Der Metzger wurde zu 2 5 M k. Geld- st r a s e ev. 5 Tage Gefängnis und fein Bursche zu 1 0 M k. Geldstrafe ev. 2 Tage Gefängnis verurteilt.
... r. .. Beleidigung.
Tut l)ic|igcr Hau sbesitzer hatte, mehrfach bemerkt, daß Kohlenasche auf den Fensterbänken her unteren Stockwerke lag. St nahm daher an, sw sei von oben herabgeschüttet worden, on bei Erregung hierüber schrieb er einem im oberen Stock wohnenden Schutzmann Ende Januar d. I. einen Bries, in dem er > lwi Vorhaltungen machte, weil er die Kohlenasche von oben her,l!schütte. Unter anderem führte er aus, es sei dies ein kau.'t zu glaubendes Gebaren in gesundheitlicher wie in polizeilicher Beziehung und er werde sich bei einem weiteren derartigen Vorkommnis ohne weiteres der Hilfe der Polizei be
dienen. Ter Schutzmann fühlte sich beleidigt und erhob daher Privatklage. In der heutigen Verhandlung konnte eine Entscheidung noch nicht ergehen, da sich zur Anfklärung der Sach» läge die Vernehmung weiterer Zeugen als notwendig herausstellte.
Folgen des Alkohols.
Am 28. Januar d. I. siel ein Arbeiter aus Eichelsdorf in stark angetrunkenem Zustande auf der Ortsstraße in Reis, kirchen. Ta er dabei laut schrie und schimpfte, blieben die Leute stehen. Um dem Lärm ein Ende zu machen, forderte der Ortsdiener den Arbeiter auf, ruhig nach .Hause zu gehen. Er lärmte aber weiter und beschimpfte den Polizeidiener in gröblicher Weise. Unter anderem schrie er: „Der Ortsdiener ist verrückt, der muß nach Berlin, wo die Verrückten sind, da muß der Ortsdiener hin." Als der Polizeidiener mit Gewalt ihn von der Straße entfernen wollte, wehrte er sich nach Kräften und trat ihm nach dem Leib. Erst mit vieler Mühe gelang es, ihn aus Reiskirchen hinauszubringen. — Mit Rücksicht auf sein rabiates Benehmen erhielt der Angeklagte wegen Ruhestörung einen Tag Haft und wegen Beleidigung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt eine Woche Gefümgnis.
GerichtssasL.
w. Standgericht. Am Samstag verhandelte in der Zeughauskascrne das Standgericht gegen den Musketier Haus von der 11. Kompagnie des 116. Infanterie-Regiments wegen Un gehorsams. Belügens eines Vorgesetzten und ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung. Richter waren Major Loerbroks, Hauptmann Soldmr und Oberleutnant Schwendh, Vertreter der Anklage war Leutnant Märtel. Haus bestritt seine Schuld und erklärte, es müsse ein Irrtum der Zeugen vorliegen. Der Tatbestand der Verschlungen des An- geßagten, wie ihn die Beweisaufnahme feststellte, war: Vor ca. drei Wochen bemerkte ein Unteroffizier, wie ein Mann vormittags um 11 Uhr int Korridor des Erdgeschosses der neuen Kaserne sich unter verdächtigen Bewegungen zu tun machte. Während der Vorgesetzte näher an die Stelle ging, die inzwischen von dem Mann verlassen worden war, bemerkte er, daß der Soldat ungehöriger Weise dort eine Verunreinigung verübte. Der Unteroffizier stellte den Mann und frug ihn nach seinem Namen ec., worauf ihm von dem Angeklagten ein falscher Name angegeben wurde. Der Vorgesetzte hielt den Mann leicht am Aermel und wollte ihn so zu der Stelle binführen, wo er die Verunreinigung verübt hatte. Haus riß sich los und gab Fersengeld, selbst dann iwch, als ihm der Unteroffizier wiederholt befahl, stehen zu bleiben. Außer von dem Unteroffizier war Haus aber noch von anderer Seite beobachtet worden und besonders ein als Zeuge vernommener Kamerad des Angeklagten legte dar, es sei ganz ausgeschlossen, daß er sich in der Person des Taters geirrt habe. Das Urteil lautete auf vier Wochen strengen Arrest, wobei der Gerichtshof bedauerte, über diese höchste zulässige Strafe nicht hinausgehen zu können, da die Tat und das Benehmen des Angeklagten eigentlich eine höhere Strafe verdient hätten.
Märkte.
•th. Gießen, 17. April. Der gestrige Nindviehmarkt hatte einen Austrieb von etwa 1000—1100 Stück Großvieh unb 300—350 Stück Kälbern unb Jungvieh. Im ganzen handelte es sich um einen verregneten Markt, bei bem bie Verkäufer bas Vieh nicht fo zeigen konnten, wie dies bei gutem Wetter ber Fall gewesen wäre. Trotzdem eigentlich keine Kaullust vorhanben war, würbe ber Vorrat boch so einigermaßen geräumt, weil eben die Käufer in außerordentlich starker Anzahl an den Markt gekommen waren. Die Preise für Milchvieh zeigten eine feste Tendenz unb bewegten sich in Grenzen wie beim letzten Markt. Tas Gleiche traf auch für bie Preise beim Fettvieh zu. Junge Rinder und Stiere für Zuchtzwecke waren sehr stark begehrt, aber überaus knapp am Markt vertreten, weshalb sehr hohe Preise für diese Tiere angelegt werden mußten. Der Handel in Kalbern war mehr wie flott, die Preise wurden durch die sehr hohen Preise des letzten Frankfurter Marktes in die Höhe getrieben, was um so mehr möglich war, als der Vorrat in ganz kurzer Zeit für Wiesbaden unb Frankfurt aufgekaust war. Gangochfen waren nur vereinzelt vorhanben, so baß sich ein Handel darum nicht entwickeln konnte. Die Preise für frischmelkende und tragende Kühe stellen sich das Stück wie folgt: 1. Qual. 420—480 Mk. (einzelne schwere Stucke bis 520 Mk.), 2. Qual. 350—400 Mk., 3. Qual. 275-325 Mk Junge Stiere und Rinder für Zuchtzwecke wurden bas Stück bezahlt: Vt-ljätirig 220—240 Mk., jüngere Tiere nach Qualität unb Form 150—200 Mk. Verkaust würbe der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinber 1. Qual. 68-70 Mk., 3. Qual. 64-67 Mk., fette Kühe 1. Qual. 65—67 Mk., 2. Qual. 62—64 Mk., Kälber 1. Qual. 72 bis 78 Mk., 2. Qual. 65—70 Alk., 3. Qual. 58-62 Mk. Infolge des schlechten Wetters wickelte sich das Geschäft sehr schnell ab, so daß der Markt bald beendet war.
fc. Frankfurt a. M., 16. April. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu Mk. 3.00 bis 3.20, Stroh Mk. 3.00 bis Mk. 3.10. Tendenz fest.
EingesanSt.
(Für Form und Inhalt aller uiiicr oicicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redakt an dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.')
Vor acht Tagen wurde in derKirchstraße bis zu dem von Herrn Pfarrer Schwabe bewohnten Hause ein elektr. Kabel gelegt und heule noch liegt der mit den kleinen Gail'schen Trottoirklinkern gepflasterte I u ß st e i g auf gerissen da. Wie ist so etwas nur möglich? Arb eiten denn die verschiedenen städtischen Betriebe nicht Hand in Hand? Hat das Elektrizitätswerk keine Pflasterer zur Verfügung, so müßte sich m. E. der Leiter desselben mit dem Tiefbauamt in Verbindung setzen unb zwar vor Inangriffnahme der Arbeit, damit solche Zustände vermieden werden. — Selb st Verwaltung ist etwas Schönes, auch ich möchte sie nicht missen, zeitigt sie aber solche Mißstände, otaugtsienichtsj H. E.
Telefonische
des Giessener Anzeigers, mitgt und Indasli
Frankfurter Jiörs<
3^°/o Eeichsanleihe . . 95.65 396 do. . . 84.50 3>6°/o Konsols .... 95.60 396 do. .... 84.45 3$6°/o Hessen . . . 95.00
3>6°/o Oberhessen . . . 9510
4 96 Oesterr. Goldrente. . 99.50 4I/S 96 Oesterr. Silberrente 100.00 496 Ungar. Goldrente . . 94.60 496 Italien. Rente . . . — 396 Portugiesen Serie I . 67.60 396 Portugiesen „ III 68.10 4}6°/o russ. Staatsanl. 1905 91.30 4>6°/n japau. Staatsanleihe 93.35 4 96 Conv. Türken von 1303 94.50 Türkenlose.....140.20
496 Griech. Monopol-Anl. 50.00 4 96 äussere Argentinier . 87.50 3°/0 Mexikaner . . . 66.00
4 >6% Chinesen .... 97.60
Aktien:
Bochum Guss..... 220.50
Buderus E. W .... —.—
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, 17
Canada E. B......176.20
Darmstadter Bank . . . 132.90 Deutsche Bank .... 230.75 Dortmunder-Union C. . . 74.00 Dresdner Bank . . . . 146,50
Tendenz: ruhig.
Kursberichte
teilt von der Bank für Handel ie. Giessen.
17. April, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . < . 129.00 Elektriz. Schachert . . . 114.00 Eschweiler Bergwerk . . 230.10 Gelsenkirchen Bergwerk . 198.80 Hamburg-Amerik. Paket!. 137.50 Harpener Bergwerk. . . 208.60 Laurahütte...... 223.50
Nordd. Lloyd.....126.60
Obeischles. Eisen-Industrie 109.80 Berliner Handelsges . . 158.80 Darmstädter Bank 133.00
Deutsche Bank . . . 230.70
Deutsch-Asiat Bank . . 171.25 Diskonto-Kommandit « . 172.90 Dresdner Bank . . . 146.50 Kreditaktien..... 208.20
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 98.60
Gotthard bahn . . . . —.—
Lombard. Eisenbahn . , 2610 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.70 Prince-Henri-Eisenbahu . 135.40
. April. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 208.30 Laurahütte .... 223.70 Lombarden E. B. ... 26.10 Nordd. Lloyd.....126.40
Türkenlose . . r , . 7-.-—


